Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!


Wir trauern um die Opfer des islamistischen
Terrors in Frankreich und Österreich



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 21 Antworten
und wurde 1.106 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Aaron M. Offline



Beiträge: 5

12.05.2009 15:07
Wer ist der Mensch? Antworten

Thema: Der gesteinte Weg zur Wahrheit

Viele Gedanken strömen von außen auf uns ein, bewegen uns innerlich oder wir verwerfen sie. Wenn wir die Welt betrachten, sind es ja ganz viele Einströmungen. Da ist die Schule, die wissenschaftliche Hochschule, da sind die Medien, allem voran der Fernseher, die Religion und vieles mehr. Eigentlich ist es so, dass wir uns kaum vor der Flut einströmender Gedanken retten können, überall besteht der unausgesprochene Anspruch: "Glaube, was ich dir sage!" Deutlich ist das in der Fernsehwerbung zu sehen, wenn sie uns sagt, wie wir dies und das zu empfinden haben. Ist das in der Wissenschaft und der Religion anders? Jeder von uns hat ein Inneres, dort ist seine Innerlichkeit; es ist eine Innerlichkeit, die sensibel und verletzlich ist; dort ist etwas tief in uns verankert, das etwas Wertvolles ist. Es ist der Kern unseres Seins, wo unsere Überzeugung, unser Glaube und unser Selbst beheimatet ist, ganz gleich, wie weit unser Inneres bisher entwickelt ist, ganz gleich, ob naiv oder nicht.

Die äußere Welt wirkt häufig wie ein Buhlen um die Gunst unseres Inneren, durch das wir an das eine oder andere glauben oder gar aufsehen sollen. Ein Beispiel dazu ist der Kontrast zwischen Wissenschaft und Religion in der innerlich bewegenden Frage, wie das Leben entstanden sei. Ist denn nun eine göttliche Schöpfung gemäß der biblischen Überlieferung oder eine Evolution anlehnend an die Gedanken eines Charles Darwin waltend? Fühlt man sich da nicht gedrängt, eine Entscheidung zu fällen, fällen zu müssen in dem Sinne, entweder stimme das eine und wenn nicht, das andere? Wodurch kommt das eigentlich? Es ist vor allem bei jüngeren Menschen zu beobachten, wie sehr ihr innerer Antrieb, wie sehr ihr schwungvoller Elan, wie sehr ihr ungestümes Bedürfnis, die Welt zu erfahren, sie drängt, Fragen in sich befriedigen zu müssen, die wie Hungergefühle in ihnen nagen. Ein solcher Hunger schmerzt seelisch etwa so, wie ein Unterdruck durch die Leere eines Magens. Das verführt schnell dazu, allzu leichtfertig eines der beiden Angebote für sich in Anspruch zu nehmen, ohne wirkliche Einsicht in die mögliche Richtigkeit des Angebots gewonnen zu haben.

Wenn wir an diesem Punkt, sagen wir, aus der Distanz heraus, die uns nicht die Qual des seelischen Hungers beschert, über den menschlichen Drang nach Erkenntnis des Daseins reden, erscheint die bloße Inanspruchnahme eines der beiden Angebote wie ein bloßer Füllstoff, der den hungrigen Magen mit einer großen Menge qualitativ minderwertiger Nahrung zwar füllt und das Hungergefühl vorerst zum Schwinden bringt, doch ergibt sich im Laufe der Zeit eine Mangelernährung an notwendigen Mitteln wie Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe hin zum Lebendigen.

Entscheiden wir uns nun für die angebotene Menge oder entscheiden wir uns nur um der Entscheidung willen? So gleicht das Entschiedene lediglich einem mengenmäßigen Füllstoff selbst dann, wenn das Entschiedene wahr ist, weil die Wahrheit als solche nicht erkannt wurde.

Aaron

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.029

12.05.2009 15:31
#2 Wer ist der Mensch? Antworten
Hallo Aaron, herzlich wilkommen hier im RF!

Wer ist der Mensch? titelst du den Thread. Aber es geht um den Erkenntnispfad. => Wie erlangt man die Wahrheit? Und du bietest die beiden großen Fakultäten "Wissenschaft" und "Religion" an.

Der Erkenntnispfad ist - nach der herrschenden und allgemein anerkannten Wissenschaftstheorie - die Rede und die Gegenrede -> These und Antithese -> Glaube und Zweifel! Nur auf diesem Pfad kannst du dich der Wahrheit nähern. Indem du bereit bist, jederzeit deine erworbenen Theorien zu verwerfen, wenn neue Erkenntnisse dich dazu drängen. Der ZWEIFEL ist die Kardinaltugend der Wissenschaft.

Die Kardinaltugend des religiösen Glaubens ist der GLAUBE. Der Zweifel ist stigmatisiert und soll ggf. mit schlimmsten Diesseits- und vor allem auch noch Jenseitsstrafen belegt werden. Demnach ist der religiöse Glaube für jegliche Erkenntnisarbeit hemmend, unproduktiv und destruktiv!

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

petronius ( Gast )
Beiträge:

12.05.2009 16:14
#3 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

aaron, mir ist nicht so recht klar, worauf du hinaus willst

was ist denn dieses "innere", das du vor zuviel gedanken von außen bewahren willst? inwiefern kann es uns bei entscheidungen helfen, zum erkenntnisgewinn beitragen?

nicht alles, was von außen auf uns eindrängt, sagt: "Glaube, was ich dir sage!" vieles sat ganz im gegenteil: "prüfe, was ich sage!" zumindest macht uns die wissenschaft dieses angebot - im gegensatz zur religion, die glauben einfordert

(übrigens sagt die evolutionstheorie nichts dazu, wie leben entstanden ist - das nur nebenbei)

selbstverständlich müssen wir entscheidungen treffen, was wir für richtig halten. wir können ja nicht einfach alles offen halten und zu allem sagen "kann sein, kann auch nicht sein". abgesehen davon ist der wissenstrieb eine der edleren menschlichen eigenschaften, würde ich meinen. und sich für belegbares wissen zu entscheide (anstelle des blinden glaubens), kann ich auch nicht als leichtfertige entscheidung ansehen, "ohne wirkliche Einsicht in die mögliche Richtigkeit des Angebots gewonnen zu haben"
wie sähe denn deiner meinung anch eine "wirkliche Einsicht in die mögliche Richtigkeit des Angebots" aus?

was ist jene "erkenntnis des daseins", im vergleich zu welcher wissenschaftlich fundiertes wissen über die uns umgebende realität "bloßer Füllstoff ist, der den hungrigen Magen mit einer großen Menge qualitativ minderwertiger Nahrung zwar füllt"? was sollen jene "notwendigen Mitteln wie Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe hin zum Lebendigen" sein?

und: "wahrheit zu erkennen" ist ein großes wort. zu groß, als daß ich es verwenden würde. schon, weil es so gerne von scharlatanen in den mund genommen wird. "wahrheit" im sinne unumstößlicher letztgültiger erkenntnis ist uns menschen (außer im banalen sinn der zutreffenden tatsachenbeschreibung wie "der ball ist rund") nicht zugänglich

Charlie der Engel Offline




Beiträge: 231

12.05.2009 16:32
#4 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

zudem sollte man lange Texte, die man aus dem Internet kopiert, zumindest mit einer Quellenangabe versehen, wenn ich mich richtig an die Forenregeln erinnere.
Abgesehen davon halte ich den Text für ziemlich oberflächliches Geschwurbel, durch vertrackte Satzkonstruktionen und gelehrte Wörter nach Philosophie klingend gemacht.

___________________________________
Die Wendung "das ist doch bloß ein Strohmann" ist auch bloß ein Strohmann.

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

12.05.2009 16:38
#5 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

In Antwort auf:
Abgesehen davon halte ich den Text für ziemlich oberflächliches Geschwurbel, durch vertrackte Satzkonstruktionen und gelehrte Wörter nach Philosophie klingend gemacht.


Hey, was issn Philosophie anderes als Texte, die durch vertrackte Satzkonstruktionen und gelehrte Wörter interessanter klingen sollen... oder so unverständlich, dass zumindest niemand widerspricht... ;)

"Wissenschaft ist das Erfinden von Fachbegriffen und deren vorsätzliche Anwendung."

Aber wirklich was anfangen konnte ich mit dem Ausgangstext auch nicht...

Charlie der Engel Offline




Beiträge: 231

12.05.2009 16:41
#6 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

trotzdem erkennt ein Fachmann dann, obs Sinn macht oder nicht, nur die Außenstehenden sind beeindruckt, weil sies nicht verstehen.

___________________________________
Die Wendung "das ist doch bloß ein Strohmann" ist auch bloß ein Strohmann.

beethoven ( Gast )
Beiträge:

12.05.2009 17:00
#7 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

Der Text liest sich mE so, als ob ein Anthroprosoph ihn verfasst hätte ("innerlich bewegen", "äußere Welt", "göttliche Schöpfung", "innerer Antrieb" sowie der (böse)Fernseher/Fernsehwerbung lassen darauf schließen).
Der Titel "Der gesteinte Weg zur Wahrheit" könnte auf Rudolf Steiner anspielen.

Väterchen_Nurgle Offline




Beiträge: 168

12.05.2009 20:14
#8 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

Hübsch geschrieben aber worauf willst du damit hinaus? Ich nehme dir nicht ab, das du uns damit ganz allgemein zum nachdenken anregen willst. Also lege deine These doch klar auf den Tisch, damit wir darüber diskutieren können. Liege ich richtig, das es dein Anliegen ist zu sagen, dass letztlich das Verbinden von Schöpfungs- und Evolutionslehre der "richtige" Weg sei?

Gruss
Väterchen Nurgle

beethoven ( Gast )
Beiträge:

12.05.2009 20:31
#9 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

Nur zur Info:

Aaron hat am 6.4.09 im Forum4you denselben Beitrag ins Internet gestellt. Eine Diskussion ist daraus nicht entstanden, da er auf die beiden Beiträge nicht reagiert hat.

Aaron M. Offline



Beiträge: 5

17.06.2009 18:43
#10 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

Zitat von Gysi: "Hallo Aaron, herzlich wilkommen hier im RF!" Vielen Dank für die freundliche Begrüßung!


Thema: Vom Denken


Es heißt, man müsse erst einmal verdauen, was noch nicht verstanden wurde; man brauche eben noch Zeit. Das heißt, ein Verstehen kann nicht von außen gegeben werden, sondern verlangt eine innere denkerische Selbsttätigkeit, die zur Verarbeitung eben Zeit braucht. Andernfalls nimmt der Mensch von anderen Vorgekautes zu sich, sofern er nicht abblockt. Er durchdringt damit nicht selbsttätig, sondern verhält sich wie ein von seiner Mutter abhängiger Säugling. Er erhält von ihr sofort, was ihm sein natürlicher Hungertrieb gebietet; was übrigens ganz normal und richtig ist.

Der Säugling wie auch die Tiere in der Natur folgen ihren Bedürfnissen unmittelbar, doch entwickelt sich das Menschenknäuel weiter, während das Tier auf der Stufe der unfreiwilligen, wenn auch als eine solche nicht empfundene Bedürfnisbefriedigung stehen bleibt. Je älter ein Kind wird, desto eher kann es sein Triebleben mit selbstständigen, vom Trieb unabhängigen Gedanken durchsetzen. So hat der Erwachsene die Freiheit, selbsttätig über das Wesen des Menschen nachzudenken und damit verbunden über das Eigenleben seiner Naturtriebe zu gebieten.

Er hat aber auch die Freiheit, Vorgekautes für sich in Anspruch zu nehmen, sofern er nicht abblockt. Er durchdringt nicht selbsttätig, sondern verhält sich wie ein von seiner Mutter abhängiger Säugling. Es erhält von seiner liebenden Mutter sofort, was sein natürliches Hungergefühl verlangt.

Die stete Übung im selbsttätigen und richtigen Denken sowie das Gebieten der Triebe zwischen Gefallen und Missfallen, zwischen Behagen und Unbehagen, zwischen Sympathie und Antipathie sind notwendige Voraussetzungen, sich Aufschluss über das Wesen des Menschen verschaffen zu können.

Ein sich so ausrichtendes Denken birgt gewisse Unannehmlichkeiten in sich. Man wird nicht verstanden und es droht, sozial ausgegrenzt zu werden. Doch wer in sich das starke Bedürfnis nach Menschenerkenntnis verspürt, wird den Mut haben, sich darüber hinwegzusetzen. Das ist keine Frage einer höheren Intelligenz, dazu ist jeder wenigstens durchschnittlich begabte Mensch in der Lage, wenn er nur den Mut dazu aufbringen kann.

Zum Schluss fragt sich, was es nur sein kann, das von außerhalb kommend vom selbsttätigen Denken abzulenken geeignet ist.


Aaron


Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.029

17.06.2009 19:03
#11 Wer ist der Mensch? Antworten

In Antwort auf:
Es heißt, man müsse erst einmal verdauen, was noch nicht verstanden wurde; man brauche eben noch Zeit. Das heißt, ein Verstehen kann nicht von außen gegeben werden, sondern verlangt eine innere denkerische Selbsttätigkeit, die zur Verarbeitung eben Zeit braucht.
Naja, die geistige Verdauungstätigkeit würde ich auch nicht unbedingt mit der biologischen Verdauungstätigkeit vergleichen. Dann würde das erfolgreiche Ergebnis ja das, was hinten rauskommt, sein.... Nein, das erfolgreiche Ergebnis der biologischen Verdauung sind natürlich Fett und Fleisch.
Denken erfordert Abstand von den Trieben, jedenfalls eine zeitlang - für eine Stunde, zwei, oder ein paar Minuten. Täglich. Es gibt auch einen Denktrieb. Der muss geschult werden, um Erfolge zu haben. Wir Menschen sind nun mal so. Denken bedingt auch ein Aus-sich-Heraustreten, sind wir uns einig. Aber warum erwähnst du das hier? Ich verstehe deine Intention nicht.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.029

25.06.2009 08:55
#12 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

In Antwort auf:
Zitat von Gysi: "Hallo Aaron, herzlich wilkommen hier im RF!" Vielen Dank für die freundliche Begrüßung!
Und ich möchte mich bei dir für die freundliche Antwort auf meinen Beitrag bedanken!

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

25.06.2009 14:08
#13 RE: Wer ist der Mensch? Antworten

Dabei ist der Thread doch so einfach zu den Akten zu legen.
Schließlich weiß doch jeder:


Der Mensch ist, was er ißt.

Aaron M. Offline



Beiträge: 5

03.08.2009 16:20
#14 Was ist Philosophie? Antworten

Thema: Von der Philosphie

Philosophie wird allgemeinhin mit "Liebe zur Weisheit" übersetzt. Es fragt sich daher, was "Liebe" als auch "Weisheit" bedeuten.

Aaron

Reinecke ( gelöscht )
Beiträge:

03.08.2009 16:40
#15 RE: Was ist Philosophie? Antworten

In Antwort auf:
Philosophie wird allgemeinhin mit "Liebe zur Weisheit" übersetzt. Es fragt sich daher, was "Liebe" als auch "Weisheit" bedeuten.


Nur, wenn einem jegliche Kenntnisse des Altgriechischen abgehen.

Die Silbe "Philo" steht hier für "Freund" (so kenne ich das übersetzt); ähnlich gebildet werden bspw Begriffe wie Philosemitismus, Philohellnismus, oder auch Fachworte wie thermophil (für hitzeliebende Bakterien/Archaen).

Die Silbe "Sophie" bezieht sich auf die Weisheit; taucht auch in eine Millionen Fremdworten auf, bspw Anthroposophie oder Theosophie; am besten gefällt mir aber die Eselsbrücke über den Frauennamen Sophia/Sophie, der wörtl. übersetzt nicht anderes bedeutet als "Weisheit".

Aaron M. Offline



Beiträge: 5

02.09.2009 16:30
#16 RE: Was ist Philosophie? Antworten

Thema: Was ist Philosophie?

Die Frage nach der Herkunft des Menschen, nach seinem Wohin und nach dem Sinn des Lebens überhaupt, hat die Eigenart, dass sie nur dem Menschen möglich ist. Er hat die Freiheit der Wahl, wie und wonach er sich in diesen Fragen entscheidet - auch dieses zeigt eine Eigenart des Menschen an. Er kann nach des Menschen Herkunft in rein körperlich-materiellem Sinne fragen, wie es die Wissenschaft versucht, oder er fragt in geistigem Sinne, wie es die Philosophie praktiziert. Hingegen neigt man im Zuge der modernen Naturwissenschaft und der Macht ihrer materialistischen Anschauung dazu, in der Philosophie sich allzu gerne auf sie zu beziehen, was ihren Grad an geistiger Ausrichtung entsprechend schwächt.

Wir wollen uns hier nach philosophischen Gesichtspunkten ausrichten; denn diese erst berühren die hohe Sensibilität nach Befriedigung des natürlichen Bedürfnisses, Erkenntnis über das geheime Wesen des Menschen und der Welt sich zu erringen.
Und doch ist es gerade dieses Bedürfnis, es ist seine große Sensibilität, die droht, ihn instabil zu machen, die ihn leicht ins Schwanken geraten lässt und er so für Suggestionen vielfältiger Art umso empfänglicher und verführbarer ist. Aber das zeigt auf der anderen Seite, wie wichtig es besonders für junge Menschen ist, eine notwendig geistige Orientierung zum Wohle des höheren Teils der Seele sich zu erwerben, indem sich Aufschluss über das geheime Wesen des Menschen und das der Welt in einem stetigen Ringen durch eigene denkerische Tätigkeit verschafft wird.

Philosophie als "Liebe zur Weisheit" ist etwas, das sich ein Mensch erst im Laufe eines langen Lebens erwirbt. Er mag als junger Mensch bereits die Neigung zur Philosophie haben, doch Weisheit ist nur dem Älteren beschieden, wenngleich sie nie ein Ende findet, wie im Leben auch nie ausgelernt werden kann. Man hat sich als Älterer mit der Welt gerieben, seine Ecken und Kanten abgeschliffen und einen Reichtum an Erfahrungen gesammelt. Wie der Mensch die Möglichkeit hat, seine Fragen körperlich-materiell oder geistig auszurichten, so kommt es auch hier darauf an, wie er seine Lebenserfahrungen verwertet. Welche Einstellung findet er zum Leben? Ist es ein Kampf, bei dem es darum geht, seine persönlichen Interessen durchzusetzen oder betrachtet er das Leben mit einem inneren Abstand aus einer höheren Warte? Wer sich in den Dingen des weltlichen Lebens zu seinem persönlichen Vorteil besser durchschlängeln will, ist nicht weise, sondern klug. Gemäß der Redewendung, der kluge Mann baue vor, plant der Kluge sein Leben auf lange Sicht und bedenkt die Konsequenzen seines Tuns. Infolge seiner Voraussicht wird verständlich, dass der Kluge vorsichtig oder gar ängstlich wird, seinen Erwerb durch unvorhersehbare Ereignisse wieder zu verlieren. Um dem zu entgehen, neigt er zur Kontrolle der Lebensumstände, die ihre Leichtigkeit und Ursprünglichkeit allmählich verlieren. Die Klugheit ist immer mit einem egoistischen Zug verbunden, selbst dann, wenn der Klügere nachgibt. Das scheint vordergründig weise zu wirken, doch tut er das nur dann, wenn er sich einen Vorteil daraus verspricht. Wer das nicht durchschaut, wird sich vielleicht zum ausgleichenden Gegenspruch genötigt fühlen, wie es Anfang der 80er Jahre modern war: Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dümmere ist.

Der Kluge und der Weise leben beide in der Welt, der Kluge jedoch lebt zusätzlich mit der Welt. Der Weise hingegen hat gelernt, dass es auf die persönliche Durchsetzung der Eigeninteressen nicht ankommt, sondern dass der Sinn des Lebens in einem Höheren liegt. Weisheit ist demnach nicht klüger als Klugheit, sie ist nicht die klügere Variante der Klugheit und stellt keine Steigerung des Klugen dar, wie es häufig gemeint wird. Der Weise wird in den Ereignissen und seinen Erfahrungen stets das Höhere suchen. Seine überpersönliche höhere Warte sieht von der Besonderheit des Einzelfalles ab und sucht das Allgemeine bzw. das zugrunde liegende höhere Gesetz zu erkennen. Dort befindet sich auch die Eigenschaft des menschlichen Verstehens, die sich mit der Herzensgüte paart. Sie ist dem Weisen keine fertig in die Wiege gelegte Eigenschaft, sondern erwirbt sich erst durch manchen Rückschlag und manch bittere Enttäuschung.


Die folgende Fabel "Der Rabe und der Fuchs" von Jean de la Fontaine soll beispielhaft zeigen, wie Klugheit durch die List der Schmeichelei die Eitelkeit des anderen benutzen kann, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen:

Der Rabe und der Fuchs

Ein Rabe saß auf einem Baum und hielt im Schnabel einen Käse; den wollte er verzehren. Da kam ein Fuchs daher, der vom Geruch des Käses angelockt war. "Ah, guten Tag, Herr von Rabe!" rief der Fuchs. "Wie wunderbar Sie aussehen! Wenn Ihr Gesang ebenso schön ist wie Ihr Gefieder, dann sind Sie der Schönste von allen hier im Walde!" Das schmeichelte dem Raben, und das Herz schlug ihm vor Freude höher. Um nun auch seine schöne Stimme zu zeigen, machte er den Schnabel weit auf - da fiel der Käse hinunter. Der Fuchs schnappte ihn auf und sagte: "Mein guter Mann, nun haben Sie es selbst erfahren: ein Schmeichler lebt auf Kosten dessen, der ihn anhört - diese Lehre ist mit einem Käse wohl nicht zu teuer bezahlt." Der Rabe, bestürzt und beschämt, schwur sich zu, dass man ihn so nicht wieder anführen sollte - aber es war ein bisschen zu spät.


Der Weise als Lehrer, Ratgeber und Richter

Der weise Lehrer wird mit seinen Schülern auf die Suche nach den tieferen Gesetzen der Dinge gehen und die geistigen Zusammenhänge suchen. Der kluge Lehrer wird seinen Schülern möglichst viel Lebenspraktisches vermitteln, damit sie sich in der Welt einen Vorteil verschaffen können.

Als Ratgeber wird der Weise dem Fragenden nicht raten, sich in der Angelegenheit möglichst vorteilhaft zu verhalten, wie es der Kluge täte, er wird vielmehr die Frage auf eine höhere Ebene des Bewusstseins tragen, wo eine ganz unerwartete Antwort steht.

In der biblischen Anekdote - 1 Kön 3, 16-28 - wird von zwei Müttern berichtet, die ihren Streit um den rechtmäßigen Besitz eines Kindes vor dem König als Richter bringen. Die eine beschuldigt die andere, sie habe im Schlaf ihr eigenes Kind erdrückt und danach das tote Kind gegen das lebendige vertauscht, das ihr, der Klägerin, gehöre. Da die Beschuldigte die Richtigkeit dieser Darstellung bestreitet und ihrerseits Anspruch auf das lebende Kind erhebt, lässt der König ein Schwert bringen und befiehlt, das Kind zu teilen. Da verzichtete die leibliche Mutter auf ihr Kind und weist sich durch eben diesen Verzicht, der ihre wahre Liebe offenbart, als die echte Mutter aus. "Das mütterliche Herz entbrannte über ihren Sohn".

Berthold Brecht hat vielleicht anlehnend an diese biblische Anekdote seine allgemein bekannte Erzählung "Der Augsburger Kreidekreis" geschrieben. Auch er lässt das Höhere, die mütterliche Liebe nämlich, durch eine ähnlich dramatische Aktion eines Richters über das Niedere siegen.

Wir können in unserem Leben nicht gleich so dramatisch das Schwert zu einer Entscheidung herbeibringen, wie es der König in der Anekdote tut. Doch können wir das "Schwert der Entscheidung" anderweitig herbeiholen? Nehmen wir ein Beispiel, wie es jeden Tag irgendwo vorkommt: Ein Junge wird von einer Gruppe Jugendlicher regelmäßig gehänselt, was ihn zur Tobsucht treibt. Er fragt nun um Rat. Was kann ihm geraten werden? Wozu sollte er sich entscheiden, das ihm das Höhere aus der Situation zu erkennen verhilft?

Aaron

Xeres Offline




Beiträge: 2.587

02.09.2009 16:45
#17 RE: Was ist Philosophie? Antworten

Ich möchte dich darauf hinweisen, dass du, wenn du diesen Text nicht selbst verfasst hast, zumindest eine Quelle mit angeben musst.
Außerdem sind riesige Predigten hier nicht gerne gesehen - und werden aufgrund ihrer Größe ungern gelesen.

__________________________________________________
Galaxy Zoo, where you can help astronomers explore the Universe

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 19.029

02.09.2009 16:49
#18 Was ist Philosophie? Antworten

Was willst du sagen? Etwa etwas zum Threadthema? Oder wie man mit vielen getragenen Worten - nichts sagen kann?

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

18.09.2009 15:02
#19 RE: Was ist Philosophie? Antworten

Zitat von Gysi
Was willst du sagen? Etwa etwas zum Threadthema? Oder wie man mit vielen getragenen Worten - nichts sagen kann?



Genau!
Besser ist es mit wenigen, nicht getragenen Wörtern nichts zu sagen.
Das ist weniger anstrengend.

Aaron M. Offline



Beiträge: 5

02.12.2009 19:42
#20 Evolutionstheorie und Bewusstsein Antworten

Evolutionstheorie und Bewusstsein

Die heutige Evolutionstheorie hat ihre Ausgangsbasis etwa im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Davon blieb nur noch die Idee übrig, dass der Mensch sich aus dem Tierreich heraus entwickelt hätte. Wie sah aber die gesamte Idee aus? Das ist ganz einfach. Es hat sich ja ein materialistisches Zeitalter im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, das eben glaubt, alles habe sich aus der toten, unbewussten Materie heraus zum Leben entwickelt. Die tote Materie ist das Mineralreich, alles Leben hätte sich daraus entwickelt. Zunächst sollen es die Pflanzen gewesen sein, die nur komplizierter aufgebaut seien als der Stein. Schließlich hätten sich aus den Pflanzen die noch komplizierteren Tiere entwickelt und zum guten Schluss der höchst entwickelte Mensch aus dem Tier.

Nun, wenn der Mensch lediglich aus der toten Materie besteht, wie kann er sich dann über sich selbst bewusst sein? Dies zeigt deutlich, dass der Mensch mehr als nur aus Materie besteht. Er besitzt zweifellos einen materiellen Körper, aber über diesen hinausgehend besitzt er zudem Bewusstsein, das nicht aus der toten Materie stammen kann, und sei sie noch so komplex zusammengestellt - Materie bleibt tot.

Die Existenz eines Bewusstseins, ja, eines Ich-Bewusstseins des Menschen ist auch für den Materialisten unbestritten, nur entstammt das Bewusstsein für ihn aus der Materie. Und da er dies glaubt, muss er mittels materialistischer Methoden nachweisen, dass das Leben aus der Materie entstanden ist, die als Urgrund und Schöpfer gesehen wird. Dadurch wird eine göttliche Schöpfung ausgeschlossen, was sich "Positivismus" nennt. Er meint genauer den Ausschluss alles transzendenten Wirkens und vereinigt sich günstig mit dem Materialismus, der eben besagt, alles Leben entstamme der Materie.

Auf diesem Grundsatz der Materie wird alles weitere gedanklich und methodisch aufgebaut. Jeder Gedanke, jeder Äußerung und jeder Handlung eines Naturwissenschaftlers liegt dieser Grundsatz unausgesprochen und von der Bevölkerung unerkannt zugrunde. Die Richtung der Entwicklung geht für den Materialisten (oder für den Positivismus) von unten, dem Mineralreich, nach oben, wo der Mensch als ein aus der Natur heraus höchst entwickeltes Lebewesen im Sinne des Materialismus gerade steht, dem ein Höheres nicht übersteht, während ein spirituelles Wirken von einem von oben nach unten gehenden transzendenten Wirken ausgeht.

Materialismus bedeutet also, dass alles Leben aus der Materie entstanden sein soll. Transzendenz oder Spiritualität meint, dass der Ursprung allen Lebens durch ein schöpferisches Wirken eines transzendenten Gottes entstanden sei.

Aaron

kereng Offline




Beiträge: 310

03.12.2009 07:41
#21 RE: Evolutionstheorie und Fortbewegung Antworten

Um deine nicht vorhandene Argumentation mal auf Autos anzuwenden:

Nun, wenn das Auto lediglich aus der toten Materie besteht, wie kann es dann fahren? Dies zeigt deutlich, dass das Auto aus mehr als nur Materie besteht. Es besitzt zweifellos einen materiellen Körper, aber über diesen hinausgehend besitzt es zudem Fortbewegung, die nicht aus der toten Materie stammen kann, und sei sie noch so komplex zusammengestellt - Materie bleibt antriebslos.

Die Existenz einer Fortbewegung, ja, eines eigenen Antriebs des Autos ist auch für den Materialisten unbestritten, nur entstammt die Fortbewegung für ihn aus der Materie. Und da er dies glaubt, muss er mittels materialistischer Methoden nachweisen, dass die Bewegung aus der Materie entstanden ist, die als Urgrund und Schöpfer gesehen wird. Dadurch wird eine göttliche Schöpfung ausgeschlossen.

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

03.12.2009 07:55
#22 RE: Evolutionstheorie und Fortbewegung Antworten

Mist, kereng, bisher konnte ich esotherischen Missionierungsversuchen widerstehen.

Du hast mich nun erwischt.

Wer könnte da noch die Seele selbst bei unbelebten Dingen leugnen, nachdem er deine klare Beweisführung gelesen hat.

 Sprung  
________________________________________

"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

________________________________________

=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

... Platz für Verlinkungsaustausche ...

VORSICHT! Vertrauensunwürdige Werbung!

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor
Datenschutz