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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 21 Antworten
und wurde 3.122 mal aufgerufen
 Islamismus/Islam
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.092

26.11.2005 15:05
Pressefreiheit und Islam antworten

Seit die bürgerliche dänische Tageszeitung "Jyllands-Posten" Karikaturisten dazu ermutigte, satirische Zeichnungen des Propheten Mohammed einzureichen und zwölf davon unter dem Titel" Die Gesichter Mohammeds" publizierte, wird die Chefredaktion mit Morddrohungen überhäuft. Grund für die Veröffentlichung war laut Chefredaktion die öffentliche Kritik daran, dass kein Medium in Dänemark es heute wage, kritisches Material über den Islam zu publizieren.
"Die Publikation war ein Test, inwieweit die Angst vor moslemischen Vergeltungsaktionen begonnen hat, die Meinungsfreiheit in Dändemark einzuschränken", sagte ein leitender Redakteur der Zeitung. Das Resultat des Tests liess nicht lange auf sich warten. Islamisten, die bisher vor allem die dänische Regierung für ihre Beteligung am Irakkrieg anprangerten, richten ihren Zorn nunmehr gegen die Pressefreiheit des Landes.
Dabei bekommen sie auch offizielle Unterstützung. Von einer diplomatischen Krise zwischen Dänemark und Ägypten ist inzwischen die Rede, weil der islamische Staat die demokratischen Grundfreiheiten des Landes durch massiven diplomatischen Druck einzuschränken versucht.
Nun verkündete die ägyptische Regierung, dass sie eine weltumspannende Kampagne gegen die dänische Zeitung einleiten werde, um eine Entschuldigung von dieser zu erwirken.
Der ägyptische Aussenminister Ahmad Abu el Ghayt sagte, dass die veröffentlichten Karikaturen ein unglaublicher Skandal seien. Der Minister teilte mit, dass er die Protestbriefe an Staatschefs der ganzen Welt verschickt habe und sich auch bei UN-Generalsekretär Annan beschwert habe. " Mein Grund dafür ist, dass der Protest dazu beitragen könnte, neben einer Entschuldigung das gegenseitige Verständnis zu verbessern und einen stop von solchem Unfug durchzusetzen sowie Europa dazu anzuspornen seine Einstellungen zu ändern".
Neben Ägypten schickten zehn weitere moslemische Botschafter eine Protestnote an Premierminister Rusmussen. Dieser lehnte ein Treffen mit den Botschaftern ab mit der Begründung:" Wer annimmt, dass ich irgendeine Macht gegenüber dem, was nationale Zeitungen machen und drucken habe - dem ist die Essenz der dänischen Demokratie völlig entgangen."
Der ägyptische Botschafter drohte daraufhin, man wolle andere führende Politiker des Landes kontaktieren, wenn der Premier die Botschafter nicht empfangen wolle. Die Botschafter übergaben nun den Fall an die " Organisation der islamischen Konferenz", die bereits ein Protestschreiben verfasst hatte.
Die Karikaturen werden nun völlig öffentlich versteigert. Der Erlös soll an die Erdbebenopfer in Pakistan gehen.

Beinahe selbstredend, dass der deutsche Blätterwald von diesem Vorkommen kaum berichtet...

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

Bauchtanzkaiser Offline

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26.11.2005 23:27
#2 RE: Pressefreiheit und Islam antworten

Ich finde die Aktion und die Idee dahinter großartig. Meinungsfreiheit muss sich selbst verteidigen, und wer Heiligtümer (dazu zählt auch jede Form "unantastbarer" Überzeugung) für wichtiger erachtet als Humor, der hat die Welt meines Erachtens ohnehin nicht verstanden.

Gysi Offline

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27.11.2005 08:39
#3 Pressefreiheit und Islam antworten
Sehe ich auch so. Nur gibt es eine politisch sehr wirksame Fraktion der Muslime, die etwas gegen unsere Freiheit hat: http://www.islamischer-weg.de/meinungs.htm Diese Fraktion beruft sich strikt auf den Koran und dehnt sich weit über den terroristischen Kern hinaus.
Und wat nu?

Gysi
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Bauchtanzkaiser Offline

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Beiträge: 206

27.11.2005 15:13
#4 RE: Pressefreiheit und Islam antworten

Solche Leute kann man einfach nicht ernst nehmen. Wenn du Recht hast mit der Aussage, es handle sich um Terroristen, dann ändert das daran immer noch nichts; die Argumente bleiben lächerlich. Und wer lacht, ist nicht besiegt.

Gysi Offline

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27.11.2005 17:40
#5 Pressefreiheit und Islam antworten
Wer tot ist, so wie Theo van Gogh, lacht aber nicht mehr. Und JEDER, der freimütig über den Islam diskutieren möchte, kann das unter dem Schwall der öffentlichen - wenn auch "nur" allgemein ausgesprochenen - Mordandrohungen ebenfalls nicht mehr so recht, oder?

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

OPA Offline



Beiträge: 385

28.11.2005 00:23
#6 RE: Pressefreiheit und Islam antworten

Also sollte man alle nichtdänischstammigen Islamisten bei jedem kleinsten Vergehen des Landes verweisen, die dänischstammigen mit maximaler Härte bestrafen. Ihre "Glaubensgemeinschaften" gehören verboten, und wer mehrfach polizeilich auffällt, darf sich den Rest seines Lebens nicht mehr über die schlechten Haftbedingungen beschweren.

Nur so kriegt man die islamische Armada in den Griff.

Bauchtanzkaiser Offline

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Beiträge: 206

28.11.2005 02:03
#7 RE: Pressefreiheit und Islam antworten
Je mehr Leute von ihrem Verstand und ihrem Recht auf Meinungsäußerung frei Gebrauch machen, umso zweckloser wird die Ermordung einzelner. Verhindern können wir Einzelmorde ohnehin nicht, aber eine Idee, die von vielen Menschen geteilt wird, ist nicht ohne weiteres auszurotten. Sich einschüchtern zu lassen, halte ich jedenfalls für den falschen Weg. Wahrscheinlich sähe das anders aus, wenn man mir die Pistole direkt unter die Nase hielte, aber von einer beinahe-Drohung an kritische Denker im Allgemeinen werde ich mir nicht den Mund verbieten lassen.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.092

28.11.2005 08:01
#8 Pressefreiheit und Islam antworten

In Antwort auf:
Je mehr Leute von ihrem Verstand und ihrem Recht auf Meinungsäußerung frei Gebrauch machen, umso zweckloser wird die Ermordung einzelner.
Eben. Aber genau diese Meinungsäußerung wird (nicht nur) in diesem Lande mit einer falsch verstandenen Political Correctness gedeckelt. Der Islam wird durch den ganzen Blätterwald bis zum Erbrechen weichgezeichnet, Vorkommnisse wie in Dänemark totgeschiegen.

Gysi

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Bauchtanzkaiser Offline

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28.11.2005 16:10
#9 RE: Pressefreiheit und Islam antworten

Wo ist denn da der Unterschied zum Christentum, was den medialen Umgang mit dem Thema angeht? Es gibt ein paar Theologen, die tolle kritische Bücher geschrieben haben, wie zum Beispiel Deschner oder Ranke-Heinemann, aber wer liest die schon? In Fernsehen und Rundfunk wird immer noch weitestgehend der Eindruck vermittelt, das Christentum sei die Quelle jeglicher Moral und über jeden Zweifel erhaben, und blinde Gottgläubigkeit wird als Tugend dargestellt. Als Beispiel mögen die Spektakel um den Tod Karol Wojtylas oder den katholischen Weltjugendtag gelten. Das ganze wird dann von Sendungen wie "So gesehen" (auf RTL, glaube ich) mit einem pseudo-lebensphilosophischen Anstrich versehen, von dem sich leider viele Menschen beeindrucken lassen. Und selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, welches eigentlich per Gesetz zur Neutralität verpflichtet ist, wird sich zum Christentum, wenn es den mal geschieht, nur positiv geäußert.
Die "Political Correctness", von der du sprichst, wird leider auf alle Religionen angewandt. "Wenn du nichts Nettes sagen kannst, dann schweige". Ich denke, dass man mit Einzelkritiken an den verschiedenen Religionen nicht viel Gutes bewirken kann. Im Gegenteil, wer z. B. explizit gegen den Islam argumentiert, der liefert dem christlichen Fundamentalismus Zündstoff, den dieser gerne aufgreifen wird, um Muslime zu provozieren. Und vice versa (das gilt selbstverständlich auch für andere religiöse Extremisten, nur sind die hierzulande seltener). Man trägt jedenfalls eher zur Eskalation bei, denn wenn zwei streitende Parteien rein inhaltliche Debatten führen und dabei von zwei völlig verschiedenen Standpunkten ausgehen, dann wird daraus recht schnell Gewalt, besonders, wenn "religiöse Gefühle" im Spiel sind (weshalb ich auch dagegen bin, diesen eine argumentative Sonderbehandlung zukommen zu lassen). Wer aber beiden Parteien ihre methodischen Fehler aufzeigt, der hat eine kleine Chance auf Verständnis seiner Argumente und Toleranz. "Ich glaube nicht an A, weil ich an B glaube" ist weniger überzeugend als "Ich glaube nicht an A, weil ich es aus den und den Gründen für unglaublich halte". Im christlichen Kulturkreis ist der Skeptizismus ja schon einigermaßen etabliert, und auch in islamischen Ländern gibt es vereinzelte skeptische Stimmen. Natürlich gibt es viele Menschen, die ihre kritische Vernunft schon so lange haben verkümmern lassen, dass sie die Argumente nie verstehen werden, aber daran kann man wohl schlecht etwas ändern.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.092

28.11.2005 18:14
#10 Pressefreiheit und Islam antworten

Ich argumentiere aus der Position eines Atheisten und gebe dir daher in manchen Punkten Recht. Aber es gibt entscheidende Unterschiede zwischen Islam und Christentum. Du darfst unbeschadet behaupten, dass der Papst eine Pfeife ist. Da passiert dir nichts. Ist zwar reichlich geschmacklos, aber ansonsten wirst du in Ruhe gelassen. Du darfst gegen das Christentum lang und breit und ausführlich angehen. Die Christen schweigen allenfalls zerknirscht.Das Christentum hat sich mit der Demokratie und der freien Meinungsäußerung arrangiert.
Nicht so der Islam. Die Bibel malt in fürchterlichen Bildern aus, was mit den Sündern und den Ungläubigen geschieht: Sie kommen um. Aber das Töten der Ungläubigen ist ausschließliche Gotteswerk. Im Koran jedoch wird das Töten von Ungläubigen auch in die Hände der Gläubigen als Allahs Auftrag gelegt! Und das Töten ist nicht nur als kriegerische Handlung erlaubt, sondern immer, wenn der Islam angegriffen wird! Da gibt es Auslegungsspielbreiten bis hin in die zivile Diskussion! Und so sieht auch die Praxis des Umgangs der Muslime mit den "Ungläubigen" aus. Siehe Salman Rushdie, siehe van Gogh.
Das ist der Unterschied zwischen Islam und Christentum!
Und wer diskutiert schon über religiöse Inhalte? Das Religiöse wird in Frieden gelassen. So sind wir erzogen. Was geschieht mit denen, die diese widersinnigen Schranken brechen wollen?
Ich rede nicht für das Christentum! Ich rede für die Meinungsfreiheit, die ich durch den Islam schwer bedroht sehe, nicht aber durch das Christentum. Das ist ein Fakt!

Gysi
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Bauchtanzkaiser Offline

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Beiträge: 206

28.11.2005 21:27
#11 RE: Pressefreiheit und Islam antworten

Ich denke, dass wir uns prinzipiell einig sind, was die Sachlage angeht. Das islamische Konzept des Jihad ist mir bekannt und ich weiß auch, dass es im Christentum kein Äquivalent dazu gibt (was Gewalttaten mit christlichem Motiv allerdings auch nicht hundertprozentig ausschließt). Die Frage ist halt nur, was wir tun sollen. Und mein Vorschlag ist "Religionskritik - jetzt erst recht". Terrorismus hin oder her, das Konzept "Glaube" muss seine Grenzen aufgezeigt bekommen. Muslime werden sich unrechtmäßig angegriffen fühlen, wenn man sich nicht im selben Maße gegen andere Offenbarungsreligionen ausspricht wie gegen den Islam. Klar, verfassungsfeindliche und kriminelle Organisationen und Einzeltäter muss man weiterhin strafrechtlich belangen, aber es darf nicht der Eindruck entstehen, dass das aus antiislamischen Motiven geschieht. Es muss klargemacht werden, dass die Tat und nicht das religiöse Motiv dahinter bestraft wird, und da hat sich das Innenministerium in der Vergangenheit ebenso wenig mit Ruhm bekleckert wie die Berichterstattung der Boulevardpresse. Ebenso müssen Skeptiker, Atheisten und Agnostiker weiterhin vehement darauf hinweisen, dass es nicht darauf ankommt, was man glaubt, sondern wie man es glaubt. Und wir müssen uns eben einfach mal darüber hinwegsetzen, dass es sich "nicht gehört", Religion öffentlich zu kritisieren. Toleranz schließt Kritik nicht aus, das muss einfach mal klargemacht werden.
Nebenbei, wenn es so geklungen hat, als ob ich dir unterstellen wolle, dass du für's Christentum plädoyiertest, dann sei versichert, dass ich es keineswegs so gemeint habe. Ich weiß ja, dass du Atheist bist .

Robin87 Offline



Beiträge: 1.848

29.11.2005 00:09
#12 RE: Pressefreiheit und Islam antworten
jaja, ihr denkt wohl man müsse alle Religionen verurteilen, wenn eine falsch ist. Aber die Religionen arbeiten NICHT! zusammen. Jede Religion sollte einzeln beurteilt werden. Eigentlich wäre Judentum keine Religion, sondern teil des Christentums, aber viele Juden sind eben so arrogant und weidern sich Jesus als Retter anzunehmen und deshalb meint man sie hätten eine eigene Religion.


"Gott ist raffiniert, aber nicht bösartig." (Albert Einstein)

Bauchtanzkaiser Offline

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Beiträge: 206

29.11.2005 01:14
#13 RE: Pressefreiheit und Islam antworten

Robin, sieh mal, ich glaube gar nicht, dass die Religionen "zusammenarbeiten". Ich sage lediglich: Glaube ist kein Wissen und auch kein guter Ersatz dafür. Du glaubst an die Bibel, Muslime glauben an den Koran, Hindus an die Veden und so weiter. Glaube ist es, der die meisten Religionen ausmacht. Und ich weigere mich einfach, an irgendetwas zu glauben, für das es keine guten Beweise oder Belege gibt. Gib' mir einen überzeugenden Beweis, dass die Bibel wahr ist, und ich werde sofort Christ. "Sie ist Gottes Wort" gilt übrigens nicht als Beweis, weil du das ja nur sagst, weil es in der Bibel steht.

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 5.475

29.11.2005 14:06
#14 RE: Pressefreiheit und Islam antworten

In Antwort auf:
Ich sage lediglich: Glaube ist kein Wissen und auch kein guter Ersatz dafür

Ich behaupte da doch einfach mal ganz dreist das Gegenteil...!

Biblischer Glaube muss Wissen sein, ansonsten kann es keine Grundlage für einen "(biblischen)Glauben an Etwas" geben.
Das mag jetzt nach Tautologie klingen; Vielmehr ist aber die Tatsache gemeint, dass biblischer Glaube nicht nur die Existenz von Etwas oder Jemanden einschließt, sondern auch dass diese Existenz greifbar ist, dass sie Auswirkungen auf unser Leben hat..

biblischer Glaube darf sich niemals auf Vermutungen stützen sondern muss Erkenntnis als Grundlage haben... Diese Grundlage muss sich aber jeder Einzelne selbst erarbeiten...

Nun kann auch nicht mehr gesagt werden: Der Gläubige macht es sich einfach!

Beweise sind immer überzeugend, entweder in die eine oder andere Richtung. Die Frage ist nur, ob man diese Beweise als solche anerkennt... Bei der Ratifizierung von Beweismaterail und beim Umgang mit den Ergebnissen, zeigen sich bei Gottgläubigen wie bei Atheisten ähnliche Verhaltensmuster... Jeder glaubt das, was er will.


De nihilo nihil (lukrez)

Bauchtanzkaiser Offline

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Beiträge: 206

29.11.2005 17:20
#15 RE: Pressefreiheit und Islam antworten

In Antwort auf:
Biblischer Glaube muss Wissen sein, ansonsten kann es keine Grundlage für einen "(biblischen)Glauben an Etwas" geben.
Das mag jetzt nach Tautologie klingen; Vielmehr ist aber die Tatsache gemeint, dass biblischer Glaube nicht nur die Existenz von Etwas oder Jemanden einschließt, sondern auch dass diese Existenz greifbar ist, dass sie Auswirkungen auf unser Leben hat..

Greifbar ist allein die Auswirkung des Glaubens auf die Leben all jener, die glauben oder mit Gläubigen zusammenleben. Ein gefestigter Glaube, (fast) egal welchen Inhalts, löst bestimmte psychische und psychosomatische Phänomene aus, die unzweifelhaft existieren. Allerdings hat der Glaube an die Bibel kein Monopol auf diese Phänomene. Fraglich ist, ob (allein) der Bibelglaube zusätzlich nicht reduzierbare Effekte hervorruft und wie weit diese empirisch belegt sind. Wer der Bibel diese Sonderstellung einräumt (denn das ist religionsneutral betrachtet keineswegs der nächstliegende Schluss, auch wenn manche Christen das gern behaupten), der muss zeigen, dass es solche bibelexklusiven Auswirkungen auf Gläubige gibt und warum die psychologische Deutung diese nicht befriedigend erklären kann oder können wird. Wer Psychologie und/oder Empirie schon in der Prämisse nicht anerkennt, der kann sich das natürlich sparen, im Gegenzug aber auch nicht die Auswirkungen anderer religiöser Systeme auf ihre Gläubigen erklären, ohne sehr, sehr weit auszuholen und Prämissen zu bemühen, die sich eigentlich erst aus dem ergäben, was er zu beweisen sucht (womit wir dann doch wieder bei der Tautologie wären). Außerdem wäre es für jeden Menschen, der täglich intentional mit der physikalischen Welt interagiert (der also zum Beispiel isst oder sich fortbewegt), sehr inkonsistent, die Empirie als Erkenntnismethode prinzipiell abzulehnen, und wer die Empirie anerkennt, der kann auch sehen, dass viele der psychologischen Theorien sich empirisch bewährt haben. Kurz: es liegt für die meisten Menschen (sogar für die meisten Christen) einfach nahe, die erwähnten Glaubenseffekte erst einmal psychologisch zu deuten zu versuchen. Der "leap of faith" ist dabei sehr viel kleiner/kürzer als bei der Hypothese, diese Effekte entsprängen einer (unterstellten) Wahrheit des Glaubensinhalts.
Prinzipiell hast du natürlich Recht, jeder glaubt, was er will. Man kann jede Prämisse in Zweifel ziehen, wenn man möchte. Man kann sogar die Logik (die letztlich auf unbegründeten Axiomen basiert) verwerfen. Die Frage ist halt nur, was man davon hat. Ich sage: der Mensch neigt als mit Sinnen und Verstand ausgestattes Wesen per "default" zu Beobachtung und Induktion, also zu einem naiven Empirismus, weil die (Um-)Welt sich ihm einfach primär als Sinneserfahrung erkenntlich macht. Und die Methode hat sich prinzipiell auch sehr bewährt, sonst hätte der Mensch sich wohl schlecht eine solche Vormachtstellung unter den Lebewesen erkämpfen können (ob man das gut findet, ist eine andere Frage). Natürlich fällt im Rahmen einer solch primitiven Theoriebildung allerlei Unsinn an, der sich bei späterer Überprüfung als falsch erweist. Um das möglichst auszuschließen, ist das Verfahren von vielen klugen Menschen immer weiter verfeinert worden. Ausgehend von der Alltagserfahrung hat sich die empirisch-wissenschaftliche Methode etabliert, und mit Ausnahme einiger weniger elitärer Philosophieprofessoren nutzt auch jeder Mensch alltäglich eine etwas abgespeckte Version dieser Methode. Deshalb können wir überhaupt sinnvoll miteinander diskutieren: weil wir über einen gemeinsamen Fundus an Prämissen verfügen, die sich im Wesentlichen aus Erfahrungswerten speisen.
Nun kommst du mit einer Behauptung an, die nicht unmittelbar für mich erkenntlich aus unseren gemeinsamen Prämissen folgt. Ich habe jedes Recht, diese Behauptung von der Hand zu weisen, wenn du mir nicht entweder die Folgerung aufzeigst oder begründest, warum das Einführen einer weiteren Prämisse sinnvoll ist. Wenn ich nach einer möglichst simplen, überschaubaren Theorie mit maximalem Erklärungswert (oder, pathetischer formuliert, nach "der Wahrheit" ) suche, muss ich deine Behauptung mangels Belegen sogar zurückweisen. Beachte bitte, dass ich keine Gegenbehauptung aufstelle, denn ich bin Agnostiker und nicht positiver Atheist. Meine Aussagen über deine Behauptung sind lediglich formaler Natur und sagen nur aus, dass du mir den Beleg noch schuldig bist.
Interessant finde ich allerdings, dass gerade du als Christ den Relativismus jeder Erkenntnis ansprichst, denn im Grunde genommen entziehst du der Bibel damit den absoluten Wahrheitsanspruch und deinem Glauben die Grundlage.
Und noch eine kleine Pedanterie zum Abschluss: "Beweise" sind nicht immer überzeugend. Beispiel:
(P1) Jacques hat ein Hausboot.
(P2) Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
(F) Martin Luther ist eine graue Katze.
An solchen Beispielen sieht man sehr schön, dass Beweise nur dann überzeugen können, wenn die Folgerung irgendetwas mit den Prämissen zu tun hat.

Gysi Offline

Atheist


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29.11.2005 20:20
#16 @ Bauchtanzkaiser antworten
Die Gefahr der Erhöhung von Gesetzen zu einer (Gesetzes)Religion muss aufgezeigt werden. Denn Gesetze dienen nicht Gott, sie dienen den Menschen. Und wer kann sie besser kontrollieren als der Mensch selbst. Von daher brauchen wir die Generalkritik an der Religion. Außerdem baut der Islam nicht nur auf das Judentun, dem AT, sondern auch auf die Offenbarung des NT auf. Ohne diese Quellen gäbe es den Islam nicht. Aber du kannst das Christentum nicht für die Gewaltsuren verantwortlich machen, die den Muslimen das Töten Ungläubiger nahelegt, wenn die den Islam angreifen - was immer ein "Angriff" ist, das ist nicht deutlich beschrieben, also bestimmt das der Gläubige selbst! Das muss in eine weltweite Diskussion gebracht werden! Und eben diese Diskussion ist von Muslimen nicht nur nicht erwünscht, sondern wird - auch mit koranisch abgesegneter Mordabsicht - verfolgt! Daher bin ich für einen Verbot des Korans als Lehrbuch für Kinder auf europäischem Boden! Ich bin auch gegen die Bibel als Lehrbuch für Kinder. Sie hat aber mehr einen geschichtlichen Wert als der Koran, der nur das Propagandabuch eines Kriegers war. Die Bibel ist hingegen über 1100 Jahre geschrieben worden. Deswegen hat sie keinen höheren Wahrheitswert, wenn man sie tatsächlich wörtlich nehmen will. Man muss sie schon richtig interpretieren und von eingeschobenen Unwahrheiten bereinigen können.

Gysi
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Bauchtanzkaiser Offline

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29.11.2005 20:31
#17 RE: @ Bauchtanzkaiser antworten

Volle Zustimmung von mir (ich sag' ja, wir sind uns eigentlich einig), bis auf die kleine Korrektur, dass ich dem Christentum nie die "Schuld" am Islam zugeschoben habe.

Gysi Offline

Atheist


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29.11.2005 22:17
#18  @ Bauchtanzkaiser antworten
Na, dann is ja jut.
Die Frage ist nur, wie vorgehen, ohne dass uns irgendwann die halbe Welt um die Ohren fliegt?
Oder ohne, dass wir uns dem Islam "islamisieren" - d.h.: ergeben...
Die Christen reiben sich die Hände, weil der Islam den Fokus aller Religionskritik aufgrund ihrer Aktivitäten auf sich zieht - unnd ihre Religion wie das gut verträgliche kleiner Übel ausschen lässt.

Gysi
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OPA Offline



Beiträge: 385

30.11.2005 18:22
#19 RE: @ Bauchtanzkaiser antworten

Was auch stimmt.
Der Islam ist momentan die größte Gefahr für diese Welt - entsprechend gehört er behandelt.

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 5.475

01.12.2005 12:43
#20 RE: @ Bauchtanzkaiser antworten

Die größte Gefahr ist die Intoleranz und das Unvermögen von Menschen, Andersdenkende zu respektieren und gemeinsam eine Gesellschaft zu bilden...
Das ist nicht nur momentan so, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte...

Also packen wirs an...


De nihilo nihil (lukrez)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.092

01.12.2005 13:44
#21 Toleranz antworten

Das mit der Toleranz ist aber so ein Ding: Den intoleranten Ideologien kann keine Toleranz gewährt werden, wenn wir den Raum, den Toleranz braucht, nicht abschnüren wollen.

Gysi
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Bauchtanzkaiser Offline

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Beiträge: 206

01.12.2005 14:02
#22 RE: Toleranz antworten

Exakt. Toleranz ist gegenüber Lehren, die sich als absolute und einzige Wahrheit verstehen, nicht immer angebracht, weil deren Anhänger konsistenterweise selbst keine Toleranz aufbringen (dürfen). Insbesondere gilt das für paranoide Fundamentalismen, in denen jeder Dissens als absichtliche, durch dämonische Widersacher hervorgerufende Lüge gilt und/oder mit dem Entzug von Rechten oder gar dem Tode bestraft wird. Eben deshalb spreche ich mich ja so vehement gegen den "Glauben" aus, allerdings nicht im Sinne von "vermuten", denn das wäre absurd, sondern im Sinne von "für unumstößlich wahr halten". Ohne ein gesundes Maß an Erkenntnisrelativismus bei allen Beteiligten muss das Projekt "Toleranz" früher oder später scheitern.

(Dieser Beitrag ist eigentlich als Antwort auf SnookerRIs letzten Beitrag gedacht, aber ich wollte Gysis Antwort mit aufgreifen, deshalb steht er darunter).

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