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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 735 mal aufgerufen
 Weltliche Ideologien + Politik
kadesch Offline



Beiträge: 2.705

25.02.2008 09:20
Psychologische Betrachtung von Patriotismus Antworten

Um das Thema Patriotismus mal auf den Punkt zu bringen:

Jeder kennt die Art wie viele Amerikaner, Franzosen, Briten, Türken, usw.
mit dem Thema Patriotismus umgehen. Da werden Fähnchen geschwenkt,
Martialische Reden geschwungen, Marschmusik und Tschinderassabum und haste nicht gesehen.
Und ich hab mir da echt mal ein Paar Gedanken dazu gemacht, warum beim Thema
Patriotismus oder in seiner schärferen Variante dem "Nationalismus" scheinbar bei vielen der
Verstand aussetzt. Mein erster Verdacht dass es sich dabei um Krawattenträger handelt denen die
Krawatte die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn abschnürt erwies sich als falsche Fährte.
Ich sah auch Menschen in normalen T-shirts die in Patriotischer Verzückung dumme Sachen taten.
Ein weiterer Verdacht dass die Patrioten vermutlich als Kind beim Schlittschuhlaufen ins Eis eingebrochen sind
und bis zur Reanimation zu lange Zeit verstrich und dabei viele Gehirnzellen abstarben, kann auch nicht
als Erklärung herhalten. Gerade in Arabischen Ländern (oder auch in Texas) gibt es ja nicht sooo viele
zugefrorene Wasserflächen wo dies möglich ist.
Die Ursachen liegen also anderweitig.
Daher schaun wir uns mal das Wesen des Patriotismus mal genau an.
Was geht in einem Menschen vor der ein Patriot ist?
Ich möchte hierfür den Begriff pathologischer Patriot kreiren.
Während ein normaler Mensch bei Begriffen wie "Vaterland, Nation, Leitkultur, Patriotismus, .."
und ähnlichen Worthülsen einen schalen Geschmack in den Mund bekommt,
passiert das dem Patrioten nicht. Im Gegenteil ..all dies ist bei ihm positiv behaftet.
Ein Mündiger Bürger sieht sein Land zumeist aus verschiedenen Blickwinkeln.
Er sieht die Positiven und die Negativen Seiten seines Landes. Ihm ist klar dass man sich der
Geschichte seines Landes stellen muss, im Guten wie im Schlechten.
Ich höre immer wieder (gerade von Ausländischen Freunden und Bekannten) dass in ihren augen die Deutschen
kein Nationalgefühl hätten. Und noch vor wenigen jahren hätte ich dem zugestimmt.
Aber dem ist nicht so wie es scheint. Der Deutsche wie es ihn früher mal gab,...
man erinnere sich an die Karrikatur des Deutschen Michel der im Nachthemd mit Zipfelmütze
im Bett liegt und neben sich auf dem Nachttisch die Pickelhaube liegen hat und übe dem Bett ein bild
vom Ollen Kaiser Willem hängt.
Aber diese Art von deutschen Michel gibt es seit den Nürnberger Prozessen oder allerspätestens seit
den Protesten der 68'er Generation nicht mehr (zumindest nicht Flächendeckend) in seiner alten Omnipräsenz.
Vereinzelt finden sich hier und da einige wenige die von Vorgestern Übrig geblieben sind, und auch
ab und zu verirrt sich mal der ein oder andere Jugendliche in die Bierdunstgeschängerte Luft der Stammtische.
Aber das ist nur das ein Prozent Ausnahme welches die die Regel bestätigt.
Mir ist kein Land bekannt in dem sich so Schonungslos mit der Geschichte auseinander gesetzt wird
wie in Deutschland. Das treibt zwar manchmal merkwürdige Blüten, aber alles in allem befinden wir uns
auf einem Weg in die Normalität. Zwar manchmal etwas Paranoid im Umgang mit der Symbolistik
und dem Sprachgebrauch des dritten Reiches, und der Gewohnheit jeden der Zuhause ein paar braune
Hausschuhe besitzt als latent Rechtsradikal zu verdächtigen. Aber das wird sich sicher Irgendwann legen.

So genug geschwafelt, zurück zum Kernthema...
Gerade das Beispiel des amerikanischen Wahlkampfs zeigt und deutlich worin die feinen Unterschiede
zwischen Nationalgefühl und Patriotismus bestehen.
Der Patriot liebt sein Land, das ist eine in Stein gemeisselte Tatsache. Und die mit Inbrunst ohne Wenn und Aber.
Egal welche Politischen Altlasten das Land mit sich Herumschleppt, und egal wie viele Menschen über die
Klinge springen mussten (Indianer, Afroamerikaner, Hiroshima, Vietcong, Golfkrieg, usw.) man ist Stolz auf sein Land.
Und hier beginnt der Punkt an dem die Grenzen verschwimmen.
Egal welche Scheisse gebaut wurde, egal ob der Durchschnittsbürger von der Regierung veräppelt wird,
egal ob hundertausende zur Armee eingezogen werden um für undurchsichtige Ziele verheizt zu werden.
Die Leute klammern sich an ihr Fähnchen und machen mit.
So war das Anno Dunnmals bei Kaiser Willem oder bei Adolf und so ist es auch heute noch in vielen Ländern.
Viele (vor allem sogenannte Konservative) stellen nichts in Frage was von der Regierung kommt.
denn die will ja schliesslich nur unser Bestes. Oder?
Das Ganze Weltbild dieser Menschen ist Dual aufgebaut...es gibt Gut und Böse. Schwarz und Weiss.
Gut das ist vor allem anderen das eigene Land, die eigene Kultur (oder das was man dafür hält)
die eigene Sprache die eigenen Wertesysteme, usw.
Der Blickwinkel zum eigenen Land ist vergelichbar mit dem Blickwinkel eines Dreijährigen auf seine Mami.

- Meine Mami weiss alles und hat immer Recht
- Meine Mami ist lieb.
- Meine Mami ist die Liebste auf der ganzen Welt.
- Meine Mami ist viel lieber als deine Mami.
- Jeder der was gegen meine Mami sagt ist Böse.
- Jeder der Böse ist den verkloppe ich
- Ich will dass jeder so eine tolle Mami hat wie ich.

Und wie der Dreijährige seine Mama lieb hat egal ob sie tatsächlich lieb ist.
Und jeder Dreijährige findet seine Mami toll. Egal ob hübsch oder hässlich ist,
egal ob sie Fett ist und aus dem Mund stinkt.
Der Patriot liebt sein Land wie das nur Dreijährige tun können.
Jeder der sein Land nicht genau sie lieb hat wie ein Dreijähriger ist Unpatriotisch,
oder wie der konservative US Amerikaner gerne als Schimpfwort sagt,
er ist "Linksliberal"
Das ist ungefähr so Einzuordnen (von der Wertung her), wie Damals als Joseph Göbbels
etwas vom "Bolschewismus " daher sabbelte.
Dazu kommt noch der Instrumentalisierte Religiöse Fundamentalismus, der bei anderen
(siehe Islam) gerne angeprangert wird, aber die eigene Religion auf ein Marmorpodest gehoben wird.
Beispiel Kreationismus.....Gott schuf die Welt in sieben Tagen...
Jetzt mal unter uns Pastorentöchtern.....
Langsam glaube ich fast die Geschichte mit den sieben Tagen könnte Wahr sein,
denn so beschissen wie es in der Welt zugeht macht es wirklich den Eindruck
dass der liebe Gott ein wenig unter Zeitdruck etwas zusammengebastelt hat.
Ich war mal in der Verlegenheit einen Bericht abgeben zu müssen (man verzeihe mir diesen kleinen heiteren Schwank)
und als ich ihn mit zwei Wochen verspätung ablieferte machte man mir den Vorwurf,
der liebe Gott hätte in sieben Tagen die Welt erschaffen, und ich hätte drei Wochen für einen Bericht
von ein paar Seiten gebraucht.
Nun ja ...antwortete ich,... sehen sie sich mal meinen Bericht an , und dann sehen sie sich die Welt an,
erkennen sie da den qualitativen Unterschied?
Wieder zurück zum Thema...ich verirre mich gerne in smalltalk muss ich leider Gestehen.

Man sieht recht schnell die Unterschiede zu uns in "old Europe" ähm... zur BRD




Glaube ist Aberglaube

kadesch Offline



Beiträge: 2.705

25.02.2008 10:22
#2 RE: Psychologische Betrachtung von Patriotismus Antworten

2.Teil

Sehen wir uns mal die Zusammenhänge vorn Patriotismus und Religiösem
Fundamentalismus an.
Gerade wenn ich am Beispiel USA Konservative Prediger wie Billy Graham (den ich selbst
einmal als Gast bei einem religiösen Kongress traf) ansehe, da habe ich mit spontanem
Brechreiz zu kämpfen. Mit einer Mischung aus markigen Reden und rührseligen Geschichten
über Reumütige Sünder und Apelle die ganze Welt mit der Botschaft von Jesus und dem Himmelreich
(und Mickey Mouse und Cola als seine Wahrzeichen) zu evangelisieren, zeigt der gute Billy
wie man Erfolgreich bei Menschenmassen das Gehirn ausschalten kann.
Er ist das Paradebeispiel der Evangelikalen Christen die mit teilweise Abenteuerlichen Konstrukten
die Evolution in Abrede stellen.
Wissenschaft (oder das was man dafür hält) ist nur so lange Nützlich wie man sie vor den eigenen Karren spannen kann.
Geht diese andere Wege ist es Teufelszeug.
Richten wir mal einen Blick auf den typischen amerikanischen evangelikalen Christen.
Er kommt aus der Mittelschicht, ist weiß, hat meist einen College Abschluss, ist verheiratet,
hat zwei bis drei Kinder, schaut gerne Baseball oder american Football, geht Sonntags in die Kirche,
und besucht regelmäßig Prostitierte oder falls er sich nicht traut sieht er heimlich Pornos und spielt
anschliessend "Fünf gegen Willy"
Alkohol wird in geringen Maßen bei Familienfeiern getrunken, oder in größeren Maßen, wenn er sich
unbeobachtet fühlt. Drogen nimmt er höchstens in früher Jugend und wenn dann raucht er Dope aber
ohne es zu Inhalieren. Aus dieser Eigenerfahrung lernt er schnell dass Drogen Teufelswerk sind und man
die Jugend davor schützen muss. Er käme nie auf die Idee Drogen zu nehmen, ausser wenn er dazu
auf einer Party hierzu eingeladen wird (meist sind ja auf solchen Parties viele Juristen oder Richter anwesend,
was dem ganzen einen fast legalen Anstrich gibt.)
Er war in der Army und ist stolz darauf seinem Land gedient zu haben, egal ob in Friedenszeiten,
oder in Kriegszeiten Beispielsweise wie ein amerikanischer Präsident dessen Namen ich nicht nennen möchte,
der die Heimat in der Nationalgarde in Texas gegen den Vietcong verteidigte)
Ich sage nicht dass alle so sind oder dass sogar Prominente Vertreter aus Politik oder Wirtschaft oder
Klerus in solche Dinge verstrickt sind. Ich meine das ganze jetzt rein Hypothetisch mit völlig fiktiven Personen.
Dieser sogenannte evangelikale Christ hält sich für Weltoffen und tolerant und weist auch gerne darauf hin
dass in seiner Religion alle Hautfarben verteten sind. Theoretisch jedenfalls...
Er selbst hat ja nichts gegen Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderem ethnischen Hintergrund,
aber er möchte diesen Leuten nicht zumuten in seiner eigenen Kirchengemeinde unter lauter Weißen
sitzen zu müssen. Den Wunsch dieser Leute unter sich zu bleiben unterstützt er mit Kräften,
so wie er auch gerne mit seinen Freunden nächtens mit weissen Kapuzen um brennende Kreuze herum marschiert.
Menschen mit anderer Hautfarbe würden sich da sicher auch nicht wohlfühlen.
Er zeigt sich tief betroffen über die Umweltzerstörungen udn fährt am Wochenende gerne mit seinem
8,8 Liter Pickup Truck mit der Familie ins Grüne. Er engagiert sich für den Erhalt der Regenwälder Amazoniens
und Unterstützt die Vertreibung von Indios die da in den Wäldern herumlungern und am Ende noch
halbnackt herumlaufen.

Diese Evangelikalen sind friedliche Leute, die aber das Recht Schusswaffen zu tragen für sich beanspruchen.
Man muss sich ja gegen marodierende Banden verteidigen können, oder gegen unliebsamen Besuch
auf seinem Grundstück.
Überhaupt sind diese Menschen ja nicht agressiv, sondern eher ängstliche Zeitgenossen.
Sie wissen dass die Welt schlecht ist und dass Ausserhalb ihrer Kirchengemeinde böse Menschen hausen,
die ihnen falls sich die Gelegenheit dazu ergibt etwas schlimmes antun möchten.
Eventueller Schusswaffengebrauch ist reine Notwehr, denn der Dreijährige mit dem
runden Ding das er mit dem Fuß über den Rasen des ihm fremden Grundstücks kickt, könnte ja ein
Terrorist mit islamistischem hintergrund sein. Es kann ja auch kleinwüchsige Terroristen geben, oder?
Man steckt ja nicht drin in den Köpfen der Anderen
Aber der Vorwurf des Rassismus läßt diesen Evangelikalen kalt. Schliesslich ist er ja keiner.
Und dass Menschen in seinem Lande wegen ihrer Hautfarbe oder ihres ethnischen Hintergrunds
diskriminiert werden hält er für absurd. Damit Konfrontiert dass 80% aller Strafäter in Haftanstalten
der USA nicht Weiß sind, hält er für "Linksliberale Propaganda" schliesslich werde jeder Fair behandelt
und hat Recht auf einen fairen Prozeß. Prominente Beispiele "Michael Jackson und O.J. Simpson"
Schliesslich habe man ja auch eine schwarze Aussenministerin.
Und gegen Ausländer sei man ja auch nicht schliesslich ist ja ein Mann mit Österreichichem Migrationshintergrund
Gouvernator von Kalifornien.
Daher sind sie alle Felsensfest davon Überzeugt dass sie ihre Heilsbotschaft in alle Welt tragen müssen.
Und wenn auf diesem Kreuzzug ein paar "bad Guys" (meist fiese Orientalen mit struppigen Bärten)
eliminiert werden ist das nicht der Rede wert. Wen juckst wenn ein wenig Blut fliesst.
(das tuts doch beim Rasieren auch manchmal)
Und am Ende wird alles gut. Der Mustapha und der Ali werden gute Evangelikale Christen und man
feiert gemeinsam beim Thanksgiving beim Truthahn Essen eine nette Plauderei über Baseball.
Wir sehen alles wrid gut.

Glaube ist Aberglaube

mum1 Offline

T'ien-shen-mu

Beiträge: 2.323

25.02.2008 11:39
#3 RE: Psychologische Betrachtung von Patriotismus Antworten

Auch der Dreijährige weiss um die Fehler seiner Mutter.. und er findet sie trotzdem Toll! (Dieser kleine aber feine Unterschied hier, macht einen Patrioten (keine Nationalisten) doch viel deutlicher: Man kann etwas auch trotz/oder gerade wegen seiner Schwächen lieben.)

kadesch Offline



Beiträge: 2.705

25.02.2008 11:44
#4 RE: Psychologische Betrachtung von Patriotismus Antworten

stimmt auch wieder.
Dieser kleine Aufsatz bildet den Auftakt eines Reiseführers durch die USA.

Glaube ist Aberglaube

mum1 Offline

T'ien-shen-mu

Beiträge: 2.323

25.02.2008 18:25
#5 RE: Psychologische Betrachtung von Patriotismus Antworten

Na dann vergiss die Supersizer nicht

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