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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 494 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Lukrez Offline




Beiträge: 5.513

01.05.2007 11:32
Die Welt als Vorstellung antworten

Erneuter Beweis für die Richtigkeit Schopenhauers Philosophie!
(Siehe unten)
Die Welt als Vorstellung.
Wir sehen keinen Baum, sondern unser Auge sieht den Baum und erzeugt eine Vorstellung in unserem Gehirn.
Da die Vorstellung auch stark von der Sprache geprägt wird, hat man mit anderer Muttersprache auch eine ziemlich andere Vorstellung von der Welt.
Die Welt ist unsere Vorstellung uns so in der Realität garnicht vorhanden - eine reine Simulation unseres Gehirns.
Die moderne Hirnforschung kam zum selben Ergebnis.
Da braucht man sich über unüberbrückbare Anschauungsunterschiede der Menschen eigentlich nicht mehr wundern:


Muttersprache beeinflusst die Farbwahrnehmung
Washington (dpa) - Russen sehen Blau mit anderen Augen als Amerikaner: Die Muttersprache hat Einfluss darauf, wie Farben wahrgenommen werden. Das berichten US-Psychologen nach Tests mit russisch- und englischsprachigen Probanden in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («PNAS").

Das Russische kennt kein Wort für Blau, sondern differenziert Hellblau (goluboi) und Dunkelblau (sinij). Russische Muttersprachler konnten entsprechend im Test schneller zwischen hell- und dunkelblauen Schattierungen unterscheiden als zwischen zwei hell- oder zwei dunkelblauen. Amerikaner waren bei allen Blautönen gleich schnell.

Die Forscher um Jonathan Winawer vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) ließen 26 Probanden mit Russisch als Muttersprache und 24 englischsprachige Amerikaner unterschiedliche Blautöne zuordnen. Die Versuchsteilnehmer sollten dabei entscheiden, welches von zwei unterschiedlich blauen Quadraten dem Farbton eines dritten gleicht. War von den beiden fraglichen Quadraten eines hell- und das andere dunkelblau, entschieden sich die russischsprachigen Probanden wesentlich schneller als bei zwei Quadraten derselben Kategorie. Bei englischsprachigen Probanden gab es diesen Unterschied nicht.

Sollten sich die Versuchsteilnehmer zusätzlich eine achtstellige Zahl merken, verschwand der Geschwindigkeitsvorteil bei den russischsprachigen Probanden. Sollten sie sich hingegen statt dieser sprachbezogenen Aufgabe ein räumliches Muster merken, blieb der Vorteil bestehen. Die Forscher schließen daraus, dass die Sprache eine große Rolle bei der Farbunterscheidung im Gehirn spielt. Ihre Analyse berücksichtigte für jeden Probanden dessen individuelle Grenze zwischen Hell- und Dunkelblau. Interessanterweise zogen beide Sprachgruppen diese Grenze im Mittel an fast derselben Stelle.

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Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.062

01.05.2007 12:38
#2  Die Welt als Vorstellung antworten

In Antwort auf:
Die Welt als Vorstellung.
Wir sehen keinen Baum, sondern unser Auge sieht den Baum und erzeugt eine Vorstellung in unserem Gehirn.
Na, das stimmt aber nicht so. Die objektive, außen stehende Welt ist zweifellos vorhanden. Sie wird nur durch die biologischen Sinne subjektiv erfasst - Sinne, die auch ihre kulturell verschiedene Prägung erfahren.

Gysi

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Lukrez Offline




Beiträge: 5.513

01.05.2007 12:50
#3 RE: Die Welt als Vorstellung antworten
In Antwort auf:
Die objektive, außen stehende Welt ist zweifellos vorhanden. Sie wird nur durch die biologischen Sinne subjektiv erfasst

Was außerhalb der Sinne vorhanden ist, können wir nicht wissen!
(Zwar konnten wir die Sinne mittels technischer Mittel etwas erweitern, die Auswertung muss aber zwangsläufig weiterhin subjektiv erfolgen.)
Es wird nicht nur subjektiv erfasst, sondern auch im Gehirn subjektiv ausgewertet.
Praktisch lebt jeder Mensch in seiner eigenen Vorstellung der Welt.

Wie es Schopenhauer ausgedrückt hat:
Kein Objekt ohne Subjekt, kein Subjekt ohne Objekte, beide sind Korrelate, setzen einander voraus. Unsere Objekte sind (als solche) Vorstellungen, unsere Vorstellungen sind selbst die Objekte, nicht Bilder solcher. »Die ganze Welt der Objekte ist und bleibt Vorstellung, und eben deswegen und in alle Ewigkeit durch das Subjekt bedingt: d.h. sie hat transzendentale Idealität.« Zugleich hat sie empirische Realität; das Objekt ist zwar nicht Ding an sich, aber es ist als empirisches Objekt real. »Zwar ist der Raum nur in meinem Kopf; aber empirisch ist mein Kopf im Raum.«

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(Lukrez)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.062

01.05.2007 16:32
#4 Die Welt als Vorstellung antworten

In Antwort auf:
kein Subjekt ohne Objekte
DAS ist richtig, auch wenn der Großgeist S. dem gleich einen Satz später widerspricht. Lass dir von einem New-York-Touristen mal die Freiheitsstatue erklären, und dann fährst du dahin. Du wirst Facetten seiner Erklärung wiedererkennen, und du erkennst Neues hinzu. Aber daran erknnst du die Objektivität der Dinge, die Außenwelt. Dass das ganze Universum nur in deiner (und unser aller) Votstellungskraft existiert, ist hübsche Gedankenspielerei, aber mehr auch nicht. Für einen, der sich an der Kategorie "Realität" orientiert, hat sie keinen Wert.

Gysi

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Lukrez Offline




Beiträge: 5.513

01.05.2007 21:20
#5 RE: Die Welt als Vorstellung antworten

Könnte es nicht sein, dass die Zeit und somit die Anordnung der Objekte nur in unserer Vorstellung existiert?
Schopenhauer spricht ja von der Welt als "Wille und Vorstellung" und leugnet das reine Objekt:
Eine Realität aber, die keines von diesen Beiden wäre, sondern ein Objekt an sich (zu welcher auch Kants Ding an sich ihm leider unter den Händen ausgeartet ist), ist ein erträumtes Unding und dessen Annahme ein Irrlicht in der Philosophie.

Was das Auge, das Ohr, die Hand empfindet, ist nicht die Anschauung: es sind bloße Data. Erst indem der Verstand von der Wirkung auf die Ursache übergeht, steht die Welt da, als Anschauung im Raume ausgebreitet, der Gestalt nach wechselnd, der Materie nach durch alle Zeit beharrend: denn er vereinigt Raum und Zeit in der Vorstellung Materie, d.i. Wirksamkeit. Diese Welt als Vorstellung ist, wie nur durch den Verstand, auch nur für den Verstand da.


Irgendwie lande ich da auch wieder bei der Quantenphysik:
Verschränkung von Subjekt und Objekt - die Realität entsteht erst durch den Beobachter.
Ich finde die Gedanken von Schopenhauer ausgesprochen scharfsinnig und vorausblickend!
Es lohnt wirklich, sich mal mit seiner Gedankenwelt zu beschäftigen.
Es ist weit mehr als eine intellektuelle Spielerei.

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(Lukrez)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.062

02.05.2007 10:24
#6  Die Welt als Vorstellung antworten

In Antwort auf:
Ich finde die Gedanken von Schopenhauer ausgesprochen scharfsinnig und vorausblickend!
Mit Quantenphysik hat Schopenhauers Vorstellungswelt nichts zu tun. Sie ist unmaterialistisch.

Gysi

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Lukrez Offline




Beiträge: 5.513

02.05.2007 22:12
#7 RE: Die Welt als Vorstellung antworten

Ich halte mich ja noch immer für einen Materialisten.
Trotzdem gebe ich Schopenhauer mit seiner Leugnung des -Objekts an sich- vollkommen Recht.
Mit Quantenphysik hat das erstmal nichts direkt zu tun - aber:
Es gibt da den Welle/Teilchen Dualismus!
Erst die Beobachtung/Wechselwirkung legt die Erscheinung der Welt fest.
Ohne Wechselwirkung gibt es keinerlei Materie, also niemals ein Objekt an sich.
Ich erkenne darin keinen logischen Fehler.

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(Lukrez)

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