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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 18 Antworten
und wurde 1.086 mal aufgerufen
 Atheismus/Agnostizismus
Glumas Offline



Beiträge: 2

11.09.2007 17:57
Todesstrafe im Atheismus antworten


Hallo allerseits

Ich beschäftige mich momentan, im Zuge meiner Seminararbeit, mit dem Thema: " Berechtigung der Todesstrafe ".
Nun stellt sich mir die Frage, wie ein Atheist zu diesem Thema steht und wie er es begründet.
In allen Religionen gibt es Regelungen (Bibel,Koran ... ) die zu diesem Thema Stellung beziehen, nur weis ich leider nicht ob es zum Atheismus irgendwelche Werke von Denkern und Vertretern gibt, die dieses Thema beleuchten.
Was ich nun vorallem suche, sind Stellungnahmen von Philosophen und wichtigen Begründern des Atheismus.
Wie sieht zum Beispiel das Menschenbild im Atheismus aus?
Stüzt sich ein Atheist auf die vorliegende Staatsform und deren Gesetze ?
Gibt es im Atheismus eigene Gesetze?

Vielen Dank für eure Bemühungen

mfg Glumas

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

11.09.2007 18:03
#2 Todesstrafe im Atheismus antworten
Hi Gluma, herzlich willkommen erst mal hier im RF!

Das Weltbild eines Atheisten ist ein Weltbild ohne Gott. Demnach stützt er sich nicht auf Gottes Gebote, sondern auf das weltliche Gesetz. Das kann so oder so aussehen. Ein Atheist kann für die Todesstrafe sein oder dagegen. Er begründet seinen Standpunkt nur ohne Gott, sondern mit der politischen Weltlichkeit!
Stalin und Mao waren Atheisten und nicht besonders nett...
Bertrand Russell, Ernst Bloch, Karl Marx, Ludwig Feuerbach und Sigmund Freud waren auch Atheisten, aber dafür deutlich progressiver und humanistisch ausgerichtet.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

11.09.2007 18:13
#3 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Du scheinst Atheismus als eine geschlossene Philosophie zu verstehen. Das kann nicht funktionieren. Das einzige, was Atheisten gemeinsam haben, ist ihre Ablehnung höherer Mächte. In allen anderen Punkten können sie grundverschieden sein. Es gibt also keine "atheistische Lehre" mit irgendwelchen für alle Atheisten verbindlich geregelten Werten. Auch nicht zum Tod und zur Todesstrafe.

Aber es gibt innerhalb des Atheismus bestimmte Gruppen, die versuchen für sich solche ethischen Grundsätze aufzubauen. Ich fühle mich z.B. mit dem evolutionären Humansimus verbunden. Guck doch mal hier nach:
http://www.giordano-bruno-stiftung.de/human/manindex.htm
http://www.leitkultur-humanismus.de/manangebote.htm

Lukrez Offline




Beiträge: 5.548

11.09.2007 22:29
#4 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten
Also atheistisch-humanistische Philosophen standen der Todesstrafe meist sehr skeptisch gegenüber.
(Hume, Holbach und Schopenhauer beispielsweise)
Zurecht darf man das Christentum aber als Religion der Todesstrafe bezeichnen.
Eine fundierte Begründung hier:
http://www.humanist.de/religion/todesstrafe/

Höhepunkt dieser Entwicklung war die englische Kriminalgesetzgebung des achtzehnten Jahrhunderts, die den treffenden Beinamen "The Bloody Code" (Der blutige Kodex) erhielt und die sogar die Hinrichtung hungriger Kinder vorschrieb, wenn sie ein Stück Brot stahlen. Selbstverständlich fand dieser Gesetzeskodex die Zustimmung so gut wie der gesamten englischen Geistlichkeit, insbesondere der anglikanischen Kirche.

Zu Holbach gibt es auch eine gute Seite:
http://www.schulfach-ethik.de/ethik/Personen/holbach.htm

__________________________________________________
Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Robin87 Offline



Beiträge: 1.848

26.09.2007 20:50
#5 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten
Zitat von Lukrez

Zurecht darf man das Christentum aber als Religion der Todesstrafe bezeichnen.


Da bist du wohl sehr schlecht informert. Was ist denn mit der Geschichte als Christus die Frau verteidigte, die man steinigen wollte. Und was ist mit dem Islam, wo man schon dafür zum Tode verurteilt wird, weil man zum "falschen" Glauben konvertiert. Angeblich wäre der Grund, dass dies eine Beleidigung für dem Islam wäre. Aber was hat der eigene Glaube mit dem zu tun, dass der Islam beleidigt worden wäre. Das ist so als ob ein Nazionalist damit argumentieren würde, dass es für dem Nationalismus eine Beleidigung wäre ein Jude, ein Roma oder ein Ukrainer zu sein. Wie kann man da auf das Christentum kommen, dass dies die Religion der Todesstrafe sei, wenn der Islam zum Beispiel da noch bei vielen mehr Todesstrafe anwendet?
Nieselpriem ( Gast )
Beiträge:

26.09.2007 21:49
#6 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Also jetzt bin ich sprachlos! Ich kenn den Robin ja bisher nur vom mitlesen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es sich beim neuen Robin um eine völlig andere Person handelt. Sowohl inhaltlich, sprachlich und vom Umgangston her absolut einwandfrei (ok, Zeichensetzung hapert noch minimal, aber wir sind ja kulant ). Mensch, Mensch! Kann dir da tatsächlich nur zustimmen. Zumindest, was das neue Testament angeht, ist die Bibel (oder besser Jesus) strikt gegen die Todesstrafe. Die Auslegung der ganzen Geschichte ist allerdings wieder eine völlig andere Sache, wie die Geschichte uns ja gezeigt hat.

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

26.09.2007 22:25
#7 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Markus 9.42
Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser,
daß ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.

Robin87 Offline



Beiträge: 1.848

26.09.2007 22:46
#8 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten
Der Zitat ist nicht so gemeint. Da geht es darum die Schrecklichkeit der Hölle zu beschreiben, die als Folge für das Entfernen vom Glauben an dem Christus als Mesias kommt. Man soll die einzelne Wörter, die man zitiert im Kontext betrachten. Das hat nichts mit der Todesstrafe zu tun, wo würde da stehen, dass man so einen auf diese Weise umbringen solle? Jesus hat selber gesagt, wer tötet, der soll vom Schwert (des Weltengerichts Gottes) gerichtet werden.
Nieselpriem ( Gast )
Beiträge:

26.09.2007 22:51
#9 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Also das mit der "Schrecklichkeit der Hölle" halte ich für etwas weit hergeholt. Allerdings steht da ja tatsächlich nur, "für den wäre es besser". Ich denke mal, das können wir unter Recht auf freie Meinungsäußerung laufen lassen.

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

27.09.2007 08:58
#10 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

So würden es auch Kuschelchristen sehen.

Für christliche Fanatiker könnte das doch aber eine gute Begründung abliefern, Abweichler umzubringen, oder?

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

27.09.2007 09:45
#11 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Jesus hin oder her, beim Missionieren haben Christen in der Geschichte wenig Mitleid gekannt; Feuer und Schwert hieß nur allzu häufig die Devise. Der Islam kennt diese Todesdrohung für Muslime, die dem Islam die Treue kündigen (was ja schlimm genug ist). Es sollte aber niemand mit Gewalt gezwungen werden, den Islam anzunehmen; inwieweit auch das nur ne nette Theorie ist müsste man einen Experten befragen.

Benjamin Offline



Beiträge: 105

27.09.2007 12:15
#12 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Wenn man Begründungen sucht, wird man irgendwas finden. Schäuble höhlt ja auch den Rechtsstaat aus, um den Rechtsstaat zu erhalten... Aber eine echte Stelle in der Bibel, die das Töten von Andersgläubigen allgemein und heute befiehlt oder auch nur empfielt, ist mir nicht bekannt. Da können sich die Fanatiker grad mal auf den Kopf stellen. Die folgen da auch nur ihrer inneren Sündhaftigkeit, so wie ich der Trägheit und der Völlerei, beispielsweise...

..................................................
Abgesehen vom Heiligen Geist, abgesehen vom Glauben an das Evangelium , wird der Mensch sich in der Bibel genauso verirren wie in den Versuchen, die Ethik auf Gewissen, Vernunft, natürliche Ordnung, Nützlichkeit und dergleichen zu begründen.
Edmund Schlink

qilin Offline




Beiträge: 3.552

27.09.2007 12:16
#13 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

In Antwort auf:
Jesus hin oder her, beim Missionieren haben Christen in der Geschichte wenig Mitleid gekannt; Feuer und Schwert hieß
nur allzu häufig die Devise. Der Islam kennt diese Todesdrohung für Muslime, die dem Islam die Treue kündigen
(was ja schlimm genug ist). Es sollte aber niemand mit Gewalt gezwungen werden, den Islam anzunehmen; inwieweit
auch das nur ne nette Theorie ist müsste man einen Experten befragen.
Ob und wo es steht, weiß ich nicht - aber das System 'Konvertieren, sterben oder auswandern' wurde in der Praxis
nur allzuoft angewendet; 'besonders gefährlichen Götzendienern' wie buddhistischen Mönchen in Indien blieb letztere
Alternative verschlossen - die ließ man alle über die Klinge springen, sofern sie sich nicht spontan bekehrten.
Christen betrieben das in Einzelfällen noch extremer - es sind Fälle belegt, wo Missionare mit militärischer Begleitung
in Indiodörfer kamen, dort [auf Spanisch] die Bewohner über das Christentum 'aufklärten' und sie zur Taufe aufforderten.
Wer nicht reagierte [weil er z.B. kein Spanisch verstand] wurde getötet...

Zitat von Bruder Spaghettus
Für christliche Fanatiker könnte das doch aber eine gute Begründung abliefern, Abweichler umzubringen, oder?
Im Prinzip ja - aber dieses 'Verfahren' brauchte selbst im Mittelalter ein juristisches Feigenblatt - dass
irgendwelche Fanatiker irgendwelche Leute umbringen, beschränkt sich nicht auf bestimmte Religionen.

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Nieselpriem ( Gast )
Beiträge:

27.09.2007 16:00
#14 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Jaja, die Bibel und ihre Beliebigkeit in der Deutung. Aber seien wir doch mal ehrlich. Selbst heute sind eindeutig formulierte Gesetze noch immer größtenteils Auslegungssache. Wenn ich will, kann ich so ziemlich alles in die Bibel hineininterpretieren. Die Frage ist nur: Will ich das? Das Problem ist also nicht das Buch. Bücher kann man lesen, ohne sie als Lebensgrundlage anzunehmen. Das eigentliche Problem sind die Gläubigen, die sich aus diesem widersprüchlichen Buch ihre Regeln zusammendeuteln und dann danach leben. Das kann gut funktionieren, muss aber eben nicht. Und solange Menschen nach einem Buch leben, aus dem man quasi alles herauslesen kann, solang haben wir ein Problem.

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

27.09.2007 16:43
#15 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten
Zitat von Robin87
Der Zitat ist nicht so gemeint. .... Man soll die einzelne Wörter, die man zitiert im Kontext betrachten. Das hat nichts mit der Todesstrafe zu tun, wo würde da stehen, dass man so einen auf diese Weise umbringen solle?

Da!

Markus 9.42
Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser,
daß ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.


wobei, dass man dabei stirbt, steht da effektiv nicht. Könnte sich also ebensogut um ein Taufritual für Masochisten handeln.

__________________________________________________
*Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen. Der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt. (Johann Heinrich Pestalozzi 1746-1827)*

Ahriman Offline



Beiträge: 1.493

11.10.2007 18:32
#16 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Zitat von Benjamin
Aber eine echte Stelle in der Bibel, die das Töten von Andersgläubigen allgemein und heute befiehlt oder auch nur empfielt, ist mir nicht bekannt.

Ach, lies doch erst mal die Bibel ganz, und nicht nur die Stellen, die dir in den Kram passen. Es gibt im Alten Testament ganze Bücher, wo man lesen kann, wie Völker ausgerottet wurden, die den falschen Gott hatten. Josua war da ganz groß. Da heißt es immer wieder und wieder und wieder: "...und sie würgten mit der Schärfe des Schwertes alles, was da Odem hatte..."
Zitat von Fenris
Man soll die einzelne Wörter, die man zitiert im Kontext betrachten.

Das ist die typische Antwort derer, denen man einen unangenehmen Bibeltxt vorhält. Fenris, die Masche solltest du dir verkneifen, das zieht nicht mehr. Entweder steht es da, oder nicht.

Meiner Meinung nach gibt es nur ein wirklich stichhaltiges Argument gegen die Todesstrafe, und das gilt für alle Menschen, gleichgültig woran sie glauben oder nicht glauben:
Alle irdische Justiz ist fehlbar. Und die Todesstrafe ist unwiderruflich. Wir haben allein in Deutschland in den letzten Jahrzehnten genug Fälle gehabt, wo Menschen irrtümlich wegen Mordes verurteilt wurden. Wenn man die alle hingerichtet hätte! So konnte man ihnen wenigstens eine Haftentschädigung zahlen, als die Wahrheit rauskam, was auch nicht doll ist, aber immerhin.
Fehlurteile sind einfach nicht auszuschließen, darum kann und darf es in einer vernünftigen Gesellschaft keine Todesstrafe geben.

_____________________________________
Glaubst du noch oder denkst du schon?

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

18.10.2007 14:40
#17 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Zitat von Ahriman
Zitat von Fenris
Man soll die einzelne Wörter, die man zitiert im Kontext betrachten.

Das ist die typische Antwort derer, denen man einen unangenehmen Bibeltxt vorhält. Fenris, die Masche solltest du dir verkneifen, das zieht nicht mehr.



Exactamundo! Gilt ebenso für falsches Zitieren.....

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*Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen. Der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt. (Johann Heinrich Pestalozzi 1746-1827)*

Ahriman Offline



Beiträge: 1.493

18.10.2007 17:23
#18 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Zitat von Benjamin
Aber eine echte Stelle in der Bibel, die das Töten von Andersgläubigen allgemein und heute befiehlt oder auch nur empfielt, ist mir nicht bekannt.

Interessant ist das Wörtchen "heute" in diesem Satz von Benjamin. Er meint wohl, nicht alles in der Bibel sei heute noch gültig. Also beispielsweise das Gebot Moses, Homosexuelle zu töten? Das gilt heute nicht mehr? Und die zehn Gebote? Die sind heute noch gültig, ja? Wieso?
Und womit begründest du den Unterschied? Wer bestimmt, was vom "Wort Gottes" noch aktuell ist und was nicht? Der Papst? Auch du siehst wohl die Bibel als Selbstbedienungsladen, wo man sich das rausholt, was einem gefällt und das andere läßt man im Regel stehen.

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Glaubst du noch oder denkst du schon?

Nieselpriem ( Gast )
Beiträge:

18.10.2007 17:38
#19 RE: Todesstrafe im Atheismus antworten

Die Wege des Herrn sind unergründlich und die Gedanken seiner Anhänger verworren. Ich verweise hier wieder auf das gelobte Land Plemplem.

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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=> "Der selbstbestimmte Mensch"

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