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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 496 mal aufgerufen
 Christentum
Qtipie Offline




Beiträge: 761

25.02.2009 10:04
Christenverfolgung in Indien Antworten
Hindus entledigen sich der religiösen Konkurrenz

Christen werden in Indien seit Monaten blutig verfolgt. Ihre Kirchen angezündet, die Gottesdienste gewaltsam gestört. In einigen Regionen herrscht eine Pogrom-Stimmung, die mit polizeilichen oder militärischen Mitteln kaum mehr einzudämmen ist. Einer der Gründe ist die Fürsorge der Christen um die "Unberührbaren".

Samuel wurde geboren, als es den Unberührbaren längst erlaubt war, mit Angehörigen der höchsten Kaste auf einem Bürgersteig zu spazieren. Trotzdem wechselte er gesenkten Blicks die Straßenseite, sobald ihm ein Brahmane begegnete. Als Samuel aufwuchs, war es Kastenlosen auch erlaubt, Hindu-Tempel zu besuchen. Trotzdem ließen ihn die Tempelhüter nie hinein. Und er fügte sich, bis er Christen traf. Sie brachten ihm Lesen und Schreiben bei, luden ihn in ihre Kirchen ein, und einmal traf er einen Bischof, der ihn, den Unberührbaren, sogar umarmte. Kurz darauf konvertierte Samuel zum Christentum. Begegnet ihm heute ein Brahmane auf der Straße, blickt er ihm freundlich in die Augen.

Solche Erbauungsgeschichten erzählt Erzbischof Rafael Cheenath vom indischen Christenrat gerne. Sie machen ihn stolz – und sind dabei auch ein Grund, weshalb Christen verfolgt werden: Seit August 2008 wurden Hunderte Gläubige getötet, Tausende verprügelt, rund 50.000 vertrieben; Schulen, Heime und Kirchen wurden zerstört.

Zu den Ursachen der Verfolgung hat sich nun der indische Christenrat geäußert. Obwohl die Täter radikale Hindus waren, sieht Ratsvertreter Cheenath die Ursache nicht in religiösem Hass, sondern in einem Interessenkonflikt. Die Kirchen untergraben das Sozialgeflecht der indischen Gesellschaft, das Kastensystem. Offiziell wurde es zwar 1947 außer Kraft gesetzt, faktisch diskriminiert es laut Menschenrechtlern aber noch heute fast ein Viertel der Inder. Diese Ordnung attackieren Christen, weil sie sich – halb karitativ, halb missionarisch – um die Ärmsten kümmern.

Vor allem Kastenlose („Dalits“) und traditionell ausgegrenzte Ureinwohner („Adivasi“) werden in christlichen Heimen und Schulen kostenlos so effektiv gefördert, dass sie auf dem freien Arbeitsmarkt nun mit Angehörigen höherer Kasten konkurrieren können. Obendrein wird ihnen in christlichen Schulen vermittelt, sie seien den Brahmanen gleichwertig. Und wer als Dalit zum Christentum übertritt, erteilt dem Kastenwesen gar die radikalste mögliche Absage, weil er vollends aus dem Denken in Kastenkategorien aussteigt; aus einer uralten Selbstdefinition als „unberührbar“, unterwürfig und minderwertig.

http://www.welt.de/politik/article326595...Konkurrenz.html

Was meint ihr - wird das Christentum aus Indien wieder verschwinden? Oder wird es vielleicht zu ähnlichen Zuständen wie zur Zeit der römischen Verfolgungen kommen? Ist das Christentum eine Gefahr für die Gesellschaft? Oder ist es nur eine Frage der Zeit, bis es sich auch in Indien durchgesetzt hat, so wie in Europa? Oder sollten sich die Christen aus Indien zurückziehen, um des Friedens willen? Sollte Deutschland verfolgte Christen aus Indien aufnehmen?
qilin Offline




Beiträge: 3.552

25.02.2009 10:51
#2 RE: Christenverfolgung in Indien Antworten
Hallo Qtipie,

dass das Christentum aus Indien verschwinden wird, ist äußerst unwahrscheinlich,
es existiert dort ja schon seit den ersten Jahrhunderten - der Legende nach soll es
der Apostel Thomas als erster dort verbreitet haben... Probleme mit dem Christentum
gibt es in Indien erst seit wenigen Jahren, und die Dalit sind nicht das Hauptproblem.
Ich habe einige Monate in einem Hindu-Forum mitgeschrieben, und was dort immer
wieder - nicht am Christentum, sondern an den Christen - bemängelt wurde, war die
Art und Weise der 'Missionierung' dort - und auch nicht die der Großkirchen, sie seit
Jahrhunderten dort ihre Missionare haben, sondern die der militanten, meist aus den
USA kommenden Fundamentalisten, die die Armut im Lande für die Missionierung
ausnützen - diese Sekten haben viele Dollars im Hintergrund und ködern die Armen
und Benachteiligten damit. Wer sich taufen lässt und brav zur Kirche geht, bekommt
einen Arbeitsplatz, seine Kinder großzügige Stipendien etc. - man muss nur 'bei der
Stange bleiben', sonst ist Alles wieder weg... Dass die Hindus da sauer reagieren,
ist verständlich.
Ein Gegenbeispiel sind die Konversionen zu Buddhismus, Christentum und Islam, die
B.R. Ambedkar in den späten 50er Jahren initiierte - daran nahm niemand Anstoß,
und die inzwischen wieder ca. 10 Mio. indischen Buddhisten rekrutieren sich zum
größten Teil ebenfalls aus Dalit...

P.S. Jesus wird von vielen Hindus als Avatar [Inkarnation] irgendeiner Hindu-Gottheit
angesehen - das Christentum abzulehnen käme denen gar nicht in den Sinn...

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

Qtipie Offline




Beiträge: 761

25.02.2009 13:59
#3 RE: Christenverfolgung in Indien Antworten

Das würde dann eher bedeuten, dass nicht der christliche Glaube an sich verfolgt wird, sondern die Verfolgungen aus sozialem Neid stattfinden? Wie lassen sich die "Hunderten Toten" und "Zehntausenden Vertriebenen" erklären?

qilin Offline




Beiträge: 3.552

25.02.2009 14:20
#4 RE: Christenverfolgung in Indien Antworten

In Antwort auf:
Wie lassen sich die "Hunderten Toten" und "Zehntausenden Vertriebenen" erklären?
Bei solchen Zahlen bin ich lieber skeptisch - besonders wenn sie in einer Tageszeitung
so nebenher auftauchen...


In Antwort auf:
Das würde dann eher bedeuten, dass nicht der christliche Glaube an sich verfolgt wird,
sondern die Verfolgungen aus sozialem Neid stattfinden?
Der christliche Glaube an sich wird sicher nicht verfolgt - ein nicht unbedeutender Prozentsatz
der indischen Oberklasse sind Christen - und 'sozialer Neid'? Stell' Dir mal umgekehrt vor, dass
reiche Saudis hier bei uns gezielt zu den Arbeitslosen, Obdachlosen, Haftentlassenen gehen,
ihnen Geld und gute Stellen anbieten unter der Bedingung, dass sie sich zum Islam bekehren,
jeden Freitag in dei Moschee gehen und ihre Kinder streng muslimisch erziehen - wenn sich
dann jemand dagegen wehrt, würdest Du da auch von 'sozialem Neid' reden

___________________________
Nichts bedarf so sehr der Reform
wie die Meinungen anderer Leute. [Mark Twain]

() qilin

kadesch Offline



Beiträge: 2.705

25.02.2009 14:33
#5 RE: Christenverfolgung in Indien Antworten

genau das haben die Saudis in Bosnien oder Albanien getan....
Aber der Effekt war dass die dortigen Muslime weiterhin Schweinefleisch essen und Saufen wie die
Besenbinder.

Glaube ist Aberglaube

Qtipie Offline




Beiträge: 761

25.02.2009 15:27
#6 RE: Christenverfolgung in Indien Antworten

Mh. Wieso gibt es dann in Indien zwar Christen- aber keine Moslem-Verfolgungen?

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

25.02.2009 16:53
#7 RE: Christenverfolgung in Indien Antworten

Reinecke zitiert sich selbst:

In Indien ist wohl eher das Problem, dass die muslimische Minderheit von der hinduistischen Mehrheit (bzw dessen nationalistischen Vertretern) bekämpft und unterdrückt wird; oder auch mal in Massen ermordet. Was mE mal wieder zeigt, dass nicht die Religion das Problem ist, sondern jede Ideologie zu solchen Exzessen in der Lage ist.


In Antwort auf:
Daraufhin nahmen zehntausende aufgeputschte Hindus am Marsch auf Ayodhya teil und zerstörten die Babri-Moschee am 6. Dezember 1992. Dies wiederum verursachte im ganzen Land Ausschreitungen und Übergriffe zwischen Muslimen und Hindus, bei der mehr als 2000 Menschen, vorwiegend Muslime, den Tod fanden.



Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ayodhya

Kurz gesagt: Die Moslems leiden wohl so stark unter religiöser Verfolgung wie keine andere Gruppe im heutigen Indien; kommt auch regelmäßig in den Nachrichten... ;)


Qtipie Offline




Beiträge: 761

25.02.2009 18:27
#8 RE: Christenverfolgung in Indien Antworten

Danke für den Hinweis. Wie glücklich wir uns schätzen können in einem Land der Religionsfreiheit zu leben.

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