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Dieses Thema hat 61 Antworten
und wurde 7.079 mal aufgerufen
 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
Seiten 1 | 2 | 3
qilin Offline




Beiträge: 3.552

18.01.2008 06:38
Buddhismuskritik antworten

Zitat von Sleipnir
Zum Buddhismus habe ich im Internet zufällig was von Michael Schmidt Salomon gefunden.
Vielleicht können sich ja mal die Buddhisten aus dem Forum dazu äußern.
http://www.schmidt-salomon.de/buddhism.htm


Zitat von Lukrez
Da stimme ich voll zu:
Das zentrale Problem des Buddhismus besteht zweifellos darin, dass er zur Religion entartete.
Diese unschöne Tatsache sollte skeptisch denkende Menschen aber nicht daran hindern, den Buddhismus als Philosophie kritisch wertzuschätzen.
Mein früheres Interesse für den Buddhismus hat ganz allgemein mein Interesse für die Philosophie geweckt!
Der Buddhismus (der ursprüngliche) war ein sehr früher Höhepunkt der Philosophie und den Religionen weit voraus.


Zitat von Tao-Ho
Karma bedeutet nicht, dass man in einem seiner Leben etwas falsch gemacht
hat und man nun dafür büssen muss. Karma sollte eigentlich die Kausalität
innerhalb des Lebens erklären. (und wie überall wird hier und da schon
mal was falsch verstanden / so auch hier)

Karma bedeutet nicht mehr und nicht weniger als: Wenn ich in die Badewanne
steige, muss ich damit rechnen nass zu werden. Oder, wenn man es vielfältiger
sehen will: Ich steige beim klettern auf einen Stein und dieser fällt runter
und dabei falle entweder ich hinterher, oder der Stein fällt jemanden auf den
Kopf, oder gar nichts passiert (ausser, dass ich mich evtl. erschrecke).

Sollte auch erklären, warum gerade im Zen-Buddhismus die Achtsamkeit im Leben
gelehrt wird (und nicht Buddha anzubeten).

Karma wird so oft in solchen Zusammenhängen genannt, um ihn in Misskredit zu
bringen, aber kein Buddhist, der die Lehre wirklich verstanden hat, wird Karma
anders sehen und eine Straftat gutheissen. Er wird versuchen den Straftäter zu
verstehen, aber er wird die Tat nicht gutheissen.

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

18.01.2008 07:19
#2 RE: Buddhismuskritik antworten
Danke schön, qilin und Sleipnir.

Nun können wir nach Herzenslust diskutieren und die Fragen, die durch
diesen Artikel aufgekommen sind, beantworten.

Mir geht als Buddhistin auch oft der Hut hoch, wenn ich sehe, was
einige "Meister" aus dem Buddhismus machen. Auch ich bin mit einigen
Sachen überhaupt nicht einverstanden und die Zugänge zum Buddhismus
sind so viele, wie es Menschen gibt. Eigentlich gut, aber wenn ich
da an solche Meister wie Ole Nydahl denke...

Aber, jetzt sind erst mal die Nichtbuddhisten dazu aufgerufen, diesen
Artikel gut zu lesen und dann ran an die Fragen.

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

18.01.2008 11:17
#3 RE: Buddhismuskritik antworten

Also ich habe mir den Artikel mal ausgedruckt und kurz durchgelesen
(leider z.Z. nicht viel Muße wegen Wohnungswechsel und so...) und habe
sicher einige Anmerkungen dazu - wird aber wohl ein paar Tage dauern

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() qilin

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

18.01.2008 12:35
#4 RE: Buddhismuskritik antworten

Um den Artikel genau berurteilen zu können, fehlt mir einfach das Wissen über Buddhismus.

Vom Autor selbst bin ich schon lange schwer beeindruckt. Für mich ist MSS der wichtigste Denker und Botschafter des Gottlosen im deutschsprachigen Raum. Auch seine Art zu leben, seine Vielseitigkeit, er ist nicht nur Wissenschaftler sondern auch Musiker, das Erfrischende Auftreten in der Öffentlichkeit machen ihn mir sympathisch und glaubwürdig.
Ich gehe mit Sicherheit davon aus, dass er nie bewusst Fakten ändern oder sonst irgendwie täuschen würde.

Sich selbst täuschen kann natürlich aber auch er. Weil er das weiß, fordert er auch immer zur Auseinandersetzung mit seinen Anschauungen auf. Der könnte fast Pastafari sein.

Wir werden übrigens bei unsrer Nudelmesse morgen in Potsdam darüber abstimmen, ob wir als KdFSM BB e.V. Mitglied der Giordano-Bruno-Stiftung werden wollen. Ich selbst bin es schon.

mum1 Offline

T'ien-shen-mu

Beiträge: 2.323

18.01.2008 16:08
#5 RE: Buddhismuskritik antworten

Wo ihr so schön versammelt seid:

Wie erklärt sich im Zusammenhang mit Wiedergeburt eigentlich das Bevölkerungswachstum? Wo kommen denn all die neuen Seelen her?

qilin Offline




Beiträge: 3.552

18.01.2008 16:39
#6 RE: Buddhismuskritik antworten

Hallo Mum,

hier eine kleine Übersicht über den Buddhismus, die ich vor ein paar Jahren
mal für einen muslimischen Freund zusammengeschrieben habe - ich denke
da kommt's ganz gut 'raus. Auch hier im Forum haben wir schon intensiv
darüber diskutiert - im thread 'Erleuchtung' im Juni.
Ganz kurz zusammengefasst - im Buddhismus wird das Ich - und damit
die Seele - für eine Illusion gehalten, und darum heißt 'Wiedergeburt'
dort nicht, dass 'man' als Regenwurm, als Zaun- oder sonstiger König
'wiederkommt'. Das ist die Auffassung der Hindus, und bei denen wird
auf diese Frage meist darauf hingewiesen, dass es ja unzählbar viele
Welten gibt und sich die Zahl der Seelen dann irgendwie ausgleicht...

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() qilin

qilin Offline




Beiträge: 3.552

18.01.2008 21:47
#7 RE: Buddhismuskritik antworten

Zitat von Bruder Spaghettus
Ich gehe mit Sicherheit davon aus, dass er nie bewusst Fakten ändern oder sonst irgendwie täuschen würde.
Nein - aber wie er scharfsinnig Erich Fromm analysiert "fokussiert auch er im Falle des Buddhismus allein die Elemente, die seinem eigenen Denkansatz entsprechen, Widersprüche werden leichtfüßig umgangen..."
In Antwort auf:
Die vom historischen Buddha dargelegte Karmalehre (wonach gute und schlechte Taten vermeintlich vorangegangener Inkarnationen das Schicksal im gegenwärtigen Leben bestimmen), die von ihm kolportierte Vorstellung, Leben sei gleichbedeutend mit Leiden, sowie die daraus gezogene Schlussfolgerung, man solle sich durch kontemplatives Nichthandeln dem schrecklichen Kreislauf der Wiedergeburten entziehen, wirkten unbestritten alles andere als emanzipatorisch.
'Unbestritten' ist wohl etwas übertrieben... Die Sache mit dem 'Leiden' ist ebenso mit Vorsicht zu genießen wie die mit den Inkarnationen. Dukkha wird zwar seit Schopenhauer häufig so übersetzt, hat aber die Bedeutung von 'unrund, ungenügend' - dass das Leben nicht ausschließlich aus Leiden besteht, zeigt der Augenschein; dass es nicht 'rund läuft', ebenfalls. Und mit einiger Phantasie ist auch vorstellbar, dass es einem irgendwann mal 'reicht'... Und zum 'kontemplativen Nichthandeln' ist zu sagen, dass die ursprüngliche buddhistische sangha nur die Mönchsgemeinde bezeichnete - und die Mönche tatsächlich nur mit Kontemplation beschäftigt sein sollten. Gerade der Zen-Buddhismus mit seinem 'autoritären Duktus' hat sich davon gelöst mit der Klosterregel des Pai-chang (720-814) - "Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen".

In Antwort auf:
Dies alles änderte sich erst nach Buddhas Tod, als die buddhistischen Gemeinden neue Organisationsformen wählten und sich durch die Integration fremder religiöser Kulte mehr und mehr von der buddhistischen Ursprungsidee entfernten.
Das ist ein stark pauschalierendes Urteil - der Unterschied zwischen Mönchen/Nonnen und Laien war auch zu Lebzeiten des Buddha sehr ausgeprägt und wurde erst mit dem Mahayana relativiert; andererseits hält sich der Theravada-Buddhismus in Indien/Sri Lanka/Indonesien/Myanmar immer noch recht genau an die 'buddhistische Ursprungsidee'.

In Antwort auf:
Mitte des 20. Jahrhunderts trat der Buddhismus endgültig seinen Siegeszug in den westlichen Ländern an. Wegbereiter dieser Entwicklung waren nicht nur Reaktionäre und esoterische Wirrköpfe - Goldner verweist u.a. auf Blavatsky und Graf Dürkheim -
Helena Blavatsky war Mitbegründerin der Theosophischen Gesellschaft, also nur höchst bedingt dem Buddhismus zuzuordnen; Graf Dürckheim war zweifellos Nationalist und zeitweise Sympathisant des Naziregimes, aber nie typisch für Zen, geschweige denn für 'den Buddhismus'.

In Antwort auf:
Freilich lässt sich über die Buddhismusinterpretation Fromms streiten. (Wie so häufig, fokussiert Fromm auch im Falle des Buddhismus allein die Elemente, die seinem eigenen Denkansatz entsprechen, Widersprüche werden leichtfüßig umgangen.)
Ähnliches lässt sich wohl auch von dieser Abhandlung sagen

In Antwort auf:
Das zentrale Problem des Buddhismus besteht zweifellos darin, dass er zur Religion entartete. Diese unschöne Tatsache sollte skeptisch denkende Menschen aber nicht daran hindern, den Buddhismus als Philosophie kritisch wertzuschätzen.
Das ist eine Frage der Definition von 'Religion' - aber im Prinzip der Religionswissenschaft durchaus bekannt, wie F. Spiegelberg, den ich hier schon mal zitiert habe.

In Antwort auf:
Fazit: Es sollte Religionskritikern um eine dialektische Aufhebung - nicht um den Versuch einer plumpen Zerstörung - der Religion gehen, d.h. um eine Weiterführung ihrer humanen Aspekte, die bei der notwendigen Kritik ihrer inhumanen Neben- oder sagen wir besser: Hauptwirkungen nicht übersehen werden sollten.
Wie gesagt - das kommt ganz auf die Definition von 'Religion' an. Wenn ich dafür 'Konfession' setze, kann ich's unterschreiben...

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() qilin

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

18.01.2008 23:54
#8 RE: Buddhismuskritik antworten
In Antwort auf:
Graf Dürckheim war zweifellos Nationalist und zeitweise Sympathisant des Naziregimes, aber nie typisch für Zen, geschweige denn für 'den Buddhismus'.
Gott sei Dank.
Und er ist schwer zu lesen.
qilin Offline




Beiträge: 3.552

19.01.2008 06:18
#9 RE: Buddhismuskritik antworten
Brian Victoria ('Zen, Nationalismus und Krieg') hatte vor Jahren mal im Sinn, ein zweites Buch über
'Zen und Nationalsozialismus' zu schreiben - mit Hauptgewicht auf Dürckheim, Herrigel ('Zen und die
Kunst des Bogenschießens') und dem Buch von Kimberley Cornish, 'Der Jude aus Linz', in dem eine
angebliche Jugendbekanntschaft zwischen Hitler und Wittgenstein (dem Philosophen - die haben mal
tatsächlich ungefähr zur gleichen Zeit dasselbe Gymnasium in Linz besucht) als Begründung für eine
'buddhistische Beeinflussung Hitlers' dienen sollte - er wollte damit einen Zusammenhang zwischen
Buddhismus und Nationalsozialismus 'aufdecken'. Wir waren damals in recht engem Kontakt, und ich
habe für ihn Einiges recherchiert - in den zeitgenössischen Quellen und in Kontakt mit Leuten, die
Herrigel und Dürckheim noch persönlich kannten (z.B. P. Sudbrack) - und konnte ihm schließlich nur
von dem Projekt abraten - die spärlichen Tatsachen hätten sich nur mit sehr viel Phantasie zu einem
sinnvollen Ganzen vereinen lassen...
Trotzdem - Herrigel war überzeugter Nationalsozialist - vermutlich auch noch lange nach dem Krieg -
und Dürckheim hat sich vor dem Krieg für die Nazipropaganda einspannen lassen (dürfte sich aber in
Japan - spätestens im Internierungslager der Amerikaner nach dem Krieg - 'bekehrt' haben). Seine
Bücher sind für mich auch ziemlich unverdaulich - das ist aber meine persönliche Einschätzung - ich
kenne Leute, die sie sehr wertvoll finden...

P.S. Eines allerdings hat mir immer gut gefallen, ist aber auch ziemlich untypisch für ihn - die
'Wunderbare Katze'

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() qilin

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

19.01.2008 07:59
#10 RE: Buddhismuskritik antworten

@ Bruder Spaghettus

Drücke Dir ganz fest die Daumen und warte neugierig auf einen Bericht.

@ qilin und mum

Wenn ich nachdenke, wie oft sich mir noch heute die Frage stellt,
wie die Wiedergeburt mit dem Bevölkerungswachstum zusammen passt...

In Antwort auf:
Herrigel **** Seine Bücher sind für mich auch ziemlich unverdaulich

Geht mir genau so. Aber, wie ich schon sagte: Soviele Menschen es gibt,
soviele Zugänge zum Buddhismus gibt es. Finde ich eigentlich fein, denn
so kann jeder seinen Weg finden.

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() Tao-Ho

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

19.01.2008 10:52
#11 RE: Buddhismuskritik antworten

In Antwort auf:
'Unbestritten' ist wohl etwas übertrieben...

Seine "konsequente" Ausdrucksweise wird ihm von manchen vorgeworfen. Auch ich stolpere manchmal darüber. Auch ich finden manchmal Widersprüche in seinen Gedanken. Für das, was er vor hat, nämlich gottlose Weltanschauung offensiv zu vertreten, finde ich es aber richtig. Da sind solche Reibflächen doch nur positiv, denn sie bringen Auseinadersetzung.
Schlimm wäre nur, wenn er seine Meinung als Dogma sehen würde. Genau das macht er aber nicht, sondern fordert selbst auf, alles zu hinterfragen.

Klar geht er in diesem Artikel auch auf das ein, was in seine Methodik passt. Bei so einer knappen Abhandlung über ein so großes Thema halte ich das für normal. So was lesen die Leute viel eher, als ausführliche und dann auch korrektere Bücher. Wer knapp sein will kann wohl einfach nicht anders, als auch mal stark zu verallgemeinern. Solange die wichtigsten Grundaussagen richtig wiedergegeben werden, finde ich das nicht so schlimm.

Diesen Artikel ist für mich als erste Heranführung von Kenntnislosen an das Thema Buddhismus durchaus nutzbar. Das was du bemängelst, sind doch schon eher Feinheiten. Oder täusche ich mich da?

qilin Offline




Beiträge: 3.552

19.01.2008 16:10
#12 RE: Buddhismuskritik antworten

Wenn er vorhat, gottlose Weltanschauung offensiv zu vertreten, dann tut er genau das.
Wenn ich als Kenntnisloser an das Thema Buddhismus in dieser Form herangeführt werde:

In Antwort auf:
Die vom historischen Buddha dargelegte Karmalehre (wonach gute und schlechte
Taten vermeintlich vorangegangener Inkarnationen das Schicksal im gegenwärtigen
Leben bestimmen), die von ihm kolportierte Vorstellung, Leben sei gleichbedeutend
mit Leiden, sowie die daraus gezogene Schlussfolgerung, man solle sich durch
kontemplatives Nichthandeln dem schrecklichen Kreislauf der Wiedergeburten
entziehen, wirkten unbestritten alles andere als emanzipatorisch...
Dies alles änderte sich erst nach Buddhas Tod, als die buddhistischen Gemeinden
neue Organisationsformen wählten und sich durch die Integration fremder religiöser
Kulte mehr und mehr von der buddhistischen Ursprungsidee entfernten.
verstehe ich erstmal "Der Typ hat zwar Scheiße gelabert, aber zumindest ein paar
gute Ideen gehabt, nur die sind eben vergessen und unterdrückt worden - und wir
können jetzt vermöge unserer größeren Weisheit versuchen, das Richtige wieder
'rauszufinden und zu evaluieren, was davon immer noch brauchbar ist..."
Die 'wichtigsten Grundaussagen' sind sicherlich nicht 'Leiden und Reinkarnation'...

Ich bezeichne mich nicht als Buddhist, bin durchaus der Meinung, dass der Buddha
sich auch geirrt hat (schließlich waren es ja nur seine Ideen) - aber eine solche
Herangehensweise 'schmeckt' mir bei keinem Denker aus früheren Zeiten.
Es impliziert eine Vorrangstellung des heutigen Denkens gegenüber allem,
was früher gedacht worden ist, die ich in dieser Absolutheit eben nicht sehe...

Wenn ich Alles, was sich meiner Meinung nach nicht 'auf das Menschliche
beschränkt' als 'lebensfeindlich' und 'inhuman' abwerte, den 'Pfaffen und Mönchen
halbe Wahrheiten entreißen' möchte, gehe ich IMHO nicht voraussetzungslos
an die Sache heran.

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() qilin

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

20.01.2008 12:19
#13 RE: Buddhismuskritik antworten

Welche Schlussfolgerungen aus diesen Sätzen zu ziehen sind, kommt immer sehr auf den an, der das tut. Auf mich wirken sie nicht so, wie auf dich. Für mich ergibt sich daraus: Buddhismus ist heute nicht die Anschauung, mit der es gelingt die Welt zum Besseren zu wenden da sie zu sehr auf dulden und Nichthandeln setzt. Bestimmte Aspekte des Buddhismus sind aber auch heute für uns wertvoll.

Zu diesem Verständnis passt es auch, wenn es später heißt: Welche Schlüsse können wir nun aus unserer kurzen Beschäftigung mit Buddhismus und Buddhismuskritik ziehen? Meines Erachtens spricht vieles dafür, dass Religionskritiker Abstand davon nehmen sollten, Religionen in ihrer Gänze zu verdammen.

Was übrigens nicht meiner Meinung entspricht, jedenfalls wenn ich den Unterschied zwischen Religionen und den jeweiligen Lehren einbeziehe. Dann würde ich nur für letztere gelten lassen:
Wir sollten dabei aber nicht übersehen, dass Religionen ungeachtet ihrer oftmals menschenverachtenden Theorie und Praxis zweifellos wichtige kulturelle Schatzkammern der Menschheit sind, in denen vieles zu finden ist, was sicherlich auch heute noch bemerkenswert ist. Auf Relgionen kann ich gut und gerne völlig verzichten.

exzel Offline



Beiträge: 20

27.03.2008 20:44
#14 RE: Buddhismuskritik antworten

Hallo zusammen,

@Tao-Ho

welche Einwände hast du gegen Ole Nydahl?


Gruß

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

28.03.2008 07:22
#15 RE: Buddhismuskritik antworten

Was habe ich gegen Ole Nydahl? Ganz einfach: Er ist so unmöglich in seinen Aussagen,
dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll.

Ich denke da an solche Erzählungen, wo er behauptet, dass er mit seinem Auto auf der
Autobahn mit Vollgas auf einen Betonpfeiler zuraste, sich dieser auflöste und, nachdem
er die Betonsache passiert hatte, wieder hinter dem Auto materialisierte.

Aufstossen tut mir auch die Sache, wie er das Sterben seiner Frau beschrieb.
Erstens hat ein Meister seiner Zunft nicht von seiner Frau gebeten zu werden
dass er bei ihr bleibt (er tut es einfach und begleitet sie nach dem Ritus
in den Tod). Und zweitens hat er nicht so einen Müll zu schreiben, wie z. B.:

"Sie kam noch 15 Mal wieder in den Körper zurück, um festzustellen, dass er nicht
mehr zu gebrauchen war... blablabla... die Lungen hatten sich ja schon vor einigen
Tagen aufgelöst usw... blablabla... konnte sie davon überzeugen zu gehen... blablabla.

Er ist einfach nur unmöglich. Lies Dir doch mal bitte das tibetanische Buch von Leben
und Sterben durch und Du wirst schon sehen, was er für ein Schmunzelbäckchen ist.

Am schlimmsten finde ich aber, dass er insbesondere seine Schülerinnen abhängig von sich
macht, nur um sie besser vögeln zu können. Ist doch krank. Ein Meister sollte (egal welcher
Richtung er angehört) immer seine Schüler auf Selbstständigkeit trimmen. Alles andere ist
für mich nicht akzeptabel.

qilin wird Dir sicher nachher auch noch einiges zu diesem Schmunzelbäckchen erzählen. Er kennt
ihn ja auch und schätzt ihn auch nicht gerade sehr.

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() Tao-Ho

Ronnie77 ( Gast )
Beiträge:

28.03.2008 22:03
#16 RE: Buddhismuskritik antworten

In Antwort auf:

Ich denke da an solche Erzählungen, wo er behauptet, dass er mit seinem Auto auf der
Autobahn mit Vollgas auf einen Betonpfeiler zuraste, sich dieser auflöste und, nachdem
er die Betonsache passiert hatte, wieder hinter dem Auto materialisierte.


Klingt irgendwie nach Satya Sai Baba!
Dieser hat mehr als 10 000 Anhänger und auf kleine Buben soll er es auch noch abgesehen haben!
Er behauptet eine Reinkarnation von Shirdi Sai Baba zu sein, der im 19. Jhd. in Indien lebte.
Nebenbei führt er auch Zauberkunststücke auf und die Anhänger glauben er könnte diese Dinge materialisieren.

Viele Leute wären gerne "Meister", nicht selten spirituelle Meister
(nicht nur den Buddhismus betreffend, auch in der Esoterik zum Beispiel)
Als Meister kann man Macht über andere Menschen ausüben und diese dann auch ausbeuten.......

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

29.03.2008 08:10
#17 RE: Buddhismuskritik antworten

In Antwort auf:
Viele Leute wären gerne "Meister", nicht selten spirituelle Meister

Einen wahren Meister erkennt man auch im Buddhismus daran, dass er sich nicht an
einen Titel wie "Meister" klammern muss.

Einen schlechten Meister kann man sehr schnell erkennen: Das ist der welcher immer
mit seiner Lehrgenehmigung herumwedelt und sich wichtig tut.

In Antwort auf:
Als Meister kann man Macht über andere Menschen ausüben und diese dann auch ausbeuten.......

Passiert leider oft genug. Darum kann man nicht oft genug auf Buddhas Worte hinweisen.
Er hat gesagt, dass man ihm nicht alles glauben, sondern alles was er sagt nachprüfen
sollte. Selbstständig denken ist im Buddhismus eine ganz wichtige Sache.

Leider lassen sich immer noch viel zu viele Menschen von diesen Blendern
verarschen und zahlen ein Schweinegeld, nur um diesen vermeintlichen Idolen
(wobei es im Buddhismus keine Idole geben sollte) nachzureisen, ihre Bücher
zu kaufen und an ihren Lippen zu hängen, nur damit die Meister sie in die
Erleuchtung bringen.

Lächerlich, denn ein Meister kann niemanden in eine wie auch immer geartete
Erleuchtung bringen.

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() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

29.03.2008 10:13
#18 RE: Buddhismuskritik antworten

In Antwort auf:
Einen schlechten Meister kann man sehr schnell erkennen: Das ist der welcher immer
mit seiner Lehrgenehmigung herumwedelt und sich wichtig tut.
Ganz richtig - oder einen, der 'Lehrbefähigungen' sammelt wie Briefmarken, und auch noch stolz ist darauf...


In Antwort auf:
Darum kann man nicht oft genug auf Buddhas Worte hinweisen. Er hat gesagt,
dass man ihm nicht alles glauben, sondern alles was er sagt nachprüfen
sollte. Selbstständig denken ist im Buddhismus eine ganz wichtige Sache.
Zitat von Buddha
Nennt niemand Vater, niemand Meister, niemand Lehrer...

Zitat von Buddha
Meine Worte sollt ihr prüfen, wie ein Bauer mit einem Joch Ochsen, das er
kaufen will, erstmal ein Feld zur Probe pflügt, oder wie ein Goldschmied das Gold,
das ihm angeboten wird, dreimal im Feuer prüft; und wenn ihr sie richtig findet,
sollt ihr sie annehmen, wenn ihr sie unrichtig findet, sollt ihr sie verwerfen.



In Antwort auf:
Lächerlich, denn ein Meister kann niemanden in eine wie auch immer geartete
Erleuchtung bringen.
Vor Jahren hab' ich mal geschrieben "Ein Meister ist wie ein Turnlehrer
- er kann dir Hilfestellung geben, aber springen musst du schon selbst!"

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() qilin

qilin Offline




Beiträge: 3.552

29.03.2008 11:53
#19 RE: Buddhismuskritik antworten

Zu Ole Nydahl: ich habe ihn zweimal persönlich erlebt und Einiges von ihm gelesen -
meine Meinung dazu ist hier zu lesen...

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin


Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft
maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

25.09.2008 19:58
#20 RE: Buddhismuskritik antworten

Apropos Buddhismus-Kritik:

Das Wenige, was ich vom Buddhismus erfahren habe oder lernen durfte, war der Fakt, dass Buddhisten letztendlich eine gewisse Gelassenheit oder auch (um das schlimme Wort zu gebrauchen...)Toleranz gegenüber anderen Denk-oder Verhaltensmustern entwickeln bzw. zeigen, zumindest auf einer entsprechenden, subjektiven Entwicklungsstufe, mal unabhängig von ihrer Lebenserfahrung, die in den meisten Fällen schon integriert ist.
Es hat in dem Zusammenhang sicher auch nicht mal was mit Erleuchtung zu tun (die scheinbar der kleinste Teil der buddhistisch Gläubigen erreicht) oder auch nicht mit der Vielfältigkeit oder Verzweigtheit der buddhistischen Lehren, denn dann wäre damit alles zu entschuldigen und die ganze Sache würde in absoluter Beliebigkeit münden.

Ich weiß nicht, warum und woher dieses Bild vom Buddhismus so geprägt ist (auch unabhängig davon, ob Weite mit Scheiße gleichgesetzt wird), ist die buddhistische Sichtweise (wenn man die debil-grinsenden, goldlackierten Statuen-Fettwänste weglässt) eine Sicht der Dinge, die es vielen leicht macht, Sympathie zu entwickeln.

Irgend jemand sagte mal vor kurzem, der 'Buddhismus ist die Religion der Zukunft'.
Wenn man die spirituellen Bewegungen des Westens beobachtet, könnte man zu diesem Schluss kommen.

Liegt das vielleicht doch an dieser gewissen Beliebigkeit?

Regens Küchl ( Gast )
Beiträge:

26.09.2008 17:33
#21 RE: Buddhismuskritik antworten

Zitat von maleachi 89
Apropos Buddhismus-Kritik:
Das Wenige, was ich vom Buddhismus erfahren habe oder lernen durfte . . .


Dann schau mal gut her! So geht Buddhismus:
http://www.youtube.com/watch?v=wPtPZhWjP_I&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=gh16MJ23laQ&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=vfeAqlYv2wQ


euer ergebener

Regens Küchl

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

26.09.2008 19:56
#22 RE: Buddhismuskritik antworten

Die Dinger laufen bei mir nicht richtig, aber was ich gesehen habe, überfordert mich intellektuell...

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

26.09.2008 22:53
#23 RE: Buddhismuskritik antworten

Also ich sehe den Buddhismus nicht so negativ und würde Nietzsche da vollkommen zustimmen:
Der Buddhismus ist hundertmal realistischer als das Christentum, - er hat die Erbschaft des objektiven und kühlen Probleme-Stellens im Leibe, er kommt nach einer Hunderte von Jahren dauernden philosophischen Bewegung; der Begriff "Gott" ist bereits abgetan, als er kommt. Der Buddhismus ist die einzige eigentlich positivistische Religion, die uns die Geschichte zeigt, auch noch in seiner Erkenntnistheorie (einem strengen Phänomenalismus -), er sagt nicht mehr "Kampf gegen die Sünde", sondern, ganz der Wirklichkeit das Recht gebend, "Kampf gegen das Leiden". Er hat - dies unterscheidet ihn tief vom Christentum - die Selbst-Betrügerei der Moral-Begriffe bereits hinter sich, - er steht, in meiner Sprache geredet, jenseits von Gut und Böse.

__________________________________________________
Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

27.09.2008 10:18
#24 RE: Buddhismuskritik antworten

In Antwort auf:
Der Buddhismus ist die einzige eigentlich positivistische Religion


Als positivistisch empfinde ich den Buddhismus auf den ersten Blick überhaupt nicht, wenn man die Grundaussage 'Alles Leben ist Leiden' vorrausstellt.
Wenn, dann empfinde ich den Buddhismus als realistisch.

Interessant der Vergleich mit dem Christentum:

http://www.tibet.de/tib/tibu/2001/tibu58/58buddhris.html
http://www.preusser.org/omega/2007/11/20...zen-buddhismus/


“Gott offenbart sich im Baum als Baum, im Tier als Tier und im Menschen als Mensch. Er ist die Symphonie, die erklingt. Der Komponist steht nicht außerhalb und dirigiert. Er erklingt als diese Symphonie. Er ist ihre Musik, und alle Formen sind nur Noten. Was wir Gott nennen, erschafft sich Augenblick für Augenblick neu.” W. Jäger

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

27.09.2008 19:37
#25 RE: Buddhismuskritik antworten

In Antwort auf:
wenn man die Grundaussage 'Alles Leben ist Leiden' vorrausstellt.

Alles Leben ist Leiden kann man nicht so verallgemeinern. Kein Buddhist den ich
kenne ist ein sauertöpfischer Eigenbrötler, der sich hinter den Ofen verkriecht.

Es geht einfach nur darum das man das Leben JETZT geniesst. Man kann krank werden
und man kann jetzt vielleicht reich sein - morgen ist evtl der grosse Börsencrash
und man ist dann arm wie eine Kirchenmaus. Aber das ist jetzt egal. Jetzt ist man
gesund und auf seine Art und Weise reich.

Du verstehst?

Anderes Beispiel: Du hast Dich auf der Arbeit tierisch geärgert. Jetzt bist Du auf
einer Party und denkst (anstatt an den Spass, den Du haben könntest) nur an den
Stress der gewesen ist. Damit verdirbst Du Dir alles selber.

Oder: Du bist am Strand und hast Deinen letzten Urlaubstag. Anstatt ihn zu geniessen
denkst Du an die vielen kleinen Dinge die morgen noch zu erledigen sind und ob evtl.
der Flieger pünktlich ist, weil Du sonst Dieses und Jenes nicht mehr schaffst...

Sowas ist gemeint.

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() Tao-Ho

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 Sprung  
________________________________________

"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

________________________________________

=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

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