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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!


Wir trauern um die Opfer des islamistischen
Terrors in Frankreich und Österreich



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Dieses Thema hat 57 Antworten
und wurde 2.387 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Seiten 1 | 2 | 3
Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

19.10.2008 14:49
Was ist Religiosität? Antworten

Hallo ihr Lieben,

ich habe hier mal versucht die Idee von qilin aufzugreifen. Er hat ja in einem anderen Thread gefragt: was 'der eigentliche Anspruch von Religiosität' ist - oder Religiosität bzw. Religion überhaupt.

Ich will darum hier mal einen Anfang machen und einige Dinge posten, die mir durch den Kopf gegangen sind, als ich nach vielen transzendenten Erlebnissen nach Gott selber gesucht habe und herausfand, dass alles nur ein Verwirrspiel meines eigenen Geistes war.

Was mich immer abgestossen hat ist, dass viele Christen meinen Weggang von der Kirche und Gott sehr übel aufnahmen. Mir wurde sogar gesagt, dass ich mich schämen soll, wo ich doch im Heiligen Land Tirol die einmalige Chance habe eine gute Katholikin zu sein...
Wer sagt, dass ich ohne Gott aufgehört habe religiös zu sein? Ich habe jetzt nur eine für mich bessere Form der Religiosität für mich entdeckt, die ausser mir niemanden anderen gehört.
Und das muss sie ja auch nicht. Mein Weg des Lebens muss nicht der Weg des Lebens für andere Menschen sein. Meine Religiosität ist genauso einzigartig, wie es die der anderen Menschen auch sein kann.
Sicher bin ich jetzt eine Agnostikerin und glaube nicht an das was in der Bibel steht - aber an dieses Buch habe ich schon eher nicht mehr geglaubt, als an den Weihnachtsmann...

Soweit die Vorgeschichte. Und nun zu meinen Gedankengängen.

Es war nicht immer die Religion, wenn irgendwo auf der Welt Pogrome und Massaker stattfanden. Aber schauen wir uns das alles doch erst mal unter dem Gesichtspunkt "Religionen" an.

Wir Menschen sind erst einmal alle gleich. Dann kommt aber die Religion ins Spiel und fängt an zu differenzieren. Entweder Du bist gut oder Du bist böse.

Doch das stört die Menschen nur wenig, denn es hat sich noch nie einer darum bemüht vor Gott oder Satan zu rechtfertigen, nach welchen Gründen er die anderen Menschen in welche Kategorie einordnet, um sie der Priorität nach totzuschlagen. (da schliesse ich allerdings auch die Atheisten ein / die haben allerdings meist aus politischen Gründen ihre "Feinde" eliminiert).

Leider brachte es den Opfern der diversen Pogrome und Massaker nicht viel ein, wenn sie ihre Peiniger verstanden hätten, denn dass sie auf Rechnung und im Namen des Guten (weshalb denn sonst?) hingemetzelt wurden, ist ebenso schlimm, wie wenn sie aus politischen Gründen ihre Leben lassen hätten müssen. Aber, haben nicht die Menschen Gott nicht immer auf der Seite der Starken und Sieger vermutet (wo denn sonst?), denn es wäre nutzlos, wenn man sich mit einem schwachen Gott abgibt. Und hätten sich nicht auch die Opfer, welche immer die Ungläubigen und die Ketzer sind (wer denn sonst?) rechtzeitig zum starken und siegreichen Gott bekennen können; hatte ihnen doch Gott selber die Freiheit der Wahl geschenkt (oder habe ich da was falsch verstanden?), mit der sie allerdings offenbar nichts Rechtes anzufangen wussten, denn sonst wären sie schliesslich keine Ungläubigen und Ketzer - weshalb es nur gerecht ist, dass sie bestraft werden und das bitte mit aller Härte des Gesetzes und der Schärfe des Schwertes, hier oder im nächsten Leben (ist ja eh klar!), oder wessen man immer sich dabei gerade nach dem jeweiligen Stand der Technik bediente, was den Opfern im Zweifel auch eher gleichgültig war (das ist das einzige wo ich mir relativ sicher bin)?

Nie habe ich jemanden erlebt, der sich dazu bekannte, auf der Seite der Bösen zu stehen. Immer ging es nur um das Gute und wie es möglichst schnell und umfassend durchzusetzen sei in dieser ach so defekten Welt...

Man glaubt niemals das Falsche als solches und man liebt nie das Böse als solches (macht mir die Satanisten sehr sympathisch, denn die heben sich da echt ab). Kein Mensch liebt das Böse weil es böse ist, denn glauben ist gleichbedeutend mit gut sein, nicht-glauben ist gleichbedeutend mit böse sein; und so ist der Ungläubige ungläubig aus Verstocktheit und aus Bosheit, und er ist ein Feind des Glaubens - und des Guten.

Gut war und ist immer das, was dem Sieger nutzt. Ich habe mich aber lange schon gefragt warum das Gute immer zwangsläufig gut und stark sein muss. Warum darf ein Agnostiker oder sogar ein Atheist nicht auch sagen: Ich bin gläubig? Es ist ja nichts schlimmes dran. Der Eine glaubt eben an Gott und der Andere an die Wissenschaft. Macht das den einen Menschen besser oder schlechter als den anderen Menschen?

Um es mit qilins Worten zu fragen: Was ist der eigentliche Anspruch von Religiosität?

Bin echt gespannt auf die Antworten und weiss sehr wohl, wie sehr ich mich hier gerade in die Nesseln setze...

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

Regens Küchl ( Gast )
Beiträge:

19.10.2008 18:16
#2 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Ich muss zugeben dass Ich nicht ganz verstehe wie Ich die Frage verstehen soll!
Vielleicht kannst du das genauer Fragen oder umformulieren oder erklären ?
Willst du eine Wortdefinition von Religiösität lesen, oder was ganz anderes ?

Ich habe das mal in Anführungszeichen gegoogelt, mit nur einem einzigen, aber ganz Interessanten Ergebnis :

Schützen Religionen vor Krankheiten?
Nicht ganz. Aber Fremdenfeindlichkeit schützt vor Ansteckung
Den Begriff Religion in der heutigen Bedeutung gibt es erst seit dem 19. Jhd., also erst in nachaufklärerischen Zeiten. Für die Menschen früherer Zeiten war tendenziell alles religiös, nichts war »draußen«, außerhalb des Wirkungs- oder Geltungsbereich ihrer Überzeugungen. Das ist ja gerade der Anspruch von Religiosität: Sie will alles einbinden, nichts draußen lassen, das Ganze sehen, integrieren.

Religionen zählen
Wer allerdings bei einer Behörde seine Konfession oder Religion anzugeben hat, von dem wird dort etwas ganz anderes verlangt: die Zugehörigkeit zu einer Kirche oder sonst einer religiösen Gruppierung. Diese Art von Religion, der man zugehören kann, haben die Forscher Corey Fincher und Randy Thornhill von der Universität von New Mexico zu zählen versucht. Sie sind dabei auf einen Durchschnitt von 31 pro Nation gekommen. Mit großen Unterschieden: In Kanada gibt es nur 15 Religionen, an der Elfenbeinküste 76, Brasilien hat sogar 159.

Religiöse Vielfalt
Wie das? Warum beherbergen einige Länder so viele Religionen, andere nur so wenige? Die Forscher begannen nun die Anzahl der ansteckenden Krankheiten zu zählen. Dort kamen sie auf einen Durchschnitt von 200 pro Nation, bei einer Bandbreite von 178 bis 248. Dann staunten sie: In den Ländern mit den meisten ansteckenden Krankheiten gab es auch die meisten Religionen! Mit hoher statistischer Signifikanz: Wenn dieses Ergebnis Zufall wäre, dann wäre es der Zufall eines Treffers unter 10 000. Aus den von Fincher und Thornbill gesammelten Daten ergab sich auch noch eine weitere Korrelation: In den Gebieten mit vielen Religionen (und vielen ansteckenden Krankheiten) bewegten sich die Menschen weniger vom Ort ihrer Geburt weg.

Schutz vor Ansteckung
Die These der Forscher ist nun die: Religiöse Vielfalt entwickelt sich als Antwort auf die Herausforderungen, die ansteckende Krankheiten an die Bevölkerung stellen. Wo es viele solcher Krankheiten gibt, nimmt man sich besser vor Fremden in acht, man mischt sich nicht mit ihnen und tut gut daran, einer Annäherung zu misstrauen. Genau das bewirken die meisten Religionen: Die Gläubigen bleiben unter sich, sie sondern sich von den Ungläubigen oder Abergläubischen ab.

Das bewirken übrigens auch Sprachen: Sie sondern Menschengruppen voneinander ab. In einer weiteren Studie fanden Fincher und Thornton, dass es auch hier eine Korrellation gibt: Je mehr ansteckende Krankheiten, desto mehr verschiedene Sprachgruppen.

»Krankheitsgewinn« von religiöser Vielfalt
Haben sich voneinander abschottende Kulturen in der Geschichte der Menschen sich letztlich aus seuchenmedizinischen Gründen entwickelt, ist das ihr evolutionärer Vorteil? Der Evolutionsbiologe und Religionskritiker Richard Dawkins, der die Religionen für pathologische Fehlentwicklungen hält, sucht seit langem nach dem Vorteil, dem »Krankheitsgewinn« dieser von ihm konstatierten Fehlentwicklung. Da wäre er! Diesen Vorteil heimst aber anscheinend auch die »Krankheit« sprachlicher Vielfalt ein und die von Fremdenfeindlichkeit und Misstrauen gegenüber »anderen« im Allgemeinen.

Hat der Fluch der Religionen, diese Geißel der Menschheit, wirklich mit dem Schutz vor Krankheiten zu tun? Wir bleiben gespannt auf die weiteren Forschungen und untersuchen in dieser Ausgabe von connection Spirit etwas anderes: eine Religiosität, die Theisten wie Atheisten gemein ist und die nichts damit zu tun hat, was einer beim Einwohnermeldeamt unter »Konfession« einträgt.

— Wolf Schneider
http://www.connection.de/cms/component/o...768/Itemid,203/


euer ergebener

Regens Küchl

Titan Offline

Ex-Thetan

Beiträge: 1.223

19.10.2008 19:55
#3 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Fremdenfeindlichkeit soll vor Ansteckung schützen?
Hast du sie noch alle?

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.042

19.10.2008 20:13
#4 Was ist Religiosität? Antworten
Warum kommt dieser Thread in die Lagerhalle? "Wissenschaft und Philosophie" wäre schon das richtige Dach. Oder?
In Antwort auf:
Wer sagt, dass ich ohne Gott aufgehört habe religiös zu sein? Ich habe jetzt nur eine für mich bessere Form der Religiosität für mich entdeckt, die ausser mir niemanden anderen gehört.
Wer sagt denn, dass Religiösität den Menschen veredelt? Was ist das: Religiösität? Kann auch ein Atheist religiös sein?
In Antwort auf:
Entweder Du bist gut oder Du bist böse.
Wenn man das Gute und das Böse als menschliche Eigenschaften relativiert, fällt auch die Religion ab wie ein lästiges, einengendes, quälendes Korsett. Gut und Böse - das ist nichts Göttliches. Ist Gott böse? Generell wird doch alles, was er tut, nicht tut und getan hat, als wunderbar und gut bezeichnet. Ist das Tier böse? Nein, ausschließlich den Naturdirektiven unterworfen. Nur der Mensch ist "gut" oder "böse". Es sind unsere Kategorien, und sie kommen aus uns und dem Widerspruch der menschlichen Kultur zu unserer Natur.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

19.10.2008 20:15
#5 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Er hat doch nur ne andere Meinung wiedergegeben.

Übrigens eine, die ich auch schon von noch anderen gehört habe. Gerade wenn in damaligen Zeiten ne Seuche umging, war es sicher nicht so schlecht, sich, solange man noch gesund war, von allem Fremden fern zu halten.

Titan Offline

Ex-Thetan

Beiträge: 1.223

19.10.2008 20:28
#6 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Wenn jemand eine Ansteckende Krankheit hat dann ist es gut denjenigen auf Distanz zu halten aber Regens Küchel schrieb das Fremdenfeindlichkeit vor Krankheiten schützt und das ist in meinen Augen blödsinn.

Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

19.10.2008 21:54
#7 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Hallo Gysi,

ich habe es in die Lagerhalle reingestellt, weil ich mir nicht sicher
war, ob es wirklich in den Teil "Wissenschaft und Philosophie" reinpasst.
Aber man kann es ja verschieben, wenn´s O. K. ist.

In Antwort auf:
Kann auch ein Atheist religiös sein?

Sicher kann er das. Schau Dir BS an (nicht hauen, lieber BS). Er glaubt
an sich und das Gute im Menschen. An die innere Kraft zu glauben, die in
uns allen steckt ist schon ein grosser Teil von Religiosität, denke ich.

Religiosität ist ja, wie wir wissen, nicht einfach nur blind was zu glauben.
qilin hat das mal sehr gut erklärt. Schaut einfach noch mal hier nach.

In Antwort auf:
Wenn man das Gute und das Böse als menschliche Eigenschaften relativiert, fällt auch die Religion ab wie ein lästiges, einengendes, quälendes Korsett.

Und bleibt selbst dem eingefleischtesten Atheisten noch zu eigen. Oder hast
Du kein Bild von Gut und Böse? Ich schon...

In Antwort auf:
Ist Gott böse?

Nein, denn es gibt ihn ja nicht wirklich. Der Mensch kann böse sein. Er macht
sich (und für Andere) ein Gottesbild, und das ist oft abgrundtief böse.

In Antwort auf:
Nur der Mensch ist "gut" oder "böse".

Nein, ist er nicht. Was für uns böse ist, kann für ein anderes Volk gut sein.
Wer will sagen was gut und was böse ist? Ich sicher nicht.

Ich muss jetzt ehrlich gestehen, dass ich mir nicht das Posting von Regens
Küchl durchgelesen habe, weil mich seine Meinung nicht sehr interessiert.
Aber es erscheint mir als grosser Blödsinn eine Ethnie zu meiden, nur weil
in diesem Volk eine ansteckende Krankheit herrscht, die ich mir evtl. holen
könnte.

Ich kümmere mich gerne um Menschen. Dabei ist es mir egal ob dieser Mensch
eine ansteckende Krankheit hat. Meine Religiosität beinhaltet einen grossen
Respekt vor Leben. Aber wir sind sicher nicht hier, weil wir herausfinden
wollen was meine persönliche Form der Religiosität ist. Es geht um Religion
im Allgemeinen und warum z. B. Kirchenanhänger oft glauben, dass Atheisten nicht
religiös sein können - und warum Atheisten oft denken, dass religiöse Menschen
naiv sind (oder schlimmeres).

Ich denke, wenn wir da einen Schritt weiter kommen, ist schon viel getan, um
einen guten Dialog führen zu können. (geb es ja zu - ich machs auch für mich)

Die nächsten Tage kommen allerdings noch einige andere Gedanken von mir dazu.
Wird sicher umfangreich und ihr werdet mich dadurch sicher besser verstehen
lernen. Hoffentlich ich euch auch...

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.042

20.10.2008 09:13
#8 Was ist Religiosität? Antworten
In Antwort auf:
Aber man kann es ja verschieben, wenn´s O. K. ist.
Schon geschehen.

In Antwort auf:
Religiosität ist ja, wie wir wissen, nicht einfach nur blind was zu glauben.
qilin hat das mal sehr gut erklärt. Schaut einfach noch mal hier nach.

Und da sind wir schon bei der Begriffsdefinition, und wenn wir von so grundverschiedenen Definitionen ausgehen, wird die Diskussion schwierig, sehr schwierig. Wenn Religio(n) die Rückbindung bis zum Letzten - der Ersten Ursache oder dem Unhinterfragbaren - ist, dann ist jeder gute Wissenschaftler religiös, aber der religiös Praktizierende ist dies nicht! Ist der Gottglaube mit seinen Tabu des Zweifelns also antireligiös? Die meisten Religiösen werden dies bestreiten, denke ich mal. Ich bin dafür, dass wir mit den Begriffen, die wir benutzen, um zu kommunizieren, so umgehen, dass wir alle die Inhalte benutzen, die auch alle so verstehen! Die Begriffsanalyse finde ich gut und richtig, so ist das nun wieder nicht. Vielleicht bringt sie ja ein wenig zutage, wie Religionen gemeint waren, als sie geschaffen wurden: Als Forschung nach dem Eigentlichen, dem Wesen (statt nur der Erscheinung). Heute sind wir in dieser Forschung aber weiter, denn wir haben eine ausgefächerte Wissenschaft. Und wir haben eine Philosophie, die den Zweifel als die Kardinaltugend nach vorne stellt. Der Rest (auf dem Boden des aktuellen Standes der Forschungsergebnisse) ist Glaube.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Regens Küchl ( Gast )
Beiträge:

20.10.2008 13:08
#9 RE: Was ist Religiosität? Antworten
Nochmal:

Man muss ja wohl an die Wurzel gehen. Wichtig ist WANN und FÜR WAS die Wortschöpfung Religiösität geschaffen wurde.

"Den Begriff Religion in der heutigen Bedeutung gibt es erst seit dem 19. Jhd., also erst in nachaufklärerischen Zeiten. Für die Menschen früherer Zeiten war tendenziell alles religiös, nichts war »draußen«, außerhalb des Wirkungs- oder Geltungsbereich ihrer Überzeugungen. Das ist ja gerade der Anspruch von Religiosität: Sie will alles einbinden, nichts draußen lassen, das Ganze sehen, integrieren."

Ich gebe ein heutiges Beispiel: Wenn ein Amateur rein aus Langeweile die Sterne oder die Ameisen mal eben beobachtet so ist das wenigstens im weitesten Sinne WISSENSCHAFT.Es könnte immerhin z.B. eine wichtige Entdeckung dabei gemacht werden.
Warum wir atmen, wie man am besten zum Mond fliegt, sogar wie man richtig boxt - Das ist alles für den Heutigen Menschen WISSENSCHAFT.
Strenggenommen könnte man ausdrücken : Es Steht Nichts ausserhalb der WISSENSCHAFT.

So war das eben früher mal mit RELIGIÖSITÄT. ALLES war nach Christlichem DOGMA Gottgegeben. Nichts stand ausserhalb.
Auch nicht die "Ketzer" und"Hexer" die verbrannt wurden. Die mussten halt nur eben mal mit Feuer gereinigt werden.
Die WAHL nicht Religiös zu sein gab es nicht. (Bei uns Zwangstaufe unter Gefängnisandrohung bis 1918)
Erst als es nicht mehr ganz lebensgefährlich war sich unauffällig von der RELIGION zu distanzieren, da gerade erfand einer das WORT RELIGIÖSITÄT. Weil vorher eben eine Unterscheidung in NICHT oder DOCH RELIGIÖS einfach nicht möglich und nicht erlaubt war.

Nochmal: Noch vor 90 Jahren gab es bei uns die Gesetzlich Vorgeschriebene ZWANGSTAUFE. Diese war nur ein winziges Überbleibsel der Weltweit (Aber besonders in Europa)Greifenden Christlichen Greuelherrschaft. Diese ist heute nur noch schwer vorstellbar.
Die offizielle Geschichtsschreibung, sowie Film und Romanliteratur(Beispiel : Der berühmte Roman "Die Säulen der Erde") passen ja immer noch auf nichts zu sagen was zu sehr die Mächtige unerschöpflich Reiche(Durch Völkermord, Inquisitorische Justizmorde, Sklaverei, Raub, u.s.w.) Kirche in ein schlechtes Licht stellt. Es kann in einem Roman ein Finsterer Inquisitor, oder machtgeiler perverser Abt vorkommen, aber der wird stets als Ausnahme-Schwarzes Schäfchen in einer Gütigen Christenkirche dargestellt.

So - Das ist die Richtige Erklärung des Wortes Religiösität. Man sollte bei dieser Ursprünglichen Bedeutungsform bleiben.
Es bringt nur Unsinnige Verwirrung wenn man dem Worte Heute noch andere Bedeutung aufzwingen will !


euer ergebener

Regens Küchl
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.042

20.10.2008 15:57
#10 Was ist Religiosität? Antworten
In Antwort auf:
So - Das ist die Richtige Erklärung des Wortes Religiösität. Man sollte bei dieser Ursprünglichen Bedeutungsform bleiben.
Mit Einbezug des Dogmas, dass das WESEN, nach dem der suchende Geist strebt, GOTT ist. In der Wissenschaft strebt man auch nach dem Wesen, das man nicht sieht. Das was man sieht, das ist die ERSCHEINUNGSEBENE. Das WESEN beschreibt die innere Struktur der Dinge und ihre Bezüge untereinander, die man nicht sieht. Früher sagte man zu dem ganzen WESENtlichen Kladdaradatsch "Gott" und hielt das für die absolute Wahrheit. Heute schaut man genauer hin und erwartet den Beweis, bevor man seinen Erkenntnisstand als "absolute Wahrheit" aufpumpt.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

20.10.2008 19:29
#11 RE: Was ist Religiosität? Antworten
Zitat von Regens Küchl
Es bringt nur Unsinnige Verwirrung wenn man dem Worte Heute noch andere Bedeutung aufzwingen will !

Vielleicht verwirrt es dich, weil du noch im Jahre 1918 lebst oder leben möchtest (da damals die Begriffe noch so gut auseinanderzuhalten waren).
Ansonsten ist Verwirrung wegen des Begriffs Religiösität durchaus angebracht.

Ein Beispiel:

Religiösität ist, wenn man des Nachts als Buddhist friert, eine Buddha Statue aus Holz verbrennt, sich am warmen Feuer wärmt und am nächsten Morgen einen Grenzpfahl anbetet in Ermangelung einer Buddha-Figur.

Die Rolle des hölzernen Buddha könnte auch ein Kruzifix spielen.
Regens Küchl ( Gast )
Beiträge:

20.10.2008 20:26
#12 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Zitat von maleachi 89

Vielleicht verwirrt es dich, weil du noch im Jahre 1918 lebst oder leben möchtest

Du - Das wäre Insofern nicht schlecht : Denk dir, dann hätte Ich noch 11 Jahre Zeit bis zur nächsten Finanzkrise!
Zitat von maleachi 89

(da damals die Begriffe noch so gut auseinanderzuhalten waren).


Begriffe sind doch in einer Haupsache dazu da dass man vernünftig, verständlich, diffizil miteinander drüber reden kann. Wenn Heute der Begriuff einen ausgeweiteteren Sinn verpasst bekommen würde müsste man bei der Worterwähnung ja immer erklären ob denn nun RELIGIÖSITÄT im damaligen oder heutigen Sinne gemeint ist.
Und wenn du mir sagst : Wortbedeutungen verändern sich in 100 Jahren eben manches mal - Dann Antworte Ich mit Vorbehalt und Vorsicht : Ihr solltet dem Wort aber keine Neubedeutung AUFZWINGEN weil es euch so gefällt !
Zitat von maleachi 89

Ansonsten ist Verwirrung wegen des Begriffs Religiösität durchaus angebracht.
Ein Beispiel:
Religiösität ist, wenn man des Nachts als Buddhist friert, eine Buddha Statue aus Holz verbrennt, sich am warmen Feuer wärmt und am nächsten Morgen einen Grenzpfahl anbetet in Ermangelung einer Buddha-Figur.
Die Rolle des hölzernen Buddha könnte auch ein Kruzifix spielen.

Buddhisten, Hindus, Polytheisten wohl sogar Okkult-Satanisten und ähnliches sind natürlich auch Religiös. Diese Glaubensrichtungen waren zur Zeit der Wortprägung ja auch gewiss allgemein bekannt. Keine Verwirrnis Hier.

Bin aber dagegen einen Atheisten weil Er den Raketenbau verehrt, oder einen Kommunisten, weil Er Stalin für vollkommen hält als RELIGIÖS zu nennen. DAS wäre Linguistisch einfach destruktiv.

Aus ähnlichen Gründen bin Ich übrigens dagegen der THEOLOGIE den Status der Wissenschaft abzuerkennen.
Aber das ist eine andere Geschichte . . .


euer ergebener

Regens Küchl

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

20.10.2008 20:49
#13 RE: Was ist Religiosität? Antworten

In Antwort auf:
Bin aber dagegen einen Atheisten weil Er den Raketenbau verehrt, oder einen Kommunisten, weil Er Stalin für vollkommen hält als RELIGIÖS zu nennen. DAS wäre Linguistisch einfach destruktiv.

Nicht nur linguistisch, sondern überhaupt, da bin ich mit dir einer Meinung.

Desgleichen finde ich es auch nicht gut den Wissenschaftsstatus der Theologie abzuerkennen. Eine über die Jahrhunderte (tausende) gegebene Wesensprägung von Menschen soll nicht wissenschaftlich untersucht werden bzw. sich selbst untersuchen?

Eulenspiegel Offline

Atheist

Beiträge: 1.634

20.10.2008 22:34
#14 RE: Was ist Religiosität? Antworten

In Antwort auf:
Vielleicht verwirrt es dich, weil du noch im Jahre 1918 lebst oder leben möchtest
--------------------------------------------------------------------------------
Du - Das wäre Insofern nicht schlecht : Denk dir, dann hätte Ich noch 11 Jahre Zeit bis zur nächsten Finanzkrise!

Ja super! Und noch 15 Jahre bis zum nächsten 1000-jährigen Reich...

Grüsse und Gute Nacht
Till

Eulenspiegel Offline

Atheist

Beiträge: 1.634

20.10.2008 22:41
#15 RE: Was ist Religiosität? Antworten

In Antwort auf:
Desgleichen finde ich es auch nicht gut den Wissenschaftsstatus der Theologie abzuerkennen. Eine über die Jahrhunderte (tausende) gegebene Wesensprägung von Menschen soll nicht wissenschaftlich untersucht werden bzw. sich selbst untersuchen?

Das ist aber nicht Gegenstand der Theologie sondern der Religionswissenschaft.
Die Theologie kann man zur Not als "Geisteswissenschaft" durchgehen lassen, auf keinen Fall als
Naturwissenschaft. Im Vergleich zur Philosophie ist die Theologie allerdings eine
Geisteswissenschaft, die den Geist eher einschränkt durch ihre Dogmen.

Grüsse
Till

Regens Küchl ( Gast )
Beiträge:

20.10.2008 22:45
#16 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Theologie kümmert sich ja auch um Ursprung, Entwicklung und Historizität der Religionen.
Das ist als Wissenschaft sogar sehr bedeutend.


euer ergebener

Regens Küchl

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

21.10.2008 07:53
#17 RE: Was ist Religiosität? Antworten

In Antwort auf:
Im Vergleich zur Philosophie ist die Theologie allerdings eine
Geisteswissenschaft, die den Geist eher einschränkt durch ihre Dogmen.

Wenn, dann interprediert die Theologie die Dogmen aber ist nicht selbst in ihnen verhaftet. Und wahrscheinlich gehst du davon aus, jegliche Religiösität ist mit Dogmen behaftet, wobei eine Definition von Dogma angebracht wäre. Wenn darunter Regeln oder Verhaltensvorgaben fallen, sind sicherlich alle Religionen betroffen, vom Buddhismus bis zum Christentum und die müssen nicht unbedingt falsch sein.

Casmiel Offline

Diabolist


Beiträge: 712

21.10.2008 20:16
#18 RE: Was ist Religiosität? Antworten
Man kann es doch immer intepretieren wie man möchte ;) Auferlegtes Dogma oder Orientierung, Hilfe ?
Die Theologie ist doch grade die Wissenschaft, die sich mit "Dogmen" beschäftigt, diese erläutert oder teilweise sogar in Frage stellt !
Es ist doch schon oft genug geschehen, dass sich Theologen durch ihre Theologie in heftige Konflikte mit der herrschenden Lehrmeinung hereinmanövrierten.
Man kann also nicht davon ausgehen, dass sie nur Dogmen schafft

___________________________________________________________________
Erleuchtung erlangt man nicht, indem man sich dem Licht hingibt, sondern indem man die Dunkelheit ergründet (C.G. Jung)

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

21.10.2008 21:01
#19 RE: Was ist Religiosität? Antworten
In Antwort auf:
Man kann also nicht davon ausgehen, dass sie nur Dogmen schafft


Na schaffen tut sie die Theologie sowieso nicht, höchstens interpretieren, hinterfragen oder bestätigen.
Eulenspiegel Offline

Atheist

Beiträge: 1.634

21.10.2008 21:07
#20 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Hallo Regens Küchl

In Antwort auf:
Theologie kümmert sich ja auch um Ursprung, Entwicklung und Historizität der Religionen.
Das ist als Wissenschaft sogar sehr bedeutend.

Diese themen gehören aber in den Bereich der Religionswissenschaft, in der Theologie werden sie
bestenfalls ganz am Rande behandelt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Religionswissenschaft
Grüsse
Till

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

21.10.2008 21:24
#21 RE: Was ist Religiosität? Antworten
ULRICH SCHNABEL
'Die Vermessung des Glaubens'
Forscher ergründen, wie der Glaube entsteht und warum er Berge versetzt

http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5100207/

Das könnte hilfreich sein bei diesem Thema hier. Ich habe es noch nicht gelesen, steht aber ganz oben auf meiner Bestellliste.

edit: "Der religiöse Glaube ist wie eine starke Arznei: Er kann heilsame Kräfte entfalten oder verheerende Nebenwirkungen. Zum Glück gibt es nun den richtigen Beipackzettel. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit - die seit Jahrzehnten die immer gleichen Gottesbeweise nebst prompter Widerlegung hin und herwälzt - hat sich eine neue Forschungsrichtung etabliert: eine Glaubensforschung, die auf knallharten empirischen Daten gründet. In hoch spannenden Experimenten untersucht sie aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, was der Glauben bewirkt und was nicht. - Ulrich Schnabel, Wissenschaftsredakteur der ZEIT, nimmt uns mit auf eine Forschungsreise, die den angestaubten Gegensatz zwischen Wissenschaft und Religion aus den Angeln hebt."
Eulenspiegel Offline

Atheist

Beiträge: 1.634

21.10.2008 21:51
#22 RE: Was ist Religiosität? Antworten

Hallo Maleachi
Zur Theologie und speziell zur Kritik an der Theologie kann man auch bei Wikipedia nachlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Theologie
Besonders interessant in unserem Zusammenhang sind die Abschnitte 1 und 5.

In Antwort auf:
Wenn, dann interprediert die Theologie die Dogmen aber ist nicht selbst in ihnen verhaftet.

Theologie gibt es nicht erst seit heute und sie war in vergangenen Zeiten der Urheber der Dogmen.
Spasseshalber setze ich auch den Link zur Dogmatik, damit man sich ein Bild davon machen kann,
worum es dabei geht, man könnte die Themenauswahl fast witzig finden, wenn es nicht ein so ernstes#
Thema wäre.
In Antwort auf:
Und wahrscheinlich gehst du davon aus, jegliche Religiösität ist mit Dogmen behaftet, wobei eine Definition von Dogma angebracht wäre.

Unter einem Dogma verstehe ich einen Satz, von dem behauptet wird, das er absolut wahr und für
jeden verbindlich ist, ohne daß man beweisen kann, daß der Satz wahr ist.
Nein, ich gehe nicht davon aus, daß jegliche Religiosität mit Dogmen behaftet ist.
Du selbst bist ja (wenn ich das richtig verstanden habe) in gewissem Sinne religiös
("wischi-waschi-religiös"), aber Du weist selbst nicht genau, was Du Dir unter Gott vorstellen
sollst. Ich nehme an, Du hast so ein Gefühl, "daß da noch mehr sein muß", Du bist auf der Suche
nach etwas und kein Verkünder von "Wahrheiten".
Auch Tao-Ho bezeichnet sich als religiös (buddhistisch), allerdings nicht als gottgläubig.
Sie behauptet aber nicht, die Wahrheit zu kennen und daß jeder der diese Wahrheit leugnet in
irgendeiner Form ein Problem hat.
In Antwort auf:
Wenn darunter Regeln oder Verhaltensvorgaben fallen, sind sicherlich alle Religionen betroffen, vom Buddhismus bis zum Christentum und die müssen nicht unbedingt falsch sein.

Die Regeln und Verhaltensvorgaben im Buddhismus unterswcheiden sich nicht nur inhaltlich sondern
vor allem auch qualitativ von denen im Christentum.
Im Buddhismus handelt es sich eher um Vorschläge und Ratschläge die einem helfen sollen ein
besers Leben zu führen. Es wird im Buddhismus auch sehr oft darauf hingewiesen, daß jeder seinen
eigenen Weg finden muß, es gibt keinen Einheitsweg.
Im Christentum dagegen gibt es überall Zwang. Man muß die Sakramente empfangen, ansonsten
ist man untendurch, man muß beichten, man muß an Jesus glauben. So sagen es die Dogmen und daran
gibt es keinen Zweifel!!!

Grüsse
Till

maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

22.10.2008 17:04
#23 RE: Was ist Religiosität? Antworten
In Antwort auf:
und daran
gibt es keinen Zweifel!!!
Du bist ein verfluchter atheistischer Dogmatiker....oder ein dogmatischer Atheist...

Aber im Ernst, wenn du sagst..
In Antwort auf:
Im Christentum dagegen gibt es überall Zwang. Man muß die Sakramente empfangen, ansonsten
ist man untendurch, man muß beichten, man muß an Jesus glauben.
..dann durchsetzt du die Ansprüche des Christentums ansich (also die Lehre) zu sehr mit denen der Kirche. Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Kirchen selbst nicht unbedingt das Christentum in reinster Form (was auch immer dies ist) vertreten oder representieren, sondern ihre, durchaus dogmatische, Interpredation. Und das tun fast durch die Bank weg alle Kirchen und jede stellt ihre Sicht áls allgemeingültig hin.
Dies muss aber nicht zwangsläufig einhergehen mit einem religiösen Gefühl, was der Einzelne hat.
Aus diesem Grund wehre ich mich auch gegen diese Absolutheiten.
Männer wie Meister Eckhart oder Kierkegaard haben diese Ansprüche in die richtigen Relationen gesetzt, indem sie sie auf den Menschen selbst reduziert haben, auf jedes kleine individuelle ICH. Es liegt an jedem selbst, was er auf seine eigene, kleine Person zulässt, akzeptiert oder für sich in Anspruch nimmt. Die sogenannten Dogmen der Kirche sind dann absolut irrelevant und mir ist im Nachhinein ziemlich schleiherhaft, wie man in so einen Größenwahn verfallen kann.
In Antwort auf:
Die Regeln und Verhaltensvorgaben im Buddhismus unterswcheiden sich nicht nur inhaltlich sondern
vor allem auch qualitativ von denen im Christentum.
Im Buddhismus handelt es sich eher um Vorschläge und Ratschläge die einem helfen sollen ein
besers Leben zu führen.

Solange man nicht in einer restrektiven Richtung 'seinen' Buddhismus ausleben möchte, könnte die Aussage stimmen. Aber so wird der Buddhismus zur 'Kuschel-oder Wohlfühlreligion' degradiert. Es gibt da sehr wohl Hinweise, die befolgt werden sollten und seien es nun nur die einzelnen Vorgaben der verschiedenen Richtungen, wie Theravada, Mahayana oder Vajrayana, von den ganzen einzelnen Schulen mal abgesehen. Das ist zu verzweigt, untergliedert und differenziert, als sich da ein Pauschalurteil erlauben zu können.
In Antwort auf:
("wischi-waschi-religiös"), aber Du weist selbst nicht genau, was Du Dir unter Gott vorstellen
sollst....Auch Tao-Ho bezeichnet sich als religiös (buddhistisch), allerdings nicht als gottgläubig.

Das ist richtig. Manchmal geht man Umwege, um auf einen richtigeren Pfad zu gelangen. Das hängt mit Erfahrungen, Prägungen und/oder aufgezwungenen bzw. freiwillig erlangten Sichtweisen zusammen.
Ich lehne einen personellen Gott ab. Der Lauf der Welt und ein theistischer Gott sind unvereinbar und stehen sich konträr gegenüber.
Ob aber das 'Schauen' nach einem Gott hinter den Dingen prinziepiell mit Begriffen wie Gefühl oder dem noch schwächeren Wort 'Intuition' bezeichnet werden kann, weiß ich nicht. Es ist letzten Endes immer nur eine Schau in sich selbst, die Fragen aufwirft, die mitunter mit menschlichem Verstand nicht zu klären sind.
Deswegen halte ich mich da mehr und mehr an den Taoismus philosophischer Prägung. Der erklärt nicht (im weitesten Sinne). Er empfiehlt das Naheliegende, den Verstand zu benutzen und zu erkennen, dass es eventuell gar nichts zu erkennen gibt und du selbst zu bleiben (siehe die von mir geschilderte Story in diesem Thread von der verbrannten Buddhafigur, die übrigens wirklich passiert sein soll, meines Wissens nach dem Ikkyu Sojun, einem Zen-Meister (1394-1481), der übrigens auch phantastische Gedichte geschrieben hat).

Nichtsdestotrotz lese ich weiterhin in der Bibel, der Tora oder weiß der Fuchs, welchen religiösen Büchern. Das man dort die letzte (welche?) Wahrheit findet, diese Illusion habe ich begraben.
Und Erleuchtung (um mal im Duktus des Buddhismus zu bleiben) ist auch so eine Sache.....es wurde mal gesagt, wer Erleuchtung erlangt, der spricht nicht drüber, wer darüber spricht, hat sie nicht erlangt.
In Antwort auf:
Besonders interessant in unserem Zusammenhang sind die Abschnitte 1 und 5.

Was meinst du da genau? Hab' ich nicht so richtig rausgefunden...
Tao-Ho Offline

Zennois


Beiträge: 5.365

22.10.2008 17:41
#24 RE: Was ist Religiosität? Antworten

So, da ich mal ein bisschen Zeit habe klinke ich mich mal wieder in diese
Diskussion ein. Habe ja immer noch nicht alle meine Gedanken geordnet
(und weiss nicht, ob ich das je schaffen werde in einem Menschenleben).

In Antwort auf:
Nein, ich gehe nicht davon aus, daß jegliche Religiosität mit Dogmen behaftet ist.


Religion ist aber durchaus mit Dogmen behaftet. Da nehme ich auch den
Buddhismus nicht aus. Ergo ist doch viel Religiosität auch mit ebensolchen
Dogmen behaftet, denn sonst kann sie schlecht funktionieren. Und wenn, dann auch
nur mit grossen Schwierigkeiten für den Menschen mit dem sog. Wischi-Waschi-Glauben.

In Antwort auf:
Auch Tao-Ho bezeichnet sich als religiös (buddhistisch), allerdings nicht als gottgläubig.


Ich glaube zumindest nicht an das herkömmliche Gottesbild. Wird man aber
sicher schon gemerkt haben. Wenn nicht, so wird dieser Thread jeglichen
Zweifel daran ausmerzen. Was Göttlichkeit anbelangt, da bin ich mir sicher,
dass sie sehrwohl existiert. Da brauche ich nur das Lachen eines Kindes zu
sehen...

Und nun zu meinen Gedankengängen (wollen ja nicht, dass diese Diskussion
einschläft).

Wir Menschen sind durchaus in der Lage die Wahrheit herauszufinden. Leider
nicht in der Religion, und so haben einige religiöse Menschen doch einen etwas
eigenartigen Sinn von Wahrheit entwickelt, nur damit Gott oder Jesus (von mir
aus auch Mohammed) keinen Schaden im Image erleiden. Um einen Imageverlust
vorzubeugen, wird verschleiert, verschwiegen usw.

Dabei begehen sie aber einen fatalen Fehler: Ihre Bemühungen, Gott zu beweisen,
beziehen sich allein und ausschliesslich auf die geschriebenen Texte, ohne diese zu
hinterfragen.

In allem aber lagen sie gar nicht so falsch: Diese Welt ist tatsächlich lesbar.
Allerdings nicht so, wie wir es oft vermuten.

Sie ist erst einmal nicht lesbar in Schrift oder Sprachen - das wäre zu offensichtlich
(und ob das der Wille eines Gottes gewesen wäre?).
Man muss immer hinter die Dinge schauen, damit man das Verborgene und doch so
Offensichtliche finden kann, damit man es auf eine einem eigene Art und Weise
miteinander verknüpfen kann, sodass sich die eigene Religiosität entwickeln und
festigen kann. Dazu reicht es nicht aus, ein heiliges Buch zu lesen und mal eben
zu glauben was drinnen steht. Das Leben und die Erde sind viel zu kompliziert,
um damit einen für sich befriedigenden Glauben finden zu können.

Rein religiöse Menschen verlassen sich aber oftmals nur darauf, was in den heiligen
Schriften geschrieben steht. Und da verlassen wir kurz die Religionen und
wenden uns den Atheisten zu. Die glauben nämlich auch oft das geschriebene
Wort - oft genug ohne zu hinterfragen.

Ich liebe Bücher - qilin auch... Aber, man muss die Bücher zu lesen wissen und man
darf nicht dem Anschein ihrer Arroganz erliegen, dass alles, was es zu lesen und zu
lernen lohnt, in ihnen geschrieben steht. Man muss seine eigenen Sinne einschalten
um noch einmal selber zu schauen, zu hören, zu fühlen, zu schmecken, ob denn das
Geschriebene wirklich wahr ist. Und da sind wir wieder bei den Religionen. Wir
können erfahren dass ein Stoff wirklich giftig ist - aber können wir auch erfahren
ob da oben wirklich ein Zauselbart steckt, der sich hämisch eins ins Fäustchen lacht?
Nö, nicht wirklich.

Aber wieso glauben einige Menschen so blind an Gott ohne ihn zu kennen, ja, ohne je die
Chance zu haben ihn jemals kennenlernen zu können? Warum hinterfragen sie nicht mal
wie ein kleines Kind und das z. B. mit solchen Kunststückchen wie die Sintflut?

Erst einmal will ich hier festhalten, dass alleine der Grund für diese Sintflut sehr
ungerecht war. Die Engel haben sich mit den Menschen vermischt. Welche Frau
hätte die Chuzpe gehabt zu einem Engel "Nein" zu sagen?

Dann ist noch der Grund, dass die Menschen böse geworden sind. Aber da ist
immer noch die sog. Streitfrage im Raum und wenn man an diese glaubt hat
Gott eindeutig gemogelt.

Selbst wenn das sein Recht gewesen wäre ist da noch folgendes: Wie blöde ist
es, bitte schön, einem Dinosaurier (wir gehen mal davon aus, dass es sie
gegeben hat und die Sintflut ihr eigentliches Ende war) den Zutritt zur Arche
zu verweigern, aber einem Holzwurm ist es schon gestattet ein aus Holz zu
bestehendes Boot zu betreten? Hallo - der hätte es zum Untergehen bringen
können, mit seiner Familie und der Zeit, in der die Arche so auf dem Wasser
trieb...

Sieht schon mal nicht gut aus für das Image eines Gottes, wie er in den sog. heiligen
Büchern beschrieben wird.

Wobei ich festhalten will, dass es übrigens laut dieser Bücher Gott war, der den Zorn
"erfunden" hat. Er war es, der den Zorn geboren hat, um ihn dann schnell mal eben
für die Menschen zu verbieten. War auch der Grund für meine immer noch unbeantwortete
Frage an GLD888 und andre im anderen Forumsteil.

So, muss das Brot aus dem Ofen holen und kochen. Melde mich aber sicher diese Tage nochmal
bei diesem Thread.

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So wie die Lotosblume lieblich und unbefleckt aus dem Schlamm sich erhebt...
() Tao-Ho

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.042

22.10.2008 18:06
#25 Was ist Religiosität? Antworten
In Antwort auf:
Ich glaube zumindest nicht an das herkömmliche Gottesbild. Wird man aber
sicher schon gemerkt haben. Wenn nicht, so wird dieser Thread jeglichen
Zweifel daran ausmerzen. Was Göttlichkeit anbelangt, da bin ich mir sicher,
dass sie sehrwohl existiert. Da brauche ich nur das Lachen eines Kindes zu
sehen...
Und schon sind wir wieder bei dem selben Kommunikationsproblem: dem der verschieden gehandhabten Begrifflichkeit. Die macht die Diskussion unendlich schwer. Was ist Religiösität? Haben wir, glaube ich, gut abgehandelt. Und nun kommt der zweite, nicht unwichtige, Begriffsinhalt zur theologischen Diskussion: Was ist Gott? Das Lachen eines Kindes als "Göttlichkeit" zu empfinden, macht die Diskussion schwer. Was ist Gott, wenn nicht das, was alle Kulturen der alten und heute herrschenden Religionen als Gott bezeichnen? Wenn du den Begriff selbständig inhaltlich besetzt, dann sage bitte, warum? Oder welche Sequenz siehst du in einem Kinderlachen als "göttlich", was uns nach all den religiösen Lehren schon bekannt ist? Im Kinderlachen siehst du den kosmischen Gleichklang eines gut ausgelebten Lebens - so würde ich das bezeichen. "Da geht einem das Herz auf." Das ist das, was man will. Und wenn man das erreicht, hast du dein Leben gut gelebt. Aber was hat das mit Gott zu tun? Ist Gott die Liebe, das Gute und die Erfüllung? Die Liebe, das Gute und die Erfüllung sind die Liebe, das Gute und die Erfüllung. Aber nicht "Gott".

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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