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Dieses Thema hat 212 Antworten
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 Weltliche Ideologien
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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

12.04.2008 16:40
#126 Kommunismus antworten

In Antwort auf:
Bei Marx geht es immer zuerst um die Analyse dessen, was ist.
Eben. Und die Forderungen waren philosophisch allgemein gehalten:
1. Kommunismus statt Kapitalismus (Gemeinherrschaft statt Kapitalistenherrschaft)
2. Enteignung der Kapitalisten (die Herrschaft des Volkes über das Kapital. Eine Herrschaftsstruktur, die die Mehrheit zu ihren Gunsten bestimmt!)
3. Diktatur des Proletaiats (statt Diktatur des Kapitals. Und was ist eine "Dikatur von Proletariern, die die Kapitalisten enteignet haben? Richtig: Volksherrschaft!)
4. Nicht das Kapitalverwertungsinteresse ist das Ziel der Ökonomie, sondern die Produktion von Gütern, die die Arbeiter brauchen! Dem ist nichts hínzuzufügen.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

contra Offline



Beiträge: 109

12.04.2008 18:00
#127 RE: Kommunismus antworten

je ne is kla
wir brauchen "demokratie" = Kommunismus ?

Eher Demokratismus denn der Kommunismus ist insofern sehr befremdlich weil wir:
1. einmal die gesamte Welt darüber informieren müssen was dies überhaupt ist
2. das Wissen um die Verbrechen derer die sich Kommunisten nannten aus den Köppen der Menscheit entfernen
3. und Diktatur des Proletariats ist schon im Kommunismus völlig falsch, da ja im Kommunismus >niemand< die Macht hat
4. last but not least ist Kommunismus die Vorstufe des Anarchismus indem es ja keine Grenzen und so mehr gibt
dieser ist aber wie wir hoffe ich doch alle wissn auch sehr negativ behaftet...

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

12.04.2008 18:26
#128 Kommunismus antworten
In Antwort auf:
wir brauchen "demokratie" = Kommunismus?
Wir brauchen und haben die Demokratie. Bezogen auf die jeweiligen nationalen Domänen. Aber leider nicht bezogen auf den Komplex der Weltwirtschaft. Wir haben auch keine reinen Kapitalismus, der wird schon politisch gesteuert. Nur offenbar nicht genügend im Interesse der Menschheit. Dazu bräuchten wir schon das, was Marx zu seiner Zeit als "die Internationale" des Proletariats formulierte. Das gilt auch heute noch. Verständlicher vielleicht, wenn wir diese "Internationale" "einheitliche Weltwirtschaftspolitik" (einer Weltregierung) nennen würden.
Der Formel Demokratie = Kommunismus stimme ich zu. Sie braucht sich aber nur für die philosophisch Interessierten durchzusetzen. Für die Politik reicht es, wenn du "Demokratie" und "weitestmögliche weltwirtschaftspolische Absprachen zum Nutzen der Weltbevölkerung" sagst...
In Antwort auf:
2. das Wissen um die Verbrechen derer die sich Kommunisten nannten aus den Köppen der Menscheit entfernen
Nee, da bin ich nicht für. Aber ich bin sehr dafür, den alten Marx vor der Welt zu rehabilitieren! Der wird für etwas abgestraft, was er nie getan und nie beabsichtigt hatte.
In Antwort auf:
3. und Diktatur des Proletariats ist schon im Kommunismus völlig falsch,
Im real existent gewesenen Kommunismus haben sich Leute marxistischer Terminologie bedient und einen faschistischen Staat als "sozialistisch, kommunistisch" etikettiert! Der Faschismus war im 20. Jahrhundert eine populäre Staatsform als Alternative zur Demokratie. Unter den Intellektuellen war aber auch der Marxismus populär. Und so verschmelzten sich diese beiden Hoffnungskonzepte in tragischer Weise.
In Antwort auf:
4. last but not least ist Kommunismus die Vorstufe des Anarchismus indem es ja keine Grenzen und so mehr gibt
Keine Grenzen = Anarchismus? Anarchismus ist/wäre eine Gesellschaft ohne Gewalt und ohne Gesetze! Anarchismus hat eher etwas mit dem reinen Kapitalismus zu tun, aber nicht mit dem marx'schen Kommunismus! Und was sagte Kalle dazu: "Wo das Recht nicht herrscht, da herrscht das Faustrecht!"

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

contra Offline



Beiträge: 109

13.04.2008 12:46
#129 RE: Kommunismus antworten

naja anarchismus = vollendeter Kapitalismus
... tja
eigentlich nicht ja nicht
Der Kommunismus ist die Vorstufe zum vollendeten Kommunismus , dem Anarchismus

siehe : http://www.theorie.org/index.php?p=2&isbn=3-89657-585-6

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

13.04.2008 14:04
#130 RE: Kommunismus antworten
In Antwort auf:
1. einmal die gesamte Welt darüber informieren müssen was dies überhaupt ist
2. das Wissen um die Verbrechen derer die sich Kommunisten nannten aus den Köppen der Menscheit entfernen



PR-technisch ist es wahrscheinlich klug, sich 'nen neuen Ismus auszudenken, hast schon recht; aber diese Linken wollen doch alle von Werbung nichts wissen...

In Antwort auf:
3. und Diktatur des Proletariats ist schon im Kommunismus völlig falsch, da ja im Kommunismus >niemand< die Macht hat


Nein; "Diktatur des Proletariats" soll's im Sozialismus geben, und dieser kennt durchaus noch Herrschaft (eben die Diktatur des Proletariats). Erst wenn es keinen Staat mehr gibt und die Herrschaft von Menschen über Menschen abgelöst wurde durch die Verwaltung von Dingen, erst dann spricht Marx von Kommunismus.

In Antwort auf:
4. last but not least ist Kommunismus die Vorstufe des Anarchismus indem es ja keine Grenzen und so mehr gibt


Nein; Anarchismus und Kommunismus haben das gleiche Ziel: Die frei, gerecht Gesellschaft, ob man das nun Kommunismus oder Anachie nennt; gestritten wurde und wird darüber, wie man zu diesem Ziel kommt (bzw. ist beim modernen Anarchismus eher der Weg das Ziel, langfristige Gesellschaftsentwürfe spielen da kaumnnoch eine Rolle).
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

13.04.2008 16:06
#131 Kommunismus antworten

In Antwort auf:
Der Kommunismus ist die Vorstufe zum vollendeten Kommunismus , dem Anarchismus
Mir ist bekannt, dass es diese Vorstellung gab. Der Kommunismus wurde damals auch gewiss nicht so verstanden, wie ich ihn heute verstehe. Den Kommunismus verstanden manche (vielleicht auch heute noch die meisten) als das Schlaraffenland, in dem es keinen Geldverkehr und keine Arbeit unter Zwang geben würde. Jeder täte das, wozu er Lust hat und so lange, wie er Lust hat. Aber diese Leute haben nun mal nicht Recht. Sowas wird nicht realisiert werden. Ernest Mandel verschob dieses Schlaraffenland in eine Zeit der totalen Automation. Diese Zeit kann und wird kommen. Aber auch die wird Strukturen und ein Rechenwesen der Verwaltung knapper Güter brauchen. Da kannste machen was du willst... Und Marx hat gewiss nicht solchen utopistischen Vorstellungen nachgehangen. Ich weiß jedenfalls davon nichts...

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

13.04.2008 16:12
#132 Kommunismus antworten

In Antwort auf:
Nein; "Diktatur des Proletariats" soll's im Sozialismus geben, und dieser kennt durchaus noch Herrschaft (eben die Diktatur des Proletariats). Erst wenn es keinen Staat mehr gibt und die Herrschaft von Menschen über Menschen abgelöst wurde durch die Verwaltung von Dingen, erst dann spricht Marx von Kommunismus.
Ja, stimmt. Was unterscheidet denn einen Staat von "einer Verwaltung von Menschen für Menschen"? Wie meinte Marx das? Ich weiß es nicht...

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maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

13.04.2008 17:46
#133 RE: Kommunismus antworten

In Antwort auf:
Wie meinte Marx das? Ich weiß es nicht...
Wenn nicht du, wer dann?

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

13.04.2008 18:24
#134 Kommunismus antworten

In Antwort auf:
Wenn nicht du, wer dann?
Ein anderer als ich.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

17.04.2008 09:40
#135 Kommunismus antworten
Ah. Danke für die vielen Antworten. Wann soll ich die nur lesen?
Nee, schon o.k. - Scherz.

Der Staatsbegriff bei Marx ist mir nicht klar. Der Staat sei nur das Erfüllungsorgan der jeweils herrschenden Klasse. Der Sozialismus ist ein Staat, denn dort sei die herrschende Klasse das Proletariat. Und was für eine Funktion hat dann die von der Herrschaft abgelöste Bourgeoisie? Die der ausgebeuteten, unterdrückten Klasse? Wie? Im Kommunismus sind dann die Klassengegensätze aufgelöst und ergo bräuchte der auch keinen Staat. Aber eine Verwaltung der "frei assoziierenden Menschen"... Und Gesetze und Gesetzgebung doch auch. "Wo das Recht nicht herrscht, da herrscht das Faustrecht." Kalle Marx. Is' ja auch richtig so. Aber diese Form der Verwaltung ist für mich immer noch ein Staat! Sonst hätten wir als Kommunismus die Anarchie, den radikalen Liberalismus.
Also, so wie ich das sehe - die Staatsphilosophie Karl Marx' teile ich nicht. Ich kann aber auch nicht nachvollziehen, wieso er so dachte. Deswegen dachte ich, dass der schlaue Fuchs mir vielleicht auf die Sprünge helfen könnte...

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Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

17.04.2008 19:26
#136 RE: Kommunismus antworten

Zum Staatsverständnis von Marx (wie ich das verstanden habe; und ich hab das Kapital nurbis S.150 oder so geschafft...): Der Staat wird als Instrument der Herrschaft verstanden, ist also in der hand der herrschenden Klasse. Sinn und Zweck des Staates ist die Aufrechterhaltung dieser Herrschaft; er wird als reines Repressionsinstrument gesehen. Der Kommunismus soll im Gegensatz dazu eine klassenlose Gesellschaft verwirklichen; da es keine herrschende Klasse mehr gibt wird damit auch der Staat überflüssig. Er wird, laut Marx & Engels Prognose, "absterben", also mehr oder minder von selbst verschwinden.

Wie ja schon des öfteren gesagt sind diese Zukunftsprognosen sehr ungenau (kein exakter Gesellschaftsentwurf, wie das z.B. Bakunin machte) und mWn überwiegend aus den Frühwerken, z.B. dem Kommunistischen Manifest, die noch nicht die analytische Schärfe hatten wie die späteren Werke. Insofern ist dass Ganze viel Herumgerate, Interpretation und Spekulation. Sowohl Marx als auch andere Revolutionäre (ob die sich nun Kommunisten oder Anarchisten nannten) werden dieser kommunistischen gesellschaft wohl das eine oder andere Organ zugestehen, vielleicht kann man das ganze aus heutiger Perspektive auch "Staat" nennen; aber damals gab es ein anderes Verständnis vom Staat, da der sich anders repräsentierte.

Verstehen kann man diese durchweg negative bewertung des Staates eigentlich nur aus der Zeit heraus. Im 19. Jh. war der Staat (in Europa) autoritär bis dorthinaus. Soziale Verantwortung übernahm er keine (das kam in Dtld. erst mit Bismarcks Sozialversicherungen), Polizei und Armee waren reine Repressionsinstrumente, nichts von wegen "dein Freund und Helfer".

Allerdings gab es in Dtld. damals auch einen anderen Flügel der Arbeiterbewegung, der im Staat und der Aristokratie "Verbündete" gegen die Bourgouisie sah:http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Lassalle

P.S.: Der Spruch, dass im Kommunismus "dier Herrschaft über Menschen abgelöst wird von einer Verwaltung von Dingen", ist von Marx, dachte ich; und ich hatte fast recht. Laut Google steckt das Zitat irgendwo in diesem Text von Engels, ich hab ihn aber noch nicht gelesen...

http://www.ml-werke.de/marxengels/me19_189.htm

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

17.04.2008 19:45
#137 Kommunismus antworten
Aah! Thanx!
In Antwort auf:
Sowohl Marx als auch andere Revolutionäre (ob die sich nun Kommunisten oder Anarchisten nannten) werden dieser kommunistischen gesellschaft wohl das eine oder andere Organ zugestehen, vielleicht kann man das ganze aus heutiger Perspektive auch "Staat" nennen; aber damals gab es ein anderes Verständnis vom Staat, da der sich anders repräsentierte.
Das wird und muss es sein. Aber eine Begrifflichkeit ohne Analyse, mehr aus dem Bauchgefühl. Ich habe die letzten Tage das Manifest und die philosophisch-ökonomischen Manuskripte mal wieder durchgeblättert. Nach langer Zeit. So eine verquaste Philosophen-Rhetorik! Tonnen von durcheinandergewürfelten Buchstaben! Bertrand Russell bemerkte mal spitz, dass viele seiner Kollegen wohl lieber nur unter sich philosophieren mögen... Man kann sich wirklich besser, verständlicher ausdrücken. Und kürzer, deutlich kürzer... Recht hatte er gehabt!

Miir fiel überigens auf (das tat es damals seltsamerweise offenbar nicht), dass Marx und Engels den gewaltsamen Umsturz nicht nur propagierten, sondern auch für nötig hielten. Auf der anderen Seite hingegen seien die Wandel zum Sozialismus und Kommunismus geschichtliche Notwendigkeiten. Die kämen also so oder so. Ist mir auch ein ziemlicher Widerspruch.

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contra Offline



Beiträge: 109

18.04.2008 17:48
#138 RE: Kommunismus antworten

lalalala

wollen wir lieber die "neue" oder eher die "alte" marxsche Theorie vertreten? (in dieser Diskussion)

denn der "neue" kommunismsu hat einige beträchtliche erscheinungen und themen aufgegriffen die sehr interresant sind

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

19.04.2008 09:10
#139 Kommunismus antworten
Was ist denn der "neue Kommunismus"? Und wer vertritt ihn?
Wir haben hier uns erst mal mit den verschiedenen Vorstellungen auseinandergesetzt. Als was war Kommunismus ursprünglich gedacht? Die Aufhebung aller Klassengegensätze, gleiche Entfaltungschancen für alle, keine Ausbeutung mehr. Nach der klassischen Lehre stirbt im Kommunismus der Staat ab, der durch eine Verwaltung frei sich assoziierender Produzenten ersetzt wird. Was aber ist das, wenn nicht ein Staat? Für Marx war jeder Staat das Erfüllungsorgan der jeweils herrschenden Klasse. Ich bin der Auffassung, dass damals - noch zu Kaisers Zeiten - ein Staatsbegriff vorherrschte, der mit dem heutigen wenig zu tun hat.
Was ist Kommunismus? Wie hatte Marx ihn sich vorgestellt, inwieweit weichen utopistische Vorstellungen davon ab? Darüber diskutierten wir. Gibt es einen "neuen Kommunismus"? Was ist das und brauchen wir den? Wird mit einer entfalteten sozialen Marktwirtschaft nicht schon ausreichend das Interesse der Arbeiter durchgesetzt? Ist der nicht vielleicht schon der Weg zu einer klassenlosen Gesellschaft? Haben wir überhaupt noch diese scharfen Klassengegensätze? Das muss doch alles erst mal diskutiert werden, damit darüber ein wenig Klarheit herrscht. Oder meinst du mit dem "neuen Kommunismus" die Position, die ich vertrete? Ich wollte nur erklären, dass die marx'sche Vorstellung mit den utopischen, die ohne Geld, Arbeitsqualifikation,
-disziplin und Gesetze auskommt, NICHTS zu tun hat! Und dass diese - marxsche - Gesellschaftsform machbar ist, auch wenn wir sie dann nicht so nennen werden!

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contra Offline



Beiträge: 109

19.04.2008 09:55
#140 RE: Kommunismus antworten

aha also doch kein staat
ein staat zeichnet sich nämlich durch eine mit Regeln unterworfene Gesellschaft aus.
Das was Marx (denke ich) vorhatte war keinen neuen Staat zu schaffen sondern die Befreiung des Menschen allgemein vom Kapitalismus

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

19.04.2008 13:11
#141 Kommunismus antworten
In Antwort auf:
Das was Marx (denke ich) vorhatte war keinen neuen Staat zu schaffen sondern die Befreiung des Menschen allgemein vom Kapitalismus
Ja. Marx sagte, durch die Herrschaft des Proletariats wären die Klassen noch nicht überwunden, daher bräuchte man noch den Sozialismus als Staat. Dann lösten sich die Klassengegensätze auf und das kommunistische Zeitalter bräche an. Der Kommunismus bräuchte keinen Staat, denn der Staat sei nur ein Erfüllungsorgan der herrschenden Klasse gegen die unterdrückten Klassen. Aber er bräuchte eine Verwaltung. Gesetze auch. Denn "wo das Recht nicht herrscht, herrscht das Faustrecht!" Die Menschheit ist schließlich nicht nur Ansammlung von Individuen, sondern der Mensch ist auch ein "zoon politikon", ein Gemeinschaftswesen. Und dieses Gemeinschaftswesen braucht einen Gemeinschaftskörper. Was sind denn Verwaltung und Gesetzgebung anderes als ein Staat? Zu Marx' Zeiten mag man den Staat und seine Polizei als Unterdrückungsapparat der herrschenden Klasse gesehen haben müssen. Heute haben wir aber eine republikanische Demokratie. Die Macht ist in Volkes Hand! Und trotzdem haben wir noch Kapitalmacht, konzentriert in den Händen Weniger. Und das Organ der politischen Macht nennen wir immer noch "Staat". Warum auch nicht? Oder mit welcher Berechtigung könnte man einen demokratischen Staat nicht mehr "Staat" sondern nur eine "Verwaltung sich assoziierender Produzenten" nennen? An dem Punkt bin ich eben nicht Marx' Meinung. Oder ich verstehe ihn zumindest nicht. Ich bin kein Marxist. Ich stimme ihm in einigen Punkten zu. Aber in anderen dann wieder nicht. Und wenn auf ihn wegen Stalin, Lenin, Mao und Castro blind herumgehackt wird, dann muss ich ihn eben verteidigen. Er und Engels propagierten damals - 1848! - den gewaltsamen Umsturz. Aber für die Oktoberrevolution, für Stalin und für die 70 Mio. Toten der chinesischen "Kultur"revolution trägt er KEINE Schuld! Er hatte den Gang der Geschichte interpretiert und gemäß dieser Interpretation in die Zukunft extrapoliert. Die Vision Kommunismus kann immer noch stimmen. Aber mit dem Weg hat er sich vertan.

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Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

20.04.2008 08:33
#142 RE: Kommunismus antworten
In Antwort auf:
ein staat zeichnet sich nämlich durch eine mit Regeln unterworfene Gesellschaft aus.


So what? Ich zitiere mich selbst, (aus dem Anarchie-Thread): Anarchie heißt leben ohne Herrschaft, nicht leben ohne Regeln.

Es hat in der Geschichte niemand gegeben, der ernsthaft einer regellosen Gesellschaft das Wort redete, zumindest kenne ich keine ernstzumnehmde Person, die solches tat. Es ist ein Pseudo-Argument von Leuten, die keine Ahnung haben oder keine haben wollen.

EDIT & P.S.: Marx hat die gewaltsame Revolution auch noch bei seinem Tod für nötig gehalten, das war das eine und das andere Jahrzehnt nach 1848; nur als Detailanmerkung. Recht interessant in dem Zusammenhang:
http://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Internationale
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

20.04.2008 17:39
#143  Kommunismus antworten
In Antwort auf:
Es hat in der Geschichte niemand gegeben, der ernsthaft einer regellosen Gesellschaft das Wort redete,
Dann erkläre bitte, was die Unterschiede zwischen Staat, einer kommunistischen Verwaltung und dem Anarchismus sind.

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contra Offline



Beiträge: 109

21.04.2008 18:37
#144 RE: Kommunismus antworten

In Antwort auf:

Es hat in der Geschichte niemand gegeben, der ernsthaft einer regellosen Gesellschaft das Wort redete, zumindest kenne ich keine ernstzumnehmde Person, die solches tat


aha das sagt natürlich alles... das Wort redete...hmmmm
tja ich komm nicht drauf

Bitte um Erklärung

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

21.04.2008 18:41
#145 RE: Kommunismus antworten
ad Gysi:

In der Frage, wie diese Regeln zustande kommen, wer daran beteiligt ist, für welchen personenkreis sie gelten und wie sie durchgesetzt werden. Wenn ich länger als 10 sec. nachdenke fallen mir vielleicht noch mehr Puntke ein.

Ich möchte aber noch mal darauf hinweisen, dass ich es für wenig sinnvoll halte, sich eine zukünftige gesellschaft im Detail vorzustellen (naja, mag interessant sein, ist aber politisch wertlos). "Kommunismus", "Anarchismus", aber auch "Demokratie", "Kapitalismus" oder "Liberalismus" sind Begriffe, die nicht letztgültig definiert sind und sich tatsächlich überschneiden können.

Gegenfrage, Gysi: Kennst Du einen maßgeblichen Menschen im linksrevolutianären Spektrum der letzten zwei Jahrhunderte, der allen Ernstes eine "Jeder macht, was er will, keiner macht, was er soll, aber alle machen mit"-Gesellschaft propagierte? Da fallen mir nur die Individualanarchist alla Max Stirner ein, und der steht im Anarchismus ziemlich allein.

ad contra:

"Das Wort reden" = etwas propagieren, für etwas einstehen, etwas befürworten.
Reicht das?
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

21.04.2008 21:14
#146 Kommunismus antworten
In Antwort auf:
"Kommunismus", "Anarchismus", aber auch "Demokratie", "Kapitalismus" oder "Liberalismus" sind Begriffe, die nicht letztgültig definiert sind und sich tatsächlich überschneiden können.
Ja, das stimmt. Aber den Unterschied zwischen einem Staat als Erfüllungsorgan der herrschenden Klasse und einer Verwaltung frei assoziierender Produzenten nach marxscher Definition hätte ich trotzdem gerne gewusst. Wir mögen noch herrschende Schichten haben, aber deren Erfüllungsgehilfe ist der Staat nicht. Er tut schon das, das seine Wähler wollen. Und die sind natürlich durch die Meinungsmacher gebrieft. Die Entwürfe der großen Gesellschaftstheoretiker wie Marx, Bakunin, Stirner, Mühsam, Mandel und wie sie alle heißen, sind eben Reißbrettkonstrukte - Visionen, die die Geschichte auslacht. Damit müssen wir uns wohl zufrieden geben.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

23.04.2008 09:11
#147  Kommunismus antworten

In Antwort auf:
denn der "neue" kommunismsu hat einige beträchtliche erscheinungen und themen aufgegriffen die sehr interresant sind
Dazu wollte ich noch was ergänzen: "Kommunismus" im positiven Sinn - also als Gemeinschaftsherrschaft - können wir auch als ein Leben im Bewusstsein eines zoon politikons, eines Gemeinschaftswesens, sehen. Und nicht so zersplittert, wie das heute oft der Fall ist: Der Unternehmer vertritt kapitalistische Interessen, der Arbeiter Arbeiterinteressen, der Alte kümmert sich nur um die Rente etc. pp. Als Konsument hat der Arbeiter Macht. Die lässt er z.B. gerne in einem Restaurant aus, indem er das Essen gerne bemäkelt und den Kellner flitzen lässt. Und dann das Trinkgeld vergisst. Das nur als Beispiel. Man vertritt gerne nur seine eigenen Interessen. Man tritt als Individuum auf. Ein Mensch mit einem Gemeinschaftsbewusstsein denkt perspektivenverschränkender: Er sieht den Kellner flitzen und übt sich deswegen ein wenig in Geduld. Er beschwert sich nicht, weil das Besteck nicht links hin gelegt wird (oder wohin es gehört), er hetzt nicht, er ist aufmunternd freundlich. Er denkt an dem lausigen Verdienst der Kellner und gibt reichlich Trinkgeld. Ein "kommunistisch" Denkender bemerkt aber auch die dünne Kapitaldecke mittelständischer Arbeitgeber und schreit nicht nur nach seiner Lohnerhöhung. Der sieht mit seinem Arbeitgeber zu, seinen Lohn ggf. staatlich subventioniert zu bekommen. Ein "Kommunist" denkt nicht auf seine eigenen unmittelbaren Interessen reduziert, sondern ganzheitlich. Das nur als Gedankenanregung.

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Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

23.04.2008 10:26
#148 RE: Kommunismus antworten

In Antwort auf:
Gysi schrieb: Ein "Kommunist" denkt nicht auf seine eigenen unmittelbaren Interessen reduziert, sondern ganzheitlich.


Was hast Du eigentlich gegen den Anarchismus? Da wird eigentlich genau das gleiche gesagt: Wenn sich alle menschen anständig verhalten ist doch alles in Butter; gallopierender Idealismus eben, von dem Marx sich mWn immer distanziert hat.

Leider halte ich das für eine Illsuion; der Mensch wird sich in seinen Grundzügen nicht ändern, weil wir das wollen. Gesellschaftlicher Fortschritt funktioniert mE ander: Über bessere Mechanismen, die Interessen der Menschen zum Ausgleich zu bringen, verbunden mit einem durch (Selbst-)Erziehung veränderten Verhalten, sich eben solcher Mechanismen zu bedienen bzw. zu unterwerfen und nicht die eigenen Interessen mit Mord & Totschlag durchszusetzen.

kadesch Offline



Beiträge: 2.705

23.04.2008 12:22
#149 RE: Kommunismus antworten

Eine Anarchistische Ordnung wird es aus meiner sicht niemals geben.
Wenn Anarchismus bedeutet dass es eine Gesellschaft ohne Ordnung, aber mit Regeln
gibt, muss auch jemand über die Einhaltung der Regeln wachen.
Und sobald jemand über diese Regeln wacht, treten Menschen in den Vordergrund
die diese Kontrolle über die anderen ausüben wollen. AUs dieser Kontrolle entwickelt sich
zwangsläufig eine Herrschaft.
Daher ist es Müßig sich über solche Utopien zu Unterhalten. sie werden immer am Faktor Mensch
scheitern.

Glaube ist Aberglaube

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

23.04.2008 12:29
#150  Kommunismus antworten
In Antwort auf:
Was hast Du eigentlich gegen den Anarchismus?
Weil der Anarchismus eine Gesellschaftslehre ohne Gemeinschaftskörper ist. Er setzt den gemeinschaftskompatiblen Menschen ohne Recht und Gesetz voraus. So funktioniert aber keine Gesellschaft. Der Kommunismus hingegen ist ein Gemeinschaftskörper mit Recht, Gemeinschaftspolitik und Gesetz. Dieser Gemeinschaftskörper prägt auch die Individuen, die einzelnen Charaktere. Ein bisschen Kommunismus haben wir ja auch jetzt, denn ohne perspektivverschränkendes, gemeinschaftliches Denken - z.B. im Rahmen der Familien - käme keine Gesellschaft aus. Könnte aber mehr sein. Wenn unser aller Ziel die Chancengleichheit und relativer Wohlstand für alle ist, so ist das ein kommunistisches Ziel. Wie gesagt: Ohne Recht und Gesetz wird der Mensch nicht gemeinschaftskompatibel, nicht "gut". Das Individuum braucht die Ansage des Gemeinschaftskörpers, und die äußert sich im Gesetz. Nicht in jedem, nicht zu Kaisers Zeiten. Aber über das heutige Grundgesetz schon. Wie ließ Brecht in seiner Dreigroschenoper singen? => "Der Mensch ist gar nicht gut, drum hau ihm auf den Hut. Hast du ihn auf den Hut gehaut, dann wird er -vielleicht - gut!" Recht hatte der Mann.

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

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=> "Der selbstbestimmte Mensch"

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