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Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 84 Antworten
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 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
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Walter Offline

Kontrapunkteur
Beiträge: 234

20.07.2009 17:21
RE: Walter stellt sich vor antworten

Mir fällt gerade auf, dass meine Signatur gut dazu passt: Das Ich existiert weder noch existiert es nicht; es existiert bloß nicht so, wie wir uns es vorstellen, nämlich nicht von sich aus.

Sein und Eternalismus
Und Nichtsein oder Nihilismus -
Der Weise hält sich weder an Sein noch an Nichtsein.
-Nagarjuna

Gysi Offline

Atheist
Beiträge: 7.072


20.07.2009 18:01
Walter stellt sich vor antworten

In Antwort auf:
Es ist ein Missverständnis, zu glauben, der Buddhismus lehre, dass es kein Ich (bzw. keine Unterschiede zwischen den Menschen, kein Gefühl eines festen Selbst) gebe.
Wenn das ein Missverständnis ist, dann bedienen sich die buddhistischen Schulen einer lausigen Rhetorik!
In Antwort auf:
Das Gefühl, eine, wie du schreibst, eigenständige Insel zu sein, ist laut Buddhismus ja der Grund für das Leiden.
"Wir Menschen sind nicht nur Einzelwesen, sondern auch zoon politikons!" (Gemeinschaftswesen) (Karl Marx) Hat er da was vom Buddhismus abgeguckt? Nee. Die Erkenntnis, als Individuum nur - oder zumindest deutlich besser - durch die Gemeinschaft leben zu können, braucht nicht das Wunder einer buddhistischen Erleuchtung. Und das, was ist und uns guttut, scheint man auch besser als mit religiösen Vermengungen ausdrücken zu können...

_____________________________________________
Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

Relix Offline

Wertekiller
Beiträge: 3.347


20.07.2009 19:50
RE: Walter stellt sich vor antworten

Waaaahhh! Schock! Wut! Schrecken!

Wer mit solch einer Selbstverständlichkeit sämtliche Erkenntnisse meines Lebens mit einem Streich zu ermorden versucht, den kann ich nur als gefährlich einstufen!
Und noch dazu mit Meditation...

Beobachten, Nachdenken, Analysieren, das ist der Weg zur Wahrheit (und zur Weisheit), verdammt! Bestenfalls ohne Dogmen, ohne "Fundamente", ohne "Werte" und ohne Lehrer!

Aber schön, dann wollen wir mal:

In Antwort auf:
Man muss differenzieren zwischen dem natürlichen Überlebensinstinkt und dem Egoismus. Dieser ist irrational, weil das Ego nicht inhärent existiert.


NEIN! NEIN! NEIN! Das ist verdammt nochmal nicht irrational! Du gehst von dir genehmen Axiomen aus, die du dann meinetwegen logisch weiterverfolgst - aber wenn man diese (mE nach falschen!) Axiome streicht, kommt man zu völlig rationalen, aber konträren Ergebnissen. Z.B. NICHTS existiert, ausser das Ich. Perfekt rational. Schonmal von Erkenntnistheorie gehört Die anderen Wesen, die du siehst, du fühlst nicht ihre Gefühle, denkst nicht ihre Gedanken, bist nicht SIE. Du kannst nur von dir selbst, von deinem Ego ausgehen. Alles andere ist von meiner Perspektive nicht nur irrational, sondern schier absurd.
Du bist nicht die anderen Menschen, die kannst sie nicht sein, du kannst nur du selbst sein. Du kannst weder objektiv wissen, ob die "Welt" wirklich existiert noch ob überhaupt andere Wesen existiert.
Selbst du musst nicht zwangsläufig existieren, da du allerdings die Existenz aus deiner Position zu wahrnehmen scheinst, ist es wohl praktisch notwendig, zumindest dies anzunehmen.

In Antwort auf:
Da ist nichts, was man greifen kann, kein von sich aus existierendes "Selbst". Das hat der Buddhismus schon vor 2500 Jahren behauptet, die Neurologie kommt auch langsam nach. (http://www.ich-das-buch.de/)


Nein, das tut sie ganz, ganz bestimmt nicht. Ich habe das Buch zwar nicht gelesen, aber schon aus der Kurzbeschreibung lässt nichts darauf schließen, inwiefern dieses Buch deine Behauptungen stützen soll oder sie gar ansprechen.

In Antwort auf:
Zudem schafft das Gefühl, der Mittelpunkt der Welt zu sein, nichts als Probleme, abgesehen davon, dass es völlig unrealistisch ist.


Nein, ist es nicht. Es ist sogar das Einzige, was wir haben.

In Antwort auf:
Wenn ein Mensch damit Recht hätte, müssten alle Menschen Recht haben - über sechs Milliarden Mittelpunkte der Welt, von Tieren ganz zu schweigen.


Nein. Du bist du. Du bist keine sechs Milliarden Menschen. Du bist keines der weiteren Tiere. Ihre Existenz ist keineswegs eindeutig rational feststellbar, nicht einmal ansatzweise.

In Antwort auf:
Es ist einfach unvernünftig, immer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein, da das "eigene", das "Selbst" also, nicht unabhängig existiert.



Nein, es das Gegenteil von unvernünftig - es ist sogar FAKT, dass sich jedes Lebewesen ausschließlich danach richtet.

In Antwort auf:

Egoismus ist Götzendienst an einer fiktiven Instanz.


Egoismus ist die Grundlage des Lebens und der Evolution. Alles andere ist schierer Wahnsinn.
Wir mögen Herdentiere sein, aber wir haben kein kollektives Bewusstsein! Wir haben nur ein persönliches Bewusstsein!

Wenn das, was du hier ablässt, Erleuchtung sein soll, dann hoffe ich, in die tiefsten Gräben der Finsternis zu fallen.

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"Philosophie besteht aus Fragen, die niemals beantwortet werden können. Religion besteht aus Antworten, die niemals hinterfragt werden dürfen."
-Anonym

Stan Offline

Realist
Beiträge: 4.058

20.07.2009 21:58
RE: Walter stellt sich vor antworten

Ich find auf der Seite keinerlei Hinweise darauf welche Drogen man konsumieren muß

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Leidet ein Mensch an einer Wahnvorstellung, so nennt man es Geisteskrankheit. Leiden viele Menschen an einer Wahnvorstellung, dann nennt man es Religion(Robert M. Pirsig)
Die Realität ist nix für Weicheier (Stan)

Relix Offline

Wertekiller
Beiträge: 3.347


20.07.2009 23:16
RE: Walter stellt sich vor antworten

In Antwort auf:
Ich find auf der Seite keinerlei Hinweise darauf welche Drogen man konsumieren muß


Wahrscheinlich egal. Hauptsache reichlich davon.

Dann bist du dein "Ich" ganz, ganz schnell los...

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"Philosophie besteht aus Fragen, die niemals beantwortet werden können. Religion besteht aus Antworten, die niemals hinterfragt werden dürfen."
-Anonym

Walter Offline

Kontrapunkteur
Beiträge: 234

21.07.2009 09:51
RE: Walter stellt sich vor antworten

Ich hätte nicht gedacht, dass dieses Thema die Emotionen so schnell hochkochen lässt.

Zitat von Relix

Beobachten, Nachdenken, Analysieren, das ist der Weg zur Wahrheit (und zur Weisheit), verdammt! Bestenfalls ohne Dogmen, ohne "Fundamente", ohne "Werte" und ohne Lehrer!

Das sagt der Buddhismus auch. Dogmen gibt es nicht.
Zitat von Relix

Nein, das tut sie ganz, ganz bestimmt nicht. Ich habe das Buch zwar nicht gelesen, aber schon aus der Kurzbeschreibung lässt nichts darauf schließen, inwiefern dieses Buch deine Behauptungen stützen soll oder sie gar ansprechen.

Dort steht:
In Antwort auf:
Und so sind wir auch heute noch unaufhörlich damit beschäftigt, unser wahres Selbst zu suchen, zu seinem echten Ausdruck zu bringen, zu erweitern oder zu verbessern. Doch die neuesten Ergbnisse der Neurowissenschaft zeigen: Das »Ich« ist eine bloße Konstruktion!

Ich habe jedenfalls noch nie von einer inhärent existierenden Konstruktion gehört.
Zitat von Relix
Nein, es das Gegenteil von unvernünftig - es ist sogar FAKT, dass sich jedes Lebewesen ausschließlich danach richtet.

Bedeutet das, dass es dadurch automatisch richtig ist? Dies alles führt us zu der Frage zurück, ob das Ego inhärent existiert oder nicht. Der Buddha hat vor 2500 Jahren durch philosophische Logik zur Antwort "Nein" gefunden, heute findet die Wissenschaft durch ihre Methoden dieselbe Antwort.

Ich gebe zu, dass es nicht einfach ist, sich auf diese Frage einzulassen. Es ist auf jeden Fall ein Blick über den Tellerrand, aus dem engen Käfig der eigenen Beschränkungen heraus, mit denen wir uns identifizieren und denen wir das Etikett "Ich" aufkleben. (buddhistische Sichtweise)

Sein und Eternalismus
Und Nichtsein oder Nihilismus -
Der Weise hält sich weder an Sein noch an Nichtsein.
-Nagarjuna

Väterchen_Nurgle Offline


Beiträge: 168


21.07.2009 10:53
RE: Walter stellt sich vor antworten

In Antwort auf:
In Antwort auf:
Und so sind wir auch heute noch unaufhörlich damit beschäftigt, unser wahres Selbst zu suchen, zu seinem echten Ausdruck zu bringen, zu erweitern oder zu verbessern. Doch die neuesten Ergbnisse der Neurowissenschaft zeigen: Das »Ich« ist eine bloße Konstruktion!
Ich habe jedenfalls noch nie von einer inhärent existierenden Konstruktion gehört.


Ich würde sagen: Mein Ich ergibt sich aus der Summe und Struktur der Nervenzellen, die mein Gehirn bilden.

In Antwort auf:
Das sagt der Buddhismus auch. Dogmen gibt es nicht.


Ja natürlich, wie viele andere Religionen - nach eigener Aussage.

In Antwort auf:
Der Buddha hat vor 2500 Jahren durch philosophische Logik zur Antwort "Nein" gefunden, heute findet die Wissenschaft durch ihre Methoden dieselbe Antwort.


Und "ich" behaupte mal Buddha hat keineswegs durch "philosophische Logik" die Ergebnisse der modernen Wissenschaft vorweggenommen (übrigens ist das ein beliebtes Motiv von Religionen selbiges bezüglich ihrer Propheten und heiligen Bücher zu postulieren). Dass du Selbige als Bestätigung für deine Religion umdeutest, ist für mich ein klares Zeichen des Anhängens an Dogmen. Ungefähr die erste Hälfte deines Textes (ich habe nur diesen Abschnitt und nicht das ganze Buch gelesen) bemüht sich darum den freien Willen zur Illusion zu erklären und in diesem Punkt befindet er sich soweit ich sehen kann im Einklang mit der Wissenschaft. Nur was hat diese Erkenntnis mit der bloßen Existenz des Ichs zu tun? Logisch betrachtet, ist es für die bloße Existenz dieses Ichs vollkommen irrelevant ob sein Wille frei oder durch Kausalitäten determiniert ist. Im weiteren Verlauf lässt der Text Logik dan auch außer Acht und postuliert ohne irgendwelche Gründe allerlei Annahmen auf die wiederum ohne logisch zwingende Gründe weitere Annahmen aufgebaut werden u.s.w. bis hin zu diesem "typisch fernöstlichen" Elfenbeinturm Philosophie-Religions-Gemisch, das glaubt mit seinem nach Innen gerichteten auf Empirie, Beobachtung und Mathematik verzichtenden Denken die grundlegenden Eigenschaften des Universums herausgefunden zu haben sowie die Passivität zur Kardinalstugend erhebt. Das sollt ihr Buddhisten von mir aus glauben aber versucht nicht mir zu erzählen, dass diese haltlosen Spekulationen irgendetwas mit Logik zu tun hätten oder durch die Wissenschaft abgedeckt wären.

Gruss
Väterchen Nurgle

Relix Offline

Wertekiller
Beiträge: 3.347


21.07.2009 11:32
RE: Walter stellt sich vor antworten

In Antwort auf:
Ich habe jedenfalls noch nie von einer inhärent existierenden Konstruktion gehört.


Du hast ein Bewusstsein, oder? Die Grundlagen der Konstruktion sind immer da, die Feinheiten werden erst im Laufe der Zeit herausgebildet.

In Antwort auf:
Bedeutet das, dass es dadurch automatisch richtig ist? Dies alles führt us zu der Frage zurück, ob das Ego inhärent existiert oder nicht. Der Buddha hat vor 2500 Jahren durch philosophische Logik zur Antwort "Nein" gefunden, heute findet die Wissenschaft durch ihre Methoden dieselbe Antwort.


Ähm, nein. Die "Wissenschaft", also in diesem Falle das von dir vorgestellte Buch, stellt fest, dass das Ego nicht festgefahren ist. Die fixe Persönlichkeit eines Menschen ist eine Illusion, gibt es also garnicht, oho. Weiters ist diese streng determiniert, kein freier Wille ins Sicht. Keine Ahnung, was an diesen Erkenntnissen so toll sein soll - für mich sind sie selbstverständlich. Das Buch mag postulieren (vermutlich um Verkaufszahlen anzukurbeln) das "Ich" würde nicht existieren, allerdings meinen sie damit nur das festgefahrene, fixe Ich - und nicht das Bewusstsein schlechthin, das für Jeden heraus sogar das ist, was noch am ehesten existieren kann.
Die Persönlichkeit eines Menschen mag determiniert, austauschbar oder sonstwas sein, aber es gibt keinerlei Alternative zu ihr.

Im Buch mag zwar stehen, wir sollen uns auf das "wir" konzentrieren, aber das ist reinster, unwissenschaftlicher, Populismus (der nicht einen Funken von Sinn ergibt, da tausend Mal "nichts" ja auch wohl kaum ein "etwas" macht) - sowohl dort als auch in Buddhismus.
So schreiben die Leute in dem Buch ja selbst, dass die Realität bloß die Interpretation des Gehirns von Nervenimpulsen ist - dementsprechend ebenfalls nicht festgefahren, sondern (nach der gewöhnungsbedürftigen Sichtweise der Autoren) "nichts".
Grundsätzlich führt dies nur dazu, dass genau genommen, ALLES eine "Illusion" ist, weder eine neue oder noch eine nützliche "Erkenntnis".

In Antwort auf:
h gebe zu, dass es nicht einfach ist, sich auf diese Frage einzulassen.


Doch. Eigentlich ist es ziemlich einfach - und völlig frucht- und zwecklos.

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-Anonym

Walter Offline

Kontrapunkteur
Beiträge: 234

21.07.2009 12:09
RE: Walter stellt sich vor antworten

Zitat von Väterchen_Nurgle
Nur was hat diese Erkenntnis mit der bloßen Existenz des Ichs zu tun? Logisch betrachtet, ist es für die bloße Existenz dieses Ichs vollkommen irrelevant ob sein Wille frei oder durch Kausalitäten determiniert ist.

Um freien Willen ging es doch auch gar nicht (das wäre eine noch längere Diskussion), sondern darum, ob dieses "Ich" irgendwo einen festen Kern hat oder nicht.
Zitat von Väterchen_Nurgle
Im weiteren Verlauf lässt der Text Logik dan auch außer Acht und postuliert ohne irgendwelche Gründe allerlei Annahmen auf die wiederum ohne logisch zwingende Gründe weitere Annahmen aufgebaut werden u.s.w. bis hin zu diesem "typisch fernöstlichen" Elfenbeinturm Philosophie-Religions-Gemisch, das glaubt mit seinem nach Innen gerichteten auf Empirie, Beobachtung und Mathematik verzichtenden Denken die grundlegenden Eigenschaften des Universums herausgefunden zu haben sowie die Passivität zur Kardinalstugend erhebt.

Moment mal, du greifst jetzt viel zu weit voraus. Wie ich schon sagte, ist es falsch, von einem "Philosophie-Religions-Gemisch" zu sprechen, weil diese Begriffe in Asien einfach anders definiert sind. Man muss nur seine abendländische Brille abnehmen, dann versteht man, dass Religion (oder allgemeiner: "Spiritualität") nur die konsequente Fortsetzung der Philosophie ist. Philosophie bildet - so jedenfalls die buddhistische Sicht - die theoretischen Grundlagen für die eigene, persönliche Entwicklung, ohne diese einem die tollsten abstrakten Gedankengebäude nichts nützen.
Zu deinem nächsten Vorwurf: das ist so nicht richtig. Man verzichtet nur auf die Mathematik; Meditation ohne Beobachtung und Empirie ist wertlos. Es ist vielmehr nötig, seinen eigenen Gewohnheiten und Denkmustern gegenüber wach und kritisch zu bleiben und unheilsame Tendenzen zu überwinden - natürlich ohne sich selbst gegenüber destruktiv zu werden; der Geist ist kein Schlachtfeld
Das nächste: Passivität als Kardinaltugend? Liegt hier vielleicht ein falsches, passivistisches Verständnis der Karma-Theorie vor? Die Auffassung, dass Karma ein irgendwie "gottgebenes" Schicksal sei, ist leider weit verbreitet. Im buddhistischen Sinne (im Hinduismus ist es meines Wissens etwas anders) ist Karma ein Begriff für alle Voraussetzungen, Anlagen, Tendenzen und sonstigen geistigen Mustern, die man über viele Leben hinweg angesammelt hat. Eine Diskussion über Wiedergeburt würde jetzt zu weit führen, ich möchte nur betonen, dass die buddhistische Karma-Theorie nichts mit Passivität und Schicksalsergebenheit zu tun hat, sondern Karma mehr als eine Art Kreditrahmen sieht. Soll heißen: wir sind frei, in dem, was wir tun, haben aber nun mal unsere Macken und Beschränkungen.

Sein und Eternalismus
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-Nagarjuna

Walter Offline

Kontrapunkteur
Beiträge: 234

21.07.2009 12:27
RE: Walter stellt sich vor antworten

Zitat von Relix
Du hast ein Bewusstsein, oder? Die Grundlagen der Konstruktion sind immer da, die Feinheiten werden erst im Laufe der Zeit herausgebildet.

Man muss sehen, um was für ein "Bewusstsein" es sich handelt. Meine Schule - nicht der gesamte Buddhismus - spricht von einem allem zugrundeliegenden "Speicherbewusstsein", das nackte Wahrnehmung ist. Dies ist aber non-dual und universell, weshalb es falsch wäre von einem "Ich" zu sprechen, den "Ich" ist immer ein Gegensatz zum "Du" und zu allem anderen, "äußeren". Das Gefühl eines fest und unabhängig existierenden Ichs - laut Buddhismus ein Fehlschluss - ist etwas anderes. Das "Urbewusstsein" ist reines Gewahrsein, jenseits von Merkmalen, Konzepten und Kategorien, zudem gibt es in diesem Gewahrsein keinen Unterschied zwischen "mir" und "allem anderen", da die Illusion der Dualität überwunden ist. Wer den Zustand der Erkenntnis dieses Urbewusstseins erreicht hat, hat "sich selbst" gegenüber Behauptungen wie "NICHTS existiert, ausser das Ich" und "Wir haben nur ein persönliches Bewusstsein!" wiederlegt.

Ich möchte nochmal betonen, dass ich hier nur im Interesse des Dialogs der Weltanschauungen die buddhistische Theorie wiedergebe und keinesfalls behaupte, "erleuchtet" zu sein!

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Walter Offline

Kontrapunkteur
Beiträge: 234

21.07.2009 12:31
RE: Walter stellt sich vor antworten

Zitat von Relix
Die Persönlichkeit eines Menschen mag determiniert, austauschbar oder sonstwas sein, aber es gibt keinerlei Alternative zu ihr

Wenn sie austauschbar ist, könnte man sie doch permanent wechseln. Dann gäbe es doch unendlich Alternativen. Die Frage ist m. E. eher, ob es eine Alternative zum Prinzip der Identifikation gibt, aus der dann das Gefühl einer festen Persönlichkeit entsteht.

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Relix Offline

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21.07.2009 14:50
RE: Walter stellt sich vor antworten

In Antwort auf:
Man muss nur seine abendländische Brille abnehmen, dann versteht man, dass Religion (oder allgemeiner: "Spiritualität") nur die konsequente Fortsetzung der Philosophie ist.


Ich - und ich denke Nurgle denkt ebenso - bin sehr zufrieden, mit der "abendländischen" Sicht, denn eine Philosophie, deren Fortführung die Religion ist, war nach meinem Verständnis niemals Philosophie. Wenn die fernöstliche "Philosophie" so gestrickt ist, dann kann sie meinetwegen ins Nirvana fahren - und dort bleiben.

In Antwort auf:
Das "Urbewusstsein" ist reines Gewahrsein, jenseits von Merkmalen, Konzepten und Kategorien, zudem gibt es in diesem Gewahrsein keinen Unterschied zwischen "mir" und "allem anderen", da die Illusion der Dualität überwunden ist.


Das ist aber leider weder Wissenschaft noch (der abendländischen Brile nach) Philosophie. Das ist eine leere Behauptung, daher Religion/Glaube/Spiritualität/Unsinn

In Antwort auf:
Die Frage ist m. E. eher, ob es eine Alternative zum Prinzip der Identifikation gibt, aus der dann das Gefühl einer festen Persönlichkeit entsteht.


Das habe ich gemeint, und NEIN geantwortet.

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Walter Offline

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22.07.2009 11:00
RE: Walter stellt sich vor antworten

Zitat von Relix
Ich - und ich denke Nurgle denkt ebenso - bin sehr zufrieden, mit der "abendländischen" Sicht, denn eine Philosophie, deren Fortführung die Religion ist, war nach meinem Verständnis niemals Philosophie. Wenn die fernöstliche "Philosophie" so gestrickt ist, dann kann sie meinetwegen ins Nirvana fahren - und dort bleiben.

Vielleicht hätte ich stärker betonen sollen, dass Spiritualität im Sinne der inneren Entwicklung aus "morgenländischer" Sicht die Fortführung der Philosophie ist; diese Entwicklung besteht dann weder darin, sich von "Gurus" ausbeuten zu lassen noch exotische Räuche zu inhalieren, sondern konsequent eine "Brille" nach der anderen abzunehmen.
Zitat von Relix
Das ist aber leider weder Wissenschaft noch (der abendländischen Brile nach) Philosophie. Das ist eine leere Behauptung, daher Religion/Glaube/Spiritualität/Unsinn

Hm, das ist auch eine Frage der Sicht. Meiner Ansicht nach ist das nämlich eine recht brauchbare Arbeitshypothese, schon deshalb, weil sie ohne ein festes, diktatorisches Ego auskommt. Ist diese "Urbewusstseins-Theorie" nicht ein guter Kompromiss zwischen "Ich" und "Nicht-Ich"? Es wird kein Licht im Oberstübchen ausgeknipst (das meintest du wahrscheinlich damit, dass das Bewusstsein immer da ist), in selbigem Oberstübchen residiert aber auch kein breitbeiniger Hausherr namens Ich, sondern eine Menge Geistesfaktoren, von denen aber keines greifbar (im Sinne von fest, ewig, unveränderlich) wäre; nichts, was man "Ich" nennen könnte.

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Relix Offline

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22.07.2009 11:06
RE: Walter stellt sich vor antworten

In Antwort auf:
sondern konsequent eine "Brille" nach der anderen abzunehmen.


Scheint meiner Meinung nach nur nicht zu funktionieren und praktisch auf etwas ganz anderes hinauszulaufen.

In Antwort auf:
Meiner Ansicht nach ist das nämlich eine recht brauchbare Arbeitshypothese, schon deshalb, weil sie ohne ein festes, diktatorisches Ego auskommt.


Nein. Eine Arbeitshypothese besteht nicht aus nur einem Fakt und einer beliebigen Anzahl an beliebigen Inhalten, die darin vorkommen, "weil sie einem gefallen".

In Antwort auf:
Ist diese "Urbewusstseins-Theorie" nicht ein guter Kompromiss zwischen "Ich" und "Nicht-Ich"?


Nein.

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Walter Offline

Kontrapunkteur
Beiträge: 234

22.07.2009 11:32
RE: Walter stellt sich vor antworten

Zitat von Relix
Scheint meiner Meinung nach nur nicht zu funktionieren und praktisch auf etwas ganz anderes hinauszulaufen.

Beurteile den gesamten Buddhismus nicht an einem einzigen seiner Vertreter. Meine Erleuchtung ist noch in Arbeit, die zentrale Spiritualitäts-Dienstleistungstelle sagt aber, es könne nicht mehr lange dauern.

Spaß beiseite.
Zitat von Relix
Nein. Eine Arbeitshypothese besteht nicht aus nur einem Fakt und einer beliebigen Anzahl an beliebigen Inhalten, die darin vorkommen, "weil sie einem gefallen".

Es scheint mir einfach logisch; der mittlere Weg zwischen "Ich bin" und "Ich bin nicht" ist jedenfalls die schlüssigste Theorie, die mir bis dato untergekommen ist. Und weshalb soll sie nun beliebig sein?
Zitat von Relix
Nein.

Was für ein philosophisches Meisterwerk.....diese klare Beweisführung, diese präzise Logik...

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