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Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 146 Antworten
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 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
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dersogeht Offline



Beiträge: 39

03.09.2006 22:34
#51 RE: Buddhismus eine Religion? antworten
Servus Gysi,

ich hab mal die Urlehre rausgekramt. Nachzulesen im Glossar von http://www.theravadanetz.de

Nibbana/Nirvana: Nibbana (Pali) bzw. Nirvana (Sanskrit) bedeutet »Erlöschen«. Höchstes und letztes Endziel im Buddhismus. Nibbana ist eine letztendliche, überweltliche Realität, frei von Entstehen und Vergehen, die es zu erfahren gilt. Es ist die restlose, unumkehrbare Befreiung von allen Fesseln (samyojana) und unheilsamen Wurzeln, insbesondere von Gier, Hass und Verblendung, die absolute Leidfreiheit. Nibbana ist der Ausstieg aus Samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburten. Nibbana kann bei Lebzeiten erlangt werden – dann ist es das Erlöschen der Geistestrübungen und Leidenschaften – und im Tod ist es das restlose Erlöschen auch aller Daseinsgruppen bzw. aller geistiger und körperlicher Prozesse. (Hier beginnt dann die neuere Lehre -> ) Darüber hinaus bedeutet Nirvana im Mahayana auch Freiheit von Bindungen an Illusionen und Begierden, Erfahrung des Eins-Seins mit dem Absoluten, der Einheit von Samsara mit dem Transzendenten, Aufhören allen Unterscheidens und aller Trennungen.
dersogeht

Gysi Offline

Atheist


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03.09.2006 22:48
#52 Buddhismus eine Religion? antworten

In Antwort auf:
Nibbana ist der Ausstieg aus Samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburten. Nibbana kann bei Lebzeiten erlangt werden – dann ist es das Erlöschen der Geistestrübungen und Leidenschaften –
Der Zustand der Begierden zwingt dich in die Wiedergeburtenkette zurück. Der nirvanische Zustand jedoch befördert dich also aus der Wiedergeburtenkette raus. Warum? Immerhin musst du dann noch atmen und wenigstens dein halbes Brötchen täglich essen. Warum werden diese Mini-Begierden nicht weiter in der Wiedergeburtenkette transformiert - aber die größeren schon? (Auch die Theorie der Wiedergeburtenkette selber efordert Determinanten, die gewagt sind - ich sagte es ja schon.)
In Antwort auf:
Erfahrung des Eins-Seins mit dem Absoluten, der Einheit von Samsara mit dem Transzendenten, Aufhören allen Unterscheidens und aller Trennungen.
Ich kann mir nicht helfen: diesen Zustand verbinde ich mit nichts anderem als dem - Tod.

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

dersogeht Offline



Beiträge: 39

03.09.2006 23:02
#53 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Könnte doch auch sein, das Erlöschen einfach nur cool ist oder? Was die Mini-Begierden anlangt, ich weiß es nicht, aber ich glaube, dass die kurz einmal auftreten und dann wieder verschwinden (reicht zum Brötchen essen). Die Feedback-Schleife die Hass und Gier am brennen halten funktioniert einfach nicht mehr. Das kennt man doch, wenn man mal so richtig sauer ist dauerts bis man wieder runter kommt.
dersogeht

Gysi Offline

Atheist


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03.09.2006 23:15
#54 Buddhismus eine Religion? antworten

In Antwort auf:
Könnte doch auch sein, das Erlöschen einfach nur cool ist oder?
Klar, abnippeln ist geil! No Pain, no trouble. Ärger bereitet nur das Leben selbst! Hat der Buddha schon richtig erkannt.
In Antwort auf:
Was die Mini-Begierden anlangt, ich weiß es nicht, aber ich glaube, dass die kurz einmal auftreten und dann wieder verschwinden
Verstehe ich jetzt nicht. Ich meinte, dass die "Begierden" nie ganz verschwinden können, solange man lebt und atmet. Und ich stellte die Frage: Warum gehen diese "Begierden" nicht in die Wiedergeburtenkette ein (weil man sich ja so im Nirwana befindet), mit den fetten, ethisch negativ bewerteten Begierden aber wohl?

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

dersogeht Offline



Beiträge: 39

04.09.2006 07:22
#55 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Nibbana ist nicht abnibbeln. Es hat mehr was mit innerem Frieden zu tun. Es bringt ein natürliches ethisches Verhalten hervor ohne Regeln und Gebote. Man sagte auch es sei die höchste Sicherheit. Ein Leben ohne Leiden ohne Angst, ohne Überheblichkeit oder Minderwertigkeitsgefühle, ohne Zweifel und innere Unruhe.
Das mit den Wiedergeburten liegt bei mir noch in der Arbeitsmappe. Es mag so sein oder anders, wer weiß das schon?
dersogeht

Gysi Offline

Atheist


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04.09.2006 09:48
#56 Buddhismus eine Religion? antworten
In Antwort auf:
Das mit den Wiedergeburten liegt bei mir noch in der Arbeitsmappe. Es mag so sein oder anders, wer weiß das schon?
Na, dann braucht dich das "Nibbana" auch nicht zu interessieren. Das ist immerhin eine Kategorie der Wiedergeburtenketten-Theorie. Aber es geht dir eben schon darum, die Ewigkeit im Hier und Jetzt zu erreichen, richtig? Es geht dir auch um das Glück, einen höheren Bewusstseinsgrad, "richtig" sein, kein Leid.

a) Du schreibst von einem "natürlichen ethischen Verhalten". Ethisches Verhalten hat gewiss eine natürliche Grundlage, aber es ist aus der menschlichen KULTUR geboren! Es ist ein Ergebnis der ERZIEHUNG! Und die geschieht nicht durch Meditation. Sprich: Die SELBSTbeschäftigung ist nicht der Weg zum "natürlichen ethischen Verhalten".

b) "Ein Leben ohne Leiden ohne Angst, ohne Überheblichkeit oder Minderwertigkeitsgefühle, ohne Zweifel und innere Unruhe." Das sind alles Gefühle, die in einem Verhalten zu ANDEREN erzeugt werden! Ergo muss man dieses Verhalten auch nachstellen, um Entgleisungen (die einem selber nicht guttun), zu heilen. Diese Heilung nenne ich Psychotherapie. Kann die Meditation eine solche Heilungsmethode sein? Ja, sie kann. Aber sie kann nicht von der Psychotherapie separiert werden, wenn sie diese Ziele haben soll => keine innere Unruhe, keine Minderwertigkeitsgefühle...

c) Buddhismus ist eine Religion der Selbstbeschäftigung (während das Christentum, Judentum und der Islam Gesellschaftsreligionen sind). Du hast dich für die Selbstbeschäftigung entschieden. Du willst dir selbst genügen. Bist du dir da sicher? Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen! Womit ich nicht für die Gesetzes- (Gesellschafts-) -religionen werben will, ich will nur sagen, dass das Leid der Menschen in seinem Umwelterleben liegt - und seine Heilung ebenso!

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

dersogeht Offline



Beiträge: 39

04.09.2006 21:18
#57 RE: Buddhismus eine Religion? antworten
Das mit den Wiedergeburten ist für mich im Moment nicht interessant. Den Aspekt der absoluten Leidfreiheit finde ich dafür um so mehr beachtenswert. Auch sind sich Gurus, Meister, Erleuchtete und Mystiker in der Welt einig, dass unsere Sichtweise sehr verzerrt ist. Da ist eine Verkehrtheit, sagen sie, die man bei Lebzeiten überwinden kann. Genau, und das ist doch ein nettes Hobby. Ich finde einfach nichts daran Trivial Persiude zu spielen oder Briefmarken zu sammeln.

zu a) Und es geht doch! Wenn man das Ego kleinkriegt, verhält man sich automatisch sozial. Es gibt im Deutschen den schönen Begriff der Selbstlosigkeit, bzw. des selbstlosen Handelns - das triffts eigentlich ganz gut. Knigge wird dann überflüssig.

zu b) Buddhistische Meditation hat mir geholfen Panikattacken zu 90% in den Griff zu bekommen. Mein Psychater war nur in der Lage die Symptome mit Tabletten unter Kontrolle zu bringen. Übrigens der Anteil, der von fernöstlicher Meditation in der Psychotherapie übernommen wurde ist bestimmt um ein Hundertfaches größer als der Anteil der von der modernen Psychotherapie in die fernöstliche Traditionen geschwappt ist.

zu c) Man kann auch alleine Leiden und heil werden. Die Idee der Läuterung, Klausur, retreat, des Rückzugs und der Arbeit an sich selbst, oder der Besinnung, die gibts nun bei Weitem in allen Religionen und Kulturen. Es muss also was haben. Solange man dabei nicht geisteskranker wird als man eh schon ist, finde ich das eher positiv. Denk doch nur mal daran was den ganzen Tag gequasselt wird. Im Fernsehn bei der Arbeit zu Hause. Häufig ist davon doch 90% nur Müll und der Rest dreht sich ums Wetter. Stille sein ist mittlerweile etwas Unerträgliches.

dersogeht

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

04.09.2006 22:11
#58 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

In Antwort auf:
Es gibt im Deutschen den schönen Begriff der Selbstlosigkeit, bzw. des selbstlosen Handeln


Stimmt, im Deutschen gibt es das, nicht aber in der Realität. Deshalb halte ich es für völlig falsch, das Ego zu schrumpfen bis es winzig oder ganz weg ist. Entscheidend ist, dem Ego klar zu machen, was für es wirklich gut ist. In der gesamten Evolution hat sich gezeigt, die, die kooperativer sind, haben bessere Chancen, weil sich auch andere ihnen gegenüber kooperativ zeigen.

Man muss das Ego als solches nicht nur akzeptieren, sondern fördern. Nur halt mit dem Inhalt: Mir geht es nur wirklich gut, wenn es auch meinem Nachbarn gut geht.




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dersogeht Offline



Beiträge: 39

04.09.2006 22:33
#59 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Wer von uns wäre nicht bereit dem Nachbarn den Schädel einzuschlagen, wenn das eigene Überleben davon abhängt? Das Ego ist so ziemlich für alles menschengemachte Übel auf dieser Erde verantwortlich. Krieg, Zerstörung der Umwelt, Vergewaltigung, Vertreibung, Diebstahl, Mord. Also nimm bitte nicht das Ego in Schutz. Und es gibt auch kein wohlerzogenes Ego. Das ist eine Illusion. Es ist die Natur des Egos egoistisch und triebhaft zu handeln, sonst wäre es nicht das Ego.
dersogeht

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

05.09.2006 08:07
#60 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Das Ego ist das Wichtigste. Dass das Ego immmer egoistisch ist, liegt ja wohl an der Natur der Sache. Das es immer triebhaft ist, dürfte auch richtig sein. Allerdings in sehr verschiedenen Abstufungen. Für mich ist völlig klar, es ist nicht sinnvoll, das Ego abzuschaffen, sonder es zu steuern. Ohne Ego keine Entwicklung, keine Evolution.
Deinen Weg sehe ich als achtenswert für den Einzelnen, aber unmöglich für die Masse.




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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.090

05.09.2006 09:26
#61 Buddhismus eine Religion? antworten

In Antwort auf:
Und es gibt auch kein wohlerzogenes Ego. Das ist eine Illusion.
Gibt es keine Erziehung? Das positive Ergebnis der Erziehung ist die intelligente Steuerung der Egos zum Vorteil aller. Ganz nach dem Motto: Es ist besser, gemeinsam produktiv zu sein, als sich die Köppe einzuschlagen. Die harmonisierte Gemeinschaft ist das Produkt der in den Egoismen angelegten Triebe! Andere Triebe haben wir nicht.
Warum willst du dein Ego verdrängen? Weil es dir Ärger bereitet hat? Du solltest dein Ego fördern - sagte Spaghettus ja schon -, denn nur dein Ego ist der Quell deines Willens, deines Lebensbewusstseins und deines Glücks! Wenn dein Ego dir Ärger bereitet, pocht es lediglich versäumtes Leben ein. Ich gehe mal davon aus, dass es hierum geht. Das ist nicht zu verdrängen, das muss man behandeln, Versäumnisse aufheben, Krankheiten heilen. Verdrängung schafft dir kurzfristig Vorteile, die Vorteile einer opiaten Zudröhnung. Vielleicht sage ich das jetzt zu hart, sorry. Das Ego verlangt über viele Wege sein Recht zu leben. Das kannst du ihm nicht so einfach nehmen.

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

dersogeht Offline



Beiträge: 39

05.09.2006 22:33
#62 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Nein. Der Versuch das Ego zu verdrängen stärkt den Glauben an das Ego. In der buddhistischen Meditation beobachtet man gewisser Maßen die Vorgänge der eigenen Psyche. Dabei schimmert durch, dass Ego, Selbst oder das Ich nicht existieren. Man muss da nicht daran glauben. Man muss es auch nicht verstehen. Es reicht wenn man sich dieser, zum Teil unbewussten Erkenntnis aussetzt. Dieses "sich-daran-reiben" bewirkt eine Veränderung. Das Ich oder das Ego ist nicht das was ich bin. Es ist eine gedankliche Krücke, die vom Verstand erzeugt wird. Wenn ich wüsste, das ich mit einem großen illusionären Ego ein tolles Leben hätte, dann macht das Fördern des Egos für mich einen Sinn. Aber im allgemeinen sind mir Personen mit großen Egos eher unsympatisch. Umgekehrt betrachtet doch mal nette Menschen oder ältere Menschen, denen man eine gewisse Weisheit zuspricht. Mit denen ist ein Begegnung immer ein Freude. Und was sie auszeichnet, das sind die kleinen Egos.
Nun muss ich noch irgend einen Beleg dafür anführen, dass das Selbst im Buddhismus als illusionär betrachtet wird.
Im "Buddhistischen Wörterbuch" von Nyanatiloka (deutscher buddh. Mönch) Srilanka/Ceylon 1952 findet sich dies

anattá

Nicht-Selbst oder Nicht-Ich oder Unpersönlichkeit, Selbstlosigkeit.

Die Tatsache, dass allen Dingen jegliche dauerhafte Essenz oder Substanz fehlt, die man eigentlich als "Selbst" bezeichnen könnte.

Diese Lehre von anattá oder der Unpersönlichkeit besagt, daß es weder innerhalb noch außerhalb der körperlichen und geistigen Daseinserscheinungen irgend etwas gibt, das man im höchsten Sinne als eine für sich bestehende unabhängige Ich-Wesenheit oder Persönlichkeit bezeichnen könnte.

Über Anatta gibts aber auch nen Wikipedia Artikel.
Und, last not least, die moderne Philosophie und die Neurowissenschaften bestätigen inzwischen die Nichtexistenz von Ich. Siehe hierzu den Artikel im FOCUS vom Feb. 06: "Atombomben fürs Ich"

dersogeht

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

05.09.2006 23:03
#63 RE: Buddhismus eine Religion? antworten
In Antwort auf:
. Der Versuch das Ego zu verdrängen stärkt den Glauben an das Ego. In der buddhistischen Meditation beobachtet man gewisser Maßen die Vorgänge der eigenen Psyche. Dabei schimmert durch, dass Ego, Selbst oder das Ich nicht existieren. Man muss da nicht daran glauben. Man muss es auch nicht verstehen.


Verstehen kann man das wirklich nicht. Das Ego gibts gar nicht aber es zu verdrängen stärkt den Glauben ans Ego. Kurz vorher hast du noch gesagt, das Ego wäre Schuld an allem Schlechten dieser Welt. Was denn nun? Gibts Ego oder nicht?

Für mich ist das keine Frage, aber was meinst du nun eigentlich?

Übrigens ist das Lenken des Egos durch Ethik in bestimmte Bahnen keinesfalls Verdrängen. Darunter verstehe ich eher, was du machst. Mein Weg führt zur Stärkung des Egos und macht so weniger anfällig für Gleichschaltung. Das beugt durchideologisierten Gesellschaften vor.

Ein Hoch auf´s Ego.

Ego, auch oder gerade starkes Ego, muss übrigens nichts mit gemeinschädlich, unkooperativ, rücksichtslos usw. zu tun haben.
Auch wenn es im Sprachgebrauch oft so verstanden wird.




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dersogeht Offline



Beiträge: 39

05.09.2006 23:57
#64 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Ego ist eine hohle Luftblase. Wenn ich versuche sie zu verdrängen, habe ich alleine durch den Versuch schon gezeigt, dass ich diese Illusion für echt halte. Ego existiert als Fatamorgana. Das Lenken impliziert auch dass da jemand ist der lenken könnte. Die Idee von Kontrolle ist Ausdruck des Glaubens an ein eigenständiges Selbst. Ich ahne schon, dass dir jetzt Gedanken äußerster Abneigung durch den Kopf gehen. Schnippe mit dem Finger und die Abneigung ist weg - geht nicht! Du kannst es nicht tun. Das ist die Nichtkontrollierbarkeit. Sie weist darauf hin dass das Selbst (Ego) nicht existiert. Selbst zu sein definiert sich über Kontrolle. Ohne Kontrolle kein Selbst. Probiere zu verhindern, dass der Gedanke Soundso jetzt in Dir aufsteigt. Versuche ein schlechtes Gefühl ins Gegenteil zu verkehren. Ich kriegs nicht hin. Du vielleicht?

dersogeht


Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

06.09.2006 08:37
#65 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

In Antwort auf:
Versuche ein schlechtes Gefühl ins Gegenteil zu verkehren. Ich kriegs nicht hin. Du vielleicht?



Mit Fingerschnippsen sicher nicht. Aber sonst gibts schon Wege. Du selbst versuchst ja auch einen.

Warum das aber ein Beweis für die Nichtexistenz des Egos sein soll, sehe ich nicht. Eher umgekehrt. Denn die gleiche Aktion kann bei unterschiedlichen Betrachtern oder Beteiligten durchaus unterschiedliche Gefühle auslösen. Das wäre für mich also eher ein Beweis für die Existenz des Egos.

Aber vielleicht sollten wir hier das gleiche machen, wie bei der Wahrheit? Erst mal versuchen zu einigen, was jeder so unter Ego versteht.




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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.090

06.09.2006 09:42
#66 Buddhismus eine Religion? antworten

In Antwort auf:
Aber vielleicht sollten wir hier das gleiche machen, wie bei der Wahrheit? Erst mal versuchen zu einigen, was jeder so unter Ego versteht.
Ego ist die Ich-Wahrnehmung und mit eigenen Bedürfnissen und einem eigenen WILLEN ausgezeichnet, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Können wir uns darauf einigen?

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

06.09.2006 11:03
#67 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Kann ich mitgehen, würde evtl. noch erweitern: Ich - Wahrnehmung eines jeden Individuums, aber das versteht sich eigentlich auch von selbst.




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dersogeht Offline



Beiträge: 39

06.09.2006 19:06
#68 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Hm, weiß nicht. Geht man mal davon aus das Ego existiert, was ich weiterhin bestreite, so ist das Ego, denke ich, ein Etwas das mögen tut oder nicht mögen tut, bzw. haben will oder nicht haben will, oder sein will oder nicht sein will. Es ist der Punkt an dem die Fäden zusammen laufen, von Haben, Sein oder Mögen.

Eine Wahrnehmung wäre z.B. sehen, hören, riechen usw. und natürlich auch die Wahrnehmung im Kopf mit der ich z.B. einen Gedanken wahrnehme. Wahrnehmung ist für mich zunächst der Akt selber und nicht der Wahrnehmungs-Inhalt. Der Inhalt ist eurer Definition nach Ich. Hm.

dersogeht

dersogeht Offline



Beiträge: 39

06.09.2006 19:36
#69 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Eine andere Frage wäre, ist Ich, Ego, Persönlichkeit, Identität und Selbst das gleiche? Was würdet Ihr ausklammern und wo gibt es Synonyme zu Ego?

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

07.09.2006 08:18
#70 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Willst du das alles hier in die Diskussion einführen? Das würde dann Ebenen erreichen, die so viel Beschäftigung mit den Begriffen verlangt, dass es ziemlich zeitaufwändig wird und für mein Gefühl auch zu "hoch" bzw. "tiefgehend".

Aber erst mal soviel: Ich und Ego sind für mich eins. Selbst ein Teil des Ichs. Persönlichkeit und Identität beziehen für mich beide den Körper mit ein, wobei sich Persönlichkeit entwickelt als Summe unseres Wissens, Anschauungen, Körperlichkeit während Identität sich auf wesentliche Merkmale beschränkt, die nahezu unverändert bleiben und uns von anderen unterscheiden.




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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.090

07.09.2006 13:00
#71  Buddhismus eine Religion? antworten

@ dersogeht

Ist das Ego etwas, was sich auf Kosten anderer ausbreitet? Aber sowas - den Narziß, die rücksichtslose Eigenliebe - gibt es doch auch! Du sagst ja, das Ego sei eine Illusion. Ich kann dieser Idee nicht folgen.

Du definierst das bescheidene Wesen als ein Wesen mit weniger Ego. Daraus schließt du, dass es das Beste sei, gar kein Ego zu haben. Auch dieser Überlegung kann ich nicht folgen. Ein Mensch ist ja auch nicht umso mehr Mensch, je mehr Kilo er auf die Waage bringt. Das intelligente Ego kann durchaus zur Zielsetzung haben, die Menschen - die anderen Egos - so zu gewinnen, dass es geliebt wird! D.h., es nimmt sich zurück - um zu gewinnen!

Aber ich kann mir vorstellen, dass wir mit unterschiedlichen Begriffsdefinitionen arbeiten. Ego ist der naturverankerte WILLE, der sich an einen Körper bindet (aus dem auch ein ganzer Seelen-Komplex entspringt). Kann sein, dass wir mit der Interpretation nicht übereinkommen? Aber du weißt, was ich meine? Und dieses Ego gibt es doch! Jedes Tier, jede Pflanze verfügt über sowas. Dem musst du doch zustimmen können, oder?

Gysi
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dersogeht Offline



Beiträge: 39

09.09.2006 09:18
#72 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

Mir is noch eine spannende Frage zur Wahrnehmung von Ich gekommen: Wer ist es eigentlich, der das Ich wahrnimmt?

Ich und Ego sind das Gleiche, prima find ich auch. Selbst ist Teil des Ichs - ok.

Hm. Wenn der Körper sich verändert, also z.B. der Blinddarm wird entfernt, dann bin ich hinterher jemand anders? -Oder ist mein linker kleiner Finger ein Teil von dem was ich wirklich bin? Wenn ich den Finger bei einem Unfall verlieren würde, dann mache ich nicht mehr die gleichen Witze oder führe Disskusionen im Internet? Die Einsicht, die sich für mich daraus ergibt ist: Ich bin nicht mein Körper. Ich bin nicht mein Wissen, ich bin nicht meine Gedanken, ich bin nicht meine Gefühle oder meine Wahrnehmung. Ich beziehe zwar immernoch mein Ich-Gefühl aus Körper, Gedanken, Gefühlen und Wahrnehmung, aber ich glaub nicht mehr so recht daran das ich das bin. Identität ergibt sich aus der Identifikation, das Beziehen eines Ich-Gefühls aus irgend etwas. Ich bin aber weder mein Auto noch mein Haus, noch mein Boot (noch bin ich ihretwegen mehr) und auch nicht meine Perspektive. Das wird den Leuten immer so gerne erzählt: "...., dann hast Du eine Perspektive, identifiziere dich damit und Du bist glücklich und kommst bald nach Hause. Dann bist Du wer!"

Übrigens. Das "tiefgehen" ist leider eine Vorraussetzung, um auf den Grund zu stoßen.

dersogeht Offline



Beiträge: 39

09.09.2006 09:35
#73 RE: Buddhismus eine Religion? antworten

"Ein Mensch ist ja auch nicht umso mehr Mensch, je mehr Kilo er auf die Waage bringt." Vollkommen richtig. Ich werde nicht mehr, wenn sich zunehme und ebenso werde ich nicht weniger (oder mehr), wenn ich abnehme.

Der naturverankerte Wille taucht auf. Nur ist m.E. niemand da der ihn hat. Dort wo die Fäden zusammenlaufen von Wille in all seinen Ausdrucksformen, lässt sich Ego oder Ich nicht finden. An diesem Punkt ist Nichts (im tiefsten Sinne seiner Bedeutung).

Es gibt einen schönen Spruch, der sehr tief geht:
Weisheit bedeutet zu erkennen, dass du nichts bist. Liebe bedeutet zu erkennen, dass du alles bist.

dersogeht

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.090

09.09.2006 09:36
#74 Buddhismus eine Religion? antworten

In Antwort auf:
Die Einsicht, die sich für mich daraus ergibt ist: Ich bin nicht mein Körper. Ich bin nicht mein Wissen, ich bin nicht meine Gedanken, ich bin nicht meine Gefühle oder meine Wahrnehmung.
Ja, ein sehr guter Gedanke. Aber was ist es denn, was dich treibt? Was dich zum Kühlschrank treibt, zu den Menschen, die du liebst, ins Religionsforum...

Gysi
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Die Menschheit befindet sich in der Vorgeschichte der Menschheit (Karl Marx)

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

09.09.2006 16:02
#75 RE: Buddhismus eine Religion? antworten
In Antwort auf:
Hm. Wenn der Körper sich verändert, also z.B. der Blinddarm wird entfernt, dann bin ich hinterher jemand anders?


Nein, natürlich nicht. Das betrifft aber die Identität, nicht die Persönlichkeit. Letztere hat sich schon verändert, durch die Erfahrungen im Krankenhaus, durch evtl. Komplikationen, evt. durch anschließende Einschränkungen in der Lebensqualität.

Zur Identität hatte ich geschrieben: "während Identität sich auf wesentliche Merkmale beschränkt, die nahezu unverändert bleiben und uns von anderen unterscheiden." Der Blindarm gehört gewiss nicht zu diesen wesentlichen Merkmalen. Ich hatte da echt mehr an das gedacht, was auch die Polizei bei Erkennungsdienstlichen Maßnahmen heranzieht. Größe, Augenfarbe, Fingerabdrücke, Gesichtszüge, DNA u.ä.

Das was du so alles angeführt hast, gehört für mich klar zur Persönlichkeit. Halte ich auch für richtig, den mit deiner Definition wären doch Persönlichkeit und Identität das Gleiche, oder übersehe ich was.

Und um auf dein schönes Schlagwort zu antworten: Wer zu tief geht, kann leicht im Schlamm stecken bleiben.
Das sollte jetzt keine Anspielung sein, nur ein Hnweis, was von solchen schönen Worten zu halten ist: man kann damit alles und jedes begründen.

In Antwort auf:
Es gibt einen schönen Spruch, der sehr tief geht:
Weisheit bedeutet zu erkennen, dass du nichts bist. Liebe bedeutet zu erkennen, dass du alles bist.

Wie geht das ohne Ego? Oder kannst du das nun akzeptieren, nachdem wir einig sind, Ego und Ich sind das Selbe?




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