die Produkte der wissenschaftlichen Spitzentechnologie vermeide ich nicht. Als jemand, der im Krankenhaus arbeitet weiß ich sogar den Segen der pharmazeutischen Industrie zu würdigen. Und ich meditiere auch meine Zahnschmerzen nicht weg und weiß ziemlich genau, das Räucherstäbchen eine Chemotherapie nicht ersetzen können.
Kernwaffen - und die meinte ich in erster Linie - finde ich aber nicht so toll. Und ich sehe in ihnen auch die Krönung der Dummheit, sprich die schrecklichste Form, die menschlicher Hass/Neid und Gier hervorbringen können. Insofern bin ich einer Meinung mit den zitierten Artikeln. Und nein, wir haben innerhalb der Menschheitsgeschichte keinen Grund stolz auf diese Dinger zu sein, egal, wie sehr wir versuchen sie zu relativieren.
Was den Nichiren-Buddhismus (für mich) von anderen Formen des Buddhismus unterscheidet ist zunächst die Botschaft des Lotos-Sutras, das besagt, das ich die Buddhaschaft in diesem Leben - heute, morgen, jeden Tag, so wie ich bin, erreichen kann. Was, wieder für mich gesprochen, die Kernaussage des Buddhismus überhaupt, knackig auf den Punkt bringt. Er ist weiterhin ein alltagstauglicher Buddhismus, der nicht im Kloster gelebt wird, der - zumindest in der SG - keine Priester hat und in dem ich mich nicht von meinen Begierden befreien muß, sondern diese für mich in Nutzen umwandle. Mit dem Gohonzon, habe ich außerdem ein Mittel zur Hand, mit dem ich zu mir selbst komme und nicht nach dem Glück außerhalb suche - bei einem Erlöser, einem Meister oder magischen Trick. Und sehr persönlich gesprochen finde ich die Aussagen in den Schriften Nichirens zwar manchmal "brutal real", aber ich kann mich in meinen Lebenssituationen immer wieder darin finden und Antworten auf meine eigenen Fragen finden.
Zu schön um wahr zu sein... Um ehrlich zu sein, habe ich das am Anfang auch gedacht und nach dem Haar in der Suppe gesucht. Inzwischen weiß ich aber, daß "zu schön" nicht heißt "leicht zu erreichen", denn ich habe es hier mit dem größten aller Hindernisse überhaupt zu tun: Mit mir selbst. Ich selbst bin der größte Hemmschuh. Was hindert mich daran glücklich zu werden? Nur ich selbst. Wer kann mich glücklich machen? Nur ich selbst - bin der Haken.
Religion und Staat: Für eine rigorose Trennung bin ich auch, aber dann müßte man Gläubigen vielleicht sogar verbieten zu wählen - mal etwas provokant gesagt. Was genau die Komutei so treibt, weiß ich nicht, weil mein eigner Fokus halt D-land ist, wo formell (haha) auch eine Trennung von Staat und Kirche existiert. Einflußnahmen gibt es aber und ich will nicht ausschließen, daß es Buddhisten gibt, die ganz eigene Ziele verfolgen. Mehr kann ich leider nicht zu den Japanern sagen.
Kapitalismus: Was ich über die japanischen Wirtschaftsgepflogenheiten weiß, reicht nicht wirklich, um sie zu bewerten. Das Buch "Die spinnen, die Japaner" gelesen zu haben ist da keine ausreichende Basis für mich. Aber Kapitalismus ist für mich rücksichtslos, ja. Er dient nicht dem Ziel die Menschen glücklich und zufrieden zu machen. Nur ein paar auf Kosten der anderen, denen man erzählt, sie hätten es ja auch besser. Ich muß mir da auch an die eigene Nase packen, aber unser Wirtschaften ist ein Ausdruck von Gier nach mehr, mehr, mehr unter dem Motto: "Scheiß auf die armen Leute, warum ha'm sie kein Geld?" Und das versteht der Buddhismus unter einem Gift, an dem die Menschheit leidet. Sie ist halt nie zufrieden, sieht ihr Heil nur im Wachstum und dieses kann sie anscheinend nur durch Ausbeutung herstellen. Und darüber darf, soll und muß man nachdenken, was ja viele Repräsentanten anderer Religionen auch tun.
So, das wars für heute. Muß ins Bett, aber ich freu mich aufrichtig auf eure Antworten.
Zitat Kernwaffen - und die meinte ich in erster Linie - finde ich aber nicht so toll.
Dann habe ich dich falsch verstanden. Du schriebst von 3 Giften und führtest an:"Daß die wissenschaftliche Spitzentechnologie der grenzenlosen Massenvernichtung und der rücksichtslose Kapitalismus..."
Weshalb für mich Spitzentechnologie und Massenvernichtung zu zwei Dingen wurden.
Zitat Kernwaffen - und die meinte ich in erster Linie - finde ich aber nicht so toll. Und ich sehe in ihnen auch die Krönung der Dummheit, sprich die schrecklichste Form, die menschlicher Hass/Neid und Gier hervorbringen können. Insofern bin ich einer Meinung mit den zitierten Artikeln. Und nein, wir haben innerhalb der Menschheitsgeschichte keinen Grund stolz auf diese Dinger zu sein, egal, wie sehr wir versuchen sie zu relativieren.
Sicher haben wir das. Ich finde Kernwaffen super.
______________________________________________ "Philosophie besteht aus Fragen, die niemals beantwortet werden können. Religion besteht aus Antworten, die niemals hinterfragt werden dürfen." -Anonym
Zitat Schenkelklopfer! *wisch' Tränen aus den Augen*
Das ist übrigens mein voller Ernst.
______________________________________________ "Philosophie besteht aus Fragen, die niemals beantwortet werden können. Religion besteht aus Antworten, die niemals hinterfragt werden dürfen." -Anonym
Ich finde Soka Gakkai als Organisation einerseits sehr hinterfragenswert andererseits (unabhängig wie man zu ihrem Weg steht) unnötig. Gerade in den USA haben doch die Independent Nichiren's gezeigt, daß man eben das auch ohne Organisation praktizieren kann. Einige faktische Kritikpunkte kann man z.B. im Buddhalandforum in der Nichirenabteilung (http://www.buddhaland.de/viewforum.php?f=29) nachlesen.Oder wer englisch kann auch unter http://www.fraughtwithperil.com/blogs/kemponhokke/ (ist wohl eine andere Nichiren-Bewegung, in der sich inzwischen auch viele Ex-Soka Gakkai-Leute sammeln). Naja und solche Methoden wie "Shaku-buku" ("Brechen und Unterwerfen") machen mir das ganze nicht sympatischer. Aber das haben sie auch selber gemerkt, und es wird zumindest im Westen nicht mehr propagiert. Aber nach wie vor ist von verleumderischen Lehren (worunter nicht nur die anderen buddh. Lehren, sondern auch andere Nichiren-Schulen fallen), die zu praktizieren zu Krankheiten führt, die Rede. Mir ist das sehr suspekt.
Der Unterschied zu anderen Arten des Buddhismus: Den Hauptunterschied sieht man schon im Namen "Werteschaffende Gesellschaft" oder ursprünglicher "Werteschaffende Erziehungsgesellschaft" und ihre Ziele: Frieden, Wohlstand, Gesundheit und persönliches Glück der Menschen. Dagegen sehe ich den Hauptpunkt im Buddhismus in der Lehre des Anatman: daß es so etwas wie Selbst, Seele, Ich, Person/persönliches nicht gibt. (ähnliche Vorstellungen kann man ja auch in Neurowissenschaften, Philosophie und Linguistik begegnen) Da sehe ich sie an gegensätzlichen Punkten.
Es wäre noch zu klären, inwieweit diese Einstellungen der Soka Gakkai auf Nichiren zurückgeht, oder inweiweit es eine Schöpfung der Soka Gakkai ist. Im Lotossutra (eine Schrift, die wohl von verschiedenen Autoren stammt und erst im 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr. in Indien, d. h. ca. 500 Jahre nach dem Tode des Buddha Shakyamuni entstand) ist so etwas meines Wissens nicht zu finden. Eine weitere seltsame Praxis ist die Verehrung einer Kalligraphie (die aus dem Titel des Lotossutras, einigen Namen von mythologischen Buddhas und Bodhisattvas, aber auch hinduistischen Göttern besteht). Ansonsten wird der Name des Lotussutra rezitiert (was eigentlich seltsam ist, aber man könnte es ja als einen versuch sehen, das Sein oder die Buddhanatur in einer Sequenz verwirklicht zu sehn, ansonsten ist es sicher schlauer ein Buch zu lesen, als seinen Titel zu rezitieren. So mach ich das jedenfalls immer bei Büchern). Freilich kann eine regelmäßige Praxis (egal welcher Couleur) sich positiv auf das Leben auswirken, man wird viel Liebe spüren, positive Erfahrungen machen, vielleicht Licht sehen. Aber für mich hat das noch nichts mit Buddhismus zu tun. Das ist nämlich eher die Stärkung der Illusion eines Ichs. Das zweite ist, daß man zwei Teile des Sutras (meiner Meinung nach nicht die wichtigsten) täglich auf japanisch rezitiert. Solche Sachen sind in anderen buddh. Schulen auch üblich. Ich bezweifle aber, daß das Sinn macht, etwas in einer Sprache zu rezitieren, die nicht meine Alltagssprache ist. Andererseits bin ich mir sicher, das wenn die Leutedas auf deutsch rezitieren würden (Lob dem Lotossutra oder die Sutren) daß man sich dann zu doof vorkommen würde.
Ein positiver Punkt ist, daß es ein reiner Laienbuddhismus ist. Aber der hat ja auch lange Tradition in Japan außerhalb der Nichiren-Bewegung. In einer anderen Bewegung, die auch zu Nichirens Zeiten (13. Jahrhundert) entstand, der Jodo Shinshu, gab es von Beginn an kein Mönchstum. Im Zen wurde es später auf staatlicher Anordnung hin abgeschafft (zumindest der zölibatäre Teil). Also so was neues ist das auch nicht.
Wer wissen möchte, was der Administrator zu dem Thema sonst noch so alles verzapft hat, der schaue bitte in das E-Book "Die Ewigkeit gibt's ohne Gott!"