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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 843 mal aufgerufen
 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
qilin Offline




Beiträge: 3.552

01.10.2007 17:58
Gott und Götter im Buddhismus antworten
Zum thread 'War Buddha ein Atheist' hier noch die Quelle - die von Salihin angegebene ist nicht mehr vhd., und scheint auch eine
eher zweifelhafte Übersetzung gewesen zu sein, nach den Zitaten zu schließen... (Die von ihm angegebene Übersetzung ins
Englische von Rhys-Davids ist hier zu finden). Wenn man sich die Mühe nehmen will, die Aussagen im eher altväterlichen Deutsch
von K.E. Neumann geduldig aufzudröseln, sieht man deutlich wie sie gemeint sind.

Hier zum Vergleich zwei Stellen, aus denen ziemlich klar hervorgeht dass der Buddha es mit einem Schöpfergott nicht sehr hatte -
aber ebensowenig mit den Nachwirkungen von früheren Leben oder einer Lehre des bloßen Zufalls...
http://www.palikanon.com/angutt/a03_062-066.html und [http://www.palikanon.com/digha/d24_2.htm]

Eine umfassende und fundierte Übersicht über buddhistische 'Götterwelten' von einem intimen Kenner der Materie ist vor einigen
Jahren in einer Tibet-Zeitschrift erschienen. Über die 'Wirklichkeit' solcher Konstruktionen lässt sich natürlich endlos streiten...
Andererseits heißt es im Buddhismus nie "Es gibt keine Götter", sondern die werden immer wieder in der Lehre 'verwendet' - wie o.a.
auch manchmal auf eher ironische Weise. - es 'darf' also jeder Buddhist so viele Götter verehren wie er lustig ist, nur - nach der
klassischen Lehre bringt's nicht viel
... - nach ostasiatischer Auffassung zeugt es auch von einer bedenklichen Scheuklappen-
mentalität, nur einer Religion zu folgen - in Japan z.B. gehört's zum guten Ton, z.B. die Geburt eines Kindes nach den Riten des
Shinto zu feiern, christlich in einer Kirche zu heiraten, und sich buddhistisch bestatten zu lassen... Wenn gaijin (langnasige Barbaren,
westliche Ausländer) sich zu dieser Haltung bequemen, zeigt das immerhin, dass sogar die einer gewissen Kultur fähig sind...

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Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 16.064

01.10.2007 19:11
#2 Gott und Götter im Buddhismus antworten
Im Buddhismus haben die Götter aber nicht die Stellung wie in den monotheistiswchen Religionen. Sie sind nicht das Endziel, und sie können auch sterben. Sie haben über die Menschen nicht die Gewalt wie Jahwe, Gott oder Allah. Keiner von denen ist der Schöpfergott und der strafende Gott. Liege ich da richtig? Das Endziel ist das Nirwana. Die Last, die du zu tragen hast, bestimmt kein Gott, sondern dein Karma.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

89 ( Gast )
Beiträge:

01.10.2007 19:52
#3 RE: Gott und Götter im Buddhismus antworten

Zitat von Gysi
Die Last, die du zu tragen hast, bestimmt kein Gott, sondern dein Karma.
...und damit du selbst, so habe ich's verstanden.
Bestimmung über dich erlangst du nur durch dich.
In Antwort auf:
Andererseits heißt es im Buddhismus nie "Es gibt keine Götter", sondern die werden immer wieder in der Lehre 'verwendet'
Somit sind sie dann oft Mittel zum Zweck.
In Antwort auf:
Wenn gaijin (langnasige Barbaren,
westliche Ausländer) sich zu dieser Haltung bequemen, zeigt das immerhin, dass sogar die einer gewissen Kultur fähig sind...
Ich weiß allerdings nicht, was dieser Mix unbedingt mit 'kulturellen Verhalten' oder Kultur ansich zu tun hat.....wenn man 'n Multi-Kulti-Fan ist, vielleicht, oder ein Multi-Reli-Fan....aber ansonsten könnte man auch ganz andere Schlüsse ziehen.

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 16.064

01.10.2007 19:58
#4 Gott und Götter im Buddhismus antworten

In Antwort auf:
...und damit du selbst, so habe ich's verstanden.
Bestimmung über dich erlangst du nur durch dich.
Durch dich selbst und das Paket deiner Umwelteinflüsse. Und der ganzen Kette deiner Vorleben. Nach der Lehre.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

02.10.2007 09:50
#5 RE: Gott und Götter im Buddhismus antworten

In Antwort auf:
Im Buddhismus haben die Götter aber nicht die Stellung wie in den monotheistiswchen Religionen. Sie sind nicht das Endziel, und sie können auch sterben. Sie haben über die Menschen nicht die Gewalt wie Jahwe, Gott oder Allah. Keiner von denen ist der Schöpfergott und der strafende Gott. Liege ich da richtig? Das Endziel ist das Nirwana. Die Last, die du zu tragen hast, bestimmt kein Gott, sondern dein Karma.
In Antwort auf:
...und damit du selbst, so habe ich's verstanden.
Bestimmung über dich erlangst du nur durch dich.
Durch dich selbst und das Paket deiner Umwelteinflüsse. Und der ganzen Kette deiner Vorleben. Nach der Lehre.
Das ist richtig - auch dass die Götter als Lehrexempel (und nicht immer positiv)
herhalten müssen - allerdings ist die 'Kette der Vorleben' ebenfalls nicht
unbedingt wortwörtlich zu nehmen - wie man auch in dem einen angegebenen
Textlink recht deutlich sieht. Anatta [Nicht-Ich] ist eine der 'Grundwahrheiten'
des Buddhismus - und wenn jetzt kein Ich existiert, dann hat dieses auch keine
Vor- oder Nachleben...


In Antwort auf:
In Antwort auf:
Wenn gaijin (langnasige Barbaren, westliche Ausländer) sich zu dieser Haltung bequemen, zeigt das immerhin, dass sogar die einer gewissen Kultur fähig sind...
Ich weiß allerdings nicht, was dieser Mix unbedingt mit 'kulturellen Verhalten' oder Kultur ansich zu tun hat.....wenn man 'n Multi-Kulti-Fan ist, vielleicht, oder ein Multi-Reli-Fan....aber ansonsten könnte man auch ganz andere Schlüsse ziehen.
Das war ein (Japanern in den Mund gelegtes) Bonmot; worauf es mir ankommt -
dass für Asiaten Religion nicht eine Sache von absoluter Ausschließlichkeit ist
wie in den abrahamitischen Religionen - sie sehen eine Religion als einen Zugang
zum [an sich unzugänglichen] Absoluten an, und wenn man einen zweiten oder
dritten
Zugang hat, dann ist das eher positiv zu werten. Westliche Fromme
haben mit diesem Standpunkt meist Probleme, was wohl mit der [von ihm ja
zugegebenen] Eifersucht ihres Gottes zu tun hat... - es gibt aber immerhin
Ausnahmen

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

02.10.2007 10:10
#6 RE: Gott und Götter im Buddhismus antworten
Eine Frage qilin,

leider scheint auch der Buddhismus gewisse Zöpfe aus anderen Religionen oder Traditioen übernommen zu haben. Wie begründet man die Diskriminierung der Frau in einer Lehre, die ja betont, dass jedem das Erreichen der Erkenntnis möglich sei?


Letzteres ist ein besonders aktuelles Thema, das auch während des Dalai-Lama-Besuchs eine wichtige Rolle spielen wird. Denn vom 18.-20. 7. findet ein federführend von der Hamburger Religionswissenschaftlerin und buddhistischen Nonne Carola Roloff organisierter Kongress statt, bei dem es um die Rolle der Frau im Buddhismus gehen wird. Bisher haben buddhistische Nonnen in vielen Ländern noch immer keinen Anspruch auf die volle Ordination. Daher bleiben ihnen auch viele Berufe verschlossen, etwa Tätigkeiten als Lehrerinnen und buddhistische Meisterinnen.

http://www.abendblatt.de/daten/2007/05/29/747297.html

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*Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen. Der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt. (Johann Heinrich Pestalozzi 1746-1827)*

qilin Offline




Beiträge: 3.552

02.10.2007 10:51
#7 RE: Gott und Götter im Buddhismus antworten
Hallo Fenris,
In Antwort auf:
leider scheint auch der Buddhismus gewisse Zöpfe aus anderen Religionen oder Traditioen übernommen zu haben.
Wie begründet man die Diskriminierung der Frau in einer Lehre, die ja betont, dass jedem das Erreichen der Erkenntnis
möglich sei?
hm, das stimmt - leider - nicht so ganz. Die Aussagen des Buddha in diesem Punkt sind sind eher widersprüchlich und nach
heutigen Begriffen manchmal zweifellos sexistisch. Wäre er allerdings so erleuchtet gewesen, dass er bereits vor 2.500
Jahren den heutigen Begriff von Emanzipation vorweggenommen hätte, wäre ihm wohl kaum Erfolg beschieden gewesen
Das Problem 'Frauen im Buddhismus' ist zweifellos ein ganz zentrales in der heutigen Zeit...


In Antwort auf:
Bisher haben buddhistische Nonnen in vielen Ländern noch immer keinen Anspruch auf die volle Ordination. Daher
bleiben ihnen auch viele Berufe verschlossen, etwa Tätigkeiten als Lehrerinnen und buddhistische Meisterinnen.
Das ist allerdings auch wieder Unfug - 'Lehrerin' und 'Meisterin' haben nichts mit der Ordination als Nonne zu tun,
und wo Buddhistinnen keine volle Ordination erhalten können, ist das nicht 'noch immer nicht', sondern 'nicht mehr'
und hat historische Gründe. Zu einer gültigen Nonnenordination braucht's 11 ordinierte Zeuginnen, und Nonnenorden
des Theravada sind irgendwann im Mittelalter mal ausgestorben, und deswegen gab's keine Zeuginnen mehr...

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() qilin

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

03.10.2007 13:20
#8 RE: Gott und Götter im Buddhismus antworten

Zitat von qilin
und Nonnenorden des Theravada sind irgendwann im Mittelalter mal ausgestorben,


und wurden und werden wieder zum Leben erweckt, wie es scheint. http://www.buddhanetz.org/projekte/bhikkhuni.htm

In Antwort auf:
Das Problem 'Frauen im Buddhismus' ist zweifellos ein ganz zentrales in der heutigen Zeit...


wer oder was behindert denn die "Emanzipation" dieser Frauen, die Lehre, die Tradition oder beides? Welche Interessen werden damit vertreten? Ich habe etwas Mühe, die Lehren des Buddhismus mit der Traditionsverhaftung der grossen Religionen in Verbindung zu bringen. Das diese an ihren antiken Weltbildern kleben hat auch mit Macht zu tun, dass aber gerade der Buddhismus solche Verständnisse heute noch mitträgt ist, nun für den Laien zumindest erstaunlich.





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qilin Offline




Beiträge: 3.552

03.10.2007 14:08
#9 RE: Gott und Götter im Buddhismus antworten
Hallo Fenris,
In Antwort auf:
und wurden und werden wieder zum Leben erweckt, wie es scheint. http://www.buddhanetz.org/projekte/bhikkhuni.htm
im Prinzip ja - das Problem dabei ist, dass manche asiatischen 'Machthaber' im Theravada eine Ordination in einer
anderen Schule nicht anerkennen, die Zeuginnen eben nicht als 'Nonnen' anerkannt werden... Dass 'der Damm
gebrochen ist' wie Franz-Johannes schreibt, gilt für die Mehrheit des Weltbuddhismus, aber eben nicht für Alle


In Antwort auf:
wer oder was behindert denn die "Emanzipation" dieser Frauen, die Lehre, die Tradition oder beides? Welche Interessen werden damit vertreten?
Natürlich die der Männer; die Familienstruktur ist in Asien noch sehr viel patriarchalischer als bei uns, und viele
Männer [gerade auch manche älteren Mönche] wollen das um jeden Preis verteidigen. Allerdings wirkt sich die
Emanzipation im Westen auch in Asien zunehmend aus - zumindest in den stärker industrialisierten Ländern -
dagegen opponieren wohl hauptsächlich 'Fundamentalisten', für die jedes Wort des Palikanon sakrosankt und
unzweifelhafte Wahrheit ist - und dort stehen eben auch [nach heutigen und westlichen Begriffen] recht
misogyne Aussagen...
Unter westlichen Buddhisten ist das i.A. kein Problem - vgl. auch hier - diese Geschichte hat Sylvia
in Gegenwart des Dalai Lama vorgetragen - der soll recht beeindruckt gewesen sein...

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() qilin

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