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Dieses Thema hat 69 Antworten
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 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
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Walter Offline

Kontrapunkteur

Beiträge: 236

17.04.2010 23:27
#51 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat von Alinardus
Ich habe das komplette "Totenbuch" gelesen. Aller 12 Kapitel.


Tatsächlich? Die Gyurme-Dorje-Ausgabe von 2008 mit einem Vorwort des Dalai Lama?

Zitat von Alinardus
Ich finde hier wird die Vermischung mit den Gedanke, welche noch aus der Bön Religion stammen deutlich. Das ist ja ein sehr stark mit Geistern und Dämonen angehauchter Glaube.


Das Gerücht hält sich hartnäckig. Im Bardo Thödol ist aber, wie gesagt, von keinen äußeren Geistern die Rede, sondern von Ausstrahlungen (Emanationen, Manifestationen) des eigenen Gewahrseins - siehe oben. Ich weiß, dass meine Beiträge nicht immer einfach zu verstehen sind, aber wenn du das Totenbuch geschafft hast...

Zitat von Alinardus
Zu den Meditationspraktiken. Ja was ist das nun ist Meditation ein religiöser Akt oder eher ein "philosophischer"(kann man das überhaupt so sagen???) Und handelt es sich um visualisierende oder nur auf geistige Leere gerichtete Meditation? Das kann auch von unterschiedlicher Ausprägung sein. Meditiere ich um einen höheren Bewusstseinszustand per se zu erreichen. Also in gewisser Weise auszusteigen? Oder sehe ich den eher "philosophischen"(bin mir immer noch nicht sicher ob der Begriff passend ist)Ansatz und versuche mir in der Meditation des Momentes und der Leere diese Momentes bewusst zu werden. Das macht für mich so ein bischen den Unterschied aus zwischen Religion und Philosophie. Vllt kannst du dazu noch was sagen Walter du hast sich sicher auch damit schon beschäftigt.


Ich kenne eigentlich nur einen philosophischen Akt in diesem Sinne, und das ist der des Denkens. Wie gesagt, lässt sich der Buddhismus in Theorie und Praxis nicht so einfach in eines dieser beiden Konzepte zwängen.
Nun gibt es unterschiedliche Arten der Meditation. In keiner Meditationsform geht es aber um "geistige Leere" in dem Sinne, dass einfach überhaupt nichts mehr gedacht wird. In der einfachsten Meditationsform lässt man seinen Geist achtsam und gewahr im gegenwärtigen Moment verweilen, ohne aufkommende Gedanken und Gefühle zu unterdrücken oder ihnen nachzulaufen. Gedanken und Gefühle kommen immer auf, da kann man gar nichts gegen machen, und man sollte auch nicht versuchen, seinen Geist künstlich leer davon zu machen. Das würde nur nach hinten losgehen. Man lässt seine Aufkem´rksamkeit auf seinem Meditationsobjekt ruhen; das kann der Atem sein oder ein einfacher Gegenstand, den man ca. einen Meter vor sich platziert hat. In der Meditation geht es dann aber nicht um dieses Objekt; es ist nur ein Hilfsmittel, über das an sich es nichts zu meditieren gibt. Das Objekt ist dazu da, um uns von unserer Ablenkung abzulenken, wie ein heutiger Lehrer es sagt. Diese Meditation ist dazu da, die Konzentration, Klarheit, Entspannung, Wachheit und Aufmerksamkeit zu fördern.
Wichtig: versuche bitte nicht, anhand dieser Erklärung zu meditieren! Meditation muss man, wenn man es denn will, von Mensch zu Mensch lernen. (Ich glaube auch nicht, dass du dich jetzt in den nächsten Meditationskurs stürtzt, Alinardus, ich will nur sagen, dass meine Darstellung alles andere als Ausreichend ist, um Meditation selbst zu lernen.)

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

17.04.2010 23:49
#52 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat
Tatsächlich? Die Gyurme-Dorje-Ausgabe von 2008 mit einem Vorwort des Dalai Lama?



In der Tat, das dicke Rote aus dem Arkana Verlag. Steht bei mir im Regal. Geschafft habe ich es auch.

Was Meditation angeht bin ich nicht ganz Praxisunerfahren. Ich denke ein Vergleich, den du sicher kennen wirst mach das was du erläutert hast sehr deutlich. Das es nicht auf die absolute Leere ankommt wird da denke ich auch klar. War mir aber auch vorherr bewusst. Man denke da an das Herz Sutra.

Na der Satz zur Meditation jedenfalls: So wie man auf Wasser schreibt, gehen Gedanke vorbei ohne Nutzen oder Schaden zu verursachen.

Danke für den Gedankenaustausch.

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Nichts ist wahr, alles ist erlaubt! Die Realität ist das, was du daraus machst!

Walter Offline

Kontrapunkteur

Beiträge: 236

17.04.2010 23:53
#53 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat von Alinardus
Was ich am Buddhismus so "unangenehm" fand, waren die ganzen Verehrungszeremonien. Mir ist klar das Demut eine hehre Personlichkeitseigenschaft ist. Doch im Grunde hat man den Buddhismus nicht verstanden wenn man Buddha verehret. Das ist ja das paradoxe. Buddha selbst sag das immer wieder. Deshalb fand ich den Zen auch am hilfreichsten. Er macht wie ich finde diese Leere am deutlichsten.


Ich gebe weiter an Ricard (wenn du meine Argumentationen in bestimmten anderen Threads kennen würdest, würdest du jetzt genervt die Augen verdrehen):

Zitat von Matthieu Ricard
Sich vor dem Buddha niederzuwerfen ist keine ehrerbietige Huldigung gegenüber einem Gott, sondern gegenüber dem, der die letzte Weisheit verkörpert. Diese Weisheit und die erteilten Lehren haben für den, der Respekt zollt, ungeheuren Wert. Dieser Weisheit zu huldigen ist auch eine Geste der Demut. Sie dient als Heilmittel gegen den Stolz, der ein Hindernis für jede tiefgehende Wandlung ist. Der Stolz verhindert das Zutagetreten der Weisheit und des Mitgefühlt. "Auf der Spitze des Berges kann sich kein Wasser sammeln, und auf der Spitze des Stolzes sammelt sich kein wahrer Verdienst an", sagt ein Sprichwort. Das Sichniederwerfen ist außerdem keine mechanische Geste. Wenn man beide Hände, beide Knie und die Stirn - fünf Punkte also - auf den Boden aufsetzt, will man sich der fünf Gifte Haß, Gier, Nicht-Wissen [bzw. "Unwissenheit", "Ignoranz"], Stolz und Eifersucht entledigen, indem man sie in fünf entsprechende Weisheiten umwandelt. [...]


(Revel, Jean-François; Ricard, Matthieu: Der Mönch und der Philosoph. Buddhismus und Abendland. Ein Dialog zwischen Vater und Sohn, Köln 2008, S. 288.)

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

18.04.2010 00:03
#54 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Das reicht mir schon danke

Zitat
Wenn man beide Hände, beide Knie und die Stirn - fünf Punkte also - auf den Boden aufsetzt, will man sich der fünf Gifte Haß, Gier, Nicht-Wissen [bzw. "Unwissenheit", "Ignoranz"], Stolz und Eifersucht entledigen, indem man sie in fünf entsprechende Weisheiten umwandelt.



Ist schon zu sehr Esoterik, oder?

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Peterrrr Offline



Beiträge: 70

19.04.2010 12:13
#55 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Der Buddhismus von heute ist eine BELEIDIGUNG der WAHREN Lehre des Erhabenen Gautama Buddha. Der "grinsende Narr" Dalai Lama ist schuld daran. HIER
finden sie den WAHREN Buddhismus:

Link gelöscht wegen Spam
PETER

Walter Offline

Kontrapunkteur

Beiträge: 236

19.04.2010 13:39
#56 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat von Alinardus
Ist schon zu sehr Esoterik, oder?


Kommt drauf an, welches der westlichen Konzepte von "Esoterik" du meinst; die ursprüngliche Bedeutung sicher nicht, weil diese Lehren exoterisch sind, also öffentlich, und nicht nur für den "inneren Kreis" bestimmt.

Zitat von Peterrrr
Der Buddhismus von heute ist eine BELEIDIGUNG der WAHREN Lehre des Erhabenen Gautama Buddha. Der "grinsende Narr" Dalai Lama ist schuld daran. HIER
finden sie den WAHREN Buddhismus:
Link gelöscht wegen SpamPETER


"BUDDHISMUS WIE ER SEIN SOLLTE", ohne erkennbare satirische Absicht...

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 635

02.07.2010 16:27
#57 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Finde gut, dass hier buddh. Philosophie behandelt wird.
Habe versucht, den Aufsatz von Tauscher "Die zwei Wirklichkeiten", der hier diskutiert werden soll, über Mittag zu lesen. Ich muss sagen, dass der Text extrem schwierig ist, und ich nicht fertig geworden bin. Es kommen Begriffe vor, die erklärt werden, und es gibt verschiedene Schulen, also Ansichten. Es geht um das Verständnis des "wahren" Wesens der Wirklichkeit oder der Welt, was ein spannendes Thema ist. Vlt. kann uns Walter mit Erläuterungen mehr helfen.

Hier mal zu einem Text auf S. 97 des Ausdrucks von ca. 16 A4-Seiten:
Die konventionelle und die absolute [losgelöste, wovon?]; diese zwei Wirklichkeiten nehmen wir an. Die absolute Wirklichkeit ist nicht Gegenstand des Erkennens [Ist das das Ding/die Dinge an sich, nach Kant, die wir nicht erkennen können?]. Das Erkennen wird als Konvention [Übereinkommen]/Verhüllung bezeichnet.
Dass gemeinsame Erkenntnis auf einer Konvention beruht, erscheint mir vernünftig.

S. 102: Höchstes Objekt d.i. die "wahre" Natur der Gegebenheiten [alles Existierende], "Soheit" und "Leerheit" und anderer Synonyme bezeichnen das "Absolute".- Dieses "höchste Objekt" ist als solches [an sich] die Wirklichkeit; es ist wirklich und wahr, weil es "untrügerisch" ist, d.h. nicht anders erscheint, als es ist.

Diese Begriffe erinnern an die Scholastik. Auf S. 97 wird Wirklichkeit und Wahrheit gleichgesetzt. "Wirklich" gilt für reale Dinge und Sachverhalte [das, was wirkt], und wahr gilt im Sinn von Aristoteles für Aussagen und Erkenntnisse, die mit der Wirklichkeit übereinstimmen. - Das hat mit Denken und Sprache zu tun. Ohne diese gibt es keine "Wahrheit".
Zum Schluss: Was ist der Nutzen des Erkenntnisgewinns dieser ganzen Unterscheidung?

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RELIGION IST HEILBAR! (Buch von J. Hochstrasser, Ex-Priester)
Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).
Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer). - Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde (Nietzsche, Zarathustra).

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

04.07.2010 13:22
#58 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Das mit der konventionellen und der entgültigen Wahrheit ist sicherlich nicht so leicht. Wenn ich das ganz kurz aus meiner sicht wiedergebe, hört sich das ungefähr so an. Vllt hilft dir das seneca, oder es regt die Diskussion neu an.

koventionelle Wahrheit:

Ist so zusagen die profane Welt, das materielle, bzw. die Tatsache, das wir diese Dinge als absolut und konstant ansehen. Dies wird aber von Buddhismus verneint.

entgültige Wahrheit:

Ist die tatsächliche Beschaffenheit der Dinge, und jetzt kommt das komplizierte: Es ist im Grunde mit dem Verstand nicht zu erfassen. In dieser Wahrheit befinden sich alle Phänomene jenseits jeder Dualität. Das heist z.B. das eine Sache an sich weder gut noch böse, weder wertvoll noch wertlos ist. Und das Dinge an sich ohne Bedeutung oder Bezeichnung sind.

In der konventionellen Wahrheit ist die Tatsache, das ein Stuhl ein Stuhl ist unanfechtbar. In der entgültigen Wahrheit ist es nur ein Zusammenschluss von Einzelteilen, die der Mensch als Stuhl bezeichnet.

So würde ich das wiedergeben.... wenn Walter was ergänzen möchte, oder mich verbesser will währe ich da nicht abgeneigt, den er ist ja der Buddhist hier im Forum.

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Walter Offline

Kontrapunkteur

Beiträge: 236

05.07.2010 13:34
#59 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat von Alinardus
koventionelle Wahrheit:

Ist so zusagen die profane Welt, das materielle, bzw. die Tatsache, das wir diese Dinge als absolut und konstant ansehen. Dies wird aber von Buddhismus verneint.


Die koventionelle Wahrheit beruht, wie der Name schon sagt, auf Übereinkunft. Wir sind als Menschen ähnlich veranlagt und würden einen Stuhl deshalb als Stuhl bezeichnen. Für eine Fliege ist derselbe Stuhl aber schon das halbe Universum, wenn sie sich auf ihm befindet. Von den rein sensuellen Unterschieden zwischen den verschiedenen Spezies ganz zu schweigen.

Zitat von Alinardus
entgültige Wahrheit:

Ist die tatsächliche Beschaffenheit der Dinge, und jetzt kommt das komplizierte: Es ist im Grunde mit dem Verstand nicht zu erfassen. In dieser Wahrheit befinden sich alle Phänomene jenseits jeder Dualität. Das heist z.B. das eine Sache an sich weder gut noch böse, weder wertvoll noch wertlos ist. Und das Dinge an sich ohne Bedeutung oder Bezeichnung sind.

In der konventionellen Wahrheit ist die Tatsache, das ein Stuhl ein Stuhl ist unanfechtbar. In der entgültigen Wahrheit ist es nur ein Zusammenschluss von Einzelteilen, die der Mensch als Stuhl bezeichnet.


Nicht mal das ist er wirklich, siehe Anhang (wieder mal "Quantum und Lotus").

Dateianlage:
Chandrakirtis Karren-Argument.PDF
Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

05.07.2010 19:36
#60 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat
Nicht mal das ist er wirklich, siehe Anhang



Wie gesagt... aus meiner Sicht der Dinge, einfach gesprochen. Ausserdem geht das "Erkennen" dieser Wahrheit über das hinnaus, was mit Worten beschrieben werden kann... (mal ganz philosophisch heute)

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seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 635

16.07.2010 14:48
#61 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat
... wir halten die ganzen Gestalten und Erscheinungen (bzw. die Konzepte des Bardo Thödol von ihnen) für real existente äußere Mächte, Götter oder Gottheiten, die den Verstorbenen in einer räumlichen Umgebung erwarten, in die er nach dem Tode geht. Worauf es aber laut „Totenbuch“ ankommt; der entscheidende, kritische Punkt, ist, alle Erscheinungen als Ausstrahlungen des eigenen himmelsgleichen Gewahrseins zu erkennen, die ohne innewohnende Eigennatur sind. Wer das erkennt („durchdringend analysiert“), so das Bardo Thödol, erlangt in einem Augenblick vollständige Erleuchtung. Wer das nicht erkennt, flüchtet in die „fahlen Lichter“ der Zyklischen Existenz, d.h. des Kreislaufs des Leidens.



Habe die Erklärungen zum tibet. Totenbuch mit Gewinn gelesen. Gibt's das auch im Volltext im Internet?.

Nachdem die Menschen einer jahrhundere langen Gehirnwäsche unterlagen, erscheint mir wichtig, dass Himmel und Hölle keine Aufenthalts-Orte sind, sondern (vorübergehende) Zustände [Emanationen oder Radiationen] des je eigenen Gewahrseins ohne selbständige Existenz. Dass die Hölle zuweilen (oder der Himmel) "hienieden" auf Erden ist, kann man wohl nicht bestreiten. Man denke an einen Drogensüchtigen auf Entzug. - Aber das ganze Konzept der Seelenwanderung lehne ich ab, weil mir das Talionsprinzip nicht einleuchtet. Auch das Verhaftetsein überzeugt mich nicht, weil ihm Tode jede/r loslassen muss. Ich bin so frei und übernehme also eklektisch gewisse Sachen aus der buddh. Philosophie. Im Grunde geht es hauptsächlich und die richtige Erkenntnis bzw. Interpretation bzw. diejenige, die mir richtig erscheint.

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RELIGION IST HEILBAR! (Buch von J. Hochstrasser, Ex-Priester)
Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).
Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer). - Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde (Nietzsche, Zarathustra).

Walter Offline

Kontrapunkteur

Beiträge: 236

16.07.2010 15:36
#62 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat von seneca
Habe die Erklärungen zum tibet. Totenbuch mit Gewinn gelesen. Gibt's das auch im Volltext im Internet?.


Nicht, dass ich wüsste.

Zitat von seneca
Aber das ganze Konzept der Seelenwanderung lehne ich ab, weil mir das Talionsprinzip nicht einleuchtet.


Meinst du damit die buddhistische Karmalehre? Sie hat nichts mit Talion zu tun, wohl aber mit Kausalität, d.h. alle bewusst motivierten Taten hinterlassen "Spuren" im Bewusstsein und bedingen die spätere Existenz. Das wird nicht von äußeren Entitäten verwaltet oder kontrolliert, sondern ist ein Prozess, der sich nur im Geist des Einzelnen abspielt.

Zitat von seneca
Auch das Verhaftetsein überzeugt mich nicht, weil ihm Tode jede/r loslassen muss.


Richtig, aber von welchem Verhaftetsein konkret sprichst du? Meinst du ein bestimmtes buddhistisches Konzept davon?

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 635

16.07.2010 16:11
#63 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat
Meinst du damit die buddhistische Karmalehre? Sie hat nichts mit Talion zu tun, wohl aber mit Kausalität, d.h. alle bewusst motivierten Taten hinterlassen "Spuren" im Bewusstsein und bedingen die spätere Existenz. Das wird nicht von äußeren Entitäten verwaltet oder kontrolliert, sondern ist ein Prozess, der sich nur im Geist des Einzelnen abspielt.



Ja, die buddh. Karmalehre. Der liege die Kausalität zugrunde, einfach als ein Prinzip oder eine Art Gesetz, ohne das dies ein Wesen steuert. Ok, soweit so gut. Talion (Vergeltung) ist auch eine Art Kausalität. Das Kausalitätsprinzip (Satz vom Grund) wird hier wie an vielen Orten m.E. überstrapaziert. Der Satz vom Grund ist eine Kategorie, die wir den Dingen, dem Geschehen quasi aufzwingen, sagt Schopenhauer mit Kant, wobei ich immer noch dran bin, das zu verstehen.
Motivierte Taten, also mit Vorsatz oder Absicht, gute oder schlechte, hinterlassen Spuren im Bewusstsein. Das trifft zu, denke ich und ist gut nachvollziehbar.
Aber das ist materiell: Erinnerung (die Spuren) oder so brauchen einen Informationsträger im Gehirn. Mit dem Tod erlischt das Bewusstsein (Geist = Denkung des Einzelnen) und die Erinnerung. Da gilt die Kausalität für mich nicht mehr.

Verhaftetsein: Ich habe da kein best. Konzept im Auge. Das habe ich einfach irgendwo aufgeschnappt. Meistes wird es gebraucht mit, den weltlichen Dingen, denen man entsagen solle.

Karmalehre - Da fällt mir ein. Was hältst du von Mystik, insbesondere Willigis Jäger? Dieser lehnt die Karmalehre, wie auch Himmel und Hölle ab. Ich kann das bei Bedarf genau zitieren.

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Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).
Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer). - Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde (Nietzsche, Zarathustra).

Walter Offline

Kontrapunkteur

Beiträge: 236

17.07.2010 14:54
#64 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat von seneca
Ja, die buddh. Karmalehre. Der liege die Kausalität zugrunde, einfach als ein Prinzip oder eine Art Gesetz, ohne das dies ein Wesen steuert. Ok, soweit so gut. Talion (Vergeltung) ist auch eine Art Kausalität. Das Kausalitätsprinzip (Satz vom Grund) wird hier wie an vielen Orten m.E. überstrapaziert. Der Satz vom Grund ist eine Kategorie, die wir den Dingen, dem Geschehen quasi aufzwingen, sagt Schopenhauer mit Kant, wobei ich immer noch dran bin, das zu verstehen.


Wobei ich diesen Ansatz (bisher) nicht verstehe. Ohne Kausalität würde unsere Welt doch gar nicht funktionieren.

Zitat von seneca
Motivierte Taten, also mit Vorsatz oder Absicht, gute oder schlechte, hinterlassen Spuren im Bewusstsein. Das trifft zu, denke ich und ist gut nachvollziehbar.
Aber das ist materiell: Erinnerung (die Spuren) oder so brauchen einen Informationsträger im Gehirn. Mit dem Tod erlischt das Bewusstsein (Geist = Denkung des Einzelnen) und die Erinnerung. Da gilt die Kausalität für mich nicht mehr.


Das berührt die Frage nach einer Fortsetzung des Bewusstseins nach dem Tode, was widerum ein so großes Thema ist, dass wir es hier besser außer acht lassen sollten.

Zitat von seneca
Verhaftetsein: Ich habe da kein best. Konzept im Auge. Das habe ich einfach irgendwo aufgeschnappt. Meistes wird es gebraucht mit, den weltlichen Dingen, denen man entsagen solle.


Ja, im Buddhismus wird Wert darauf gelegt, alle Dinge dieses Lebens loszulassen, um sich das Sterben nicht unnötig zu erschweren.

Zitat von seneca
Karmalehre - Da fällt mir ein. Was hältst du von Mystik, insbesondere Willigis Jäger? Dieser lehnt die Karmalehre, wie auch Himmel und Hölle ab. Ich kann das bei Bedarf genau zitieren.


Von Jägers "westöstlicher Weisheit" habe ich gehört, kenne mich damit aber nicht aus.

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

17.07.2010 14:59
#65 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat
Ja, im Buddhismus wird Wert darauf gelegt, alle Dinge dieses Lebens loszulassen, um sich das Sterben nicht unnötig zu erschweren.



Das betrifft meiner Ansicht im Buddhismus aber auch die Liebe z.B. zu Verwanten etc. Auch das "positive" Extrem wir im Buddhismus abgeleht. Man soll als auch nicht zu viel Freude haben. Das bindet einen Unnötig an das "falsche" duale Weltbild.

Mit dem bin ich nie so ganz konform gegangen.

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Walter Offline

Kontrapunkteur

Beiträge: 236

17.07.2010 17:06
#66 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat von Alinardus

Zitat
Ja, im Buddhismus wird Wert darauf gelegt, alle Dinge dieses Lebens loszulassen, um sich das Sterben nicht unnötig zu erschweren.


Das betrifft meiner Ansicht im Buddhismus aber auch die Liebe z.B. zu Verwanten etc. Auch das "positive" Extrem wir im Buddhismus abgeleht. Man soll als auch nicht zu viel Freude haben. Das bindet einen Unnötig an das "falsche" duale Weltbild.



Das verstehe ich nicht so ganz. Was genau bindet einen - zuviel Freude zu haben? Übrigens ist das nicht so ganz richtig, da es auf die Geisteshaltung gegenüber der Freude ankommt.

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

17.07.2010 18:00
#67 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Ich bin etwas verwundert über diese aussage Walter. Ich war der Ansicht, das das was ich beschrieben habe für einen Kenner des Buddhismus deines Ranges bekannt ist.

Zumindest habe ich das schon sehr häufig gelesen/gehört, das auch zu starke positive Emotionen nach buddhistischer Sicht nicht erstrebenswert sind. So getreu dem Motto je neutraler desto besser. Auch das binden an Freunde und Verwandt ist nicht im Sinne des Buddhismus. Den auch diese Beziehungen zeugen immer von einem Besitzverhältnis und was man "besitzt" kann man auch verlieren.

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89 ( gelöscht )
Beiträge:

17.07.2010 18:01
#68 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat von Walter

Von Jägers "westöstlicher Weisheit" habe ich gehört, kenne mich damit aber nicht aus.


Und da hast du nichts verpasst ....ein paar Kostproben...?
"kosmischer Geistesstrom" statt persönlichem Gott; Mensch = "Note im kosmischen Klang"...“Erleuchtung ist nicht der Augenblick, in dem der Wassertropfen sagt: "Ich bin das Meer", sondern wenn das Meer sagt: "Ich bin der Wassertropfen." In diesem Augenblick spricht der Mystiker: "Ich bin ES" oder "ich und der Vater sind eines" oder "Ehe Abraham war, bin ich."Was das Ich sagt, ist freilich nicht das personale Ich, sondern es ist die Erste Wirklichkeit selbst.”... ...& "Religion ist...ein wichtiger Faktor der Evolution. Bei all der Not und der Bedrohung, die den Menschen befallen kann, entfaltete sich in ihm die Ursehnsucht alles Geschöpflichen nach Geborgenheit, Heimat, Angenommensein..."

Da sagt mir folgendes mehr zu: "Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein." (Albert Einstein)

Walter Offline

Kontrapunkteur

Beiträge: 236

18.07.2010 16:43
#69 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

@Alinardus: Ich wollte nur wissen, wie du deine Aussage gemeint hattest. So wie du es jetzt geschrieben hast, stimmt es natürlich.

@89: Tut mir leid, aber mit diesen Zitaten hast du mir Jäger eher sympathisch gemacht! Wobei es wohl auch im Buddhismus kritische Stimmen zu ihm gibt. Manche sagen, er habe einen kolonialistischen Blick auf das Zen und würde nur sehen, was man davon ins Christentum "importieren" kann oder so ähnlich. Kann ich ja mal raussuchen.

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

18.07.2010 19:53
#70 RE: Mal ein Batzen buddhistischer Philosophie antworten

Zitat

@Alinardus: Ich wollte nur wissen, wie du deine Aussage gemeint hattest. So wie du es jetzt geschrieben hast, stimmt es natürlich.



Na gut das sich das aufgeklärt hat zugegebener Massen drücke ich mich nicht immer so deutlich aus wie ich sollte.

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