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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!

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Dieses Thema hat 49 Antworten
und wurde 1.982 mal aufgerufen
 Atheismus/Agnostizismus
Seiten 1 | 2
Dietmar Schoder Offline



Beiträge: 15

05.10.2011 17:42
Der Nullgottglaube antworten

Liebe Leute! Ich habe vor ein paar Tagen den "Glauben 3.0" gegründet.

Was sagt ihr dazu?

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.305

05.10.2011 19:09
#2 Der Nullgottglaube antworten

Gut!

Was bezweckst du damit?
Eine neue Antireligionsgemeinschaft? Wie z.B. die FSM-Gemeinschaft.
Eine Partei? DAS fände ich großartig!

Hast du eine weitergehende Vorausschau oder Planung?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Wu Offline




Beiträge: 416

05.10.2011 21:57
#3 RE: Der Nullgottglaube antworten

Erinnert mich ein wenig an unseren Polyatheismus: Es gibt keinen Gott, aber davon ganz viele.

Meiner Meinung nach sollte aber der Nullgottglaube auch den Nullichglauben nach sich ziehn. Dann müsste nur noch Nullfreienwillenglauben dazukommen, und ich wäre zu bekehren.
(Hat bekehren was mit nicht ganz sauber sein zu tun?)
Obwohl auch ein Nullsinnglaube nicht zu verabscheuen wär. (Goethes Erben geht mir da im Kopf rum - "Es gibt keine Lösung. Keinen Ausweg. Keinen Sinn." und das große Mantra von Richard Sylvester - hoffnungslos, hilflos, sinnlos) Von da kommt man zum Nullwahrheitglaube.

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"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

True Detective

Dietmar Schoder Offline



Beiträge: 15

05.10.2011 22:44
#4 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Gysi
Was bezweckst du damit? Eine neue Antireligionsgemeinschaft? Wie z.B. die FSM-Gemeinschaft.
Eine Partei? DAS fände ich großartig! Hast du eine weitergehende Vorausschau oder Planung?



Hatte Jesus von Nazareth einen "Zweck"? Er war erleuchtet. Buddha ebenso. Ich kann aus eigener Erfahrung nur berichten: wenn man erleuchtet ist, da spürt man den Sinn.

Und dieses Gefühl erfüllt einen vollkommen. Auf einmal ist man im völligen Frieden mit sich selbst. Ich werde sterben.

Das ist der Mythos, an den ich glaube. Und das Universum ist perfekt. Es wird von keiner Gottheit gestört. Auch von diesem Mythos bin ich erleuchtet.

Mein Plan: Für die Anerkennung dieser Religion als Glaubensgemeinschaft brauche ich 300 Unterstützer. Das ist mein Plan.

Und ich bemühe mich zur Zeit darum, im neuen Dialogzentrum der Religionen in Wien ebenfalls einen Sitz zu bekommen.

Eine Partei, wie du schreibst, basierend auf meiner Religion, muss jemand anderer gründen. Gern, machst du das? Es gibt ja auch eine CSU usw. Aber ich bin keine Partei. Ich vertrete eine Religion, die ich gegründet habe. Und die muss lt. Menschenrechten anerkannt werden.

P.S.: Ich meine das absolut ernst. Das FSM hingegen ist definitionsgemäß nur eine Persiflage. Damit schaffen sie die staatl. Anerkennung nicht.

chamuc Offline




Beiträge: 637

06.10.2011 01:07
#5 RE: Der Nullgottglaube antworten

Das ist eine originelle Idee, Dietmar Schoder!

Zunächst mal Kompliment zu der gelungenen Zusammenfassung des Glaubensinhalts - schön auf wissenschaftlicher Basis getrennt nach dem, was wir wissen können und dem, was wir demgegenüber ("nur") glauben können. Das ist alles schlüssig (obwohl ich in ein paar Details Vorbehalte habe, aber ich will hier keine Physik-Diskussion draus machen), und die Herleitung vom Vielgott- über den Eingott- zum Nullgottglauben insbesondere ist originell.

Im Großen und Ganzen (wiederum von ein paar Abweichungen abgesehen) trifft das, was Glaube 3.0 ausdrückt, meine persönlichen Ansichten recht gut.

Trotzdem werde ich - sorry - den Antrag auf Anerkennung nicht unterstützen. Ich bin einer von denen, die (Zitat:) "sich ihre Antworten auf die Letzten Fragen selber zurechtgelegt haben", und ich möchte diese Anschauung nicht als einen weiteren Glauben unter vielen verstanden wissen, sondern im Gegensatz dazu als Abwesenheit einer religiösen Überzeugung, als einen Nicht-Glauben.

Ich weiß, das man das verschieden sehen kann, und ich behaupte nicht, es sei zwingend so - aber es ist die Interpretation, die ich bevorzuge.

Außerdem möchte ich meinen Nicht-Glauben von der Öffentlichkeit, nicht nur vom Staat, auch weiterhin als Privatsache aufgefasst wissen. Es gefällt mir nicht, dass sich zunehmend Atheisten darum bemühen, als zusätzliche Glaubensrichtung neben den überkommenen wahrgenommen zu werden. Ich halte die Gründung einer neuen Glaubensgemeinschaft für einen Rückschritt - um so mehr, als Glaube 3.0 sowieso nicht missionieren will.

pilgarlic Offline




Beiträge: 77

06.10.2011 06:57
#6 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Dietmar Schoder
Hatte Jesus von Nazareth einen "Zweck"? Er war erleuchtet. Buddha ebenso. Ich kann aus eigener Erfahrung nur berichten: wenn man erleuchtet ist, da spürt man den Sinn.


Die Darstellung deines "Glaubens" war in Ordnung.
Aber dass du dich jetzt in zitiertem Satz in eine Reihe mit Jesus und Buddha als "erleuchtet" präsentierst, das macht die Sache komplett hinfällig. Wer "erleuchtet" ist, hält die Klappe.

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"Wenn der Mensch wirklich Mensch wird, wird er Gott..." Taisen Deshimaru
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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.305

06.10.2011 08:45
#7  Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Sietmar Schoder
Ich kann aus eigener Erfahrung nur berichten: wenn man erleuchtet ist, da spürt man den Sinn.

Du bist also "erleuchtet" und siehst dich in einer Reihe mit Buddha und Jesus C.
Und du redest von "meiner Religion", für die du Jünger suchst.

Nee, da hatte ich zu Beginn wohl was falsch verstanden und werde dein Anliegen selbstverständlich ebenso nicht unterstützen!

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Wu Offline




Beiträge: 416

06.10.2011 09:52
#8 RE: Der Nullgottglaube antworten

Ich finde es ein wenig verwunderlich, daß bei der Darstellung von Glauben 3.0 eines der großen Kulturnationen mal wieder ganz unerwähnt bleibt, obwohl es doch gerade in Bezug auf Glauben 3.0 recht interessant wäre, weil sie sich für Glauben 1.0 und Glauben 2.0 nie für sie wichtig war, also quasi Glauben 3.0 in anderen Formen vorwegnahm: China (siehe z.B. Schröder - Was ist Religion S.43ff. )

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True Detective

Dietmar Schoder Offline



Beiträge: 15

06.10.2011 11:44
#9 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von pilgarlic
Die Darstellung deines "Glaubens" war in Ordnung. Aber dass du dich jetzt in zitiertem Satz in eine Reihe mit Jesus und Buddha als "erleuchtet" präsentierst, das macht die Sache komplett hinfällig. Wer "erleuchtet" ist, hält die Klappe.



Ich dachte wirklich, dass man den Witz versteht.

Dietmar Schoder Offline



Beiträge: 15

06.10.2011 11:45
#10 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Gysi
Nee, da hatte ich zu Beginn wohl was falsch verstanden und werde dein Anliegen selbstverständlich ebenso nicht unterstützen!



Ich dachte wirklich, dass man den Witz versteht.

Dietmar Schoder Offline



Beiträge: 15

06.10.2011 11:49
#11 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Wu
Ich finde es ein wenig verwunderlich, daß bei der Darstellung von Glauben 3.0 eines der großen Kulturnationen mal wieder ganz unerwähnt bleibt, obwohl es doch gerade in Bezug auf Glauben 3.0 recht interessant wäre, weil sie sich für Glauben 1.0 und Glauben 2.0 nie für sie wichtig war, also quasi Glauben 3.0 in anderen Formen vorwegnahm: China



Danke für den Hinweis. Super Dokument!!!! Ich werde das selbstverständlich einbauen.

Dietmar Schoder Offline



Beiträge: 15

06.10.2011 12:00
#12 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von chamuc
Es gefällt mir nicht, dass sich zunehmend Atheisten darum bemühen, als zusätzliche Glaubensrichtung neben den überkommenen wahrgenommen zu werden. Ich halte die Gründung einer neuen Glaubensgemeinschaft für einen Rückschritt - um so mehr, als Glaube 3.0 sowieso nicht missionieren will.



Der Witz dahinter ist, dass damit eine Grenze gezogen wird. Die klare Grenze gegen alle fundamentalistischen und intoleranten Tendenzen und Erscheinungen, die als "Religion" getarnt daherkommen.

Da genügt das Schweigen nicht. Schweigen zieht keine Grenze.

Da wirkt auch das Diskutieren nicht.

Aber der Witz, einfach auch den Anspruch zu erheben, dass man mit dem Glauben an ein Universum ohne Gott nicht nur ebenso vernünftig ist, sondern auch ebenso stark gläubig sein kann, ebenso erleuchtet sein kann, indem man eben an diesen Mythos glaubt, der sieht am Anfang nur wie ein Witz aus. Und je mehr man darüber nachdenkt, umso mehr stellt sich heraus, dass man den Witz plötzlich ernst nehmen muss, oder dass alle Religionen ein Witz sind.

Das ist der Trick dahinter. Ich dachte, den muss man nicht erklären.

Ich spiegle eine Erleuchtung. Ich spiegle eine Religion. Es ist der Spiegel, um den es geht. Und plötzlich wird (hoffentlich) klar, dass entweder jeder Mensch ein Buddha und ein Jesus ist, oder dass das wirklich Wesen mit etwas Göttlichem in sich waren. Dass das letztlich aber immer Arroganz gegenüber den Andersglaubenden ist, sobald man den eigenen Glauben an andere verkaufen will.

chamuc Offline




Beiträge: 637

06.10.2011 15:37
#13 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Dietmar Schoder
Dass das letztlich aber immer Arroganz gegenüber den Andersglaubenden ist, sobald man den eigenen Glauben an andere verkaufen will.

Den Satz unterschreibe ich aus vollem Herzen! Aber auch nur den!

Du machst, um dies jedermann zu verdeutlichen, einen Witz. Aber keinen witzigen Witz wie die FSM-Gemeinde...

Zitat von Dietmar Schoder
P.S.: Ich meine das absolut ernst. Das FSM hingegen ist definitionsgemäß nur eine Persiflage. Damit schaffen sie die staatl. Anerkennung nicht.

... sondern einen ernsten Witz, weil es Dir mit Deinem Witz ernst ist.

Da ist es nun betrüblich, dass Du schon in der Gründungsphase den Ernstwitzcharakter Deines Unternehmens offengelegt hast. Ich fürchte, dass die Zulassungsbehörden jetzt ganz humorlos reagieren.

Ach, hättest Du doch in der Rolle des Erleuchteten weitergeglüht! Das hatte doch was...

edit:
Ganz im Ernst: Die abgenzende Wirkung herrschsüchtig vereinnahmender Ideologien und ihrer Organisationen durch Gründung einer neuen Organisation zu verdeutlichen, die formal dasselbe tut, ist für mich eine etwas undeutliche Parodie ohne großen Aha-Effekt. Allenfalls die Juristen, die die Zulassung beurteilen sollen, kriegen den voll mit.

Außerdem finde ich es viel sachgerechter, die Grenze zwischen mir und dem Missionar zu ziehen - nicht zwischen "meiner" und "seiner" Organisation.

Und das durch Diskutieren oder auch durch Schweigen. Warum das sinnlos sein soll, will mir auch nicht in den Kopf.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.305

06.10.2011 16:05
#14 Der Nullgottglaube antworten

Wir brauchen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Religionen, die so gestaltet ist, wie die ernsthaten Auseinandersetzungen mit den politischen Parteien. Wir müssen durchsetzen, dass das üblich wird. Für eine Gesellschaft der Demokratie brauchen wir volle Akzeptanz der Meinungsfreiheit auch in Bezung auf das Thema Religion. Eins zivile Streitkultur und keine des Schweigens! Die FSM-Bewegung bringt die Satire da schon rein. Wir brauchen aber auch die ernsthafte Diskussion!
Wer nicht diskutiert, lernst es nicht, die richtigen Argumente zu formen.

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Dietmar Schoder Offline



Beiträge: 15

06.10.2011 16:10
#15 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von chamuc
Ich fürchte, dass die Zulassungsbehörden jetzt ganz humorlos reagieren.


Ich hoffe, dass sie das tun. Wenn sie keinen Humor haben, müssen sie mich nämlich zulassen. Und wenn sie Humor haben, dann müssen sie auch alle anderen verbieten. Entweder sind alle nur ein Witz, oder alle sind ernst.

Zitat von chamuc
Ach, hättest Du doch in der Rolle des Erleuchteten weitergeglüht! Das hatte doch was...


Ich bin erleuchtet. Ich meinte ja bloß, dass Buddha, Moses, Jesus und Mohammed auch nicht erleuchtet waren, wenn ich es jetzt nicht sein darf.

Zitat von chamuc
Ich tue das, wo nötig, durch Diskutieren oder auch durch Schweigen. Warum das so sinnlos sein soll, will mir auch nicht in den Kopf.


Eh gut. Bloß ist mein Thema ja nicht der Glaube. Sondern der Fundamentalismus. Und gegen den kann man niemals diskutieren. Und ich rufe hier alle auf, die zum Fundamentalismus, zu dem ich z.B. Richard Dawkins zähle, schweigen. Und diesen Mann im Namen der Atheisten so viel schwachsinnigen Unfrieden stiften lassen, indem sie dazu schweigen.

Es muss ihm endlich jemand sagen, dass Atheismus auch nur ein Glaube ist. Und es muss aber auch den Religionen endlich jemand sagen, dass der Atheismus kein UNglaube ist. Kein Defekt.

chamuc Offline




Beiträge: 637

06.10.2011 16:51
#16 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Gysi
Für eine Gesellschaft der Demokratie brauchen wir volle Akzeptanz der Meinungsfreiheit auch in Bezung auf das Thema Religion. ... Wer nicht diskutiert, lernst es nicht, die richtigen Argumente zu formen.

Hast ja recht, Gysi! Ich will auch nicht dem Schweigen das Wort reden - es ging mir nur darum, dass es durchaus tauglich ist, "eine Grenze zu ziehen" - nämlich zwischen mir und dem Missionar.

Im Übrigen habe ich ja geschrieben: "durch Diskutieren oder auch durch Schweigen...".

Eins unterscheidet uns vermutlich allerdings trotzdem: ich setze das Thema in der Rangliste der gesellschaftlichen Bedeutung sicherlich niedriger als Du.

Wu Offline




Beiträge: 416

06.10.2011 16:54
#17 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Dietmar Schoder
Ich bin erleuchtet.



Hab ich bestimmt schonmal zitiert:

Zitat
Entweder du bist, oder Erleuchtung ist.

Osho

@ Gysi: Was wir brauchen ist Meinungs- und Glaubensfreiheit. Dann brauchen wir eigentlich auch keine Diskussion (im Sinne von richtig und falsch) darüber mehr. Sondern Akzeptanz.
Dann kann nämlich auch jeder glauben, was er will. Und ich befürchte genau das willst du nicht. Ich hab so den Eindruck, du willst, das eine bestimmte Sicht sich als die Wahrheit durchsetzt. Du glaubst, es gäbe die richtigen Argumente.
Aber genau das wär ja keine Meinungs- und Religionsfreiheit. Sondern ein: Glaubt das, was euch eure rationale Vernunft als wahr erkennen lässt. (Also ein Rückfall ins 19./20. Jahrhundert, vielleicht sogar ein Rückfall hinter Kant zurück). Ich denk,. es entstehen jetzt eine Vielzahl an Weltan-schau-ungssystemen, die in ihrer Pluralität nebeneinander wachsen und erblühen. Zu denken, es gäbe da eins, ist doch eher altertümlich. (Was nicht heisst,das du deinem nicht weiter folgen sollst, du wirst nicht anders können, und das ist doch in Ordnung und perfekt).
(Mal abgesehn davon, das ich nicht von Wahlfreiheit nicht ausgehn würde, da ich den Eindruck haben, das wir so funktionieren wie wir funktionieren und uns eine freie Wahl (wie auch ein Ich) nur dazufabulieren. Da ist nur Prozeßhaftigkeit. In meiner Blüte)

Wer das FSM für eine für eine Satire hält, hat zu wenig aus ihrer Reliquienrumflasche getrunken.

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True Detective

Dietmar Schoder Offline



Beiträge: 15

06.10.2011 17:27
#18 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Wu
Was wir brauchen ist Meinungs- und Glaubensfreiheit. Dann brauchen wir eigentlich auch keine Diskussion (im Sinne von richtig und falsch) darüber mehr. Sondern Akzeptanz.



Genau. Und diese Initiative redet nicht bloß darüber, dass wir das brauchen würden. Sondern sie reklamiert das durch einen Antrag, den der Staat behandeln muss. Das eine ist quatschen. Das andere ist tatsächlich eine Veränderung bewirken.

Macht hier jemand mit? Beim echten Tun?

Wu Offline




Beiträge: 416

06.10.2011 18:20
#19 RE: Der Nullgottglaube antworten

Bin erstaunt, wie niedrig da in Österreich die Anforderungen sind. In Deutschland gibt es ja sowas wie direkte Anerkennung nicht, nur die Möglichkeit Staatskirchenrechtliche Körperschaften des öffentlichen Rechts zu werden, und da hängt die latte wohl so hoch (die betreffende Gemeinschaft muss seit mindestens 30 Jahren in der aktuellen Organisationsform existieren und die Mitgliedschaft über einem Promille der Bevölkerung des Bundeslandes liegen), das es z.B. die Buddhisten noch nicht geschafft haben dazuzugehören (der humanistischen Bund hat es wohl in einem Bundesland geschafft). Mal abgesehen davon, gehört das abgeschafft.

Aber du brauchst dazu sicherlich zumindest Österreicher nehm ich mal an.

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True Detective

chamuc Offline




Beiträge: 637

06.10.2011 19:00
#20 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Dietmar Schoder
Es muss ihm (Anm.: Dawkins) endlich jemand sagen, dass Atheismus auch nur ein Glaube ist. Und es muss aber auch den Religionen endlich jemand sagen, dass der Atheismus kein UNglaube ist. Kein Defekt.

Das bringt mein Problem mit der Idee auf den Punkt!

(Teilweise bin ich einverstanden: wenn jemand Dawkins sagen möchte, dass er heillos eifert, bin ich dabei.)

Das Problem hingegen liegt darin, dass Gläubige (ein Teil) mir sehr gerne naturwissenschaftliche Tatsachen als "auch nur einen Glauben" verkaufen wollen. Sie wollen dadurch die Gleichstellung ihrer Weltsicht erreichen (und betreiben dazu sogar pseudowissenschaftlichen "Kreationismus"). Und dabei soll ich auch noch mithelfen?

Für mich besteht die Welt, schlagwortartig gesagt, aus diesseitig-Realem und jenseitig-Übersinnlichem.

Zum Realen zählt für mich alles, was dem naturwissenschaftlichen Beweis (eigentlich Beleg) zugänglich ist, also z.B.: ein fallender Stein fliegt eine Parabel, seine Fallstrecke wächst quadratisch, es gibt 104 + X Elemente, deren Verhalten sich prima beschreiben lässt, wenn man so tut, als wäre das Bohr'sche Atommodell eine Wahrheit, Bakterien und Menschen bestehen aus Zellen, Elektronen haben messbare Energien usw. usw.

Zum jenseitig-Übersinnlichen zählt für mich alles, was vor unserer Geburt oder nach unserem Tod sein könnte (ich spotte nicht; ich halte das für möglich) und einiges, was unsere Gehirne uns innerhalb dieses Lebens als logisch nicht begreifbare Sinnesempfindungen präsentieren.

Ich möchte daher einen Grundkonsens:
Die Realität* folgt den Naturgesetzen, deren Auklärung folgt wissenschaftlicher Schlüssigkeit. Darüber hinaus mag es Glauben und UNGlauben geben oder auch nur Glauben (und jede Diskussion über Jenseitiges) - aber in keinem Fall stehen die Naturwissenschaften als Glaubensfrage zur Disposition.

Genau dazu lade ich aber ein, wenn ich meine Weltsicht "Glaube" nenne - und gar noch eine Glaubensgemeinschaft mit naturwissenschaftlichen Glaubensinhalten befördere.

Leider ist es stattdessen so, dass die Fachleute fürs Diesseits und die fürs Jenseits (fürs "Wissen" und fürs Glauben), statt sich an ihren Leisten zu halten, es nicht lassen können, in der Domäne der anderen zu wildern. Doofmänner allesamt, wenn ich mal ungerecht werden darf.

Das betrifft sowohl "Kreationisten", die in wissenschaftlicher Sprache immer nur erklären, was angeblich nicht sein kann, aber nie ein eigenes Modell haben, wie auch einige Wissenschaftler, die partout meinen, sie müssten aus ihrer Kenntnis der Realität fachkundig verbindlich jenseitige Phänomene beurteilen.

Dazu gehört für mich eben Richard Dawkins, dem ich noch einen gereizten Gegenschlag gegen den sich ausbreitenden Kreationismus zugestehe, aber auch Stephen Hawking, den ich als Physiker und Kosmologen verehre, der aber schon etliche Jahre vor den ersten Kreationisten immer wieder ungefragt seine Meinung zur Notwendigkeit eines Gottes für den "Schöpfungsprozess" des Universums verlautbaren musste. Er hat möglicher- weise dazu beigetragen, die ganze Kreationistenlawine erst loszutreten. Und warum? Ich fürchte, es war einfach Eitelkeit: Weltmeister-Superhirn Stephen Hawking nimmt die letzten Fragen in Angriff.

Darum: bitte keine Glaubensrichtungen naturwissenschaftlichen Inhalts!


*) für Gefinkelte: falls die Realität nicht existiert, fingieren wir sie. Bleibt uns eh nichts anderes übrig.

chamuc Offline




Beiträge: 637

06.10.2011 19:31
#21 RE: Der Nullgottglaube antworten

Nachtrag:

Zitat von Dietmar Schoder
Es muss ihm (Anm.: Dawkins) endlich jemand sagen, dass Atheismus auch nur ein Glaube ist.

Es muss ihm jemand sagen, dass er die Wissenschaft überschätzt, wenn er glaubt, er könne aus seiner Qualifikation als Biologe heraus die Existenz Gottes beurteilen. Darum geht's!

Wu Offline




Beiträge: 416

07.10.2011 07:15
#22 RE: Der Nullgottglaube antworten

Wenn man eine Geschichte konstruieren will, hin von einem Polytheismus zu einem Monotheismus, wär dann nicht auch ein Schritt von einem Polywahrnehmung (Denken, Rationalität, Dualismus) - Wahrnehmung ist glaube da kein perfektes Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein - hin zu einer Monowahrnehmung (Nondualismus) eine folgerichtige Entwicklung?

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True Detective

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.305

07.10.2011 09:08
#23 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Wu
Dann kann nämlich auch jeder glauben, was er will. Und ich befürchte genau das willst du nicht. Ich hab so den Eindruck, du willst, das eine bestimmte Sicht sich als die Wahrheit durchsetzt. Du glaubst, es gäbe die richtigen Argumente.
Aber genau das wär ja keine Meinungs- und Religionsfreiheit.

Ich bin nicht ganz tolerant, das ist richtig. Aber ich bin schon für die Meinungs- und Religionsfreiheit, dochdoch.

Ich bin der Auffassung, dass (die monotheistischen) Religionen den Kern einer antidemokratischen und antiwissenschaftlichen Ethik in sich tragen. Sie tun der Ethikbildung der heutigen Menschen nicht gut. Erziehung geht besser! Das sage ich! Du darfst ja gerne was anderes sagen.

Ich will reden. Das nennst du schon Intoleranz. Du willst schweigen. Und das nenne ich Gleichgültigkeit!

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.305

07.10.2011 09:17
#24  Der Nullgottglaube antworten

Zitat von DS
Und ich rufe hier alle auf, die zum Fundamentalismus, zu dem ich z.B. Richard Dawkins zähle, schweigen. Und diesen Mann im Namen der Atheisten so viel schwachsinnigen Unfrieden stiften lassen, indem sie dazu schweigen.

Richard Dawkins ist leidenschaftlich. Er leiert eben dieses Thema nicht ab wie ein lustloser Student sein Referat. Die Religion ist ein gesellschaftliches Faktum, das aber auch aufregen kann, oder nicht? Ich meine schon. Ich stehe für die Wahrhaftigkeit. Und Religion ist nicht wahrhaftig und versperrt eine Erziehung zur Wahrhaftigkeit! Ich stehe für die Demokratie. Und Religion fördert nicht die Demokratie und die für sie gebotene Toleranz, wenn sie die Ungläubigen mit metaphysischer Vernichtung und Folterandrohung verfolgt! Dagegen will ich keine langweiligen Referate hören!

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chamuc Offline




Beiträge: 637

07.10.2011 09:25
#25 RE: Der Nullgottglaube antworten

Zitat von Wu
Wenn man eine Geschichte konstruieren will, hin von einem Polytheismus zu einem Monotheismus, wär dann nicht auch ein Schritt von einem Polywahrnehmung (Denken, Rationalität, Dualismus) - Wahrnehmung ist glaube da kein perfektes Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein - hin zu einer Monowahrnehmung (Nondualismus) eine folgerichtige Entwicklung?

Vielleicht - obwohl mir kein stärkerer Zusammenhang auffällt, als dass beides Poly... > Mono... (> Null...) enthält. Wenn Du es also konsequent zu Ende führst, bist Du da, wo Du oben in #3 schon warst: alles auf Null, bitte!

Aber unseren Religionsgründer wird's nicht so sehr interessieren. Der braucht nur einen Scheininhalt, um die Anforderungen für die Zulassung zu erfüllen. Mittels dieser will er dem Atheismus das Stigma der Minderwertigkeit nehmen, das ihm angeblich öffentlich und staatlicherseits angehängt wird. Ich seh's nicht, aber sei's drum...

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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