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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

Der substanzielle  Dialog
 
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Dieses Thema hat 68 Antworten
und wurde 2.353 mal aufgerufen
 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
Seiten 1 | 2 | 3
Ronnie77 ( Gast )
Beiträge:

29.05.2007 10:06
Erleuchtung antworten

@Gysi

In Antwort auf:

Etliche sehen in der Meditation den Weg zur "Erleuchtung" - und verstehen datrunter wohl eine metaphysische Größe...


Viele tausend Buddhisten haben seit Buddha nach der Erleuchtung gestrebt.
Sie hockten sich unter Bäume, saßen auf Steinen usw., Nichts passierte.
Der Grund dafür ist nach meiner Meinung, dass wenn man im Leben alles erreicht hat, oder der Meinung ist, dass
es nichts mehr zu tun gibt, man dann einfach nach Innen strebt.
Worin ist da der Unterschied?
Streben nach Außen, Streben nach Innen...
Es ist natürlich nicht immer so. Viele Menschen waren bettelarm und medidierten.
Bei Buddha war zuerst reich, er wurde als Königssohn geboren, lebte dann später als Bettler.

Ich bin der Ansicht, dass es die Erleuchtung eigentlich nicht wirklich gibt, wenn man sich auf das Wort bezieht.
Es gab aber Menschen, die behaupteten, dass ihnen alles bewusst wurde.
Ist das die Erleuchtung nach der vor allem die Buddhisten streben?
Ein Gauthama Buddha, auch Baghwan/Osho behaupteten, das ihnen alles bewusst wurde.
Das kann man dann wieder glauben oder einfach nicht glauben.

Ich bin der Meinung, dass man nicht nach Erleuchtung streben kann.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.060

29.05.2007 10:47
#2 Erleuchtung antworten
In Antwort auf:
Ich bin der Meinung, dass man nicht nach Erleuchtung streben kann.
Alles, was so großspurig hinausposaunt wird, ist real ein, zwei Etagen tiefer angelegt. Man sagt doch gerne: "Mir ist ein Licht aufgegangen!" Nichts anderes ist "Erleuchtung" auch, ein "Das-ist-es!"-Kick, der jedem Menschen in seinen Leben öfters wiederfahren kann... Und die müssen nicht meditieren. Oder sie tun es - unbewusst - doch => Was ist Meditation? Die Defragmentierung deines Seelenhaushaltes, Entspannung, Konzentration - sowas stellst du auch mit Übungen her, die dir völlig unbewusst sind => ausreichend schlafen, nicht so viel saufen, Nachmittagsnickerchen, pi, pa, po...

Gysi

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

89 ( Gast )
Beiträge:

29.05.2007 11:40
#3 RE: Erleuchtung antworten
In Antwort auf:
Es gab aber Menschen, die behaupteten, dass ihnen alles bewusst wurde.


Da stellt sich für mich die Frage, was ihnen bewusst geworden ist. Der Sinn des Lebens (der eh' schwer zu hinterfragen ist)? Die Geheimnisse des Kosmos? Wie man eine bessere Verdauung erlangt? Die optimale Schlafdauer? Die Zusammensetzung eines Nuklearteilchens?

Ich kann mit diesem "Bewusst-werden..-sein-Kram" auch nicht wirklich was anfagen. Eine einigermaßen, die Sinne beieinander haltende Lebensführung kann da sicher mehr bewirken. Aber dies ist dann auch noch von Subjekt zu Subjekt verschieden.
Ronnie77 ( Gast )
Beiträge:

29.05.2007 11:47
#4 RE: Erleuchtung antworten
@Gysi
In Antwort auf:

Man sagt doch gerne: "Mir ist ein Licht aufgegangen!" Nichts anderes ist "Erleuchtung" auch, ein "Das-ist-es!"-Kick, der jedem Menschen in seinen Leben öfters wiederfahren kann...


Falls ich dich richtig verstanden habe, meinst du, dass einem nur Teilbereiche bewusst werden können?
Es geht einem hier und ein Licht auf, nur Teilbereiche.
Die Erleuchteten sagten, dass ihnen alles, das "Ganze" bewusst wurde.
Gysi Offline

Atheist


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29.05.2007 13:54
#5 Erleuchtung antworten

In Antwort auf:
Die Erleuchteten sagten, dass ihnen alles, das "Ganze" bewusst wurde.
Das halte ich für baren Unsinn. Es gibt gewiss einen Dauerzustand der Aufgeräumtheit und Klarsicht, die der Boden ist für bessere Geistesproduktion und Kreativität.

Gysi

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qilin Offline




Beiträge: 3.552

01.06.2007 15:22
#6 RE: Erleuchtung antworten
'Erleuchtung' ist ein höchst missverständlicher Ausdruck.
Er impliziert, dass Jemand durch Etwas erleuchtet wird.
Eine der Grundlehren des Buddhismus ist anatta - 'Nicht-Ich'.
Der historische Buddha wurde von seinen nichtbuddhistischen
Zeitgenossen als anattavadin - 'den Weg des Nicht-Ich gehend'
bezeichnet. Wenn Buddhisten also kein Ich haben, wer sind
dann 'die Erleuchteten', denen 'das Ganze' bewusst wurde

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Lukrez Offline




Beiträge: 5.513

01.06.2007 19:43
#7 RE: Erleuchtung antworten
Ist Erleuchtung überhaupt erstrebenswert?
Ich sehe in der Erleuchtung ein Schockerlebnis - also den Verlust aller Illusionen.
(Da gehört natürlich auch die Illusion des Ichs dazu)
Sowas verkraftet sicherlich nicht jeder Mensch.

Beispiel Ödipus, der sich nach seiner Erleuchtung geblendet hat:
Sowohl der Vatermord als auch die Blutschande machen Ödipus zu einem Verbrecher. Dennoch ist er subjektiv unschuldig. Denn unwissend beging er Taten, die er wissentlich nie begangen hätte.

Die Buddhisten liegen (nach meiner Meinung und auch nach neuesten Forschungsergebnissen) mit der Leugnung des Ichs zweifellos richtig.
Trotzdem halten wir alle uns krampfhaft an diesem eingebildeten Ich fest.

Die große Illusion:
http://www.morgenwelt.de/wissenschaft/9902-gehirn.htm

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De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.060

01.06.2007 20:06
#8  Erleuchtung antworten
In Antwort auf:
Trotzdem halten wir alle uns krampfhaft an diesem eingebildeten Ich fest.

Du bist der Auffassung, dass die Einsicht in die Determiniertheit unserer Handlungen unser Ich auflöst? Ich nicht! Das Ich ist die Bewusstheit von und Unbewusstheit deiner Person, die deinem Körper, der Positionierung dieses Körpers in deiner Umwelt und dem daraus erwachsenen Gefühlshaushalt und deinem Leben entspricht. Das Ich ist doch keine Illusion! Ich verstehe nicht, wie man auf sowas kommen kann! Die Entscheidungsfreiheit unseres Verstandes ist eine Illusion, das sehe ich auch so. Aber nicht das Ich. Ihn zu bekämpfen, was die buddhistische Lehre tut, ist fatal.

Gysi

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Lukrez Offline




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01.06.2007 20:29
#9 RE: Erleuchtung antworten

Ich sagte doch:
Diese Einsicht verkraftet nicht jeder.
Das "Ich" ist die eingebildete Bewusstheit eines Ichs.
Was ist daran fatal?
Die Buddhisten haben unbedingt recht.

Unterschiedlichste (voneinander unabhängige) Prozesse des Gehirns spielen uns ein Ich vor.
Gerechterweise müsste man dann aber zumindest von vielen unterschiedlichen Ichs sprechen - das ist natürlich Blödsinn.
Hat dann auch ein Computer ein Ich?

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Gysi Offline

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01.06.2007 20:39
#10 Erleuchtung antworten

In Antwort auf:
Hat dann auch ein Computer ein Ich?
Ja natürlich! Wenn er das Bewusstsein dazu hätte zu sagen: Meine materielle Basis, der Rechner, die Peripherie mit all den Aktionen, die der blöde User mir da eingibt und die ganzen Abläufe meines Programmes -> das bin ICH - das hätte der auch ein Ich!

Gysi

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Lukrez Offline




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01.06.2007 20:43
#11 RE: Erleuchtung antworten

Bist du sicher dass dein Computer dieses Bewusstein nicht hat?

Auf das "Ich" wurde zuerst die "Seele" und dann noch der "Freie Wille" gepackt.
Ich kann mit allen diesen Begriffen nichts mehr anfangen.

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Gysi Offline

Atheist


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01.06.2007 20:49
#12  Erleuchtung antworten

In Antwort auf:
Bist du sicher dass dein Computer dieses Bewusstein nicht hat?
Nee, bin ich nicht. Ich habe im Grunde keinen freien Willen. Aber wenn mir ein Ziegelstein auf den Fuß fiele, dann machte es Aua, und spätestens dann weiß ich: Ich habe ein Ich. Ich bin eine Biomaschine, sonst nichts. Aber diese Biomaschine, die bin ICH eben!

Gysi

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Lukrez Offline




Beiträge: 5.513

01.06.2007 21:02
#13 RE: Erleuchtung antworten

In Antwort auf:
Aber diese Biomaschine, die bin ICH eben!

Zweifellos...
Ist vermutlich nur noch eine Frage der Zeit bis Computer auch ihre Ich-Bewusstheit ausdrücken können.
Man arbeitet jedenfalls daran...

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Gysi Offline

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01.06.2007 21:06
#14  Erleuchtung antworten

Ma, schön, dass auch du jetzt einsiehst, dass es das Ich natürlich gibt. Ich, du, sie, wir und er - das sind sowas wie Ortbestimmungen unter den Lebewesen. Gibt es das Hier? Also gibt es auch das Ich.

Gysi

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qilin Offline




Beiträge: 3.552

01.06.2007 21:23
#15 RE: Erleuchtung antworten
Nun, ich denke nicht, dass wir hier auch nur annäherungsweise die Wirklichkeit oder Unwirklichkeit des Ego feststellen können.
Ich habe zu dem Thema vor ein paar Jahren aus einem Artikel von A.R.Damasio (Autor von "Descartes' Irrtum: Fühlen, Denken
und das menschliche Gehirn") ein paar Absätze zu diesem Thema exzerpiert, finde den Text aber gerade nicht. Mal sehen -
ich denke aber, Dogmatismus ist weder in der einen noch in der anderen Richtung angesagt...

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() qilin

Gysi Offline

Atheist


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01.06.2007 21:30
#16 Erleuchtung antworten
In Antwort auf:
Nun, ich denke nicht, dass wir hier auch nur annäherungsweise die Wirklichkeit oder Unwirklichkeit des Ego feststellen können.
Nicht? Wieso das denn nicht? Zu schwer für uns?
In Antwort auf:
ich denke aber, Dogmatismus ist weder in der einen noch in der anderen Richtung angesagt...
Hier dogmatisiert keiner. Lukrez nicht und nicht ich. Wir gehen sehr wohl aufeinander ein. Was uns Schwierigkeiten bereitet, sind offenbar verschiedene Begriffsbestimmungen. Ob nun unbedingt eine "Experzise" des A.R.Damasio über Descartes weiterhelfen kann... Schaun mer mal.

Gysi

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qilin Offline




Beiträge: 3.552

02.06.2007 06:11
#17 RE: Erleuchtung antworten

Nun, Fragen, über die die führenden Wissenschaftler eines Fachgebietes nicht einig sind,
werden IMHO meist nicht dadurch gelöst, dass irgendwo in einem Internetforum jemand
erzählt, dass es natürlich so und nicht anders ist - was einem unbedarften Ignoramus
wie mir evtl. - natürlich ganz unberechtigt - als 'Dogmatismus' aufstoßen könnte...
Erinnert mich in etwa an die Geschichte, wie mal ein Freund zur Einsteinschen Zeitverkürzung
bemerkte "Das kann natürlich so nicht stimmen - die Zeit kommt einem vielleicht kürzer vor,
aber sie ändert sich doch nicht wirklich - sagt einem doch der gesunde Menschenverstand!"

Den Text hab' ich gefunden - hatte ich mal in einer mail an eine alte Freundin geschickt:

...ich habe den betr. Text übersetzt - auf Deutsch wirkt er etwas einfacher gestrickt als ich ihn in Erinnerung hatte, und ich werde ihn hier 'reinsetzen, sobald ich das placet des copyright-Inhabers bekomme (in ein paar Tagen). Einstweilen habe ich einen anderen gefunden, der die Frage von der naturwissenschaftlichen Seite angeht. Er stammt aus einer Arbeit von Antonio Damasio, Vorstand des Inst. of Neurology an der Univ. of Iowa, und Autor des Buches 'Descartes' Irrtum - Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn'. Ich finde die Parallelen erstaunlich, möchte sie aber nicht überbewerten...


Spektrum der Wissenschaft, Dossier Grenzen des Wissens, 2(2002), p.41
'Wie das Gehirn den Geist erzeugt'
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Wie ist es nun aber möglich, von einem solchen biologischen Selbst zu dem Gefühl zu gelangen, Eigner der persönlichen Gedanken zu sein, zu dem Eindruck, daß diese aus je eigener Sicht aufgebaut werden - ohne irrtümlich einen allwissenden Homunculus anzunehmen, der die jeweils eigene Wirklichkeit interpretiert? Wie kann man etwas über sich selbst und seine Umgebung wissen? Ich habe in meinem Buch „Ich fühle also bin ich" zu begründen versucht, daß die biologische Grundlage für das Ich-Bewußtsein in jenen Gehirnstrukturen steckt, die in jedem Augenblick das Fortbestehen desselben individuellen Organismus repräsentieren.
In vereinfachter Form besagt meine Vermutung, daß das Gehirn Strukturen nutzt, die dem Abbilden sowohl des eigenen Körpers wie der Außenwelt dienen, um eine neue Abbildung zweiter Ordnung zu erstellen. Diese zeigt dann an, daß der Organismus, so wie er im Gehirn repräsentiert ist, sich in Interaktion mit einem Objekt befindet, das ebenfalls im Gehirn abgebildet ist. Die Abbildung zweiter Ordnung ist keine Abstraktion; sie findet in neuralen Strukturen wie Thalamus und Cingulum statt.
Ein solcherart umgemünztes Selbst-Wissen fügt der sich entwickelnden Geistestätigkeit wichtige Informationen hinzu. Insbesondere stellt es innerhalb der Geistestätigkeit die Information dar, daß der Organismus der Eigner des mentalen Vorgangs ist. Es beantwortet spontan eine nie gestellte Frage: Wem geschieht dies? Auf diese Weise wird im Akt des Wissens ein Ich-Gefühl erzeugt, das die Grundlage der für bewußtes Erleben charakteristischen subjektiven Perspektive bildet.
Aus evolutionstheoretischer Sicht wird klar, wann ein solches Selbst-Bewußtsein vorteilhaft ist. Man stelle sich einen seiner selbst bewußten Organismus vor im Gegensatz zu einem, dem ein solches Bewußtsein fehlt. Der selbstbewußte Organismus verfügt über einen Anreiz, auf Alarmsignale zu achten, die das Kopfkino liefert: Er kennt etwa den Schmerz, den die Berührung einer heißen Herdplatte verursacht, und wird in Zukunft dergleichen „bewußt' vermeiden. Die Evolution des Selbst belohnt Bewusstsein, da es offensichtlich einen Überlebensvorteil darstellt.

Die Dualismen werden verschwinden

Halten wir uns die Kino-Metapher vor Augen, so besteht meine Lösung des Bewußtseinsproblems darin, daß das Ich-Bewußtsein beim Wissenserwerb innerhalb des Films selbst entsteht. Bewußtsein von sich selbst ist Teil des Films und erzeugt zugleich das Gesehene und den Sehenden, den Gedanken und den Denker. Es gibt im Kopfkino keinen separaten Zuschauer. Die Idee des Zuschauers wird innerhalb des Films konstruiert, und kein geisterhafter Homunculus spukt in einem Zuschauerraum herum. Objektive Hirnvorgänge weben die Subjektivität des bewußten Geistes: aus dem Stoff der Sinnesabbildungen. Und weil die fundamentalsten Sinnesabbildungen sich auf Körperzustände beziehen und als Gefühle imaginiert werden, entsteht das Ich-Erleben beim Wissenserwerb als ein besonderes Gefühl - als ein Gefühl dafür, was in einem Organismus vorgeht, der gerade mit einem Objekt wechselwirkt.
Manche Beobachter fürchten vielleicht, etwas so Kostbares und Ehrwürdiges wie der menschliche Geist würde durch Aufklärung seiner materiellen Struktur degradiert oder gänzlich zum Verschwinden gebracht. Doch die biologische Erklärung der Ursprünge und der Arbeitsweise des Geistes wird ihn nicht abschaffen; wir können vielmehr die ihm entgegengebrachte Ehrfurcht auf die erstaunliche Mikrostruktur des Organismus erweitern sowie auf die ungeheuer komplexen Funktionen, mit denen diese Struktur den Geist zu erschaffen vermag. Indem wir das Bewußtsein auf einer tiefer liegenden Ebene verstehen, werden wir in ihm das komplexeste biologische Phänomen überhaupt sehen und nicht ein undurchschaubares Mysterium. Der Geist wird seine Erklärung überstehen - so wie eine Rose auch dann noch lieblich duftet, wenn die molekulare Struktur ihrer Duftstoffe analysiert worden ist.

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() qilin

Gysi Offline

Atheist


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02.06.2007 08:32
#18 Erleuchtung antworten

@quilin

Ja, und? Hast du meine Antworten an Lukrez nicht gelesen?

Gysi

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qilin Offline




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02.06.2007 11:44
#19 RE: Erleuchtung antworten

Aber sicher doch - nur geht's dort um die Determiniertheit unserer Handlungen,
hier aber um das Ich-Bewusstsein an sich...

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() qilin

Gysi Offline

Atheist


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02.06.2007 13:19
#20 Erleuchtung antworten
Und was ist deine Schlussfolgerung? Ich stimmte mit Lukrez überein, dass unsere Handlungen determiniert sind. Und er schloss daraus, das Ich sei eine Illusion. Dem widersprach ich. Wie ist deine Position? Das ganze Spiel da oben in der Birne ist ein Feuerwerk der Neuronen. Oder was auch immer. Jeder nennt sein Naturbesteck "Ich". Nichts anderes ist das Ich. Wenn ich der Meinung verlustig gehe, über absolute Entscheidungsfreiheit zu verfügen, dann löst sich mein Ich nicht auf. Wer das anders sieht, scheint eine andere Begriffsinterpretation zu haben. Das war die Diskussion zwischen Lukrez und mir.
Aber der Thread hat ja das Thema "Erleuchtung". Und ich meine, dass diesem Begriff nicht mit Neuronenanalyse und sowas beizukommen ist. Die Erleuchtungslehrer wedeln mit diesem Wort nur eine Quasi-Blutwurst vor der Nase der potenziellen Jünger, um an deren Börsen besser ranzukommen. "Erleuchtung" ist just a eleven-letter-word... Da steckt nichts Großes hinter... Oder kannst du das Gegenteil beweisen?

Gysi

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Lukrez Offline




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02.06.2007 13:34
#21 RE: Erleuchtung antworten
Ein "Ich-Bewusstsein" ist ja zweifellos vorhanden, darüber brauchen wir nicht zu streiten.
Nur - was soll dieses Ich sein?
Zweifellos bot es einen großen Vorteil in der Evolutionsgeschichte und hat sich deshalb durchgesetzt.

Mit dem Auftauchen des Bewußtseins erhält der zunächst spontane Prozeß von Mutation und Selektion eine neue Qualität. Während bislang eine ungünstige Mutation erst durch den abgelaufenen Prozeß der Selektion als solche "erkannt" und das betroffene System physisch ausgemerzt wurde, sind nunmehr theoretische "Probemutationen" möglich, deren Wirkung bis zu einem gewissen Grade prognostizierbar ist. Ungünstige Mutationen können deshalb im voraus als solche erkannt und eliminiert werden, ohne daß die Existenz des Systems aufs Spiel gesetzt werden muß. Das hat eine wesentliche Beschleunigung der Evolution zur Folge. Außerdem ergibt sich damit die Möglichkeit, daß auch ein nicht in selbständig reproduzierbare Teilsysteme zerlegbares System ohne äußere Konkurrenz seine innere Struktur weiterentwickeln kann.

Wann und wie entstand es? Wo liegt die Grenze?
Gibt es Tiere mit Ich-Bewusstsein oder kommt das nur beim Menschen vor.
Ich gehe persönlich mal davon aus dass es Ansätze zum Ich-Bewusstsein auch schon bei höheren Tieren gibt.
Prinzipiell könnten wir aber auch eine Gesellschaft wie ein Ameisenstaat sein ohne persönliches Ich-Bewusstsein.
Möglicherweise könnte dann sogar dieser Staat ein eigenes überpersönliches Ich-Bewusstsein entwickeln.

Dazu ein schöner Witz - sowas könnte uns tatsächlich noch bevorstehen:

Bill Gates tippt in seinen Computer: "Gibt es einen Gott?" Antwort: "Zu wenig Rechenkapazität." Er läßt alle Computer bei Klein&Weich einschließlich des gesamten MSN zusammenschalten und tippt erneut seine Frage ein. Antwort: "Zu wenig Rechenkapazität." Er ruft alle Bekannten bei Cray, Sun, etc. an. Auch diese Computer werden zu einem gigantischen Netzwerk zusammengeschaltet. Erneut tippt er seine Frage ein. Antwort "Jetzt ja!..."

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(Lukrez)

qilin Offline




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02.06.2007 15:43
#22 RE: Erleuchtung antworten

In Antwort auf:
Und was ist deine Schlussfolgerung? Ich stimmte mit Lukrez überein, dass unsere
Handlungen determiniert sind. Und er schloss daraus, das Ich sei eine Illusion.
Dem widersprach ich. Wie ist deine Position?
Ich denke dass das zwei verschiedene Themen sind, und dass man das Eine aus dem
Anderen weder ableiten noch widerlegen kann. Ich weiß nicht ob da ein 'Ich' ist,
sehe aber den Standpunkt der Buddhisten (und Damasios) als durchaus einleuchtend.


In Antwort auf:
Aber der Thread hat ja das Thema "Erleuchtung". Und ich meine, dass diesem Begriff
nicht mit Neuronenanalyse und sowas beizukommen ist. Die Erleuchtungslehrer wedeln
mit diesem Wort nur eine Quasi-Blutwurst vor der Nase der potenziellen Jünger, um an
deren Börsen besser ranzukommen. "Erleuchtung" ist just a eleven-letter-word...
Da steckt nichts Großes hinter...
Eine ähnliche Meinung (mit 'Karotte') hab' ich ja schon unter 'Buddhismus und Friede'
abgegeben , und 'Erleuchtung' hat sicher wenig mit Hirnforschung zu tun. Für eine
Pauschalverdächtigung von 'Erleuchtungslehrern' und das Urteil dass 'da nichts Großes
hinter steckt' sehe ich trotzdem wenig Grund. Solche Typen gibt's natürlich - und wer
mit dem Wort lockt, gehört sicher dazu - aber ich kenne andere auch.

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() qilin

Gysi Offline

Atheist


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02.06.2007 16:21
#23 Erleuchtung antworten
In Antwort auf:
aber den Standpunkt der Buddhisten (und Damasios) als durchaus einleuchtend.

Dann verfügst du über eine Ein- oder Erleuchtung die ich nicht habe. Das Leben plus Bewusstsein ist keine Illusion, weil unser Erkenntnisapparat immer wieder Irrtümern anheimfällt und das Wesen hinter den Erscheiningen nicht so recht erkennen mag. Die Wahrheit zu wissen, ist oft eine Illusion! Genauso kann doch nach der Ich-Analyse das Ich nicht negiert werden. Nicht das Ich, sondern die Freiheit ist eine Illusion! Der Buddhist und der Hinduist sollten sich nicht anmaßen, dass deren viele tausend Jahre alten Lehren im Zuge der explosionshaften Wissensmehrung vielleicht nicht mit Zusätzen oder Differenzierungen bereichert und klarer gemacht werden könnten... Immer wieder diese alte Religions-Krankheit => wir sind schon am Ende der Fahnenstange angelangt...

Gysi

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qilin Offline




Beiträge: 3.552

02.06.2007 16:35
#24 RE: Erleuchtung antworten
Nun, die Hindus sind der Meinung, das es ein atman, ein Ego gibt;
die Buddhisten verneinen das; Du meinst dasselbe wie die Hindus;
Damasio dasselbe wie die Buddhis - also Eindeutigkeit seh' ich da
keine - und will mir garnicht anmaßen zu entscheiden wer recht hat...

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Lukrez Offline




Beiträge: 5.513

02.06.2007 17:18
#25 RE: Erleuchtung antworten
In Antwort auf:
Nun, die Hindus sind der Meinung, das es ein atman, ein Ego gibt

Aber gibt es das/die/den Atman denn nicht nur einmal?
Atman ist in seinem Wesenskern identisch mit dem kosmischen Selbst, Brahman.
In der brahmanischen Religion gibt es keine feste unüberwindliche Trennung zwischen Gott und Menschen. Hier ist nicht Gott der Herr und der Mensch der Knecht, hier sind Gott und Mensch letztlich identisch.

Das Ich ist doch ganz einfach deshalb Illusion, weil wir es uns getrennt von der Welt vorstellen.
Es gibt aber nur eine Welt - ein Atman.
Ein losgelöstes Ich gibt es nicht!

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(Lukrez)

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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