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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 716 mal aufgerufen
 Christliche Kultur und Politik
qilin Offline




Beiträge: 3.552

26.02.2008 10:38
Mission in Südamerika Antworten

Sozialstruktur und ihre Gefährdung durch Missionare

Die Huaorani kennen keinen klassischen "Häuptling". Jedem Dorf steht ein "Presidente" vor,
der sein Amt jedoch in regelmäßigen Abständen an einen Nachfolger abgibt. Mehrere Dörfer
bilden eine Siedlung, die einzelnen Dörfer liegen ein bis zwei Tagesmärsche voneinander entfernt.
Im Kriegsfall oder bei Nahrungsmangel weichen die Huaos in eins der Nachbardörfer aus. Da die
einzelnen Dörfer ansonsten unabhängig voneinander leben, hat sich nie eine permanente "Ober-
schicht" gebildet. Führerschaft gibt es immer nur für eine bestimmte Aufgabe; ist diese Aufgabe
gelöst, erlischt damit auch die Führerschaft: man ist geneigt zu sagen, daß die Huaorani den
perfekten Kommunismus leben (im Sinne von "Kommune"), wenngleich sie von den verschiedenen
Missionarsgruppen erzählt bekamen, daß Kommunisten böse Menschen seien und nach "ihrem Tod
nicht in den Himmel kommen" (Zitat eines Huaorani!). Die Missionare lassen nichts unversucht, die
Huaorani zu verunsichern und auseinanderzutreiben (bei meinem Besuch im Dezember 1999 wurde
ich von mind. vier Huaoranigruppen gefragt, ob denn nun am 31.12.1999 wirklich "das Ende der Welt
kommen" würde. Geschockt von dieser Frage konnte ich zunächst nur mit der Gegenfrage kontern,
wer denn einen solchen Unsinn verbreite. Die Antworten waren stets die gleichen: "Die Missionare",
"Die Franziskaner", "Die Kapuziner"). Die weißen Missionare machen das Waldleben der Huaorani
lächerlich, sie verbieten ihnen Nacktheit und Schamanismus und wettern gegen die Mehrehe
(Huaos leben in Ein- und Mehrehe, wobei durchaus auch eine Frau mehrere Männer haben kann,
falls die Bevölkerungsstruktur dies erfordert). Überhaupt ist die Frau bei den Huaorani absolut
gleichberechtigt, wenngleich es eine genaue Rollenverteilung der Zuständigkeiten gibt.

Bislang blieben die meisten Versuche, das skandalöse Vorgehen der Missionare zu stoppen,
erfolglos. Anerkannte Anthropologen fordern vom Weltkirchenrat den sofortigen Stopp der
Missionsarbeit bei den Huaorani.

[Quelle]

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Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.325

26.02.2008 11:59
#2 RE: Mission in Südamerika Antworten

Mir fällt dazu schonmal ein gewichtiger Unterschied zu dieser Art von Missionierung auf und einer solchen, wie sie die Bibel fördert.

Zitat von Paulus in 1.Korinther 9:19-23
19 Denn obwohl ich von allen frei bin, habe ich mich zum Sklaven aller gemacht, damit ich die meisten gewinne. 20 Und so bin ich den Juden wie ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen; denen unter Gesetz bin ich wie [einer,] der unter Gesetz ist, geworden, obwohl ich selbst nicht unter Gesetz bin, um die zu gewinnen, welche unter Gesetz sind. 21 Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie [einer] ohne Gesetz geworden, obwohl ich nicht ohne Gesetz gegenüber Gott, sondern unter Gesetz gegenüber Christus bin, um die zu gewinnen, die ohne Gesetz sind. 22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin Menschen von allen Arten alles geworden, damit ich auf jeden Fall einige rette. 23 Alles aber tue ich um der guten Botschaft willen, damit ich mit [anderen] Teilhaber an ihr werde.


Das bedeutet auf jeden Fall schon mal, flexibel zu sein, wenn man schon in anderen Kulturen predigt. Dazu muss man noch nicht einmal nach Südamerika reisen; es reichen dafür ja schon andere westlich orientierte Nationen. Was ich bei den erwähnten Missionaren vermisse, ist ebendiese die Achtung anderen Kulturen und menschen gegenüber, wie Paulus sie bei seinen Predigtreisen an den Tag legte.

Man mag also vermuten dürfen, dass es solchen missionaren nicht wirklich, um das Christentum geht, sondern um andere Ziele.

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In Memory of Soul-Society

Wohl gibt es zwei Arten von Freunden und es sind diese: Käufliche und Unbezahlbare

Wo Wahrheit ist, ist Bescheidenheit (K.H.Deschner)

Wir wissen nur so viel, wie wir fragen (Wessel Gansfort, 1419-1489)

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

26.02.2008 13:50
#3 RE: Mission in Südamerika Antworten

In Antwort auf:
Die Missionare lassen nichts unversucht, die
Huaorani zu verunsichern und auseinanderzutreiben
Und es scheint nicht mal am falsch verstandenen Missionsgebot zu liegen, welches vielleicht überhaupt zu hinterfragen ist, zumindest die Art und Weise, wie es heute oft ausgelegt wird. In Katastrophengebieten die Bibel gleich ungefragt der Essensration bei tun, hat meiner Meinung nach nicht viel mit Mission im eigentlichen Sinne zu tun, sondern ist ganz einfach respekt- und taktlos und eine Ausnutzung der prekären Situation.

Wahrscheinlich sind die Huaorani auch ein sehr friedliches Völkchen, ansonsten hätten sie doch diese Idioten längst zum Teufel gejagt oder denen mal Benehmen, Takt und sonstiges beigebracht, da ihre Sozialstruktur ja ohnehin sehr gut entwickelt zu sein scheint. In dem, wie in vielen anderen Fällen, können nämlich die Missionare von den eigentlichen 'Bekehrungsopfern' lernen.

qilin Offline




Beiträge: 3.552

26.02.2008 14:18
#4 RE: Mission in Südamerika Antworten

Ja - es ist wohl so, dass Missionare häufig ihre 'Idealvorstellungen' bzw. das, was sie für die
'reine Lehre' halten, ihren Schäflein beibringen möchten - auch oder gerade dann, wenn in der
fernen Heimat sich niemand (mehr) darum kümmert - dürfte bei Muslimen nicht unähnlich sein

Ich erinnere mich wie entsetzt ich war, als ich von 'Hochzeitsdecken' hörte, die 'wohlmeinende'
Missionare indianischen Neuvermählten schenkten - eine große Decke mit einem kleinen Schlitz in
der Mitte, damit man beim Vollzug der 'ehelichen Pflichten' einander nicht unnötig zu berühren
brauchte und womöglich wollüstigen Gedanken anheimfiel...
Später erfuhr ich dann, dass dieser schöne Brauch auch bei uns früher mal üblich gewesen war,
nur hielten sich die Leute einfach nicht mehr dran...

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

26.02.2008 19:52
#5 RE: Mission in Südamerika Antworten

In Antwort auf:
Ja - es ist wohl so, dass Missionare häufig ihre 'Idealvorstellungen' bzw. das, was sie für die
'reine Lehre' halten, ihren Schäflein beibringen möchten - auch oder gerade dann, wenn in der
fernen Heimat sich niemand (mehr) darum kümmert - dürfte bei Muslimen nicht unähnlich sein


Naja, bei den Muslimen düfte es 'fern der Heimat' noch am meisten ihren Vorstellungen entsprechen, da kümmern sich schon noch der Großteil um ihre Religion.

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 8.325

27.02.2008 08:18
#6 RE: Mission in Südamerika Antworten

In Antwort auf:
eine große Decke mit einem kleinen Schlitz in
der Mitte, damit man beim Vollzug der 'ehelichen Pflichten' einander nicht unnötig zu berühren
brauchte und womöglich wollüstigen Gedanken anheimfiel...
Jou! Da sei den Missionaren doch die Lektüre des "Hoheliedes" wärmstens empfohlen.

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