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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 521 mal aufgerufen
 Lagerhalle
qilin Offline




Beiträge: 3.552

21.11.2007 16:11
Denken - Die stille Krankheit Antworten

Es begann ganz unschuldig. Ich fing an, auf Partys von Zeit zu Zeit zu denken -
nur um mich aufzulockern. Unvermeidlich führte ein Gedanke zu einem anderen, und
bald war ich mehr als nur ein sozialer Denker. Ich fing an, alleine zu denken -
"zur Entspannung", sagte ich zu mir selbst - aber ich wusste dass das nicht zutraf.
Das Denken wurde mir immer wichtiger, und schließlich dachte ich die ganze Zeit.
Das war, als die Dinge anfingen, zu Hause Probleme zu machen. Eines Abends
schaltete ich den Fernseher ab und fragte meine Frau nach dem Sinn des Lebens.
Sie verbrachte die Nacht bei ihrer Mutter.
Ich fing an, über den Job nachzudenken. Ich wusste, dass sich Denken und
Beschäftigung nicht vertragen, aber ich konnte mir selbst nicht mehr helfen.
Ich fing an, Freunde zur Mittagszeit zu meiden, sodass ich Thoreau, Muir,
Konfuzius und Kafka lesen konnte. Ich kehrte müde und verwirrt ins Büro zurück
und fragte mich: "Was tun wir hier eigentlich?"
Eines Tages rief mich der Chef zu sich. Er sagte: "Hören Sie, ich mag ich Sie,
und es tut mir weh das zu sagen, aber Ihr Denken ist zum realen Problem
geworden. Wenn Sie nicht aufhören bei der Arbeit zu denken, werden Sie sich
einen anderen Job suchen müssen." Das gab mir zu denken.
Ich kam nach meinem Gespräch mit dem Chef frühzeitig nach Hause.
"Liebling", sagte ich, "Ich habe gedacht..."
"Ich weiß, dass Du gedacht hast", sagte sie, "und ich will die Scheidung!"
"Aber Liebling, das ist doch sicher nicht ernst gemeint."
"Es ist ernst", sagte sie mit zitternder Unterlippe. "Du denkst soviel
wie ein Hochschulprofessor und Hochschulprofessoren verdienen wenig -
wenn Du weiter denkst, haben wir bald kein Geld mehr!"
"Das ist ein ungültiger Schluss", sagte ich ungeduldig.
Sie brach wütend und frustriert in Tränen aus, aber ich war nicht in Stimmung,
mich mit dem emotionalen Drama zu beschäftigen.
"Ich gehe in die Bibliothek" knurrte ich, als ich die Tür hinter mir zuschlug.
Ich fuhr zur Bibliothek - ich brauchte dringend etwas Nietzsche oder Kant.
Ich kam auf den Parkplatz, hörte eine Sozialreportage im Radio und lief zu den
großen Glastüren. Sie ließen sich nicht öffnen. Die Bibliothek war geschlossen.
Bis heute glaube ich, dass eine höhere Macht in dieser Nacht über mich wachte.
An das fühllose Glas gelehnt, nach Zarathustra wimmernd, fiel mir ein Poster
ins Auge: "Freund, ruiniert Denken Dein Leben?" stand dort. Sie kennen
vermutlich diesen Text wieder. Er stammt vom Plakat der Anonymen Denker.
Deshalb bin ich, was ich heute bin: ein trockener Denker.
Ich lasse niemals ein Treffen der Thinkers Anonymous aus. Bei jeder Sitzung
schauen wir uns ein nicht-pädagogisches Video an, letzte Woche war es Porky’s.
Dann tauschen wir Erfahrungen aus, wie wir es vermieden haben, seit dem
letzten Treffen zu denken.
Ich habe meinen Job immer noch, und die Dinge zu Hause laufen viel besser.
Das Leben schien geradezu ... irgendwie einfacher zu sein, sobald ich aufhörte
zu denken. Die Straße zur Besserung ist jetzt für mich beinahe abgeschlossen.
Heute unternahm ich den letzten Schritt. Ich trat in die ... Partei ein.

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

SnookerRI Online

Soul-Societist


Beiträge: 8.325

21.11.2007 18:19
#2 RE: Denken - Die stille Krankheit Antworten
Das gibt tatsächlich zu denken,!

Deine gedanken, qilin?

Scheint tatsächlich so zu sein. Sobald sich die Gedanken gegen ein System richten, und sei es "nur" die frage nach dem "Warum", mehrt sich der Widerstand.

Mich würde aber interessieren, mit welchem hintergedanken der Verfasser hier eine Parallele zum Alkoholismus gezogen hat...

Btw: Gehört sowas nicht besser in "Philosophie und Wissenschaft"? Wertvoll genug ist es allemal...

____________________________________________
In Memory of Soul-Society

Wohl gibt es zwei Arten von Freunden und es sind diese: Käufliche und Unbezahlbare

Wo Wahrheit ist, ist Bescheidenheit (K.H.Deschner)

Wir wissen nur so viel, wie wir fragen (Wessel Gansfort, 1419-1489)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

22.11.2007 07:37
#3 RE: Denken - Die stille Krankheit Antworten
Hallo Snooker,

nein, nicht von mir - der Text zirkuliert schon seit Jahren im Internet, und irgendwann hab' ich ihn mal übersetzt.

Der Verfasser zieht den Vergleich IMHO als Satire auf die allgemeine Tendenz, das Denken abzuschalten, weniger
auf das Denken 'gegen ein System'... Und der Vergleich ist m.E. durchaus stimmig - wenn ich z.B. Aussagen höre:
In Antwort auf:
"Mir san Sozialisten, und solchene Perversitäten wie Philosophie intressiern uns net..."
Auf den dezenten Hinweis, dass Sozialismus im Prinzip ja auch eine Philosophie sei, hätte ich beinahe Prügel bezogen

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

22.11.2007 21:03
#4 RE: Denken - Die stille Krankheit Antworten

Viele sehen in der Philosophie nicht mehr als einen Hirnfurz.
Letztendlich greift allerdings philosophisches Denken in alle unsere Lebensbereiche ein und bestimmt die Entwicklung der Gesellschaft.
Eine nette Anekdote des Philosophen Metzinger dazu:
Ein Informatiker erklärte ihm, dass Philosophie Schwachsinn sei und dass es bald möglich wäre, Computer zu bauen, die sich ihrer selbst bewusst seien.
Die Gegenfrage von Metzinger: An was werdet ihr das erkennen?

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Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

23.11.2007 06:28
#5 RE: Denken - Die stille Krankheit Antworten

In Antwort auf:
Die Gegenfrage von Metzinger: An was werdet ihr das erkennen?

LOL, ist genau so nett, wie die obrige Geschichte...
Aber, apropos Denken: Ich stelle die Tage mal ein Foto von meinem Kater
(Schrödinger) rein. Der denkt immer, er kriegt nicht genug Fresschen...
Immer, wenn es lecker Hühnchen oder so gibt, sitzt er vor´m Ofen und versucht
diesen zu öffnen. Letztens sogar am Griff. Wir müssen sehr oft über Schrödinger
lachen, wenn er mal wieder auf "Beutezug" geht.

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

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dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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