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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 32 Antworten
und wurde 1.119 mal aufgerufen
 Christentum
Seiten 1 | 2
Ahriman Offline



Beiträge: 1.493

14.09.2007 12:05
Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

Grundsätzlich gibt es drei Sorten Gebete an Gott:
1. Lobpreisungen
2. Danksagungen
3. Bittgebete.

1. Die erste Sorte Gebete wird vermutlich im dritten Gebot verlangt. Den Feiertag zu heiligen bedeutet ja nicht nur, wie der Papst kürzlich im Wiener Stefansdom sagte und beklagte, daß man sich ausschläft und nichts tut. Man soll vor allem in die Kirche gehen und Gott dienen, also ihn loben. Ludwig Thoma hat es in seiner Geschichte vom "Münchener im Himmel" so lustig dargestellt, als der heilige Petrus dem Alois Hingerl die Hausordnung erklärt: "Von morgens acht bis Mittags zwölf Uhr frohlocken. Von Mittags zwölf bis Abends um acht Hosianna singen."
Nun frage ich mich und euch: Warum legt Gott so viel Wert darauf, daß wir ihn so lobhudeln? Ist das nicht von uns Menschen eine A..kriecherei und ein fortwährendes Einschleimen? Halten wir ihn für ebenso kleinkariert wie unsere Diktatoren, die sich auf Maiparaden und Parteitagen bejubeln lassen?
Opfergaben an Gott sind ja nun (zum Leidwesen der Priester) weitgehend aus der Mode gekommen. Selbst die Groschen im Klingelbeutel sind ja nicht für Gott bestimmt, sondern sollen meist irgendwelchen wohltätigen Zwecken dienen. Das ist auch richtig: Wozu braucht ein Gott, dem alles zu eigen ist was es gibt, auch noch Opfergaben? War das nicht auch nur ein Einschleimen der Menschen bei ihm? Auch heute noch versuchen Menschen, sich irgendwie ins Himmelreich einzukaufen, indem sie der Kirche Vermächtnisse machen. Haben sie keine Angst, daß ihr Gott das sehr übelnehmen könnte? Halten die Gläbigen ihn für bestechlich? Eine Spende für ein SOS-Kinderdorf dürfte doch wohl Gott eher gefallen, als wenn man der Kirche testamentarisch sein Haus vermacht. Aber wenn diese Spende auch nur mit dem Hintergedanken gemacht mit, daß man damit bei seinem Gott Pluspunkte sammelt?
Allerdings,wenn ich in einer der wunderschönen Barock-Kirchen Bayerns einen Opferstock sehe, an dem vermerkt ist, daß die Spenden für den Erhalt dieser Kirche bestimmt sind, dann werfe ich Atheist da auch ganz gern mal einen Euro rein.

2. Dankgebete sind natürlich eine Sache der guten Erziehung. Wir lernen es schon als Kinder, daß man sich zu bedanken hat, wenn einem von Mitmenschen etwas Gutes wiederfährt. Insofern finde auch ich es richtig, wenn ein Gottgläubiger seinem Herrn dankt, wenn er glaubt, einen Grund dafür zu haben. Selbst ich Atheist höre es furchtbar gern, wenn von der CD das "Laudate Dominum" von Mozart kommt, da wird es auch mir feucht in den Augenwinkeln. Es fällt mir leicht, mir vorzustellen, daß Gott (wenn es ihn gäbe) ebenfalls daran Wohlgefallen hätte. Aber ob ihm auch dss merkwürdige Gejammer der gregorianischen Choräle gefällt? Nur sollte man wohl doch darüber nachdenken, wofür man Gott dankt: "Herr, ich danke dir, daß du die Erdbeben in der Türkei machst und nicht hier, wo ich bin!"
So sollten die Gläubigen doch genauer bedenken, wofür sie ihrem Gott danken: "Herr, ich danke dir, daß die Polizei mich nicht erwischt hat."

3. Bittgebete dagegen sind Gotteslästerung. Wenn wir Gott bitten, seine Planungen zu ändern, wenn wir ihn bitten, seine unerforschlichen Wege zu überdenken und zu ändern, wenn wir nur um Regen beten, so kritisieren wir ihn dabei unweigerlich. Wir geben zu erkennen, daß wir mit seinen Beschlüssen nicht konform gehen. Ist es zulässig, einen Gott, der alles weiß, in einem Bittgebet auf etwas hinzuweisen, was er nach unserer Meinung übersehen oder gar falsch gemacht hat?

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Glaubst du noch oder denkst du schon?

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

14.09.2007 13:22
#2 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

In Antwort auf:
Bittgebete dagegen sind Gotteslästerung

Ich bin also eine Gotteslästerin... ist ja ganz was Feines...

Meine Gebete sind meist Bittgebete in denen ich drum bitte, das es
z. B. einer Freundin bald mal besser geht (was meine Hilfe nicht ausschliesst/
vom Beten wird die auch nicht satt...), oder das ein Patient weniger leiden
soll usw.

Nun zur Frage, ob Gebete sinnvoll sind. Vom medizinischen Standpunkt sind sie
es, weil z. B. der Blutdruck bei Patienten die unter einer Hypertonie leiden,
auf ein gesundes Mass sinkt.
Das Gleiche kann man aber auch bei Meditierenden feststellen. Von daher ist
es eigentlich egal ob man Gläubig ist und regelmässig betet, oder Ungläubig
ist und halt regelmässig meditiert.

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

14.09.2007 13:23
#3 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

In Antwort auf:
Nun frage ich mich und euch: Warum legt Gott so viel Wert darauf, daß wir ihn so lobhudeln? Ist das nicht von uns Menschen eine A..kriecherei und ein fortwährendes Einschleimen? Halten wir ihn für ebenso kleinkariert wie unsere Diktatoren, die sich auf Maiparaden und Parteitagen bejubeln lassen?
Ich denke da muss man berücksichtigen, wann und wo 'unsere' Religionen entstanden sind:
Zu Zeiten irgendwelcher 'gottähnlicher' Großkönige, oder - im Fall des Islam - zumindest
in Erinnerung daran. Dieses Bild wurde dann 'ganz automatisch' auf den jeweiligen Gott
übertragen. Mir fällt da ein Aphorismus von Paul Ree ein, einem engen Freund Nietzsches:
In Antwort auf:
Engel sind Wesen, die Gott in alle Ewigkeit ohne Unterbrechung Tag und Nacht huldigen,
ihn lobpreisen und hochleben lassen - Engel sind die personifizierte Eitelkeit Gottes.

Ich habe mir schon öfters gedacht, dass ein Gott, dessen persönliche Reife und
Sozialkompetenz nicht weiter reicht als bei einem heutigen Drei- oder Vierjährigen,
mir eigentlich nicht sehr verehrungswürdig scheint...

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Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

14.09.2007 14:07
#4 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten
Zitat von Tao-Ho
ob Gebete sinnvoll sind. Vom medizinischen Standpunkt sind sie
es, weil z. B. der Blutdruck bei Patienten die unter einer Hypertonie leiden,
auf ein gesundes Mass sinkt.


Liegt das am Inhalt der Gebete oder einfach daran, weil das ruhige und leise (?) Vortragen von Texten, grundsätzlich beruhigend wirkt? Möglicherweise muss man dazu nicht einmal die Sprache verstehen, mit der diese Atmosphäre der Ruhe geschaffen werden kann. Ich in meinem Falle hätte lieber den Sound eines Dijeridoos.......

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*Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen. Der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt. (Johann Heinrich Pestalozzi 1746-1827)*

qilin Offline




Beiträge: 3.552

14.09.2007 14:20
#5 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

Nun, da würde ich vielleicht noch etwas weiter gehen als Tao-Ho - ich denke es ist nicht nur
die ruhige Atmosphäre, sondern auch das 'Schicken von guten Gedanken' das da Wirkung zeigt -
unabhängig davon, ob und an welchen Gott man glaubt
Den Klang eines Didge mag ich auch sehr gern (obwohl völlig unmusikalisch ), glaube aber
dass es besser 'hilft' wenn es jemand mit Engagement und wenig Können spielt, als wenn der
beste Spieler der Welt das für gutes Geld macht...

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

14.09.2007 14:30
#6 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten
In Antwort auf:
Ahrimen schrieb: 3. Bittgebete dagegen sind Gotteslästerung. Wenn wir Gott bitten, seine Planungen zu ändern, wenn wir ihn bitten, seine unerforschlichen Wege zu überdenken und zu ändern, wenn wir nur um Regen beten, so kritisieren wir ihn dabei unweigerlich. Wir geben zu erkennen, daß wir mit seinen Beschlüssen nicht konform gehen. Ist es zulässig, einen Gott, der alles weiß, in einem Bittgebet auf etwas hinzuweisen, was er nach unserer Meinung übersehen oder gar falsch gemacht hat?

Das Vaterunser ist Gotteslästerung? "Unser täglich Brotgib uns heute und vergib uns unsere Schuld ..." Hört sich für mich wie ne klare Bitte an.

Letztere sind übrigens die einzigen Gebete, die ich als Atheist vollkommen nachvollziehen kann; d.h. dass man sie spricht,nicht dass sie irgendwas bewirken.
Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

14.09.2007 14:39
#7 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

Zitat von qilin
Den Klang eines Didge mag ich auch sehr gern (obwohl völlig unmusikalisch ), glaube aber
dass es besser 'hilft' wenn es jemand mit Engagement und wenig Können spielt, ...


Ok, bist in meinem Falle engagiert.

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Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

14.09.2007 15:49
#8 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

In Antwort auf:
Liegt das am Inhalt der Gebete oder einfach daran, weil das ruhige und leise (?) Vortragen von Texten, grundsätzlich beruhigend wirkt?

Da das keiner so genau sagen kann habe ich ja auch die Medetation erwähnt. Lies doch bitte noch mal mein Posting durch.
Sicher kann sich auch Musik positiv auswirken, auf den Körper. Sie kann auch aufputschen usw. Daher auch mein "z. B.".
Man muss ja nicht alles erwähnen, oder?

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() Tao-Ho

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

14.09.2007 16:05
#9 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten
Zitat von Tao-Ho
Da das keiner so genau sagen kann habe ich ja auch die Medetation erwähnt. Lies doch bitte noch mal mein Posting durch...

Habe ich doch..?!..nahm an, dass Du möglicherweise persönliche Erfahrungen gemacht hast mit solchen Menschen und diese Dir möglicherweise auch ein feedback gaben.....hätte ja sein können...war, wenn ich mich recht erinnere auch mal Thema zwischen Dir und BS, die Sterbehilfe und Begleitung....

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Xeres Offline




Beiträge: 2.587

14.09.2007 17:59
#10 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

In Antwort auf:
Wir lernen es schon als Kinder, daß man sich zu bedanken hat, wenn einem von Mitmenschen etwas Gutes wiederfährt. Insofern finde auch ich es richtig, wenn ein Gottgläubiger seinem Herrn dankt, wenn er glaubt, einen Grund dafür zu haben.
Moment... beißt sich das nicht mit Punkt 3? Wenn es den göttlichen Plan gibt, darf man sich nicht beschweren wenn es einen trifft, sollte sich aber für alles gute Bedanken? Wenn alles nach Plan verläuft, würde ich weder in Dank- noch in Bittgebeten irgendeinen Sinn sehen; ganz davon abgesehen, das Gott auch Niemanden richten dürfte, da er ja selbst alles so vorherbestimmt hätte.
Überdenk die Sache mit Gottes Planung in diesem Licht nochmal...

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

14.09.2007 18:15
#11 Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten
Gebete haben auch so etwas von Eigensuggestion. Man schwört sich immer wieder auf den Glauben ein, um ihn nicht für den Zweifel rissig zu machen und das Eindringen der Realität. Dann finge nämlich harte Arbeit an - das Umstellen einer kompletten Wertestruktur und das Aushalten einer rasenden Angst - vor dem Zweifel, der ja bei Strafe einer ewigen Folter verboten ist. Gebete sind Morphiumspritzen gegen den Schmerz. Gebete braucht zudem der, der seine inneren Konflikte nicht ausspricht und ausleben kann. Der Kampf wäre das reale Gebet! Oder: Das Gebet ist das Abtreten der Verantwortung an eine imaginäre Instanz, diesen Kampf zu führen.

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Casmiel Offline

Diabolist


Beiträge: 712

14.09.2007 18:33
#12 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten
Wenn man davon ausgeht dass alles nur nach dem Plan Gottes verläuft und alles was dir auf der Welt wiederfährt die Schuld bzw. der Wille Gottes ist dann macht es auch keinen Sinn eine Religion zu gründen oder zu leben - ich find die Argumentation in der Hinsicht schwach weil es doch grade heißt dass wir unseren nächsten Lieben sollen etc. und irgendwie muss man ja Gott zeigen das man sich für eine Verbesserung der Verhältnisse einsetzt. Wenn die Gläubigen einfach in die Welt hinausgehen würden und sagen "es ist eh alles Gottes Plan" dann wären die Tage unserer Erde längst gezählt weil das zu Gleichgültigkeit führen würde. Ich halte Gebete an die entsprechende Gottheit also für bedingt sinnvoll. Dass manche Leute für jeden Scheiß beten wie z.B eine gute Klausur ist sehr schade weil sie keine Eigenverantwortung tragen können/wollen und für alles den lieben Gott gewinnen und verantwortlich machen wollen. So kanns natürlich nicht gehen

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Erleuchtung erlangt man nicht, indem man sich dem Licht hingibt, sondern indem man die Dunkelheit ergründet (C.G. Jung)

DeGaertner Offline



Beiträge: 1.193

14.09.2007 22:04
#13 RE: antworten

In Antwort auf:
Sind Gebete eigentlich sinnvoll?


Gebete sind so sinnvoll wie es sinnvoll ist an einen Gott zu glauben.....Nur da nennt man Gebete auch so....glaub ich.
Wenn man nicht an einen Gott glaubt sondern an sich selbst, dann kann dieser Glaube genau die gleichen Berge verstetzen wie der an Gott.
Er kann heilen und Gutes tun...und das Gegenteil.

Das ist ja die grosse Frage an die Gläubigen .......

Warum nur funktionieren all die Dinge die mit Gott funktionieren genauso gut ohne ihn ?

Und warum gibt es so viele Dinge die ohne Gott funktionieren aber mit ihm nicht ?

Sich zu sammeln und zur Ruhe kommen macht immer Sinn.

atz

Und hütet euch vor den leuchtenden Augen der Missionare, die vorgeben euch die Wahrheit zu bringen ....
denn das Leuchten könnte auch die Sonne sein , die durch die hohle Birne scheint !!

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

15.09.2007 07:25
#14 RE: antworten

Veilleicht können Gebete als so ne Art Placebo wirken. Wer dran glaubt, dem hilft´s.
Wer nicht dran glaubt, kann es sein lassen. Irgendwas anderes, das die gleiche Wirkung hat, kann jeder finden.

Den Gedanken mit der Bittgebet = Gotteslästerung find ich interessant. Klar ist es Kritik am göttlichen Plan, wenn man Gott bittet, den zu ändern.

Wie ist das eigentlich in fatalistischen Gesellschaften? Im Islam mit seinem Gehorsam gegenüber Gottes Befehlen und dem unbedingten Gottvertrauen dürfte es doch keine Bittgebete geben.

Laila Offline



Beiträge: 20

15.09.2007 10:57
#15 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

Zitat von Gysi
Gebete sind Morphiumspritzen gegen den Schmerz. Gebete braucht zudem der, der seine inneren Konflikte nicht ausspricht und ausleben kann. Der Kampf wäre das reale Gebet! Oder: Das Gebet ist das Abtreten der Verantwortung an eine imaginäre Instanz, diesen Kampf zu führen.

..sorry wenn ein Neuling sich einmischt..., aber:
... wer fängt diese Menschen dann auf , die selbst nicht dazu fähig sind diese Verantwortung zu tragen/auszuhalten, weil sie z.B. nie die Möglichkeit oder Voraussetzungen dazu hatten es zu erlernen? Und ich meine das nicht im religiösen Sinn von...nie die Möglichkeit gehabt zu haben weil der Glaube es nicht zulies....
Was oder wer gibt ihnen Halt? Wen oder was bietet ihr als Ersatz an, die Hilfe zu leisten in einem Fall von Verzweiflung, wenn kein liebender oder verständiger Mensch vorhanden ist der hilft die Last zu ertragen?

Ahriman Offline



Beiträge: 1.493

15.09.2007 11:17
#16 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

Zu Punkt 1 (Gott loben) meint qilin:

In Antwort auf:
Ich denke da muss man berücksichtigen, wann und wo 'unsere' Religionen entstanden sind: Zu Zeiten irgendwelcher 'gottähnlicher' Großkönige, oder - im Fall des Islam - zumindest in Erinnerung daran.

Völlig richtig. Gott wird ja auch als "Himmelskönig" bezeichnet. Es ist nur so: Die Gläubigen tun das ja auch heute noch. Und unter denen sind bestimmt eine Menge, die es ablehnen, einem heutigen weltlichen Herrscher derart zu huldigen. Ja, die es den Diktatoren als verwerflich anrechnen, wenn sie sich "gottähnlich" bejubeln und verehren lassen. Sie würden es lächerlich finden, wenn der Bundestag auf die Knie niederfiele, sobald der Bundespräsident den Plenarsaal betritt. Naja, der ist ja auch kein König "von Gottes Gnaden".
"Engel sind die personifizierte Eitelkeit Gottes" - das ist sehr gut gesagt. Ich bewundere solche Männer wie Nietzche, die nicht nur denken konnten, sondern auch noch die Fähigkeit hatten, ihre Gedanken so messerscharf und prägnant zu formulieren. Tatsächlich unterstellen die Gläubigen ihrem Gott eine maßlose Eitelkeit.
Zitat von Tao Ho
Nun zur Frage, ob Gebete sinnvoll sind. Vom medizinischen Standpunkt sind sie
es, weil z. B. der Blutdruck bei Patienten die unter einer Hypertonie leiden,
auf ein gesundes Mass sinkt.
Das Gleiche kann man aber auch bei Meditierenden feststellen.

Richtig, daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Das habe ich auch schon mal gelesen, das soll vor allem für das Abbeten des Rosenkranzes zutreffen. An letzterem scheint was dran zu sein, denn z.B. der Buddhismus kennt den "Rosenkranz" auch. Aus Rudyard Kiplings Roman "Kim" (äußerst empfehlenswert!!!) erfahren wir, daß der alte Buddhapriester einen Rosenkranz besaß und diesen auch abbetete.
Das könnte also auch für Atheisten nützlich sein, nur müssen die sich da einen geeigneten Text einfallen lassen.
Dazu weiß ich was:
Frau Schulze litt sehr an Kopfschmerzen. Der Arzt riet ihr zur Autosuggestion: Sie sollte mit den Fingerspitzen die Schläfen reiben und dazu sagen: "Das ist nicht mein Kopf! Das ist nicht mein Kopf! Das ist nicht mein Kopf!"
Tatsächlich, es funktionierte, und sie erzählte ihrem Mann davon.
Der gedachte, das auch zu probieren. Am Abend, bevor er ins Bett ging, schloß er sich im Badezimmer ein. Seine Frau wunderte sich, schlich an die Tür und lauschte. Und da hörte sie ihn murmeln: "Das ist nicht meine Frau! Das ist nicht meine Frau! Das ist nicht meine Frau!"

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Glaubst du noch oder denkst du schon?

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

15.09.2007 11:20
#17 Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten
In Antwort auf:
Was oder wer gibt ihnen Halt? Wen oder was bietet ihr als Ersatz an,
Umsicht. Wir müssen es uns leichter machen, einander offen zu sein. Wir müssten schon in den Schulen lernen, unserer Gefühle bewusst zu sein und nach ihnen zu wirken. Wir müssten eine strukturierte Kindererziehung schon in den Schulen erlernen. Erziehung muss in kollektiver Verantwortung stehen und nicht nur in privater, familiärer. Du meinst, das alles sei ein "Ersatz" für Gebete? Die Gebete sind der Notnagel für nicht zuteil werdende wirkliche Hilfe - so wird ein Schuh daraus! Beichte und Rosenkranz abklappern können die Qualität einer (guten) Psychotherapie nicht toppen...

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

15.09.2007 11:36
#18 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

In Antwort auf:
der Buddhismus kennt den "Rosenkranz" auch. Aus Rudyard Kiplings Roman "Kim" (äußerst empfehlenswert!!!) erfahren wir,
daß der alte Buddhapriester einen Rosenkranz besaß und diesen auch abbetete.
Das könnte also auch für Atheisten nützlich sein, nur müssen die sich da einen geeigneten Text einfallen lassen.
Das ist ein recht interessanter Ansatz - zum buddhistischen 'Rosenkranz' kann ich gleich was beitragen: Die mala hat zwar
theoretisch einen religiösen Hintergrund, nur ist der völlig in den Hintergrund getreten, und die meisten Buddhisten wissen
nichts davon - ich hatte mal gelernt, die 108 Perlen bedeuteten die 108 menschlichen Leidenschaften, die man überwinden
müsste... Praktisch wird sie verwendet als Konzentrationshilfe bzw. Zeitmesser beim Meditieren - eine Uhr hat man ja nicht
immer dabei...

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

qilin Offline




Beiträge: 3.552

15.09.2007 11:58
#19 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

Hallo Laila,

In Antwort auf:
Was oder wer gibt ihnen Halt? Wen oder was bietet ihr als Ersatz an
ich denke da liegt ein Denkfehler - wenn für einen Menschen ein Gott nicht existiert, dann wird ihm auch ein Gebet nicht helfen -
dann wäre Beten ja eine Form von Magie, die allein durch das Vollziehen eines bestimmten Rituals schon eine Wirkung zustandebringt
- auch ohne den dazugehörigen Glauben.

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() qilin

Laila Offline



Beiträge: 20

15.09.2007 12:27
#20 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

In Antwort auf:
Du meinst, das alles sei ein "Ersatz" für Gebete? Die Gebete sind der Notnagel für nicht zuteil werdende wirkliche Hilfe - so wird ein Schuh daraus!


...das ist ja meine Meinung, habe ich mich falsch ausgedrückt? Kann sein.
Ich denke an die die leider keinen Menschen haben mit dem sie reden können, die nicht , nennen wir es mal, die soziale oder emotionale Kompetenz haben sich jemanden zu suchen der ihnen weiterhilft, wenn sie es selbst nicht mehr packen. Wer geht schon ohne weiteres zum Analytiker /Therapeuten?(ok, die vielleicht, dies schick finden)
Ne,Scherz beiseite, nicht jeder hat das nötige soziale Umfeld (dazu muss man auch nicht gleich "unter der Brücke" leben)um Hilfe zu erleben, oder auch nicht die nötige kraft um ein"lebendiges Wesen" um Hilfe zu bitten. Oft stehen solche Dinge wie Stolz, Angst vor Versagen usw. dazwischen. Wieso soll man ihnen nicht ein "Wesen" lassen, das sie anbeten um Rat und Hilfe bitten können? In diesen "Selbstgesprächen"(Gebeten) kann alleine durch die Auseinandersetzung (Gebet)oder das "innerliche" Aussprechen einer Sorge schon oft eine Lösung liegen. Wer sagt, dass ein Gebet nur ein.... Lieber Gott bitte gib mir... ist?

DeGaertner Offline



Beiträge: 1.193

15.09.2007 12:28
#21 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

In Antwort auf:

In Antwort auf:
dann wäre Beten ja eine Form von Magie, die allein durch das Vollziehen eines bestimmten Rituals schon eine Wirkung zustandebringt
- auch ohne den dazugehörigen Glauben.


Was spricht dagegen?

atz

Und hütet euch vor den leuchtenden Augen der Missionare, die vorgeben euch die Wahrheit zu bringen ....
denn das Leuchten könnte auch die Sonne sein , die durch die hohle Birne scheint !!

Laila Offline



Beiträge: 20

15.09.2007 12:34
#22 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

Zitat von qilin
Hallo Laila,
In Antwort auf:
Was oder wer gibt ihnen Halt? Wen oder was bietet ihr als Ersatz an
ich denke da liegt ein Denkfehler - wenn für einen Menschen ein Gott nicht existiert, dann wird ihm auch ein Gebet nicht helfen -
dann wäre Beten ja eine Form von Magie, die allein durch das Vollziehen eines bestimmten Rituals schon eine Wirkung zustandebringt
- auch ohne den dazugehörigen Glauben.


also ich übe noch, irgendwie habe ich mich unverständlich ausgedrückt.
Ich wollte wissen, wenn es keinen Glauben und keine Gebete gibt, was dann als Ersatz dienen soll, für Menschen die Halt/Hilfe suchen und keinen Menschen haben der ihnen welchen bietet

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

15.09.2007 15:59
#23 Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten
In Antwort auf:
In diesen "Selbstgesprächen"(Gebeten) kann alleine durch die Auseinandersetzung (Gebet)oder das "innerliche" Aussprechen einer Sorge schon oft eine Lösung liegen.
Stimmt! Und warum nennt man das dann nicht "innere Zwiesprache"? Man muss den Kindern keinen Gottglauben auch noch staatlich fördern und spirituelle Autoritäten anbieten, die sie daran hindern, die richtige Hilfe zu suchen! Und wir alle sollten uns was schämen, wenn der Notnagel des Gebetes unser soziales Gewissen schon entlasten sollte. Wir könnten es wirklich besser machen!

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qilin Offline




Beiträge: 3.552

15.09.2007 16:02
#24 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

Hallo Laila,

nein, Du hast Dich gar nicht unverständlich ausgedrückt - was ich meinte (und Gysi hat's in anderen Worten ja ähnlich ausgedrückt) war:
für einen Atheisten gibt's keinen Ersatz, sondern eine bessere Alternative für das Gebet - welche Meinung richtig ist, darüber wird ja hier diskutiert...


@ DeGaertner

In Antwort auf:
Was spricht dagegen?
Gar nichts - vom atheistischen Standpunkt; Einiges vom theistischen - und nachdem das hier ein Diskussionsforum sein soll,
ist es vernünftig, nicht von einem Standpunkt (welchem auch immer) anzunehmen, dass er der einzig gültige wäre

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

DeGaertner Offline



Beiträge: 1.193

15.09.2007 17:26
#25 RE: Sind Gebete eigentlich sinnvoll? antworten

In Antwort auf:
Gar nichts - vom atheistischen Standpunkt; Einiges vom theistischen - und nachdem das hier ein Diskussionsforum sein soll,
ist es vernünftig, nicht von einem Standpunkt (welchem auch immer) anzunehmen, dass er der einzig gültige wäre


Das haben Theisten was die Existenz Gottes betrifft wesentlich nötiger als Atheisten.
Ich würde niemals behaupten dass mein Standpunkt in allen Fragen der einzig gültige sei.
Ein Standpunkt der für mich momentan nicht in Frage kommt ist der, die Existenz eines guten Onkels im Himmel anzunehmen.
Ansonsten bin ich offen für andere Erklärungsversuche des Unerklärlichen.

Mit der Magie ist es wie mit Gott....was früher unerklärlich war ist heute Alltag.
Das Brett auf dem Die Gläubigen stehen war schon breiter.

atz

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