Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 67 Antworten
und wurde 1.630 mal aufgerufen
 Atheismus/Agnostizismus
Seiten 1 | 2 | 3
Qtipie Offline




Beiträge: 761

01.12.2008 17:24
Wertefreier Schulunterricht? Antworten
Wie seht ihr das - sollte man an den Schulen lieber ganz auf die Vermittlung religiöser (etwa im Religions/Ethikunterricht) verzichten, und das Grundwissen dann z.B. im Geschichteunterricht mit vermitteln, während dann der Religionsunterricht ganz von außerschulischen Einrichtungen (Christenlehre, Konfirmandenunterricht, usw.) übernommen wird, soder sollte man vielleicht für jede der Weltreligionen ein eigenes Schulfach anbieten? Und in der Schule nur noch das unterrichten, was die Wissenschaft wirklich zweifelsfrei erbracht hat? Oder wie kann man es erreichen, damit es konform mit der Trennung von Kirche und Staat ist?

Nächste Frage: Ehe. Braucht die moderne Gesellschaft überhaupt noch so eine Einrichtung wie die Ehe? Oder sollte man lieber darauf verzichten, und nur noch eingeschriebene Partnerschaften bei den Ämtern führen?
maleachi 89 ( Gast )
Beiträge:

01.12.2008 17:46
#2 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten

So 'n Thread gibt 's schon. Such mal!

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.452

01.12.2008 17:56
#3 Wertefreier Schulunterricht? Antworten

Hatten wir schon mal, stimmt. Aber wie schon Nietzsche sagte, und die Stoiker: Es kehrt alles wieder...

1. Ethikunterricht ja, Religionsunterricht nur neutral. D.h. bekenntnisübergreifend, kritisch, philosophisch. Nicht getrennt nach Bekenntnisgruppen.

2. Ehe. Meiner Meinung nach überflüssig. Interessant wird es, wenn die Kinder angepurzelt kommen. Dann erst werden Steuervorteile und Bindungsverpflichtungen sinnvoll. Die Ehe ist nichts als ein Vertrag. Und Verträge können auch verschieden inhaltlich gestaltet sein.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

02.12.2008 12:10
#4 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten
Die Schule sollte in allen Fächern (mehr oder weniger) de Werte des Grundgesetzes vermitteln: Die Bedeutung von Demokratie, Pluralismus, Menschen- & Bürgerrechte usw. usf. Einen Ethik- pder Ohilosophie-Unterricht halte ich auch für sinnvoll, auch wenn dieser weitgehend ergebnisoffen konzipiert sein müsste, da es mE lt GG keine Bevorzugung eines bestimmten Weltanschauung/einer bestimmten Lebensart geben darf (Pluralismus...); dass bestimmte Lebenstile NICHT dem GG entsptrechen kann hier aber einfließen...

Einen religionskundlichen Unterricht (das, was Gysi "neutral" nannte) finde ich notwendig, obwohl das wohl am sinnvollsten in andere Fächer eingebaut sein sollte (Geschichte, Ethik/Philosophie). Ich halte auch einen freiwilligen, weltanschaulichen Unterricht (=Religion) an staatlichen Schulen für nichts falsches, solange er GG-konform ist.

zur Ehe: So, wie es sie gibt, bin ich kein Freund davon; persönlich war mir das Konzept der Wahlverweandtschaft immer sehr sympathisch; Grundgedanke:

In Antwort auf:
Jeder Mensch soll individuell das Recht bekommen, die Rechtsverhältnisse in seiner Beziehung oder seinem Beziehungsgeflecht völlig selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu regeln. Dies soll sowohl die Binnenverhälinisse der Beziehung als auch die Rechtsverhältnisse dieser Beziehung gegenüber dem Staat betreffen. Jeder Mensch könnte demnach ihm Nahestehende zu seinen "Verwandten" erklären, denen gegenüber er Rechte wahrnehmen möchte bzw. denen er Rechte geben will, die ihn selbst betreffen.


Aus einem Interview von 1998 mit Christina Schenk, damals MdB (PDS)

Quelle: http://www.nadir.org/nadir/periodika/jun.../_98/41/03a.htm

Wobei mir die Idee von Fr. Pauli (dieser CSU-Dissidentin) auch überlegsnwert erschien: Jede Ehe endet automatisch nach sieben Jahren, wenn die Eheleute sie nicht "verlängern"...
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.452

02.12.2008 13:24
#5 Wertefreier Schulunterricht? Antworten

In Antwort auf:
Wobei mir die Idee von Fr. Pauli (dieser CSU-Dissidentin) auch überlegsnwert erschien: Jede Ehe endet automatisch nach sieben Jahren, wenn die Eheleute sie nicht "verlängern"...
Ja, die Idee fand ich nun sowas von dermaßen bescheuert! 'tschllijun' Gabi, bist trotzdem meine Herzallerliebste... Ich bin der Auffassung, dass längere Bindungsverpflichtungen den Kindern gegenüber gemacht werden sollen, und die mögen auch die Beziehung zur Mutter betreffen. Wenn man den Vertrag immer noch "Ehe" nennt - o.k. Aber eine Ehe beginnt nach meiner ethischen Auffassung erst mit den Kindern.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

02.12.2008 13:33
#6 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten

In Antwort auf:
Ich halte auch einen freiwilligen, weltanschaulichen Unterricht (=Religion) an staatlichen Schulen für nichts falsches, solange er GG-konform ist.
Das reicht mir noch nicht.
Erstens darf darunter nicht nur Religion verstanden werden, sondern auch humanistische Angebote. Da dein Ethikunterricht ja völlig werteneutral sein soll, wären die sonst beteiligt wenn nicht auch sie wertenden Unterricht durchführen dürfen.
Zweitens muss dieser außerhalb der Stundentafel stattfinden und
drittens von den entsprechenden Gemeinschaften in vollem Umfang selbst bezahlt werden, incl. der Miete für die Schulräume und der entsprechenden Nebenkosten.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.452

02.12.2008 13:55
#7 Wertefreier Schulunterricht? Antworten

In Antwort auf:
Erstens darf darunter nicht nur Religion verstanden werden, sondern auch humanistische Angebote.
Ich bin für bekenntnisübergreifenden Religionsunterricht, weil Religionen nun mal derzeit so wichtig sind für das ganze Weltgeschehen. Die Funktion der Religion soll besser verstanden werden. Dann bin ich schwer dafür, dass Ethik und Religion als getrennt wahrgenommen werden. Ethik darf nicht von den Religionen einvernommen werden. Gott hat nicht die Moral gemacht. Die kommt aus der Gemeinschaft der Menschen selbst. Das sollte vermittelt werden!

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

02.12.2008 15:36
#8 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten

In Antwort auf:
Erstens darf darunter nicht nur Religion verstanden werden, sondern auch humanistische Angebote.


Selbstverfreilich, jeder Weltanschauung die gleichen Rechte. (Ich hatte das "Religion" nur speziell erwähnt, weil das heute wohl der mit Abstand größte Teil des weltanschaulichen Unterrichts ist, aber grundsätzlich gehört alles rein).

Überaschneidungen mit dem allgemeinen Stundenplan darf es natürlich nicht geben, sonst müssten die Teilnehmer ja regulären Unterricht verpassen; und es sollten Randstunden sein, damit die Nicht-Teilnehmer in der Zeit nicht gelangweilt rumhängen, beaufsichtigt werden müssen etc.pp.

Das mit dem Bezahlen sehe ich anders, aber das hatten wir ja schon des öfteren, das B.S. und ich da anderer Meinung sind. Wie ist das eigentlich mit anderen Organisationen, die schulische Räume nutzen? Sportvereine und so nen Kram? (Ich weiß es tatsächlich nicht...)

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

02.12.2008 16:18
#9 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten

In Antwort auf:
Ich bin der Auffassung, dass längere Bindungsverpflichtungen den Kindern gegenüber gemacht werden sollen, und die mögen auch die Beziehung zur Mutter betreffen. Wenn man den Vertrag immer noch "Ehe" nennt - o.k. Aber eine Ehe beginnt nach meiner ethischen Auffassung erst mit den Kindern.


Ich finde es prinzipiell schon sinnvoll, Beziehungen zwischen menschen zu unterstützen und zu institutionalisieren. Wenn Menschen Verantwortung füreinander übernehmen wollen (zB für Kinder, Eltern, Lebenspartner oder sonstwas) sollte der Staat das untersützen, da er ja davon profitiert. Wichtig finde ich aber, dass jedes Individuum selbst bestimmt, für wen Verantwortung übernommen wird, aus welchem Grund und in welchem Rahmen.

Kinder und die Verhältnisse, in denen sie aufwachsen, sind noch mal was, was unabhängig davon staatlichen Schutz und Unterstützung verdient.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.452

02.12.2008 16:34
#10 Wertefreier Schulunterricht? Antworten
In Antwort auf:
Selbstverfreilich, jeder Weltanschauung die gleichen Rechte.
Nee, das sehe ich anders. Die Weltanschauungen haben keine Rechte, den Unterrichtsplan mitzugestalten! Über die Weltanschuungen muss geredet und gelehrt werden, weil die so bedeutend für unser derzeitiges politisches Geschehen sind! Die Kinder werden Fragen stellen. Die dürfen nicht kommentarlos zu den Kirchen und Sekten durchgereicht werden. Und kein Bekenntnisbefangener darf den Unterricht geben. Nur die Philosophen. That's my Standpunkt.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

02.12.2008 17:34
#11 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten
In Antwort auf:
Nee, das sehe ich anders. Die Weltanschauungen haben keine Rechte, den Unterrichtsplan mitzugestalten!


Es ging ja gerade um weltanschaulichen unterricht in der Verantwortung der entsprechenden Gemeinschaften; wenn man das erlaubt, dann allen (Verfassungstreue & so...).

Den Rahmenplane des staalichen Unterrichts muss natürlich auch der Staat festlegen; er kann sich da beraten lassen, aber das letzte Wort hat die Schulaufsicht.

In Antwort auf:
Und kein Bekenntnisbefangener darf den Unterricht geben. Nur die Philosophen.


Auf welchen Unterricht beziehst Du das? Allgemein gilt aber das freie Recht zur Berufswahl; damit wird es schwierig, bekennenden Christen, Atheisten oder sonstigen weltanschaulich festgelegten personen den Lehrerberuf zu verbieten. Auch hier Verfassungstreue vorausgesetzt; die Radikalenerlasse gibbet ja schon noch...

Und auch Philosophen können einen Standpunkt und eine Überzeugung haben; die können sogar "bekenntnisbefangen" sein...
Qtipie Offline




Beiträge: 761

02.12.2008 19:45
#12 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten
In Antwort auf:
Und kein Bekenntnisbefangener darf den Unterricht geben. Nur die Philosophen.


Nur noch atheistische Lehrer dürfen unterrichten? Das würde automatisch des Kopftuchproblem von muslimischen Lehrerinnen lösen. Oder ist das Bekenntnis zum Atheismus auch ein unzulässiges (befangen machendes) Bekenntnis?

Wie empfindet ihr das eigentlich, wenn in öffentlichen Gebäuden (Schulen, Krankenhäuser) um diese Jahreszeit christliche Symbole ausgestellt werden (Sterne, Kreuze, Krippen mit Baby-Puppen)? Verbieten?
Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

02.12.2008 20:14
#13 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten

Ich denke mal, da ging es nicht um den Schulunterricht allgemein sondern um den Ehtikunterricht.

qilin Offline




Beiträge: 3.552

02.12.2008 20:46
#14 RE: Wertefreier Schulunterricht? Antworten

Klar geht es um den Ethikunterricht - aber warum soll der von Philosophen abgehalten werden?
Es gibt christliche, jüdische, muslimische - und atheistische Philosophen - welche davon sind
denn nicht 'bekenntnisbefangen' - nur die, die keinen Standpunkt haben

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.452

02.12.2008 20:59
#15 Ethik und Moral Antworten
In Antwort auf:
Es gibt christliche, jüdische, muslimische - und atheistische Philosophen - welche davon sind denn nicht 'bekenntnisbefangen' - nur die, die keinen Standpunkt haben
Demokratischer Unterricht sollte laizistisch sein. Und erst recht der Ethikunterricht. Es darf nach neuesten Erkenntnissen unterrichtet werden. Und die Einsicht, dass Ethik und Moral aus den Bedingungen des Gemeinschaftslebens über die zig Generationen erwachsen ist - und nicht das Gnadengeschenk Gottes ist, ist eine solche!
Religionsunterricht soll über die verschiedenen Ansprüche der verschiedenen Religionen informieren - und aus der Perspektive der pluralistischen, wahrheitsverpflichteten und demokratischen Ethikbedingungen kritisch bewertet werden.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

02.12.2008 21:32
#16 RE: Ethik und Moral Antworten

In Antwort auf:
Klar geht es um den Ethikunterricht - aber warum soll der von Philosophen abgehalten werden?

Philosophen ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Wenn aber von religiös gebundenen Lehrern, und hier meine ich nicht Kuschlchristen sondern die Hardliner, unterrichtet werden sollte, wäre doch der Einzug göttlicher Moral über die Hintertür ziemlich sicher. Damit dann gerade das, was an der zu unterrichtenden Ehtik, nämlich das evolutionäre, sich ständig weiterentwickelnden und anpassende, leisten soll, wieder zugunsten ewigwährender dogmatischer Lehren geopfert.

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

03.12.2008 09:08
#17 RE: Ethik und Moral Antworten

Staatlicher Unterricht hat weltanschaulich neutral zu sein (auf der Grundlage des GG, klar, aber das ist pluralistisch). Das und die Freiheit der Berufswahl als Grundrecht machen es unmöglich, eine ideologische Lehrerauswahl zu treffen, Radikalenerlaß mal außen vor (dh "Verfassungsfeinde" kann man der verwehren).

Das weltanschaulicher Unterricht (ob nun Religion oder atheistischer Ethikunterricht) wohl von Anhängern der entsprechenden Weltanschauung unterrichtet wird ist wohl klar; solange das an staatlichen Schulen geschieht kann man aber auch da Hardliner ausschließen (was für mich u.a. ein Grund ist, das ich es nciht schlecht finde, wenn der Staat da den Weltanschauungsgemeinschaft gegenüber offen ist).

Aber der von Staats wegen erteilte Pflichtunterricht, ob Ethik/Philosophie, Geschichte oder Englisch, wird von qualifizierten (hoffentlich) Lehrern erteilt, und die kann man nicht nach ideologischen kriterien aussuchen. Wie soll man das rechtlich fassen, ohne sofort mit dem Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes in Konflikt zu kommen? Und warum sollte man das auf religiöse Weltanschauungen einengen? Überzeugte, organisierte Atheisten dürften das dann ebensowenig.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.452

03.12.2008 09:36
#18 Ethik und Moral Antworten

In Antwort auf:
Wie soll man das rechtlich fassen, ohne sofort mit dem Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes in Konflikt zu kommen? Und warum sollte man das auf religiöse Weltanschauungen einengen?
Warum ist der Laizismus ein demokratisches Gebot? Unterdrückt er nicht die Lehr- und die Meinungsfreiheit? Weil Religionen erstens nicht gerecht sind und zweitens nicht wissenschaftlich! Eine Religion ist maximal gerecht für ihren eigenen Haufen, aber gegenüber den Ungläubigen nicht. In einer pluralistischen Gesellschaft ist sie die Philosophie der Zwietracht und nichts anderes! Von der Angstmache gegen die Kinder und der Wissenschaftsfeindlichkeit mal ganz zu schweigen.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

03.12.2008 09:47
#19 RE: Ethik und Moral Antworten

In Antwort auf:
Warum ist der Laizismus ein demokratisches Gebot? Unterdrückt er nicht die Lehr- und die Meinungsfreiheit?


Wenn der Laizismus die Lehr- und Meinungsfreiheit (abseits des Schutzes der Verfassung) unterdrückt hat er mE nichts mit Demokratie zu tun, zumindest nicht mit der Demokratie, die ich als erstrebenswert ansehe. Man kann Lehrer verpflichten, wertneutralen Schulunterricht zu geben. Man kann ihnen aber nicht eine private Überzeugung verbieten oder bestimmte Gruppen pauschal vom Lehrberuf ausschließen (abseits fehlender Qualifikation).

Die Einengung auf die Religion verstehe ich immer noch nicht; zumal jahrzehntelang in einem Staat, der sich Atheismus und Wissenschaftlichkeit auf die Fahnen geschrieben hatte, ein "Staatsbürgerkundeunterricht" erteilt wurde, der Indoktrination, Einschüchterung und Unterdrückung der freien Meinung in Reinkultur darstellte.

qilin Offline




Beiträge: 3.552

03.12.2008 09:48
#20 RE: Ethik und Moral Antworten

In Antwort auf:
Überzeugte, organisierte Atheisten dürften das dann ebensowenig.
Und wie wäre es dann mit überzeugten, aber unorganisierten Christen, Juden, Muslimen oder was auch immer?

Wenn ich daran denke, wie der aktuelle RU gerade von 'Hardlinern' wahrgenommen wird, dann sehe ich die
'ewigwährenden dogmatischen Lehren' darin gerade nicht - und die Kontakte, die ich selbst mit Schülern habe,
zeigen meist ein ähnliches Bild. Die 'Perspektive der pluralistischen, wahrheitsverpflichteten und demokratischen
Ethikbedingungen' hört sich gut an, aber wenn ich von dort die ganze Zeit lese, wie entsetzlich falsch, einseitig,
scheinheilig, zurückgeblieben etc. etc. die 'konfessionelle Konkurrenz' grundsätzlich und sowieso ist, dann stellt
sich mir doch auch die Frage nach deren Objektivität...

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

03.12.2008 09:50
#21 RE: Ethik und Moral Antworten

In Antwort auf:
Und wie wäre es dann mit überzeugten, aber unorganisierten Christen, Juden, Muslimen oder was auch immer?


Genau wie mit nicht organisierten Atheisten: Es dürfte eine Frage der Nachweisbarkeit sein...

Ansonsten kann ich qilin nur zustimmen.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.452

03.12.2008 09:59
#22 Ethik und Moral Antworten
In Antwort auf:
Die Einengung auf die Religion verstehe ich immer noch nicht; zumal jahrzehntelang in einem Staat, der sich Atheismus und Wissenschaftlichkeit auf die Fahnen geschrieben hatte, ein "Staatsbürgerkundeunterricht" erteilt wurde, der Indoktrination, Einschüchterung und Unterdrückung der freien Meinung in Reinkultur darstellte.
Warum Religion nicht unterrichten werden sollte (Religionskunde aber schon), habe ich nun schon erläutert, und besser kann ich es nicht. Staatsbürgerkunde in der DDR stelle ich mir auch nicht so pralle vor, zumal man sich dagegen ja nicht kritisch erheben durfte. Das darf man sich gegen Gott aber auch nicht, ohne Schiss vor seiner Rache zu haben. Wenn die böse Saat der Religion aufgegangen ist, hat man die. Im Kritiktabu treffen sich Faschismus, Rotfaschismus und Religion.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Qtipie Offline




Beiträge: 761

03.12.2008 10:06
#23 RE: Ethik und Moral Antworten

Jeder Unterricht, wo der Lehrer ein Mensch ist, ist irgendwann Bekenntnis-befangen. Es gibt wohl praktisch keinen bekenntnis-freien erwachsenen Menschen. Der einzige Lehrer, bei dem das nicht so ist, wäre vielleicht ein Computer, der von einer Vielzahl von verschiedenen Menschen dermaßen programmiert wurde, dass er keine Wertung der einzelnen Bekenntnisse mehr durchführt. Nur - wer möchte sich schon von einem Computer unterrichten lassen?

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

03.12.2008 12:06
#24 RE: Ethik und Moral Antworten

In Antwort auf:
Warum Religion nicht unterrichten werden sollte (Religionskunde aber schon), habe ich nun schon erläutert


Da bin ich halt anderer Meinung; einig sind wir uns aber, dass Religionsunterricht, wenn angeboten, ein freiwilliges Zusatzding sein sollte, kein ordentliches Unterrichtsfach.

In Antwort auf:
Kritiktabu treffen sich Faschismus, Rotfaschismus und Religion.


Da gibts noch andere Ideologien, die es mit der Kritik nicht so wirklich haben...

Wieder einmal kann ich nur sagen, dass ich religiöse Menschen (auch die Unterrichtspraktiken im RU, den ich selbst erlebt habe, und das, was ich über Freunde von der Ausbildung von Religionslehrern weiß) schlicht anders erlebe; nichts von wegen Kritikunfähigkeit, Feuerhölle, Gottes Rache und wörtliche Auslegung der Bibel. Die mag es geben, aber Fanatiker gibt es bei praktisch jeder Ideologie. Ein pauschales Unterrichtsverbot für irgendeine Gruppe Menschen verstieße daher mE nicht nur gegen das GG, sondern ganz allgemein gegen die Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft. Nur der konkrete Nachweis, das ein Lehrer seine Schüler ideologisch beeinflusst, unter Druck setzt etc.pp. kann so etwas rechtfertigen (oder der Nachweis verfassungsfeindlichzer Bestrebungen, wobei ich Berufsverbot & Radikalenerlass nicht besonders positiv sehe; aber das ist ein ganz eigenes Thema).

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

03.12.2008 14:11
#25 RE: Ethik und Moral Antworten
In Antwort auf:
Wie soll man das rechtlich fassen, ohne sofort mit dem Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes in Konflikt zu kommen?
Hast du vor kurzem nicht erst noch gesagt, hier über Rechtsprobleme zu diskutieren würde nichts bringen?
Mal eine der Sachen, wo ich dir zustimme. Nicht nur wegen fehlender Sachkenntnis.
Vielmehr weil es zwei absolut grundverschieden Sachen sind, was jemand für richtig hält und was rechtlich machbar ist.

Ich, und sicher die meisten hier, diskutieren, was wir für richtig halten und warum. Da sind deine Einwürfe der Rechtskonformität eigentlich völlig deplatziert. Da ist nur mit gesellschaftlichen Argumenten zu antworten.

Wenn der gesellschaftliche Wille da ist, ist jedes Gesetz zu ändern.
Seiten 1 | 2 | 3
 Sprung  
________________________________________

"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

________________________________________

=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

... Platz für Verlinkungsaustausche ...

VORSICHT! Vertrauensunwürdige Werbung!

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor