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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!

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Dieses Thema hat 39 Antworten
und wurde 1.784 mal aufgerufen
 Atheismus/Agnostizismus
Seiten 1 | 2
renata Offline



Beiträge: 1

28.02.2008 21:32
Leben ohne Kirche antworten

Hallo!
Bin noch ganz neu, unbedarft, was die Regeln und Gebräuche des Forums betrifft ;-)
vielleicht wurde meine Frage ja schon lange diskutiert, dann sagt mir das einfach: Also, Menschen ziehen
Trost und Unterstützung aus der Religion (ist wissenschaftlich erwiesen, sie leben länger), meiner Meinung nach im wesentlichen
aus der Gemeinschaft, die sich eben daraus ergibt, dass man sich jeden Sonntag trifft, in
feierlich-andächtige Stimmung versetzt wird und sich vielleicht in diesem Augenblick bemüht etwas hilfsbereiter
oder freundlicher als sonst zu sein.
Das neide ich Gläubigen, denn die gleiche Bereitschaft findet man in anderen Vereinen nicht, in
die Kirche wird ja jeder aufgenommen, er muss nur glauben, alle anderen Fehler werden verziehen. Die
ungeheure Kraft die von der Religion freigesetzt wird und die dann (im günstigen Fall) der Gemeinschaft zu Gute kommt, das fehlt den/uns Atheisten. Warum haben wir keine Kirche ohne Gott?

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 6.359

28.02.2008 23:29
#2 RE: Leben ohne Kirche antworten

Hallo renata und herzlich willkommen in unserer bescheidenen Forums-Ecke...

In Antwort auf:
Das neide ich Gläubigen, denn die gleiche Bereitschaft findet man in anderen Vereinen nicht,
Trost und Unterstütznung wird dir sicherlich auch außerhalb einer kirchlichen Gemeinde geboten. Bestimmt hat diese Zuwendung nicht die Qualität der kirchlichen, (was auch gut ist), aber ganz alleine steht kein Atheist da.

Insofern überrascht mich deine Aussage, dass du gerade diesen "religiösen Kontext" vermisst. Atheisten brauchen keine Kirche im herkömmlichen Sinn. Natürlich bieten sie ausreichend Alternativen... Wir haben hier zum beispiel einen ehrwürdigen Priester des FSM in unseren Reihen..."Bruder Spaghettus" - eine wahre Instanz auf dem gebiet antireligiöser religiösität... Du erreichst seine Internet-Präsens über das Banner in seiner Signatur...


In Memory of Soul-Society

Wohl gibt es zwei Arten von Freunden und es sind diese: Käufliche und Unbezahlbare

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Wir wissen nur so viel, wie wir fragen (Wessel Gansfort, 1419-1489)

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

29.02.2008 07:56
#3 RE: Leben ohne Kirche antworten

In Antwort auf:
Warum haben wir keine Kirche ohne Gott?


Weil sich die Kirche vermeindlich auf Gott selbst gründet? Aber viele Gläubige ernten auch ihr Heil außerhalb der großen Kirchen.
Wenn dir als Atheist die 'Andacht', das 'zurückgenommene', die 'Besinnung' fehlt, dann könntest du recht haben, die haben die Religiösen den anderen eventuell voraus.

Christian D! ( Gast )
Beiträge:

29.02.2008 09:02
#4 RE: Leben ohne Kirche antworten

Oh, wieder ein Neuzugang. Willkommen im Forum renata!

Zitat von renata
dass man sich jeden Sonntag trifft, in
feierlich-andächtige Stimmung versetzt wird und sich vielleicht in diesem Augenblick bemüht etwas hilfsbereiter
oder freundlicher als sonst zu sein.

Jetzt musste ich schmunzeln - irgendwie erinnert mich das an eine Selbsthilfegruppe...

Meine Empfehlung: Trete doch irgend einen Humanisten- oder Ethikclub bei, die treffen sich bestimmt auch regelmäßig und denken darüber nach was man der Menschheit gutes tun könnte...

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

29.02.2008 09:48
#5 RE: Leben ohne Kirche antworten

Hallo Renata,

auch von mir ein herzliches Willkommen bei uns.
Die Regeln hier sind recht einfach. Es darf jeder Glaube, jede Philosophie überhaupt jede These mit allen denkbaren Mitteln angegriffen werden, nicht aber die, die diese These oder diesen Glauben vertreten. Genaueres findest du in den Forenregeln.

Zu deinem Problem möchte ich etwas in die Einzelheiten gehen. Auch ich kenne Studien, die dem Besuch von Gottesdiensten positive Wirkung auf das Allgemeinbefinden und somit auch auf die Lebenserwartung nachsagen. Es gibt aber auch welche, die das Gegenteil behaupten, wenn auch weniger (z.B. schlechte Luft, Weihrauch, verseuchtes Weihwasser usw.). Ich halte es also keinesfalls als wissenschaftlich gesichert, das Gläubige länger leben. Ich halte es sogar für falsch. Denn noch keine dieser Studien konnte einen wirklichen Zusammenhang zwischen Glauben und Lebenserwartung nachweisen. Alles über die Ursachen ist bisher reine Spekulation. Vielleicht müsste es richtiger heißen, Menschen die Gemeinschafterlebnisse haben, leben länger. Oder Menschen die eine gefestigte Weltanschauung haben. Oder ... Aber das hattest du je selbst schon ähnlich gesehen.

Hier kommt nun der Atheimus ins Spiel. Der besagt ja nichts weiter, als das Auskommen ohne Götter oder sonstige Geistwesen, für manche sogar das bewusste Ausschließen der Existenz selbiger. Atheimus bezieht sich also lediglich auf einen einzigen Fakt. Atheismus ist keine eigene Weltanschauung. Es reicht also nicht, Atheist zu sein, wenn man sich positiv besetzen möchte. Damit sagt man nur, wogegen man ist, aber nicht wofür. Aber erst für etwas zu sein bringt wirklich eine feste Weltanschauung und, besonders wenn man Gleichgesinnte sucht und findet, eine deutliche Steigerung der Lebensqualität. Mein derzeitiges Leitbild ist der evolutionäre Humanismus Dort gibt es allerdings keine Organisationsformen, die gemeinschaftliche Erlebnisse fördert. Warum muss man die aber gerade auf dem Gebiet der Weltanschauung suchen? Was denkst du, wieviel Leute sind nötig, um ein Gemeinschaftserlebnis zu schaffen? 1000, 100, 10 oder vielleicht sogar schon zwei oder drei?

Ich habe da mehrere Gruppen, die mich die Kirchen absolut nicht vermissen lassen, meist aus dem Freundeskreis heraus. Da gibt es schon einen Plan, wer wann welche Feier macht. Ich hatte angefangen mit der Sonnenwendfeier, der nächste hat ne regelmäßige Osterwanderung angeleiert, der dritte im Herbst ne Kartoffelparty und Sylvester gibt es auch zwei feste Gruppen die sich treffen.

Dann gibt es natürlich noch unser Nudelmessen. Regelmäßige Veranstaltungen die wir mit unsere Verein "Kirche des Fliegenden Spaghetti Monsters Berlin - Brandenburg" e.V. organisieren. Das macht uns allen Spaß und gibt uns auch noch das Gefühl, was Gutes zu tun.

Aber auch ohne solche "feste" Gruppen kann man gut auf die Kirchen verzichten. Nämlich durch kulturelle Erlebnisse, Konzerte, Theater, Festivals usw. Die Hochstimmung, die mich da oft erfasst, kann ich mir in einer Kirche nur schwer vorstellen.
Wie würde z.B. eine Untersuchung ausgehen, die sich mit der Lebensqualität und -erwartung von regelmäßigen Theatergängern oder Konzertbesuchern beschäftigt? Wohl mit einem Ergebnis, dass dem der untersuchten Gläubigen nicht nachsteht.

Ich bin fest überzeugt, es gibt nichts, aber auch überhaupt nichts Positives, was sich nicht auch ohne Kirchen erreichen lässt.

Zum Abschluss noch einen Link, der dich vielleicht interessieren wird: http://www.medizin-medien.info/dynasite....3&dspaid=593962

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

29.02.2008 10:00
#6 Leben ohne Kirche antworten

Moin, moin, Renata, ein herzliches Willkommen auch von mir!

In Antwort auf:
ist wissenschaftlich erwiesen, sie leben länger
Ja? Da gibt es aber auch andere Erhebungen. BS sagte das schon. Bertrand Russell wurde 97. Und Joopie Heesters ist auch nicht gläubig, und der lebt immer noch. Naja, das sind Einzelbeispiele.
"Kirchen ohne Gott" gibt es doch: Alle möglichen Vereine! Es geht in den Kirchen um das Gruppenerleben, auf die Besinnung, dass es nicht um dich alleine geht. Und jeder Verein sagt das auch: Es geht um mehr. Nämlich um die Gemeinschaft - sie ist etwas "Höheres", in das du dich einbinden kannst. Nur das Filetstück des ewigen Lebens - das können nicht alle anbieten...

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Fuente Offline



Beiträge: 78

01.03.2008 16:45
#7 RE: Leben ohne Kirche antworten

Leider sind viele Gemeinden nicht gerade einladend, man geht zur Messe und wieder nach Hause und das wars.Es gibt natürlich auch Gemeinden mit viel Zusammenhalt, gerade in der Diaspora, aber oft ist es eher traurig wie es läuft.
Ich würde aber, selbst bei mangelnden Zusammenhalt, sagen, der Glaube als solcher kann helfen, Krisen besser zu bewältigen, ja bis zur größten Krise, dem Tod. Es gibt den Punkt, wo keiner einem mehr helfen kann oder wo man alleine steht, da ist das Vertrauen auf Jesus Christus, der bei einem ist, egal ewas passiert, eine Stütze und ein TRost. Das gilt auch in Bezug auf Suizidgefahr, auch wenn man sonst nix mehr hat und im größten Schlamassel sitzt, kann dar Glaube Stütze sein, diesen Schritt nicht zu gehen. Ungeachtet dessen gibt es auch Christen die Suizid begehen, oft rühren solche Gedanken ja von Depressionen ect her.
Gruß Fuente

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

01.03.2008 18:28
#8 Leben ohne Kirche antworten

In Antwort auf:
ja bis zur größten Krise, dem Tod.
Der Tod ist keine "Krise". Der Tod ist der Tod. Krisen sind Ausnahmesituationen des Lebens, nicht des Todes. Warum sagst du das als Gottgläubiger, der ja auch an ein gottprotektioniertes ewige Leben glaubt. Dieser Glaube sollte deine Angst vor dem Tod doch nehmen! Eine "Krise" im Sterbeprozess offenbart eure ANGST vor dem Tod! Weil diese Angst sich als eine GLAUBENSKRISE offenbart! Ihr erkennt durch eure Angst, dass ihr an dieses Jenseitsleben letztlich gar nicht glaubt!
In Antwort auf:
oft rühren solche Gedanken ja von Depressionen ect her.
Depressionen sind das Ergebnis von Gefühlsleugnung. Und das Christentum erzieht in massiver Weise dazu, den Zweifel an den Glauben zu leugnen! In Extremsituationen kann dieser Verleugnung aber zerfallen: Wie z.B. in der Sterbephase.

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SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 6.359

01.03.2008 21:15
#9 RE: Leben ohne Kirche antworten

In Antwort auf:
Dieser Glaube sollte deine Angst vor dem Tod doch nehmen!
Ist es denn gegeben, dass eine "Krise" Angst auslösen muss? Der Tod unterbricht die Existenz. Eine Existenz, an der man sich (im Normalfall) erfreut hat. Diese Freude dann nicht mehr wahrnehmen zu können, kann eine Belastung darstellen. Diese muss aber nicht Angst genannt werden. Ausserdem haben auch Atheisten zuweilen Angst vorm Sterben. Welcher Atheist, der sein leben in vollen Zügen genießt will denn sterben und macht sich keine Gedanken um Familie und Freunde? beim Sterben geht es doch längst nicht nur um die Frage, ob und in welcher Form man weiterlebt oder nicht.

In Antwort auf:
Depressionen sind das Ergebnis von Gefühlsleugnung.
Das hätte ich gerne genauer erklärt. Wikipedia erkennt andere Ursachen für Depressionen an...So wie du das schilderst, bedeutet es, dass derjenige, der an Dpressionen leidet, selbst daran schuld ist, weil das Leugnen, ein aktiver, vernunftgeführter Akt ist.


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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

02.03.2008 12:24
#10 Leben ohne Kirche antworten
In Antwort auf:
Diese Freude dann nicht mehr wahrnehmen zu können, kann eine Belastung darstellen.
Der Tod kennt keine Belastung. Die empfindest du nur im Leben. Du leidest im Leben an der Erwartung, dieses Leben eines Tages nicht mehr zu haben. Aber: Der wirklich Gläubige sollte eben keine Angst davor haben! Weil ihn doch - nach seiner angeblich festen Überzeugung - eine noch viel lichtere Ewigkeit erwartet! Warum stürzt der dieser Wonne nicht MIT FREUDEN entgegen? Sollte er nicht auch in Erwartung dieser Vorfreude stehen? Aber diese Vorfreude bleibt seltsamerweise aus... Da muss doch einen die nackte Angst packen! Da kommt dann die Krise - nämlich die GLAUBENSkrise! Und zwar kurz vor der Ziellinie - das ist dann schlimm!
In Antwort auf:
Welcher Atheist, der sein leben in vollen Zügen genießt will denn sterben
Aber er hat sein Leben lang Zeit, sich mit den Realitäten abzufinden. Und wer sein Leben real lebt, hat wenig Angst vor dem Tod. Das ist wissenschaftlich belegt. Angst hat der, der sein Leben lang seine eigene Realität verleugnet hat. Da sagt ihm offenbar ein innerer Mechanismus, dass er hier noch was zu erledigen hat...
In Antwort auf:
So wie du das schilderst, bedeutet es, dass derjenige, der an Dpressionen leidet, selbst daran schuld ist, weil das Leugnen, ein aktiver, vernunftgeführter Akt ist.
Ach, mit der Kategorie "Schuld" operiere ich nicht so gern. Die ganze Sozialapparatur des Umgangs mit deiner Umwelt und mit dir selbst hast du in deiner Kindheit eingepflanzt bekommen. Sie ist zum größten Teil in deinem Unterbewusstsein fest verankert. Einiges wirst du durch Selbsreflektion, einiges durch Psychotherapie verändern können, einiges wird dir durch "Nacherziehung" gegeben werden können. Etliches möglicherweise aber nicht. Da würde ich nicht von "Schuld" sprechen wollen. Depressionen haben auch eine genetische Sollbruchstelle. => Der eine neigt mehr zu Depressionen, der andere weniger. Von daher ist mein Satz, nach dem Depressionen das Ergebnis von Gefühlsleugnung seien, nicht ganz richtig. Aber auch nicht falsch.

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SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 6.359

02.03.2008 17:14
#11 RE: Leben ohne Kirche antworten

In Antwort auf:
Der Tod kennt keine Belastung. Die empfindest du nur im Leben. Du leidest im Leben an der Erwartung, dieses Leben eines Tages nicht mehr zu haben.
Genau das habe ich doch mit meiner Aussage gesagt. Im Tod stellt sich diese frage verständlicherweise nicht mehr.

In Antwort auf:
Aber: Der wirklich Gläubige sollte eben keine Angst davor haben! Weil ihn doch - nach seiner angeblich festen Überzeugung - eine noch viel lichtere Ewigkeit erwartet!
Warum sollte dieser Umstand denn dazu führen, sein jetziges Leben zu hassen und sich des Todes zu freuen, bzw. nicht in Sorge deswegen zu sein, was der Tod auch für die Angehörigen bedeutet?

In Antwort auf:
Aber diese Vorfreude bleibt seltsamerweise aus
Das tut sie nicht. Sie äußert sich nur anders, als du es erwartest. Der Glaube ist kein mechanismus der dazu führt, sein jetziges leben abzulehnen und sich zu freuen, wenn man gestorben ist.

Inwieweit kann man sagen, dass diejenigen, die sich Gedanken um den Tod und seine bedeutung machen, Angst davor haben? Wo liegt da der zwingende Zusammenhang?

In Antwort auf:
Aber er hat sein Leben lang Zeit, sich mit den Realitäten abzufinden. Und wer sein Leben real lebt, hat wenig Angst vor dem Tod. Das ist wissenschaftlich belegt. Angst hat der, der sein Leben lang seine eigene Realität verleugnet hat. Da sagt ihm offenbar ein innerer Mechanismus, dass er hier noch was zu erledigen hat...
Ja, das ist bestimmt so. Und es geht bestimmt vielen Menschen so, egal ob sie Atheisten oder Theisten sind. Was ist denn die "eigene Realität"? Offensichtlich doch die gefestigte, innere Überzeugung. Wenn diese vorhanden ist, kann man selbstverständlich mit mehr Ruhe und Gelassenheit auf das Lebensende blicken.
In Antwort auf:

Aber auch nicht falsch.
Ja dann erkläre uns doch bitte, was daran richtig ist. Mir ist eine solche Aussage völlig fremd, deswegen interessiert mich deine Ansicht. Inwieweit können Patienten, die an Depressionen leiden, für ihren Zustand verantwortlich sein? Welche Rolle spielt für dich da die Gefühlsleugnung?


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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

02.03.2008 17:46
#12 Leben ohne Kirche antworten
In Antwort auf:
Inwieweit kann man sagen, dass diejenigen, die sich Gedanken um den Tod und seine bedeutung machen, Angst davor haben? Wo liegt da der zwingende Zusammenhang?

Das habe ich so auch nicht gemeint. Ich hatte gesagt, wer sein Leben lang an ein ewiges Leben glaubt, ist eher daran gehindert, sich echte Gedanken darüber zu machen. Aber kurz vor der Ziellinie drängen sich trotzdem die Gedanken auf. Weil sie vorher verdrängt worden sind! Die Verdrängung funktionierte mit dem Trost des ewigen Lebens als Gottesgeschenk bei Willfährigkeit. Aber in der Extremsituation z.B. des Sterbeprzesses kann es sein, dass diese Verdrängung aus Bequemlichkeit nicht mehr funktioniert! Da zeigt sich dann, ob der Glaube wirklich so tief ist. Auf jeden Fall wird der Gläubige daran gehindert, seinen Glauben echt zu vertiefen, indem er von den Prüfungen der Kritik und des Zweifels von den religiösen Unteroffizieren (und auch den Offizieren und Generälen) gerne abgehalten wird.
In Antwort auf:
Was ist denn die "eigene Realität"?
Ein von Verdrängung (innere Irrelitäten) und der äußeren Irrealitäten (z.B. politischer und/oder religiöser Religionsglaube) entledigtes Leben. Die Verwiklichung deines Bedürfnisses nach Produktivität. Vergegenständlichung deiner Innerlichkeit. Ich meine damit nicht die (zweifellos notwendige) Arbeit zum Broterwerb. Aber bei manchen kann es das selbe sein. Kurz und lapidar gesagt: Ein glückliches, erfülltes Leben.
In Antwort auf:
Ja dann erkläre uns doch bitte, was daran richtig ist.
Ich habe bei etlichen Depressiven den Eindruck gewonnen, dass die keinen Zugang zu ihren Gefühlen haben, keine Fähigkeit zur Selbstreflektion. Und die Seele wehrt sich gegen die Inaktivität dieser lebensnotwendigen inneren (seelischen) Mechanismen mit einem schlechten Gefühl. Sie signalisiert: Tue das Notwendige in mir!
Ich bin kein Psychotherapeut und -analytiker. Da gibt es noch die somatischen Ursachen, von denen ich nicht so viel weiß. Was meinst du denn, was Depression ist?

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SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 6.359

03.03.2008 09:43
#13 RE: Leben ohne Kirche antworten

In Antwort auf:
Das habe ich so auch nicht gemeint. Ich hatte gesagt, wer sein Leben lang an ein ewiges Leben glaubt, ist eher daran gehindert, sich echte Gedanken darüber zu machen.
Daran wird man nicht gehindert, wenn man nicht nur auf das künftige leben fixiert ist. Der Glaube an ein ewiges Leben nach biblischem Bild bedeutet ja nicht, dass es nur dieses eine Leben geben kann, und dass das hiesige Leben nur ein Prüfstein ist, um sich in Paradies hineinzuarbeiten. Das wird gerne so hingestellt, verfehlt aber den eigentlichen Zweck des Daseins. Zwar leben Gläubige und Atheisten strikt ein anderes Leben, was aber nicht bedeutet, dass sich Gläubige aus dem gesellschaftlichen Leben herausziehen.

Es gibt die verschiedensten Lebens-Perspektiven (religiöse wie anti-religiöse), die bei zu geringer Überprüfung zu einer eingeschränkten Sichtweise führen können, und so zu dem werden, was du im Hinblick auf das jetzige Leben vermutest: Ein Hindernis.

In Antwort auf:
Kurz und lapidar gesagt: Ein glückliches, erfülltes Leben.
Das wünscht sich, denke ich, jeder! Die Theorie dürfte damit eindeutig und einvernehmlich sein. Bei der Umsetzung spielen ein weiteres mal die verschiedensten Umstände eine Rolle. Schwierig wird es, wenn man anderen Menschen unterstellt, aufgrund ihrer - nehmen wir mal den konkreten Fall - Religiösität oder A-Religiösität kein glückliches und erfülltes Leben führen zu können. Ich meine damit nicht das Hinterfragen im Rahmen dieses Forums, sondern die vorverurteilende Vorstellung, dass ein Gläubiger oder ein Atheist aufgrund ihrer Einstellung nicht imstande sind, ein solches erstrebenswertes Leben zu führen.
Aber so wie ich dich verstehe, sind wir uns in diesem Punkt auch einig.
Das wird auch dazu führen, Respekt Andersedenkenden gegenüber dadurch zu zeigen, ihre Einstellung zum Leben als ihre persönliche Realität, beruhend auf ihren persönlichen Erfahrungen, versteht und man daher nicht von Irrealitäten sprechen muss.
Bevor wir uns an eine objektive realität herantasten, müsste dieser Respekt vorhanden sein.
In Antwort auf:

Was meinst du denn, was Depression ist?
Meines Wissens resultieren Depressionen nicht aus irgendwelchen Entscheidungen der Ratio (zu welcher ich Leugnung als aktiven Akt der Vernunft zähle), sondern, wie ich schon sagte, aus einem ungleichgewicht der Neurohormone. Ursächlich dafür können genetische Faktoren sein, durch Stress bedingte Veränderung des Hormonhaushalts u.A. (siehe Wikipedia) Psychische Faktoren, wie sie in dem Artikel genannt werden, können diese physiologischen Reaktionen des Körpers auslösen. Somit wird jemand, der an Depressionen leidet, zum Passagier dieser kette von Ursachen und Wirkungen. Er ist dafür nicht in irgendeiner Weise verantwortlich.

Es ist wie bei jeder offenfundlich sichtbaren Erkrankung auch: Man fängt sich Grippeviren ein, (äußerlicher Einfluss - bei Depressionen zum beispiel Stress, zwischenmenschliche Dysfunktionalitäten, Überforderung), der Körper reagiert entsprechend mit der physiologischen Immunabwehr (innerer Einfluss - bei Depressionen Veränderung des Gleichgewichts der Neurotransmitter), und man leidet an dieser Krankheit.

Depressionen sind keine Einbildung und bedeuten in keinster Weise, dass der Körper gesund ist. Der Unterschied zu einem Armbruch ist der, dass man Depressionen nicht an äußerlichen Erscheinungen festmachen kann.


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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

03.03.2008 10:24
#14 Leben ohne Kirche antworten
In Antwort auf:
Bevor wir uns an eine objektive realität herantasten, müsste dieser Respekt vorhanden sein.
Natürlich. Aber schade - und schädlich - wäre es, aus Respektempfinden heraus seinen Gesprächspartner mit seiner Meinung besser zu verschonen...
In Antwort auf:
Schwierig wird es, wenn man anderen Menschen unterstellt, aufgrund ihrer - nehmen wir mal den konkreten Fall - Religiösität oder A-Religiösität kein glückliches und erfülltes Leben führen zu können.
Ich behaupte, dass die Verdrängung von Zweifel zu Verspannung und dem Gefühl des Unglücklichseins führen kann! Eine Ideologie, die das offene, unbefangene Zweifeln verbietet und - wenn nicht offen, dann doch subtil - unter schlimmste Strafen stellt, ist nicht das Instrument eines Heilers... Bei mir war das lange so gewesen und ich behaupte des weiteren, dass ich eine Psycho-Apparatur habe, die auf diesem Planeten nicht einmalig ist...

Deinen Ausführungen zum Thema "Depression" stimme ich zu.

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

03.03.2008 13:06
#15 RE: Leben ohne Kirche antworten

Hier mal was zu den negativen Auswirkungen von Religion auf die Gesundheit aus dem oben von mir verlinkten Artikel:

Als Psychiater sehe ich in der Regel nicht jene Patienten, die der Glaube gesund macht, sondern jene, die der Glaube krank macht“, sagt Prim. Univ.- Prof. DDr. Michael Lehofer, Vorstand der Psychiatrischen Abteilung I an der Sigmund-Freud-Klinik Graz, und verweist auf die „unerwünschten Nebenwirkungen“ des Glaubens: „Religion kann pathogen wirken.“ Bindungsängste, belastende Schuldgefühle, Angstund Sexualstörungen, Wahnbildungen: mit solchen aus extremer Religiosität resultierenden Befunden hat Lehofer immer wieder zu tun. So können religiös begründete Phobien – die Angst, zu sündigen, oder die Angst, zu wenig zu beten – zu pathologischen Zwängen führen. Auch religiöse Praxis als süchtiges Verhalten komme ihm des Öfteren unter, berichtet der Psychiater.

Da halte ich es schon für ableitbar, dass Religion zu Depressionen führen kann. Weil man aber, trotz aller Erziehung, durchaus die Möglichkeit hat sich für oder gegen Religion zu entscheiden, ist somit eine gewisse eigene Mitschuld an den eigenen Depressionen (wenn sie denn religiös begründet sind) durchaus gegeben.

0815 Offline



Beiträge: 55

04.03.2008 11:01
#16 RE: Leben ohne Kirche antworten

Da gibt es auch unterschiedliche Studien-
fand neulich mal ein Uni-Skript hierzu .
Studien die genau Gegenteiliges belegen.
Das ist fast immer so !
Ich denke das brauch man hier nicht anführen.

(Glaube hilft aus Depression usw.)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.191

04.03.2008 17:18
#17  Leben ohne Kirche antworten

In Antwort auf:
Da gibt es auch unterschiedliche Studien-
fand neulich mal ein Uni-Skript hierzu .
Kannst du zu ihm verlinken?

_____________________________________________
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Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

04.03.2008 21:11
#18 RE: Leben ohne Kirche antworten

Leben die meisten sehr alten Menschen nicht in Japan?
Höchste Zeit also die Religion zu wechseln!
Welche Religion schneidet am besten ab?

Ich kontere aber wieder mal mit Ulrich Horstmann:
Die Ausdehnung unserer Verweildauer - von 45 auf durchschnittlich 77 Jahre -, die wir als zivilisatorische Großtat herausposaunen, ist mit Vorsicht zu genießen, denn der immense Gewinn an Lebenszeit dürfte mit einem ebenso immensen Verlust an Lebensintensität bezahlt worden sein...
...eine Unüberlegtheit verrät unseren Selbstbetrug: Die rückhaltlose Bewunderung, die wir den "Frühvollendeten", jenen hochprozentigen Existenzen, zollen, denen wie einem Mozart, einem Büchner, einem van Gogh - vom Paradebeispiel Christus gar nicht zu reden - die klassische Lebensspanne von rund 30 Jahren genügte, um einen unauslöschlichen Eindruck zu hinterlassen. Wenn immer mehr Biographien hinter den properen Fassaden von Seniorenresidenzen mit einer rein vegetativen Phase enden, was, bitte schön, soll uns dann noch an den in Aussicht gestellten Durchschnittswerten von 90, 100, 120 Jahren reizen?

__________________________________________________
Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

qilin Offline




Beiträge: 3.552

05.03.2008 09:27
#19 RE: Leben ohne Kirche antworten

In Antwort auf:
Leben die meisten sehr alten Menschen nicht in Japan?
Höchste Zeit also die Religion zu wechseln!
Welche Religion schneidet am besten ab?

Nö - m.W. leben die meisten sehr alten Menschen in eher unwirtlichen ländlichen Gebieten -
Nepal, Kirgisien, Usbekistan etc. - die sind zwar häufig von Buddhisten bewohnt, aber es
liegt wohl nicht an der Religion, sondern an der Lebensweise... Die leben allerdings auch
ziemlich intensiv - nur wohl nicht das, was wir uns gern wünschen - viel Arbeit, knappes
Essen, wenig Freizeit...
Das Argument von Horstmann ist wohl auch mit Vorsicht zu genießen - lebt einer, der mit
30 stirbt, denn notwendig intensiver? Und vegetiert ein Hundertjähriger notwendig nur mehr
vor sich hin? Ich hab' da auch ein Beispiel - der chinesische Ch'an-Meister Hsu-yun (1840 -
1959) hat Mitte der 50er Jahre noch 30tägige Meditationsretreats geleitet, und ich habe
ein paar Vorträge gelesen, die er dabei hielt - also ich kenne sehr viel Schlechteres auf
diesem Gebiet...

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

05.03.2008 10:38
#20 RE: Leben ohne Kirche antworten

So unrecht hat Lukrez nicht.

Japaner haben die dritthöchste Lebenserwartung bei Geburt 82.02 (nach Andorra 83.52 und Macau 82.27). Sicher sind in den von Dir genannten Ländern immer wieder sehr alte Menschen registriert worden, leider gibt es von diesen Ländern keine gesicherten Erhebungen aber gemessen an der Gesamtzahl alter Menschen liegt Japan an der Spitze.

Laut Angaben des Statistischen Amts des Ministeriums für Inneres und Kommunikation aus dem Jahr 2006 betrug Japans Bevölkerung im vergangenen Jahr 127,77 Mio. Menschen. Davon waren etwa 1,15 Mio. Menschen neunzig Jahre alt oder älter. Und ca. 29 000 Menschen - 4 000 Männer und
25 000 Frauen - waren sogar 100 Jahre oder älter.


http://www.de.emb-japan.go.jp/NaJ/NaJ0709/leben.htm

http://www.indexmundi.com/g/r.aspx?c=ja&v=30&l=de


__________________________________________________
*Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen. Der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt. (Johann Heinrich Pestalozzi 1746-1827)*

qilin Offline




Beiträge: 3.552

05.03.2008 11:00
#21 RE: Leben ohne Kirche antworten

Hm - und wenn man's dann an der Religion festmachen will, wird's kompliziert:
die meisten Japaner sind Anhänger mehrerer Religionen - Buddhisten, Shintoisten,
Konfuzianer, sehr wenige Christen - aber viele Atheisten oder zumindest solche,
die sich um Religion überhaupt keinen Kopf machen, auch wenn sie manchmal in
irgendwelche Tempel gehen...

___________________________
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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

05.03.2008 11:07
#22 RE: Leben ohne Kirche antworten

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Leute in Ländern am Meer besonders alt werden. Begründet wurde es mit der Ernährung, viel Fisch und Meeresfrüchte. Vielleicht hat ja Andorra auch irgendwo nen unterirdischen Kanal und ne eigene Fischfangflotten?

Fenris Offline

Freidenker

Beiträge: 1.345

05.03.2008 13:17
#23 RE: Leben ohne Kirche antworten
Zitat von qilin
Hm - und wenn man\\'s dann an der Religion festmachen will, wird\\'s kompliziert:


Allerdings, da machen wir's lieber an Bruder Spaghettus Fischsuppe fest.....

__________________________________________________
*Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen. Der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt. (Johann Heinrich Pestalozzi 1746-1827)*

qilin Offline




Beiträge: 3.552

05.03.2008 14:18
#24 RE: Leben ohne Kirche antworten

Zitat von Japanisches Sprichwort
Wenn man nur fest genug daran glaubt, kann
man auch zum Kopf einer toten Sardine beten.

___________________________
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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

06.03.2008 07:12
#25 RE: Leben ohne Kirche antworten

Seit 1976 läuft in Südkalifornien eine epidemiologische Studie, die an Siebenten Tags Adventisten durchgeführt wird. Festzustellen ist in dem Zusammenhang, dass die im Schnitt 8-10 Jahre länger leben.

http://www.dvg-online.de/Gesundheit/Aktu...oechtenSie.html

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

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=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

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