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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Islamismus/Islam
MuslimClassic Offline

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Beiträge: 32

14.01.2006 05:07
Keine Waffe kommt gegen einen Fernseher an!!! antworten

Das Thema Terrorismus nimmt heutzutage einen sehr großen Raum ein. In den Medien ist es eines der meist behandelten Themen. Wie gehen Medien damit um? Die Reaktion auf den Terrorismus darf nicht ignoriert werden, da sie weitreichende Konsequenzen hat. Daher habe ich mir vorgenommen, bestimmte Reaktionen und ihre Konsequenzen zu untersuchen. Im Vorliegenden sollen Auszüge aus Medienberichten sprachlich und inhaltlich analysiert werden. Die behandelten Auszüge dienen hierbei nur als Beispiele. Anhand dessen soll das Augenmerk der Leser für bestimmte, in ihrem Muster immer wiederkehrende Elemente geschärft werden. Ich will nicht von einer Systematik, welche gewissen machtpolitischen Interessen unterliegt, sprechen, will diese aber auch nicht unbedingt ausschließen. Meine Aufgabe ist lediglich, ein Bewusstsein zu schaffen für bestimmte Reaktionen und ihre Konsequenzen. Dabei beziehe ich mich vorwiegend auf den Spiegel, da er einer der meist gelesenen Magazine Deutschlands ist und, da er selbst für Politiker bedeutsam ist, doch lassen sich aufgeführte Vorgehensweisen auch auf andere Publikationen übertragen.

Womöglich werden meine Ansichten nicht von jedermann geteilt, doch als Kind dieses Landes wurde ich erzogen, meine Meinung zu äußern, auch wenn sie nicht konform ist.

Fundamentalisieren von islamischen Glaubenssätzen

Zunächst soll ein Vorgehen aufgezeigt werden, das sehr häufig vorzufinden ist: Im folgenden Ausschnitt geht es um den Tunesier Ihram Garnaoui, bei dem, wie es im Spiegel heißt, “niemand den Wandel vom weltoffenen Muslim zum fanatischen Islamisten“1 mitbekam. Stück für Stück wird dieser Wandel dem Leser vorgelegt: “Sein persönlicher Dschihad begann im brandenburgischen Oberhavelland. Im heimischen Kühlschrank durfte nur noch Fleisch von Tieren liegen, die nach muslimischen Regeln geschlachtet worden waren. Nach dem Umzug nach Berlin musste auch die Kindernahrung für das Töchterchen streng nach der Lehre Allahs ausgewählt werden. ...Später arbeitet er als Reiseleiter für Pilgergruppen gen Mekka, schließlich erst als Auszubildender und am Ende sogar als Auszubildender in Bin Ladens Terrorlagern.“2

Die Formulierung wie “durfte nur noch“ beinhaltet eine Zustandsveränderung und zeigt, dass hier der Wandel vom “weltoffenen Muslim“ zum “fanatischen Islamisten“ schon stattgefunden hat oder zumindest, dass dieser im Gange war.

Das Tückische an diesem Text ist, dass hier definiert wird, was ein weltoffener Muslim und ein fanatischer Islamist zu sein hat. Zumindest wird dem Leser beiläufig suggeriert, dass das Befolgen islamischer Schächtung unvereinbar sei mit Weltoffenheit. Auf eine unbewusste und subtile Art und Weise werden normale islamische Regeln fanatisiert und somit Muslime, die bestimmten islamischen Regeln nachgehen, generell zu Fanatikern degradiert.

An anderer Stelle geht es um einen Libanesen, der zum Terroristen wird. Da heißt es: “Rekrutiert wird in der Parallelgesellschaft unter jenen Muslimen, für die Integration keine Rolle spielt. „Nachdem das mit der Arbeit nicht funktionierte, habe ich mich entschlossen, intensiv den Koran zu studieren“, hat ein Libanese seinen Weg erklärt.“ 3

Durch das Aneinanderreihen von neutralen zusammenhanglosen Sätzen oder Satzinhalten werden an sich neutrale Inhalte mit negativen Komponenten beladen: Ein Koranstudium hat mit Terroristen nichts zu tun. Jedoch der nachfolgende Satz (“erklärt er seinen Weg“) ebenso wie der vorhergehende Satz, in dem von der Rekrutierung von Terroristen die Rede ist, steht in einem Absatz und bildet somit eine Sinneinheit. Koranstudium und Terrorismus scheinen daher in ein Zusammenhang zu stehen.

Irrgarten zwischen Vermutungen und Fakten -Fehlender Nachweis

Der Leser wird häufig mit Äußerungen konfrontiert, die vor allem dadurch bedeutsam und glaubwürdig erscheinen, dass ihr Urheber durch eine bestimmte Berufszugehörigkeit, Herkunft, oder ähnliches ausgewiesen wird. So ist beispielsweise im nächsten Satz von “ein Ermittler“ die Rede: “„Wie Helden“ würden Heimkehrer (einer Guerilla-Ausbildung) verehrt, sagt ein Ermittler. Wer zurückgekehrt ist, zu dem schaut die islamische Jugend auf.““ 4 (Welch Zumutung für “ die islamische Jugend“!)

Es genügt bei vielen Publikationen schon ein Blick auf die Verben, welche eine wörtliche Rede einleiten, um zu sehen, dass eine sehr hohe Anzahl der Äußerungen lediglich auf Meinungen, Vermutungen, Schätzungen, etc. basiert:

“Und der amerikanische Wissenschaftler Steven Emerson orakelt düster: „Ich zweifle nicht daran, dass Deutschland einen Angriff fürchten muss.“ 5

“Britische Ermittler glauben, dass die Gruppe um Rowe über einen Anschlag auf den größten europäischen Flughafen Heathrow nachdachte.“ 6

Ebenfalls in diese Kategorie fällt das Benutzen von Passivformen oder unbestimmten Formulierungen, welche den Urheber der Äußerung ganz ausblenden. Dem Leser bleibt so unbewusst, dass der Nachweis fehlt:

“Allein für Spanien rechnen Ermittler mit 300 Terrorunterstützern, für Deutschland wird die Zahl kaum geringer eingeschätzt“ 7

“Bosnien, wo während des Bürgerkrieges schätzungsweise 500 ausländische Muslime kämpften, gilt noch immer als Tummelplatz des internationalen Terrorismus.“ 8

Im letzten Beispiel scheint die Aussage durch das Wörtchen “gilt“ den Wert eines Tatsachengehaltes zu bekommen.

-Tatsachen, die keine sind

Im Folgenden wird eine Behauptung als Tatsache hingestellt, die jedoch jeglichen Grundlagen entbehrt:

“Dass gesuchte Islamisten, hier am südöstlichen Zipfel Europas, Unterschlupf finden belegen zahlreiche Festnahmen: Wenige Wochen nach dem 11. September 2001 arretierten bosnische Sicherheitskräfte sechs mutmaßliche Terroristen aus Algerien. Im vergangenen Oktober gingen den Grenzpolizisten gleich zwei Terrorverdächtige ins Netz, unter ihnen ein Ägypter.“ 9

Der „Beleg“ im vorherigen Zitat entpuppt sich durch unscheinbare Wörter wie verdächtig und mutmaßlich lediglich als Möglichkeit. Die für einen juristisch haltbaren Beweis erforderlichen Kriterien sind damit nicht erfüllt.

Bestimmte Wörter scheinen in bestimmten Zusammenhängen im zunehmenden Maß eine Bedeutungsveränderung zu erfahren, da ihre Benutzung in der Öffentlichkeit mehr oder weniger dazu allen Anlass gibt. So erhalten die Wortkombinationen von „mutmaßliche Terroristen“ oder „Terrorverdächtige“ die Bedeutung von Terroristen. (Terrorverdächtige und mutmaßlichen Terroristen werden nicht nur in den Medien wie Terroristen behandelt, in den USA werden sie vor dem Gesetz auch so behandelt: Bei bestehendem Verdacht können sie ohne Beweismaterial und ohne Gericht nahezu unbefristet festgehalten werden.)

In diesem Zusammenhang muss auch der mächtigste Nachrichtendienst Erwähnung finden, der Tatsachen lieferte, die keine waren – mit üblen Folgen! Am 5. Februar 2003 berichtete Collin Powell in seinem Vortrag vor dem UN-Sicherheitsrat von der Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak, denen er folgende Worte vorausschickt: “Meine Kollegen, jede Erklärung, die ich heute abgebe, ist durch Quellen gedeckt, solide Quellen. Dies sind keine Behauptungen. Wir geben ihnen Fakten und Schlussfolgerungen auf der Basis solider Erkenntnisse.“ 10

In dieser Hinsicht soll noch ein anders gängiges Verfahren aufgezeigt werden: Das Einschleusen von als Tatsachen verpackten Formulierungen in Fragen. Da bei einer gestellten Frage die Konzentration des Gesprächspartners auf das Beantworten der Frage gebündelt wird, bewirkt diese Beiläufigkeit einer Äußerung, welche als Tatsache verpackt wird, dass man die Tatsache als solche nicht mehr hinterfragt.

Als Beispiel soll das Folgende dienen: “Spiegel: Lässt sich die Bedenkenlosigkeit im Umgang mit dem Tod bei arabischen Familien auch auf den Kinderreichtum zurückführen?“ Hier schleust der Journalist die Behauptung ein, dass der Umgang mit dem Tod bei arabischen Familien bedenkenlos sei. Bei der Beantwortung der Frage geht der Gesprächspartner auf den Kinderreichtum ein, was voraussetzt, dass er die Behauptung tatsächlich akzeptiert: Laqueur: Es klingt zynisch, aber es ist so. Die Terroristen kommen aus Familien mit acht, neun Kindern. Wenn von acht Kindern eines umkommt, sind immer noch sieben da...“ 11

Dadurch, dass in vielen Texten Aussagen nicht auf Bewiesenem, sondern auf Hypothesen, Wahrscheinlichkeiten, Prophezeiungen usw. oder auf Tatsachen, die keine sind, basieren, wird das Bild des Terrors nur weiter ausgesponnen und Panik erzeugt. Ohne Frage ist es Aufgabe von Medien, Rezipienten zu warnen, um Vorbeugung und Schutz zu gewähren, doch dies berechtigt sie nicht zu einem lockeren Umgang ohne sachliche Grundlage. Schon mancher wurde, aufgrund von angeblichen Äußerungen, als Terrorist gebrandmarkt, noch ehe ein Gericht über ihn urteilte. So wurde beispielsweise, am 15. 07.05 nach dem Attentat in London, um 18.00 Uhr im saarländischen Rundfunk Sr1 berichtet, dass der ägyptische Chemiker Naschar plötzlich aus seinem Haus in Nordengland verschwunden wäre. In seiner leeren Wohnung fand man Chemikalien, wie sie zur Herstellung von Sprengstoff benutzt werden. Diese Meldung erwies sich als falsch. Tatsächlich war der Ägypter regulär in Urlaub gewesen. Nach seiner Verhaftung in Ägypten versicherte die dortige Behörde seine Unschuld. Seine Vorgesetzte, eine Professorin, bestätigte, dass die Chemikalien, die der Dozent für seine Doktorarbeit benutzte, Rohstoffchemikalien wären. Diese Falschmeldung wurde von dem Sender jedoch nicht revidiert. Zweifellos ist es Aufgabe von Sicherheitsorganen Verdachtsmomenten nachzugehen, doch es geht nicht an, dass Medien Rufmord oder Vorverurteilungen begehen.

Muslime unter Generalverdacht

Der Artikel “Es gibt keine Unschuldigen“ 12 beinhaltet eine Passage, die genauer betrachtet werden sollte: “Und doch kommen die realistischen Terroristen aus der Mitte unserer Zivilisation. Sie treten als unauffällige Nachbarn und pünktlich zahlende Mieter auf, als strebsame Studenten und zielbewusste Flugschüler- wie die Attentäter des 11. September 2001.“ Solche Äußerungen - bedenkt man doch rein statistisch, wie schwindend gering die Anzahl der Menschen, die aus diesem Raster tatsächlich als Attentäter in Frage kommen - tragen dazu bei alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Wenn in jedem ein potentieller Terrorist zu sehen ist, wird der Blick auf die Realität verzerrt und das multikulturelle zwischenmenschliche Zusammenleben stark beeinträchtigt. Es handelt sich um Panikmacherei.

In diesem Zusammenhang ist auch der nächste Artikel “Zeitwende hinterm Deich“ 13 zu erwähnen: Hier geht es um Bouyeri, dem Mörder von Theo van Gogh. Hier heißt es: “Bouyeri, 26, ist in Amsterdam geboren und zur Schule gegangen. Er hat in Holland studiert. Er fährt Fahrrad und isst manchmal „stamppotje met flees“, Eintopf mit Rindfleisch nach friesischer Art. Niederländischer kann man eigentlich nicht sein.“ Anhand dieser banalen Äußerlichkeiten zu urteilen, wie gut jemand integriert ist, ist bodenlos. Doch diese Aussage dient dazu, die folgende zu stützen: “Wenn aber einer wie Bouyeri, der eigentlich günstige Vorraussetzungen zur Assimilation hatte, sich derart radikalisiert – welche muslimischen Immigranten sind dann überhaupt noch halbwegs reibungsarm integrierbar?“ Hier werden Rückschlüsse von einer Person auf alle muslimischen Immigranten gezogen, in dem der ersten Satzteil (“Wenn aber einer wie Bouyeri, der eigentlich günstige Vorraussetzungen zur Assimilation hatte, sich derart radikalisiert“) und der zweite Satzteil („welcher muslimischen Immigranten sind dann überhaupt noch halbwegs reibungsarm integrierbar?“) als logische Folge aneinander gekoppelt werden. Explizit gesprochen wird die Behauptung aufgestellt, dass muslimische Immigranten in ihrer Gesamtheit nicht reibungslos integrierbar seien. Bei genauem Betracht jedoch entpuppt sich diese Logik nur als Scheinlogik, denn Integration hängt nicht nur von äußeren Faktoren, wie z.B. Umgebung, Schule, Beruf etc. sondern auch von inneren ab, wie z.B. innere Einstellung gegenüber einer Gesellschaft, Toleranz, etc.. Dieser o. a. Artikel ist fatal. Er verbreitet Panik, provoziert eine Hetze gegen Muslime und ist diskriminierend. Hätte der Autor sich derartiges auch bei anderen Religionsgemeinschaften zugetraut? Weitere Zitate aus demselben Artikel: -“Der Dschihad hat schon begonnen, wie die Ereignisse der letzten Tage gezeigt haben.“ - “Finanzminister Gerrit Zahm sieht Krieg auf sein Land zukommen.“ -Van Aartzen, der Fraktionschef der Rechtsliberalen im Parlament meint: „Einen so schlimmen Feind hatten wir seit 1940 nicht mehr.“ -Van Goghs Freund Bakas ist sicher: „Im Jahre 2050 haben wir das islamische Königreich der Niederlande.“

Irreführende Wortwahl

Ferner ist auch die Wortwahl der Medien bei genauer Betrachtung oft recht irreführend: Nehmen wir zunächst den Terminus Dschihad, der überall bekannt ist, und selbst im Fremdwörterlexikon “Das tägliche Fremdwort“ definiert wird als “islam. Heiliger Krieg“. 14 Diese Definition ist allerdings unvereinbar mit seiner tatsächlichen theologischen und sprachlichen Bedeutung, welche nachzulesen ist in “Was ist Was“ Weltreligionen Band 105“: “Dschihad bedeutet wörtlich „Anstrengung“ und meint den persönlichen Einsatz von Vermögen und Leben für Gott und die islamische Gesellschaft. Dschihad gilt immer, im täglichen Leben, beim Lernen und bei der Arbeit, im Frieden und im Krieg. Der Koran billigt den Krieg als Mittel zur Verteidigung und um unterdrückten Glaubensgenossen zu Hilfe zu kommen. Der Krieg ist für den Koran niemals „heilig“, sondern höchstens ein notwendiges Übel. Kriege, die aus politischen und wirtschaftlichen Gründen geführt werden, haben nichts mit Dschihad, der „Anstrengung für Gott“ im Sinne des Korans zu tun.“ 15 In diese Kategorie fällt auch der Wortgebrauch beim Balkankrieg, wenn berichtet wird von “Serben, Kroaten und Muslime“ 16. Aus Gründen der Adäquatheit muss von Serben, Kroaten und Bosnier gesprochen werden. Während Muslime vorzugsweise durch ihre Religion definiert werden, werden Nicht-Muslime durch ihre Volkszugehörigkeit definiert. Ebenso fällt auf, dass Medien bei Terroristen islamischen Glaubens meist von islamischen Terroristen oder islamischen Fundamentalisten oder Islamisten sprechen, während bei Mitgliedern der IRA etwa, nie die Rede von katholischen Terroristen ist. In beiden wird suggeriert, dass Muslime aus religiösen Gründen Krieg führen.

Terrorursachen oberflächlich betrachtet

Schließlich soll die Ursachenanalyse des Terrors genauer in Betracht gezogen werden. Es fällt auf, dass allzu häufig Ursachen nicht genau analysiert werd. Dies soll anhand von diversen Beispielen aufgezeigt werden. Zunächst aus den Kindernachrichten vom http://www.tivi.de/logo: Suchbegriff El Kaida: “Die Terroristen der El Kaida glauben, der Islam sei die einzige und beste Religion und alle Menschen müssten nach den Regeln dieses Glaubens leben. Sie hassen alle Länder, in denen nicht an dem Islam geglaubt wird. Die Terroristen wollen die Menschen aus diesen Ländern mit Anschlägen bekämpfen.....“ 17 Aus dem Spiegel Special 2/2004 in “Es wird noch schlimmer kommen“ S.21: “Laqueur: Es gibt terroristische Gruppen, deren Ziele beschränkt sind. Die Muslimrebellen im Süden von Thailand wollen eine Autonomie, die Tamilen in Sri Lanka auch. In einem solchen Fall kann man verhandeln. Aber wenn die Terroristen (gemeint ist Al-Quaida und Bin Laden) eine ideologisch-religiöse Motivation haben, wenn sie behaupten, es werde erst dann Frieden und Glück geben, wenn alle an ihren Gott glauben, worüber soll man dann verhandeln? Die Terroristen sind doch keine Diplomaten. Mit Diplomaten kann man verhandeln, aber nicht mit Leuten, die einen totalitären Anspruch haben.“ Terror ist nicht zu rechtfertigen, unabhängig von den Motiven, die dahinter stehen. Er bleibt ein abscheuliches wie kriminelles Vergehen, doch die Untersuchung seiner Ursachen, trägt dazu bei ihn zu bekämpfen. In beiden oben angeführten Beispielen wird das Problem auf ein religiöses reduziert. Dabei benutzen Drahtzieher von Terrororganisationen die Religion nur als Mittel zum Zweck, um bestimmte Ziele durchzusetzen. Die schreiende Ungerechtigkeit liefert ihnen dazu den Nährboden. Interessant ist in dieser Hinsicht folgendes Zitat: “Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis in Italien oder Großbritannien ein Anschlag geschieht“, sagt ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter.“ 18

Dass gerade diese beiden Länder angeführt werden, liegt wohl weniger an den Umständen, dass sie christlich geprägt sind, eher aber daran, dass sie sich an dem von der Weltgemeinschaft nicht legitimierten Irakkrieg beteiligten. Auch dies spricht also für ein politisches Motiv hinter terroristischen Anschlägen. Einerseits ist die Religion nicht davor gefeit missbraucht zu werden. So sprechen Terroristen Selbstmordattentate beispielsweise heilig, um ihre Sache zu rechtfertigen. Andererseits ist es der Kampf gegen den Terrorismus auch nicht. Er kann ebenso dazu missbraucht werden bestimmtes Vorgehen zu rechtfertigen. Beispielsweise um illegitime Kriege zu rechtfertigen, oder Andersdenkende aus dem Weg zu räumen, schon allein dadurch, dass das Antiterrorgesetz auf eine Definition von Terrorismus und Terrorist verzichtet. Dennoch ist die Religion werteneutral und Antiterrorgesetze notwendig.

Schlussfolgerung

Bei der Textanalyse ist zutage getreten, dass bestimmte Reaktionen von Medien eine eigene Realität schaffen, die auf Meinungen, Annahmen, Vermutungen, Hypothetik, falschen Tatsachen,... basiert, in der Inhalte neu definiert und Denkweisen eingeschleust werden und, dass sie so die Terrorismuslandschaft weiter ausspinnen. Diese Terrorismuslandschaft sieht zuweilen so aus, dass islamische Glaubenssätze fundamentalistisch sind, dass alle Muslime terrorverdächtig sind, dass Terrorverdächtige Terroristen sind, dass Terrorismus, unabhängig von unserem Handeln nicht bekämpft werden kann.

Durch die gesamten im oberen Abschnitt erwähnten Vorgehensweisen tragen Medien zum Erfolg von Terrorismus bei, in dem sie 1. Panik auslösen bei der breiten Öffentlichkeit 2. die multikulturellen Koexistenz beeinträchtigen 3. die Ermittlung von Terrorursachen erschweren

MuslimClassic Offline

Mitglied

Beiträge: 32

14.01.2006 05:08
#2 RE: Keine Waffe kommt gegen einen Fernseher an!!! antworten

Zu 1) Panik auslösen

Terrorismus, so etwa Auswüchse eines militanten politischen Islam, wie er nicht nur in den Regionen des Nahen Ostens heutzutage beheimatet ist, existiert und darf nicht bagatellisiert werden. Er muss mit allen nur erdenklichen Mitteln bekämpft werden. Nichtsdestotrotz besteht aber in den Medien die Tendenz Terrorismus hochzuspielen. Widmet man Terrorismus zu viel Aufmerksamkeit, bekommt er Aufwind. Schließlich ist dieser angewiesen auf Publizität und lebt von der Angst der Öffentlichkeit. Das Dramatisieren von Gefahren steht kontraproduktiv der Sache der Terrorbekämpfung entgegen. Es gibt Terroristen noch mehr Macht an die Hand, was bewirkt, dass sich Terrorgruppen von der Effizienz ihrer Arbeit weiter bestätigt fühlen und Terror als wirksame Waffe weiter im Umlauf gerät.

Zudem fällt auf, dass es der Terrorismus von islamischen Gruppen ist, der zu viel Raum einnimmt in den Medien, wohingegen der Staatsterror einen bedeutend geringeren Raum einnimmt, trotz der Tatsache, dass die Zahl der Opfer und das Ausmaß des Leids, das von Staatsterror verursacht wird unendlich größer als von Terrorgruppen angerichtet. -Die USA haben beispielsweise durch ihre Kriege und durch das Embargo gegen den Irak zu Hunderttausend von Toten beigetragen: Nach Schätzungen der UNICEF sind aufgrund des Embargos gegen den Irak jeden Monat durch Unterernährung mehr als 4.500 irakische Kinder unter fünf Jahren ums Leben gekommen. 19 Allein im Irak sind durch militärische Eingriffe schon über 22000 Zivilisten getötet worden. 20 -Russland hat über die Hälfte der 800.000 Tschetschenen aus Tschetschenien vertrieben und ist verantwortlich für den Mord an tausend von Tschetschenen. Die meisten Häuser wurden zerstört und die Infrastruktur lahm gelegt. 21 Wollte man dies vervollständigen, wäre es ein endloses Unterfangen Zu

2) Beeinträchtigung der multikulturellen Koexistenz

Im Übrigen stiftet ein bestimmtes Vorgehen von Medien, nämlich dass Muslime unter Generalverdacht gestellt, dass islamische Lehren fundamentalisiert, dass Personen, Institutionen und schließlich eine ganze Glaubensgemeinde ohne gedeckte Quellen belastet werden; wie auch die Panikmacherei, zuweilen bis hin zu einer Hetzjagd gegen Muslime, geführt im Namen des Anti-Terrorismus, usw. sehr viel Verwirrung. So bekommen viele einen falschen Eindruck von Muslimen, da man sie irrtümlicherweise zu Fundamentalisten verurteilt. Muslime geraten dadurch mehr und mehr in Isolation. Es entsteht ein Teufelskreis, wodurch die Koexistenz von Angehörigen verschiedener Kulturen erheblich beeinträchtigt wird. Wenn sich beide Seiten mehr und mehr einander verschließen, nehmen radikale Positionen um so eher ihren Einzug in die Gesellschaft und der Zugang zum Dialog der Kulturen wird blockiert. Nun ist aber der Dialog der Kulturen notwendig im Kampf gegen Terror!

Zu 3) Untersuchung von Terrorursachen erschweren

Das Anführen von Motiven, die jeglicher Sachlichkeit entbehren, macht Versuche eines Dialoges zunichte. Dies beeinträchtigt die Ursachenanalyse und somit die ernsthafte Terrorbekämpfung. In seinem Aufsatz “Über die Ursachen von Gewalt in der Politik“ nennt der ehemalige deutsche Botschafter in Algerien M. Hofmann, “die Unterdrückung“ als eine Hauptursache für Terror. Unterdrückung ruft nur weiter Unterdrückung hervor: Ebenso wie die USA als Folge von Unterdrückung durch die Terroranschläge am 11. Septembers sich extremen Mitteln bediente: -Immunität für amerikanische Soldaten -Festnahme von verdächtigen Personen ohne Verurteilung und Recht auf Anwalt (Patriot Act) -Folter in amerikanischen Gefängnissen (Guantanamo, Abu Ghreeb) -usw.

bedienen sich auch Individuen als Folge von Unterdrückung und Gewalt extremen Maßnahmen, sprich terroristische Aktionen.

Dabei widerfährt allen Seiten Unterdrückung: Menschen in Europa, in Amerika und anderswo werden durch Terroristen ungerecht behandelt, wenn unschuldige Menschen ihr Leben verlieren.

Muslime werden ungerecht behandelt, weil ihnen Rechte und Freiheiten vorenthalten werden:

Israel ist laut den Jahresberichten von Amnesty International verantwortlich für den Tod von tausenden von Kindern, Frauen und Männern 22 und für die Zerstörung von über 10.000 Häusern23. Es verfolgt eine Strategie der “vorbeugenden Exekution“ ohne Gerichtsurteil, lässt das palästinensische Volk in einer wirtschaftlichen und politischen Rechtlosigkeit und trägt durch seine Enteignungspolitik, seine Siedlungspolitik, durch die Ausgangssperren, den Bau der Mauer, der Verteilung des Wasservorkommens, etc. zu einer Unterdrückung der Palästinenser ohnegleichen bei. 24 Dennoch unterstützen die USA Israel -wirtschaftlich: Von 1949-1998 haben sie Israel $ 84.8 Milliarde Unterstützung bezahlt 25 -militärtechnologisch: die gegen die palästinensische Bevölkerung eingesetzten Waffen stammen überwiegend aus amerikanischer Waffenlieferung 26 -politisch: die USA handeln immer im Interesse Israels. Sie haben 24-mal ihr Veto eingelegt, um Israel in Schutz zu nehmen gegen begangene Kriegsverbrechen. 27 Überdies diktieren die USA der arabischen Welt eine neue Weltordnung auf und machen dadurch den ganzen Nahen Osten zu einen Krisenherd. Im Namen der Freiheit und Demokratie wüten sie in Irak und Afghanistan, töten unschuldige Menschen, zerstören die Infrastruktur und rauben das Öl. Viele Länder unterstützen die USA politisch, wirtschaftlich und militärisch bei ihren Taten.

Bundespräsident Rau sagte schon am 14. September 2001 in einer Ansprache: „der beste Schutz gegen Terror“...“ ist eine gerechte internationale Ordnung. Frucht der Gerechtigkeit wird der Frieden sein!“

Terrorismus ist eine Marionette, der Leben eingehaucht wird durch das Zusammenspiel vieler Hände, die nach Belieben an ihren Fäden ziehen. Die Reaktion auf den Terrorismus geht uns alle an und darf nicht ignoriert werden, da sein Erfolg vom Verhalten der Öffentlichkeit abhängt, d.h. zu einem großen Teil von den Medien, aber auch von den Konsumenten der Medien. Schließlich sind Medien eine Industrie, die sich auch anhand dessen orientieren, was Leser hören wollen. Es liegt an unseren Reaktionen bestimmten Vorgehensweisen Einhalt zu gebieten und so Umstände zu verändern, die uns in Endeffekt alle betreffen und auf lange Sicht nachhaltig auf unser Leben einwirken.


Quelle: IZ

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