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Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 114 Antworten
und wurde 4.160 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5
qilin Offline




Beiträge: 3.552

24.09.2007 13:05
Ethik und Gott antworten

Zitat von Reinecke irgendwo
Wird übrigens in "Einfach göttlich" von Pratchett ironisch behandelt:
Etwaige Gebote dürfen nicht nur für die Menschen, sondern auch Gott
bindend sein; der ist von der Idee gar nicht begeistert...
Diesen Punkt hat Winfried Schröder Samstag in Lech extensiv abgehandelt.
In seinem Vortrag 'Wenn Gott nicht existieren würde, wäre alles erlaubt' -
hat er den Satz umgedreht zu 'Wenn Gott existierte, welche Folgen hätte
das für die Moral?' und aufgebaut auf der Auffassung des mittelalterlichen
Theologen und Logikers Ockham und seiner Schüler. Dort wurde nicht
nur der Grundsatz geprägt Deus super legem - dass Gott, eben weil Gott -
als Gesetzgeber der Moral selbst nicht an die Moral gebunden ist [wer
wollte ihm die denn abverlangen...?] sondern auch praktische Beispiele
dazu geliefert haben: "Wenn Christus dem Zachäus [der ihn mit seinen
Jüngern zum Mahl geladen hatte] sein ganzes Geld gestohlen und mit
dessen Frau geschlafen hätte, könnte man ihn nicht 'Ehebrecher' oder
'Dieb' nennen."
Was Gott sagt bzw. tut ist notwendig richtig, seine direkte
Anordnung ist unbedingt zu befolgen, auch wenn sie von ihm gegebenen
moralischen Gesetzen völlig widerspricht (Beispiel: die verlangte Opferung
des Isaak). Diesen Standpunkt hatten wir ja hier schon ganz explizit -
er wird aber (weniger drastisch) auch z. B. von Kierkegaard vertreten.
Aus diesem Grund [vereinfacht] kommt er zu dem Ergebnis "Wenn Gott
existierte, stünden sämtliche moralischen Werte zur Disposition."

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.100

24.09.2007 13:35
#2 Ethik und Gott antworten

In Antwort auf:
Aus diesem Grund [vereinfacht] kommt er zu dem Ergebnis "Wenn Gott
existierte, stünden sämtliche moralischen Werte zur Disposition."
Und was du dazu, qilin?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

24.09.2007 13:40
#3 RE: Ethik und Gott antworten
In Antwort auf:
Und was du dazu, qilin?

Im Prinzip dasselbe wie ich. Aber, da ich nicht gefragt werde
soll er mal selber antworten...

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.100

24.09.2007 13:42
#4 Ethik und Gott antworten
In Antwort auf:
Im Prinzip dasselbe wie ich.
Kriegt er Ärger mit dir, wenn nicht?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

24.09.2007 13:52
#5 RE: Ethik und Gott antworten

selbstverständlich, denn er bekommt jeden Tag mehr Schläge als Essen und wehe er
hat mal eine andere Meinung als ich...
Ist schon interessant was man so von qilin (und unsere Beziehung zueinander) hält.

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

24.09.2007 13:55
#6 RE: Ethik und Gott antworten
Zitat von Gysi
Und was du dazu, qilin?
Was ich dazu sage? Nun, die Logik stimmt im Prinzip; allerdings sind m.E. sowohl positive als auch negative Aussagen
über Gott eben nicht festzuschreiben - es geht immer nur um irgendwelche Gottesbilder von irgendwelchen Leuten...
Und darum kann ich nicht sagen "Gott existiert nicht", sondern "Dieses Gottesbild ist [ebenso wie vermutlich jedes
andere auch] inkonsistent."
Aber ich schreibe noch einen allg. Bericht zum Philosophicum - wird nur etwas dauern, weil die Tage eben auch Arbeit
liegengeblieben ist...

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

qilin Offline




Beiträge: 3.552

24.09.2007 16:04
#7 RE: Ethik und Gott antworten
Hier noch ein Nachtrag (ebenfalls aus dem Vortrag von Schröder) der IMHO gut hierher passt...
Zitat von Benjamin
Also siehst Du die biblischen Bücher als bloßes Menschenwerk, wenn sich dort die Gewalttaten widerspiegeln?
Wo ist der Bezug zu Gott für Dich gegeben?
Interessant ist hier vielleicht auch die Meinung Kants zum Thema 'Isaaks Opferung' -
und die möglichen Konsequenzen daraus...
Danach wäre die 'richtige' Antwort Abrahams auf das Ansinnen, seinen Sohn zu opfern, gewesen:
"Ich weiß dass es unmoralisch ist, meinen Sohn zu töten - ich kann aber nicht sicher sagen,
ob Du tatsächlich der Herr bist oder nicht - also werde ich Deinem Verlangen nicht nachkommen."

P.S. Wer evtl. meint, dass dieses Beispiel ja uralt und heute keineswegs ausagekräftig wäre,
sei daran erinnert, dass in dem 'Vermächtnis' des 09/11-Attentäters Mohammed Atta dessen
Vorhaben beschrieben wird als 'nach dem Vorbild des Ibrahim'...

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Benjamin Offline



Beiträge: 105

24.09.2007 21:08
#8 RE: Ethik und Gott antworten

In Antwort auf:
"Wenn Gott existierte, stünden sämtliche moralischen Werte zur Disposition."


Aber doch nur in Bezug auf Gott, oder? Ich meine, auf die Menschen bezogen kann es doch trotzdem Regeln geben, oder seh ich das falsch?

..................................................
Abgesehen vom Heiligen Geist, abgesehen vom Glauben an das Evangelium , wird der Mensch sich in der Bibel genauso verirren wie in den Versuchen, die Ethik auf Gewissen, Vernunft, natürliche Ordnung, Nützlichkeit und dergleichen zu begründen.
Edmund Schlink

Lukrez Offline




Beiträge: 5.548

24.09.2007 21:41
#9 RE: Ethik und Gott antworten
Zu diesen beiden Punkten:

1: 'Wenn Gott nicht existieren würde, wäre alles erlaubt'
2: "Wenn Gott existierte, stünden sämtliche moralischen Werte zur Disposition."

...ist zu sagen, dass Punkt 1 natürlich eine ganz persönliche Verantwortung fordert.
Punkt 2 (Annahme eines göttlichen Willens) aber dem Missbrauch eines angeblichen Gottes durch eine "Priesterkaste" Tür und Tor öffnet!
Der Wille des angeblichen Gottes muss (da er selbst sich ja nicht hören lässt) durch Menschen zumindest "interpretiert" werden.

Punkt 2 eröffnet einer reinen Willkürlichkeit Tür und Tor und kann leicht zu einer vollkommenen Vergewaltigung der natürlichen menschlichen Lebensbedürfnisse führen.
Bei Punkt 1 würden wohl eher ganz natürliche (evolutive) Regelmechanismen greifen und eine dauerhaft falsche Richtung vermeiden.

Und wieder mal Nietzsche:
Die alten religiös/christlichen Werte stehen (da oft lebensfeindlich) tatsächlich zur Disposition.
Umwertung aller Werte mag wohl übertrieben sein - im Prinzip aber liegt er vollkommen richtig.

Und genau das ist persönliche Verantwortung:
Danach wäre die 'richtige' Antwort Abrahams auf das Ansinnen, seinen Sohn zu opfern, gewesen:
"Ich weiß dass es unmoralisch ist, meinen Sohn zu töten - ich kann aber nicht sicher sagen,
ob Du tatsächlich der Herr bist oder nicht - also werde ich Deinem Verlangen nicht nachkommen."

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Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

25.09.2007 09:30
#10 RE: Ethik und Gott antworten
Hallo Benjamin,
In Antwort auf:
Aber doch nur in Bezug auf Gott, oder? Ich meine, auf die Menschen bezogen kann es doch trotzdem Regeln geben, oder seh ich das falsch?
Nein, das war in einer anderen Richtung gedacht - Schröder meinte: Gott ist (nach Ockham; nicht unähnlich bei Kierkegaard - und ähnlich
klingt's ja auch heute in der islamischen Theologie) als Schöpfer und Alleinherrscher a priori jeder Kritik von Vernunft und Moral enthoben;
er könnte ebensogut mit sofortiger Wirkung eine völlig andere Moral dekretieren, und niemand hätte ihm 'reinzureden - das war's ja auch,
worum es grundsätzlich in der Regensburger Papstrede ging...
Wenn nun nach diesem Verständnis Gott heute von mir verlangte meinen Sohn zu schlachten - oder eine Anzahl von Unbeteiligten irgendwo,
um für irgendwas Zeugnis abzulegen - oder auch einfach so, ohne jede Begründung, dann müsste ich gehorchen und könnte mich nicht auf
'die Moral' oder 'die Vernunft' berufen. Das war der Kern der Argumentation.

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() qilin

qilin Offline




Beiträge: 3.552

25.09.2007 14:10
#11 RE: Ethik und Gott antworten

Als ich heute diesen Leserbrief in der PRESSE las, kam mir der Gedanke, dass wir offenbar
anlagemäßig dazu neigen, irgendjemand - Gott, Chef, Institution, Schwiegermutter...
eine solche Macht einzuräumen

In Antwort auf:
Was richtig ist, bestimmt in der Demokratie die Mehrheit, ungeachtet
des Wahrheitsgehalts der jeweiligen Meinung - was die Demokratie zu
einer Diktatur von 51% macht; von Glück kann man sagen, wenn das
durchschnittliche Niveau dieses Souveräns nicht allzu niedrig ist.
Sogenannte 'Werte' existieren in der Demokratie nicht. Der einzige
demokratische Wert ist der Mehrheitsbeschluss. Wenn die Mehrheit
bestimmt, es solle die Gebührenerhöhung, islamische Zuwanderung,
Sozialstaat, die Gesamtschule sowie keine Meinungsfreiheit geben,
dann werden eben alle diese Wohltaten beschlossen.

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() qilin

Lukrez Offline




Beiträge: 5.548

25.09.2007 20:53
#12 RE: Ethik und Gott antworten

In Antwort auf:
Was richtig ist, bestimmt in der Demokratie die Mehrheit, ungeachtet
des Wahrheitsgehalts der jeweiligen Meinung - was die Demokratie zu
einer Diktatur von 51% macht;

Glücklicherweise ist dem ja nicht so.
Eine ordentliche Demokratie muss schon auf einem festeren Fundament stehen.
Demokratie darf niemals eine Diktatur der Mehrheit sein - das wäre dann gerade keine Demokratie.
Wo siedelt der Schreiber eigentlich die "Werte" an?
Vermutlich wohl wieder beim "lieben Gott"?

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(Lukrez)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

25.09.2007 21:14
#13 RE: Ethik und Gott antworten

In Antwort auf:
Demokratie darf niemals eine Diktatur der Mehrheit sein - das wäre dann gerade keine Demokratie.
Und wie verteidigt sich die Demokratie gegen die Diktatur der Mehrheit?


In Antwort auf:
Wo siedelt der Schreiber eigentlich die "Werte" an?
Vermutlich wohl wieder beim "lieben Gott"?
Da ich den Schreiber nicht kenne, nicht mal den Namen habe,
fehlt mir leider die Grundlage, diese Vermutung nachzuvollziehen

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() qilin

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

26.09.2007 08:40
#14 RE: Ethik und Gott antworten

In Antwort auf:
Und wie verteidigt sich die Demokratie gegen die Diktatur der Mehrheit?

Indem sie Grundlagen und Gesetze geschaffen hat, die nicht die 51% direkt an die Macht kommen lassen, sondern das nur über die jeweiligen "Eliten" passiert. Das die nicht jedesmal nach Volkes Meinung fragen, wenn sie handeln, ist manchmal bedauerlich, in der Regel wohl aber genau dieser Garant gegen die Diktatur der Mehrheit.

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

26.09.2007 09:25
#15 RE: Ethik und Gott antworten
In Antwort auf:
qilin fragte: Und wie verteidigt sich die Demokratie gegen die Diktatur der Mehrheit?

Würde ich leicht andere Prioritäten setzen als B.S.: Bürger- und/oder Menschenrechte, die auch von einer Mehrheit nicht eingeschränkt werden können, oder den entsprechenden herrschenden Eliten, eben Grund- und Freiheitsrechte; die im übrigen in erster Linie Schutzrechte gegen den Staat.
qilin Offline




Beiträge: 3.552

26.09.2007 10:13
#16 RE: Ethik und Gott antworten

Nun, ich hab' ja beileibe nichts gegen die Demokratie, aber in dem zitierten
Leserbrief ging's ja weniger um grundlegende Menschenrechte, sondern um ganz
konkret dort aufgeführte Fragen - die sehr wohl mit Mehrheit (ob im Parlament
oder in einem Volksentscheid) gelöst werden können. Meine Assoziation ging
eher in die Richtung, dass wir geneigt sind, uns Entscheidungen von Anderen
zu unterwerfen und nicht immer der persönlichen Meinung zu folgen - was ja
häufig Sinn macht, aber doch auch hinterfragt und auf seine Grenzen abgeklopft
werden sollte...

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() qilin

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

26.09.2007 11:17
#17 RE: Ethik und Gott antworten

In Antwort auf:
Bürger- und/oder Menschenrechte, die auch von einer Mehrheit nicht eingeschränkt werden können, oder den entsprechenden herrschenden Eliten, eben Grund- und Freiheitsrechte; die im übrigen in erster Linie Schutzrechte gegen den Staat.

Das verstehe ich nicht. Nicht die Bürger, aber auch nicht die Eliten sollen Grund- und Freiheitsrechte definieren können? Das scheint mir eine klare Argumentation für Gott zu sein, denn wer bleibt sonst übrig?
Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass du darauf hinaus willst.

In Antwort auf:
Meine Assoziation ging
eher in die Richtung, dass wir geneigt sind, uns Entscheidungen von Anderen
zu unterwerfen und nicht immer der persönlichen Meinung zu folgen - was ja
häufig Sinn macht, aber doch auch hinterfragt und auf seine Grenzen abgeklopft
werden sollte...


Das sehe ich ähnlich. Allerdings vermute ich als Auslöser für dieses Handeln nicht die Neigung, sich anderen zu unterwerfen, sondern eher die Neigung, eigene Verantwortung zu vermeiden.

Ahriman Offline



Beiträge: 1.493

18.10.2007 18:45
#18 RE: Ethik und Gott antworten

Zur Entwicklung einer Ethik braucht man keinen Gott. Den benötigt man nur, wenn man seine Mitmenschen unter eine bestimmte Ethik zwingen will, eine Ethik, die durchaus fragwürdig sein kann.
Die Abschaffung der Leibesstrafen, der Folter und der Todesstrafe in Europa beweist allein schon, daß die Europäer eine weitaus höhere Ethik haben als ihr Gott: Der foltert nach wie vor in seiner Hölle, und nicht nur die Verbrecher, auch die "politischen" - sprich ungläubigen Gefangenen. Wer gegen ihn ist kommt ins KZ. Was ist das für eine Ethik?
Ein guter Teil der Menschheit hat sich in seiner Ethik turmhoch über den eigenen Gott erhoben - und es nicht mal gemerkt.

Wir haben schon lange den kategorischen Imperativ von Kant. Sein Sprachstil ist, um es gelinde auszudrücken, mühsam. Man kann ihn nur schwer verstehen. Man soll laut Kant so handeln, daß diese Handlungsweise als Gesetz gelten kann, also auch uns selber treffen darf.
Beispiel: Wer als gewiefter Geschäftsmann die Leute betrügt, wünscht sicher nicht, daß seine Mitmenschen auch ihn betrügen dürfen. So die Versicherungen. Die prellen die Anspruchsteller, wo sie nur können, und entrüsten sich laut über die Versicherungsbetrüger. So sollten sie laut Kant nicht handeln.
Vereinfacht könnte man sagen: "Sünde ist, was einem Mitmenschen ein Leid oder Schaden zufügt." Das ist eine Ethik, zu der man keinen Gott braucht. Nach dieser Richtschnur wäre beispielsweise vorehelicher Sex keine Sünde, nach der katholischen Ethik aber durchaus, wie wir wohl alle wissen.
Der Mensch weiß sehr genau, was gut und böse ist. Nur hat er leider die Fähigkeit, böse Taten vor sich selber zu rechtfertigen. Etwa wenn er im Halteverbot parkt. Oder beim Kartenspiel schummelt.

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Glaubst du noch oder denkst du schon?

Johann Leuchtentrager Offline



Beiträge: 30

18.10.2007 19:17
#19 RE: Ethik und Gott antworten

Hallo Ahriman
Lieber Ahrimann, ich würde schon sagen, daß ein Pädophiler, der gerne kleine Jungs belästigt, am kategorischen
Imperativ wenig auszusetzen hätte. Eine Welt, wo sein Verhalten ein allgemeines Gesetz würde,wäre wohl nach
seinem Geschmack. Sein kategorischer Imperativ, hielt Meister Kant nicht davon ab, die Tötung von unehelichen
Kindern zu fordern. Weder ein kategorischer Imperativ, noch der Glaube an transzendente Götter, konnte uns in der
Vergangenheit, vor unserer gewalttätigen Natur schützen. Gut und Böse, waren und sind auch nur Kinder ihrer Zeit.

Lukrez Offline




Beiträge: 5.548

18.10.2007 21:11
#20 RE: Ethik und Gott antworten

Mit der abgemilderten Form (Was du nicht willst...)
kann man allenfalls noch den kleinen Kindern kommen.
Ansonsten hat sich diese Idee von Kant als vollkommen untauglich erwiesen.
Wie wäre im Falle der Richtgkeit doch alles so einfach...
Allerdings sind wir schon lange über das Kindesalter hinaus.

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(Lukrez)

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

19.10.2007 10:29
#21 RE: Ethik und Gott antworten

ad Bruder Spaghettus zum Thema Menschen- und Bürgerrechte:

Natürlich sind diese Rechte von Menschen erdacht und gemacht. Sie sind aber nicht mal eben von 51 % einschränkbar, oder sollten es nicht sein.

Nehmen wir als Beispiel unser famoses Grundgesetz (ist nicht ironische gemeint, ich mag das GG tatsächlich recht gerne). Das ist von Menschen erlassen, trotz des albernen Gottesbezug in der Präambel. Es enthält aber eine "Ewigkeitsgarantie"; so darf Art. 1 ("Die Würded es Menschen..." & so) und Art. 20 ("Die BRD ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat") überhaupt nicht geändert werden, die Artikel dazwischen (die v.a. die Grund- und Menschenrechte beinhalten) dürfen ihrem Sinne nachn icht geändert werden.

Es kann also nicht dazu kommen, das der Bundestag sich morgen hinstellt und mit 51%er Mehrheit z.B. Juden vergast, den islam verbietet, die Sozialhilfe bzw. das, was daraus geworden ist, abschafft oder andere Gruseligkeiten verzapft. Wenn das passieren würde, gäbe das GG mir (und jedem anderen) das Recht auf Widerstand, zur Not auch mit Gewalt.

Eine Demokratie, die diese Schutzrechte (von denen vor allem Minderheiten profitieren, klar) von den parlamentarischen Mehrheiten und damit dem politischen Tagesgeschäft abhängig macht ist mE keine Demokratie; da ändern auch freie Wahlen nichts dran.

Ahriman Offline



Beiträge: 1.493

19.10.2007 10:57
#22 RE: Ethik und Gott antworten
Zitat von Johann
ich würde schon sagen, daß ein Pädophiler, der gerne kleine Jungs belästigt, am kategorischen
Imperativ wenig auszusetzen hätte.

Vielleicht nicht dann,wenn er selber Vater wäre.
Aber diese Richtsätze sind doch immer ungenügend, sie geben nur einen Ausgangspunkt. Auch die vielgerühmten zehn Gebote sind als Gesetzbuch völlig unzulänglich, schon Moses und die Rabbis nach ihm sahen sich gezwungen, sie zu erweitern und zu ergänzen, bis hin zu der blödsinnigen Vorschrift, daß man nicht mit dem gleichen Messer Käse und Wurst schneiden darf.
Wenn ich sage: "Sünde ist, was einem Mitmenschen ein Leid oder Schaden zufügt." muß man doch gleich fragen, ob man einen Mitmenschen dann nicht ins Gefängnis sperren darf...
Leider handeln die meisten Menschen nach dem Grundsatz: Es ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Und nicht wenige (zum Beispiel Autofahrer, Unternehmer und Konzernchefs) fügen hinzu: Und bei dem, was verboten ist, stellt sich nur die Frage, ob das Risiko sich lohnt.
Und darum wachsen unsere Gesetzbücher immer weiter an. Hat Goethe das gemeint,als er seinen Mephisto sagen ließ:
"Es erben sich Gesetz und Recht wie eine ew'ge Krankheit fort..."?
Als die Elektrizität "erfunden" wurde, erhob sich doch gleich die Frage, ob sie eine "fremde, bewegliche Sache" ist, die man "sich widerrechtlich aneignen" kann. Also wurde ein Paragraph über Energiediebstahl geschaffen.
Das gleiche passierte, als die Homecomputer kamen: Es mußte ein neues Gesetz her, das das Raubkopieren verbietet.

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Johann Leuchtentrager Offline



Beiträge: 30

19.10.2007 15:43
#23 RE: Ethik und Gott antworten

Hallo Ahriman

Es ist doch schön für dich, wenn du wie Aristoteles, keiner Gestzestafeln und keines Grundgesetzes bedürftig bist.
Wen dir dein Gewissen, auf alle Fragen des Lebens eine Antwort gibt. Ich habe kein Problem damit, daß sich mit
den Zeiten auch die Gesetze ändern. Mit der Erweiterung unserer Erkenntnisse z.B. in der Medizin, waren natürlich
auch Veränderungen an den Gesetzen nötig. Dein Kant, hätte meinen Pädophilen wohl anders "bestraft", als es die
Richter heute tun. Gruss Johann

Ahriman Offline



Beiträge: 1.493

19.10.2007 23:30
#24 RE: Ethik und Gott antworten

Zitat von Johann
Es ist doch schön für dich, wenn du wie Aristoteles, keiner Gestzestafeln und keines Grundgesetzes bedürftig bist.

Da verstehst du mich falsch. Auch ich brauche zumindest indirekt das BGB und das StGB, nämlich dann, wenn ich einen bösen Mitmenschen verklagen oder durch die Justiz verfolgen lassen will.
Aber ich bin sicher, daß alle (Geisteskranke ausgenommen), die Böses tun, in ihrem Inneren ganz genau wissen, daß sie das nicht tun sollten. Die Schlange im Paradies hatte recht: Eritis sicut deus, scientes bonum et malum. = Werde wie Gott und erkenne, was gut und böse ist. Das schrieb Mephisto dem Schüler ins Stammbuch.

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Glaubst du noch oder denkst du schon?

Sunnygirl Offline




Beiträge: 26

20.10.2007 22:36
#25 RE: Ethik und Gott antworten

Hi zusammen

Interessantes Thema. Wichtig ist eben auch, sich für ethische Werte stark zu machen und sich aktiv dafür einzusetzen in der Gesellschaft. Nur nie aufgeben, denn ungeachtet der Religion gibt es doch auch ein ethisches Grundempfinden, das prinzipiell in jedem Menschen angelegt ist. Auch wenn er dagegen verstößt, weiß er im Grunde, dass es nicht okay ist.

Liebe Grüße
Sunnygirl

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

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