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Dieses Thema hat 25 Antworten
und wurde 1.936 mal aufgerufen
 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
Seiten 1 | 2
Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

07.07.2008 08:11
Meditation antworten

Hallo noch mal,

hier mag ich gerne näher auf Dich eingehen, lieber Till.

In Antwort auf:
Soviel ich weiss
- braucht man dazu eine bestimmte Sitzposition (könnte auf die Dauer unbequem sein)
- eine bestimmte Atemtechnik (muß man sich drauf konzentrieren)
- soll an nichts mehr denken (fällt mir immer schwer)
- soll nichts fühlen (wenn doch aber der Hintern schmerzt)
- und vollkommen eins werden mit der Welt (wie denn das?)

Da erscheint mir faulenzen doch sehr viel einfacher.

Was ist genau das Positive an der Meditation?


Zu Punkt 1: Man kann auch im Sitzen meditieren. Sollte aber nicht die Gewohnheit werden.
Man muss auch nicht im vollen Lotus sitzen, es geht auch der halbe Lotus.
Zu Punkt 2: Du sollst einfach nur atmen, nicht mehr und nicht weniger. Im Rinzai zählt
man auch gerne den Atem. Im Soto atmet man einfach nur so. Tief und bewusst. Hört sich
leicht an, ist aber echt eine Übungssache.
Zu Punkt 3: Nein, man kann seine Gedanken nicht einfach so abstreifen, wie ein Hemd. Du
wirst auch bei der Meditation denken. Du sollst aber nicht an Deinen Gedanken festhalten,
sondern sie einfach so vorbeiziehen lassen. Ich stelle mir dabei gerne vor, dass ich eine
andere Person bin, die sich von aussen selber beobachtet. Man soll dabei drauf achten, was
die aufkommenden Gedanken und die damit verbundenen Gefühle mit einem machen.
Zu Punkt 4: Du wirst sicher was fühlen. Nicht fühlen geht nicht. Der Hintern schmerzt weniger,
als die Knie und der Rücken. Um den Rücken kümmert sich aber der Jikijitsu, der im Soto allerdings
Godo heisst. Er geht mit dem Kyosaku durch die Reihen und, wenn man es wünscht und mit einem
Gasshô andeutet, schlägt er einem auf die Punkte auf den Schultern (oder dem Rücken), die
Entspannung bringen. Hilft auch bei der Konzentration, die für eine gute Meditation nötig ist.
Man döst nicht, man wird wieder wach.
Zu Punkt 5: Man wird nicht eins mit der Welt, man ist im Prinzip schon eins mit der Welt.
Nennt sich "Leerheit" und ist echt schwer zu erklären. Kleines Beispiel. Die Welle und das
Meer sind untrennbar vereint. Wenn Du nicht meditierst denkst Du wie der Wassertropfen, der
das Meer sucht. Dabei ist er schon im Meer selber und Teil der Welle und des Meeres.

Grrr, ist echt schwer zu erklären. Muss man erleben. Geht nicht zu erklären, glaube ich.

Neee, faulenzen fällt mir schwerer, als zu meditieren. Bei der Meditation kann ich abschalten.
Ich durchbreche meine Denkmuster. (Teilweise jedenfalls). Beim Faulenzen geht es mir niemals
so gut, wie bei der Meditation.

Ist also Ansichtssache. Wenn Du noch Fragen hast, stelle sie ruhig und ich schau mal, dass ich
sie beantworten kann.

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

07.07.2008 09:50
#2 RE: Meditation antworten

Hallo Tao-Ho,

was Du hier schreibst gilt aber nur für die 'klassische' japanische Zen-Tradition.
Selbst im chinesischen Ch'an war's in den Anfangszeiten nicht so - von anderen
buddhistischen Traditionen gar nicht zu reden. Ganz ähnlich wie im Christentum
gab und gibt es im Buddhismus Richtungen, die die [gegenständliche] Meditation
[wie die meisten Tibeter], und solche die die [gegenstandslose] Kontemplation
üben (im Buddhismus wird da nur weniger genau unterschieden); und es gibt auch
Richtungen, die man im Christentum als 'scholastisch' bezeichnen würde, ebenso
wie solche, die eine reine 'Gnadenlehre' verbreiten [wie der Amida-Buddhismus] -
und es gibt (vor allem im Westen) Leute, die mehreren Richtungen gleichzeitig
anhängen - auch wenn die einander prima vista widersprechen...

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Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

07.07.2008 11:56
#3 RE: Meditation antworten

Sicher spreche ich hier vom Zen im Allgemeinen. Aber in jeder meditation
kann man seine Gedanken und Gefühle nicht stoppen und soll es auch nicht.

Ausserdem gilt in so ziemlich jeder Meditation die Achtsamkeit vor allen
Dingen auf den Atem.

Oder irre ich mich da so sehr?

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() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

07.07.2008 12:45
#4 RE: Meditation antworten
Naja, Zen ist aber nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus dem buddhistischen Spektrum...
Gedanken und Gefühle stoppen ist nicht das Ziel der Meditation im Buddhismus, aber in
der Meditation des Raja-Yoga wird es m.W. angestrebt und auch von Manchen erreicht.
Die Achtsamkeit auf den Atem is weit verbreitet - nicht nur im Buddhismus - aber nicht
in allen Traditionen - nicht mal in allen Zen-Traditionen. Das z.B. im Soto propagierte
shikantaza ist ein Verzicht auf alle 'Konzentrationshilfsmittel'.

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wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Eulenspiegel Offline

Atheist

Beiträge: 1.634

07.07.2008 19:37
#5 RE: Meditation antworten

Hallo Tao-Ho

Vielen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen zur Meditation. Jetzt kann ich mir darunter
etwas mehr vorstellen.
Das mit den Schlägen auf den Rücken habe ich schon mal gelesen in "Zen für Anfänger", dem Sach-Comik.(Tiefer bin ich in die Materie noch nicht eingedrungen).

Auch von dem Wassertropfen und dem Meer habe ich schon mal in einem anderen Zusammenhang gehört.
Ich weiß nicht mehr genau worum es ging, jedenfalls sagte der Tropfen: "Hurra, bald bin ich Meer"
Das hatte mich schon damals beschäftigt. Einerseits ist es für einen kleinen Wassertropfen vielleicht
eine tolle Vorstellung "eins" zu sein mit allen anderen, nur verliert er doch im Meer seine Identität
(seine Existenz) und es gibt kein Zurück mehr.
So ähnlich hatte ich mir nämlich das "Nirwana" bzw. die Erleuchtung eines Buddhisten auch vorgestellt,
daß man zwar weg kommt von seinem Ego, seinen Zwängen und Bindungen, daß man dabei aber womöglich zuviel aufgibt.
So wie ich Dich verstanden habe ist man beides zugleich, Individuum (Tropfen) und "Universum" (Meer).
Ich weiss, es ist schwierig zu erklären, das habe ich schon bei "Zen für Anfänger" mitbekommen.

Ich gehe ja gern mal für mich allein in der Natur spazieren. Manchmal setze ich mich dann unter einen Baum oder auf einen Jägerstand, genieße die Natur um mich herum und lasse die Gedanken frei.
Ich fragte mich dann, ob das schon Meditation ist, oder ihr nahe kommt (Sitzposition und Atmung habe ich allerdings nicht berücksichtigt).
Es ist jedenfalls sehr schön; wohl doch eher faulenzen, aber ein besonders intensives.

Grüsse
Till

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

07.07.2008 20:07
#6 RE: Meditation antworten

Hallo Till,

Meditation kann alles sein. Ich kenne einen Zen-Meister, der eher Samu
macht, als stundenlang herumzuhocken. (Samu ist bewusstes Arbeiten)

Also ist Dein in die Natur gehen in weitesten Sinne auch Meditation.

Man braucht übrigens keine Angst zu haben, dass man zuviel von sich
aufgibt. Bleibt immer noch genug Ego übrig, um sehr gut überleben zu
können.

qilin und ich haben in der Natur beim meditieren schon wunderbare Dinge
erleben können. Viele Tiere kamen auf greifbare Nähe heran und man fühlt
sich richtig eins mit ihnen.

Aber hier gebe ich wieder ab an qilin (der momentan noch Nachrichten schaut).

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() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

07.07.2008 21:10
#7 RE: Meditation antworten

Du hast die Lampe gerieben - ich erscheine...

Was soll ich dazu viel sagen? Wunderbare Dinge?
Mein älterer Bruder, der Laie P'ang, hat's gesagt:

In Antwort auf:
Wie wunderbar! Wie geheimnisvoll!
Ich hacke Holz, ich trage Wasser!

Ja, man kann alles meditativ machen
- vermutlich auch Köpfeabschlagen -
also eine bestimmte Sitzhaltung ist
dafür nicht nötig. Ich kannte mal eine
Ch'an-Lehrerin, die ich sehr schätzte
- die sagte, sie wäre noch nie rituell
gesessen - sie mache ihr Zen beim
Kochen und beim Putzen der Wohnung...

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() qilin

Eulenspiegel Offline

Atheist

Beiträge: 1.634

07.07.2008 22:22
#8 RE: Meditation antworten

Humor ist wohl auch ein wesentlicher Bestandteil des Zen, auch wenn P'ang das bestimmt
ernst gemeint hat.

Ich empfinde das sehr angenehm, wenn jemand Ernsthaftigkeit und Gelassenheit / Heiterkeit
gleichzeitig verkörpern kann und das scheint mir im Buddhismus öfters vorzukommen.
Bei uns sieht man das sehr selten, auch mir gelingt meistens nur entweder das eine oder das andere.

Aber ich bemühe mich zu lernen

Grüsse
Till

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

08.07.2008 10:01
#9 RE: Meditation antworten

qilin, Du bist der Beste...

Du weisst genau, dass ich Tiere sehr liebe und es als wunderbar erachte,
wenn sich nacheinander Oachkatzerl und Haserl bei mir ein Stelldichein
haben.

In Antwort auf:
Ich empfinde das sehr angenehm, wenn jemand Ernsthaftigkeit und Gelassenheit / Heiterkeit
gleichzeitig verkörpern kann und das scheint mir im Buddhismus öfters vorzukommen.

Leider auch nicht immer. Es gibt halt auch hier Solche und Solche. Auch
beim Buddhismus muss man immer seinen Verstand eingeschaltet lassen und
aussieben.
Bei den Theravadi z. B. ist alles Bierernst.

Um noch mal auf den Kyosaku zurückzukommen. Der wird nicht von jedem Meister
und auch nicht in jedem Zendo verwendet. Wenn er verwendet wird, dann nur
auf bitten des Schülers hin und es werden zwei Schläge verwendet, um den
Rücken zu entspannen. Zumeist wird er aber benutzt, um die Körperhaltung
beim ZaZen zu korrigieren.

Guck einfach mal hier: http://www.youtube.com/watch?v=6pllQ_-ZxEA
So ziemlich am Ende des Films geht der Godo mit dem Kyosaku durch die Reihen
und korregiert die Haltung eines Mönches.

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() Tao-Ho

MondSchwester Offline




Beiträge: 96

13.12.2008 20:22
#10 RE: Meditation antworten

Nur mal so am Rande: man muss sich nicht zum Meditieren hinsetzen.

Es gibt unendlich viele Meditationsvarianten. Eine meiner Favoriten ist die Bewegungsmeditation zusammen mit Atemübungen (ist für Anfänger sehr zu empfehlen).
Ich glaube, eine Beschreibung wie man so was macht kannst du zum Beispiel in Aikido- / Qui Gong -Büchern finden.

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http://meeresrauschen.xobor.de

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

13.12.2008 20:29
#11 RE: Meditation antworten

Ähm, liebe Mondschwester,

hast Du Dir die ganzen Antworten mal bewusst durchgelesen? Ich habe u. A. auch das
hier gepostet:

Zitat von Tao-Ho
Meditation kann alles sein. Ich kenne einen Zen-Meister, der eher Samu
macht, als stundenlang herumzuhocken. (Samu ist bewusstes Arbeiten)

Also ist Dein in die Natur gehen in weitesten Sinne auch Meditation.

Und auch Kinhin ist von mir bereits in einem anderen Thread angesprochen worden.
Schwertkampf war hier bis jetzt auch nur von mir am Rande angesprochen worden,
weil ausser Dir, mir und einem anderen Mituser keiner Schwertkampfkunst betreibt.

So ganz kann ich das also nicht verstehen...

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() Tao-Ho

Darkwolf Offline



Beiträge: 94

14.12.2008 08:05
#12 RE: Meditation antworten

Körperübungen (Asanas) Atemübungen (Pranajama) dann Meditation (Praabasta), mit dem Ziel der Vereinigung mit dem höheren selbst. So ist das beim Yoga. Wenn ich mit asiatischen Mönchen meditiere, läuft dabei keiner rum. Ich war allerdings noch nie in China, oder Japan.

Wahrheit ist, was den Test der Praxis besteht!

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

14.12.2008 10:30
#13 RE: Meditation antworten

Muss wohl Klosterabhängig sein, denn auch in Thailand gibt es eine Gehmeditation.
Die ist oftmals sogar länger, als die Zen-Variante "Kinhin".

Du bist aber auch eher der Yogi-Variante des Buddhismus zugetan. Daran kann es auch
liegen. Yogis sitzen ja eher, als rumzurennen.

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() Tao-Ho

qilin Offline




Beiträge: 3.552

14.12.2008 12:37
#14 RE: Meditation antworten

Zitat von Darkwolf
Körperübungen (Asanas) Atemübungen (Pranajama) dann Meditation (Praabasta), mit dem Ziel der Vereinigung mit dem höheren selbst. So ist das beim Yoga. Wenn ich mit asiatischen Mönchen meditiere, läuft dabei keiner rum. Ich war allerdings noch nie in China, oder Japan.

Bhâvanâ (Meditation) wird auch in Asien meist mit ruhigem Sitzen verbunden gesehen, es gibt aber
auch [m.W. schon im Palikanon] andere Meditationsformen.
Speziell in den Zen-Klöstern, in denen sehr lange gesessen, aber auch körperliche Arbeit intensiv
geübt wurde [ein Grund, dass Zen-Klöster bei Buddhistenverfolgungen auch mal unbehelligt blieben],
kam es zu der Entwicklung von 'Meditation bei der Arbeit' einerseits und 'meditativem Gehen' [kinhin]
andererseits, weil andauerndes Sitzen der Gesundheit nicht gerade nützt...
Es gab allerdings auch die 'Klöster der toten Bäume', in denen die Mönche jahraus, jahrein die
Meditationshaltung beibehalten mussten und nur zum Schlafen Kinn oder Achseln mit Brettern stützen
durften. Die Lebenserwartung in diesen Institutionen war allerding relativ bescheiden...
Ich selbst habe einmal eine chinesische Zen-Lehrerin kennengelernt, die erzählte, in ihrem ganzen
Leben noch nie rituell 'gesessen' zu sein - sie mache ihre Meditation beim Kochen und Putzen...
Ich war zuerst mal sehr skeptisch, habe sie aber später hoch geschätzt.

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Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Wu Offline




Beiträge: 416

11.09.2010 18:05
#15 RE: Meditation antworten

Meditation aus taoistischer Sicht

“Zhuo Wang”, das Sitzen in Vergessenheit (die Meditation)

Zhuo, das Sitzen ..... wang, in Vergessenheit


Sitzen Zuo
Das Zeichen für „sitzen“, „meditieren“ zeigt zwei Menschen, die einander zugewandt auf dem Boden sitzen.
Wer mit der Meditation beginnt, der sitzt zu Beginn der Übung seinem Lehrer (Meister/Meisterin) gegenüber, wie es die beiden abgebildeten Menschen tun. Meditation bedeutet ganz einfach auf dem Boden sitzen.

Zhuo, das Sitzen

Es gibt kein großartiges Wort für „Meditation“.
Obwohl die Alten Meister lehrten, daß „das Sitzen von essenzieller Bedeutung“ ist, nannten sie es einfach „Sitzen“; und sie saßen ganz simpel auf dem Boden, nicht etwa auf den erhöhten Sitzgelegenheiten der Zivilisation-, sie saßen auf der
nackten Erde, die uns ohne Vorbehalte nährt und von sich gibt.

Am Ende eines mühevollen Tages mit Arbeiten auf den Feldern oder Wanderungen in den Bergen, saßen die Alten Meister allein und zurückgezogen in der Stille.
Sie hatten die Härten der Natur ertragen und auch von ihrer Fülle profitiert. Ruhe und Entspannung ist nötig für den Körper, Ruhe und Kontemplation ist wichtig für den Geist.
Die Ruhe hilft, das Vergehen der Zeit zu absorbieren. Sie hilft, den Aufruhr durch den Arbeitsalltag zur Ruhe zu bringen; sie hilft zur stillen Reinheit zurückzukehren, welche „der Weg [Tao]“ genannt wird.
Wenn wir meditieren wollen, brauchen wir nur zu sitzen und still zu werden. Gewiß, es wurden ausgeklügelte Meditationsmethoden entwickelt, jedoch nur deshalb,weil die Psyche der sogenannten „zivilisierten Menschheit“ so komplex geworden ist.
Die Alten Meister wussten, daß Meditation keine komplizierte Angelegenheit sein muß.
Aus diesem Grund hatten sie kein Interesse daran, sich einen besonderen Namen für das „Sitzen“ einfallen zu lassen. Es ist „nur Sitzen“, so wie alle es nach einem langen Arbeitstag tun. Mehr ist letztendlich nicht nötig, um uns in die große Tiefe der Meditation zu versenken.

So heißt es denn: „Der Weg[Tao] ist immer für uns da. Das war nie anders, wird nie anders sein.
Wir brauchen uns nur die Zeit zu nehmen, still zu sein, um dies wieder einmal zu erkennen.“



Wang Vergessen
besteht aus den beiden Zeichen „fliehen“ und „Herz/Gefühl“.
.
Unten befindet sich das Zeichen für „Herz“ („Herz“ xin und „Geist“ shen werden nicht getrennt voneinander betrachtet. Über dem Zeichen für „Herz“ befindet sich das Lautzeichen für „vergessen“, „zugrunde gehen“, „enden“. Der Haken stellt „das Versteck“ dar.
Die Bedeutung ist: „der Geist hat aufgehört zu agieren, daß heißt er erinnert sich nicht mehr.“

Wang, Vergessen, enden, den Begehrlichkeiten des Herzens entfliehen, aufhören ...

Die Ehrgeizigen versuchen jeden Tag, mehr und mehr hinzuzufügen; der der sich „auf den Weg begibt“, dem Tao folgt, sucht täglich mehr und mehr zu reduzieren.


Lao-Tze, der Alte Meister sagt im Vers 48 (Version nach Hogan):


“Normalerweise versuchen wir jeden Tag etwas neues hinzu zu lernen. Aber, wenn wir auf dem rechten Weg sind, müssen wir jeden Tag mehr loslassen. Wir tun weniger und weniger, bis wir vom Tun beim Nicht-Tun angekommen sind.
Und wenn wir beim Nicht-Tun angekommen sind, ist das nicht so, daß wir unsere Arbeit nicht erledigt hätten. Lass die Ereignisse ihren Lauf nehmen, und alles dreht sich zu unseren Gunsten.
Doch folgst Du nur Deinen ehrgeizigen Bestrebungen, findest Du aus dem ganzen Schlamassel nie raus.”

Ein alter Lehrspruch der Meister vom Hua-Shan drückt folgendes aus:

“Wenn Du meinst, dem „Weg zu folgen“ bedeutet, auf Drachen zu reiten und auf Kranichen zu fliegen, dann gehe lieber zu Fuß.

Wenn Du meinst, dem „Weg zu folgen“ bedeutet, ein Elixier der Unsterblichkeit zusammenzubrauen, dann achte einfach darauf, was Du isst.

Wenn Du meinst, dem „Weg zu folgen“ bedeutet, nur Bücher zu lesen, dann solltest Du nie ohne ein Buch auf Reisen gehen.

Wenn Du meinst, „dem Weg zu folgen“ bedeutet, zu debattieren, Streitgespräche zu führen, dann solltest Du lieber den Mund halten.

Wenn Du meinst, dem „Weg zu folgen“ bedeutet, kunstvolles Geschmeide und wallende Gewänder zu tragen, dann solltest Du besser nackt sitzen.

Wenn Du glaubst, um „dem Weg zu folgen“ bräuchtest Du eine „Einweihung“, ein Kloster oder einen Tempel, dann solltest Du Deinen Blick weiten.“

Viele Menschen begeben sich mit überaus romantischen Vorstellungen auf den Weg zum Tao. Doch diese stellen irgendwann eine große Behinderung dar. Daoistische Meister streben in der Regel ständig danach in sich selbst und in ihrem Leben für mehr Einfachheit zu sorgen. Sie machen sich nichts aus ausgeklügelten Ritualen, phantastischen Gewändern und sie werden Dir auch weder ihre Namen noch ihr Alter, weder ihre Sektenzugehörigkeit noch ihre Herkunft verraten.
Nicht, daß sie es nicht wollten, nein sie haben es schlichtweg vergessen. Für den, „der auf dem Weg ist“, liegt das Streben nicht im Erwerb von mehr und noch mehr, sondern darin, sich immer weiter zu reduzieren – bis er schließlich
zur Einfachheit zurückgekehrt ist.


nach Deng Ming-Dao

(http://www.tao-chi.info/QI-GONG/Energie-...meditation.html)

Aus meiner Sicht sollte man aber Wei Wu Wei, was hier mit Nicht-Tun übersetzt ist, eher mit Geschehenlassen, Nichtwillentliches Handeln übersetzen. Ein anderer chinesischer Begriff dafür ist Ziran - Einfach so, natürlich, spontan. (Auf japanisch shizen oder jinen, Begriffe, die auch im Zen und Shin von überragender Rolle sind).

___________________________________

"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

True Detective

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

01.12.2010 20:17
#16 RE: Meditation antworten

Bilder oder ein Video sage mehr als 1000 Worte ^^

http://www.youtube.com/watch?v=9l-YYqjhVi4

_______________________________________________
Nichts ist wahr, alles ist erlaubt! Die Realität ist das, was du daraus machst!

Norbert Offline




Beiträge: 158

08.12.2010 21:38
#17 RE: Meditation antworten

Zitat von qilin

Ja, man kann alles meditativ machen
- vermutlich auch Köpfeabschlagen -
also eine bestimmte Sitzhaltung ist
dafür nicht nötig.



Jepp, das heißt bei uns im Hinduistischen "Karma Yoga", das Yoga der Tat, die ausgeführt wird, ohne ein bestimmtes Ergebnis erreichen zu wollen. Ist ganz aktuell Teil meiner religiösen Praxis.

______________________
http://kreuzankerherz.wordpress.com
** Buddhistisch-hinduistisch-christlich-spirituelle Abenteuer. In Farbe.

hokusai ( gelöscht )
Beiträge:

29.04.2011 13:59
#18 RE: Meditation antworten

Zazen - einfach nur sitzen
Der Ort:
Suche Dir in Deiner Wohnung ein Zimmer, einen Platz, an dem Du
Dich wohlfühlst, durch keine äußeren Umstände abgelenkt wirst, zur Ruhe
kommen und innerlich frei sein kannst. Gestalte Dir diesen Platz schön,
sodaß Du Dich auf ihn freuen kannst: mit einer Decke, Blumen, einem
Bild, einer Statue, entzünde eine Kerze, ein Räucherstäbchen. Mit dem
Bedienen einer Klangschale kannst Du Deine Übung beginnen und beenden.
Die Zeit:
Suche eine Zeit in der alles zurück treten und innere Entspannung
und Stille sich einstellen kann. Für viele Menschen ist die Zeit am
Morgen günstig. Aber letztlich msst Du Deine Zeit finden. Wichtig ist,
eine bestimmte Zeit in den Tagesrhythmus einzuplanen. (Tagesstruktur)
Wenn es nach einer Mahlzeit sein muß, dann solltest Du nur wenig und
eine leichte Kost eingenommen haben. Regelmäßigkeit, z.B. tägliche
kurze Übung, ist besser als 1 x wöchentlich langes Sitzen.
Die Körperhaltung:
Hilfreich ist es, mit einer Entspannungsübung zu beginnen. Lieb
gewordene Yoga- oder andere Übungen, eine Gebärdenreihe, eine Abfolge
von Bewegungen und Atemübungen eignen sich sehr gut.
Die Regel heißt: keine Meditation ohne Entspannung. Finde dann die für
Dich günstigste Haltung des Körpers für den Weg in die Übung: Knien
(Reitersitz), Sitzen oder Liegen (nur bedingt) sind möglich. Hilfreich
ist das gesammelte Sitzen auf einem Meditationskissen oder – bänkchen,
die Füße angewinkelt, in die Einheit des Körpers hineingenommen. Das
Becken ist leicht nach vorne gekippt, Körper und Kopf sind aufgerichtet
und soweit als möglich entspannt. Bei nachlassender Haltung zart wieder
aufrichten. In der Beobachtung des Körpers bleiben.
Die Atmung:
Laß den Atem geschehen. Schaue zu, wie er kommt und geht.
Manipuliere nicht. Es reicht hinzuschauen, wie der Atem durch den
Körper fließt. Spüren wie sich mein Bauchraum, Bauchdecke,
mein Brustraum, verändert. Beobachte den Ein- und Ausatem durch die
Nasenöffnungen. Werde frei von Bewertungen aller Art, z.B. Bauchatmung
ist gut, flacher Atem ist schlecht. Sei Atem!
Quelle: rueckenrichter.de

Sehr gut erklärt - besser kann ich es fast nicht !
Doch aus meinen eigenen Erfahrungen füge ich noch einiges hinzu:
Klein anfangen 2 x 10 Min. täglich, dann steigern auf ca. 30 Minuten.
Da es unweigerlich zu Schmerzen in den Gliedern und Muskeln kommen
wird - auch Einschlafen der Füße - , sollte der Schmerz benannt werden.
Man sagt dazu auch etikettieren: den Fokus auf den Schmerz richten und
wie ein Mantra z.B. ...kribbeln, kribbeln, sagen; irgendwann ist er dann wech.
Hast Du den Körper beruhigt, meldet sich unweigerlich der Geist, das
Gedankenkarussell beginnt und das ist das schlimmste, damit umzugehen . . .
Wie Luther es immer sagte:
die Gedanken können ruhig kommen, aber sollen auch wieder gehen,
sie dürfen kein Nest bauen.
Um das zu vermeiden, habe ich mir angewöhnt auf alles zu hören: sei es ein
Hundebellen, Vogelgezwitscher, Kindergeschrei, Regen, Wind oder Sturm.
Irgendwann, nach langer Praxis und regelmäßiger Meditation: Achtung, meine
Lieben, erfordert allerdings eine starke Disziplin !!! . . .
ist Körper und Geist voller Frieden und Harmonie - es stellt sich eine innere
Gelassenheit und Stärke ein. Der tiefe Grund Deines Wesens und Gemütes
zeigen Dir wo Du stehst -nichts verschwindet oder wird verdrängt und es
kommt manchmal sicherlich zu einigen Krisen !
Dann sollte man sich in eine geführte Kontemplation begeben, eine Zazen-Gruppe
oder auch in ein Kloster, Retreats ect.

Liebe Grüße

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

29.04.2011 20:14
#19 RE: Meditation antworten

Liebe hokusai,

was Du da beschreibst hat mit Zazen nicht viel zu tun.

Ich empfehle meinen Schülern immer mit 20 Minuten anzufangen.
Es reichen einmal am Tag aus.

Bei der Meditation sollte der Schmerz ignoriert werden, genau
so, wie die auftauchenden Gedanken. Man soll bei Zazen seine
Konzentration auf den Atem lenken. Rinzai zählen ihn sehr gerne.
Der Atem sollte ins sogenannte Hara fliessen.

Zitat von hokusai
wie ein Mantra z.B. ...kribbeln, kribbeln, sagen; irgendwann ist er dann wech.


Blödsinn!!! Der Schmerz bleibt - egal wieviele Jahre man sitzt!!!
Man kann nur lernen mit diesem Schmerz Zazen zu praktizieren. Selbst
ich sitze immer noch mit Schmerzen. Ist nun mal so.

Und es ist auch Blödsinn, dass man sich in ein Kloster oder so begeben
müsste. Man muss gar nichts. Zazen geht auch sehr gut zu Hause. Und man
braucht auch keine Klangschale oder einen mit Blumen geschmückten Platz.
Ein einfaches Kissen oder ein Stuhl reichen aus. Ich habe auch keinen
"Altar" und es klappt prima. Ein Sesshin ist übrigens für einen Anfänger
auch nicht gerade zu empfehlen. Und schon gar nicht, wenn bereits sog.
"Krisen" aufgetaucht sind.

Übrigens gibt es Zennois, die ganz auf Zazen verzichten. Ist zwar sehr
ungewöhnlich, aber verboten ist es sicher nicht. Die beschränken sich
auf Samu.

Wenn Du was über Zazen wissen willst, bin ich gerne für Dich da.

Gasshô

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() Tao-Ho

hokusai ( gelöscht )
Beiträge:

29.04.2011 22:18
#20 RE: Meditation antworten

http://www.google.de/url?sa=t&source=web&cd=1&ved=0CCkQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.mishu.de%2F&rct=j&q=mi%20shu&ei=rxy7TYjuG5H6sgakxbWCBg&usg=AFQjCNHEUHHgdB38MVlIz86P_LCT1DJWjg&cad=rja

Seit Jahren sitze ich auf diesem Stuhl,
da ich in meinem Alter nicht mehr so
gut auf einem Kissen sitzen kann.
Ich habe keine Schmerzen und das ist
auch nicht der Sinn !

mit Metta

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

30.04.2011 06:00
#21 RE: Meditation antworten

Und Du redest von Retread und Co.? Gerade da hat man beim sitzen Schmerzen.
Was meinst Du warum einige Leutz nach dem Kyosaku verlangen?

Du warst mit Sicherheit noch nie auf einem Sesshin. Und, bitte lies mal
hier: http://www.buddhaweg.de/PraxisLehre/RYR/Fragen/KOERPER.htm

Man sollte nicht nur auf esotherischen Siten herumkrauchen, sondern auch
mal die Fühler richtig ausstrecken. Man lernt dabei so manches.

Ausserdem heisst es IN Metta - nicht MIT Metta. Jeder, der sich mit
Buddhismus einige Zeit beschäftigt hat weiss das. Du offensichtlich
nicht...

Und - wenn ich mir so Dein anderes Posting anschaue, da ist mit "Mettameditation"
bei Dir auch nicht viel los. Von wegen "Perlen vor die Säue werfen".

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() Tao-Ho

Darkwolf Offline



Beiträge: 94

01.07.2011 16:58
#22 RE: Meditation antworten

Wer meditiert und nach 2 Jahren immer noch keine besonderen Gaben oder Kraefte entwickelt hat, sollte getrost aufhoeren. Dann wird das auch nichts mehr ;-) ....aber autogenes Training (eine Vorstufe der Meditation soll ja gesund sein) also macht weiter :-)

Wahrheit ist, was den Test der Praxis besteht!

pilgarlic Offline




Beiträge: 77

26.07.2011 09:15
#23 RE: Meditation antworten

Zitat von Tao-Ho
Blödsinn!!! Der Schmerz bleibt

Beim lesen der Postings der Tao-Ho auch...für eine Zennois ist sie erstaunlich unausgeglichen...

Zitat von Darkwolf
Wer meditiert und nach 2 Jahren immer noch keine besonderen Gaben oder Kraefte entwickelt hat, sollte getrost aufhoeren. Dann wird das auch nichts mehr ;-)


Das ist hoffentlich nur ironisch gemeint. Meditation mit einem Ziel zu betreiben, ist wahrscheinlich der größte Quatsch, zumindest aus Sicht des Zen.

____________________________________________________
"Wenn der Mensch wirklich Mensch wird, wird er Gott..." Taisen Deshimaru
()

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

30.07.2011 14:35
#24 RE: Meditation antworten

Bei der Meditation bringt jeder Mensch seine ganz einmalige Disposition mit ein,
und so einmalig entfaltet sich die Erfahrung auch.

Wu Offline




Beiträge: 416

17.09.2011 23:29
#25 RE: Meditation antworten

Zitat von Darkwolf
Wer meditiert und nach 2 Jahren immer noch keine besonderen Gaben oder Kraefte entwickelt hat,



der sollte froh sein. Vielleicht findet er die Fadheit, die Einfalt, das einfache Leben, das nur das nötige braucht, vielleicht sitzt er einfach dumm rum.

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"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

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