Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

Der substanzielle  Dialog
 
"Je suis Charlie!"
Für Säkularismus und Religionskritik!


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 31 Antworten
und wurde 4.817 mal aufgerufen
 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
Seiten 1 | 2
emma Offline



Beiträge: 13

18.10.2007 13:00
Buddhismus und Hinduismus antworten

Hallo Leute! =)

Also ich habe gerade ein Problem, ich habe die Aufgabe, mir zwei Religionen auszusuchen und deren Gottesvorstellungen zu vergleichen. Ich habe mich für den Buddhismus und den Hinduismus entschieden. Meine Frage ist nun, ist der Hinduismus eine polytheistische Religion oder nicht?!? Also bisher dachte ich ja immer ja. Aber dann habe ich jetzt auf einigen Seiten gelesen, dass nicht. Jetzt habe ich wieder eine Seite gefunden, auf der steht dass doch! Also ich weiß jetzt nicht weiter...

hier eine Seite auf der steht dass es keine polytheistische ist:
http://www.hinduismus-religion.de

... Dennoch ist der Hinduismus nicht als Polytheismus zu verstehen, denn über allen Göttern steht das oder der Eine, auch ES genannt. Die verschiedenen Götter sind für den Hindu nur Symbole verschiedener Eigenschaften und Aspekte des Göttlichen...

hier eine Seite auf der steht, dass es eine polytheistische Religion ist:
http://www.planetsenior.de

...Der Hinduismus ist eine polytheistische Religion, das bedeutet mehrere unterschiedliche Götter werden verehrt...



Wäre lieb wenn mir einer helfen könnte!
Außerdem sollen wir die Gottesvorstellungen vergleichen, und dann erklären, in wie weit die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von den Erwartungen der Menschen abhängen. Bin bis jetzt noch nicht dazu gekommen, über die Aufgabe groß nachzudenken, aber ich denk mal, dass ich da dann vielleicht auch noch mal Hilfe gebrauchen könnte

Also liebe Grüße!
emma

mum1 Offline

T'ien-shen-mu

Beiträge: 2.323

18.10.2007 13:13
#2 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Hallo Emma,

guck mal hier rein, da haben wir das vor kurzem Thematisiert: http://www.religionsforum-wogeheichhin.d...ligionsmix.html

emma Offline



Beiträge: 13

18.10.2007 13:31
#3 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Also-, ähm, also ehrlich gesagt hat mir das was da so steht nicht wirklich weitergeholfen...?
lg
emma

qilin Offline




Beiträge: 3.552

18.10.2007 13:35
#4 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten
Hallo Emma -

auweia, da hast Du Dir ja was ziemlich Kompliziertes ausgesucht

Der Hinduismus ist ein immens weites System, in dem sowohl Monotheismus als auch
Polytheismus Platz haben, ja es gibt sogar zumindest eine atheistische Sekte...
und keine dieser Sekten kann für den ganzen Hinduismus sprechen - dieser wird
definiert durch die Gesamtheit der ihn konstituierenden Sekten; auch wenn das von
einigen davon bestritten wird - am nachdrücklichsten von der ISKCON, einem
Ableger der im 16. Jh. entstandenen Gaudiya-Vaishnava-Bewegung.

Im Buddhismus ist's etwas einfacher - der Buddha hat die Hindu-Götter einfach in
sein System eingebaut, verwendete sie aber eher rhetorisch symbolhaft, und hat
auch keine Verehrung dieser Götter vorgeschrieben. Später, im Mahayana- und mehr
noch im Vajrayana-Buddhismus wurden div. historische und nichthistorische Gestalten
als 'Götter' imaginiert und werden im 'Volksbuddhismus' auch bis heute verehrt.

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

89 ( Gast )
Beiträge:

18.10.2007 13:35
#5 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Hallo Emma,

"Entgegen dem ersten Anschein ist der Hinduismus keine polytheistische Religion. Die westliche Religionswissenschaft und die Indologie bezeichnet ihn als Henotheismus, da alle Götter – je nach individueller Glaubensausrichtung – Ausdruck des einen höchsten persönlichen Gottes oder auch der unpersönlichen Weltseele (Brahman) sein können." (wikipedia)

http://www.buddhayana-ev.de/inhalte/text...-buddhismus.htm

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.128

18.10.2007 13:45
#6  Buddhismus und Hinduismus antworten
Also, ich würde es ja mal über Wikipedia versuchen.

Der Hinduismus ist eine klassische polytheistische Religion. Auch wenn die so einen Obergott haben - Vishnu oder was weiß ich - so haben sie doch mehrere Götter. Der Buddhismus ist die Religion ohne Gott. Nirwana heißt da das Hauptziel => "die erloschene Flamme" - also der Tod. Leben ist Leiden, der Wiedereintritt in die Geburtenkette ist eine Strafe, das Nirwana der Lohn... Etwas anders als im Christentum. Das ist meine Sichtweise, andere mögen das anders sehen. Götter haben die Buddhisten wohl auch, aber die haben bei Weitem nicht die Stellung wie in den anderen Religionen. Auch sie werden geboren und können sterben und haben keine Allmacht. Das Karma ist es, das dein Leben bestimmt.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

89 ( Gast )
Beiträge:

18.10.2007 13:48
#7 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten
Zitat von Gysi
Also, ich würde es ja mal über Wikipedia versuchen.
Der Hinduismus ist eine klassische polytheistische Religion.
Mein unteres Zitat ist aus Wikipedia und da steht genau das Gegenteil.

Ist es vielleicht doch Wikiblödia?

http://de.wikipedia.org/wiki/Hinduismus
emma Offline



Beiträge: 13

18.10.2007 15:03
#8 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

hey! vielen dank für die vielen antworten!
aber ich glaube, dass am treffendsten ist, dass der Hinduismus eine henotheistische Religion ist.
Hatte bei Wikipedia auch schon geguckt.. aber nicht alles gelesen...

So, jetzt komm ich zur zweiten Frage, was sind denn die Erwartungen der Menschen an die Götter?
Beim Buddhismus fällt mir nur eins ein. Sowohl Buddha als auch die Bodhisattvas werden von den Menschen als "Lehrer" gesehen, welche ihnen mit Rat und Tat, wie ich gelesen habe, helfen, das Nirvana zu erreichen. Andererseits ist der Mensch ja auf diesem Weg auf sich selbst gestellt, muss diesen Weg aus eigener Kraft herausgehen und gelangt durch immer mehr Wissen immer näher an das Nirvana heran.

@ qilin: du sagst, Buddha hat die Hindu-Götter in sein System mit eingebaut? Hab ich noch nirgendwo gelesen.. aha, hm.. ich wusste bis jetzt nur dass Buddha und die Bodhisattvas wie Götter verehrt werden.. In wiefern hat Buddha sie denn symbolisch in sein System eingebaut? Was für eine Bedeutung haben sie denn für die Buddhisten?

Für mich erscheinen Hinduismus und Buddhismus ja immer ähnlicher^^ was ist denn nun eigentlich der gravierende Unterschied zwischen den beiden Religionen?

Beim Hinduismus wird ja nun durch die Verehrung verschiedener Götter, das höchst göttliche Eineangebetet. Hab auch gelesen, dass Brahma, Vishnu und Shiva irdische Gestalt annehmen können und dem Menschen bei seiner Existenz helfen aber auch zerstören können.
Ist dann eine Erwartung an die Götter, dass sie ihnen bei ihrer Existenz helfen?

So, das wars jetzt erst mal… aber mir fallen bestimmt noch ehr Fragen ein ;-)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

18.10.2007 16:22
#9 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Hallo Emma,

das mit dem 'Henotheismus' wird wohl für die meisten Gruppierungen zutreffen -
aber die meisten 'einfachen' Hindus verehren eben 'ihren' Gott; auch bei Gelehrten
und Weisen findet man die Verehrung einer (oder fallweise auch keiner) Gottheit
manchmal so ausgeprägt, dass man nur mit sehr viel Phantasie sagen kann, der
Betreffende sehe in dieser Gottheit 'nur eine Verkörperung' des Absoluten - etwa
bei dem von mir sehr geschätzten Ramakrishna...
Ebenso vielfältig sind wohl die Erwartungen - ein Bauer, der zu Vishnu um Regen
betet, hat eine andere Erwartung als Ramakrishna, der die 'Mutter Kali' verehrte,
die uns Westlern meist völlig unverständlich, oder abstoßend grausam erscheint -
und der wieder eine andere als ein Anhänger der (unpersönlichen) advaita...

Beim 'Einbauen' der Hindu-Götter in den Buddhismus habe ich primär an die
Geschichte aus der ersten vom Buddha gehaltenen Lehrrede gedacht, wo es
heißt, er hätte seine Erkenntnis als 'zu schwierig für die Menschen' für sich
behalten wollen, sei aber dann vom [hinduistischen] Götterkönig Brahma
überredet worden, es doch zu versuchen...
Beim Suchen nach dieser Stelle ist mir aber eine andere untergekommen, die
wohl noch interessanter für Dich sein dürfte - da begibt sich 'der Erhabene' zu
Brahma in den Götterhimmel und diskutiert dort dessen falschen Ansichten...

Von vielen Hinduisten wird der Buddhismus als 'hinduistische Sekte' gesehen,
also in der Praxis ist der Unterschied wohl nicht sehr groß - aber im Prinzip
unterscheidet die beiden Religionen wohl hauptsächlich die Auffassung von
'Seele' - im Hinduismus wird das atman, das Ich, von einer Reinkarnation zur
nächsten 'weitergereicht', bis es im brahman aufgeht. Im Buddhismus wird das
Vorhandensein eines atman überhaupt bestritten - schon zu seinen Lebzeiten
wurde der Buddha von seinen hinduistischen Zeitgenossen anattavadin -
'einer, der den Weg des Nicht-Ich geht' genannt.

Den von 89 genannten link kann ich Dir nur empfehlen - da findest Du viel Info
von einem ausgewiesenen Fachmann...

In Antwort auf:
muss diesen Weg aus eigener Kraft herausgehen und gelangt durch immer mehr Wissen immer näher an das Nirvana heran.
Da möchte ich doch einen kleinen aber nicht unwichtigen Einwand bringen - nirvana
erreicht man durch Erkenntnis und Auflösen von 'karmischen Verwicklungen' - aber
das ist nicht unbedingt identisch mit einem Ansammeln von Wissen - ebenso wie im
Christentum ein Universitätsprofessor keine besseren Chancen auf den Himmel hat
als ein Müllmann

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

emma Offline



Beiträge: 13

18.10.2007 17:53
#10 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Nunja, ich muss mich ja nun entscheiden, was ich schreibe^^ kann man es dann einfach so sagen, dass der Hinduismus rein theoretisch gesehen eine henotheistische Religion ist, praktisch jedoch die Verehrung der Devas von den Hindus so ausgeprägt ist, dass der Hinduismus teils auch als polytheistisch bezeichnet werden kann?!?

Die Erwartungen im Hinduismus hängen also davon ab, welchen bzw. welche Götter der Hindu verehrt? Da ich mich kaum auskenne, wäre es möglich dass du mir noch ein paar Beispiele nennst? =) möglichst einfache… ;-)

Und ist meine Vermutung bezüglich der Erwartung der Buddhisten an ihren „Gott“ richtig?

Dann ist mir die Bedeutung der Hindu-Götter für den Buddhismus jetzt leider noch nicht klar…

Inwieweit unterscheiden sich denn aber nun die Gottesvorstellungen der Religionen?

Und was das mit dem „Wissen“ angeht, das hab ich von hier:
http://www.buddhismus-religion.de/

Man, man, wenn ich gewusst hätte dass das bei den beiden Religionen so verzwickt ist, hätte ich wohl was anderes nehmen sollen… aber jetzt hab ich mich schon soviel damit befasst, neu anfangen wäre sehr doof, und jetzt wo ich schon merk, dass ich es nicht weiß, will ich es auch wissen ;-) Also sorry wegen der vielen Fragerei…

emma

qilin Offline




Beiträge: 3.552

19.10.2007 10:06
#11 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Hallo Emma,

nun ja, wie Du es schreibst kann und will ich Dir nicht vorschreiben -
aber das scheint mir schon so ungefähr hinzukommen. Meine Meinung ist
wie gesagt, dass alle diese Formen (und mehr) im Hinduismus Platz haben.

Die Erwartungen hängen wohl weniger von den jeweils verehrten Göttern ab
als vom geistigen Hintergrund des Gläubigen. Wie schon gesagt, ich schätze
den (völlig gewaltfreien) Ramakrishna sehr - die von ihm verehrte Göttin Kali
ist mir aber ziemlich suspekt - im 18. und 19. Jahrhundert haben irgendwelche
fanatischen Kali-Sekten entsetzliche Blutbäder angerichtet - auch aus
religiösen Motiven - man kann eben Beides 'rauslesen, und das ist bei so
ziemlich allen Hindu-Göttern so...

Also von den Hindu-Göttern ist im Palikanon sehr häufig die Rede, sie werden
aber eben als 'Chiffren' verwendet und nicht verehrt; und im späteren
Buddhismus erlischt ihre Bedeutung fast völlig. 'Götter' werden hier bewusst
als Bilder betrachtet und nicht als tatsächliche Wesenheiten. Im Hinduismus
ist das völlig anders - die Götter existieren ganz konkret und manifestieren
sich auch immer wieder auf menschlicher Ebene - als avatar, der dann evtl.
auch im Nachhinein wieder als Gott verehrt wird (wie z.B. Krishna, der von
den 'Krishna-Mönchen' als absoluter Gott à la JHWH verstanden wird).

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

emma Offline



Beiträge: 13

19.10.2007 12:45
#12 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Danke, du hast mir schon mal sehr geholfen…
Du hast gesagt, dass man im Hinduismus im Prinzip alle Form finden kann, auch Monothismus, wie kann ich mir das denn da vorstellen? Verehrt der Hindu da nur einen dieser vielen Götter? Oder nur das höchste göttliche Eine?

Nunja, ich dachte dass die Erwartungen des Hindus an die von ihm verehrenden Götter schon von den Göttern jeweils selbst abhängen, denn es gibt doch die verschiedenen Götter… z.B. Agni für das Feuer, Indra für Gewitter und Regen oder Surya für die Sonne und viele Götter für Zerstörung und Wiederaufbau?! Und der Hindu wählt dann die für ihn bedeutendsten Götter…?!?
Und wenn man jetzt z.B. den Ramakrishna verehrt, der wie du sagst gegen Gewalt ist, ist dann die Erwartung an diesen Gott, dass ganz einfach Frieden ist bzw. Probleme ohne Gewalt gelöst werden…?

Hm, was sind denn „Chiffren“? Wenn die Hindu- Götter im Buddhismus gar nicht angebetet werden, wozu sind sie dann da? "werden symbolisch verwendet"- und wofür? =)

lg und ganz liebes DANKE =)
emma

qilin Offline




Beiträge: 3.552

19.10.2007 13:42
#13 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten
Hallo Emma,

ja, was z.B. die 'Hare Krishna's machen, ist reiner Monotheismus - Krishna ist
der allmächtige Schöpfer, und alle 'anderen' Götter sind bestenfalls bloße
Erscheinungsformen von ihm. Der Hinduismus hat auch historisch viele sehr
verschiedene Formen durchlaufen - ein ursprünglich wahrscheinlich von den
eingewanderten arya mitgebrachter 'Hochgott' [frühester eruierbarer Name
dhyaus pitar (vgl. zeus patér und iupiter)] hat sich mit den indigenen Göttern
'arrangiert', später kamen andere Götter dazu, dann das unpersönliche brahman,
das als Grundlage aller Götter gesehen wurde - diese Auffassungen haben aber
einander nicht abgelöst, sondern sind alle nebeneinander erhalten geblieben...
Nein, i.A. wählt der Hindu nicht den für ihn 'passendsten' Gott aus, sondern
bleibt in der Tradition, in die er hineingeboren wurde - wie auch Ramakrishna
- der natürlich kein Gott war, sondern ein Verehrer der Kali - er betont aber
dann eben andere Aspekte dieser Gottheit. Das ist ja ein gutes Beispiel -
Kali steht für die meisten Hindus als Gottheit des Todes und der Zerstörung -
Ramakrishna hat eben nur ihren mütterlichen Aspekt gesehen...

Die hinduistischen, wie Götter überhaupt, werden im Buddhismus (außer im
einfachen 'Volksbuddhismus') tatsächlich nicht verehrt, sondern als Symbole
und Personifikationen für 'göttliche Eigenschaften' verwendet - in den vier
brahma-vihāra ist sogar noch der Name 'Brahma' vorhanden - mettā
[Freundlichkeit], karunā [Mitgefühl], muditā [Mitfreude] und upekkhā
[Gleichmut]. Solche Symbole lassen sich auch gut als Themen für die
Meditation verwenden - man stellt sich eben 'das Mitgefühl' personifiziert
vor - das wäre der Bodhisattva Avalokiteśvara - dann ist es nicht mehr
weit hin, den als historische Persönlichkeit zu sehen (und im tibetischen
Buddhismus reinkarniert er auch immer wieder - als Dalai Lama...)
Ähnlich ist's bei vielen 'Gottheiten' - auch wenn sie gerade keine
menschliche Erscheinungsweise besitzen sollten

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

kereng Offline




Beiträge: 310

19.10.2007 18:11
#14 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Hallo emma,

ich kann zwar nichts über die "normalen indischen" Hindus sagen aber etwas über die Balinesen.

Im größtenteils islamischen Indonesien sind sie gezwungen, an einen Gott zu glauben, was ihnen nicht besonders unangenehm ist, weil sie ja ohnehin an das Brahman glauben, das über den Einzelgöttern steht. Weil dieses aber zu unpersönlich ist, nahmen sie als höchsten Gott den ansonsten unbekannten Widi.

Die Gebete und Opfer dienen zur Besänftigung und zur Aufrechterhaltung der Harmonie. Ein festgelegtes System von Ritualen und Feiertagen sorgt dafür, dass keiner zu kurz kommt. Neben den drei Hauptgöttern, für die in vielen Tempeln drei leere steinerne Sitze bereitstehen, sind das auch Meeres- und Berggötter und lokale Gottheiten, aber auch Dämonen oder böse Geister.

emma Offline



Beiträge: 13

19.10.2007 18:14
#15 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Toll =) jetzt bin ich wieder ein Stück weiter
Aber das heißt noch lange nicht, dass ich keine Fragen mehr habe

... nicht verehrt, sondern als Symbole und Personifikationen für 'göttliche Eigenschaften' verwendet...
schön, aber wozu? Man glaub doch im Buddhismus an keine Götter?!
Also für wen sollen denn dann göttliche Eigenschaften stehen?

lg
emma

qilin Offline




Beiträge: 3.552

19.10.2007 21:47
#16 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Die vier 'göttlichen Seinszustände' sollte ein Buddhist selbst verwirklichen,
und da ist es (zumindest für Manche) einfacher, sich diese Eigenschaften
personifiziert vorzustellen - und die mit ganz wenig Abstraktionsvermögen
sehen sie eben als manifeste Götter...

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

emma Offline



Beiträge: 13

19.10.2007 22:14
#17 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Aha! cool =) Vielen Dank!
Toll, was man hier alles erfährt, hätt ich ohne euch nie gewusst!
lg
emma

emma Offline



Beiträge: 13

28.10.2007 09:47
#18 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Den Buddhismus kann man ja weder als monothistisch, henotheistisch oder polytheistisch bezeichnen... als was dann? als eine Art Lebensphilosophie?

lg
emma

emma Offline



Beiträge: 13

28.10.2007 10:28
#19 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Und noch eine Frage, das Karma entscheidet sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus, über die Art und Weise der nächstfolgenden Existenz. Doch wie erreichen sie nun das Nirvana bzw. Moksha? Die Buddhisten durch Erlösung und Erleuchtung, doch wie die Hindus?

emma Offline



Beiträge: 13

28.10.2007 11:05
#20 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

und hier habe ich jetzt meinen Vergleich... Wenn jemand ergänzen kann?

Weder der Hinduismus, noch der Buddhismus kann als reine monotheistische, polytheistische oder henotheistische Religion bezeichnet werden. So findet man im Hinduismus Vertreter von allen Formen, doch kann dem Buddhismus keine dieser zugeordnet werden, da keine Götter verehrt werden. Zwar vergöttern die Buddhisten, besonders im Mahajana-Buddhismus, Buddha als Stifter der Religion und die Bodhisattvas als heilige Erleuchtete, die auf den Eintritt in das Nirvana verzichten, um den Menschen auf dem Weg zur Erlösung zu helfen, wie Gottheiten, doch können diese, anders als im Hinduismus, nicht als Schöpfergott oder dergleichen bezeichnet werden.
Stattdessen ist der Buddhismus eher als eine Art Lebensphilosophie zu verstehen.
Die hinduistischen Götter werden von den Buddhisten, anders als von den Hindus, nicht als tatsächlich existierende Wesenheiten, sondern als Symbole gesehen, welche für die vier göttlichen Seinszustände stehen, die ein Buddhist erreichen sollte. Im Hinduismus hingegen existieren die Götter ganz konkret und manifestieren auch auf menschlicher Ebene. Sie verkörpern verschiedene Eigenschaften oder Naturgeschehen, wie zum Beispiel Agni für das Feuer, Indra für Gewitter und Regen oder Surya für die Sonne.
Da auch die Götter im Hinduismus im Samsara integriert sind und im Buddhismus Menschen, beziehungsweise Buddha und Buddhisattvas götterähnlich verehrt werden, kann ist zu bemerken, dass bei beiden Religionen sterbliche Gottheiten vergöttert werden.
Sowohl die Buddhisten als auch die Hindus glauben an das Samsara, den Kreislauf der Wiedergeburten. Ihr Ziel ist, aus diesem auszutreten und in das Nirvana (Buddhismus) bzw. Moksha (Hinduismus) zu gelangen. Wie der Mensch wiedergeboren wird, bestimmt kein Gott, sondern das Karma. In beiden Religionen umfasst das Karma die Taten im jetzigen Leben, welche über die Art und Weise der nächstfolgenden Existenz entscheiden.
Das Karma kann den Menschen an die Welt binden und ihn von der Welt befreien, je nachdem wie moralisch beziehungsweise ethisch rein und sauber es ist. Sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus geht man davon aus, dass nur ein reines Karma die menschliche Seele ins Nirvana beziehungsweise Moksha übertreten lässt.

emma

qilin Offline




Beiträge: 3.552

28.10.2007 11:30
#21 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten
Die beiden Fragen hängen eigentlich zusammen - wenn der Buddhismus Nirvana postuliert,
geht er ja schon über eine 'bloße Philosophie' hinaus - insofern würde ich ihn doch unter
'Religionen' einordnen - und wenn eine Schublade nötig ist, am ehesten unter 'atheistische'
- zusammen z.B. mit Jainismus und Frühtaoismus...
Es gibt aber auch viele Buddhisten, die Buddhismus als Philosophie, als 'Weisheitslehre'
bezeichnen.

'Erlösung und Erleuchtung' - ja vielleicht kann man's so sagen; aber der Buddhismus
ist eben eine 'apersonale' Religion - man hat ja keine 'nächste' Existenz...

Und im Hinduismus - ich zitiere mal Ram A. Mall:
In Antwort auf:

Die Befreiung [moksha] ist das Ziel, und die Rechtschaffenheit ist dazu da,
unsere Wünsche und unseren Reichtum in der Weise zu leiten, dass das Ziel
erreicht werden kann. Schon in den Veden ist von dem kosmischen Prinzip
(rita) die Rede, d.h. von einer Ordnung, die kosmischer und auch moralischer
Art ist.


Der Vergleich scheint mir recht gut - nur ein Punkt, der allerdings auch von vielen
Buddhisten nicht gesehen oder beachtet wird - karma ist ja 'Ursache und Wirkung',
leitet also grundsätzlich nicht aus samsara hinaus - nirvana ist erst erreicht, wenn
alles karma aufgebraucht, erloschen, also keine Ursache und keine Wirkung mehr
vorhanden ist.

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

emma Offline



Beiträge: 13

28.10.2007 12:21
#22 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

aha vielen Dank =)
ich komm mit meiner dritten Aufgabe überhaupt nicht klar...
3. Erläutere inwieweit Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Gottesvorstellungen vom jeweiligen Erwartungshorizont der Menschen (an die Götter) abhängen.

Also im Hinduismus wählt erwartet der Hindu von den von ihm verehrten Göttern, dass sie ihm,... seine-, Wünsche erfüllen...?!? Im Buddhismus verehren sie Buddha und die Buddhisatvas und sehen die als Lehrer, die ihnen helfen ebenfalls das Nirvana zu erreichen.
Aber ich kann mir jetzt überhaupt nicht erklären, wie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede davon abhängig sind?!?

lG
emma

qilin Offline




Beiträge: 3.552

29.10.2007 05:18
#23 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Hallo Emma,

na, ich sehe die Fragestellung eher umgekehrt - wie die Erwartungen die Vorstellungen beeinflussen. Der Buddha erwartete
von keinen Göttern irgendwas, sondern von seinen Jüngern - nämlich sich selbst anzustrengen (was die Japaner später jiriki
nannten, im Gegensatz zu tariki, Erwartung und Vertrauen in die Leistung eines Anderen - Mensch oder Gott) - und
entsprechend blieb auch seine 'Götterlehre' recht rudimentär.
Die Hindus erwarteten meist konkrete Hilfe oder Schutz und hatten darum auch recht konkrete Vorstellungen von Wesen und
'Leistungsfähigkeit' ihrer Götter...

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

emma Offline



Beiträge: 13

29.10.2007 16:45
#24 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Ok. Also das hier ist jetzt mein Ergebnis... (Ich weiß, dass mit der Existenz im nächsten Leben, hattest du mir ja erklärt, dass das bisschen anders ist, aber ich habe das jetzt so gelassen, weil wir das einfach immer so gelernt haben...

Die Buddhisten erreichen das Nirvana nur aus eigener Kraft heraus, durch die vollständige Auflösung des Karma. Um in das Nirvana zu gelangen, haben sie jedoch keine Erwartungen an Götter. Nur sehen sie Buddha und die Bodhisattvas als Vorbilder. Manche Buddhisten verwenden die hinduistischen Götter als Bilder beziehungsweise als Symbole für die vier göttlichen Seinszustände die sie selbst verwirklichen wollen. So erwarten sie wohl anhand dieser Bilder diese Seinszustände leichter erreichen zu können. Doch ist dies mehr eine Erwartung an sie selbst als an die Gottesbilder. Da die Buddhisten ihre Ziele also selbst erreichen und in sich verwirklichen gibt es im Buddhismus keine Götter und kann als atheistisch bezeichnet werden. Diese Religion kann aber auch als eine Art Lebensphilosophie gesehen werden, da die Menschen selbst, durch ihr Glaubensprinzip, ihre Ideale und ethischen Werte versuchen sich von Leiden zu befreien und zum Glück zu gelangen. Im Buddhismus erwartete Buddha eher von seinen Jüngern, dass sie sich selbst anstrengen und in das Nirvana durch ein reines Karma und Erleuchtung durch Meditation eintreten. Die Hindus hingegen erwarten meist konkrete Hilfe oder Schutz und haben deshalb auch eine recht genaue Vorstellung vom Wesen und der Leistungsfähigkeit der von ihnen verehrten Götter. Die Erwartungen der Hindus hängen von der Situation ab, in welcher er sich befindet. Beispielsweise betet ein Bauer den Sonnengott Surya und Indra den Regengott an, um eine ertragsreiche Ernte zu erhalten. Doch in der Regel bleibt ein Hindu in der Tradition in die er hineingeboren wurde. Dadurch unterscheiden sich die Erwartungen an die Götter auch in Hinsicht auf die Zugehörigkeit der Kaste des jeweiligen Hindu. Da die Erwartungen von Mensch zu Mensch verschieden sind, unterscheiden sich auch ihre genauen Vorstellungen der Götter, wodurch verschiedene Traditionen und Formen des Hinduismus entstanden. Sowohl monotheistische als auch polytheistische und henotheistische. So entstand wohl auch die Vielzahl der hinduistischen Götter. Doch wie auch die Buddhisten erwarten die Hindus nicht, dass Götter über ihre nächste Existenz bestimmen. Auch sie erreichen das Moksha nur durch ein reines Karma, für welches sie selbst verantwortlich sind.

lg
em

qilin Offline




Beiträge: 3.552

30.10.2007 05:51
#25 RE: Buddhismus und Hinduismus antworten

Jep - ich würde denken das kommt ungefähr hin. Hier noch mal einen kurzen Überblick über den Buddhismus,
den ich vor Jahren einmal für die website eines muslimischen Freundes geschrieben habe - vielleicht kannst
Du damit noch was anfangen
Das was Du schreibst wegen des 'nächsten Lebens' stimmt ja weitgehend mit dem Buddhismus überein, der
in Asien tatsächlich von der Bevölkerung gelebt wird - auch bei uns beschäftigen sich die Leute ja wenig mit
theologischen Grundsatzfragen, sondern gehen einfach in die Kirche...

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Seiten 1 | 2
«« Tschuang-Tse
 Sprung  
________________________________________

"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

________________________________________

=> "Der selbstbestimmte Mensch"

... Platz für Verlinkungsaustausche ...

VORSICHT! Vertrauensunwürdige Werbung!

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor