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Dieses Thema hat 212 Antworten
und wurde 9.476 mal aufgerufen
 Weltliche Ideologien
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89 ( gelöscht )
Beiträge:

27.03.2011 20:09
#176 RE: Kommunismus antworten

Ähmm, liebe Mirjam, der Thread ist nahezu 3 Jahre alt. Also gib mir ein bisschen Zeit zur Reflexion ....

Mirjam Offline



Beiträge: 34

27.03.2011 20:46
#177 RE: Kommunismus antworten

Selbstverständlich

Mirjam

89 ( gelöscht )
Beiträge:

28.03.2011 07:54
#178 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Mirjam
Beziehst du diese Aussagen wie Schlussfolgerung nur auf Arbeitslose aus den neuen Bundesländern?

Nicht generell. Die Erfahrungen die ich in meiner Ex-Heimat, dem Süden Brandenburgs, gemacht habe, waren zum damaligen Zeitpunkt auf weite Kreise der Bevölkerung bezogen. Eine nicht unerhebliche Masse von Leuten hatte sich einfach ausgeklingt. Mehr oder weniger ihrer Geschichte in dem Sinne beraubt, dass diese grundsätzlich negiert wurde und sie ständig das Gefühl hatten, sich entschuldigen zu müssen.
Aber ich glaube, ein wenig hat sich auch getan in den letzten Jahren. Viele sind mittlerweile irgendwo angekommen, respektieren aber die bundesdeutsche Demokratieauffassung genau so wenig wie vor 20 Jahren.

Zitat
Du erwähnst fehlende Selbstreflektion. Was genau wird nicht reflektiert? Woran machst du es fest und worin könnte die Ursache sein?

Die eben erwähnte bundesdeutsche Demokratieauffassung wird nicht reflektiert. Viele Leute fühlen sich im "neuen" System ähnlich angeschmiert, wie im "alten".
Ursachen können vielfältig sein, aber eine ist, vermute ich, die nicht bewältigte Vergangenheit. Die ist nicht aufgearbeitet worden und wenn man bedenkt, was für ein rigoroser Wechsel der Gesellschaftsmodelle von einem Tag auf den anderen stattgefunden hat, ist es kein Wunder. Den Menschen wurde das goldene Kalb vor die Nase gehalten, sprich die D-Mark, und dieser Köder hat gewirkt.

Zitat
Ebenfalls erwähnst du Depressionen. Die von dir bemerkten Depressionen, worauf beziehen sie sich? Was könnte der Grund für diese Depressionen sein? Eine bestehende Arbeitslosigkeit oder könnte eine allgemeine bestehende Depression bei der "älteren" Generation vorherrschen? Hier habe ich auch die Aussage im Hintergrund:"Nirgends wohin gehörende Volk"

Ich glaube, das ist mit meinen obigen Ausführungen beantwortet.
Nur wie gesagt habe ich auch den Eindruck, das sich in den letzten Jahren etwas getan hat. Die Ostdeutschen sind zwar immer noch eine Spezies für sich, aber das sind die Bayern auch.

Mirjam Offline



Beiträge: 34

28.03.2011 15:07
#179 RE: Kommunismus antworten

Danke für deine Ausführungen 89

Du schreibst, eine nicht unwesentliche Masse von Menschen hatte sich einfach ausgeklingt. Gedankengang meinerseits: Könnte dieses ausklinken einen praktizierten Verdrängungsmechanismus zugeordnet werden?

Weiter. Mehr oder weniger berauben der Geschichte durch grundsätzliche Negation. Gedankengang: Dieses grundsätzliche negieren eine Verhaltensreaktion von Hass auf das soz. System wie auch mehr oder weniger bewusster/unbewusster unterschwelliger Selbsthass?

Zu dem Gefühl des sich ständig entschuldigen zu müssen möchte ich an späterer Stelle zurückkommen.



Zitat
Du erwähnst fehlende Selbstreflektion. Was genau wird nicht reflektiert? Woran machst du es fest und worin könnte die Ursache sein?



Zitat
Die eben erwähnte bundesdeutsche Demokratieauffassung wird nicht reflektiert. Viele Leute fühlen sich im "neuen" System ähnlich angeschmiert, wie im "alten".



Der Demokratieausfassung im nun Gesamtdeutschland wird Misstrauen entgegengebracht wie gleichzeitig ein ignorieren der Möglichkeit, sich mit diesem intensiv auseinanderzusetzen. Könnte es auch so formuliert werden?


Zitat
Ursachen können vielfältig sein, aber eine ist, vermute ich, die nicht bewältigte Vergangenheit. Die ist nicht aufgearbeitet worden und wenn man bedenkt, was für ein rigoroser Wechsel der Gesellschaftsmodelle von einem Tag auf den anderen stattgefunden hat, ist es kein Wunder. Den Menschen wurde das goldene Kalb vor die Nase gehalten, sprich die D-Mark, und dieser Köder hat gewirkt.



Nicht bewältigte Vergangenheit. Es gibt vielerlei Ursachen.
Ich brösel hier mal etwas auseinander.Gedankengänge:
Einen rigorosen Wechsel der Gesellschaftssysteme hatten die Menschen, die vor dem Fall der Mauer umsiedelten. Die Menschen in Teil der ehemaligen DDR durchliefen erst einmal ein Chaos in Bezug auf kompetente Ansprechpartner auch seitens der Behörden. Dieser Prozess einer behördlichen Strukturierung wie auch Informationsfluß für Orientierung (vor Ort) war recht mangelhaft. Private zwischenmenschliche Begebenheiten zischen "Ost und West" sollen hier jetzt nicht zum Thema werden, in Kombination Privat wie Behörden könnte es jedoch dadurch durchaus gegeben sein, das Menschen völlig der Boden unter den Füßen weggerissen wurde.

Das goldene Kalb. Das goldene (Gesellschafts-)Kalb wurde nicht erst mit dem Fall der Mauer vor die Nase gesetzt, sondern es war die ganzen (DDR) Jahre präsent. Es dürfte jedoch wahrscheinlich sein, das sich mit der direkten Konfrontation nach der Grenzöffnung bei Menschen ein mehr oder wenig intensiver Kulturschock abspielte.

Intension des Volksbegehrens war anfänglich lediglich die Reisefreiheit zu erwirken. Mehr nicht. Der Gesamtverlauf der politischen Umwälzung dürfte dann in gezielter Manipulation zu finden sein. Der Ostsektor hatte gewissermaßen bereits bei der Aufteilung der Alleierten einen gesonderten Status, gewissermaßen Versuchszweck und der(relativ)unblutig verlaufene Aufstand dürfte auch diesem Umstand verdankt werden.



89, mein Bestreben geht dahin, sich mit der Psyche des "ostdeutschen Volkes" zu befassen. Magst dahingehen diesen Aspekt mit auseinanderbröseln?


Mirjam

89 ( gelöscht )
Beiträge:

28.03.2011 16:35
#180 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Mirjam
89, mein Bestreben geht dahin, sich mit der Psyche des "ostdeutschen Volkes" zu befassen. Magst dahingehen diesen Aspekt mit auseinanderbröseln?


Kann man versuchen, aber ob ich da nun der Durchblicker bin, weiß ich nicht. Ich habe zu manchen Punkten keine bundesdeutsch-konforme Meinung .

Aber mal eine kurze persönliche Frage (ohne dir zu Nahe treten zu wollen): bist du Ost oder West? Nicht, dass das so entscheident ist, aber in gewissem Sinne schon.

Zitat
Könnte dieses ausklinken einen praktizierten Verdrängungsmechanismus zugeordnet werden?


Ja natürlich, was ist "ausklingen" anderes als Verdrängung. Praktiziert wird diese Verdrängung indem das gesellschaftliche Leben, die Bedürfnisse oder Erfordernisse auf den minimalsten privaten Kosmos runtergebrochen wird. Man nennt so was auch einigeln.
Oder die Verdrängung kommt in Wahlverweigerung zum Ausdruck oder in Protestwahlverhalten, was im Osten ja oft zu sehen war. Da wird eben NPD angekreuzt statt CDU oder SPD, obwohl es unvernünftig ist.

Zitat
Gedankengang: Dieses grundsätzliche negieren eine Verhaltensreaktion von Hass auf das soz. System wie auch mehr oder weniger bewusster/unbewusster unterschwelliger Selbsthass?


Wenn nicht Selbsthass (das wohl eher nicht), dann auf jeden Fall Minderwertigkeitsgefühle/komplexe die aus der wiederum verordneten Neuorientierung erwachsen.

Zitat
Der Demokratieausfassung im nun Gesamtdeutschland wird Misstrauen entgegengebracht wie gleichzeitig ein ignorieren der Möglichkeit, sich mit diesem intensiv auseinanderzusetzen. Könnte es auch so formuliert werden?

Ja.

Zitat
Es dürfte jedoch wahrscheinlich sein, das sich mit der direkten Konfrontation nach der Grenzöffnung bei Menschen ein mehr oder wenig intensiver Kulturschock abspielte.


So kann man es nennen: Kulturschock. Und die Konfrontation mit Zuständen eines Systems, dessen Strukturen und auch die alltäglichen Gegebenheiten für den Ostdeutschen, trotz der Nähe, so weit weg waren wie der Mond.

Zitat
Der Gesamtverlauf der politischen Umwälzung dürfte dann in gezielter Manipulation zu finden sein.


So könnte man es sehen. Bestrebungen, ein alternatives Gesellschaftsmodell auf den Weg zu bringen, wurden rigoros unterlaufen. Aber im Grunde war auch ein Großteil der DDR-Bevölkerung das Neuanfangen leid, man wollte ein Nest, wo man unterschlüpfen konnte nach all dem Ungemach und es gab große Wahlkampfparolen, die aus alten bundesdeutschen Wahlkampf-Repertoire der 60er Jahre oder noch früher recycelt wurden, so kann ich mich noch an ein Wahlplakat der CDU von 1990 erinnern: "Keine Experimente" stand da drauf. Meines Wissens hatte sogar schon Adenauer damit geworben. Aber daran ist eventuell auch zu ersehen, wo die bundesdeutsche Politik meinte, die DDR abholen zu müssen.

Mirjam Offline



Beiträge: 34

28.03.2011 22:46
#181 RE: Kommunismus antworten

Zuerst ein Danke an den Menschen, der die Zitate korrigiert hat!

---------------------------

@89



Zitat

Zitat
89, mein Bestreben geht dahin, sich mit der Psyche des "ostdeutschen Volkes" zu befassen. Magst dahingehen diesen Aspekt mit auseinanderbröseln?




Kann man versuchen, aber ob ich da nun der Durchblicker bin, weiß ich nicht. Ich habe zu manchen Punkten keine bundesdeutsch-konforme Meinung .





Danke für deine Versuchsbereitschaft.

Vorschlag meinerseits für einen strukturierten Austausch und eine Kernthematik ist anhand von Kodependenz/co-Abhängigkeit oder auch Mitabhängigkeit genannt, sich mit der Psyche auseinanderzusetzen.

Ist dir Kodependenz/co-Abhängigkeit/Mitabhängigkeit als eine Verhaltensweise bekannt ?

Diese Verhaltensweise würde ich gern einmal nicht als begrenzt persönlichen Rahmen, sondern als mögliche gesellschaftliche Verhaltensweise in der ehem. DDR beleuchten wollen.


Unter diesen Links können Informationen im Groben nachgelesen werden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kodependenz
http://www.co-kids.de/
http://www.forum-alkoholiker.de/grundbau...bhaenigkeit.php


Welchen Vorschlag würdest du gern unterbreiten wollen 89?


Zitat
Aber mal eine kurze persönliche Frage (ohne dir zu Nahe treten zu wollen): bist du Ost oder West? Nicht, dass das so entscheident ist, aber in gewissem Sinne schon



89, für einen Moment musste ich doch lachen. Du, ich bin weder Ost noch West sondern einfach nur ein Mensch :))

Würde dir die Antwort genügen, dass ich ein persönliches Interesse an dieser Thematik habe?


Mirjam

89 ( gelöscht )
Beiträge:

29.03.2011 08:47
#182 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Mirjam
Du, ich bin weder Ost noch West sondern einfach nur ein Mensch :))


...der aber sicher nicht im luftleeren Raum lebt, sondern gewisse Prägungen erfahren hat, sei es in der Vergangenheit oder im gesellschaftlichen Umfeld. Aber egal...

Zu den Links und Fragen heut' Nachmittag mehr.

89 ( gelöscht )
Beiträge:

29.03.2011 14:07
#183 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Mirjam
Vorschlag meinerseits für einen strukturierten Austausch und eine Kernthematik ist anhand von Kodependenz/co-Abhängigkeit oder auch Mitabhängigkeit genannt, sich mit der Psyche auseinanderzusetzen.


Mit wessen Psyche? Der der Ostdeutschen?

Zitat
Ist dir Kodependenz/co-Abhängigkeit/Mitabhängigkeit als eine Verhaltensweise bekannt ?


Was hat Co-Abhängigkeit mit den Verhältnissen in Ostdeutschland zu tun? Welche Co-Abhängigkeit? Wer von wem, von was?

Zitat
Diese Verhaltensweise würde ich gern einmal nicht als begrenzt persönlichen Rahmen, sondern als mögliche gesellschaftliche Verhaltensweise in der ehem. DDR beleuchten wollen.

Zitat
http://de.wikipedia.org/wiki/Kodependenz
http://www.co-kids.de/
http://www.forum-alkoholiker.de/grundbau...bhaenigkeit.php


Zitat
Welchen Vorschlag würdest du gern unterbreiten wollen 89?


Ich habe keinen Schimmer, wovon du redest, sorry.

edit: eventuell wäre auch ein neuer Thread angeraten, mit Kommunismus hat das Ganze gar nichts mehr zu tun

Reisender Offline



Beiträge: 4.031

29.03.2011 15:17
#184 RE: Kommunismus antworten

Wo Alles Allen gehört,
gehört keinem Etwas,
und niemand fühlt sich verantwortlich.
(Aristoteles, Kritik des Kommunismus, in Bezug auf Platons Staat)

Mirjam Offline



Beiträge: 34

29.03.2011 16:41
#185 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Reisender
Wo Alles Allen gehört,
gehört keinem Etwas,
und niemand fühlt sich verantwortlich.
(Aristoteles, Kritik des Kommunismus, in Bezug auf Platons Staat)




...das sagte auch das "Ich" und löste sich im "Wir" auf

(Mirjam´s Kritik am Versuch des Umsetzens der Ideologie d. Soz./Kommunismus in der DDR) ;)

Mirjam Offline



Beiträge: 34

29.03.2011 19:33
#186 RE: Kommunismus antworten

Zitat von 89

Zitat von Mirjam
Vorschlag meinerseits für einen strukturierten Austausch und eine Kernthematik ist anhand von Kodependenz/co-Abhängigkeit oder auch Mitabhängigkeit genannt, sich mit der Psyche auseinanderzusetzen.


Mit wessen Psyche? Der der Ostdeutschen?

Zitat
Ist dir Kodependenz/co-Abhängigkeit/Mitabhängigkeit als eine Verhaltensweise bekannt ?


Was hat Co-Abhängigkeit mit den Verhältnissen in Ostdeutschland zu tun? Welche Co-Abhängigkeit? Wer von wem, von was?

Zitat
Diese Verhaltensweise würde ich gern einmal nicht als begrenzt persönlichen Rahmen, sondern als mögliche gesellschaftliche Verhaltensweise in der ehem. DDR beleuchten wollen.

Zitat
http://de.wikipedia.org/wiki/Kodependenz
http://www.co-kids.de/
http://www.forum-alkoholiker.de/grundbau...bhaenigkeit.php


Zitat
Welchen Vorschlag würdest du gern unterbreiten wollen 89?


Ich habe keinen Schimmer, wovon du redest, sorry.

edit: eventuell wäre auch ein neuer Thread angeraten, mit Kommunismus hat das Ganze gar nichts mehr zu tun




Hallo @89

Zitat
Mit wessen Psyche? Der der Ostdeutschen?



Ja mit der Psyche/Persönlichkeitsstruktur der Menschen, die in der ehem. DDR gelebt haben

Zitat
Was hat Co-Abhängigkeit mit den Verhältnissen in Ostdeutschland zu tun? Welche Co-Abhängigkeit? Wer von wem, von was?



89, ich hatte dich gefragt, ob du Kodependenz kennst. Ja oder nein 89? Kodependenz steht im unmittelbarem Zusammenhang mit Abhängigkeit(en). Kernstück beider ist Orientierung, Selbstwahrnehmung sowie über was oder wen identifiziert sich der Mensch.

Zitat
Diese Verhaltensweise würde ich gern einmal nicht als begrenzt persönlichen Rahmen, sondern als mögliche gesellschaftliche Verhaltensweise in der ehem. DDR beleuchten wollen.



Menschen, die in dieses System eine intensive Prägung erhielten, zeigen trotz Jahre in einem anderen Gesellschaftsystem grundsätzlich gleichende Verhaltensmuster.
Intension ist, sich nicht damit zu begnügen, das diese Menschen anders sind, sondern warum sie so sind wie sie jetzt noch sind. Warum diese Verdrängung, Ignoranz, das sich einigeln/Menschenscheu etcpp. Das hat doch eine Ursache und die war so gravierend und manifestiert, das sie jetzt noch generationsübergreifend ist.
89, du selbst hast auch diese Verhaltensmuster bemerkt.

Zitat
edit: eventuell wäre auch ein neuer Thread angeraten, mit Kommunismus hat das Ganze gar nichts mehr zu tun



Hier möchte ich dir widersprechen 89. Das hat sehr wohl mit der Ideologie Sozialismus und vorallem in seiner weiterentwickelten Form Kommunismus zu tun.
Gern kann dazu, wenn Interesse besteht, ein neues Thema zu Persönlichkeitsstruktur im Sozialismus/Kommunismus oder wie auch immer eröffnet werden.

89? Konnte ich dir jetzt das generelle Anliegen, sich mit der Psyche/Persönlichkeitsstruktur von Menschen in der ehem. DDR zu befassen, besser verständlichen?

Mirjam

89 ( gelöscht )
Beiträge:

30.03.2011 12:48
#187 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Mirjam
89? Konnte ich dir jetzt das generelle Anliegen, sich mit der Psyche/Persönlichkeitsstruktur von Menschen in der ehem. DDR zu befassen, besser verständlichen?


Das kannst du vllt. an meiner Antwort feststellen. Aber vorausschicken will ich noch, dass ich kein Gesellschaftswissenschaftler bin und hier nur meine rein subjektiven Eindrücke wiedergebe.

Zitat von 89
Mit wessen Psyche? Der der Ostdeutschen?

Zitat von Mirjam
Ja mit der Psyche/Persönlichkeitsstruktur der Menschen, die in der ehem. DDR gelebt haben




Ich hab' es erwähnt, die Psyche vieler Osdeutscher hat dahingehend einen Knacks bekommen, dass sie Minderwertigkeitskomplexe entwickelten, die sich in selbstgewählter Isolation oder auch "L.m.a.A." -Stimmung darstellten oder noch darstellen. Das ist nicht auf alle bezogen, z.B. nicht auf mich. Zwar kommen bei mir auch ein paar resignative Stimmungen durch, wenn ich mir die Vereinigungsgeschichte der Deutschen ansehe, aber letztlich überwiegt der Optimismus.

Zitat
89, ich hatte dich gefragt, ob du Kodependenz kennst. Ja oder nein 89? Kodependenz steht im unmittelbarem Zusammenhang mit Abhängigkeit(en). Kernstück beider ist Orientierung, Selbstwahrnehmung sowie über was oder wen identifiziert sich der Mensch.


Warum redest du nicht verständlich, wenn es dementsprechende Begriffe gibt? Mir sagt Co-Abhängigkeit etwas in Bezug auf Suchtverhalten innerhalb eines engeren Kreises, also dass beispielsweise der Ehepartner involviert ist beim Suchtverhalten des Anderen und das dies ähnlich gravierende Folgen haben kann wie die Sucht des Betroffenen selber.
Auf was du mit dieser Co-Abhängigkeit auf gesellschaftliche Gegebenheiten in Ostdeutschland hinauswillst, verstehe ich immer noch nicht. Wer ist wo, mit wem oder was co-abhängig?

Zitat
Menschen, die in dieses System eine intensive Prägung erhielten, zeigen trotz Jahre in einem anderen Gesellschaftsystem grundsätzlich gleichende Verhaltensmuster. Intension ist, sich nicht damit zu begnügen, das diese Menschen anders sind, sondern warum sie so sind wie sie jetzt noch sind. Warum diese Verdrängung, Ignoranz, das sich einigeln/Menschenscheu etcpp. Das hat doch eine Ursache und die war so gravierend und manifestiert, das sie jetzt noch generationsübergreifend ist.

Wie sollten sie auch was anderes tun? Sollten sie auf die "intellektuellen Angebote" des Westens in der Art eingehen, dass sie ihre Vergangenheit und die einzige Identität, die sie haben, verleugnen? Sollten sie ihr halbes Leben vergessen und mit vllt. 45 Jahren neugeboren werden und jubeln in einem vermeintlich verheißendem Land angekommen zu sein?
Man hat, zumindest in den ersten Jahren, den Ostdeutschen pausenlos gepredigt, was sie alles falsch gemacht haben, und eigentlich, dass sie alles falsch gemacht haben - also ihr Leben für die Katz' war. Das war, wohlgemerkt, in den ersten Jahren so. Ziemlich später hat man auch im Westen bemerkt, dass es ostdeutsche Erfahrungswerte gibt, mit denen man auch was anfangen könnte.
Generationsübergreifend würde ich es trotzdem nicht mehr nennen. Dem heutigen Nachwuchs fällt zwar eventuell auf, dass die Alten aus einer ganz anderen Welt kommen, doch die Lerneffekte sind bei den Jüngeren natürlich ungleich größer.

Zitat
Das hat sehr wohl mit der Ideologie Sozialismus und vorallem in seiner weiterentwickelten Form Kommunismus zu tun.

Das hat mit sehr vielen zu tun aber gleich gar nicht mit der sogenannten "weiterentwickelten" Form, dem Kommunismus. Das war eine Garde indoktrinierter Intellekt-Psychos, die in ihrer flammenden "Zukunftsvision" vergessen hatten, das Glück nicht verordenbar ist und man für eine einigermaßen intakte Gesellschaft auch eine Gesellschaft braucht, sprich ein Volk.
Aber das kann dir eventuell sogar noch besser der studierte Marxist Gysi erklären.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.063

30.03.2011 13:08
#188 RE: Kommunismus antworten

Zitat von 89
Aber das kann dir eventuell sogar noch besser der studierte Marxist Gysi erklären.

Ja, klar. Diplom-Marxist!
Nee: Dipl.-Ökonom.

Aber die DDR und der ganze Ostblock waren rotlackierte Diktaturen. Der Faschismus war im 20. Jahrhundert eine beliebte Alternative zur Demokratie. Und da hatte man dieses "Vorbild" mit dem Sozialismus vermengt. Marx hatte zu seiner Zeit durchaus geglaubt, dass man den Sozialismus nur per Gewalt dem Kapitalismus abringen kann.
Ich kann mir jedoch schlecht vorstellen, dass er mit dem Ostblock glücklich gewesen wäre. Ewig den besser florierenden sogenannte "Kapitalismus" vor der Nase, vor dem das eigene Volk eingesperrt wurde. Bei diktierter Presse und einem Spitzel-System, das ja auch jede Menge Produktivkräfte einband.

Nee - der Ostblock war ein eher misslungenes geschichtliches Experiment.
Marx wollte die "frei assoziierenden Produzenten" (Komm. Manifest). Also Demokratie. Die haben wir doch. Aber das Wirtschafts-System ist nicht unbedingt unter die Herrschaft des ganzen Volkes gebracht. Sprich: Das Volk handelt irgendwie gegen sich. Könnte man so sagen.
Die Geschichte ist eben anders gelaufen, als der große Visionär sie vor Augen hatte.
Es geht auch nicht um ihn. Es geht - wie er selber sagte - um die Bedürfnisse der MENSCHEN! Und die sollten wir vor Augen haben.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

89 ( gelöscht )
Beiträge:

30.03.2011 20:41
#189 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Gysi
Marx hatte zu seiner Zeit durchaus geglaubt, dass man den Sozialismus nur per Gewalt dem Kapitalismus abringen kann....
Ich kann mir jedoch schlecht vorstellen, dass er mit dem Ostblock glücklich gewesen wäre. Ewig den besser florierenden sogenannte "Kapitalismus" vor der Nase


Das war eventuell der hellsichtige Grund für speziell Trotzki, die Idee der Weltrevolution zu entwickeln und Stalins Motto vom "Sozialismus in einem Land" zu verwerfen.

Zitat
Nee - der Ostblock war ein eher misslungenes geschichtliches Experiment.


Sehe ich (mittlerweile) ähnlich, entkräftet aber nicht die Behauptung von Mirjam, das eine verbreitete Persönlichkeitsstruktur von Ostdeutschen insbesonders was mit der weiterentwickelten Form des Sozialismus, dem Kommunismus, zu tun hat.

Mirjam Offline



Beiträge: 34

31.03.2011 07:48
#190 RE: Kommunismus antworten


Danke für eure Antworten! Ich habe gelesen und bei mir purzeln auch Gedanken, aber ich bin im Moment recht unkonzentriert.
Bis zum Sonntag Abend werde ich nicht mehr online sein und werde mich ab dann mit euren Antworten nocheinmal auseinandersetzen. Habt bitte bissel Geduld.

Ein angenehmes Wochenende euch!
Mirjam

Reisender Offline



Beiträge: 4.031

31.03.2011 16:18
#191 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Gysi

Zitat von 89
Aber das kann dir eventuell sogar noch besser der studierte Marxist Gysi erklären.

Ja, klar. Diplom-Marxist!

Die Geschichte ist eben anders gelaufen, als der große Visionär sie vor Augen hatte.
Es geht auch nicht um ihn. Es geht - wie er selber sagte - um die Bedürfnisse der MENSCHEN! Und die sollten wir vor Augen haben.




Und diese Bedürfnisse sind: Mit möglichst wenig Arbeit, möglichst gut zu leben. (Archetyp Schlaraffenland)
Da man aber nur mit sehr viel Arbeit gut leben kann, bedarf es eines erheblichen Leistungsdruckes.
Der Mensch läuft nicht, wenn ers warm hat und wenn er satt ist, kein Tier jagt mit vollem Bauch.
So hören wir von Wilhelm Busch: Der Mensch, der läuft nicht gern alleine, es sei denn, es macht ihn einer Beine.
Der Leistungsdruck in der DDR war minimal, niemals drohten Entlassung und Arbeitslosigkeit, ein echtes Arbeiterparadies, aber eben mit geringer Leistung.
Die Leistung von Marx sind nicht das Manifest, das kannste in die Rundablage geben, sondern das Kapital.
Er war ein begabter Analytiker des Kapitalismus, als Philosoph aber nicht mal in der Pfeife zu rauchen.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.063

31.03.2011 17:07
#192 Kommunismus antworten

Zitat von Reisender
Die Leistung von Marx sind nicht das Manifest, das kannste in die Rundablage geben, sondern das Kapital.
Er war ein begabter Analytiker des Kapitalismus, als Philosoph aber nicht mal in der Pfeife zu rauchen.

Hast du beides gelesen, dass du dir dieses abfällige Urteil leisten kannst?

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reisender Offline



Beiträge: 4.031

31.03.2011 17:34
#193 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Gysi

Zitat von Reisender
Die Leistung von Marx sind nicht das Manifest, das kannste in die Rundablage geben, sondern das Kapital.
Er war ein begabter Analytiker des Kapitalismus, als Philosoph aber nicht mal in der Pfeife zu rauchen.

Hast du beides gelesen, dass du dir dieses abfällige Urteil leisten kannst?




Ich kenne sogar "Die große Initiatve" von Lenin, ein ähnlich schmales Heftchen wie das
Manifest. Dort legte der Gründer der UdSSR den Grundstein für den Archipel Gulag,
denn irgendwas muß man ja mit den Menschen machen, die sich einfach nicht aufklären lassen.

89 ( gelöscht )
Beiträge:

31.03.2011 17:37
#194 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Reisender
Ich kenne sogar "Die große Initiatve" von Lenin, ein ähnlich schmales Heftchen wie das
Manifest.


Pahh, Manifest, das mach ich dir an einem halben Abend durch , die Frage stellt sich nach dem Kapital, haste das auch durchgeackert? Ich nämlich nicht, bzw. nur ein Band bruchstückhaft.

Reisender Offline



Beiträge: 4.031

31.03.2011 17:45
#195 RE: Kommunismus antworten

Zitat von 89

Zitat von Reisender
Ich kenne sogar "Die große Initiatve" von Lenin, ein ähnlich schmales Heftchen wie das
Manifest.


Pahh, Manifest, das mach ich dir an einem halben Abend durch , die Frage stellt sich nach dem Kapital, haste das auch durchgeackert? Ich nämlich nicht, bzw. nur ein Band bruchstückhaft.




Ich habe das Kapital ähnlich gelesen wie Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" (1000 Seiten)
Man neigt immer dazu, bestimmte Absätze zu überfliegen.

Mirjam Offline



Beiträge: 34

04.04.2011 01:41
#196 RE: Kommunismus antworten

Zitat
Warum redest du nicht verständlich, wenn es dementsprechende Begriffe gibt? Mir sagt Co-Abhängigkeit etwas in Bezug auf Suchtverhalten innerhalb eines engeren Kreises, also dass beispielsweise der Ehepartner involviert ist beim Suchtverhalten des Anderen und das dies ähnlich gravierende Folgen haben kann wie die Sucht des Betroffenen selber.
Auf was du mit dieser Co-Abhängigkeit auf gesellschaftliche Gegebenheiten in Ostdeutschland hinauswillst, verstehe ich immer noch nicht. Wer ist wo, mit wem oder was co-abhängig?




Hi 89,

Suchtverhalten. Suchtverhalten wird aufgeteilt in stoffliche Süchte und nichtstoffliche Süchte. Beide Suchtformen können sowohl Primärsucht wie auch co-Abhängigkeit beinhalten bzw. stehen im unmittelbarem Zusammenhang. Besteht Suchtverhalten, erscheint es, als ob sich diese in einem engen Kreis (Familie, Freunde) abspielt, doch so ist es nicht. Es geht über den engen Kreis hinaus, da sich Süchtiger wie Co sich in einer Gesellschaft bewegen sowohl auch aus der Gesellschaft, aktivem und breit gefächertem gesellschaftlichem Leben immer weiter entfernen. Spiralenfärmig verengt sich der Kreis immer weiter. Verleugnung, Selbstverleugnung,Verdrängung,Kritiklosigkeit, völlige Anpassung, fehlende Selbstwahrnehmung, Persönlichkeitsauflösung die kaum/kein Selbstwertgefühl hervorruft etcpp. lassen diese Menschen in eine Scheinwelt abrutschen und zur Umwelt weder von außen noch von sich selbst aus Einflüsse gelten. Und diese Verhaltensmuster kommen zwangsläufig zum einen mit Mitmenschen in Berührung sowie werden diese Verhaltensmuster zu gravierenden Einflüssen in der Prägung von eigenen Kindern. Bei stofflichen Süchten (z.B. Alkoholikern), der Co-Abhängigkeit von Partner/Familie und dem generationsübergreifenden Verhaltensmustern ist dies leichter nachzuvollziehen. Spielt sich dieses jedoch im psychischem Bereich ab, so ist dieses weitaus verschwommener und schwieriger nachzuvollziehen.

Kernpunkt ist bei allen, die Orientierung und durch/über wen oder was identifiziere ich mich; durch wen oder was wird mein Selbstwert bestimmt.
Hauptproblem Süchtiger ist das Nichtloslassen können, sowie eine in Konsequenz begleitende/folgende Kontrollsucht.




Zitat
Ich hab' es erwähnt, die Psyche vieler Osdeutscher hat dahingehend einen Knacks bekommen, dass sie Minderwertigkeitskomplexe entwickelten, die sich in selbstgewählter Isolation oder auch "L.m.a.A." -Stimmung darstellten oder noch darstellen.



Zitat
Auf was du mit dieser Co-Abhängigkeit auf gesellschaftliche Gegebenheiten in Ostdeutschland hinauswillst, verstehe ich immer noch nicht. Wer ist wo, mit wem oder was co-abhängig?





Zitat
Menschen, die in dieses System eine intensive Prägung erhielten, zeigen trotz Jahre in einem anderen Gesellschaftsystem grundsätzlich gleichende Verhaltensmuster. Intension ist, sich nicht damit zu begnügen, das diese Menschen anders sind, sondern warum sie so sind wie sie jetzt noch sind. Warum diese Verdrängung, Ignoranz, das sich einigeln/Menschenscheu etcpp. Das hat doch eine Ursache und die war so gravierend und manifestiert, das sie jetzt noch generationsübergreifend ist.
-------
Wie sollten sie auch was anderes tun? Sollten sie auf die "intellektuellen Angebote" des Westens in der Art eingehen, dass sie ihre Vergangenheit und die einzige Identität, die sie haben, verleugnen? Sollten sie ihr halbes Leben vergessen und mit vllt. 45 Jahren neugeboren werden und jubeln in einem vermeintlich verheißendem Land angekommen zu sein?
Man hat, zumindest in den ersten Jahren, den Ostdeutschen pausenlos gepredigt, was sie alles falsch gemacht haben, und eigentlich, dass sie alles falsch gemacht haben - also ihr Leben für die Katz' war. Das war, wohlgemerkt, in den ersten Jahren so. Ziemlich später hat man auch im Westen bemerkt, dass es ostdeutsche Erfahrungswerte gibt, mit denen man auch was anfangen könnte.
Generationsübergreifend würde ich es trotzdem nicht mehr nennen. Dem heutigen Nachwuchs fällt zwar eventuell auf, dass die Alten aus einer ganz anderen Welt kommen, doch die Lerneffekte sind bei den Jüngeren natürlich ungleich größer.




Ja, den Menschen aus den neuen Bundesländern wurde anfänglich zum großem Teil mit Arroganz gegenübergetreten. Richtig. In dieser Arroganz wurde schlichtweg ignoriert, das Textilien vom "Osten" im Schrank lagen, Nahrungsmittel aus dem "Osten" wohlschmeckend und an oder mit Maschinen auch aus dem "Osten" gearbeitet wurde.

Stichwort Identität.
Von der Gründung ausgehend erfolgte zunehmend die Identität über das gesellschaftliche System. Das gesellschaftliche System war so aufgebaut, das Erwachsene, Jugendliche und vorallem die Kinder an dieses System gebunden wurden. Es darf alsTrugschluß bezeichnet werden, dass durch Beschlüsse die Familie einen besondern Schutz und Status in der Gesellschaft hatten. Die Förderung/Gleichstellung der Frau und Mutter und die frühe kindliche Eingliederung in staatliche Einrichtungen wirkten ausschließlich zum einen auf die völlige Ausrichtung des Einzelnen auf dieses System ,wie zum anderen, besondern durch die Kinder dieses System zu erhalten. Die Familie wurde in ihrer Struktur demontiert und missbraucht. Kinder in Familien wurden zum großem Teil "vergessene Kinder" und zu Marionetten des Systems vom System erzogen.Es war nicht alles schlecht! Es wurden Gaben gefördert jedoch kritisches Auseinandersetzen mit dem Gesellschaftssystem ganz systematisch und am sensibelsten Punkt einer Gesellschaft(sordnung), den Kindern, konsequent entgegengetreten.

Schau auf die Kriegskinder. Sie waren geprägt vom Krieg, Schuld. und familiären Tragödien. Sie und die Nachkriegsgeneration wollte eines: bloß nicht das, was gewesen. Alles, nur das nicht. Alternative der Sozialismus mit gleichzeitigem Aufbau eines Feindbildes. Auch das gehört/e zur Identität. Wie auch beginnende Frustation, da sie das abgleiten von der eigentlichen Ideologie bemerkten und doch resignierten.
Die nächste Generation, größtenteils aus dysfunktionalen Familien, weil die Familie als solche kaum funktionierte, orientierte sich am System oder verfiel in mehr oder weniger deutliche Rebellion.

Die psychische Strategie dieses Staates könnte so dargestellt werden:

Wahrheit einer Ideologie verdeutlichen
Aufbau eines Feindbildes
Aufbau eines Organs, was unabdingbar durch die Erschaffung des Feindbildes wird
Schaffung der Vorraussetzung für vermeindliche Selbstverwirklichung
Demontage der Familie

Mittel für die durchsetzung der Strategie:

Lob und Tadel

Es mag absurt klingen, aber mit dem einfachsten, jedoch für die Entwicklung und Orientierung eines Menschen notwendiges Mittels wurde perfide aggiert.
Keine materiellen Dinge, sondern ideelle Dinge waren der Lohn. Und genau dieses wurde zum Suchtmittel wie zur Co-Sucht.
Es gab zig Auszeichnungen für Erwachsene wie für Kinder. Der Staat entschied, was gut und schlecht war und vermittelte es mehr oder weniger deutlich durch seine Organe. Nächstenliebe mutierte zum Helfersyndrom (diesem ist auch das mittragen/durchschleppen sog. Arbeitsbummelanten zuzurechnen). Gesundes kritisches Auseinandersetzen mutierte zur Angst oder nicht zielgerichteter Rebellion. Nur wenige distanzierten sich offen von diesem System trugen die Konsequenzen. Nur, das ging auch nicht spurlos an Angehörigen etc. vorbei.
Mitarbeiter bestimmter Organe oder die Angehörigen waren ihrerseits darauf bedacht, Konfrontationen zu meiden oder zu bagatellisieren.
Es wurde vertuscht, gelogen, sich selbst verleugnet, denunziert etcpp mit vorallem einem Ziel: die Kontrolle zu behalten. Kontrolle über sich und das Umfeld.

Alles was im "Kleinen", ist auch im "Großen" zu finden. Das was sich in einer "kleinen familiären Suchtfamilie" abspielt, kann hier auch im gesellschaftlichem System gefunden werden.
Menschen ließen es zu, das ihr eigenes Ich eliminiert wurde und machten sich damit selbst entscheidungs-und handlungsunfähig.

Bei Persönlichkeitsstrukturen Abhängiger spielt auch Schuld eine gewichtige Rolle.
Ich bin schuld: das ich nicht geliebt werde; ...das ich versagt habe; ...nicht erkannt habe; ...nicht alles weis etcpp. und das verzeiht mir niemand und ich selbst schon garnicht.
Dieses Schuldgefühl birgt 2 Extreme in sich: Einmal sich noch mehr in Arbeit zu stürzen, noch mehr..... oder das andere Extrem ist die Resignation.

An was könnten die Menschen, die sich so einigeln, zu knabbern haben?

Schuldgefühl: Wie konnte ich nur....
Identität: Verlagerung in Menschensucht um den bisher erlebte und verinnerlichte Lob-und Tadelmechanismus weiter leben zu können
Feindbild: Hass oder Ablehnen ist bekannt, der Umgang/Miteinander jedoch mit Menschen völlig anderer Einstellung/Lebensweise unbekannt oder verunsichert im hohem Maße
Kontrolle: es gibt keine völlige Kontrolle/Vorhersehbarkeit
Liebe: Eigenliebe
Verzeihen: sich selbst wie auch den Mitmenschen
Misstrauen und Nichtloslassen können.

Was meinst 89, könnten diese Menschen auch ein Obrigkeitsproblem haben?

Mirjam

Mirjam Offline



Beiträge: 34

04.04.2011 01:49
#197 RE: Kommunismus antworten

Mist aber auch! Doppelposting!

Könnte bitte das erste, mit den missratenen Zitaten gelöscht werden? Mir ist es nicht mehr möglich.

Mirjam

89 ( gelöscht )
Beiträge:

04.04.2011 10:11
#198 RE: Kommunismus antworten

Hallo Mirjam,

muss ich jetzt froh sein, dass Gysi etwas die Forumsregeln bearbeitet hat ?

Neee, es ist aber schon harter Stoff, den du hier ablieferst, sehr lang und es hat was von einer Doktorarbeit. Und mal ganz ehrlich, die Psyche der Ostdeutschen interessiert mich schon insofern ich da herkomme, aber wiederum ist ein sezieren des ostdeutschen Volkes nun nicht unbedingt mein Steckenpferd und was die Frage

Zitat von Mirjam
Was meinst 89, könnten diese Menschen auch ein Obrigkeitsproblem haben?

betrifft, antworte ich einfach mal mit ja.

Mirjam Offline



Beiträge: 34

04.04.2011 14:11
#199 RE: Kommunismus antworten

Zitat
Hallo Mirjam,

muss ich jetzt froh sein, dass Gysi etwas die Forumsregeln bearbeitet hat ?



hi 89,

*hust

...wo ich mich doch schon mehr als knäpplich geäußert und glattweg bei der Schuldzuweisung die Fremdzuweisung unterschlagen habe *jammer


Zitat
Neee, es ist aber schon harter Stoff, den du hier ablieferst, sehr lang und es hat was von einer Doktorarbeit. Und mal ganz ehrlich, die Psyche der Ostdeutschen interessiert mich schon insofern ich da herkomme, ...



Ja es ist harter Stoff.
Die Auseinandersetzung mit der Psyche ist harter Tobak, jedoch leichterer als Konsequenz dann umzusetzen.
Im Klartext: Ich wurde in der DDR geboren, bin dort aufgewachsen und die "Wende" in diesem Land lebend erfahren, seit Ende 90 in einem der alten Bundesländern.
Die DDR-Zeit war lang genug mich zu prägen und für eine andere co-Abhängigkeit zu prädestinieren. Herauszutreten aus diesen Strukturen bedurfte es Jahre und die waren wahrlich kein Zucker schlecken.
89, das hat nichts mit einer Doktorarbeit zu tun, im Grunde ist es nicht einmal das Spitzelchen des Eisberges.




Zitat
.....aber wiederum ist ein sezieren des ostdeutschen Volkes nun nicht unbedingt mein Steckenpferd



Es ist nicht mein Anliegen zu sezieren, sondern ein gemeinsames Aufdecken von Zusammenhängen um den Menschen Verständnis wie eine helfende Hand reichen zu können, die in ihrem "Knacks" feststecken.
Ich bertrachte es nicht als meine Aufgabe, Schuld zu nehmen oder zu geben. Es ist nicht meine Aufgabe, die Probleme anderer zu lösen, das müssen sie schon selbst tun. Eine Hand könnte/kann gereicht werden, ob sie gereicht oder ergriffen wird, auch das obliegt jedem Einzelnem selbst.

ok?

Mirjam

FSMQueen of damned Offline

Pasta-Farina


Beiträge: 3.326

04.04.2011 18:19
#200 RE: Kommunismus antworten

Zitat von Mirjam
Mist aber auch! Doppelposting!

Könnte bitte das erste, mit den missratenen Zitaten gelöscht werden? Mir ist es nicht mehr möglich.

Mirjam


Also welches soll ich jetzt wegmachen? Verstehe ich nicht ganz :(. *Mod in diesem Bereich ist*

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