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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

Der substanzielle  Dialog
 
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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 714 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Etymon Offline



Beiträge: 60

10.12.2005 06:32
Die Rebellion antworten

Am Ende der Zeiten versammelten sich Millionen von Menschen auf einer riesigen Ebene vor dem Thron Gottes. Viele von ihnen schauten ängstlich in das helle Licht, das ihnen entgegenstrahlte. Es gab jedoch auch Gruppen von Menschen, die erregt miteinander diskutierten. Die Umgebung schien sie nicht zu beeindrucken.
"Wie kann Gott es wagen, über uns zu Gericht zu sitzen?! Was versteht er schon von unserem Leiden?!", suchte eine verhärmte Frau. Sie zog ihren Ärmel hoch und zeigte eine eintätowierte Nummer aus einem Konzentrationslager.
Verbittert öffnete ein junger Mann seinen Hemdkragen: "Schaut Euch das an!", forderte er seine Nachbarn auf. Am Hals sah man die bleichen Narben eines Stricks: "Gelyncht wurde ich allein deshalb, weil ich eine schwarze Hautfarbe habe. In Sklavenschiffen hat man uns gequält. Von unseren Familien wurden wir getrennt. Wie Tiere mussten wir arbeiten bis der Tod uns die Freiheit schenkte!"

Trotzig starrte ein Mädchen vor sich hin. Auf ihrer Stirn erkennt man das Wort, "Unehelich" "Dadurch wurde mein ganzes Leben verdorben", murmelte sie und ihre Stimme verlor sich im Gewühl der anderen.
Überall wurden jetzt ärgerliche Klagen laut. Jeder richtete Vorwürfe an Gott, weil er das Leid in der Welt zugelassen hatte. Ja, wie konnte sich Gott überhaupt vorstellen, was der Mensch auf der Erde alles erdulden muss?! Schliesslich führt er doch in der Schönheit des Himmels ein recht behütetes Dasein, fanden sie. Dort gab es keine Tränen, keine Not und keinen Hass. "Gott hat leicht reden!", lautete die allgemeine Klage.

Es bildeten sich verschiedene Gruppen, die sich jeweils einen Sprecher wählten. Da war ein Jude, ein Schwarzer, ein Unberührbarer aus Indien, ein Unehelicher, ein entstellter Leprakranker, ein Opfer aus Hiroshima, jemand aus einem kommunistischen KZ-Lager und ein ermordetes, ungeborenes Kind. Sie diskutierten aufgeregt miteinander und waren sich schliesslich in der Formulierung der Anklage einig.
Der Sachverhalt war ganz einfach: Bevor Gott das Recht haben sollte, über sie zu richten, muss er erst mal das ertragen, was sie erlitten heben. Gott sollte dazu verurteilt werden, auf der Erde zu leben als MENSCH!
Aber da Gott nun mal Gott war, hatten sie gleich bestimmte Bedingungen aufgestellt: Er sollte keine Möglichkeiten haben, sich aufgrund seiner göttlichen Natur selbst zu helfen. Dazu hatten sie sich folgendes ausgedacht: Gott sollte als Jude geboren werden. Schon als Kind müsse er Gerüchte hören, dass man nicht wisse, wer sein Vater ist. Er soll von seinen engsten Freunden verraten werden, von einem voreingenommenen Gericht verhört und dann von einem feigen Richter für schuldig verurteilt werden. Schliesslich sollte er selbst erfahren, was es heisst, völlig allein und von allen Menschen verlassen zu sein. Der qualvolle Tod müsse in aller Öffentlichkeit geschehen, umgeben von einer schadenfrohen Menge.


Als nun jeder Sprecher einen Teil dieses Urteils verkündete, erhob sich ein grosses Raunen vor dem Thron Gottes. Nachdem der letzte Sprecher seinen Urteilsspruch verlesen hatte, folgt ein langes Schweigen. Alle, die Gott verurteilen wollten, gingen plötzlich leise fort. Niemand wagte mehr, etwas zu sagen. Plötzlich wusste es jeder: Gott hatte genau dies bereits auf sich genommen.


Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.159

10.12.2005 07:41
#2  Die Rebellion antworten
Moin Etymon,

am Kreuz sterben zu müssen, war bestimmt ein sehr schlimmes Ereignis. Hatten seinerzeit aber viele erlebt, wie Welt war damals noch grausamer als heute. Aber EIN Akt der Kreuzigung wiegt nicht alles Leid der Welt auf, was ist denn das für eine Rechnung? Und Jesus wusste doch, Gottes Sohn zu sein - nach zwei Tagen wiederzuerstehen und zurück in den Himmel zu können - und auf Erden nur berühmter und noch berühmter wurde! Nach zwei Stunden am Kreuz brach er ohnmächtig zusammen. Also mit Verlaub: Die meisten Kreuzigungen zogen sich über Tage hin, bevor der so Bestrafte das Bewusstsein verlor und starb. Die hatten mehr gelitten, als der Jesus damals. Von den Juden in den KZs will ich jetzt gar nicht reden...
Und: Gott sah also ein, bestraft werden zu müssen für die Leiden, die die Menschen auszuhalten hatten - und er bestrafte sich selbst? Und er befreit uns von der Erbschuld, wenn wir dafür aber Dinge glauben, die sich logisch partout nicht zusammenfügen? Und wenn wir das nicht tun, ist aber Tabula Rasa angesagt? Sind doch alles etwas merkwürdige Begründungen, oder? Aber wir kennen ja das alles schlagende Argument, dass "die Wege des Herren unergründlich" sind...

Gysi
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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

04.01.2006 09:23
#3 RE: Die Rebellion antworten
Ich habe schon bessere utopische Literatur gelesen. Vor allem mit gerechterem Ausgang. Denn das wäre doch echt ungerecht und feige, wenn der Vater für die Sachen, die er verbockt hat, seinen Sohn bluten lässt statt sich selbst dem Gericht zu stellen.

Wer wirklich mal ne schöne Geschichte über ne Rebellion gegen Gott lesen möchte, dem empfehle ich Antatol France´s "Aufruhr der Engel"

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...was zu bezweifeln ist

Prometheus Offline




Beiträge: 392

04.01.2006 09:50
#4 RE: Die Rebellion antworten

Die Geschichte fängt vielversprechend an und endet so durch und durch flach und enttäuschend.
Es ist schon beinah blasphemisch die Leiden der KZ-Opfer so zu trivialisieren...


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