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Dieses Thema hat 26 Antworten
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 Philosophie und Wissenschaft
Seiten 1 | 2
Gisela Offline



Beiträge: 63

10.02.2006 20:47
Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Hallo, guten Abend !


Ich bin kein Philosoph und auch kein Akademiker. Dennoch las ich den folgenden Beitrag und habe ihn auch recht gut verstanden! Im allgemeinen lesen die Leute nicht gerne lange Texte. Doch dachte ich, da es hier um Philosophie und Wissenschaft geht, könnten Menschen darunter sein, die bereit und willig sind, ausführliche Texte zu lesen. Das folgende ist sehr ausführlicher, eine hervorragende Analyse des christlichen Antisemitismus.


Was sagen die Wissenschaftler zu dem christlichen Antisemitismus?

„Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“.
Zur Psychoanalyse des christlichen Antisemitismus

Veranstaltung mit Dr.phil. Wolfgang Hegener
Nürnberger Laienforum für Psychoanalyse e.V. in Zusammenarbeit
mit dem „Forum für jüdische Geschichte und Kultur“ in Nürnberg
am Sonntag, den 4. Dezember 2005 um 12:00 Uhr

Bei der Vorbereitung des Vortrages fiel mir recht bald eine Begebenheit aus den Anfangsmonaten dieses Jahres ein. Ich fuhr in der Mittagszeit mit dem Auto durch Berlin und hörte Radio. Die Radiosprecherin kündigte um 12h mittags an, und ihre Bewegtheit war ihr anzuhören, man werde jetzt für eine Minute das Programm zum Gedenken an die über 300.000 Toten der Tsunami-Katastrophe in Südostasien unterbrechen. Auch ich war erschüttert, parkte meinen Wagen am Straßenrand, um meinen Gefühlen besser nachgehen zu können, und versuchte mir diese ungeheure Zahl und das Leid dahinter vorzustellen – es gelang mir nicht. Ich war zugleich überrascht und erfreut über die Einfühlungsbereitschaft und die spontane Hilfs- und Spendenwilligkeit unseres Landes für die stark traumatisierten Menschen. Plötzlich kam mir ein Gedanke, der mich ganz aus der Fassung brachte.

Als ich über die Zahl 300.000 Opfer nachdachte, fiel mir eine andere Zahl ein: 6.000.000 ermordete europäische Juden. Das sind rein rechnerisch 20mal so viele Tote, und es war keine Naturkatastrophe in einem fernen Land, sondern ein in Deutschland systematisch geplanter und durchgeführter Massen- und Völkermord. Wurde in Deutschland öffentlich für all diese Menschen jemals auch nur eine Trauer- oder Gedenkminute abgehalten? Soweit ich weiß niemals – ganz im Gegensatz zu Israel, wo dies jedes Jahr geschieht. Was immer man auch von ritualisierten Formen der Trauer halten mag, es scheint, als wäre die Trauer über die ermordeten Juden und um das, was auch wir damit verloren haben, kollektiv in Deutschland noch immer nicht oder nur sehr beschränkt möglich. Die abgewehrte Trauer sucht sich dann Ersatzobjekte, sie wird, um einen psychoanalytischen Ausdruck zu bemühen, verschoben, etwa auf die Opfer einer Naturkatastrophe; hier glauben wir, so wäre meine These, die allerdings nicht dieses Phänomen vollständig erklären will, unsere unbewussten Schuldgefühle loswerden bzw. wiedergutmachen zu können. Eine wesentliche Voraussetzung für wirkliche Trauer ist, dass verfolgende bzw. persekutorische Schuldgefühle verarbeitet werden und sich in depressive Schuld verwandeln. Was ist damit gemeint?
Um diese Aussage für unseren Zusammenhang plausibel machen zu können, benötige ich einen kleinen Umweg. Antisemitismusforscher, wie etwa Wolfgang Benz oder Detlef Claussen, sprechen von einer besonderen, das Nachkriegsdeutschland prägenden Form des Antisemitismus, den sog. sekundären Antisemitismus. Benz beschreibt ihn wie folgt: „Er ist eine eigenständige Erscheinung mit wenig manifester Ausprägung, aber erheblicher Latenz. Dieses (…) Phänomen der Judenfeindschaft speist sich aus Gefühlen der Scham und Schuldabwehr: Nicht trotz, sondern wegen Auschwitz werden Ressentiments gegen Juden mobilisiert, die sich an Entschädigungsleistungen und Wiedergutmachungszahlungen kristallisieren“ (ebd., S. 19). Auch von psychoanalytischer Seite wurde dieses Phänomen mehrfach beschrieben, wir können dann, um die dynamischen Zusammenhänge stärker zu betonen, von einem „Schuldabwehr-Antisemitimus“ sprechen, dem es vor allem darum zu tun ist, die historische Täter-Opfer-Relation umzukehren, also die Deutschen zu dem eigentlichen Opfer der Geschichte zu erklären. Ausgehend von einer Analyse des Theaterstücks Der Müll, die Stadt und der Tod von Rainer Werner Fassbinder und der heftigen Debatte darum begreift etwa Rolf Vogt (1995) diesen Mechanismus mit Devereux als den Kern der „ethnischen Störung“ der Nachkriegsdeutschen. Anhand weiterer Debatten und Skandale – Bittburg (1985), Historikerstreit (1986) und Jenninger-Rede (1988) – zeigt er uns nachvollziehbar auf, wie in der zweiten (und auch dritten) nichtjüdischen Generation „entlehnte Schuldgefühle“ (Freud) wirksam sind, die vornehmlich durch den Mechanismus der Täter-Opfer-Inversion abgewehrt werden. „Die zitierten Beispiele von Schuldabwehr“, so fasst Vogt seine Analyse zusammen, „haben das Ziel, die auf Deutschland lastende historische Schuld abzuwehren und damit auch das einzelne Mitglied der Nation freizusprechen, das über den Identifizierungsprozeß diese Schuld als ‚entlehntes Schuldgefühl’ zu seiner eigenen gemacht hat“ (ebd., S. 366).

Die von Vogt erwähnten Beispiele lassen sich ohne Schwierigkeit bis in die Gegenwart hinein verlängern, wenn wir etwa an die Walser-Bubis-Debatte Ende der 90er Jahres, den Aufruhr, den das Buch Hitlers willige Vollstrecker von Goldhagen erregt hat, oder, aktueller noch, an die letzten antisemitischen Skandale um Karsli und Möllemann einerseits und Hohmann andererseits denken: Möllemann behauptete, die Juden seien für den Antisemitismus selber verantwortlich, und der CDU-Politiker erklärte in verbrämter Form alle Juden zu einem „Tätervolk“. Immer wieder stoßen wir auf das beschriebene Grundmuster: Viele Deutsche können es nicht oder nur eine Weile ertragen, sich selber in der Täter- und „die Juden“ in der Opfer-Rolle zu erleben. Es vergeht kaum eine Diskussion über Antisemitismus und den Holocaust, in der nicht schließlich der Hinweis fällt, dass „die Juden“ nicht viel besser seien, das zeige ja die israelische Besatzungspolitik. Über ihre pauschale Identifikation mit der israelischen Politik sollen „die Juden“ aus der Opferrolle heraus und in die Täterrolle hinein gebracht werden. Das Ziel ist immer, dadurch die Schuld der Deutschen mindestens zu relativieren, wenn nicht gar aufzuheben (auch die zahlreich kursierenden Holocaust-Vergleich dienen demselben Zweck: der Einschränkung der historischen Schuld am Völkermord an den europäischen Juden).

Vielleicht wird Ihnen jetzt deutlicher, was ich damit meine, wenn ich sage, die Voraussetzung für Trauer sei die Verwandlung von persekutorischer, also verfolgender in depressive Schuld. Wenn Schuld, und ich meine hier sowohl reale Schuld als auch von den Eltern oder Großeltern „entlehnte Schuldgefühle“, nicht anerkannt werden kann, wird sie, das ist zumindest eine Möglichkeit, auf einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen projiziert, und diese Menschen werden sodann mit dieser Schuld identifiziert. Dann heißt es etwa: „Die Juden sind an allem Schuld “ „Die Juden sind unser Unglück “. Die so projizierte Schuld kehrt sodann von außen wieder als Gefühl der Verfolgung; wir fühlen uns zu unrecht angeklagt und bezichtigt. Ein israelischer Psychoanalytiker hat es einmal so gesagt: Die Deutschen werden den Juden niemals verzeihen, dass es Auschwitz gegeben hat. Zu persekutorischer Schuld gehört auch eine gewissermaßen manische Form der Wiedergutmachung, die eher ein Ungeschehenmachenwollen ist. Eigentlich soll damit die Schuld getilgt werden und der psychische Zustand vor der mörderischen Tat oder Absicht, also die volle „Unschuld“ wiederhergestellt werden. Dagegen steht die depressive Schuld, bei der echte Reue empfunden wird über die tatsächlichen und phantasierten Taten. Der verfolgte andere wird nun auch nicht mehr als ein, so die psychoanalytische Terminologie, verfolgendes „böses“, sondern als ein verfolgtes „gutes Objekt“ erlebt. Auch die Wiedergutmachung findet jetzt eine Grenze. Bestimmte Dinge sind nicht rückgängig zu machen, sie sind definitiv geschehen und müssen in einem äußerst schmerzhaften Prozess anerkannt und betrauert werden. Es muss vor allem anerkannt werden, dass unsere Liebe und Verantwortung nicht groß genug waren, das Objekt zu schützen, dass wir es also aus eigener Schuld heraus verloren haben.
Es gehört zum allgemeinen Grundbestand der antisemitischen Pathologie, dass die eigene Schuld nicht anerkannt werden kann und zum Teil exzessiv projiziert werden muss. Doch warum treffen diese Projektionen ausgerechnet in so gewalttätiger Form und historisch überdauernd die Juden? Damit nähere ich mich langsam meinem angekündigten Thema an, dem christlichen Antisemitismus. Ich gehe nämlich davon aus, dass die abendländische Kultur des Antisemitismus in der Hauptsache in der Anfangszeit des Christentums, einer Zeit epochaler und traumatisierender Umwälzungen, entstanden ist und sich über Generationen hinweg im „kulturellen Gedächtnis“ fortpflanzt. Ins Unbewusste hinab gesunken, bleibt der christliche Antisemitismus ein starker und weiterhin wirksamer Antrieb des Hasses und der Verfolgung. Den kirchlichen Antijudaismus hat der Historiker Ley (2002, S. 29) ganz entsprechend „die historisch schlimmste und dauerhafteste Kulturpathologie“ genannt. Ich werde versuchen, Ihnen dies anhand bestimmter Beispiele aufzuzeigen und dabei die Verbindung zur Schuldabwehr immer wieder herstellen.

Mit der so grob skizzierten These von der fundierenden Bedeutung des christlichen Antijudaismus widerspreche ich Vorstellungen, dass man den Antisemitismus fein säuberlich unterscheiden und trennen könne in einen (christlichen bzw. religiösen) Antijudaismus und einen pseudowissenschaftlichen und rassistischen Antisemitismus. Der konstruierte Bruch überdeckt die fatale Kontinuität antisemitischer Verfassungen und die grundlegende Bedeutung des Christentums für seine Herausbildung. Horkheimer und Adorno merken dazu an: „Schwerlich aber ist die religiöse Feindschaft, die für zweitausend Jahre zur Judenverfolgung antrieb, ganz erloschen. Eher bezeugt der Eifer, mit dem der Antisemitismus seine religiöse Tradition verleugnet, daß sie ihm insgeheim nicht weniger tief innewohnt als dem Glaubenseifer früher einmal die profane Idiosynkrasie. Religion ward als Kulturgut eingegliedert, nicht aufgehoben“.

Ich widerspreche damit aber auch Theorien, die davon ausgehen, dass die Shoa, also die „industrielle Massentötung“ der europäischen Juden eigentlich mit dem traditionellen Antisemitismus nichts zu tun habe. Von den Progromen des Mittelalters sei der Holocaust gewissermaßen durch eine ganze Epoche getrennt. Er sei, so etwa der Soziologe Zygmunt Baumann, ganz Produkt einer spezifischen Moderne, die auf die Auslöschung von Ambivalenz abziele. Ich glaube hingegen, dass der Nationalsozialismus auch als eine Politische Religion in der Konsequenz einer bestimmten Form des Christentums, nämlich des johanneisch-apokalyptischen Christentums verstanden werden kann. Exemplarisch lässt sich die Verbindung am Topos des „Dritten Reiches“ aufzeigen, der Vorstellung nämlich einer historisierten Trinität, die ihre Erfüllung in der Herstellung eines Reiches des „Heiligen Geistes“ findet, das endgültig das jüdische „Reich des Vaters“ überwindet, was das zweite Reich, das christliche des Sohnes nicht vermocht habe. Unter dieser Perspektive tragen auch Begriffe wie „Endlösung“ die Signatur apokalyptischer Erlösungs- und Vernichtungsphantasien. Ich kann dies hier nur andeuten, in meinem letzten Buch habe ich mich ausführlich mit diesem Thema auseinandersetzt.

Beginnen wir unserer Analyse mit den Evangelien des Neuen Testamentes. Die bekannte US-amerikanische Religionswissenschaftlerin Elaine Pagels hat in ihrer höchst aufschlussreichen Arbeit über die „Geschichte des Satans“ folgende These vertreten: „Man kann die Evangelien des Neuen Testaments nicht zureichend verstehen, wenn man nicht erkennt, dass sie (...) Kriegsliteratur sind“ (Pagels 1996, S. 31). Was ist damit gemeint? Das Volk Israel führte im 1. und 2. nachchristlichen Jahrhundert drei größere Kriege gegen das römische Imperium. Einer davon endete mit der Eroberung Jerusalems und der (zweiten) Zerstörung des jüdischen Tempels und fand zwischen 66 und 70 statt. Alle vier Evangelien des Neuen Testamentes sind im historischen Umfeld dieses Krieges geschrieben wurden, nämlich etwa zwischen 70 und 110 u. Z.; sie sind ohne diese Ereignisse in ihrer überlieferten Form gar nicht denkbar. Der jüdische Krieg hat entscheidende Niederschläge vor allem bei Markus, Matthäus und Lukas gefunden und ist darüber hinaus ausschlaggebend geworden für die Entstehung einer apologetisch akzentuierten Geschichtsdeutung. Spätestens seit dem 2. Jahrhundert wird nämlich von christlicher Seite die Zerstörung Jerusalems und die Zerstreuung der Juden als Strafe Gottes für die Kreuzigung Jesu interpretiert. Diese Auffassung findet sich aber im Ansatz schon in den Evangelien. So müssen wir etwa davon ausgehen, dass Markus, der seinen Text zwischen 70 und 72 niedergeschrieben hat, die Ereignisse des Todes Christi kurz nach 30 und den Jüdischen Krieg etwa 40 Jahre später übereinander geschoben hat und die dem Jüdischen Krieg folgende Zerstörung des Tempels als Strafe für den Tod Jesu verstanden hat. Dafür sprechen gleich mehrere Stellen. Am bekanntesten ist Jesu Rede über das Ende des Tempels:

„Und als er aus dem Tempel ging, sprach zu ihm einer seiner Jünger: Meister, siehe was für Steine und was für Bauten Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde. Und als er auf dem Ölberg saß gegenüber dem Tempel, fragten ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? Jesus fing an und sagte zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand verführe Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin’s, und werden viele verführen. Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht. Es muß so geschehen. Aber das Ende ist noch nicht da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere. Es werden Erdbeben geschehen hier und dort, es werden Hungersnöte sein. Das ist der Anfang der Wehen“ (Markus 13, 1-8).

Die damaligen Hörer und Leser werden wohl die von Markus wiedergegebene Rede Jesu von „Kriegen und Kriegsgeschrei“ unmittelbar auf die von ihnen erlebte Wirklichkeit des Jüdischen Krieges bezogen haben. Markus bietet ihnen in dieser bedrängten Situation eine tröstliche Erklärung („fürchtet euch nicht“) bzw. eine heilsgeschichtliche Rechtfertigung an: die Zerstörung ist die Folge der Vergehen Israels, die für die kommende Erlösung notwendig ist („es muß so geschehen“). Wir entdecken hier in Ansätzen ein apokalyptisches Schema, das vielleicht für den christlichen Antisemitismus überhaupt konstitutiv ist; es lautet: Erlösung durch Vernichtung. Es gibt neben diesem Hinweis jedoch noch eine weitere Stelle, die sinnvoll nur im Hinblick auf die Ereignisse des Jahrs 70 hin gelesen werden kann.

Wir lesen bei Markus 15, 37-38: „Aber Jesu schrie laut und verschied. Und der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von oben an bis unten aus.“ Das Zerreißen des Vorhangs wird vom Evangelisten gewissermaßen als ein Vorspiel für die spätere Zerstörung des Tempels gedeutet. Zuerst zerreißt der Vorhang, dann aber der ganze Tempel, der das Sinnbild des gesamten Judentums ist. Diese Stelle legt eine noch weitergehende Interpretation nahe: Mit dem Opfertod Christi, der den Juden angelastet wird, ist auch der ganze jüdische Tempelkult, mithin die ganze jüdische Religion hinfällig geworden und wird der Zerstörung anheim gegeben.

Die Anhänger Jesu, damals noch Teil der jüdischen Bevölkerung, hatten es während des Jüdischen Krieges weitgehend abgelehnt, sich an der Auseinandersetzung mit den Römern zu beteiligen. Der Grund für diese Ablehnung lag weniger in strategischen Überlegungen als in religiösen Überzeugungen. Man begriff die katastrophalen Ereignisse so relativ kurz nach der Kreuzigung Jesu als Anzeichen des nah bevorstehenden Endes der Welt und der Wiederkehr des Messias. Die Evangelisten betonen alle (und man kann feststellen, dass sie dies mit unterschiedlichem Nachdruck und steigender Intensität tun), dass die Anhänger Jesu keinen Streit mit den Römern haben, wohl aber mit den von ihnen erwähnten jüdischen Führern: den Hohenpriestern, den Ältesten und den Schriftgelehrten, die sich im „Sanhedrin“ („dem ganzen Hohen Rat“ – vgl. Markus 12, 53; Matthäus 26, 59; Lukas 22, 66) versammelten, von dem die „Gesetzeskunde von ganz Israel“ ausging (vgl. Cohn 1997, S. 50-68). Es wurde also eine innerjüdische Frontlinie aufgebaut, und „die Juden“ wurden dabei mehr und mehr dämonisiert und mit dem Satan identifiziert (so gut wie nie geschieht dies in den Evangelien mit den Römern). Die christlichen Evangelisten gehen dabei weiter, als das ihre jüdischen Vorgänger je vorher getan haben.

Für die Feinde gab es vorchristlich unterschiedliche Symbolisierungen: Meistens wurden sie mit einem erhabenen, wenn auch heimtückischen Mitglied des göttlichen Hofes gleichgesetzt, das der Satan genannt wurde. Dieser wurde nicht als eine Bestie oder ein Ungeheuer betrachtet, sondern als ein übermenschliches, engelhaftes Wesen. Wichtig ist nun folgende Feststellung von Elaine Pagels: „In der hebräischen Bibel wie auch in der vorherrschenden Strömung des Judentums bis heute tritt der ‚Satan‘ niemals als der auf, als den ihn das westliche Christentum kennt, als der Anführer eines ‚Reiches des Bösen‘, eines Heeres feindseliger Geister, die gleichermaßen gegen Gott und die Menschheit Krieg führen“ (ebd., S. 72). In einschlägigen Schriften, wie etwa den Numeri oder dem Buch Hiob, erscheint der Satan als ein untertäniger Diener Gottes, als Bote oder Engel Gottes, ja sogar als „Gottessohn“[1], der nicht unbedingt übelwollend ist, vielleicht sogar ein Vertrauter, und der geschickt wird, um menschliches Tun zu behindern oder zu vereiteln (diabolos heißt: „einer, der jemandem etwas in den Weg wirft“).

Erst die apokalyptischen Bewegungen, die ab etwa 150 v.u.Z. erheblich zunehmen, machen aus dem Satan das, was er später auch in den Evangelien wurde: der Gegenspieler, Rivale und Feind Gottes – ich meine hier vor allem die Sekte der Essener, die sich selbst als „Söhne des Lichts“ verstanden und sich gegen die jüdische Mehrheitsbevölkerung, sie nannten sie eine „Gemeinschaft von Verrätern“, abgrenzten. Diese apokalyptischen Bewegungen bilden gleichsam das Bindeglied zwischen den beiden biblischen Testamenten. Wie die Literatur der apokalyptischen Sekten ist auch das Christentum zutiefst von der Gegenüberstellung von Freund und Feind, Gott und Satan geprägt. „Die Christen werden sie übernehmen und weitertreiben, bis diese Identität sie schließlich für immer von den anderen jüdischen Gruppierungen getrennt haben wird“ (Pagels 1997, S. 88). Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen den Essenern und den späteren Christen: Während sich die Essener als eine exklusive Sekte verstanden, hat das zum Universalismus neigende Christentum im Laufe seiner Geschichte zunehmend mehr die nicht-jüdische Außenwelt mit einbezogen. Die wachsende und immer polemischer werdende Distanzierung vom Judentum, dessen Teil man nicht mehr sein mochte, führte hier nicht zu einer Abschottung sowie letztlich zu einem Ab- und Aussterben, sondern im Gegenteil zu einer rasanten Ausdehnung hin zur größten Weltreligion.

Ich habe angedeutet, dass in den Evangelien mit zunehmender Tendenz die Römer entschuldigt und „die Juden“ für die Kreuzigung Jesu verantwortlich gemacht werden. So schildert Markus „die Juden“ in den beiden Prozessszenen vor dem Hohen Rat (14, 53-65) und vor Pilatus (15, 1-15) als neidische und mordlüsterne Widersacher Jesu, die fast allein verantwortlich gemacht werden für den Tod Christi, und den Vertreter Roms, Pontius Pilatus, als einen geradezu gütigen und gerechten Menschen, der sich aus einer gewissen moralischen Schwäche heraus der Menge nicht widersetzen kann. „Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn Pilatus aber wollte dem Volk zu Willen sein und gab ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde“ (Markus 15, 14-15). Dies steht im krassen Gegensatz zum historischen Pontius Pilatus, der als ein brutaler Statthalter bekannt war und in den Texten außerhalb der christlichen Tradition (etwa bei Philo von Alexandrien oder Flavius Josephus) mit bitterer Feinseligkeit beschrieben wird. Auch die Darstellung des Prozesses vor dem Hohen Rat (Sanhedrin), der, wäre er so vorgegangen, wie ihn Markus beschreibt, den jüdischen Gesetzlichkeiten krass widersprochen hätte, ist historisch höchst unwahrscheinlich
.
An dieser Stelle sei ein kurzer Einschub erlaubt. Ich möchte auf die gründliche Untersuchung der Umstände des Prozesses und Todes von Jesus hinweisen, die der israelische Jurist und Judaist Chaim Cohn (1997) durchgeführt hat, nachdem etliche, zumeist protestantische Theologen nach der Gründung des Staates Israel von dessen obersten Gericht, dem angeblich „unmittelbaren Nachfolger“ des Sanhedrin, eine Wiederaufnahme des Verfahrens und eine Revision des „Justizmordes“ eingefordert hatten. Cohn macht uns zuerst auf den aufklärungsbedürftigen Umstand aufmerksam, dass bei der Beurteilung des Prozesses, der wie kein anderer so tiefgreifende Folgen in der Geschichte hatte und noch immer hat, die These von der Kollektivschuld des gesamten jüdischen Volkes nach dem 2. Weltkrieg zwar halbherzig zurückgenommen wurde, bis in die jüngste Zeit aber wie selbstverständlich die Juden, welche die Evangelisten eines aktiven Anteils bezichtigen, oft noch immer als die Schuldigen angesehen werden. Es wird dabei nicht nur übersehen, dass die Evangelien Glaubensbotschaften vermitteln wollten und nicht Geschichtsschreibung betrieben, sondern es werden auch die zahlreichen Widersprüche und Ungereimtheiten in den einzelnen neutestamentlichen Schriften übergangen.

So berichten Markus (14, 55-64) und Matthäus (26, 59-66) von einem nächtlichen Gerichtsverfahren vor dem Sanhedrin, Lukas (22, 66-71) hingegen spricht von einem Prozess am frühen Morgen, und bei Johannes hat ein Verfahren vor dem Sanhedrin überhaupt nicht stattgefunden. Auch Cohn macht wahrscheinlich, dass die Darstellungen der Evangelisten einem apologetischen Ziel folgten: Mit Absicht sollte der römische Statthalter von jeder Verantwortung für das Geschehen entlastet, und es sollte demonstriert werden, dass der Glaube an Jesus Christus völlig vereinbar sei mit der Loyalität gegenüber Rom. Cohn zeigt in einer Art Kreuzverhör weiter, dass diese apologetische Absicht zu einer krassen Verzeichnung des Ablaufes geführt hat. Keine der vielfältigen jüdischen Strömungen, die das Neue Testament polemisch zu „die Juden“ vereindeutigt, hatte einen überzeugend nachzuweisenden Grund, in der berichteten Form den Tod Jesu zu verlangen. Die Initiative und das Motiv dafür lagen eindeutig auf römischer Seite, ganz abgesehen davon, dass die Kreuzigung selbst eine römische und keine jüdische Todesstrafe war. Cohn führt zudem aus, dass die in einigen Evangelien dargestellte Form des Verfahrens nicht den damals gültigen Rechtsgepflogenheiten entsprach und die historische Triftigkeit der Erzählungen mehr als in Frage steht.

Anders noch als im Markusevangelium sind es im Matthäusevangelium, das aus der Frontstellung zu den Pharisäern entstanden ist, diese allein, die als die Gegenspieler Jesu aufgebaut werden. Und Matthäus arbeitet dabei mit der manichäisch anmutenden Spaltung in gut und böse, die zu Ausschluss und Vernichtung führt: „Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen sät. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. Der Feind, der sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel“ (Matthäus 13, 37-39). Die Pharisäer werden mit dem Bösen, dem Satan in Verbindung gebracht und kollektiv nicht nur für die Passion Jesu, sondern für die Verfehlungen der gesamten Geschichte Israels schuldig gesprochen (präziser psychoanalytisch können wir sagen, dass sie mit dem Analen, der ganzen ausgestoßenen Sphäre des Unreinen und Schmutzig-Verworfenen identifiziert werden). Im 23. Kapitel, in dem insgesamt sieben Schmähungen losgelassen werden, wird dies klar ausgesprochen. Jesus beschimpft die Juden mehrfach als selbstgerechte Heuchler und Lügner, und Matthäus endet mit einer Prophezeiung, die später unheilvoll wieder auftauchen wird: „Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern, damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Secharja, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar. Wahrlich ich sage euch: Das alles wird über dieses Geschlecht kommen“ (Matthäus 23, 34-36; Hervorhebung W.H.).

Diese Stelle verweist auf die unmittelbare Passionsgeschichte, wie sie im 27. Kapitel (15-27) geschildert wird: Zum Passahfest gestattet Pontius Pilatus dem jüdischen Volk, sich für die Freilassung und Begnadigung eines Gefangenen zu entscheiden. Es hat die Wahl zwischen Jesus und Barabbas, von dem Markus (15, 7) schreibt, er sei ein Aufrührer und Mörder gewesen. Die Pharisäer überreden das jüdische Volk, dass es sich für Barabbas und gegen Jesus entscheiden soll. Die Juden fordern Pilatus daraufhin mehrfach auf, Jesus kreuzigen zu lassen. Pilatus, der an Jesus keine Schuld finden kann, wäscht sich die Hände und spricht: „Ich bin unschuldig an seinem Blut; seht ihr zu “ (Matthäus 27, 24). Daraufhin – und diese Zuspitzung steht synoptisch isoliert, sie findet sich nur bei Matthäus – soll das ganze Volk ausgerufen haben: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder “ (Matthäus 27, 25). Das jüdische Volk hat also willentlich und im vollen Bewusstsein der Tat die Hinrichtung Jesu verlangt und dafür kollektiv die Verantwortung übernommen, während die Römer nur widerstrebend und schuldbewusst als ihre Handlanger und Vollstrecker agieren.

Schon bald nach der Abfassung des Evangeliums, ungefähr ab dem 2./3. Jahrhundert, beginnt die systematische anitjudaistische Exegese dieser Stelle, die bis in die moderne Theologie hineinreicht (vgl. Schreckenberg 1982, S. 129ff.) und auf folgende Aussage hinausläuft: Nicht als einzelne sondern als ganzes Volk Israel haben die Juden den Messias verworfen und ihn ermordet. Deshalb lastet eine kollektive Blutschuld auf ihnen, die jederzeit eingefordert werden kann[2]. „Die Juden“, die, solange sie Juden sind, verdammt und unerlösbar sind, werden zu den erbittertsten Feinden Christi erklärt, und man kann Gott nur dienen, indem man sie bestraft und vernichtet[3].
Mit dem in der alten Kirche bzw. der patristischen Theologie sich verbreitenden Tendenz zur Hypostasierung des Menschen und Messiasprätendenten Jesu zum Gott bzw. Gottessohn Christi, was vor allem im Zusammenhang mit der Entwicklung des Trinitätsdogmas steht, steigert sich die Anklage zu dem Vorwurf, die Juden seien „Gottesmörder“. Die Argumentation lautet nun wie folgt: Die Juden erfahren das so schlimme Schicksal der Verfolgung und Zerstreuung und sind auf ewig verdammt, weil sie nicht nur einen Menschen, sondern mit ihm und in ihm auch Gott selbst getötet haben. Mit diesem verbreiteten Vorwurf wurde dem im Mittelalter grassierenden äußerst gewalttätigen Antisemitismus theologisch der Weg bereitet, der bis heute nachwirkt. Es wurde nun möglich, rein aufgrund einer theologischen Definition, die sowohl mit religiöser als auch, nach der Konstantinischen Schenkung, mit staatlicher Autorität ausgestattet wurde, eine ganze Gruppe von Menschen pauschal zu verurteilen.

Wir finden hier zum ersten Mal das, was man treffend einen „Antisemitismus ohne Juden“ genannt hat: Ohne jede konkrete Erfahrung und Anschauung kann jeder einzelne Jude mit jenem theologischen Phantasma der „Gottesmörder“ identifiziert bzw. aufgeladen sowie ohne Skrupel und Schuld angeklagt und verfolgt werden.

Wir entdecken schon im frühen Christentum also jenen antisemitischen Kern, die Verleugnung und Projektion der Schuld. Es ist, als würde vom Kreuzestod Christi immer nur der erste Teil erfasst, das „um unserer Sünden willen gestorben“, nicht aber der zweite Teil, das „durch unsere Sünden gestorben“ (H. Beland). Dies meint aber, da im Unbewussten Tod immer Mord bedeutet, „von uns getötet“; dieser Teil wird weggelassen und, da er unerträglich erscheint, chronisch-endemisch auf die Juden projiziert. Um es erneut mit Horkheimer und Adorno zu sagen: „Den Juden, mit dieser ihrer Schuld beladen, als Herrscher verhöhnt, schlagen sie ans Kreuz, endlos das Opfer wiederholend, an dessen Kraft sie nicht glauben können“. Die Mitleidsbotschaft des Neuen Testamentes gilt für alle, nur nicht für die Juden, die aus der christlichen Heilswirklichkeit herausfallen. Sie sind per se und unheilbar schuld, da sie es sind, die den Messiasprätendenten Jesus (Evangelien) bzw. den Gottessohn Christus (Trinitätsdogma) ermordet haben.

An den Juden exekutiert das Christentum gnadenlos das eigene schlechte Gewissen sowie den aus dem unbewussten Schuldgefühl geborenen tiefen Zweifel an der eigenen Erlösung. In seinem Judenhass zeigt sich ein verleugneter Selbsthass an einem anderen, fremden Objekt. Die Juden mussten für diesen unbewältigten und desintegrierten Hass und Selbsthass der Christen millionenfach sterben. Freud hielt sie, wohl nicht zu unrecht, für „schlecht getauft“ (Freud 1939a, S. 198). Wir können es auch so formulieren: Erst die Überwindung des Antisemitismus kann die Christen wirklich zu Christen machen.

Im folgenden möchte ich Ihnen nun zu zeigen versuchen, dass und wie sich die so beschriebene und analysierte antisemitische Struktur des (frühen) Christentums historisch fortgesetzt hat. Ich werde, ausgehend von den zahlreichen im Mittelalter grassierenden Blutbeschuldigungen gegen die Juden und der Transsubstantiationslehre, untersuchen, welcher Logik des Opfers der christliche Antisemitismus in seiner Geschichte folgt.

In einer weithin übersehenen Arbeit über den Antisemitismus, die direkt nach dem Ende des 2. Weltkrieges und unter dem Eindruck des Holocausts geschrieben wurde, hat Ernst Simmel (1946) aus psychoanalytischer Perspektive auf die Bedeutung des Opfers in den Religionen und im Kulturprozess hingewiesen. Er zeigt dies am Beispiel zweier zusammenhängender Beschuldigungen auf: 1. der Beschuldigungen, die Juden hätten Jesus getötet und 2. der so genannten Blutrituale, wozu sowohl der Vorwurf des Durchstechens der Hostien in der Kirche gehört, als auch der Verdacht, dass die Juden Christenkinder an Ostern stehlen und sie töten würden, um ihr Blut zu verzehren.

Simmel vermutet, dass sich hinter diesen Anklagen abgewehrte und projizierte eigene Wünsche verbergen. Gerade die Phantasie, dass die Hostie blute, wenn sie von den Juden angestochen werde, mache deutlich, wie wenig die antisemitischen Christen die Hostie als ein allegorisches Symbol verstünden, sie erscheint ihnen vielmehr als der reale Leib Christi. Dies wird, so sei ergänzt, in der christlichen Theologie die Realpräsenz Christi genannt: Hostie und Wein werden durch die Konsekration tatsächlich in Fleisch und Blut Christi verwandelt – so zumindest lautet die Lehre von der Transsubstantiation, die sich seit dem 13. Jahrhundert nach dem IV. Laterankonzil von 1215 durchgesetzt hat. Es ist keinesfalls zufällig, dass sich die Ritualmordbeschuldigungen und der Vorwurf der Hostienschändung wesentlich nach dieser dogmatischen Festlegung entwickelt haben. Wenn die Juden angeklagt wurden, Hostien geschändet und Kinder geschlachtet zu haben, wurden sie nämlich deshalb mittelbar des Mordes an Jesus Christus beschuldigt. Nach Simmel handelt es sich dabei um eine klassische Projektion: Der Antisemit beschuldigt den Juden des Verbrechens, das er selbst unbewusst begeht, indem er die Hostie während der Feier der Eucharistie verzehrt. „Dieser Akt der Einverleibung bietet ihm die Möglichkeit zur Abfuhr seiner haßerfüllten Verschlingungstendenz und setzt ihn instand, sich liebevoll mit Christus zu identifizieren“ (ebd., S. 79). Die eigenen mörderischen Impulse und die daraus resultierenden Schuldgefühle werden hingegen vollständig auf die Juden abgespalten und dort unerbittlich zur Verfolgung frei gegeben.

An dieser Stelle sei ein kurzer Einschub über die christliche Blut-„Symbolik“ erlaubt. Christina von Braun (2000) hat hervorgehoben, dass sich in der Transsubstantiationslehre das äußerst zwiespältige Verhältnis der Christen zum Blut ausdrückt. Das Blut hat vor allem die Funktion, die Realpräsenz und Inkarnation des Herrn in der magischen Verwandlung der Eucharistie stets aufs Neue zu beweisen. An der Wirklichkeit des Blutes hängt gewissermaßen der ganze Glaube an die Menschwerdung Gottes und an die Erlösung des Menschen. Mit dem Verzehr von Blut und Fleisch kann der Christ imaginieren, mit Gott eins zu werden und an seiner Unsterblichkeit teilzuhaben

Über das Selbst- und Blutopfer Christi, nicht über die Bluts- und Familienverwandschaft einer Gruppe (wie im Judentum), werden der einzelne und die ganze Gemeinschaft in einer imaginären Weise mit Gott verbunden. Die Einverleibung von „realem“ Fleisch und Blut bei der Eucharistiefeier löst aber zugleich ein großes Grauen über die eigenen oral-kanibalistischen Impulse aus, das abgespalten und in den Ritualmordlegenden als Beschuldigung gegen die Juden projektiv gewendet wurde.

Die Juden wurden im Mittelalter (zumal im Spanien der Inquisition) zum „fremden Blut“ deklariert, das vom christlichen Körper ferngehalten werden sollte. Dazu einige Erläuterungen: Mit dem Beginn der Neuzeit, nämlich etwa zur Zeit der Eroberung Amerikas durch Columbus, wurde die erste „Rassengesetzgebung“ eingesetzt. Der Hintergrund ist folgender: Als es Ende des 14. Jahrhunderts in Spanien zu einer nationalen und christlichen Konsolidierung kam, kam es auch vermehrt zu Progromen gegen die jüdische Bevölkerung, die mit den Mauren ins Land gekommen war. Etwa 100 Jahre später, nämlich 1492 (dasselbe Jahr, in dem Columbus Amerika entdeckte) verbannte schließlich der spanische Thron alle Juden aus dem Lande. Viele, mindestens die Hälfte der jüdischen Gemeindemitglieder retteten ihr Leben durch einen Übertritt zum christlichen Glauben. Sie wurden in der Folge „Marranos“ (Schweine) genannt. In der spanischen Mehrheitsgesellschaft, die bislang die Juden als Außenseiter behandeln und mit restriktiven Gesetzen überziehen konnte, entwickelte sich nun aber eine große Angst vor dem converso als einem Insider.

In dieser Situation wurden jene Gesetze geschaffen, die als estatutos de limpieza de sangre (Statuten über die Reinheit des Blutes) bezeichnet wurden und mit denen die Konvertiten aus den öffentlichen Ämtern gedrängt wurden. „Denn nicht mehr“, wie von Braun (2000, S. 156) kommentiert, „die Taufe und die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft, sondern die Herkunft, das Blut entscheiden darüber, wer ein ‚echter’ Christ sei und somit in einem christlichen Staat eine gehobene Stellung einnehmen durfte“. Es musste nunmehr über viele Generationen hinweg eine „unbefleckte“ christliche Abstammung nachgewiesen werden. Sowohl im christlichen Spanien der frühen Neuzeit als auch später, im rassistischen, speziell im nationalsozialistischen Antisemitismus, geht es mithin um die Herstellung eines reinen und homogenen „Gemeinschaftskörpers“, der sich über den Ausschluss und die Vernichtung des jüdischen „Fremdkörpers“ konstituiert.

Das Gebot nach rassisch begründeter Reinheit führt im 19. Jahrhundert dazu, dass der Topos des Geschwisterinzestes in der antisemitischen Literatur eine zentrale Rolle einnimmt: jede Form der Vermischung mit „fremdem Blut“ ist eigentlich bedrohlich und muss vermieden werden
Es kommt hinzu, worauf Volkan (1999) aus psychoanalytischer Perspektive hingewiesen hat, dass alle Gemeinschaften, die sich über das Blut definieren, das kein wirkliches Symbol darstellt, zu äußerster Gewalt und Destruktivität neigen. „Wenn wir (…) unsere Identität und insbesondere die Identität des Feindes jedoch mit Blut assoziieren, das nicht wirklich symbolisiert werden kann, können wir unseren direkten Angriff nicht auf die Substitute für die ‚Anderen’ übertragen, so dass wir den Drang verspüren, sie zu vernichten“ (ebd., S. 134).

Was ist damit gemeint, dass Blut nicht symbolisiert werden kann? Man muss bei der Annahme, dass der Wein tatsächlich das Blut Christi sei, eher von einer Allegorie, Protosymbolik bzw., noch genauer, von einer „symbolischen Gleichsetzung“ ausgehen. Die britische Psychoanalytikerin Hanna Segal hat mit diesem Ausdruck eine Grundstruktur psychotischen Denkens und einen Teil einer tiefen Störung der Beziehung zwischen dem Ich und dem Objekt umschrieben. Sie meint damit einen unbewussten und gewalttätigen Projektionsvorgang, bei dem etwas gehasstes Eigenes in eine andere Person oder ein Objekt hineingezwungen wird und mit diesem sodann identisch gesetzt wird. Die frühen Protosymbole werden vom Ich des kleinen Kindes also nicht als Substitute, sondern als das ursprüngliche Objekt selbst empfunden – der Nuckel ist die Brustwarze. Erst mit der schmerzhaften Trennung von Selbst und Objekt kann sich das Denken reifer und realistischer entwickeln. Diese Reifung ist gebunden an die Fähigkeit, Verlust und Trennungsschmerz zu ertragen und den Anderen als Anderen, also als ein selbständiges Objekt in seinem eigenen Recht anzuerkennen. Die entwickelte Symbolisierungsfunktion ist mithin an das Erreichen der „depressiven Position“ gebunden, so wie ich sie am Anfang definiert habe. Die symbolische Gleichsetzung bzw. sakramentale Identifizierung (H. Beland) von Blut und Wein und seine Auswirkungen auf die Blutbeschuldigungen zeigen hingegen, wie sehr dieser Entwicklungsschritt misslingt und sein Misslingen Gewalt freisetzt, die an den Juden ausgelassen wird.

Doch zurück zu Simmel, der danach fragt, welche „psychologische Wahrheit“ sich hinter den Anschuldigungen verbirgt. Um dies beantworten zu können, ist eine Hinwendung zu dem Vorwurf hilfreich, Juden würden zu Ostern kleine Christenkinder rauben und schlachten, da es die jüdische Religion gebiete, dass beim rituellen Mahl am Passahfest Christenblut genossen werden müsse. Zuerst zeigt sich hier erneut die Wirksamkeit der Projektionsvorgänge: Die Ähnlichkeit dieses angeblichen Verbrechens mit dem Ritual der heiligen Kommunion ist äußerst verblüffend, zumal wenn man bedenkt, dass die Juden das Passahfest zur selben Zeit feiern wie die Christen Ostern die Auferstehung Christi. Die untergründige Verbindung wird aber erst vollends verständlich, wenn man berücksichtigt, was am Passahfest gefeiert wird. Gedacht wird der besonderen Art der Errettung aus der ägyptischen Gefangenschaft. Gott sandte einen Todesengel aus, damit dieser die neugeborenen ägyptischen Kinder töten sollte. Um zu vermeiden, dass auch jüdische Kinder getötet wurden, befahl der Herr den Juden, Lämmer zu schlachten und mit ihrem Blut Zeichen an die Türpfosten zu malen. Die Errettung der eigenen Kinder und damit der künftigen Generationen wurde durch ein Opfer, die Schlachtung unschuldiger Lämmer erreicht. Wenn die Juden beim Passahmahl ein Stück Lammbraten verzehren, so kann dies als rituelle Wiederholung der Massenschlachtung der Lämmer verstanden werden. „Die Juden verzehren also während des rituellen Passahmahls ‚Kinder‘, doch sind es Kinder von Tieren, die sie verspeisen“ (Simmel 1946, S. 81; Hervorhebung im Original).

Noch etwas anderes ist wichtig an diesem Vorgang: Als die Juden ihr erstes Passahfest noch in Ägypten feierten, begingen sie damit ein Verbrechen gegen die ägyptische Religion. Das Lamm ist nämlich das Junge des Widders, der den Altägyptern als heiliges bzw. als Totemtier galt. Der Vorgang der Schlachtung der Lämmer, darauf sei kurz ergänzend hingewiesen, findet eine Entsprechung in der Akeda, der Geschichte von der Bindung Isaaks (1 Moses, 22 1-19): Der Herr versucht Abraham, indem er ihn auffordert, seinen einzigen Sohn in einem Brandopfer zu töten. Erst kurz vor der Tötung greift Gott ins Geschehen ein und fordert Abraham auf, um seinetwillen Isaak zu verschonen. An seines Sohnes statt opfert Abraham daraufhin einen Widder. Wir finden hier dieselbe Struktur: Auf die Tötung des Sohnes, also auf das Menschenopfer muss verzichtet werden[4], die mörderischen Impulse dürfen nicht ausagiert werden und finden einen Verschiebungsersatz im Tier. In einem längeren Prozess wurde das Menschenopfer untersagt, und später auch die Opferung der Tiere. Die zerstörerischen und sadistischen Triebimpulse müssen nun endgültig in einer anderen Form, nämlich intrapsychisch, durch die Aufrichtung eines reiferen Über-Ichs, sprich: möglichst durch die Rücknahme der gewaltsamen Projektionen und Spaltungen bewältigt werden.

Wir wissen, dass in der christlichen Ikonographie Jesus Christus allegorisch durch das unschuldige Lamm Gottes dargestellt wird. Wenn die Verbindung zwischen dem Lamm-Essen am Passahfest und Jesus Christus als „Lamm Gottes“ zutrifft, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der Antisemit in seinem Wahn die Kinder, die die Juden angeblich schlachten, mit Jesus identifiziert. Auch die Funktion der Projektion der eigenen Aggression und der Abwehr der eigenen Schuldgefühle wird nun verständlicher: Die Ritualmordbeschuldigung klagt die Juden an, sich physisch Jesus Christus einzuverleiben, um selbst kein Schuldgefühl wegen genau dieser sündhaften Impulse empfinden zu müssen. Es versagt mithin die Aufgabe, dem mörderischen oralen Sadismus, der den Vater und die anderen Kinder bzw. Geschwister nur als zu beseitigende Rivalen wahrnimmt, einen symbolischen Ausdruck und eine entsprechende Verarbeitungsmöglichkeit zu verschaffen. Durch die dogmatische Position der Realpräsenz Christi zerspringt die symbolische Fassung, es kommt zu einer psychotisch anmutenden „symbolischen Gleichsetzung“ (Segal) von Jesus und Hostie, und die mörderischen Impulse können ohne Schuldgefühle und Hemmung an denjenigen befriedigt werden, denen man die eigene Schuld unterstellt.

Dem steht die jüdische Religion gegenüber, die nach der vollen Durchsetzung des Monotheismus in der Folge der Rückkehr aus dem babylonischen Exil gänzlich auf das Menschenopfer verzichtet[5]. Das nach-exilische Judentum unternimmt den historisch einmaligen Versuch, jegliche Form von Opfer abzuschaffen und zieht sich darüber einen rasenden „antimonotheistischen Hass“ zu, an dem das Christentum entscheidenden Anteil nimmt.

Zwar wird, so vertreten es christliche Theologen, mit dem Opfertod Christi die endgültige Abschaffung aller Opfer intendiert, doch stößt das Christentum in seiner Geschichte nicht wirklich zur Opferüberwindung vor, Zeugnis dafür ist der chronische christliche Antisemitismus. Nietzsche hat es so formuliert: „Schon Paulus meinte, ein Opfer sei nötig, damit die tiefe Verstimmung Gottes über die Sünde aufgehoben werde: und seitdem haben die Christen nicht aufgehört, ihr Mißbehagen über sich selber an einem Opfer auszulassen“ (Nietzsche 1881, S. 1073; Hervorhebung im Original).

Doch damit nicht genug: Um das Opfer rechtfertigen zu können, wird das Opfer selbst zum grausamen und alleinigen Opferer erklärt und eine beispiellose Täter-Opfer-Inversion eingeleitet. Das Christentum verkündet immer wieder, die Juden hätten Jesus geopfert, und macht sie damit selbst zu einem legitimen Opfer, das für das Heil der Welt dargebracht werden muss.

Allen apokalyptischen Bewegungen ist das Opferdenken zu eigen. Der endgültige Sieg des Guten muss und kann nur über die totale Vernichtung des Bösen, ein radikales Opfer erreicht werden. Besonders der Blick auf das nationalsozialistische Denken lässt die politischen und psychischen Dimensionen und Funktionen des Opfers sichtbar werden. Es war vor allem Goebbels, der, wie Bärsch (1995, S. 96-110) in seiner gründlichen Untersuchung der frühen Tagebücher von 1924-1927 herausstellt, sich von der Idee des Opfers sehr angezogen zeigte. In seinem Aufsatz Opfergang von 1927 erklärt er den „lieben Kameraden vom Opferbund in Berlin“ mit aller Deutlichkeit: „Opfert Im Opfer liegt die Reinigung von Schuld Geht den harten Opfergang um der Zukunft willen. (...) Das Opfer ist da alles. Es macht uns zu Helden der Tat, vor deren berauschendem Atem das Alte stürzt und das Neue sich formt wie von selbst“ (zit. n. Bärsch 1995, S. 107). Der Charakter dieses Opfers ist entscheidend: Es ist kein altruistisches Selbstopfer gemeint, es sind „die anderen“, die Juden (Goebbels nennt sie die „Trabanten des Bösen“), die für „Sieg“ und „Heil“ geopfert werden sollen. Der „Opfergang um der Zukunft willen“ verspricht die Befreiung von der „Verzweiflung an der Gegenwart“ und das „Wunder des neuen Reiches“. Goebbels markiert auch die religiöse Tradition, in die er seinen Opferkult gestellt sehen möchte: „Die Idee des Opfers gewann zum ersten Mal in Christus sichtbare Gestalt“ (Goebbels, zit. n. Bärsch 2002, S. 133). Jesus sei der erste gewesen, der klar erkannt habe, dass das universelle Heil nur aus dem Opfer erwachsen könne.
Die Juden mussten nun als jenes „Brandopfer“ hingeschlachtet werden, von dem wir hörten, dass es in der jüdischen Religion unbedingt untersagt ist. Der Verzicht auf das Opfer und das Opferdenken ist an die Annahme depressiver Schuld gebunden und bleibt ein dringendes Desiderat eines besser gelingenden Kulturprozesses. Ein, wenn nicht der zentrale Gradmesser für die Entwicklung unserer Kultur überhaupt ist die Überwindung des Antisemitismus, die eines unser dringlichstes und leidenschaftlichstes Anliegen sein muss und an unserer Fähigkeit hängt, Schuld empfinden und ertragen zu können.

http://www.psychoanalyse-laienforum.de/V...isemitismus.htm

the swot ( Gast )
Beiträge:

10.02.2006 20:52
#2 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

SOLIDARITÄT MIT ISRAEL!

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

10.02.2006 22:44
#3 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Solidarität mit allen, die sich an diesem Artikel versuchen.

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...was zu bezweifeln ist

Tiqvah Offline




Beiträge: 85

11.02.2006 05:19
#4 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Zitat von the swot
SOLIDARITÄT MIT ISRAEL!

Wir benötigen nicht unbedingt d "Solidarität" ! Zu mindest nicht von jedermann! Manche "Solidarität" bedeutet nichts anderes, als uns zu verkaufen und in dessen "Schatten" zu stellen,.... da sie bereit sind mit uns zu sein, wenn...... wir uns aufgeben selbst zu sein!

NEIN! DANKE! So nicht!

Tiqvah

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Die Wörter: "Antizionismus“ und "Antisemitismus" sind wie der Mantel eines Exhibitionisten der seiner Abnormalität zudecken sollte!!!!

Der eigentliche Bezeichnung von "Antisemitismus" und "Antizionismus": Judenhass bzw./ und Israelhass!

http://www.israel-shalom.net

Prometheus Offline




Beiträge: 392

11.02.2006 11:11
#5 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Zitat von Bruder Spaghettus
Solidarität mit allen, die sich an diesem Artikel versuchen.

Applaus


"Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen." (Friedrich Nietzsche)

Gisela Offline



Beiträge: 63

11.02.2006 16:08
#6 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Ehrlich gesagt, hab ich nicht viel Hoffnung, daß sich einige oder jemand ernsthaft mit obigem Artikel/Vortrag auseinander setzt und dann seine Meinung dazu schreibt, damit ein Dialog beginnen kann...

Der eine Satz "Solidarität" reicht dafür gewiß nicht aus...

Na, probiert es dennoch ein einzelner?

Gruß Gisela, die Unstudierte

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.035

11.02.2006 17:18
#7 Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

In Antwort auf:
Na, probiert es dennoch ein einzelner?
Vielleicht probierst DU es mit einer Kürzung auf das Wesentliche? Aus dem Dialog heraus - der dann auch das Interesse WECKT! - wirst du dann schon alles unterbringen können, was dir wichtig ist.

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

Gisela Offline



Beiträge: 63

11.02.2006 18:21
#8 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Bin ich Eure Gouvernante? Oder Erste-Klasse-Lehrerin?

Wer sich mit Judentum, christlichem Antisemitismus usw. nicht beschäftigen will, soll es eben lassen. Wer nicht philosophieren will mit oder gegen einen, der Wissenschaftler ist oder einen Doktortitel trägt, soll es lassen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Gisela Offline



Beiträge: 63

11.02.2006 18:27
#9 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Prometheus,

Du läßt eine gewisse Hoffnung durchblicken, Dich als sehr Studierter mit dem Vortrag auseinander setzen zu wollen. Bist ja im vielen Lesen geübt. Vom Admin braucht man das Lesen nicht zu erwarten oder gar zu verlangen, er hat andere Aufgaben!

Gysi Offline

Atheist


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11.02.2006 18:29
#10 Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

In Antwort auf:
Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Nee, dazu sage ich auch nix nehr!

Wenn du aus deinen Threads eine gestrenge Sonntagsschule machen willst, dann wirst du vergeblich nach Jüngern Ausschau halten. Die User hier sind in der Regel erwachsene Männer und Frauen, die mit eigenem Kopf auf gleicher Augenhöhe mit dir diskutieren wollen und sich meist schon in der Säkularität oder in religiösen Bekenntnissen eingenistet haben. An solche Leute trittst du hier heran, die schon einen Stück des Weges gegangen sind.

Gysi
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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.035

11.02.2006 19:58
#11 Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten
In Antwort auf:
Vom Admin braucht man das Lesen nicht zu erwarten oder gar zu verlangen, er hat andere Aufgaben!
Ich lese jeden Tag wie ein Bescheuerter in diesem Forum herum! Und - ob du es nun glaubst oder nicht - auch andere User haben bisweilen tolle Beiträge geschrieben! Auch andere Religionsverhaftete haben - überbordernd! - die Idee, die anderen User mit abkopierten 50-Meter-Posts beglücken zu müssen. Liest DU denn diese 10-Tonnen-Posts, die andere schreiben resp. kopieren? Sehe mir bitte nach, dass mein Tag nur 24 Stunden hat... Und außerdem gibt es manchmal was anderes und schöneres zu tun, als Forenbeiträge zu studieren... Aber ich fasse meine "Arbeit" hier als meine Berufung auf - neben meinem Broterwerb. Ich dachte, in den reiferen Jahren wächst man aus der kindischen Egomanie heraus, Gisela... Lass uns also mal lieber vertragen und den jungen Kiddies hier ein Beispiel sein...

Gysi
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Gisela Offline



Beiträge: 63

12.02.2006 06:57
#12 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Hallo Gysi,

ich denke schon, daß Du sehr viel Arbeit hast!
Deshalb fragte ich mich, warum Du bei jedem Thema auch Deinen Senf dazugeben mußtest? Hättest Du uns nicht von Deiner Seite aus in "Ruhe lassen" können? Vielleicht hätte sich doch ein Gespräch ergeben...

Ich will ja nicht mit Dir streiten, Du sitzt an Deinem längeren Hebel. Aber wenn Du schon bereit warst, z.B. das Thema "Judentum,Christentum..." aufzunehmen, dann müßtest Du doch auch erlauben, daß sich Menschen entsprechend ihrer Einstellung äußern dürfen oder nicht? Ihnen die Tür zu weisen - na, das ist ja das Allerletzte, was ich mir vorstellen könnte, und du hast es getan. Es würde mich freuen, wenn Du ein paar Worte der Entschuldigung finden würdest.

Wenn Du Atheist bist und viele andere auch, warum geht Ihr dann mit so großem Elan in Themen, die außerhalb Eures Blickkreises liegen, schmäht und beschimpft sie??????? Wirklich ekelhaft! Ist mir noch nirgends so passiert wie in diesem Forum!

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

12.02.2006 07:26
#13 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

In Antwort auf:
dann müßtest Du doch auch erlauben, daß sich Menschen entsprechend ihrer Einstellung äußern dürfen oder nicht?

Dann warst du wohl noch nicht in den richtigen Foren. Hier kann jeder zu allem Stellung nehmen, auch der Moderator. Eine Gesinnungsauswahl bei den unterschiedlichen Themen darf und wird es nicht geben.

Sollte auch nicht nötig sein, denn wer stark ist in seinem Glauben kann den sowohl hinterfragen als auch hinterfragen lassen.

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...was zu bezweifeln ist

Tiqvah Offline




Beiträge: 85

12.02.2006 08:14
#14 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Zitat von Gisela
Hallo Gysi,
ich denke schon, daß Du sehr viel Arbeit hast!
Deshalb fragte ich mich, warum Du bei jedem Thema auch Deinen Senf dazugeben mußtest? Hättest Du uns nicht von Deiner Seite aus in "Ruhe lassen" können? Vielleicht hätte sich doch ein Gespräch ergeben...
Ich will ja nicht mit Dir streiten, Du sitzt an Deinem längeren Hebel. Aber wenn Du schon bereit warst, z.B. das Thema "Judentum,Christentum..." aufzunehmen, dann müßtest Du doch auch erlauben, daß sich Menschen entsprechend ihrer Einstellung äußern dürfen oder nicht? Ihnen die Tür zu weisen - na, das ist ja das Allerletzte, was ich mir vorstellen könnte, und du hast es getan. Es würde mich freuen, wenn Du ein paar Worte der Entschuldigung finden würdest.
Wenn Du Atheist bist und viele andere auch, warum geht Ihr dann mit so großem Elan in Themen, die außerhalb Eures Blickkreises liegen, schmäht und beschimpft sie??????? Wirklich ekelhaft! Ist mir noch nirgends so passiert wie in diesem Forum!

Hallo Gisela!

Schön dass du an unsere Seite bist! Doch würde ich gerne erfahren wie du dazu kammst ..da wohl sehr wenige so weit sind. Kennst du Juden? Warst du mal in Israel? Oder was veranlasst dich die eigene Landsleute und Volkan/zugehörige sich derart die Schranken zu weisen und zu fordern?

Ales Gute und viel Kraft!

Tiqvah Bat Shalom
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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.035

12.02.2006 09:20
#15 Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

In Antwort auf:
warum Du bei jedem Thema auch Deinen Senf dazugeben mußtest? Hättest Du uns nicht von Deiner Seite aus in "Ruhe lassen" können?
Ich habe das Forum nicht ins Leben gerufen, um mein Maulwerk zu halten. Das hier ist überigens kein PREDIGT- sondern ein DIALOGforum!
In Antwort auf:
Ich will ja nicht mit Dir streiten, Du sitzt an Deinem längeren Hebel.
Doch, ich will mit dir "streiten"! In einem zivilen Rahmen mit ARGUMENTEN. Sowas nennt man dann "Streitkultur"...
In Antwort auf:
Wenn Du Atheist bist und viele andere auch, warum geht Ihr dann mit so großem Elan in Themen, die außerhalb Eures Blickkreises liegen,
Nee, liegt nicht "außerhalb meines Blickkreises". Ich beschäftige mich seit 40 Jahren schon mit Religion. Ich kenne mich natürlich nicht mit jeder Religion detailliert aus. Deswegen stelle ich ja auch Fragen, die ich gerne beantwortet hätte. UNd wenn ich darauf pampige Antworten wie: "Mit deinem Bibelstudium bist du noch nicht so weit, dass du irgend eine Antwort verstehen könntest." - wobei Tiqvah nicht wissen kann, wie weit ich mit meinem "Bibelstudium" bin - dann muss die Frage gestattet sein, was er in einem Dialogforum will!
Gerade Tiqvah ist von einem Dünkel geprägt, der für das Judentum keine Werbung ist!
Ich bin kein Antisemit - und in dem Konflikt Israel - Palästina bin ich emotional immer mehr auf der Seite der Juden gestanden!

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

Gisela Offline



Beiträge: 63

12.02.2006 09:34
#16 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Verehrter Tiqvah!

Ich danke Dir für Deine Nachricht und guten Wünsche, die ich gleich an Dich zurückgeben möchte!

In der Rubrik "Vorstellung" hab ich einen winzigen Ausschnitt aus meinem langen Leben gesetzt. Ich wiederhole hier:

"Ich suchte ein neues Forum, weil ich in den kirchlichen Foren wirklich nichts Befriedigendes fand..., und so dachte ich "Religionsforum" könnte etwas anderes sein, zumal auch der Strang "Judentum, Christentum,Islam" angegeben ist. Aber ich erlebte, wehe, wenn man sich als Deutsche auf die Seite von Juden und Israel stellt...

Ich will es nicht verheimlichen: ich bin Jahrgang 1936. Erlebte also ein bisschen Kriegszeit, die Befreiung durch die Amerikaner, die Gründung der DDR und der BRD, die Bundestagsdebatten, aber erfuhr sehr, sehr spät etwas über die Judenverfolgung, die zuvor stattgefunden hatte, in einem Ausmaß, was alles Vorstellbare übertrifft. Deshalb fing ich 1967, zuvor nach Stuttgart umgezogen, an, mich für Israel und seine Nachbarn zu interessieren, sah 1978 den Film "Holocaust" in 4 Teilen und und und

Als ich meine Berufsjahre vollendet hatte, ergab sich die Möglichkeit, längere Zeit in Israel zu verbringen, Juden noch näher kennenzulernen als schon zuvor, sie schätzen und lieben zu lernen...

Ich denke, das reicht vorerst, um zu verstehen, warum und wozu ich mich so sehr engagiere und denen "böse" bin, die nur vom grünen Tisch aus nachplappern und ganz verrückte Meinungen haben, die mit Realität überhaupt nichts zu tun haben."

Daraufhin kam ein kleines Bonbon: "Find ich toll, daß hier jemand mit einer langen Lebenserfahrung reinkommt. Ist ja doch recht selten. Wie bist Du zu diesem Forum gekommen?"

Wie ich zu diesem Forum kam, schrieb ich ja schon oben, ich war eben auf der Suche, und zuvor bin ich schon in vielen anderen Foren auch gewesen.

Gisela


Gisela Offline



Beiträge: 63

12.02.2006 09:38
#17 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Ach was??

Gysi, Du bist emotionell im Konflikt NO auf der Seite der Juden gestanden? Kann ich mir gar nicht vorstellen bei all Deiner Argumentation bisher...

Wie kann das zusammenpassen? Da kommt ein Tiqvah daher, der in Israel lebt, und schon schmeißt Du Dich auf ihn, verprügelst ihn und weist ihm die Tür...

Heuchelei von Deiner Seite? Kein Mut zur Wahrheit?

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.035

12.02.2006 09:58
#18 Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten
In Antwort auf:
Heuchelei von Deiner Seite? Kein Mut zur Wahrheit?
Du hast offensichtlich noch nicht mitgekriegt, dass der Islam nach meinem demokratischen und freiheitlichen Weltbild eine faschistoide Ideologie ist und sich die Muslime zu großen Teilen heutzutage leider entsprechend geben.
Von den Juden kenne ich Besseres. Dass Israel z.B. eine gefestigte Demokratie hat. Dass die Juden nicht missionieren usf. Ich habe solche wie Spiegel und Friedman wahrgenommen. (Und natürlich Einstein!) Friedman wird als arrogant und doppelbödig von der Mehrheit der Deutschen eingeschätzt - kann ich auch verstehen. Aber seine Fernsehmoderationen mochte ich immer. Jedoch solche fundamentalistisch Verbohrten, Dünkel- und hassbeladenen und völlig dialogunfähigen jüdischen Zeitgenossen wie Tiqvah und dich habe ich noch nie erlebt!

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

Prometheus Offline




Beiträge: 392

12.02.2006 16:13
#19 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Zitat von Gysi
Aber seine Fernsehmoderationen mochte ich immer. Jedoch solche fundamentalistisch Verbohrten, Dünkel- und hassbeladenen und völlig dialogunfähigen jüdischen Zeitgenossen wie Tiqvah und dich habe ich noch nie erlebt!

Ich glaube tatsächlich, Gisela wünscht sich nichts sehnlicher als Jüdin sein zu dürfen, deshalb kann sie auch nicht erkennen, dass wir ihren positiven Rassismus dem Judentum gegenüber nicht akzeptieren können und wollen.


"Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen." (Friedrich Nietzsche)

freily ( Gast )
Beiträge:

28.02.2006 18:21
#20 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Shalom the swot,

lass dich von der Tiqvah nicht verdriesen, die hat ihr eigenes G-ttesbild und einen unbändigen Hass auf die Deutschen.

Manche begreifen es eben nie, dass der HaSchem eigentlich nur Barmherzigkeit will, statt der Schlachtopfer.

Deshalb: SOLIDARITÄT MIT ISRAEL !


freily®©

freily ( Gast )
Beiträge:

28.02.2006 18:31
#21 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Jaja Gisela,

hast bei der katholischen Kirche gut aufgepasst, Heuchelei ist die erste Stufe der Boten G*TTes, oder wie soll ich diesen deinen Beitrag verstehen.

Ist doch die Tiqvah eine Frau und lebt in Israel - und - ist deine Herrin nach deinem eigenen Willen und schreibt euch gegenseitig Beiträge?

Kein Wunder, wenn sich viele abwenden, wenn ihr das VOLK Israel derart in den Schmutz zieht, mit solchen heuchlerischen Beiträgen ! Etwas wirklich sinnvolles habe ich von euch noch nichts gelesen, ausser Hasstriaden.!

Freundlichst

freily®©

freily ( Gast )
Beiträge:

28.02.2006 20:09
#22 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

Hallo Gysi,

bitte erwarte von uns dummen und Blingläubigen nicht zu viel, da wir ja sonst keine Pespektiven haben
freily®©

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.035

28.02.2006 20:20
#23  Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

In Antwort auf:
bitte erwarte von uns dummen und Blingläubigen nicht zu viel, da wir ja sonst keine Pespektiven haben
freily®©
Doch, habt ihr! Aber außerhalb faschistoider Glaubensbekenntnisse...

Gysi
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freily ( Gast )
Beiträge:

22.05.2006 22:44
#24 RE: Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten
Zitat von Gysi
Doch, habt ihr! Aber außerhalb faschistoider Glaubensbekenntnisse... Gysi
Aha, das wäre was dieses faschistoider
Sorry, habe den Beitrag erst heute entdeckt.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.035

23.05.2006 09:11
#25 Psychoanalyse des christl. Antisemitismus antworten

In Antwort auf:
Aha, das wäre was dieses faschistoider
Sorry, habe den Beitrag erst heute entdeckt.
Eine Religion, die aus Ungläubigen Unwürdige macht, ihre Glaubensgrundsätze dogmatisiert, die substanzielle Kritik ablehnt und hart stigmatisiert.

Gysi
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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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