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 Lagerhalle
Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

29.06.2007 09:08
Eine kleine Zen-Geschichte antworten
Hallo Ihrs,

das passt, glaube ich, wirklich nicht woanders hin. Darum erzähle ich diese kleine Zen-Geschichte hier. Wer mag kann sie gerne kommentieren.

Das Bild, oder, wie ich begriff, was loslassen heißt

Tot. Du bist wirklich tot und ich muss dich begraben. Ich wasche deinen Körper, ziehe dich an, und mir geht ein Gedanke nicht aus dem Kopf. Das ist das letzte Mal wo ich Dich sehe, Meister, denn gleich kommen sie, legen dich in einen Sarg und ich werde dich nie wieder sehen. Noch nie in meinem Leben ging es mir so schlecht wie jetzt. Du wärst jetzt sicher enttäuscht, weil das nicht gerade das ist, was du mir beigebracht hast. Gleich zu Anfang hast du zu mir gesagt: „Kleiner Floh, wenn du von mir lernen willst, musst du zuerst loslassen.“ Schon damals hatte ich Schwierigkeiten, mir die Ketten abzustreifen, die ich mir mit den Jahren von der Gesellschaft habe auferlegen lassen. Nun ja, ich habe zumindest ein Bild von dir - das, was du mir geschenkt hast, als ich es das erste Mal geschafft hatte, eine volle Viertelstunde ganz ruhig zu sitzen, ohne herumzuzappeln und an meiner Kleidung herumzuspielen. Ich werde mir endlich die Zeit nehmen und einen Rahmen dafür machen. Es wird einen Ehrenplatz bekommen bei mir. Warum hatte ich nur ein bisschen mehr als ein Jahr, um von Dir zu lernen? Das ist nicht fair; es ist nicht genug!

So stand ich da, ganz in Gedanken versunken und bemerkte die Gestalt nicht, die sich mir näherte. Ich erschrak, als ich ihren Atem in meinem Nacken spürte. Es war so, wie wenn dieses Wesen meine Gedanken lesen konnte, denn es sprach zu mir: „Nein, drehe Dich nicht um, kleiner Floh. Arbeite nur ruhig weiter, ich werde Dir dabei zusehen und wir werden uns ein bisschen unterhalten.“ Es gab mir einen Stich ins Herz. Wie konnte dieses Ding mich Floh nennen. Ich will nicht, dass mich jemals ein Anderer so nennt! Es fragte mich: „Warum bist Du so zornig? Willst Du wirklich so schnell nach dem Tod Deines Meisters den Weg verlassen, den er Dir mit Güte und Geduld gezeigt hat?“ Jetzt platzte mir der Kragen. „Was weißt Du schon von dem Weg, den mir der Meister gezeigt hat?“ schimpfte ich los. „Alles und nichts“, antwortete mir das Wesen ruhig. BOAH, wie sehr ich solche halbgaren Sätze hasse. Seit dem ich den Zen kennen gelernt habe, habe ich sie bis zum Erbrechen ertragen müssen. Es ist doch so, dass sie, im Grunde genommen, nichts aussagen. Man kommt mit einem Problem zum Meister und bekommt auf sein Fragen nur Sätze, in denen es um Bäume, Flüsse und gottverdammte Vögel geht! Na, das war nun auch egal. Resignierend ließ ich die Schultern hängen, als ich den Fremden (ich nahm einfach an, dass Es männlich ist) leise lachen hörte. „Ich möchte wirklich mal wissen, was so lustig ist?“ fragte ich und der Fremde sagte zu mir: „Wenn Du nur für einen Moment ruhig bist wirst Du selber darauf kommen, kleiner Floh.“ O.K., dachte ich mir, dann bin ich eben ruhig und schau mal, was du mir zu sagen hast, Fremder. SEUFZ, schon wieder lachte der Fremde leise vor sich hin. Auf einmal begriff ich. Nicht ich soll schweigen, sondern meine Gedanken. Nur, wenn ich mich vom Denken befreie, kann ich die Ketten sprengen. Nur dann kann ich meinen Weg weitergehen. Wenn ich diesen Weg weitergehe, ist das um so vieles wertvoller als ein Bild zu rahmen und aufzuhängen. Nun machte auch der Satz, den mir mein Lehrer immer wieder gesagt hat, Sinn. „Kleiner Floh, denke nicht immer so viel, mach lieber.“ Erst jetzt begreife ich diesen Satz, dabei ist es wirklich so einfach. Die ganze Zeit habe ich es mir unnötig schwer gemacht, weil ich immer alles zu 100 % gut machen wollte (100 % die ich bis Heute nie erreicht habe).

Ich hielt es vor Neugier nicht mehr aus und musste mich umdrehen. Allein, ich war völlig allein in der Halle. Das konnte nicht sein! Ich lief hinaus auf den Gang und sah: NICHTS. Ich lächelte und ging zurück, um dich, meinen geliebten Meister, für den Sarg anzuziehen. Nein, ich fühle keinen Schmerz mehr in mir. Da ist nur noch Ruhe, so wie ich sie noch nie zuvor gespürt habe. Ich habe begriffen und lasse dich los...........


AUWEIA, schon wieder so viel geschwatzt. *lach* Ein Mann ein Wort, Tao-Ho ein Wörterbuch.

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() Tao-Ho

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