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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 13 Antworten
und wurde 830 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
manni Offline




Beiträge: 23

09.03.2008 16:24
Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

'wissen' und 'gewiss' sind so eng verwandt, dass damit unmerklich so etwas wie 'verlässlich', 'zuverlässig', 'dauerhaft' mitgemeint wird. Es ist dann nur noch ein kleiner Schritt zu der Behauptung, dass die Aussage etwas zu 'wissen', auf irgendeine Art und Weise 'Objektives' intendiere. Noch herrscht weltweit unter Wissenschaftlern die - m.E. naive Überzeugung vor - wir würden uns der 'Wahrheit' Schritt für Schritt annhähern, wofür bisher noch niemand ein Kriterium gefunden hat.

Diese 'naive Überzeugung' ist auch bei sonst ausgesprochen nachdenklichen Nichtwissenschaftlern oft fest verankert, zummindest hinsichtlich des wissenschaftlichen Fortschrittes. Dabei wird u.a.- aus allzu menschlichen Gründen - übersehen, dass nur das als Fortschritt gelten darf, was die jeweils gültigen wissenschaftlichen Parameter als solche gelten lassen (können).

Wir sind im Grunde umzingelt von Relativem und Agnostischem in allen Wissenschaften. Dieses Fazit können vermutlich eine Reihe von Menschen auch für ihr ganz persönliches 'Erfahrungswissen' nachvollziehen. Mit zunehmenden Alter fällt dieses Fazit immer magerer aus. 'wissen' ist m.E. nicht dadurch charakterisiert, dass es 'zuverlässig', 'dauerhaft' und 'gewiss' ist. 'wissen' hat einen überwiegend vorläufigen Grundzug, dem Gewissheit eher hinderlich im Wege steht. Ich neige darum seit kurzem dazu, 'wissen' ganz aus meinem Wortschatz zu streichen und es durch 'erinnern' zu ersetzen, denn nichts anderes tue ich, wenn ich erkläre, etwas zu wissen. Ich erinnere mich an dies und das, was ich erlebt, erfahren, gehört, gelesen, gesehen, gefühlt ... habe und nenne dies mein Wissen. 'erinnern' unterliegt aber dem Risiko des 'täuschens', weshalb schon von daher Zurückhaltung beim 'wissen' von nöten ist.

Zumindest denke ich: Wenn wir mit unserem 'wissen' weiterkommen wollen, scheinen ganz andere 'Fundamente' nötig zu sein.

manni

Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen. (RR)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

09.03.2008 16:59
#2 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

Ganz sicher ist Wissen immer nur eine individuelle Momentaufnahme. Außer natürlich dem ständig wachsenden Wissen der gesamten Menscheit (natürlich auch da immer mal wieder mit Brüchen). Für mich selbst käme es nicht in Frage, wissen durch erinnern zu ersetzen, nur weil manche Wissen mit absoluter Gewissheit gleichsetzen. Im jeweiligen Moment ist das, was ich aus meiner Erinnerung abrufe mein Wissen. Im nächten Moment kann das schon überholt sein, durch Diskussion, durch ein Buch oder sonst was.

Für mich selbst ist Zweifel ganz wichtig. Doch im jeweiligen Moment ist mein Wissen für mich sicher, so lange, bis sich Anhaltspunkte ergeben, dass irgendwo Fehler sind.

In Antwort auf:
Zumindest denke ich: Wenn wir mit unserem 'wissen' weiterkommen wollen, scheinen ganz andere 'Fundamente' nötig zu sein
An welche denkst du da?

Relix Offline

Wertekiller


Beiträge: 3.480

09.03.2008 19:00
#3 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten
In Antwort auf:
Ich neige darum seit kurzem dazu, 'wissen' ganz aus meinem Wortschatz zu streichen und es durch 'erinnern' zu ersetzen, denn nichts anderes tue ich, wenn ich erkläre, etwas zu wissen. Ich erinnere mich an dies und das, was ich erlebt, erfahren, gehört, gelesen, gesehen, gefühlt ... habe und nenne dies mein Wissen. 'erinnern' unterliegt aber dem Risiko des 'täuschens', weshalb schon von daher Zurückhaltung beim 'wissen' von nöten ist.


Is' ja krass... Vor gerade mal einer Stunde habe ich in einem Buch von Douglas Adams von einem Typen gelesen, der vollkommen nach dieser Einstellung lebt - und deswegen nichts zustande bringt, aber glücklich damit ist. (Nebenbei ist er halt noch Herrscher des Universums... - natürlich, ohne es zu "wissen".)

Zufälle gibt's. (oder?)

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"Philosophie besteht aus Fragen, die niemals beantwortet werden können. Religion besteht aus Antworten, die niemals hinterfragt werden dürfen."
-Anonym

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

09.03.2008 22:06
#4 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten
So ist es halt:
Heute noch ist Olivenöl gesund und schont das Herz - morgen bekommt man davon einen Herzinfarkt.
Gerade bezüglich der Ernährung und Meizin gibt es zahllose solcher Beispiele.
Um handlungsfähig zu bleiben, muss man allerdings zumindest von einet temporären Richtigkeit seines Wissens ausgehen.
Die Welt ist so oder so absurd.
Fortschrittsglauben halte ich eh für naiv.
Wie sagte doch Schopenhauer:
Alles ist immer dasselbe - lediglich auf eine andere Weise.

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Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

10.03.2008 06:24
#5 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

In Antwort auf:
Fortschrittsglauben halte ich eh für naiv.

In welcher Hinsicht? Dass die Summe alles Wissens ständig wächst z.B. ist für dich nicht klar?

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

10.03.2008 21:33
#6 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

In Antwort auf:
In welcher Hinsicht? Dass die Summe alles Wissens ständig wächst z.B. ist für dich nicht klar?

Ich würde die Frage nach der Bedeutung dieses Sachverhaltes stellen.
Ist dieses Wissen - gegen das Nichtwissen gestellt - überhaupt von Bedeutung?
Je mehr wir wissen, umso mehr wird uns doch klar, wie wenig wir wissen.
Noch dazu ist dieses Wissen höchst unsicher - jede anscheinend geklärte Frage wirft hunderte neuer Fragen auf.
Ist ein älterer Baum durch mehr Jahresringe ein fortschrittlicherer Baum?
Ist ein Mensch mit viel Wissen ein fortschrittlicherer Mensch?
Das Leben folgt unabänderlich seinen alten "Gesetzen" und kümmert sich nicht um sogenannten Fortschritt.
Alles schreitet natürlich fort (in der Zeit) - der Baum wächst, der Mensch sammelt Erfahrung, die Materie altert, die Entropie steigert sich aber unaufhaltsam.
Wo man etwas hinzufügt, da muss anderswo etwas weggenommen werden.
Und es wird immer mehr weggenommen, als man hinzufügen kann.
Nach Mainländer ist ja gerade der moderne Mensch der größte Beschleuniger der Entropie - und in diesem Punkt hat er zweifellos recht.


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(Lukrez)

manni Offline




Beiträge: 23

12.03.2008 12:26
#7 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

In Antwort auf:
Is' ja krass... Vor gerade mal einer Stunde habe ich in einem Buch von Douglas Adams von einem Typen gelesen, der vollkommen nach dieser Einstellung lebt - und deswegen nichts zustande bringt, aber glücklich damit ist. (Nebenbei ist er halt noch Herrscher des Universums... - natürlich, ohne es zu "wissen".)

'wissen' ist m.E.eine Aktivität. Dass es darüber schon Literatur gibt, wundert mich nicht. Nur muss der Autor völlig anderes damit verbinden, als ich, sonst würde diese Aktivtät seinen Hauptdarsteller nicht 'handlungsunfähig' machen können.
manni

Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen. (RR)

manni Offline




Beiträge: 23

12.03.2008 13:15
#8 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

Zitat von Bruder Spaghettus
Ganz sicher ist Wissen immer nur eine individuelle Momentaufnahme. Außer natürlich dem ständig wachsenden Wissen der gesamten Menscheit (natürlich auch da immer mal wieder mit Brüchen).


Ich weiß nicht, worin das gesamte Wissen der Menschheit besteht. Ich habe zwar Zugang zu Lexika, elektronischen Datenbanken, anderen Medien und Aufzeichnungen, doch wirklich zugänglich ist mir eigentlich nur mein eigenes Wissen. Es wäre schön, wenn du erläutertest, worin für dich 'das Wissen der Menschheit' besteht.

In Antwort auf:
Für mich selbst ist Zweifel ganz wichtig
.

'Zweifeln' ist für mich das Gegenteil von 'glauben' im religiösen Sinne. Das Gegenteil von 'wissen' wäre m.E. 'irren'. Diese feine, aber nötige Unterscheidung rettet uns vor völlig unnötigen Verwirrungen in Sachen 'wissen'. 'wissen' beziehe ich für mich auf das, was ich gemeinsam mit anderen 'beobachten' kann. Die Möglichkeit zu beobachten, macht 'glauben' und 'zweifeln' überflüssig. Wohl aber ist Zurückhaltung nötig, wie du selbst schreibst.

In Antwort auf:
Doch im jeweiligen Moment ist mein Wissen für mich sicher, so lange, bis sich Anhaltspunkte ergeben, dass irgendwo Fehler sind.


Dies nennt man für gewöhnlich, den 'Irrtumsvorbehalt', den gewöhnlich Menschen implizieren, die sich daran erinnern können, dass 'wissen' 'irren' sein kann.

Von daher ergibt sich, dass 'Fundamente' von 'wissen' immer wieder verändert bzw. neu gelegt werden müssen, wenn wir 'irren' nach Möglichkeit gering halten wollen. 'Fundamente' wäre daher eigentlich wenig brauchbar. 'Fundament' meiner Aktvität 'wissen' ist das gemeinsam Beobachtbare. Dieses gemeinsame Beobachten setzt ein permanentes aktives Hinsehen des Einzelnen auf die Sache und die Sachverhalte voraus und begründet mein temporäres 'wissen' .

manni

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Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

12.03.2008 20:19
#9 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

In Antwort auf:
Es wäre schön, wenn du erläutertest, worin für dich 'das Wissen der Menschheit' besteht.
Es gibt heute keine Universalgenies mehr. Hauptsächlich, weil das Wissen zu umfangreich für einen Einzelnen geworden ist, um noch auf allen Gebieten führend zu sein. Dafür gibt es viele Spezialisten. Diese machen das immer mehr zunehmende Wissen der Menschheit auch für dich nutzbar. Sei es indirekt, indem sie Sachen schaffen, die du nutzt, oder direkt, indem du sie befragst. Diese gesammelte Wissen der Spezialisten wächst ständig, dank Forschung und Wissenschaft.

In Antwort auf:
Die Möglichkeit zu beobachten, macht 'glauben' und 'zweifeln' überflüssig.
Tatsächlich? Für mich sind Zweifel nie überflüssig, erst recht nicht bei den Beobachtungen die ich vornehme. Da die immer nur ein klitziges Detail der Wirklichkeit betreffen, sollte man sich hüten, allein daraus weitreichende Schlüsse zu ziehen. Sogar an den Beobachtungen selbst ist Zweifel angebracht, Beobachtungsfehler, Wahrnehmungsfehler sind gar nicht so selten.
In Antwort auf:
Fundamente' wäre daher eigentlich wenig brauchbar. 'Fundament' meiner Aktvität 'wissen' ist das gemeinsam Beobachtbare. Dieses gemeinsame Beobachten setzt ein permanentes aktives Hinsehen des Einzelnen auf die Sache und die Sachverhalte voraus und begründet mein temporäres 'wissen' .

Das verstehe ich nicht.
1. Mein Fundament (ja ist ein blödes Wort und viel zu nahe an Fundamentalismus) ist seit vielen vielen Jahren der Atheismus. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wohl aber an den Sachen, die auf diesem Fundament aufbauen. Das diese Fundament jemals ins Wanken kommen könnte, halte ich ausschließlich theoretisch für möglich.
2. Durch ständige Beobachten allein ergeben sich für mich keinerlei neue Anhaltspunkte. Erst durch die Verarbeitung des Beobachteten, durch Vergleichen, durch Schlüsse werden neue Erkenntnisse möglich. Da dieses Vergleiche, die Richtung der Schlüsse immer maßgeblich vom "Fundament" bestimmt wird sind besondere Beobachtungen nötig, welche, die sich mit dem "Fundament" nicht klären lassen, nötig, um das selbst ins Wanken zu bringen, zu versetzen oder zu zerstören.

manni Offline




Beiträge: 23

14.03.2008 12:30
#10 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten
Ich möchte auf verschiedene Aspekte hinweisen, die mir an weltanschaulich begründeten 'Erkenntnissen' zum Bedenken Anlass gegeben haben.

Philosophiegeschichtlich betrachtlich, würde ich das, was in deinem Beitrag im wesentlichen zum Ausdruck kommt, als 'Metaphysik' bezeichnen. Es kommt zwar 'Gott' nicht vor, aber es sind charakteristische 'Metaphyzismen' enthalten.

1. Überzeugungen haben, gehört zu den gängigsten 'Metaphyszismen' unserer abendländischen Kultur. Man kann davon überzeugt sein, dass Spezialisten ihr 'Wissen' zum Besten aller gebrauchen und man kann überzeugt sein, dass sie über 'Wissen' verfügen.Überzeugungen sind nicht diskursfähig. Entweder teilt man sie oder nicht. Ich teile diese Überzeugung nicht. Für ein 'Wissen' zum Besten aller fehlt mir das Kriterium. Mir fehlt auch das Vertrauen in Spezialistenwissen, denn auch die sogenannten 'Spezialisten' sind bloß Menschen und sie können sich irren und haben sich immer wieder geirrt. Ich kann nur mich für mein 'wissen' verbürgen. Jeweils nach einer Handlung kann ich herausfinden, wie mir dabei mein 'wissen', d.h. 'erinnern' an Vergangenes hilfreich war, oder inwieweit ich dieses durch die neue Erfahrung revidieren und so meine Urteile verändern muss.

2. 'zweifeln' und 'glauben' sind m.E. zwei grundlegende Funktionen, die sich einstellen, wenn man Überzeugungen hegt. Näheres habe ich dazu schon gesagt. Für mich ist 'zweifeln' irrelevant. Ich zweifle nicht, weil ich nicht glaube. Ich kann mich irren, weil mir Aspekte von Sachverhalten entgangen sind.

3. 'Weltanschauungen' sind 'Metaphyzismen', da sie - wie du beschreibst - von Schlussfolgerungen getragen werden. Jeder zieht Schlussfolgerungen, auch ich. Doch für mich sind 'Schlussfolgerungen' kein Fundamente, sondern eben meine Folgerungen, die ich aus Beobachtbarem ziehe. Handeln macht die temporäre Bildung von Schlussfolgerungen, Urteilen u.dgl. mehr, nötig. Doch sie ermöglichen keine neuen Erkenntnisse. 'wissen' bewährt sich oder bewährt sich nicht. Da wo mit wissendem Überzeugtsein auf Erfahrung verwiesen wird, entsteht sehr schnell Verfestigung und die Realität gerät aus dem Blick. Denn: Erkennen kann ich immer nur das, was ich kenne. Die 'Erkenntnisse' der Wissenschaften sind nur unter bestimmten theoretischen Voraussetzungen gültig. Theorien, Hypothesen usw. ermöglichen nur neue Sichten, wenn sie neue Sichtweisen transportieren, bzw. zulassen können. Eine Tautologie, ja. Aber so naiv ist meine Philosophie, die sich lieber mit Schlussfolgerungen zurückhält und dem Beobachtbaren den Vortritt lässt.

Wenn jemand im wesentlichen 'metaphysisch' denkt, dann ist es ihm unverständlich, wie man von Beobachtbarem als von einem Art 'Fundament' sprechen kann. Denn 'Metaphysik' (Weltanschauung) geht implizit mehr oder weniger davon aus, dass es 'Erkenntnisse' gibt, die irgendwie fest sind. Wenigstens im Kern. 'Metaphysik' bzw. 'Weltanschauungen' lassen deshalb 'zweifeln' zu, oder können 'überzeugt-sein' begründen. Ich weiß wovon ich rede, denn ich selbst war jahrzehntelang Metaphysikerin. Es war schmerzlich, als ich schließlich bemerkte, dass es meine eigenen 'Überzeugungen' sind, die ich für 'Erkenntnisse' gehalten habe.

manni

Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen. (RR)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

15.03.2008 07:53
#11 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

In Antwort auf:
Wenn jemand im wesentlichen 'metaphysisch' denkt, dann ist es ihm unverständlich, wie man von Beobachtbarem als von einem Art 'Fundament' sprechen kann.
Ich denke metaphysisch? Auch wenn es so sein sollte, ich fühl mich jedenfalls pudelwohl so wie ich denke. Eigentlich reicht mir schon Epikur als philosphisch-praktisches Rüstzeug.
Wie du selbst schreibst, ist es unerlässlich aus Beobachtungen auch Schlussfolgerungen zu ziehen, um handlungsfähig zu bleiben.
In Antwort auf:
Doch sie ermöglichen keine neuen Erkenntnisse. 'wissen' bewährt sich oder bewährt sich nicht. Da wo mit wissendem Überzeugtsein auf Erfahrung verwiesen wird, entsteht sehr schnell Verfestigung und die Realität gerät aus dem Blick.
Genau dafür ist der Zweifel da.

Da ich gerne handlungsfähig bleiben möchte, muss ich schlussfolgern genau wie du. Du kannst also höchstens bestimmte Beobachtungen, solche auf Feldern wo du nicht handeln musst, aus dem Schlussfolgern auslassen und dich mit dem reinen Beobachten begnügen. Was natürlich auch wieder subjektiv ist.
Genau das gleiche mache ich aber auch. Vielleicht sind es ein paar weniger Beobachtungen als bei dir, die nicht verarbeitet werden, aber es gibt immer noch reichlich davon. Ist das wirklich gleich eine neue "Philosophie" wenn lediglich ein paar Beobachtungen mehr unverarbeitet bleiben?

manni Offline




Beiträge: 23

22.03.2008 17:48
#12 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

Zitat von Bruder Spaghettus
[quote]Ist das wirklich gleich eine neue "Philosophie" wenn lediglich ein paar Beobachtungen mehr unverarbeitet bleiben?


Ich meine, eine Philosophie, die nur von dem ausgeht, was man gemeinsam beobachten kann: Die ist in der Tat neu, denn in ihr stört alles, was das gemeinsame beobachten verhindert. Unter 'Metaphyzismen' fasse ich alles zusammen, was nicht gemeinsam beobachtbar ist. Jede Schlussfolgerung ist im Prinzip ein solcher 'Metaphyzismus'. Wir sind ständig gezwungen zu schlussfolgern, aber es ist hinderlich, Schlussfolgerungen für 'Erkenntnisse' zu halten, die 'Wissen' transportieren. Schlussfolgerungen sind nichts anderes als individuelle Sichtweisen.

Sie müssen jederzeit zur Disposition stehen, wenn sie nicht den Blick auf das Beobachtbare verstellen sollen.

manni

Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen. (RR)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

22.03.2008 20:03
#13 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

In Antwort auf:
Schlussfolgerungen sind nichts anderes als individuelle Sichtweisen.
Ganz sicher. Sind das Beobachtungen nicht aber auch? Jeder beobachtet anders. Teils aus körperlichen, teils aus selectiven Unterschieden heraus. Jeder nimmt nur einen bestimmten Teil der Realität wahr. Ich meine hier nur einen bestimmten Teil von dem, der sowieso überhaupt nur wahrnehmbar ist. Wer nun gerade welchen Teil wahrnimmt, ist höchst verschieden. Genau so, wie es die Interpretation des Beobachteten höchst verschieden ist.

Wenn du für das Beobachten nur das gelten lassen möchtest, was gemeinsam (was vestehst du darunter? Alle? Eine Gruppe?)wahrnehmbar ist, warum soll dieses Kriterium nicht auch für Schlussfolgerungen gelten? Ist aber Gemeinsames in dem von dir gebrauchten Sinne ein Garant für Wahrheit bzw. Wirklichkeit?

In Antwort auf:
Schlussfolgerungen sind nichts anderes als individuelle Sichtweisen.

Sie müssen jederzeit zur Disposition stehen, wenn sie nicht den Blick auf das Beobachtbare verstellen sollen.
Darüber war ich mit dir von Anfang an einer Meinung. Aber es muss Anlässe geben, um sie wirklich zu ändern. Wichtige Anlässe, sonst geht das Ändern so schnell, dass man nicht mehr schlüssig handeln kann.

manni Offline




Beiträge: 23

25.03.2008 08:23
#14 RE: Gibt es 'Fundamente' von 'wissen'? antworten

Jeder beobachtet anders, dies ist ein besonders wichtiger Aspekt. Das, was da die alten Philosophen - z.B. ein Epikur schon durch einfache Beobachtungen festzustellen glaubten - wird ja inzwischen auch durch die Neurophysiologie bestätigt und ist differenzierter darstellbar. Die neurophysiologischen Forschungsergebnisse scheinen nahezulegen, dass 'wahrnehmen', 'erinnern' und 'werten' , 'entscheiden' physische Aktivitäten sein könnten, die sich ständig vollziehen. D.h. unsere Physis einschließlich aller sensorischen Prozesse und Aktivitäten ist ständig damit beschäftigt, 'wahrzunehmen', 'zu erinnern' und zu 'werten', zu entscheiden (vgl. die Libet-Versuche), ohne dass es unseres steuernden (willentlichen) Einflusses bedarf. (Dennoch gehe ich davon aus, dass wir steuernd eingreifen können, aber nicht so, wie das die gesamte abendländische Anthropologie sich bisher vorstellte und teilweise noch vorstellt. Aber das ist wieder ein neues Thema.] Was wirklich ist, ist angesichts neurophysiologischer Sachverhalte, die prinzipiell entweder von mir oder anderen beobachtbar sind, unbeantwortbar. Erst recht 'Wahrheit'. Sie liegt m.E. unbeobachtbar jenseits unserer menschlichen Grenzen. (Aber auch das ist wieder ein neues Thema.) Deshalb rede ich lieber von meinen 'Vermutungen', als von 'Aussagen'.

Ich kann nur davon ausgehen, was sich mir zeigt. Deshalb ist es mir wichtig, das jeweils Konkrete und gemeinsam Beobachtbare zum Gegenstand des gemeinsamen Philosophierens zu machen und nicht das, was DIE PHILOSOPHIE begriffen zu haben glaubt. Denn mir scheinen Inhalte von 'Begriffenem' unkonkret zu sein und daher nicht 'verhandelbar'. Das 'Konkrete' und gemeinsam 'Beobachtbare' hat den Vorteil, dass wir nicht die eine 'Wirklichkeit' bzw. 'Wahrheit' vor uns haben, wohl aber unsere 'Vermutungen' über die Sache auf Konkretes sich bezieht und damit 'verhandelbar' wird. Und auf letzteres kommt es mir beim Philosophieren an. 'verhandlungsfähig' und damit auch 'handlungsfähig' zu bleiben. Dies scheint nicht viel, scheint mir aber immer noch aber viel mehr, als alles, was nicht 'verhandlungsfähig' und damit in gemeinsame 'Handlungsunfähigkeit' mündet. Es scheint z.B. so zu sein, dass ich mich mit anderen leicht darauf verständigen kann, was ich meine, wenn ich 'Tisch' sage und mich deshalb auch über eventuelle Handlungen mit oder an diesem Tisch einigen kann, als wenn ich 'Vernunft' sage.

Im Hinblick auf die neurophysiologischen Forschungsergebnisse vermute ich, dass die oben genannten Aktivitäten 'wahrnehmen', 'erinnern' und 'werten', 'entscheiden' auch signalisieren, dass Änderungen ständig geschehen und es Fixes eigentlich gar nicht gibt. D.h. es könnte durchaus sein, dass sensorisch-physiologisch Veränderungen, so minimal sie auch sein mögen, auch meine Sichtweisen minimal verändern können, wenn ich sie zulasse. Das Einstellen auf 'Veränderungen' jedweder physiologischer Art, scheint meinem Körper wie von selbst möglich, vielleicht gelingt mir dieses auch im Hinblick auf meine Sichtweisen. Für letzteres könnte bspw. sprechen, dass wir plötzlich festellen, dass unsere Sichtweisen sich geändert haben: "Vor zehn Jahren hätte ich dies und das noch ganz anderes gesehen.", bemerken wir gelegentlich. Das allmähliche Verändern bemerken wir gar nicht.

Das Heraklitische "Alles fließt" scheint mir eine der philosophischen Grundannahmen zu sein, für die nun auch die Naturwissenschaften Ergebnisse präsentieren, die diese zumindest konkret beobachtbar zugänglich machen. Alles menschliche Denken, dass demgegenüber Fixierungen vorzieht, scheint diesem gegenüber irgendwie unangemessen.

manni

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