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Für Säkularismus und Religionskritik!


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Dieses Thema hat 47 Antworten
und wurde 2.353 mal aufgerufen
 Weltliche Ideologien
Seiten 1 | 2
Christian D! ( Gast )
Beiträge:

21.10.2007 19:03
Der Anarchist antworten

Anarchie - der Duden sagt:

Anarchie, die;-,....ien <grich.>
([Zustand der] Herrschafts-,
gesetzlosigkeit; Chaos in polit.,
wirtschaftl. o.ä. Hinsicht)


Beantwortet mir bitte diese Fragen:
-Was ist an der Anarchie so verlockend das sie so viele Anhänger hat?
-Lehne Anarchisten den wirklich jede Art von Herrschaft (einzelner oder mehrerer Personen)ab?
-Wollen sie wirklich das in einem Land Gesetzlosigkeit und Chaos herrschen?

-Und schlußendlich: Wieso?

Ich kann an Anarchie nichts finden, sie entbehrt jedlicher Logik und hat nur einen zerstörerischen Charakter. Natürlich kann ich mich auch irren, also bitte erklärt es mir!

Nieselpriem ( Gast )
Beiträge:

21.10.2007 19:28
#2 RE: Der Anarchist antworten

Natürlich lehnen Anarchisten nicht jede Form von Herrschaft ab. Solange sie von ihnen selbst ausgeht, ist sie durchaus akzeptabel. Schau mich an. Ich versuche nun schon die ganze Zeit, Gysis Machtanspruch zu untergraben und dieses Forum zu übernehmen. Gesetzlosigkeit und Chaos haben durchaus auch ihre Vorzüge. Solang man selbst stark ist, kann das durchaus luschdig sein. Meine Lebensphilosophie ist und . Und finde ich zum . Anarchie is nämlich voll . Ich hoffe, das beantwortet deine Fragen.

Christian D! ( Gast )
Beiträge:

21.10.2007 19:34
#3 RE: Der Anarchist antworten

Ja genau das hatte ich erwartet.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

21.10.2007 20:48
#4 Der Anarchist antworten

Nieselpriem von der Abteilung Spaßguerilla - aha.
Ein bißchen Spaß muss sein, aber was ist ernsthaft deine Meinung?

Ich kenne und habe Leute gekannt, die sich ernsthaft als Anarchisten bezeichn(et)en. Ich will all diese Leute nicht von der Seite anpinkeln, den sie (sind und) waren eigentlich durchweg alle nett. Aber ein tieferes Verständnis von Politik, Staats- und Gemeinschaftswesen konnte ich bei denen nie feststellen. Is' so, tut mir leid. Die (von denen so definierte) Freiheitssehnsucht verdeckt - so sehe ich das - oft die Sehnsucht nach Anerkennung ihres Egos, die ihnen offenbar - in ihrer Kindheit - nicht im ausreichendem Maße zuteil wurde. Ich will ja nicht immer als Psychodoktor die Leute als Kranke abstempeln. Aber der Anarchist hat keinen echten Realbezug zu sich, zu seiner Umgebung, nicht zur Gesellschaft und nicht zur Politik. Ich kenne keinen Anarchisten, auch nicht von den großen Theoretikern, auf den das nicht zutrifft. Klingt vermessen, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Christian D! ( Gast )
Beiträge:

21.10.2007 21:06
#5 RE: Der Anarchist antworten
In Antwort auf:
Aber der Anarchist hat keinen echten Realbezug zu sich, zu seiner Umgebung, nicht zur Gesellschaft und nicht zur Politik.

Genau meine Meinung.

Anarchie ist zwar möglich aber man möge beachten was ihr Ergebniss ist: Chaos, Zerstörung und Tot. Anarchie ist einfach nur das Gesetz des Stärkeren:
- Ich will das haben!
- Nö krigste nicht.
- Her damit oder es gibt aufs Maul *Bum*

Anarchie als Staatsform ( - schon hier hapert es mit der Realität) ist Utopie, nicht realisierbar kurz völliger Mumpitz.
Nieselpriem ( Gast )
Beiträge:

21.10.2007 21:13
#6 RE: Der Anarchist antworten

Ach Gysi, das hast du aber schön geschrieben.

Aber ich bin natürlich kein überzeugter Hardcore-Anarchist. Mir ist schon klar, dass das in der Realität nicht funktionieren kann. Zivilisaton besteht nunmal immer aus gewissen Hierarchien. Aber so ein wenig anti sein ist in meinen Augen durchaus sinnvoll. Ich wurde einfach zu oft von unserem System (jaja, pöhses Wort) enttäuscht und verarscht. Deshalb lebe ich inzwischen die Leckt-mich-am-Arsch-Philosophie. Wenn mir einer vor den Karren fährt, renn ich nicht zu den Grünen Männlein, weil da eh nix zu erwarten ist. Bei mir gibt's in dem Fall eins mim Paddel rüber. Wenn mich einer beklaut, brech ich ihm die Finger. Das hält ihn erstmal sehr effektiv für eine Weile vom Klauen ab. Wenn mir einer auf's Maul haut, und das passiert einem Punk in Dresden durchaus öfter mal, sind seine Arme fällig. Auch das ist äußerst wirksam. Versucht mich jemand abzuzocken, wird er, wenn möglich, finanziell geschädigt...usw. usf.. Das kann man natürlich als barbarisch ansehen. Ist mir aber eigentlich egal. Ich fahre seit Jahren recht gut mit dieser Art zu leben. Und solang man mich in Ruhe läßt, tu ich auch niemandem etwas.

Du siehst also, ich bin kein echter Anarchist. Aber ich lebe durchaus gewisse anarchistische Verhaltensweisen aus. Das mag dir wahrscheinlich nicht gefallen. Aber das spielt für mich und mein Leben kaum eine Rolle. Ich sage stets offen, was ich denke und scheiße, auf gut deutsch, auf viele, in meinen Augen unsinnige Konventionen. Das ist nicht immer leicht. Aber alles andere wäre für mich einfach unerträglich. Und ich bin schlicht und einfach nicht der Typ Mensch, der sich verbiegt, nur um in irgendein Schema hineinzupassen. Ich weiß nicht, wie lange ich das, in dieser Form, noch so leben kann, da es mit Kind sicher schwer werden wird. Aber ich tue, was ich kann. Und das ist, jedenfalls meiner Meinung nach, mehr, als die meisten anderen von sich behaupten können.

Christian D! ( Gast )
Beiträge:

21.10.2007 21:48
#7 RE: Der Anarchist antworten
Und ich bin mir sicher der/die Kleine wird spätestens mit 13 auch so nett angezogen (mit Vorliebe Schwarz und Schotenmuster) durch die Neustadt laufen (links der Hund, rechts Pulle Freiberger).

Ich finde es gut das du "anders" als der Rest sein möchtest, aber damit folgst du auch wieder einem Schema, schlieslich gibt es abertausende die so denke wie du - von daher bist du auch nur wieder einer von vielen.
Nieselpriem ( Gast )
Beiträge:

21.10.2007 22:11
#8 RE: Der Anarchist antworten

Das hast du falsch verstanden, Christian. Ich bin ja nicht so, weil ich auf Deibel komm raus anders sein möchte. Erstens bin ich in vieler Hinsicht einfach anders als normale Menschen. Aber vor allem will ich so sein, wie ich nunmal bin. Wenn andere ähnlich durch die Gegend laufen, ist mir das absolut Brust. Sollen sie halt. Ich tu, was ICH will, nicht was andere von mir wollen. Individualität heißt eben nicht, unbedingt anders zu sein, als andere. Es bedeutet einfach, man selbst zu sein. Und genau das tu ich.

Nur so als kleine Randnotiz: Das einzige, das wahre Punkbier ist STERNBURGER! Wollt's nur mal erwähnt haben.

Christian D! ( Gast )
Beiträge:

21.10.2007 22:21
#9 RE: Der Anarchist antworten

Oh vergieb mir! Ich habe die Biersorte verwechselt - ts ts ts

Ich teile deine Meinung, man sollte sich nie verstellen, das könnte nämlich irgendwann schlecht ausgehen. Nur das mit dem direkt ins Gesicht sagen da sollte man sich manchmal einfach besser zurück halten, manchmal ist ein kleinwenig Diplomatie einfaxch empfehlenswerter.

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

22.10.2007 09:01
#10 RE: Der Anarchist antworten

In Antwort auf:
Nur das mit dem direkt ins Gesicht sagen da sollte man sich manchmal einfach besser zurück halten, manchmal ist ein kleinwenig Diplomatie einfaxch empfehlenswerter.

Da ist was dran. Mit ein bisschen Höflichkeit lebt es sich einfach angenehmer.
Das darf aber nicht dazu führen, seine Meinung zurückzuhalten oder gar eine andere vorzutäuschen. Nur das Wie, mit dem man seine Meinung vertritt, sollte nicht mit dem Holzhammer erfolgen (was ich aber dir, Nieselpriem, hiermit nicht etwa unterstellen möchte). Ich bewundere die, die es schaffen, ihre Meinung deutlich und klar zu vertreten und das dann auch noch so hinbekommen, dass sich niemand verletzt fühlen muss. Ich pack das auch oft nicht. Schade, denn das ist zweifellos die Art und Weise, mit der diese eigenen Meinung auch am schnellsten akzeptiert und gegebenenfalls sogar verarbeitet wird.

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

22.10.2007 09:50
#11 RE: Der Anarchist antworten

Zitat von Nieselpriem
Bei mir gibt's in dem Fall eins mim Paddel rüber. Wenn mich einer beklaut, brech ich ihm die Finger. Das hält ihn erstmal sehr effektiv für eine Weile vom Klauen ab. Wenn mir einer auf's Maul haut, und das passiert einem Punk in Dresden durchaus öfter mal, sind seine Arme fällig. Auch das ist äußerst wirksam. Versucht mich jemand abzuzocken, wird er, wenn möglich, finanziell geschädigt...usw. usf..


Und wenn Dich einer blöd anguckt, werden ihm wohl die Augen ausgestochen...

Schönes Loblied auf die „Scharia“, vermutlich ist Dein viel gepriesener „Iro“ bloss ein verkehrt wachsender Mullah-Bart. Mit dieser pubertierenden „ich hau Dir aufs Maul“ Mentalität magst Du vielleicht bei den Boyz Eindruck schinden, für mich ist das eher ein Zeichen für gewisse Defizite. Aber wer für seine neue Brille einen „Russen auf die Bretter“ schickt, der hat vermutlich eine ganz eigene Auffassung von Recht und Ordnung.


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*Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen. Der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt. (Johann Heinrich Pestalozzi 1746-1827)*

89 ( Gast )
Beiträge:

22.10.2007 09:55
#12 RE: Der Anarchist antworten

Ein individuelles Ausleben von 'Anarchismus' geht immer mit Egoismus einher.

Ist deshalb eigentlich im gesellschaftlichen Kontext schlecht möglich.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.127

22.10.2007 11:54
#13 Der Anarchist antworten

In Antwort auf:
Deshalb lebe ich inzwischen die Leckt-mich-am-Arsch-Philosophie.
Die Leck-mich-am-Arsch-Philosophie ist die Philosophie der Ohnmächtigen, Gleichgültigen, Frustrierten und Verlierer.
In Antwort auf:
Wenn mich einer beklaut, brech ich ihm die Finger.
Ja, nicht schlecht. Und wenn ein Zwei-Zentner-Mucki-Mann vor dir steht? "Wo das Recht nicht herrscht, herrscht das Faustrecht." (Karl Marx) Aber du siehst ja auch ein, dass du nicht wirklich ein Anarchist bist. Von daher kann ich dich schon verstehen. Gesetze sind Gemeinschaftsverträge. Nicht alle sind optimal. Wir sind immer auf dem Weg. Aber Anarchie kann nie die Antwort sein. Man schüttet nicht das Kind mit dem Bade aus, weil das Wasser schmutzig ist.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

22.10.2007 13:36
#14 RE: Der Anarchist antworten
Bevor ich mir den Thread durchlese erst mal meine unbeeinflußten Antworten auf Christians Fragen:

In Antwort auf:
Christian fragte: Was ist an der Anarchie so verlockend das sie so viele Anhänger hat?


Kein Anarchist wird mit der Duden-Aussage konform gehen. Es gibt eine ziemlich lange Assoziationskette von (wars Landauer? wars Mühsam? ich weiß es nicht mehr), die bei Staat anfängt und zu Chaos komm bzw. bei Anarchie anfängt und zu Ordnung kommt.

Bakunin hat mal gesagt, die Verwirklichung der Freiheit in der Gleichheit, das wäre Gerechtigkeit; das ist doch ne nette Sache. Anarchisten gehen davon aus, dass das nur in einem herrschaftsfreien Leben möglich ist.

In Antwort auf:
Christian fragte: Lehne Anarchisten den wirklich jede Art von Herrschaft (einzelner oder mehrerer Personen)ab?

Ja, tun sie. Das heißt aber nicht, das jede Form von Regeln oder Normen abgelehnt werden. "Anarchie heißt leben ohne Herrschaft, nicht leben ohne Regeln." Die entscheidende Frage ist,in welchem Rahmen diese Regeln gelten und wie sie zustande kommen.

In Antwort auf:
Christian fragte: Wollen sie wirklich das in einem Land Gesetzlosigkeit und Chaos herrschen?



Nein, wollen sie in der Regel nicht,zumindest nicht langfristig. Die russischen Anarchisten des 19.Jh. (maßgeblich auch vom Nihilismus beeinflußt) setzten allerdings wirklich auf Attentate etc., um die herrschende Gesellschaftsform bzw. deren Eliten zu erschüttern. Gewaltsame Revolution zur Erreichung gesellchaftlichen Friedens ist allerdings keine Idee allein von Anarchisten...

Ganz kurz angerissen: Anarchisten gehen im Prinzip davon aus, dass eine Gesellschaft, die ausschließlich auf freiwilligen Verträgen bzw. Assoziationen zwischen Individuen aufbaut, gerechter und vor allem freiheitlicher ist als ein Staat es je sein kann. Besonder wichtig für den zeitgenössischen Anarchismus sind dabei "herrschaftsfreie" Kleingruppen (ob man das nun Kommune nennt oder nicht). Diese sind z.T. pazifistische-gewaltfrei (http://de.wikipedia.org/wiki/Graswurzelrevolution), aber auch das autonome Spektrum beruft sich auf anarchistisches Gedankengut (http://de.wikipedia.org/wiki/Autonome). Wie solche Gruppen Netscheidungen fällen ist hier angerissen: http://de.wikipedia.org/wiki/Konsens.

Die einzige anarchistische Massenbewegung, die ich in der Geschichte kenne, waren die spanischen Anarcho-Syndikalisten (CNT/FAI, http://de.wikipedia.org/wiki/Confederaci...nal_del_Trabajo).

Ich habe mich (in meiner radikalen Phase ) ziemlich intensiv mit klassisch-anarchistischem Gedankengut beschäftigt und halte davon vieles für ausgesprochen interessant, auch wenn es die anarchistische Idealgesellschaft wohl niemals geben wird.

Um es auf einen Punkt zu reduzieren: Anarchisten wollen im Endeffekt das gleiche wie Kommunisten, die klassenlose, herrschaftsfreie Geselschaft.

Sagt der Anarchist zum Kommunist: "Was ihr macht führt nicht zu einer freieren Gesellschaft, sondern zu einer neuen Diktatur!"
Sagt der Kommunist zum Anarchist: "Mag sein, aber was ihr macht führt zu gar nichts."

89 ( Gast )
Beiträge:

22.10.2007 14:02
#15 RE: Der Anarchist antworten

In Antwort auf:
Die russischen Anarchisten des 19.Jh. (maßgeblich auch vom Nihilismus beeinflußt) setzten allerdings wirklich auf Attentate


In dem Zusammenhang ist das buch 'Nicht Narren, nicht Heilige' interessant.

http://www.buchfreund.de/index.php?bnr=1...10684&s=Froogle

qilin Offline




Beiträge: 3.552

22.10.2007 14:25
#16 RE: Der Anarchist antworten
Anarchismus ist ja ein durchaus interessanter Ansatz, ebenso wie Kommunismus, Faschismus, Christentum und Islam
- nur ebenso wie diese beim Nachweis seiner praktischen Realisierbarkeit bisher nicht sehr erfolgreich gewesen...
Der Vorteil beim Anarchismus scheint mir allerdings zu sein, dass der zumindest theoretisch nicht beansprucht, auch
die Leute zu beglücken, die nichts damit am Hut haben...

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

89 ( Gast )
Beiträge:

22.10.2007 14:38
#17 RE: Der Anarchist antworten

Zitat von Gysi
Die Leck-mich-am-Arsch-Philosophie ist die Philosophie der Ohnmächtigen, Gleichgültigen, Frustrierten und Verlierer.

Oder die der 'Erleuchteten'...

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

22.10.2007 17:07
#18 RE: Der Anarchist antworten
Einige Wiki-Links zu bekannteren AnarchistInnen

http://de.wikipedia.org/wiki/Bakunin

http://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin

http://de.wikipedia.org/wiki/Buenaventura_Durruti

http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Landauer

http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_M%C3%BChsam

http://de.wikipedia.org/wiki/Emma_Goldmann



Und noch das Anarchisten-Wiki

http://deu.anarchopedia.org/Hauptseite


Übrigens ist diese ganze Wikipedia-Geschichte natürlich ein Glanzbeispiel für eine auf Freiwilligkeit basierendes, funktionierendes Projekt, das wirklich was bringt.
Xeres Offline




Beiträge: 2.587

22.10.2007 17:16
#19 RE: Der Anarchist antworten

In Antwort auf:
Übrigens ist diese ganze Wikipedia-Geschichte natürlich ein Glanzbeispiel für eine auf Freiwilligkeit basierendes, funktionierendes Projekt, das wirklich was bringt.
Auf Freiwilligkeit, ja, aber nicht auf Unorganisation...

__________________________________________________
Galaxy Zoo, where you can help astronomers explore the Universe

Casmiel Offline

Diabolist


Beiträge: 712

22.10.2007 18:04
#20 RE: Der Anarchist antworten
In Antwort auf:
Auf Freiwilligkeit, ja, aber nicht auf Unorganisation...


"Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft" (Pierre Joseph Proudhon)

Aber bei wiki kann man schon die admins als eine Art "Herrscher" bezeichnen

___________________________________________________________________
Erleuchtung erlangt man nicht, indem man sich dem Licht hingibt, sondern indem man die Dunkelheit ergründet (C.G. Jung)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

22.10.2007 18:08
#21 RE: Der Anarchist antworten

Zitat von Anarchopedia
Ist die Anarchie nur ein großes Ideal - oder eine realistische Perspektive?

Anarchie ist vermutlich beides: ein Ideal, das schon immer die Träume der Menschen beflügelt hat – aber auch eine ganz reale
Alternative. Es gibt bereits einige funktionierende, beinahe anarchistischen Gesellschaften. Oft sind Klöster so aufgebaut,
aber auch der Wallfahrtsort 'Taize', wo sich immer wieder bis zu 10000 Leute auf etwa 1 km² treffen, ohne dass es Probleme gibt.
Sie ist allerdings keine festgefügte Gesellschaftsform, die irgendwie geschaffen werden kann. Anarchie ist nur als Prozess denkbar,
indem immer wieder und immer weitergehend Herrschaftsverhältnisse abgebaut werden.
Es ist interessant, dass hier religiöse Stätten genannt werden, die man ja sonst weniger mit 'Anarchie' in Verbindung bringt...
Ich würde das so deuten, dass zumindest eine sehr starke gemeinsame Idee die 'anarchische' Gesellschaft zusammenhalten muss,
verbunden mit einer hohen Ethik der einzelnen Mitglieder. Ob die Idee der anarchistischen Gesellschaft allein dies zuwege bringen
kann, würde ich zumindest für absehbare Zeit in Frage stellen. Ich denke da z.B. an ein posting, das ein 'Anarchist' vor längerer Zeit
mal in ein anderes Forum gestellt hat
In Antwort auf:
anarchie is das geilste was es gibt bier im freien und und keine regeln waws besseres gibts nicht!

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Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Casmiel Offline

Diabolist


Beiträge: 712

22.10.2007 18:12
#22 RE: Der Anarchist antworten
Ja, die Anarchie an sich ist auch keine Staatsform sondern eher ein temporär begrenzter Zustand. Ein politisches System was sich halt nach den Idealen des Anarchismus formt ist dann sozusagen das Ziel. (so schätz ich die Gesamtsituation ein )

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Erleuchtung erlangt man nicht, indem man sich dem Licht hingibt, sondern indem man die Dunkelheit ergründet (C.G. Jung)

Nieselpriem ( Gast )
Beiträge:

22.10.2007 19:59
#23 RE: Der Anarchist antworten

Hach, is ja mal wieder herzallerliebst, wie sich die ganzen Gutmenschen hier echauffieren und gegenseitig auf die Schulter klopfen. Dazu fällt mir eigentlich nur Fogendes ein: Aber bittschön, klamüsern wir die ganzen Vorurteile doch einfach einmal auseinander.

Zitat von Wolfswelpe
Und wenn Dich einer blöd anguckt, werden ihm wohl die Augen ausgestochen...

Nö, hab ich meines Wissens auch nirgendwo behauptet. Feinste Unterstellung Marke "selbsternannter Gutmensch".

Zitat von Wolfswelpe
Schönes Loblied auf die „Scharia“, vermutlich ist Dein viel gepriesener „Iro“ bloss ein verkehrt wachsender Mullah-Bart. Mit dieser pubertierenden „ich hau Dir aufs Maul“ Mentalität magst Du vielleicht bei den Boyz Eindruck schinden, für mich ist das eher ein Zeichen für gewisse Defizite. Aber wer für seine neue Brille einen „Russen auf die Bretter“ schickt, der hat vermutlich eine ganz eigene Auffassung von Recht und Ordnung.

Na da haben wir doch mal einen bilderbuchreifen Beißreflex! War das jetzt das Wölfische in dir? Sieht eher nach Killerkarnickel aus. Mit dieser pubertierenden Mentalität schinde ich bei niemandem Eindruck. Naja doch, vielleicht beim Geschlagenen. Aber dat heilt ja wieder. Und der Russe, von dem ich die Brille hab, wollte mir an's Leder. Die Brille hat er dann ganz einfach als kleine Wiedergutmachung hergeben müssen. Mußt du nicht verstehen. Ist Antigutmenschisch. Wenn dir einer die Faust in der Magengrube parkt, bittest du ihn sicher um einen Nachschlag. Mach dat mal öfter. Schmerz kann recht lehrreich sein.

Zitat von Cheffe
Die Leck-mich-am-Arsch-Philosophie ist die Philosophie der Ohnmächtigen, Gleichgültigen, Frustrierten und Verlierer.

Kann man so sehen. Tun die meisten aber nur, solang es ihnen selbst gut geht. Deshalb stimmt das mit den Verlierern auch. Wer zu oft von der Gesellschaft mit Füßen getreten wurde, denkt irgendwann um oder geht unter. Untergehen liegt mir nicht. Hab ich versucht, ist auf Dauer unlustig. Muss man aber nicht verstehen, wenn man selbst noch nie ganz unten war. Allerdings sollte man sich dann auch unqualifizierte Kommentare sparen und es wie Nuhr halten.

Zitat von Cheffe
Ja, nicht schlecht. Und wenn ein Zwei-Zentner-Mucki-Mann vor dir steht? "Wo das Recht nicht herrscht, herrscht das Faustrecht."

Tja, wenn du wüßtest, wie oft ich schon ganz derbe auf's Maul bekommen hab... Aber das weißt du ja nicht. Trotzdem, mitreden is immer geil, stimmts? Hauptsache, was gesagt. Und ja, wo einem das "Recht" nicht hilft, weil man offensichtlich ein subversives Element (in meinem Fall Punk) ist, muss man sich eben selber helfen. Nett bitten hilft da in der Regel nicht. Ich könnt natürlich auch, wie ihr ethisch einwandfreien Gutmenschen, einfach nix tun, groß tönen und jammern. Aber das liegt mir nicht. Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner. Hab ich oft genug erlebt und daraus gelernt.

Also nochmal für die Merkbefreiten. Es ist ja nicht so, dass ich auf der Straße wahllos Leute zusammenschlagen würde. Ich bin im Grunde ein sehr friedlicher Mensch. Aber ich habe gelernt, mich zu wehren. Gut, ich bringe auch die körperlichen Voraussetzungen dafür mit. Dieses Glück hat nicht jeder. Früher habe ich mich auf unser gutes, toitsches Recht verlassen. Am Ende war ich damit dann auch wirklich verlassen. Hier bekommt halt nicht der Recht, der auch Recht hat, sondern immer der mit dem größeren Vermögen und dem besseren Anwalt. Meist kommt es aber garnicht erst zu einer Verhandlung. Wirst du als Punk beklaut oder von Nazis zusammengeschlagen und gehst zu "Freund und Helfer", bekommst du nur eins... NICHTS! Entweder man glaubt dir aus Prinzip nicht, oder man nimmt dich einfach nicht für voll. Is ja nur ein doofer Punk. Gut, daran kann ich nichts ändern. Aber manchmal kann ich mir selbst zu meinem Recht verhelfen. Wer mir schadet, sei es körperlich oder finanziell, sollte sich warm anziehen. Es gibt ein Recht auf Selbstverteidigung. Aber das gewährt einem niemand. Das muss man sich schon selbst nehmen. Dieses Wissen habe ich nicht aus irgendwelchen, schlauen Büchern, sondern über die Jahre schmerzlich selbst erfahren müssen. Natürlich werden das hier die wenigsten verstehen. So eine kleine, behütete Welt ist schon was Feines. Aber sie macht auch blind und taub.

Aber nochmal zum ethisch erhabenen Gutmenschentum. Meine Lebenseinstellung scheint hier ja als barbarisch und unzivilisiert durchzugehen. Aber ich möchte mal ein kleines Beispiel bringen. Stellt euch vor, auf offener Straße wird ein Jugendlicher von einer Gruppe Schläger (in Dresden meist Nazis) verprügelt und abgezogen. Was tut der Gutmensch? Meist tut er garnichts. Er läuft weiter, als hätte er nichts gesehen und regt sich anschließend mächtig auf, natürlich immer außer Sicht- und Hörweite. Maximal greift er noch verbal in's Geschehen ein. Ja, das schindet dann richtig Eindruck! Aber eben nur bei anderen Gutmenschen. Dann kann man sich wunderbar über diese furchtbare Gewalttätigkeit aufregen. Wenn's richtig hoch kommt, wird noch die grüne Einsatztruppe angerufen. Allerdings kommt die in den meisten Fällen zu spät. Macht aber nix. Man hat als Gutmensch ja seine Bürgerpflicht getan. Was glaubt ihr, was der arme Kerl, der dort vermöbelt wurde, davon hat? Eben, garnix! Juckt den Gutmenschen aber nicht. Hauptsache, man hat das eigene Gewissen beruhigt. Bei sowas könnt ich kotzen!

Ich, als unzivilisierter Barbar, greife in solchen Fällen persönlich ein. Da ist es mir dann auch absolut egal, ob ich selbst dabei eins auf die Rübe bekomme, was auch schon häufiger vorgekommen ist. Ich kann bei sowas einfach nicht wegsehen. Aber ich bin ja auch kein Gutmensch. Ich klopp dann eben mit Schmackes dazwischen. Und wenn's beim Gegenüber ordentlich knirscht, freut mich das sogar noch. Wat bin ich doch für einen pöhser Mensch! Witzig wird es immer nur dann, wenn man anschließend von den Schlägern bei den Bullen angeschärzt wird, nur weil man einem hilflosen Opfer helfen wollte. Gibt's nicht? Dohoch, alles schon erlebt. Und ich werd's trotzdem weiter so handhaben. Ob euch das nun gefällt oder nicht, ist mir absolut Titte. Ebenso ist es mir völlig egal, ob mein Denken und Handeln eurer kleingeistigen, feigen Meinung nach nun ethisch korrekt ist, oder nicht. Für mich zählt nur, das ich im Einklang mit meinem Gewissen handle. Und wenn ich dabei manchmal etwas deutlicher werden muss, dann ist das auch in Ordnung. Nochmal: Ich tue niemandem etwas Böses an, solang er mich in Ruhe mein Leben leben läßt. Wer das nicht schafft, muss eben mit den Konsequenzen leben. Das gilt auch für mich selbst. Wenn ich, wie Gysi meint, einen Zwei-Zentner-Mucki-Mann körperlich angreife, muss ich eben damit rechnen, dass ich den Kürzeren ziehe. Das weiß ich. Und danach richte ich mich. Wenn ich damit als Mensch in euren Augen versagt habe, bitte. Das beruht dann auf Gegenseitigkeit.

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

22.10.2007 20:05
#24 RE: Der Anarchist antworten
In Antwort auf:
Xeres schrieb: Auf Freiwilligkeit, ja, aber nicht auf Unorganisation...

"Organisation" ist ein zentraler Punkt im Anarchismus: Wie muss eine Organisation aufgebaut sein, um die Herrschaft einzelner auszuschließen.

"Anarchie heißt Leben ohne Herrschaft, nicht Leben ohne Regeln."

... oder Orgnisation...

EDIT:
In Antwort auf:
Casmiel schrieb: Aber bei wiki kann man schon die admins als eine Art "Herrscher" bezeichnen

Ich weiß zugegenen nicht allzu viel über die Funktionsweise von Wikipedia... Die Frage wäre jetzt: Wie wird man Admin? Wer bestimmt/kontrolliert, wer Admin ist?

Auch im Anarchismus ist ein, ich würde sagen, "natürliche Autorität" vorhanden; z.B. die Autorität eines Lehrers, die sich daraus speist, dass er einfach mehr weiss als seine Schüler (soltle zumindest so sein...).
Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

22.10.2007 20:25
#25 RE: Der Anarchist antworten

Noch ein paar Links aus dem Anarchisten-Wiki zum thema: Wie trifft eine herrschaftsfreie Gruppe Entscheidungen?

http://deu.anarchopedia.org/Konsensfindung

http://deu.anarchopedia.org/Basisdemokratie

http://deu.anarchopedia.org/APO-Calypse:...F_%28Seminar%29

Da Casmiel den Herren weiter oben zitierte noch ein Wiki-Link:

http://de.wikipedia.org/wiki/Proudhon

Das wohl bekannteste Proudhon-Zitat dürfte "Eigentum ist Diebstahl" sein.

Ich sage nicht, dass ich glaube, mit Hilfe dieser Mechanismen eine ganze Gesellschaft inkl. Politik, Wirtschaft, Interessenkonflikten organisieren zu können; daher bezeichne ich mich nicht als Anarchisten (und weil ich z.Z. politisch nicht wirklich aktiv bin). Ich finde sie aber durchaus interessant, sie haben sich in der politischen Arbeit durchaus bewährt (ich hab aber nur Erfahrung mit recht überschaubaren Gruppen...), und das alles als Spinnerei abzutun ist etwas vorschnell.

Alle diese Mechanismen fordern von den Beteiligten allerdings einiges. Zu erst natürlich die Zeit und Kraft, sich den langen Diskussionen zu stellen; außerdem muss man sich selbst zurück nehmen können, da es keine übergeordnete Ordnungsmacht gibt.

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

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=> "Der selbstbestimmte Mensch"

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