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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 159 Antworten
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 Philosophie und Wissenschaft
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SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.325

30.01.2008 20:02
Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Ja, wir haben uns etwas vorgenommen. Hier soll es also um die Ausgangssituation für menschliche Gedanken gehen, womöglich einen festen Leitsatz, dem alle Menschen - ganz gleich welcher Kultur, Konfession, oder Nation sie auch angehören - zustimmen werden.

Dieses Thema erfordert viel Zeit und noch mehr Meinungen der verschiedensten menschen. Fühlt euch ermuntert eure gedanken zum Thema hier einzutragen.

Zitat von Gysi
Man kann seine Standpunkte mit seinem Kenntnisstand und seinem Glauben begründen. Aber diese Basis kann man auch begründen. Bis man auf eine Ur-Basis kommt, die wir eigentlich alle teilen.


Was ist für dich der Ansporn, eine solche Basis zu finden? Und welche Konsequenzen ergeben sich deiner Ansicht nach daraus?

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Wohl gibt es zwei Arten von Freunden und es sind diese: Käufliche und Unbezahlbare

Wo Wahrheit ist, ist Bescheidenheit (K.H.Deschner)

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Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

30.01.2008 22:30
#2 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Da wird sich nicht viel finden lassen!
Aus der Natur selbst kommt kein "Wert an sich".

Nehmen wir beispielsweise die Menschenwürde:
Ist sie dem Menschen an und für sich eigen, oder muss er sich diese erwerben?
Darf man etwa Schiller zustimmen:
Sprecht nicht über Menschenwürde - gebt den Menschen Nahrung, Kleidung, Wohnung und die Würde kommt ganz von selbst.

Das einzig sichere wäre es, das Leben auf einen energetischen Prozes festzulegen:
Der Lebensprozess, ein sich in Volumen und Potenz steigerndes energetisches Geschehen, kann sich nur über Strukturen mit positiver Energiebilanz fortsetzen. Diese sind nicht Ziel und Sinn des Vorganges, sondern dessen Voraussetzung - sie sind nicht Zweck, sondern Mittel und damit Ursache.

Werte lassen sich daraus aber nicht ableiten.
Da uns die Natur also keinen "Wert an sich" anbietet, so muss dieser immer von den Menschen selbst in einem evolutionären Prozess erst geschaffen werden.

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De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

31.01.2008 05:47
#3 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Hallo Snooker,

das ist allerdings eine schwierige Sache - ein Leitsatz bedingt immer Wertvorstellungen, und die lassen sich nur aus
anderen Wertvortstellungen ableiten. Selbst so einfach klingende 'Axiome' wie 'zu sein ist besser als nicht zu sein'
werden von Manchen schon in Frage gestellt - wo soll da eine allgemeine Zustimmung entstehen?

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

31.01.2008 06:57
#4 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Zitat von Gysi
Aus der Natur selbst kommt kein "Wert an sich".

Kann ich schon fast unterschreiben. Das nennt der Buddhist "Leerheit". Die Blume
blüht einfach nur so, der Fluss fliesst, um sich mit dem Meer zu verbinden, usw.
Alles eine wunderbare Einheit, die leider nur allzuoft von der Zivilisation
gestört wird.
Zitat von Gysi
Da wird sich nicht viel finden lassen!

Genau das ist es, warum ich Dein Posting nicht so stehen lassen kann.

Z. B. die von Dir angesprochene Menschenwürde. Ein Schwein im Anzug bleibt
immer noch ein Schwein. Ich kennen Obdachlose, die meiner Meinung nach mehr
Würde im Leibe haben, als z. B. Paris Hilton. Die hat mehr Schuhe und Kleidung,
als so manche Familie zusammen. Hat diese Dame Würde oder ist sie eher ein Schwein?
Ratet mal alle ein wenig und bildet Euch Euer eigenes Urteil.
In Antwort auf:
Da uns die Natur also keinen "Wert an sich" anbietet, so muss dieser immer von den Menschen selbst in einem evolutionären Prozess erst geschaffen werden.

Da nähern wir uns wieder ein wenig an. Aber ich würde diesen Prozess nicht nur als
evolutionär bezeichnen. Wir haben uns im laufe der Jahrtausende viele verschiedene
Kulturen geschaffen. Die Würde ist von daher genau so verschieden, wie es wir Menschen
sind.

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.044

31.01.2008 12:58
#5 Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten
Ööh, Tao-Ho... Die Zitate da oben sind aber nicht von mir... (Jetzt hast du dich mal vertappt! )

Wir Menschen haben eben schon eine gemeinsame Wahrnehmungs- und damit Erfahrungsbasis. Wir haben verschiedene Denkarten und Religionen, weil wir unsere Begründungen für irgendwelche Begebenheiten lediglich auf eine Theorie rückschließen und nicht weiter. Aber auch diese Theorie wäre auf eine tiefere Basis rückzuschließen. Die Gläubigen z.B. haben auch ihre Begründungen für ihren Glauben. Die Christen begründen ihn mit der Bibel, die Mohammedaner mit dem Koran. Da sind wir an die absoluten Grenzen ihrer Neugierde angelangt. Aber auch diese Schriften sind zu begründen, wie jeder nicht fundamentalistisch Gläubige mit den Ungläubigen ebenso weiß! Wie weit geht das mit der Begründungskette? Bei 5-jährigen Philosophen ist sie unendlich. "Warum ist das, und warum jenes, warum, warum?"
Können die Menschenrechte logisch begründet werden? Nein? Natürlich können sie es! Sie ist ein progressives Regelwerk aus der Erfahrung der Menschheit und der Demokratie, die immerhin der Reifegrad aller menschlichen Gesellschaften ist. (Sehe ich so.) Alle menschlichen Werte wie z.B. die Gesetze und die Ethik leiten sich aus seinen natürlichen Bedürfnissen ab. Und aus seiner relativen Gleichheit. Das alles ist (oder wäre) von allen nachzuvollziehen. Aber wir haben doch alle verschiedene Meinungen! Weil wir alle unsere Meinungen nicht genügend rückbegründen. Entweder die eine Partei nicht oder beide. Oder mehrere. Alle. Ich bin der unbedingten Auffassung, dass Meinungsverschiedenheiten mit diesem Mangel an Rückführung begründet ist! Theoretisch könnten wir alle eins sein.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

31.01.2008 13:08
#6 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten
*LOL*, dann sind wir ja quitt und können weiter machen.
In Antwort auf:
Sie ist ein progressives Regelwerk aus der Erfahrung der Menschheit und der Demokratie, die immerhin der Reifegrad aller menschlichen Gesellschaften ist.

Richtig. Beim einen Kulturkreis so und beim anderen Kulturkreis so.
In Antwort auf:
Alle menschlichen Werte wie z.B. die Gesetze und die Ethik leiten sich aus seinen natürlichen Bedürfnissen ab. Und aus seiner relativen Gleichheit.

Und da wird es leider schon hackelig, denn vor einigen Glaubensgruppen sind die
Mitglieder gleicher als die Nichtmitglieder.
In Antwort auf:
Theoretisch könnten wir alle eins sein.

... weil wir alle eigentlich das Gleiche wollen: In Frieden leben, unsere Kinder
gut aufwachsen sehen, heiraten usw. Nur, da kommt wieder die menschliche Gier und
schwupps hat der Nachbar ein blaues Auge, weil der Maschendrahtzaun vom Knallerbsenstrauch
zerstört wird.
Wir können uns an zehn Fingern ausrechnen was passiert wäre, wenn eine der Parteien
Moslem und die andere Partei Jüdisch gewesen wäre... AU das wär bös gewesen.

Da stellt sich die Frage(jedenfalls für mich): Können wir GIER auch zu einer
Ur-Basis machen? Gier und Neid sind jedem von uns bekannt und auch ich war
schon neidisch auf jemanden gewesen.

Wenn das so ist, können wir nicht eins werden.

GRRR, Tao-Ho, sortier Dich erst mal, bevor Du hier weiter so einen Müll postest.
Sorry for that.

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() Tao-Ho

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.044

31.01.2008 13:23
#7 Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

In Antwort auf:
Richtig. Beim einen Kulturkreis so und beim anderen Kulturkreis so.
Die Demokratie ist der Reifegrad der menschlichen Gesellschaften. Aus all den Despotien hat sich am Ende die Demokratie als vorteilhafteste und stabilste Gesellschaftsform herausgepellt. Was kann noch besseres kommen? Der Kommunismus. Der aber die Demokratie nicht ablösen, sondern inhaltlich weiterbilden wird. Das wird ein Kommunismus werden, den man aber nicht so nennen muss... (Angie würde dieser These vehement widersprechen, ich weiß... )
Despotien haben andere Werte. Aber wenn man die analysiert, kann man sie auf die Despotie rückschließen! Auf ein Machtgefüge, das dem Herrscher besondere Rechte zuspricht. Und wie kann man die auf die Natur rückschließen? Das demokratische Recht (und das Menschenrecht) kann man auf die Naturgleichheit der Individuen rückschließen. Dieser Rückschluss ist damit "endgültig".
In Antwort auf:
Und da wird es leider schon hackelig, denn vor einigen Glaubensgruppen sind die Mitglieder gleicher als die Nichtmitglieder.
Die Glaubensgruppen führen ihre Argumente eben nicht "endgültig" - bis in die Natur - zurück.
In Antwort auf:
Können wir GIER auch zu einer Ur-Basis machen?
Absolut! Die Gier der anderen aber auch! Und daraus ergibt sich das Recht auf Gleichheit!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

31.01.2008 19:49
#8 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

In Antwort auf:
Z. B. die von Dir angesprochene Menschenwürde. Ein Schwein im Anzug bleibt
immer noch ein Schwein. Ich kennen Obdachlose, die meiner Meinung nach mehr
Würde im Leibe haben, als z. B. Paris Hilton. Die hat mehr Schuhe und Kleidung,
als so manche Familie zusammen. Hat diese Dame Würde oder ist sie eher ein Schwein?
Ratet mal alle ein wenig und bildet Euch Euer eigenes Urteil.

Du solltest vielleicht deine Einstellung nochmals überdenken.
Der Mensch hat also unterschiedliche Würdergrade?
Daraus folgt aber doch, dass man sich die Menschenwürde erst einmal verdienen muss!
Also hat der Mensch erstmal überhaupt keine Würde - was auch darin zum Ausdruck kommt, dass du Würde einem Schwein anscheinend prinzipiell nicht zugestehen willst.
Gibt es eine Würde an sich, so würde ich sie zwingend auch anderen Lebewesen zugestehen.
Unter Menschenwürde verstehen wir aber offenbar etwas vollkommen anderes.
Die spezielle Menschenwürde muss nach meiner Meinung tatsächlich erst erarbeitet werden - alledings nicht von denen, deren Würde gerade verletzt wird, sondern im Gegenteil von denen, welche potentiell die Würde anderer Menschen verletzen könnten.
Insofern finde ich auch Schillers Ansicht nicht ganz verkehrt!
Und darum würde ich jetzt mal gerade im Gegenteil behaupten: Auch Paris Hilton sollte letztlich dieselbe Menschenwürde zukommen, die du ansonsten ganz selbstverständlich einem Penner zugestehst.

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(Lukrez)

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

31.01.2008 19:57
#9 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

In Antwort auf:
Auch Paris Hilton sollte letztlich dieselbe Menschenwürde zukommen, die du ansonsten ganz selbstverständlich einem Penner zugestehst

Ist Deine Meinung. Aber, versuch mal mit dieser Dame ein Gespräch über Menschenwürde
zu führen. Ob sie einem Penner Menschenwürde zugestehen würde?

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() Tao-Ho

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

31.01.2008 20:07
#10 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Das ist nun gerade der Punkt:
Entscheidend ist nicht dass man Menschenwürde hat, sondern dass man diese den Menschen zugesteht!
Du möchtest also die Würde manchen Menschen aberkennen?

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(Lukrez)

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

01.02.2008 06:48
#11 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

In Antwort auf:
Du möchtest also die Würde manchen Menschen aberkennen?

Nein, das will ich sicher nicht. Ich würde Paris Hilton genau so behandeln,
wie jeden anderen Menschen auch: Mit Respekt.
Aber, das war nicht meine eigentliche Frage. Um es klarer auszudrücken,
stelle ich sie anders. Wie würde Paris Hilton einen Penner behandeln?
Es ist eher so, dass sie ihm diese Menschenwürde absprechen würde.

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Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

01.02.2008 09:06
#12 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Zitat von Tao-Ho
Wie würde Paris Hilton einen Penner behandeln?

Wer ist Paris Hilton?
Paris Hilton ist lediglich ein Produkt unserer Gesellschaft, sie befriedigt anscheinend das, was Millionen brauchen wie Süchtige ihren Stoff. Futter für hunderte von Klatschmagazinen und TV Gefässen, gemacht für jene, deren IQ nicht mal im Quadrat 100 erreicht. Wenn all diese Deppen ihre Kohle den Pennern geben würden statt sie Hilton und Konsorten in den Arsch zu schieben hätten wir weniger Penner und keine Hiltons.


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*Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen. Der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt. (Johann Heinrich Pestalozzi 1746-1827)*

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

01.02.2008 12:03
#13 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Zitat von SnookerRI
Hier soll es also um die Ausgangssituation für menschliche Gedanken gehen, womöglich einen festen Leitsatz, dem alle Menschen - ganz gleich welcher Kultur, Konfession, oder Nation sie auch angehören - zustimmen werden.


Wenn wir von einer Ur-Basis (Gysi) ausgehen möchten, die alle teilen stellt sich die Frage, ab welchem Punkt oder was genau lässt uns den gemeinsamen Pfad verlassen. Dies geht bis zu unseren natürlichen (instinktiven) Bedürfnissen wie essen, trinken und fortpflanzen zurück. Gut dies sind keine Gedanken sondern Instinkte aber ihr Einfluss auf das Denken ist unumstritten und dazu käme ja noch noch die emotionale Komponente. Es scheint mir von daher fast unmöglich, das ein allgemeingültiger respektive von allen anerkannter Leitsatz nach dem Erlangen des bewussten Denkens überhaupt bestehen kann.



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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

01.02.2008 12:32
#14 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

In Antwort auf:
Es scheint mir von daher fast unmöglich, das ein allgemeingültiger respektive von allen anerkannter Leitsatz nach dem Erlangen des bewussten Denkens überhaupt bestehen kann.



Das sehe ich genau so. Schon bei der Aufstellung der UNMenschenrechte hat sich ja gezeigt, der Standpunkt des Betrachters ist entscheidend.
Vielleicht könnte wir mit viel Mühe was hinbekommen, das wenigstens unter uns hier allgemein anerkannt wird. Selbst das halte ich aber für kaum machbar und, vor allem, für letztlich nutzlos weil mit Sicherheit nicht zu verallgemeinern.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.044

01.02.2008 12:42
#15  Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten
In Antwort auf:
Es scheint mir von daher fast unmöglich, das ein allgemeingültiger respektive von allen anerkannter Leitsatz nach dem Erlangen des bewussten Denkens überhaupt bestehen kann.
Dieses bewusste Denken hat eine Funktion. Seine Umwelt auch intellektuell zu erfassen, hat eine Funktion. Und auf diese Funktion sind seine Ergebnisse zurückzuführen. So ist auch die Bibel auf die Funktion des menschlichen Denkens zurückzuführen. Die Bibel selber ist diese Funktion nicht! Das ist das, was ich sagen wollte! Religion heißt doch: Rückführung. Und ich behaupte, dass gerade ich praktizierte Religion uns an dieser Rückführung hindert! Die muss auf die FUNKTION des Denkens und seiner Ergebnisse zurückgehen. Sie muss auch die (praktizierte) Religion auf seine Ursachen rückführen.

Dass wir uns darüberhinaus noch um die einzelnen Artikel der Gesetze und der Menschenrechte kloppen werden, will ich nicht bestreiten. Das ist aber nicht das, worauf ich abzielte, als ich von der "Ur-Basis" sprach.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

manni Offline




Beiträge: 23

09.03.2008 09:22
#16 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

"Werte an sich und für sich gibt es nicht." , denke ich. Es gibt Sätze über Werte, Gebote, Verbote, Anweisungen, Regeln, die Allgemeingültigkeit beanspruchen - begründen können sie aber m.E., das, was einem jeden von uns etwas wert ist, nicht. Wenn wir also einen Konsens über Werte herstellen wollen, wäre es vermutlich ein erster Schritt auf das zurückzugehen, was jedem einzelnen etwas wert ist. Bzw. die Frage zu erörtern, wie Werte eines einzelnen Menschen entstehen und wie sie beschaffen sind. Dies mag auf den ersten Blick trivial erscheinen, aber die jahrtausendealte Wertgeschichte des Abendlandes zeigt, dass ausgerechet dieser 'triviale Gedanke' der Erforschung des Individuellen nach Urmenschlichem - außer in der Philosophiegeschichte des antiken Griechenland, vielleicht später noch in der humanistischen Bewegung der italienischen Renaissance - so gut wie keine Rolle spielte. Immer hat man es vorgezogen, den Menschen von außen 'Werte aufzuerlegen', weil man wie selbstverständlich 'individuelle Werte' mit der Bedeutung 'beliebig' gleichsetzte.

Im Zusammenhang mit der Erforschung des 'Individuellen' wäre sicher auch die Funktion 'denken' zu untersuchen. Mir wäre bei einer derartigen Erforschung daran gelegen, keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Gemeint ist, nichts unbefragt und als selbstverständlich einfach vorauszusetzen, bzw. hinzunehmen.

manni

Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen. (RR)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

09.03.2008 10:16
#17 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Da würde ich sofort mitmachen.

manni Offline




Beiträge: 23

12.03.2008 12:13
#18 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Damit könnten wir uns auf den Weg zu einem möglichen Basis-Konsens befinden. Basis-Konsens könnte das sein, worauf wir uns EINIGEN können. Und zwar nicht mehrheitlich, sondern es muss etwas sein, was zwischen allen an diesem Konsens beteiligten im Moment völlig unstrittig ist, wenn der Konsens seine positive Wirkung entfalten will. Mehrheitliche Einigungen taugen nichts, weil damit immer Bedürfnisse und Vorstellungen der 'Überstimmten' potentielle Störungen darstellen und damit das jeweils eigene Urmenschliche ausgehebelt ist. Wir kennen derartige Mehrheitsentscheidungen alle, sie taugen bestenfalls dazu, die Überstimmten dazu anzuregen, wie sie die Mehrheitsentscheidung unterlaufen können. Basis-Konsens ist auch keine Komprimiss, weil dafür ähnliches gilt wie für Mehrheitsentscheidungen. Außerdem sollte meines Erachtens ein derartiger Basiskonsens stets wieder disponibel sein dürfen, wenn einer derer, die am Zustandekommen beteiligt waren, dies - aus welchen Gründen auch immer - möchte.

manni

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

12.03.2008 20:25
#19 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Das wäre eine schöne Sache mit dem Basiskonsens. Allerdings halte ich den nur für theoretisch möglich.

Du hast dir doch schon Gedanken zu dem Problem gemacht. Welche Werte, die geeignet werden gesellschaftliche Verbindlichtkeiten festzulegen, hälst du denn für basiskonsensfähig?

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

12.03.2008 20:48
#20 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

In Antwort auf:
Das wäre eine schöne Sache mit dem Basiskonsens. Allerdings halte ich den nur für theoretisch möglich.

Ist etwas wirklich von wesentlicher Bedeutung, so wird man sich kaum einigen können.
Ist es bedeutungslos, so wird man sich zwar einigen - allerdings wozu?
Wir könnnen nichteinmal den Begriff "Menschenwürde" in einer Weise festlegen, die alle Meinungen zufriedenstellt.
Bei den "Menschenrechten" ist es ebenso.
Religionen geben vor das zu können - es gibt allerdings verschiedene Religionen!


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(Lukrez)

chillipopper Offline



Beiträge: 18

12.03.2008 23:19
#21 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Wir sollten uns bei der Suche nach der Ur-Basis menschlicher Überlegungen, zunächst auf die Suche nach der Ur-Basis der Entwicklung des Lebens also der Triebfeder der Evolution machen. Diese Triebfeder ist der Kampf um die Erhaltung der Art. Und auch bei uns Menschen geht es letztendlich nur darum - um die Erhaltung unserer Art. Was uns Menschen von andren Lebewesen unterscheidet ist ausschließlich die Tatsache, dass wir neben unseren Instinkten auch noch unsere Überlegungen in diesen Kampf mit einbeziehen. Und auch wenn es US-Präsidenten gibt die nicht an dei Evolution glauben werden auch sene Überlegungen von der selben Triebfeder gesteuert. Oder wir er es ausdrücken würde - nur der Sieg über die Achse des Bösen sichert das überleben des Menschen (das Überleben unserer Art).

Auch die Religionen dieser Welt vermitteln letztenlich das die Menschheit ohne sie verloren wäre. Jede von ihnen lässt sich somit auf die Frage zurückführen: Wie lässt sich der Erhalt der Menschheit sicher - ob nun im Diesseits oder im Jenseits.

Also die Ur-Frage menschlicher Überlegungen lautet : Wie erhalten wir unsere Art - was ist zu tun um das Überleben der Menschheit zu sichern ?

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Toleranz gegenüber Intoleranz ist nicht die Krönung der Toleranz, sondern der Gipfel der Feigheit

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

13.03.2008 10:00
#22 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Schön und gut. Aber welche Werte, die von allen anerkannt werden, willst du daraus ableiten?
Weg mit sämtlichen Moralvorstellungen aus dem Sexleben? Das hätte schon was, da haben die Religionen viel versaut. Aber das hätte doch nie im Leben ne Chance, von allen als Wert anerkannt zu werden.

Was also sonst?

manni Offline




Beiträge: 23

13.03.2008 15:11
#23 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Zitat von Bruder Spaghettus
Welche Werte, die geeignet werden gesellschaftliche Verbindlichtkeiten festzulegen, hälst du denn für basiskonsensfähig?


Z.B., das was wir gerade versuchen: einen Basiskonsens finden. Mein philosophischer Ansatz wirkt meist trivial. Und eventuell wird es dir mit ihm jetzt ähnlich gehen. Es könnte sein, dass du dich enttäuscht abwendest.

Wir zwei haben schon fast einen Basis-Konsens: Zwischen uns beiden ist offensichtlich unstrittig, dass wir einen Basis-Konsens möchten. Und wenn du dann noch zustimmen kannst, dass er jederzeit revidierbar sein soll, dann haben wir einen Basiskonsens - nicht nur theoretisch, sondern praktisch.

Nämlich diesen: dass zwischen unse Basis-Konsens darin besteht, dass ein Basiskonsens einstimmig und jederzeit revidierbar sein muss, wenn er von uns als Basis-Konsens angesehen werden soll.

Und nun bin ich darauf gespannt, was du meinst!

manni

PS: Übrigens ist alle Welt dauernd damit beschäftigt, einen Konsens zu finden.

Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen. (RR)

chillipopper Offline



Beiträge: 18

13.03.2008 20:33
#24 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

Der Wille die eigene Art zu erhalten, ist die Basis auf die sich alle menschlichen Überlegungen zurückführen lassen.


In Antwort auf:

Schön und gut. Aber welche Werte, die von allen anerkannt werden, willst du daraus ableiten?
Weg mit sämtlichen Moralvorstellungen aus dem Sexleben?


Nun um die Art Mensch zu erhalten wird schon noch so einiges mehr erforderlich sein als poppen. Was dazu erforderlich ist, also bei den daraus resultierenden Werten und Moralvorstellungen, da scheiden sich dann schon wieder die Geister, so dass es wirklich nur diese eine Basis für menschliche Überlegungen gibt. Und es ging ja um die Basis und nicht um Moralvorstellungen und Werte, da wird es keinen gemeinsamen Nenner geben. So traurig es ist, aber über diesen eine Basis hinaus werden wir nichts Allgemeingültiges finden.

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

14.03.2008 06:38
#25 RE: Die Ur-Basis menschlicher Überlegungen Antworten

In Antwort auf:
Wir zwei haben schon fast einen Basis-Konsens: Zwischen uns beiden ist offensichtlich unstrittig, dass wir einen Basis-Konsens möchten. Und wenn du dann noch zustimmen kannst, dass er jederzeit revidierbar sein soll, dann haben wir einen Basiskonsens - nicht nur theoretisch, sondern praktisch.

Auch der Revidierbarkeit kann ich zustimmen. Neue Erkenntnisse sollten auch neue Einstellungen begründen. Hätten wir zwei also nen Basiskonsens. Ist nur ne ziemlich kleine Basis.
Praktisch - gesellschaftlich hieße das, alle müssten damit einverstanden sein, dass sämtliche Gesetze des Staates durch Volksabstimmung und ohne Gegenstimme getroffen werden. Da wäre ich dann wieder dagegen, denn das würde den Staat lähmen.

Es klappt selten, Wirkungsmechanismen in kleinen Gruppen auch auf größere zu übertragen. Hier halte ich es nach wie vor für unmöglich.

In Antwort auf:
PS: Übrigens ist alle Welt dauernd damit beschäftigt, einen Konsens zu finden.
Aber im Ergebnis gibts Kompromisse. O.K. die Suche nach Konsens könnte evtl. allgemeingültiger Wert sein. Aber auch daran glaube ich nicht, denn die Praxis sieht doch völlig anders aus. Immer setzt sich der Stärkere durch, ob militärisch oder politisch.

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

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