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Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 567 mal aufgerufen
 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
qilin Offline




Beiträge: 3.552

28.06.2007 22:30
Zen und die Kunst der Schwerhörigkeit antworten
Vor einiger Zeit habe ich an einem sogenannten Retreat teilgenommen, das von einem buddhistischen Mönch geleitet wurde.
Schon beim Einführungsvortrag fiel mir auf, daß der junge Mann gern redete, aber offenbar nicht besonders gut hörte.
Auch auf kurze und klare Fragen gab er ellenlange Antworten, die mit den gestellten Fragen aber meist nicht allzuviel
zu tun zu haben schienen. Ich wollte dieses delikate Thema nicht in aller Öffentlichkeit anschneiden und meldete mich
zu einem Einzelinterview. Da kann's nun sein, daß ich etwas missverstanden habe, denn er fragte mich allerhand ungereimtes
Zeug; welche Unterschiede es gäbe zwischen Butter und mir, wie mein Name vor meiner Geburt geheißen habe u.ä...
Auf meine etwas verwunderte Antwort, mein Name sei ja wohl schon vor mir da gewesen und natürlich der gleiche wie hier
und jetzt, meinte er, 'Kein Name' und 'Hier und Jetzt' seien ganz verschiedene Dinge - das hatte ich ja nun wieder gar
nicht in Abrede gestellt, aber mir kam's doch komisch vor, weil er vorher zwischen den seltsamsten Dingen absolut keinen
Unterschied entdecken hatte können. Und dann muss sich sein Hörvermögen ganz plötzlich drastisch verschlechtert
haben, denn er forderte mich immer wieder auf, seine Fragen zu beantworten, ohne dabei zu reden.
Da war nun guter Rat teuer! Aber als ich einmal vor lauter Verzweiflung in die Hände klatschte, schien ihm das als Antwort
zu genügen, und als ich, verärgert über sein Unverständnis, einmal mit der Hand auf den Boden schlug, war er ganz
begeistert. Vielleicht, weil er diese lauten Geräusche dann doch noch wahrnehmen konnte. Auf jeden Fall unterhielten
wir uns eine Zeitlang ganz köstlich mit Händeklatschen und Auf-den-Boden-klopfen (ich kann nur hoffen dass die Leute,
die darunter wohnten, auch schwerhörig waren), bis er dann auch noch anfing mit einer gerade herumstehenden Glocke zu
bimmeln. Ich hatte Angst, er könnte das Ding nach mir werfen, und ging rücklings zur Tür hinaus, wobei ich mich ein
paarmal niederwarf, um einer evtl. geschleuderten Glocke auszuweichen. Ich erreichte jedenfalls sicher den Ausgang;
ob und wie sein Gehör beeinträchtigt ist, konnte ich jedoch nicht in Erfahrung bringen...
Also daß Zen-Meister eher - äh, hm - exzentrische Menschen sind, hatte ich ja schon vorher gehört, aber daß es dazu
auch von Vorteil ist, schwerhörig zu sein, war mir neu; oder ist es vielleicht eine 'Marktlücke' für Schwerhörige, die dann
immer behaupten können, der Andere verstehe nicht?

Der ernste Hintergrund dieser (nicht erfundenen) Geschichte: wie sinnvoll ist es, Anfänger (oder was man für Anfänger
hält) mit Aussprüchen abgründiger Weisheit und koan-Fragen zu konfrontieren, oder unbedarfte Neulinge mit der message
"Du brauchst nur aufhören zu denken, dann ist alles in Butter"...? Können sie von diesen esoterischen Weisheiten
tatsächlich profitieren oder die als solche überhaupt erkennen,
vorausgesetzt sie sind tatsächlich vom 'Lehrer' bereits
verwirklicht worden?

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.129

29.06.2007 07:29
#2 RE: Zen und die Kunst der Schwerhörigkeit antworten
In Antwort auf:
Auch auf kurze und klare Fragen gab er ellenlange Antworten, die mit den gestellten Fragen aber meist nicht allzuviel zu tun zu haben schienen.
Ja, das ist vielen Predigern zueigen: Der Dialogunwille - oder die Dialogunfähigkeit. Könnte ja glatt sein, dass man sich - im Dialog - mit den guten Gedanken anderer beschäftigen müsste. Könnte ja glatt sein, dass diese Kommunikationstechnik dem Meister den Schein seiner Weisheit nimmt... Alles ist Illusion, der nicht sie...
Ich kann nur vor Leuten warnen, die plötzlich auf "schwerhörig" tun, um dich glauben zu lassen, dass du blöde bist, blöde Fragen stellst und die Blubberei des Meisters von unergründlicher Tiefe sein soll, die du nur nicht verstehst... Das ist eine Suggestionstechnik die den Unsicheren hörig machen soll.

Wie war das nochmal mit den ellenlangen Statementes und Antworten?



Gysi

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

29.06.2007 09:03
#3 RE: Zen und die Kunst der Schwerhörigkeit antworten

Hallo noch mal lieber Gysi,

In Antwort auf:
Wie war das nochmal mit den ellenlangen Statementes und Antworten?


Aber, manchmal liegt es nicht nur daran, das der Lehrer es falsch erklärt. Dazu mag ich mal erzählen, was mir so wiederfahren ist, bei meinem ersten Meister (leider schon verstorben). Wenn es nicht passen sollte, bitte woanders hin verschieben. Danke schön.

Ansichtssache, oder es ist alles eine Frage der Sichtweise

An einem (nicht ganz so kühlen) Herbstmorgen beschloss mein Meister mit mir draußen zu meditieren und Kinhin zu üben.
Da ich eine ziemlich unruhige Nacht hinter mir hatte, war ich ein wenig
unkonzentriert und wohl auch verkrampft. Jedenfalls hängte der Roshi noch ein paar einfache Atemübungen dran.

Als wir zum Ende der Übungen kamen, schaute er mich an und sagte: "Das Gras ist sehr feucht heute Morgen." Ich schaute auf und wartete, was er mir sagen wollte. War ich heute so schlecht gewesen? War er unzufrieden mit mir? Aber er sagte nichts mehr.

Als ich mich verabschiedete, hielt ich es vor Neugier nicht mehr aus. Ich wollte wissen, was er damit gemeint hatte, dass das Gras sehr feucht war. Er sah mich an, lächelte und sagte: "Ganz einfach, kleiner Floh. Das Gras ist heute Morgen nicht trocken."

Erst viel später am Tag, ich wischte gerade meinen Küchenfußboden, wurde mir auf einen Schlag der tiefere Sinn dieser zwei einfachen Sätze klar.

Ich hoffe sehr dass, eines Tages, das Gras für mich einfach nur feucht oder trocken ist.

Tja, so kann es gehen, wenn man immer zu sehr auf die Worte seines Roshis hört. Man muss in jeder Religion auch mal seinen eigenen Grips bemühen.

Bis dann

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

29.06.2007 09:45
#4 RE: Zen und die Kunst der Schwerhörigkeit antworten

Hallo Gysi,

In Antwort auf:
Ich kann nur vor Leuten warnen, die plötzlich auf "schwerhörig" tun, um dich glauben zu lassen, dass du blöde bist,
blöde Fragen stellst und die Blubberei des Meisters von unergründlicher Tiefe sein soll, die du nur nicht verstehst...
Das ist eine Suggestionstechnik die den Unsicheren hörig machen soll.
Diese Geschichte, die mir vor ein paar Jahren passiert ist, fiel mir wieder ein, als dieser Tage jemand in einem amerikanischen
Zen-Forum sich darüber lustig machte, dass sich manche westlichen Zen-Lehrer peinlich genau an die Formen und Bräuche
des klassischen Japan halten, ja manchmal sogar einen japanischen Akzent zu imitieren versuchen...
Ich denke das ist weniger Suggestionstechnik die den Unsicheren hörig machen soll, sondern Zeichen eigener Unsicherheit,
die überspielt werden soll - dass einfach die Größe der Erfahrung mit der der 'Rosinen im Kopf' nicht korreliert

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Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Ogami Itto Offline




Beiträge: 109

10.07.2007 05:44
#5 RE: Zen und die Kunst der Schwerhörigkeit antworten

ups, wer war denn diese zen imitator an den du da geraten bist?

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