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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 66 Antworten
und wurde 10.295 mal aufgerufen
 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
Seiten 1 | 2 | 3
Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.990

02.07.2012 13:30
#51 Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Zitat von Wu
Auch für viele Wissenschaften ist Ich nichts mehr als ein geistiges Konstrukt.

Vielleicht scheine ich dich zu verstehen. => Das Ich ist ja in der Lage, z.B. seinen eigenen Körper aus Objekt zu betrachten. So wird das Ich zum Subjekt und der eigene Körper zum Objekt.
Z.B. kann dir theoretisch ein Arm abreißen. Dann ist dieser Arm nicht mehr ein Teil deines Systems, aber das Ich bleibt doch irgendwie gleich. Ich eben. Dieses Ich ist in der Tat nicht so einfach körperlich zu fixieren. Aber pustet dir irgendwas die Birne weg, ich Schluss mit Ich...
Aber du sagst ja, das Ich sei eine "Illusion". Nein. Dein Ego ist dein Eigeninteresse - Hunger, Durst, Neugier usf. Das kannst du in die Gemeininteressen hineintransformieren. Aber das Ego verschwindet dadurch nicht. DAS ist eine "Illusion"...

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Momo040 Offline




Beiträge: 5

02.07.2012 14:18
#52 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Nichiren gründete seine Philosophie auf dem Lotos-Sutra, in dem Shakyamuni eindeutig sagt, dass wir die Buddhaschaft noch in diesem Leben erreichen können. Die Erleuchtung meint hier die menschliche Revolution und Erreichen der Buddhaschaft (was im Grunde eigentlch das gleiche meint). Jedoch ist es eben von Nöten, Daimoku zu chanten. Es kommt einer lauten Meditation gleich.

Die meisten Menschen verbinden mit der buddhistischen Praxis eine stille, nach innen gerichtete Meditation. Doch in der Geschichte des Buddhismus hatte das sprechen, Rezitieren oder Singen (chanten) verschiedener heiliger Sätze oder Silben von jeher eine besondere Bedeutung. Zum einen stammen die Sutras von Buddha Shakyamuni aus einer mündlichen Überlieferungstradition. Durch eine dramatische Bildersprache und ein rhythmisches Versmaß wurden die Sutras gut zu merken. Die Schüler Shakyamunis rezitierten gemeinsam den Inhalt und prägten ihn sich auf diese Weise ein. Desweiteren ist es ein sehr klares Bekenntnis zu den eigenen, innersten Überzeugungen, wenn man diese Gebete deutlich hörbar äußert.

Der Nichiren-Buddhismus legt dem Chanten noch ein wesentliches Prinzip zugrunde. Die buddhistische Ausübung zielt nicht nur darauf ab, sich meditativ in sein Innenleben zu versenken. Vielmehr aktivieren wir durch das Chanten unser höchstes Potenzial, lassen dieses in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen wirksam werden und tragen so zum Wohle der Gesellschaft bei. Zudem ist unsere Stimme, mit der wir unseren Gefühlen Ausdruck verleihen, unsere lebenswichtige Verbindung mit anderen Menschen, der Natur, und dem ganzen Universum.

Im Lotossutra steht, dass wir alle in der tiefsten Ebene unseres Lebens bereits erleuchtet sind. Diese Botschaft betrachtete Nichiren als wichtigste buddhistische Lehre. Die Essenz des Lotos-Sutra wird durch die fünf chinesischen Zeichen myo, ho, renge, kyo verkörpert. Hierin war sich Nichiren mit früheren buddhistischen Lehren einig. Myoho-Renge-Kyo bezeichnet das Mystische Gesetz, zu dem Shakyamuni und alle anderen Buddhas erleuchtet waren. Durch das chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo begründete Nichiren für alle Meschen eine neue Lehre der Hoffnung für alle Menschen, unabhängig von ihrer Bildung, ihrem Geschlecht, nationalen oder ethnischen Zugehörigkeit oder gesellschaftlichen Position.

Ich habe auch noch nie erlebt, dass jemand durch die Praxis plötzlich in anderen Spheren schwebte, wie nach Drogeneinfluss oder dergleichen. Ganz klar geht diese Meditation so sehr in die Tiefe, dass einem Ideen und Gedanken kommen, die einem im Alltag vielleicht nicht oder nicht so schnell gekommen wären. Ich nenne es immer meinen "Katalysator" (bitte nicht wörtlich auf die Goldwaage legen, das ist nur mein Vokabular!) - er beeinflusst mich nur dadurch, dass meine Prozesse beschleunigt werden und ich einen klareren Fokus bekomme. Im Übrigen möchte ich darauf hinweisen, dass Nam Myoho Renge Kyo nichts anderes bedeutet, als "ich widme mich dem mystischen Gesetz des Lotossutra":

Nam stammt aus dem Sanskrit und bedeutet "sich widmen". Myoho-Renge-Kyo ist die altjapanische Lesart der chinesischen Schriftzeichen für den Titel des Lotos-Sutra (skt. Saddharmapundarikasutra). Es verschmelzen also zwei sprachliche Elemente östlicher Zivilisationen: Die der indischen und der chinesischen. Myoho kann als "wunderbares" oder "Mystisches Gesetz" übersetzt werden. Nichiren sagt:"Was bedeutet MYO? Es ist einfach das unergründliche Wesen unseres Lebens von einem Augenblick zum nächsten, das der Geist nicht begreifen und Worte nicht ausdrücken können." Er spricht von drei weiteren Attributen des Schriftzeichens Myo: sich öffnen, wiederbeleben. Ho bedeutet Dharma oder Gesetz. Renge ist die Lotosblume. Diese beinhaltet bereits die Samen, wenn sie sich öffnet. Es ist ein Symbol für das Prinzip des Kausalgesetzes von Ursache und Wirkung, also die Vorstellung, dass alle Ursachen, die wir durch Gedanken, Worte oder Taten setzen, gleichzeitig im wesentlichtsen Teil unseres Lebens registriert werden. Auf dieser Ebene werden auch sofort die Wirkungen unserer Ursachen festgeschrieben. Im Kontext unserer buddhistischen Ausübung bedeutet dies: "Jemand, der dieses Gesetz praktiziert, wird Ursache und Wirkung der Buddhaschft gleichzeitig erfahren. Die Lotosblume, die tief im Schlamm des brackigen Sumpfes wurzelt, öffnet ihre rein weißen Blüten an der Wasseroberfläche. Daher gilt der Lotos als Symbol für unsere Buddhanatur, die wir hervorbringen, indem wir uns mutig den oft schwierigen Realitäten des Lebens stellen. Kyo bedeutet Sutra. Es steht auch für das konstante und unveränderliche durch alle Zeiten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Für Nichiren war es ein Gesetz, zu dem alle Buddhisten erleuchtet sind und der wahre Aspekt eines jeden Menschen. Das Ziel ist es, mit dem Namen des mystischen Gesetzes nicht nur unsere erleuchtete Natur hervorzubringen, sondern auch anderen Menschen "Licht zu spenden". Dadurch kommt ein "Kreislauf des Guten" in Gang, in dem wir uns gegenseitig darin bestärken, die unendliche Würde und den Wert aller Lebenwesen zu schätzen.

Der Buddhismus steht für Friedfertigkeit, Zufriedenheit, Gelassenheit und Freude, somit für eine äußerst positive Sichtweise auf das Leben. Seine Hauptbotschaft, dass der Mensch höchste Würde und ein unbegrenzt großes Potenzial besitzt, vermittelt allen Hoffnung und Mut. Das Leben ist von allen Schätzen das kostbarste. Doch selbst wenn wir den Wert des Lebens bejahen, ist es trotzdem schwierig, Tag für Tag nach dieser Überzeugung zu leben. Schon beim nächsten Konflikt steigen widersprüchliche Gefühle in uns auf: Neid und Hass, vielleich der Wunsch, dem anderen weh zu tun oder ihn ganz aus unserem Leben zu verbannen.

Nichirten schreibt: "Wenn in eineme Land die drei Gifte (Gier, Hass und Verblendung) in solchem Maße vorhanden sind, wie kann es dort Frieden und Beständigkeit geben? (...)Hungersnöte erscheinen als Folge von Gier, Seuchen als Folge von Verblendung und Krieg als Folge von Hass." Die damaligen verschiedenartigen buddhistischen Schulen kümmerten sich nicht um bessere Lebensbedingungen im Hier und Jetzt. Dementsprechend glaubte ein Großteil der japanischen Bevölkerung, es gäbe nur eine Rettung und ein besseres Dasein nach dem Tod. Der inneren Logik dieser Doktrinen zufolge blieb dem Mensch nichts anderes übrig, als ihr elendes Leben zu ertragen. Diesen Irrglauben wies Nichiren vehement zurück, weil er davon überzeugt war, dass die Lehre des ursprünglichen Buddhismus die Lösung bereithält: nämlich Glück und Erfüllung in der Realität des Alltags.

Jede Religion oder Philosophie sollte den Menschen Mut und Hoffnung machen, um ihre Leiden verwandeln zu können. Nichirens Lehre erinnert uns täglich daran, selbst der Ausgangspunkt für den Frieden zu sein. Unser Daimoku weckt uns stabilisiert die friedliebende Natur in uns. Es bestärkt uns darin, den negativen Kräften standzuhalten, die Trennung und Zerstörung in unserem Leben und sozialem Umfeld bewirken. Und es versetzt uns in die Lage, diese Kräfte in letzter Konsequenz zu überwinden. Aus diesem Grund verbreitet die Soka Gakkai den Nichiren-Buddhismus.

Wu Offline




Beiträge: 416

02.07.2012 21:46
#53 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Zitat von Alinardus im Beitrag #50

Zitat von WU
was meint Erleuchtung und Meditation überhaupt. Das ist ja nicht mal genau klar.
Meditation kann ja zielgerichtetes Tun (Konzentration, Achtsamkeit) sein, oder dessen Gegenteil - Geschehenlassen, Nichteingreifen.
Es kann Geistestraining sein - oder das Abfallen von Körper und Geist - oder auch ein rein körperlicher Akt.
Wer Erleuchtung sucht, wird sie nicht finden, ist sicher eine große Weisheit, aber viele buddh. Richtungen würden ihr nicht zustimmen. Eines der letzten Dinge, die Buddha äußerte, war ja: Ihr sollt euch bemühen ohne Unterlass. Aber ob Meditation zur Erleuchtung hin führt, ist eine große Frage


Habe mal diese Stelle rausgepickt. Da findet sich das meiste wieder, was ich weiß bzw. denke.

Du hast das auch sehr schön dargestellt.
Gerade weil der Buddhismus keine Einheit ist, und weil es verschiedene Ansichten und Interpretationen gibt,
ist es so schwer.



Ich denke, man kann es einigermaßen hinkriegen, wenn man es historisch aufrollt. Aber ist sicher ein wenig zu groß für mich und für hier. Aber man kann ja mal ein paar Ansätze versuchen.

Buddha war Teil einer spirituellen Bewegung, die dem vedisch-brahmanischen Kult eine individualistisch befreiendes Gegenmodell entgegenstellen wollte. Ich seh ihn also erstmal als teil dieser upanishaischen Bewegung, ebenso wie Mahavir, dem Begründer des Jainismus.
Buddhas Hauptfrage war: Geburt, Krankheit, Alter und Tod ist Leiden, wie entkomme ich dem Leid (letztlich: Wie entkomme ich dem Wiedergeborenwerden?).
Er betonte auch immer wieder: Das einzige, was ich lehre, ist das Leid und seine Beendigung.
Es ging Buddha also weder um ein harmonisches, erfülltes natürliches Leben (wie dem Taoismus) oder um eine gerechte Gesellschaft (wie Konfuzius, Mozi und Gysi).

Irgendwann starb Buddha. Seine Anwesenheit wurde aber als ein wesentlicher Moment zur Erlangen des Erwachens/des Beenden des Daseinskreislaufes/des Leides gesehen. Siehe http://www.wie.org/de/j3/masefield.asp?page=2

Zitat
WIE: Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen der in den Nikayas dargestellten Sicht vom Leben des Buddha und seiner Lehre und den üblicherweise im Westen vertretenen und dort vorherrschenden Ansichten dazu?

PM: Der Hauptunterschied betrifft das Ausmaß, in dem eine Begegnung mit einem lebendigen Buddha im Plan der Befreiung notwendig ist, und ob es möglich ist, ohne die persönliche Begegnung mit einem Buddha Befreiung zu erreichen. Die Nikayas scheinen zu belegen, dass dies nicht möglich ist.



Mit diesem Problem wurde auf zweierlei Arten umgegangen. Auf Seite des Ordens wurden die Schriften bewahrt, was eine mündliche Tradition war.
Auf Laienseite wurden Stupas, wo die Überreste der Asche Buddhas lagerten verehrt.
Später folgte aus dieser Bewegung wohl auch neue Ideen, wie die von überweltlichen Buddhas. Also eines oder mehrer Buddhas, die immer da sind.

Irgendwann kam es zu Spaltungen. Die zweitere Gruppe nannte sich Mahayana, das große Fahrzeug, und nannte die anderen abwertend das kleine Fahrzeug. (Das ist jetzt freilich sehr vereinfacht, weil auch im Mahayana das Mönchstum eine rolle, später sogar wieder die Hauptrolle spielte).
In vielen Mahayanaschriften geht es dann schon um diesen Konflikt.
Im Lotossutra gibt es eigentlich zwei Tendenzen. Man schmäht das kleine Fahrzeug, aber lehrt auch, das es in wirklichkeit nur ein fahrzeug gibt. Das ist das, was im Lotussutra dargelegt wird.
Einserseits geht es um Überwindung dieser Spaltung, andererseits wird sie aber vertieft.
Dann wird das Lotussutra über allen Klee gelobt, und denen, die es nicht als höchstes annehmen, Strafen angedroht.

Zitat
Weil mich zu jener Zeit die vierfache Gemeinde, die Mönche, Nonnen […] mit zornigem Sinn verhöhnten und schmähten, trafen sie während zweihundert Koṭis Kalpas nicht den Buddha. Sie hörten das Gesetz […] nicht, sie sahen keine Mönche […] und erlitten während tausend Kalpas große Leiden und Bedrängnisse in der Avīci-Hölle. Als sie ihr Vergehen abgetragen hatten, trafen sie wiederum den Bodhisattva



Ansonsten wird Buddha als Prinzip als ewig (ungeboren) dargelegt, also auch als immer verfügbar. Gerade auch durch das Lotussutra.
In der Hauptpredigt wird dargelegt, daß jeden, der bei dieser Predigt anwesend ist und an sie glaubt, Befreiung sicher ist.

Nichiren griff das auf, schuf ein kalligraphisches Mandala (Gohonzon), wodurch alle, die es verehren, damit bei dieser Predigt anwesend sind. So wird das Problem der Nichtanwesenheit Buddhas umgangen.

(Die anderen Hauptmodelle ist die Anwesenheit überweltlicher Buddhas, wovon eine Verschmelzung von Amitabha und Amitayus zu Amida in den Mahayanaländern die wichtigste ist, im Zen und im Vajrayana dagegen konstruierte man Übertragungslinien von erwachten Lehrern).

Irgendwann kam der Buddhismus nach China. Da traf er auf schon lebendige Traditionen (deren Terminologie er versuchte zu übernehmen) und musste zum einen auch versuchen seine lehren attraktiver zu machen, weil in China das Altern und Sterben nie so das große Problem waren. Wenn es ein Ziel gab, dann eher lang zu leben. Harmonie war wichtiger als Entsagung.

Lange zeit war es überhaupt wesentliches Element, sich in den Dienst der herrschenden zu stellen. Man vollzog buddh. Rituale und wenn sie Frieden oder Siege, gutes Wetter etc. brachten, wurden sie gefördert.
Dann konnte man auch Klöster bauen und Mönche ausbilden.

Es war also eher nicht so die Religion der Masse. Aber sie funktionierte gut, weil sie eine starke Organisiertheit hatte, was den anderen Bewegungen abging (es wurde dann später kopiert).
Des weiteren nahm man daoistische und konfuzianische Elemente und tendenzen mit in sich auf.

Und es entwickelten sich einzelne Richtungen, die sich auf jeweils ein wichtigstes Sutra stützten. Eine davon (Tien Tai) auch auf das Lotossutra.
Aber die Hauptpraktiken dort waren entweder ritueller Natur oder es waren intensive stille Meditationen. Insgesamt eher was für Spezialisten.

Irgendwann kam der Buddhismus nach Japan. Dort etablierten sich verschiedene Schulen. Tien Tai wurde zu Tendai, sie war eine Schule von vielen.
In einer sehr turbolenten Zeit, wo die orden auch verweltlichten, sie hatten auch selbst große Armeen und waren Machtfaktoren, waren entliche ernsthafte Mönche mit der Lage unzufrieden, und suchten nach neuen alten Wegen. Einige gingen nach China, lernten dort verschiedene Arten von Ch'an kennen, und führten es als Zen ein. Andere führten eine Übung der Tendai, die sich in der Rezitation des Namens von Amida als alleinige Praxis ein (Wovon eine sogar das Mönchstum ganz abschaffte), und Nichiren führte das Rezitieren des Namens des Lotussutra (im übrigen auf japanisch, auf chinesisch klingt der Name sehr anders (Fa-hua ching), für ihn steckte der ganze Inhalt des Lotussutras in seinem Titel) und die Verehrung des Gohonzons ein, Verbunden mit einer nationalistischen Heilslehre.
Ähnlich wie Zen (der allerdings eher in Kriegerkreisen praktiziert wurde) und Amidabuddhismus, bietet er eine Lehre an, die jeder, (der lesen kann), anwenden kann. Keine komplizierten Rituale mehr.

Nichiren verurteilte alle Lehren außer der Tendai-Lehre als Irrlehren (es gibt nette Schmähreden darüber von ihm, daher ist das gerede von "Für Nichiren war es ein Gesetz, zu dem alle Buddhisten erleuchtet sind und der wahre Aspekt eines jeden Menschen" wenig glaubwürdig), und lehrte, daß der Untergang Japans nur daran liegt, daß sie nicht dem Lotussutra und seiner Lehre folgt. Tun sie das, wird die Gesellschaft gedeihen.

Aber für Nichiren geht es immer noch um Entkommen aus dem Daseinskreislauf und allen anderen helfen, dies auch zu erreichen.

Später gab es eine Spaltung in verschiedene Schulen, wovon in einer das Priestertum nicht ganz so wichtig war, und Nichiren ein Reformator von Buddhas Lehre, für die anderen war das Priestertum extrem wichtig und Nichiren ein neuer Buddha.
letztere hatte im 20. Jh. einige Laienorganisationen. Eine davon hiess Soka Gakkai. Sie überwarf sich irgendwann mit dem orden und spaltete sich ab (oder wurde rausgeworfen).

Wo ich einen Unterschied sehe, ist, daß für Nichiren Praxis nie für weltliche persönliche Belange praktiziert wurde. Es ging also nie um persönliches Glück.

Zitat
Ein wirklich weiser Mensch wird sich nicht von auch nur einem der acht Winde beeinflussen lassen: Wohlstand, Verschlechterung, Schande, Ehre, Lob, Tadel, Leiden und Freude. Er ist weder von Wohlstand berauscht, noch grämt er sich über die Verschlechterung. Die himmlischen Götter werden mit Sicherheit denjenigen beschützen, der sich nicht den acht Winden beugt.



aus Nichiren, Gosho “Die acht Winde”, http://www.sgilibrary.org/view.php?page=794

Es gibt ne interessante Statistik aus den USA warum Leute chanten: (in Klammer: Prozentsatz derer, die durch Chanting ein solches Ziel ereicht zu haben glauben)

48% Berufserfolg (6%)
40% bessere persönliche Beziehungen (16%)
21% andere materielle Güter (neues Haus, Auto usw.) (1%)
27% Gesundheit (12%)
19% finanzieller Erfolg (5%)
13% psychisches Wohlbefinden (50%)
6% Karma, der Neue Mensch (25%)
2% Erleuchtung, Glaube (12%)
2% Weltfrieden

Entnommen: http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud04043.htm

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"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

True Detective

gelbelibelle Offline



Beiträge: 8

02.07.2012 22:17
#54 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Die Acht Winde - von Nichiren Daishonin

<<Ich hatte mir Sorgen um Sie gemacht, weil ich seit so langer Zeit nichts von Ihnen gehört hatte. Ich war außer mir vor Freude, Ihren Boten zu empfangen, der mit Ihren vielen geschenken ankam. ich werde Ihnen den Gohonzon verleihen.

Zu dem Problem Ihrer Versetzung an ein anderes Gut: ich habe Graf Emas Brief an Sie und Ihren an mich studiert und beide mieinander verglichen. ich hatte dieses Problem sogar schon erwartet, bevor Ihr Brief ankam. Da Ihr Herr dies als eine Angelegenheit von hervorragender Wichtigkeit betrachtet, vermute ich, daß andere Gefolgsleute zu ihm schlecht über Sie gesprochen haben, etwa: "Yorimoto zeigt durch sein Widerstreben, auf ein neues Gut zu ziehen, seinen Mangel an Respekt Ihnen gegenüber. Es gibt viele selbstsüchtige Menschen, aber er ist selbstsüchtiger als die meisten anderen. Wir möchten Ihnen raten, ihm gegenüber keine weitere Güte zu zeigen." Sie müssen sich darüber im klaren sein, wo das wirkliche Problem liegt, und vorsichtig handeln.

Als Vasallen sind Sie, Ihre Verwandschaft und Ihren nahen Angehörigen Ihrem Herrn zutiefst verpflichtet. Außerdem zeigte er Ihnen große Nachsicht, denn er unternahm nichts gegen Ihre Familie, während ich nach Sado verbannt war und das ganze Land mich haßte. Vielen meiner Schüler wurde ihr land von der Regierung beschlagnahmt, und dann wurden sie verstoßen oder von den Gütern ihrer Herren vertrieben. Selbst wenn Ihr Herr niemals die geringste Rücksicht auf sie nimmt, sollten Sie keinen Groll hegen. Es ist zuviel, noch einen Gefallen von ihm zu erwarten, nur weil Sie sich sträuben auf ein neues Gut zu ziehen.

Ein wirklich weiser Mensch wird sich nicht von auch nur einem der acht Winde beeinflußen lassen: Wohlstand, Verschlechterung, Schande, Ehre, Lob, Tadel, Leiden oder Freude. Er ist weder von Wohlstand berauscht, noch grämt er sich über die Verschlechterung. Die himmlischen Göttee werden mit Sicherheit denjenigen beschützen, der sich nicht den acht Winden beugt. Aber wenn Sie unbegründeten Groll gegen Ihren Herren hegen, werden sie Sie nicht beschützen, trotz all Ihrer Gebete.>>

Anbei ein Abschnitt aus "die acht Winde". Wenn man das aufrichtig liest, erkennt man zwei Dinge sehr deutlich. Erstens: es gibt keine Trennung zwischen dem Alltag und der Spiritualität. Wir stärken unseren Geist um unser Leben zu meistern! Unser Herz und unseren Verstand zu meistern.

Zweitens: Bei den acht Winden geht es nicht darum enthaltsam zu leben und wie eine Maschine keine Gefühle zu haben, sondern darum nicht in Arroganz oder Groll zu verfallen, egal wie unsere Umstände sind, sollen wir versuchen aufrichtig und mitfühlend zu sein. Acht geben auf unser Leben und das Leben der anderen. Stets respektvoll sein und unsere negativen sowie positiven Umstände nicht zum Mittelpunkt unseres Lebens zu machen. Werte schaffen. Aber all das macht man nicht im stillen Kämmerlein, sondern mitten im Leben!

Narr Offline



Beiträge: 146

03.07.2012 17:53
#55 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Zitat von gelbelibelle im Beitrag #54
Wir stärken unseren Geist um unser Leben zu meistern! Unser Herz und unseren Verstand zu meistern


Geist? Was soll was meistern? Was hat das mit dem Herz zu tun?

gelbelibelle Offline



Beiträge: 8

03.07.2012 20:12
#56 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Geist im Sinne von Verstand, lesen, lernen, Weitblick entwickeln, etc...

gelbelibelle Offline



Beiträge: 8

03.07.2012 20:13
#57 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Ich weiss auc h nicht ob man das Herz und den Kopf unbedingt trennen sollte und kann... Also Gefühle und Gedanken.

Wu Offline




Beiträge: 416

03.07.2012 20:13
#58 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Ja, wieder mal die frage nach Ich.
Aber erst einmal etwas grundsätzliches, was mit terminologien zu tun hat: Im chinesischen (und in Übernahme auch im japanischen (Xin, shin, koroko) spricht man von Herz-Geist. Es ist also nicht wie im westlichen Denken verschiedene Kategorien, sondern ein ungetrenntes.

Aber die Interessante frage ist: Gibt es ein Ich (nehmen wir mal seine Existenz an) jenseits des Herz-Geistes, jenseits des Körpers?
Kann der Herz-Geist sich selber stärken (das klingt nach Münchhausen)?
Das Leben meistern erinnert mich an das Leben nähren bei Zhuangzi.
Bei ihm nährt man allerdings das Leben, indem man es geschehen lässt, sich nicht einmischt. Letztlich indem man es nicht (willentlich) nährt.

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True Detective

gelbelibelle Offline



Beiträge: 8

03.07.2012 20:16
#59 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Geschehen lassen ist so passiv und kommt dem gleich einen Gott anzubeten der das schon richtet...
Mein Leben aktiv gestalten ist doch viel interessanter. Aber im Austausch mit anderen.

Im Grunde glaube ich aber dass es ein Ich gibt, aber es gibt vorallem ein wir (Laut Shakyamuni sind wir doch alle verbunden)

Aber das Einzige was ich ändern kann, ist das ich, dazu muss ich handeln.

Wu Offline




Beiträge: 416

03.07.2012 20:47
#60 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #51

Zitat von Wu
Auch für viele Wissenschaften ist Ich nichts mehr als ein geistiges Konstrukt.
Vielleicht scheine ich dich zu verstehen. => Das Ich ist ja in der Lage, z.B. seinen eigenen Körper aus Objekt zu betrachten. So wird das Ich zum Subjekt und der eigene Körper zum Objekt.
Z.B. kann dir theoretisch ein Arm abreißen. Dann ist dieser Arm nicht mehr ein Teil deines Systems, aber das Ich bleibt doch irgendwie gleich. Ich eben. Dieses Ich ist in der Tat nicht so einfach körperlich zu fixieren. Aber pustet dir irgendwas die Birne weg, ich Schluss mit Ich...
Aber du sagst ja, das Ich sei eine "Illusion". Nein. Dein Ego ist dein Eigeninteresse - Hunger, Durst, Neugier usf. Das kannst du in die Gemeininteressen hineintransformieren. Aber das Ego verschwindet dadurch nicht. DAS ist eine "Illusion"...



Letztlich ist das ein eigenes Thema, hat wenig mit Soka Gakkai zu tun (oder vielleicht doch, weil sie ähnlich an Selbstveränderung/Transformation glaubt wie du, aber vielleicht in eine andere Richtung, obwohl sie auch von einem gerechteren Welt träumen, nur haben sie schon ne mächtige Partei im Hintergrund - aber ich denk eure Vorstellungen gehn dann doch weit auseinander)
Eigentlich bin ich zu wenig in den Wissenschaften bewandert. Aber ein paar Hinweise bekam ich bei Stephen Wolinsky (Zusammenfassung von mir):

Zitat
Die Neurowissenschaften weisen darauf hin, daß die Illusion von einem "Ich" durch eine biochemische Reaktion entsteht, Physiker weisen darauf hin, daß die Illusion von einem "Ich" durch subatomaren Austausch erscheint, die Illusion eines "Ichs" entsteht in der Sprache durch den Abstraktions/Transduktions-Prozess. Buddhistisch kann man das als bedingtes Entstehen bezeichnen.
Oder um einen Schritt weiter zu schaun: Alles ist von allem abhängig, alles ist mit allem verbunden.
Oder in der Radikalität eines Nagarjuna:
es gibt
keine Geburt und keinen Tod
keine Fortdauer und kein Verlöschen
keine Einheit und keine Vielheit
kein Kommen und kein Gehen.



Und ein direktes Zitat von ihm:

Zitat
Alles ist erfahrungsbasierte Wahrnehmung, eine abstrahierte (abstrakte) Repräsentation von etwas, was nicht da ist.



Ein anderes Problem (man lese dazu Wei Wu Wei (einen irischen Philosophen am Rande zur Mystik), so man mag) ist die von Subjekt und Objekt. Immer wenn das Subjekt versucht, sich zu erkennen, wird es zum Objekt, ist also nicht mehr Subjekt. Es kann sich nie fassen können.

Warum ich nicht an Selbstveränderungstheorien und Praktiken glaube ist von Herrn Frommer hier gut zusammengefasst.

Letztlich ist "meine" "Erfahrung" das alles von allein sehr gut und sehr viel besser funktioniert, als wenn ich eingreife, manipuliere, Techniken anwende.
Ich glaub also nicht an die Notwendigkeit der Selbstveränderung, Transformation wie gelbelibelle und gysi.
Mein Thema ist nicht Selbstveränderung (weil ich seh das was man als Wesen, Ich, Subjekt sieht nur als etwas prozessuales, das eins ist mit dem Prozessualen ganzen), sondern eher Akzeptanz und natürliches Geschehenlassen. Weniger wie die Kraft eines Gewichthebers, eher wie das Fliessen der Bewegung beim Tai Chi.

Es gibt einfach etliche Leute, die kurz- oder dauerhafte "Erfahrungen" von Einheit, von "Wegfall" des Ichs gehabt haben (Und sie funktionieren ohne Ich vielleicht besser als vorher). Es gab einmal eine Studie (sie wurde in einem Buch von Richard Sylvester erwähnt, hab mir dummerweise nicht den Tital aufgeschrieben), daß jemand Leute mit Einheitserfahrungen befragt hat über ihr Leben. Das interessante daran ist, daß die Mehrheit vorher keine spirituellen Übungen gemacht hatten. (Soviel zum Thema "Jedoch ist es eben von Nöten, Daimoku zu chanten." aus meiner Sicht).

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True Detective

Wu Offline




Beiträge: 416

03.07.2012 21:11
#61 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Zitat von gelbelibelle im Beitrag #59
Geschehen lassen ist so passiv und kommt dem gleich einen Gott anzubeten der das schon richtet...



Vielleicht hat es eine oberflächliche Ähnlichkeit, man könnte es als Hingabe beschreiben, nur ohne jemand, der sich hingibt und ohne etwas oder jemand, an dem man sich hingibt.

In Worten der Praxis umgesetzt: Du praktizierst nicht mehr um zu, sondern es praktiziert dich.
Vielleicht geht das ja auch mit dem Odaimoku.

Es gibt bei youtube von diesem Gesang sogar meine Lieblingsinterpretation, zumindest die ersten 10 Minuten davon:
Acid Mothers Temple and The Melting Paraiso UFO - Nam Myo Ho Ren Ge Kyo

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gelbelibelle Offline



Beiträge: 8

03.07.2012 21:27
#62 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Beim Daimoku wird empfohlen zu Vertrauen. Also ein tiefes Vertrauen im eigenen Gebet zu haben.

Aber ich glaube Gebet allein reicht nicht, sondern auch eine weise Handlung ist wichtig. ich glaube aber auch, dass wir nicht so weit von entfernt liegen, zumindest vom Ansatz.

Momo040 Offline




Beiträge: 5

04.07.2012 07:38
#63 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Leider kann ich die philosophische Auseinandersetzung mit der Ablösung vom Ich nicht ganz verstehen. Auch die These mit dem Subjekt und Objekt fällt mir äußerst schwer. Eure Ausführungen klingen jedoch nach "etwas abschneiden" oder auch "unterdrücken", indem man es transformiert. Dem kann ich nicht zustimmen. Es geht nicht darum, etwas oder jemand in uns zu verändern. Im Gegenteil. Wir geben uns unserem Streben hin.

Zitat von Wu im Beitrag #60


Warum ich nicht an Selbstveränderungstheorien und Praktiken glaube ist von Herrn Frommer hier gut zusammengefasst.

Letztlich ist "meine" "Erfahrung" das alles von allein sehr gut und sehr viel besser funktioniert, als wenn ich eingreife, manipuliere, Techniken anwende.
Ich glaub also nicht an die Notwendigkeit der Selbstveränderung, Transformation wie gelbelibelle und gysi.
Mein Thema ist nicht Selbstveränderung (weil ich seh das was man als Wesen, Ich, Subjekt sieht nur als etwas prozessuales, das eins ist mit dem Prozessualen ganzen), sondern eher Akzeptanz und natürliches Geschehenlassen. Weniger wie die Kraft eines Gewichthebers, eher wie das Fliessen der Bewegung beim Tai Chi.

Es gibt einfach etliche Leute, die kurz- oder dauerhafte "Erfahrungen" von Einheit, von "Wegfall" des Ichs gehabt haben (Und sie funktionieren ohne Ich vielleicht besser als vorher). Es gab einmal eine Studie (sie wurde in einem Buch von Richard Sylvester erwähnt, hab mir dummerweise nicht den Tital aufgeschrieben), daß jemand Leute mit Einheitserfahrungen befragt hat über ihr Leben. Das interessante daran ist, daß die Mehrheit vorher keine spirituellen Übungen gemacht hatten. (Soviel zum Thema "Jedoch ist es eben von Nöten, Daimoku zu chanten." aus meiner Sicht).




Nach Nichirens Lehre führen irdische Wünsche zur Erleuchtung. Diese Ansicht widerspricht fast allen gängigen Vorstellungen über den Buddhismus. Wer sich von seinen Leiden befreien will, muss nach Auffassung vieler buddhistischer Schulen seine Begierden beherrschen und seine Anhaftenden überwinden. Deshalb verbinden die meisten Menschen diese Glaubensausübung mit einer asketischen Lebensweise.

Es ist nicht besonders schwer sich vorzustellen, wie das Leben eines Menschen verläuft, der nur von Begierden gesteuert wird. Viele Illustrationen in alten buddhistischen Schriften führen das vor Augen: Hungrige Dämonen mit weit aufgerissenen Mäulern und riesigen Köpfen auf dünnen Hälsen stellen ein Dasein dar ohne wirkliche Erfüllung. Die abschreckende, und doch wohl überlegte Wirkung dieser Bilder geht auf Buddha Shakyamunis Wunsch zurück, der die Menschen wach rütteln wollte. Sie hafteten zu sehr an dem Vergangenen - den eigenen Körper eingeschlossen -, alles vergeht und nichts bleibt, wie es ist, in den Anhaftungen sei kein wahres Glück zu finden.

Es stellt sich die Frage, ob man sich von seinen Wünschen und Anhaftenden wirklich befreien kann, da es doch ein ganz natürliches menschliches Bedürfnis ist, an etwas festzuhalten? Und auch Wünsche gehören zum Leben dazu. So hat zum Beispiel der Wunsch des Menschen, sich und seine Sippe zu beschützen, zu weit reichendem Fortschritt geführt; angefangen damit, dass er die Fähigkeit zum sozialen Zusammenleben entwickelte, solide und heizbare Häuser bauen lernte bis hin zur Entwicklung eines komplexen Gemeinschaftswesens. Auch hat der Wunsch, verstehen zu wollen, welchen Platz die Menschheit im Universum einnimmt, entscheidende Impulse für die Entwicklung von Philosophie, Literatur und Religion gesetzt. Wünsche und Begierden sind somit ganz wesentlich für das, was wir sind und wie wir sein wollen.

In diesem Sinne ist es weder möglich, noch wirklich wünschenswert, alle Begierden auszulöschen. Wollten wir uns vollständig von ihnen befreien, infolgedessen auch von Nahrung, Schlaf und Sexualität, würden wir am Ende nicht nur unser eigenes Leben gefährden, sondern die ganze Menschheit wäre zum Aussterben verurteilt. Dahingegen betonen die Lehren Nichirens die Transformation, also das Umwandeln und nicht das Auslöschen von Wünschen und Begierden. Diese dienen sogar als Brennstoff, um die Menschen zur Erleuchtung zu führen. In den mündlichen Aufzeichnungen seiner Vorlesungen heißt es:"Nichiren und andere, die Nam Myoho Renge Kyo rezitieren, verbrennen nun das Brennholz der irdischen Begierden und erblicken das Feuer der erleuchteten Wahrheit." Eine ähnliche Aussage findet man im Weithin-Beliebt-Sutra: "Sogar ohne ihre irdischen Begierden auszulöschen oder die fünf Begierden zu leugnen, können sie alle ihre Sinne reinigen und alle ihre Missetaten löschen."

Der Nichiren-Buddhismus erklärt die ganz alltägliche Wünsche, Träume aber auch Enttäuschungen zur treibenden Kraft, die letztendlich zur Erleuchtung führen. Die Wirkung ist folgende: Wir fühlen uns glücklich und erfüllt, wenn wir Probleme überwinden, Träume verwirklichen und lang gehegte Ziele erreichen. Deshalb sollten wir unsere Wünsche und Begierden nicht verurteilen, sondern versuchen, ihren tieferen Nutzen zu verstehen. Wie hier schon mehrfach erwähnt, berichten viele Mitglieder der Soka Gakkai von äußeren oder materiellen Veränderungen in ihrem Leben. Aber solche "Wohltaten" sind nur die eine der Medaille. Der Buddhismus unterscheidet "sichtbare" und "unsichtbare" Wirkungen der Ausübung. Der neue Job, der Sieg über eine Krankheit, eine erfüllte Ehe und vieles mehr kommen nicht zustande ohne tiefe, kritische Selbstreflexion und dem daraus resultierenden Wunsch zur Veränderung. Unsere Wünsche können somit unserer buddhistischen Ausübung eine hohe Intensität verleihen.

Ein zentraler Grundsatz des Nichiren-Buddhismus lautet demnach Irdische Begierden in Erleuchtung verwandeln. Durch die buddhistische Praxis kann auch der banalste Impuls in etwas Großes und Edles transformiert werden. Unsere Wünsche werden im Lauf der Zeit auf ganz natürliche Weise immer größer und weiter, umfassen unsere Freunde und Familie, die Gemeinde, in der wir leben, bis sie schließlich die ganze Welt einschließen. So wird die Art der Wünsche ständig umgewandelt - von äußerlichen, materiellen Wünschen hin zu einer spirituell motivierten Sehnsucht, ein vollständig erfülltes Leben zu führen.

"Ich vertraue darauf, dass ein tiefer Wunsch im Menschen existiert. Ich bezeichne ihn als elementaren Wunsch. Ich glaube, er ist die Kraft, aus der wir eine bemerkenswerte Kreativität und großen Erfindungsreichtum entwickeln. Er ist die Quelle der Lebenskraft. Er ist die Sehnsucht, sein Leben mit dem universellen Leben u vereinen und große Energie aus diesem unendlichen Reservoir zu ziehen." Daisaku Ikeda.


Zitat von Wu im Beitrag #61
Zitat von gelbelibelle im Beitrag #59
Geschehen lassen ist so passiv und kommt dem gleich einen Gott anzubeten der das schon richtet...



Vielleicht hat es eine oberflächliche Ähnlichkeit, man könnte es als Hingabe beschreiben, nur ohne jemand, der sich hingibt und ohne etwas oder jemand, an dem man sich hingibt.

In Worten der Praxis umgesetzt: Du praktizierst nicht mehr um zu, sondern es praktiziert dich.
Vielleicht geht das ja auch mit dem Odaimoku.




Wenn du davon ausgehst, dass wir von unseren Wünsche geleitet werden, dann hast du Recht. Aber das tust du auch mit deiner Lebensweise "im Fluss"!

Zitat von Wu im Beitrag #61


Es gibt bei youtube von diesem Gesang sogar meine Lieblingsinterpretation, zumindest die ersten 10 Minuten davon:
Acid Mothers Temple and The Melting Paraiso UFO - Nam Myo Ho Ren Ge Kyo




Acid Mothers Temple ist deine Lieblingsinterpretation? Kann sein, dass ich es falsch verstehe, aber es klingt nach Persiflage... Das kann doch so nicht gemeint sein, oder?
Übrigens: Gut, dass du die ersten 10 Minuten magst: Das Stück geht nur 9:52 Minuten - kleiner Scherz, hatte mich kurz gewundert...

Wu Offline




Beiträge: 416

04.07.2012 09:40
#64 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Zitat von Momo040 im Beitrag #63
Leider kann ich die philosophische Auseinandersetzung mit der Ablösung vom Ich nicht ganz verstehen. Auch die These mit dem Subjekt und Objekt fällt mir äußerst schwer. Eure Ausführungen klingen jedoch nach "etwas abschneiden" oder auch "unterdrücken", indem man es transformiert. Dem kann ich nicht zustimmen. Es geht nicht darum, etwas oder jemand in uns zu verändern. Im Gegenteil. Wir geben uns unserem Streben hin.


Es geht nicht um die Ablösung vom Ich. Es geht um dessen Nichtexistenz. Das ist für mich eine der wenigen schlauen Ansätze des Buddhismus (Während ich seinen Ansatz in Geburt, Krankheit, Alter und Tod, also dem natürlichen des Lebens, dem Fluss des Lebens, das Grundproblem zu sehn, für Schwachsinn halte, also ich würde Buddhismus als solchen schon stark hinterfragen - seinen Ansatz nicht als sinnvoll betrachten - Naja, so was wie Sinn ist eh Unsinn. ).


Zitat von Momo040 im Beitrag #63
Nach Nichirens Lehre führen irdische Wünsche zur Erleuchtung. Diese Ansicht widerspricht fast allen gängigen Vorstellungen über den Buddhismus.


a) Ist das so? Gibt es aus seiner Sicht ein führen hin zur Erleuchtung?
Ich kenne nur ein paar Grundsätze von ihm. Einer lautet bonno soku bodai - irdische Begierden sind Erleuchtung. Das ist für mich das Gegenteil von einer Entwicklungstheorie hin zur Erleuchtung durch Chanten.
Es entspricht eher dem Samsara und Nirvana sind eins von Nagarjuna, dem Sitzen (Zazen) ist Erleuchtung des Dogen und der Einheit des verblendeten gefallenen Menschen (Namu) und des erleuchteten Seins und Lebens (Amida Butsu) bei Shinran.
(Auch wenn Nichiren diese letztgenannten Lehren hasste wie die Pest und sie für ihn an aller Not Schuld waren).

Ein anderes Prinzip von ihm ist juji soku kanjin - die Annahme des Gohonzons in sich selbst ist Erleuchtung. Auch hier keine Entwicklung hin zu.
Ein weiteres kensho jobutsu - in seine eigene Natur (das meint ja im Buddhismus immer auch die Nichtexistenz eines Ichs, eines meins, einer Seele, und er war ja Tendai-Mönch, wusste also genau um diese Lehren) schauen bedeutet Buddha werden.
Bei Nichiren gibt es im Übrigen auch shus seken - Überwindung des Weltlichen (Meines Wissens hat er ja auch nie sein Mönchtum abgelegt, im Gegensatz zu Shinran z.B.)
Hier auch noch ein Ansatz von Nichiren für gysi (Ich denk, er wird ihn mögen ): ishin daie - Weisheit durch Glauben ersetzen.


Zitat von Momo040 im Beitrag #63
Acid Mothers Temple ist deine Lieblingsinterpretation? Kann sein, dass ich es falsch verstehe, aber es klingt nach Persiflage... Das kann doch so nicht gemeint sein, oder?
Übrigens: Gut, dass du die ersten 10 Minuten magst: Das Stück geht nur 9:52 Minuten - kleiner Scherz, hatte mich kurz gewundert...


Ja, die letzten 8 Sekunden sind toll. Kein Daimoku. ;-)
Im späteren Verlauf verbinden sie dann das Daimoku auch noch mit verschiedensten anderen Mantren (Naja, eigentlich ist es Daimoku kein Mantra, sondern ne Namensrezitation). Ein musikalisches verbinden verschiedener Traditionen.
Inwieweit es eine Persiflage oder ein lockerer fröhlicher Umgang mit dem Daimoku ist, kann ich schwer einschätzen. es ist sicher aber kein "Das Daimoku ist der einzige Weg". Im Acid Mother temple gibt es halt viele Formen.

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"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

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Momo040 Offline




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04.07.2012 18:41
#65 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Zitat von Wu im Beitrag #64


Es geht nicht um die Ablösung vom Ich. Es geht um dessen Nichtexistenz. Das ist für mich eine der wenigen schlauen Ansätze des Buddhismus (Während ich seinen Ansatz in Geburt, Krankheit, Alter und Tod, also dem natürlichen des Lebens, dem Fluss des Lebens, das Grundproblem zu sehn, für Schwachsinn halte, also ich würde Buddhismus als solchen schon stark hinterfragen - seinen Ansatz nicht als sinnvoll betrachten - Naja, so was wie Sinn ist eh Unsinn. ).


Hm, ich werde mich informieren, was genau das bedeutet und inwiefern das im Nichiren-Buddhismus eine Rolle spielt.

Jedenfalls habe ich ernsthafte Schwierigkeiten, deine Motivation einzuschätzen: einerseits bist du offensichtlich total belesen (was ja für einen suchenden Geist spricht), andererseits hältst du die buddhistische Lehre für Schwachsinn. Warum ist es denn Unsinn, wenn man die Leiden des Alltags in etwas Gutes verwandeln möchte? Mal so gesagt: Wir jammern vielleicht hier auf hohem Niveau, trotzdem hat jeder sein Paket zu tragen. Letztlich habe ich ja schon dargestellt, worum es in der Praxis wirklich geht. Du hast doch bestimmt auch die ein oder andere Baustelle, vielleicht stehst du dir auch mal selber im Weg und kommst nicht raus ohne Hilfe. Das fängt ja schon an bei "ich muss mal mehr Sport machen" oder "ich muss mehr trinken" oder was auch immer. Du weißt sicher, was gemeint ist. Bestenfalls schafft man es ein paar Tage oder sogar Wochen, doch irgendwann fällt man doch zurück in sein altes Muster. Das kann quälend sein. Es gibt noch mindestens soviel Beispiele, wie Menschen auf der Erde, mal solche, die jedem anderen als "wirklich nicht so schlimm" vorkommen oder auch mal sehr traurige. Ich muss nicht weiter ausführen, dass verbessernde Maßnahmen sehr glücklich machen können. Wenn die buddhistische Praxis ein Weg ist - und das ist sie ohne Frage - dann kann das kein Unsinn sein. Oder ist dein Ansatz wirklich, das Leiden muss ertragen werden? Auch dazu hatte ich bereits etwas gesagt: Genau hier setzte Nichiren an.

Zitat von Wu im Beitrag #64



a) Ist das so? Gibt es aus seiner Sicht ein führen hin zur Erleuchtung?
Ich kenne nur ein paar Grundsätze von ihm. Einer lautet bonno soku bodai - irdische Begierden sind Erleuchtung. Das ist für mich das Gegenteil von einer Entwicklungstheorie hin zur Erleuchtung durch Chanten.
Es entspricht eher dem Samsara und Nirvana sind eins von Nagarjuna, dem Sitzen (Zazen) ist Erleuchtung des Dogen und der Einheit des verblendeten gefallenen Menschen (Namu) und des erleuchteten Seins und Lebens (Amida Butsu) bei Shinran.
(Auch wenn Nichiren diese letztgenannten Lehren hasste wie die Pest und sie für ihn an aller Not Schuld waren).



Auch hier werde ich noch einmal genauere Informationen einholen.
Zitat von Wu im Beitrag #64


Ein anderes Prinzip von ihm ist juji soku kanjin - die Annahme des Gohonzons in sich selbst ist Erleuchtung. Auch hier keine Entwicklung hin zu.
Ein weiteres kensho jobutsu - in seine eigene Natur (das meint ja im Buddhismus immer auch die Nichtexistenz eines Ichs, eines meins, einer Seele, und er war ja Tendai-Mönch, wusste also genau um diese Lehren) schauen bedeutet Buddha werden.
Bei Nichiren gibt es im Übrigen auch shus seken - Überwindung des Weltlichen (Meines Wissens hat er ja auch nie sein Mönchtum abgelegt, im Gegensatz zu Shinran z.B.)
Hier auch noch ein Ansatz von Nichiren für gysi (Ich denk, er wird ihn mögen ): ishin daie - Weisheit durch Glauben ersetzen.




Fakt ist: Die Praxis richtet sich aus auf eine Erleuchtung mithilfe des Gohonzon, welcher wie ein innerer "Seelenspiegel" fungiert. Ein Ziel ist es, den Lebenszustand eines Buddha im eigenen Leben zu erfassen. Das nennt man das Betrachten des eigenen Lebens. Der Gohonzon spiegelt die Buddhanatur in allem Leben wider. So, wie wir den Spiegel nutzen, um unser Gesicht wahrzunehmen, benutzen wir den Gohonzon, um in uns die Buddhanatur wahrzunehmen. Wir können also, indem wir zum Gohonzon chanten, die wahre erleuchtete Natur unseres Lebens entdecken und daraus schöpfen. Auf dem Verehrungsobjekt sind die Namen von Buddhas, Bodhisattvas, Schutzgöttern und mythologischen Persönlichkeiten des buddhistischen Kantons angeordnet, die in ihrer Gesamtheit für die zahlreichen Funktionen des kosmischen Lebens stehen. Auf der Mittelachse steht in chinesischen Lettern Nam Myoho Renge Kyo, denn "Shakyamunis Ausübungen und die Tugenden, die er daraufhin erhielt, sind allesamt in den fünf Schriftzeichen von Myoho-Renge-Kyo enthalten." (Nichiren) Dieser war der Überzeugung, dass die Anrufung von Nam-Myoho-Renge-Kyo tatsächlich den Buddhazustand öffnet. Das Lebensgesetz Myoho-Renge-Kyo besteht also nicht getrennt von der Person. Um diesen Zusammenhang auch optisch zu veranschaulichen, setzte er seinen Namen unter Nam-Myoho-Renge-Kyo. Seine "Unterschrift"macht deutlich, dass diese Tatsache nicht nur auf ihn zutrifft, sondern für alle Menschen gleichermaßen gilt. Nam bedeutet Widmung und bezeichnet die Absicht, durch diese Ausübung die Buddhanatur hervorzurufen.

Wu Offline




Beiträge: 416

05.07.2012 17:53
#66 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Zitat von Momo040 im Beitrag #65
Zitat von Wu im Beitrag #64


Es geht nicht um die Ablösung vom Ich. Es geht um dessen Nichtexistenz. Das ist für mich eine der wenigen schlauen Ansätze des Buddhismus (Während ich seinen Ansatz in Geburt, Krankheit, Alter und Tod, also dem natürlichen des Lebens, dem Fluss des Lebens, das Grundproblem zu sehn, für Schwachsinn halte, also ich würde Buddhismus als solchen schon stark hinterfragen - seinen Ansatz nicht als sinnvoll betrachten - Naja, so was wie Sinn ist eh Unsinn. ).



Jedenfalls habe ich ernsthafte Schwierigkeiten, deine Motivation einzuschätzen: einerseits bist du offensichtlich total belesen (was ja für einen suchenden Geist spricht),


Ich halte mich nicht für besonders belesen. Ich hab soviel Grundkenntnisse über den Buddhismus, wie zumindest ein Buddhist haben sollte. Einen groben Überblick über die Lehre des Buddha, über die Entwicklung der Ideen und Schulen und einen kleinen Einblick in die Lehren und die Praxis dieser Schulen. Sicher am wenigsten in den Nichiren-Buddhismus, weil mir Nichiren höchst unsympathisch ist, ich freilich auch als Deutscher nix mit seinem japanischen Nationalismus anfangen kann, ich mir nicht sicher bin, ob er die Lehre Chih-i's nicht zu sehr vereinfacht hat (Ich hab nix gegen Vereinfachung, aber hier gehts mir eher um ein paar Ansätze, die für mich nicht logisch und nachvollziehbar sind).

Ich seh mich nicht als suchenden Geist. Die Suche (Und hinter der Suche nach dem nächsten Kick, den nächsten Ferrari, oder nach der Erleuchtung zteckt für mich das selbe psychologische Muster. Man sucht an ner anderen Stelle, aber insgesamt ist es das selbe Muster.

Heute gab es einen vielleicht dazu passend Text im Buddhaland.

Zitat
Im Nicht-Finden der Antwort (auf die Frage, »was-wir-sind«) liegt genau das Finden. Wenn dieses Nicht-Finden zum Aufgeben der konzeptuellen Suche und zum intuitiven Erfassen dessen, was wir nicht-konzeptuell sind, führt, dann würde dieses Aufgeben nicht nur die Suche einschließen, sondern, weit wichtiger, den konzeptuellen Sucher selbst! Das Finden bedeutet:Phänomenal könnte man uns bezeichnen als das Konzept, das konzipiert ist (der Sucher) und konzeptualisiert (die Suche) – der Sucher als das Gesuchte, und umgekehrt – mit anderen Worten : »Konzeptualität«. Noumenal sind wir, als »vor dem Einsetzen des Konzeptualisierens vorhanden«, nicht fähig, zu konzeptualisieren oder konzeptualisiert zu werden – mit anderen Worten:»Nicht-Konzeptualität«.




aus: Ramesh Balsekar, “Die Lehre erleben”


Zitat von Momo040 im Beitrag #65
andererseits hältst du die buddhistische Lehre für Schwachsinn. Warum ist es denn Unsinn, wenn man die Leiden des Alltags in etwas Gutes verwandeln möchte?


Das hat für mich mehrere Ebenen.
Einerseits halte ich die Ebene: Ich will Glück haben und Leid vermeiden (die meiner Meinung nach Buddha auch so nicht gelehrt hat, weil alles Glück bei ihm vergänglich ist, und alles vergängliche leidvoll, Deenden des leides schliesst IMHO bei ihm Beenden des Glücks mit ein. ) Für mich gehören aber Glück und Leid zum alltäglichen des Fluss des Lebens, zum natürlichen. Das natürliche bekämpfen zu wollen, ist für mich unsinnig.
Es ist sozusagen eine andere Sichtweise, die ich auf die Dinge hab. Das Sein wird durch Glück nicht verbessert, durch Leid nicht geschmälert, es bleibt Sein.
Das stürmische Meer ist nicht mehr Meer oder weniger Meer als das ruhige Meer.
Ich halte eine Sichtweise abseits dieser Leid- oder Glückthematik für stimmiger.
Das zweite ist die theorie Wenn ich nur das richtige tue (chante, den richtigen partner treffe, genug Geld verdiene, genug meditiere, ethisch lebe, genug Orgasmen bekomme, etc. je nach Geschmack kann man sich ja da was aussuchen) dann vergeht das Leid und ich schwimme in ewiger Glückseligkeit. Leidbeenden durch Tun.
Dagegegen gibt es einen von mir und von anderen oft zitierten Satz eines Herrn Ablass: Leiden entsteht durch Fehlinformation. Die Hauptfehlinformation lautet: "So wie es jetzt ist könnte es nicht sein, wäre es anders wäre es besser."
Nach dieser Theorie ist ja gerade dein Tun und wollen, daß das leiden verstärkt, die Fehlinformation verstärkt.
Ähnliche Ansätze kannst du auch im Buddhismus finden. Wenn man sich durch das ganze mythologische nicht blenden lässt, wäre da Shinran zu empfehlen.
Die erste These: der Weg des Tuns braucht viele Hypo-Thesen damit er stimmig wird: Ein Ich, einen freien Willen, Durchsetzungskraft, aus meiner Sicht auch noch die Nichtexistent eines Unbewussten und die richtigen Methoden.
Die zweite These kommt ohne sie aus.



Zitat von Momo040 im Beitrag #65
Wenn die buddhistische Praxis ein Weg ist - und das ist sie ohne Frage - dann kann das kein Unsinn sein.


Wieso nicht? Ein Weg heisst doch nicht, daß er auch sinnvoll ist. Denk doch nur mal an den faschistischen Weg. Oder den Weg von Scientology. Aber für nen Faschisten oder nen Scientologen sind ihre Wege sicherlich sinnvoll. Ich würde nicht sagen, daß es einen Sinn im Leben gibt, außer zu leben. (Als wäre das nicht genug).


Zitat von Momo040 im Beitrag #65
Oder ist dein Ansatz wirklich, das Leiden muss ertragen werden?


Wenn es notwendiger Teil des Lebens ist, stört es nicht weiter. Es gibt ein Liebesgedicht von Erich Fried:

Zitat
das leben

wäre vielleicht einfacher wenn ich dich gar nicht getroffen hätte

weniger Trauer jedes mal wenn wir uns trennen müssen

weniger angst vor der nächsten und übernächsten Trennung

und auch nicht soviel von dieser machtlosen Sehnsucht wenn du nicht da bist

die nur das unmögliche will und das sofort im nächsten Augenblick

und die dann weil sie nicht sein kann betroffen ist und schwer atmet

das leben wäre vielleicht einfacher wenn ich dich nicht getroffen hätte

es wäre nur nicht mein leben



http://www.suzanne.de/worte/fried/leben/leben.html


Zitat von Momo040 im Beitrag #65
Fakt ist: Die Praxis richtet sich aus auf eine Erleuchtung mithilfe des Gohonzon, welcher wie ein innerer "Seelenspiegel" fungiert. Ein Ziel ist es, den Lebenszustand eines Buddha im eigenen Leben zu erfassen. Das nennt man das Betrachten des eigenen Lebens. Der Gohonzon spiegelt die Buddhanatur in allem Leben wider. So, wie wir den Spiegel nutzen, um unser Gesicht wahrzunehmen, benutzen wir den Gohonzon, um in uns die Buddhanatur wahrzunehmen. Wir können also, indem wir zum Gohonzon chanten, die wahre erleuchtete Natur unseres Lebens entdecken und daraus schöpfen. Auf dem Verehrungsobjekt sind die Namen von Buddhas, Bodhisattvas, Schutzgöttern und mythologischen Persönlichkeiten des buddhistischen Kantons angeordnet, die in ihrer Gesamtheit für die zahlreichen Funktionen des kosmischen Lebens stehen. Auf der Mittelachse steht in chinesischen Lettern Nam Myoho Renge Kyo, denn "Shakyamunis Ausübungen und die Tugenden, die er daraufhin erhielt, sind allesamt in den fünf Schriftzeichen von Myoho-Renge-Kyo enthalten." (Nichiren) Dieser war der Überzeugung, dass die Anrufung von Nam-Myoho-Renge-Kyo tatsächlich den Buddhazustand öffnet. Das Lebensgesetz Myoho-Renge-Kyo besteht also nicht getrennt von der Person. Um diesen Zusammenhang auch optisch zu veranschaulichen, setzte er seinen Namen unter Nam-Myoho-Renge-Kyo. Seine "Unterschrift"macht deutlich, dass diese Tatsache nicht nur auf ihn zutrifft, sondern für alle Menschen gleichermaßen gilt. Nam bedeutet Widmung und bezeichnet die Absicht, durch diese Ausübung die Buddhanatur hervorzurufen.


Wie schon angedeutet (und du verschweigst meiner Meinung das wesentliche) symbolisiert die Anordnung der einzelnen Elemente auf dem Gohonzon die sog. „Zeremonie in der Luft“. In dieser metaphorischen Zeremonie verkündet Shakaymuni Buddha das Lotos-Sutra, dessen Richtigkeit von den dargestellten Wesen bestätigt wird. Der Gläubige soll sich also als Teilnehmer dieser Zeremonie sehen. Dadurch, daß der Glaübige durch Glauben an das Gohonzon dadurch glaubt, an dieser zeremonie teilzunehmen, ist ihm die Erleuchung sicher.
Das wiederspricht meiner Meinung gerade eurer meinung, daß ich mich durch mein tun selbst befreie.
Und was tut man? Man rezitiert den Titel des Sutras (Eine Übung, die im Lotussutra nirgends auftaucht, da wird empfohlen es zu rezitieren oder abzuschreiben, aber nirgends ist von dem Titel die Rede.)
Dann werden noch zwei Kapitel rezitiert.
Deren Inhalt kann man hier nachlesen.
Es ist mir ein wenig unverständlich, warum a) dieses Sutra, b) diese Teile des Sutras (Andere Schulen, die teile des Lotussutras rezitieren rezitieren im übrigen andere Teile), c)Warum in einer Sprache, die man nicht versteht (Ich könnt ja verstehn, wenn man es zumindest in der Originalsprache rezitieren würde). Es gibt im übrigen buddh. Traditionen, die Sutren auf deutsch rezitieren.
Meine Theorie ist ja: Auf deutsch würde man ja merken, was man da liest, daher ist es gut, es in einer unverständlichen Sprache zu rezitieren.

Ich sage nicht, das die Rezitation von unverständlichen Texten keine interessanten Effekte haben kann. Aber da ist es egal, welche Texte man verwendet.
Der Verstand ist mit rezitieren beschäftigt, wird aber nicht mit Bedeutungen konfrontiert.

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tomatine Offline



Beiträge: 1

01.04.2015 22:47
#67 RE: Aus gegebenem Anlass - die Soka Gakkai antworten

Hat jemand etwas neues zu dieser Gruppe? Wäre an einem Erfahrungsaustausch, speziell zu den internen Strukturen, interessiert.

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