Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!


Mach mit!


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 36 Antworten
und wurde 7.303 mal aufgerufen
 Andere Religionsgemeinschaften
Seiten 1 | 2
MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

11.01.2010 09:06
Die Geschichte der Zeugen Jehovas - und weiteres Wissenswertes... Antworten

Ich möchte die Geschichte der ZJ mal ein wenig aufarbeiten, da ich mich in den letzten Wochen damit beschäftigt habe. Man muss wissen, dass ZJ gerne und ausgiebig andere Kirchen diskreditieren. Das fängt damit an, dass man die Geschichte der Kirche aufarbeitet und erzählt, woran sie alles schuld ist bzw. was sie alles falsch gemacht hat.

Ist man jedoch ein ZJ merkt man garnicht, dass man die Geschichte der eigenen Religion nur sehr unzureichend kennt. Man weiß, das Charles T. Russel - auf welche Art auch immer - Gottes Geist Ende des 18. Jahrhunderts bekam und darauf hin die Bibelforscher gegründet wurden, die heute Zeugen Jehovas heißen. Interessant ist aber, was in der Geschichte der ZJ alles passierte, was wiederrum die wenigsten wissen bzw. in der offiziellen Lehre nie zum Vorschein kommt, somit also nie besprochen wird, was bedeutet, das es defacto keiner weiß:

Punkt 1: Charles Taze Russel und die Scheidung

Zitat
1906 reichte Maria F. Russell die Scheidung ein.


Charles T. Russel war somit geschieden. Der Präsident der Wachtturm-Gesellschaft hat sich scheiden lassen. Jetzt werdet ihr sagen: "Was ist daran so interessant"? Heute gilt die Scheidung als absolut verpöhnt, sie wird einem als ZJ unmöglich gemacht. Der einzige Scheidungsgrund, der lt. Bibel abgeleitet wird, ist Ehebruch. Alles andere wird nicht akzeptiert. Es gibt zwar noch einige Trennungsgründe (nicht Scheidung-), aber diese sind ebenfalls z.T. aus der Bibel abgeleitet, andere dienen nur dem Erhalten des jeweiligen Glaubens, denn es ist erlaubt sich vom Ehepartner zu trennen, wenn er die Ausübung des eigenen Glaubens (als Zeuge Jehovas) behindert.

Zitat
Im Jahre 1907 ließ sich Russel von seiner Frau scheiden.
In diesem Öffentlich ausgetragenen Rosenkrieg kam es zu der Anschuldigung das Russel mit seinem Pflegekind eine Unsittliche Beziehung pflegte.
Ein Grund warum dies zur Sprache kam war um die gesetzliche Möglichkeit der Scheidung wegen Ehebruch die es zu der Zeit in Amerika gab, zu nutzen.


Würde man in der heutigen Christenversammlung so offen darüber sprechen, so glaube ich, wäre man die längste Zeit ein Zeuge Jehovas gewesen. Anhand dieses Beispieles erkennt man gut, wie die Geschichte verklärt wird. Man findet kaum Informationen dazu, obwohl dies nachweislich die Wahrheit ist. Andererseits wird Charles T. Russel auch heute noch als derjenige angesehen, der den treuen Sklaven in der damaligen Zeit darstellte. Heute stellt sich dieser treue Sklave als absolut treu und wahr hin, als von Gott gesegnet, als jemanden den man nicht anzweifeln darf, geschweige denn unliebsame Fragen stellen darf. Noch heute wird im Zweigbüro in Brooklyn (ich habs mit eigenen Augen gesehen) damalige Reden von Charles T. Russel im Besucherraum auf Video ausgestellt, ganz so, als hätte er sich nichts zu schulden kommen lassen. Wäre die Organisation wenigstens so fair und würde auch offen über solche Dinge reden, dann würde Sie nicht ihre Glaubwürdigkeit auf dem Altar der Unvernunft verbrennen...

Kurze Anmerkung: Seit einigen Jahren gibt es eine sogenannte Watchtower Library (auf CD), die annährend alle Bücher enthält, die ZJ veröffentlicht haben. Das Programm ermöglicht es einem sehr komfortabel zu suchen. Man muss hier aber von einer zensierten Version reden, denn gewisse Suchbegriffe führen zu keinem Ergebnis, obwohl es definitiv Aussagen dazu in der Literatur gibt. Zur Scheidung Russels findet man ebenfalls nichts, jedenfalls nicht über die gängigen Suchbegriffe, lasse mich aber gerne korrigieren. Nachgewiesen sind auch einige kritische Zitate zu gewissen widersprüchlichen Lehren aus Vergangenheit und Gegenwart, die zwar enthalten sind, sich jedoch nicht über bestimmte Suchbegriffe finden lassen. Ein Schelm der Böses dabei denkt...


Punkt 2: Raymond Franz - Mitgliehd der leitenden Körperschaft
Raymond Franz war 9 Jahre Mitglied der Leitenden Körperschaft, also dem Leitungsgremium der Zeugen Jehovas.

Zitat
1971 wurde er Mitglied der leitenden Körperschaft, dem weltweiten Leitungsgremium der Religionsgemeinschaft.

Raymond Franz war im Schreibkomitee tätig und schrieb Publikationen und Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas (unter anderem auch Teile des Nachschlagewerks Aid to Bible Understanding, jetzt Einsichten über die Heilige Schrift).

Franz war unter Zeugen Jehovas auf der ganzen Welt bekannt und angesehen, er hielt Ansprachen auf Kongressen und zu Bestimmungsübergaben von Gebäuden und Einrichtungen.

Am 22. Mai 1980 endete seine Zeit als Zeuge Jehovas und seiner zwei Leitungsfunktionen.
...
Der englische Titel ist Crisis of Conscience, der deutsche Der Gewissenskonflikt. Das Buch wurde mittlerweile in viele verschiedene Sprachen übersetzt und gilt als eines der Standardwerke in der Zeugen-Jehovas-Ausstiegs-Literatur. Es gibt Einsichten in die „Strukturen und Abläufe im inneren Machtzentrum“ der Wachtturm-Gesellschaft. Es ist dabei für gewisse Sachverhalte die einzige allgemein zugängliche Quelle. Eine direkte Gegendarstellung der Wachtturmgesellschaft gab es nie. Es wurde jedoch das Buch Jehovas Zeugen, Verkündiger des Königreiches Gottes (750 Seiten, 7x9 Inch, Hardcover) 1993 von der Wachtturmgesellschaft herausgegeben. Darin wird versucht, einige von Franz beschriebene Dinge in einem anderen Licht erscheinen zu lassen oder sie abzumildern, doch wird ihnen nicht widersprochen. Dieser Umstand wird auch in neueren Auflagen des Buches Der Gewissenskonflikt erwähnt und behandelt.
...
Frederick William Franz, geboren 1893, ein Onkel von Raymond Franz, war von 1945 bis 1978 Vizepräsident, anschließend bis zu seinem Tod im Jahre 1992 Präsident der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania, der Muttergesellschaft aller rechtlichen Organisationen unter der Firmierung Wachtturm-Gesellschaft. Er war ebenfalls Mitglied der leitenden Körperschaft.


Quelle: Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Raymond_Victor_Franz
Wenn man sein Buch liest, stellt man sehr schnell fest, dass er nicht zum Schlage eines Günther Pape gehört. Nein, viel mehr trieb diesen Mann der Glaube an Gott dazu, der Organisation den Rücken zu kehren. Interessant ist, dass Ray Franz bereits in den 70er Jahren erkannte, das gewisse Lehren nicht tragbar sind und das diese geändert werden müssen. Im Nachhinein unterstellt man ihm arroganz und fehlende Demut. Das ist jedoch die typische Art um jemanden zu diskreditieren. Ich nenne es schlichtweg Rufmord. Im Nachhinein, so muss man sagen, sind alle Vorschläge von Ray Franz mit der Zeit umgesetzt worden. Die Frage ist: Wer hatte nun wirklich Gottes Geist? Hier mal ein Auszug:

Zitat
--- DIE BERICHTIGUNG DES VERSTÄNDNISSES VON »DIESER GENERATION« AUS MATH. 24:34.
R.Franz schrieb bereits 1983: ...«mit jedem Jahr das verstreicht, wird es schwieriger diese Lehre und alle damit zusammenhängenden Ansprüche aufrechtzuerhalten... Irgendwann einmal wird man die Lehre von der »Generation« von 1914 nicht mehr aufrechterhalten können, ohne sich völlig unglaubwürdig zu machen. Man könnte aber verschiedene Korrekturen oder »Verbesserungen« vornehmen ... so daß sich die Behauptungen in etwas veränderter Form beibehalten ließen.«
--- DIE BERICHTIGUNG DER EINSTELLUNG ZUM ZIVILDIENST.
Gemäß R.Franz scheiterte sie zu einem früheren Zeitpunkt an der nicht erreichten 2/3 Mehrheit. Hier erhebt sich für mich die Frage, warum eine Ansicht zur absoluten christl. Norm erhoben wird, wenn die Bibel zu diesem Thema eigentlich überhaupt nichts sagt und sich selbst die Führung in dieser Frage nicht 100prozentig einig ist?
--- DAS ZURÜCKNEHMEN VON VIELEN ÜBERTRIEBENEN POSITIONEN, DIE KEINE BIBLISCHE GRUNDLAGE HABEN.
Hochschule/Bildung, Schule/Schulaktivitäten, Z.J. und ihr Verhältnis zur »Welt« und in der Welt.
--- DAS ZURÜCKNEHMEN VON ALLZUVIEL ORGANISATION, ZUGUNSTEN DES PERSÖNLICHEN GEWISSENS VOR GOTT.
Wunderbar erklärt im WT vom 1.9.96 (deutsch). U.a. heißt es dort: »Damit wir zur Reife heranwachsen, müssen wir daher unser eigenes Wahrnehmungsvermögen gebrauchen und dürfen nicht nur darauf vertrauen, von anderen Antworten zu erhalten«. Oder: »Ein Christ versucht nicht, seinem Bruder vorzuschreiben, was er in Angelegenheiten, die in der Bibel nicht ausdrücklich erwähnt werden, zu tun oder zu lassen (ich füge hinzu: GLAUBEN) hat«.



Letztendlich wurde Raymond Franz ausgeschlossen, weil er ein Mahl mit seinem Nachbarn einnahm, der aus eigenen Stücken die Organisation verließ. Sein Buch ist absolut lesenswert, zeigt es doch, wie menschlich durchdrungen diese Organisation ist. Wer das Buch liest, erkennt, dass es nicht Gottes Organisation ist und nicht seinen Geist hat.

Punkt 3: Die immer wieder genannten Jahreszahlen für das Ende

Als Zeuge Jehovas begegnet einem ab und an an der Türe jemand, der behauptet, wir hätten bereits vor Jahrzehnten das Ende prophezeit. Häufig fällt dabei auch das Jahr 1975. Als ZJ erinnert man sich maximal noch an das Jahr 1914, weil dort - so auch im Geschichtsbuch der ZJ erwähnt - Bruder Russel und Konsorten buchstäblich Häuser bauten, damit Abraham und Moses ab diesem Jahr dort wohnen können. Auferstanden sind sie jedoch nie. Gerade das Jahr 1975 ist dahingehend sehr interessant, als dass auch für dieses Jahr das Ende vorhergesagt wurde. Teils offener, teils nebulöser, denn in diesem Jahr, so glaubte man, endeten 6000 Jahre Menschheitsgeschichte. Einige Brüder, mit denen ich damals redete, sprachen von einer Endzeitstimmung. Viele Brüder verkauften ihr Haus, kündigten ihre Jobs und nutzten das, so glaubten sie, letzte Jahr auf Erden zum predigen als Vollzeitdiener. Als das Ende nicht kam, verließen zahlreiche Brüder die Organisation. Im nachhinein unterstellte man ihnen auch noch, dass sie selber zu viel reininterpretiert hatten. Ein älterer Bruder aus meiner ehemaligen Versammlung dagegen bestätigte, dass das Jahr 1975 nicht nur von "einzelnen" propagiert wurde, sondern das auf Kongressen und in der Literatur ganz offen das Jahr benannt wurde und so falsche Hoffnungen geschürrt wurden. Hier mal einige Auszüge:

Zitat
Bruder Frederick Franz auf das Jahr 1975 bezogen geäußert. In dem Buch »Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes« schreibt er:
»Gemäß dieser zuverlässigen Bibelchronologie werden 6000 Jahre, von der Zeit der Erschaffung des Menschen an, mit dem Jahre 1975 enden und die siebente Periode von 1000 Jahren Menschheitsgeschichte beginnt im Herbst des Jahres 1975 u.Z. ... Das würde für die Menschheit äußerst zeitgemäß sein. Es würde auch von Gott aus sehr zeitgemäß sein, denn erinnere dich bitte daran, die Menschheit hat nur noch das vor sich, was das letzte Buch der Heiligen Schrift über die Tausendjahrherrschaft Jesu Christi über die Erde, die Milleniumsherrschaft Jesu Christi, sagt.«
Diese Aussagen zu 1975 wurden in späteren WT und Erwachet-Artikeln noch präzisiert. Erwachet vom 8.4.69 schrieb: »Die Tatsache, daß mehr als 45 Jahre der Zeitspanne, die als die »letzten Tage« bezeichnet wird, verflossen sind, ist hoch bedeutsam: IM HÖCHSTFALL DAUERT ES NUR NOCH WENIGE JAHRE, bis Gott das verderbte System der Dinge, das jetzt die Erde beherrscht, vernichten wird ...Die Tatsache, daß wir IN DEN LETZTEN PAAR JAHREN dieser »Zeit des Endes« leben, kann noch auf eine andere Weise nachgewiesen werden. Die Bibel zeigt, daß 6000 Jahre Menschheitsgeschichte bald abgelaufen sind.«


Raymond Franz schrieb dazu:

Zitat
R.Franz formuliert dies mit folgenden deutlichen Worten:
»In der Öffentlichkeit wurde von anderer Seite viel darüber gesagt und geschrieben, wie die Erwartungen der Organisation in Verbindung mit 1975 unerfüllt geblieben waren. Auch in den Reihen der Zeugen Jehovas wurde viel darüber gesprochen. Meines Erachtens ist dabei aber der eigentliche Kern des Problems fast nie zur Sprache gekommen. M.E. ging es um weit mehr als um die gewissenhafte oder schlampige Arbeitsweise eines einzelnen Menschen oder auch um die Vertrauenswürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit einer Organisation, bzw. die Denkfähigkeit oder Leichtgläubigkeit ihrer Mitglieder. Was hier eigentlich am schwersten wog, so meine ich, waren das Ansehen Gottes und seines Wortes. Welche Folgen hat es, wenn Menschen derartige Voraussagen machen und behaupten, sie täten dies auf biblischer Grundlage, wenn sie Beweisführungen mit Texten aus der Bibel untermauern, wenn sie gar vorgeben, Gottes »Mitteilungskanal« zu sein - und sich dann ihre Voraussagen als falsch herausstellen? Wird Gott dadurch geehrt, oder stärkt es den Glauben an ihn und an die Zuverlässigkeit seines Wortes? Oder ist nicht genau das Gegenteil der Fall? Sehen sich nicht manche Leute einmal mehr gerechtfertigt, die Botschaft der Bibel und ihre Lehren gering zu achten? Diejenigen unter den Zeugen, die einschneidende Änderungen in ihrem Leben vorgenommen hatten, konnten sich in den meisten Fällen wieder fangen und weiterleben, auch wenn ihre Hoffnungen sich zerschlagen hatten. Das konnten aber nicht alle. In jedem Fall jedoch war der angerichtete Schaden verheerend.« - Zitat Ende.



Auszug aus einem Bericht zweier Brüder, die in der Schreibabteilung tätig waren:

Zitat
Bei der Überprüfung der chronologischen Berechnungen stieß die Schreibabteilung auch darauf, daß es für die Jahre 607 und 1914 überhaupt keinen Schriftgrund gibt. Das Jahr 607 ist nicht das korrekte Datum des Endes des israelitischen Königtums. Doch wenn 1914 als zuverlässiges Datum entfällt, werden auch weitere Lehren fragwürdig, gibt es z.B. auch keine Gruppe, die sich selbst „treuer und verständiger Sklave" nennen kann und mit der Versorgung der Christen mit „geistiger Speise" betraut wäre. Der WT selbst räumt ein, daß der Gedanke von einem „treuen und verständigen Sklaven" von der Wiederkunft Christi im Jahre 1914 abhängig ist.
Auch „andere Schafe“ -Lehre des WT mit Bibel unvereinbar!
Auch andere Lehren hängen mit Daten zusammen, etwa die WT-Lehre von den „zwei Klassen" von Christen, nämlich der „Gesalbten-Klasse" und der „großen Volksmenge". Diese Aufteilung in Klassen wird mit dem Jahre 1935 verbunden. Liest man aber die alten Wachttürme, dann merkt man, daß diese Zweiklasseneinteilung mit dem Jahr 1935 überhaupt nichts zu tun hat.
Zwei Brüder aus der LK, Ray Franz und Lymann Swingl erkannten, daß sich diese Lehren der Gesellschaft überhaupt nicht mit der Bibel in Einklang bringen lassen. Auch das Komitee, daß das Buch „Hilfe zum Verständnis der Bibel" schrieb, erkannte damals, daß alles, was sie über die Chronologie geschrieben haben, inkorrekt war. In diesem Komitee waren Ray Franz, Edward Dunlap und Reinhard Lingtadt.


Hier sieht man also die Gefahr die damit einhergeht, wenn man offizielle Lehren der Gesellschaft widerlegt.


Die Denkweise offenbart sich sehr schön an einem Zitat:

Zitat
Ein weiteres, sehr bezeichnendes Zitat schreibt R.Franz dem Bezirksaufseher Bart Thompson zu, geäußert bei dessen Versuch, die geistige Gesundheit bei R.Franz wiederherzustellen. »Bezirksaufseher Bart Thompson hielt ein Buch der Gesellschaft mit einem grünen Einband hoch und sagte: »Wenn die Gesellschaft mir sagen würde, dieses Buch sei nicht grün, sondern schwarz, dann würde ich sagen: ,Also, ich hätte glatt schwören können, es sei grün; aber wenn die Gesellschaft sagt, es ist schwarz, dann ist es schwarz!« - Zitat Ende.



Punkt 4: Der Einblick in die Schreibabteilung
Als Zeuge Jehovas glaubt man, dass die Artikel im Wachtturm und Erwachet von den Mitgliedern der leitenden Körperschaft bzw. dem treuen und verständigen Sklaven geschrieben werden, die dies ja durch die Eingebung Gottes tun. Es gibt ein interessantes Interview zweier Brüder, die in diesen Schreibabteilungen gearbeitet haben. Auch hier erkennt man, dass es eine rein menschliche und nicht Gottes Organisation ist.
Bezeichnend ist folgende Vorgehensweise:

Zitat
Einmal hörte ich, dass nach einem bestimmten Vortrag auf dem Bezirkskongress, in dem es um Matthäus 22:25-30 ging (um die Frau, die nacheinander sieben Brüder geheiratet hatte, nachdem jeder Mann gestorben war), eine ganze Anzahl Anrufe diesbezüglich in der Schreibabteilung eingingen. Die Frage war: „Wer wird sie demnach in der Auferstehung zur Frau haben?“ Jesus antwortete: „... denn in der Auferstehung heiraten Männer nicht, noch werden Frauen verheiratet, sondern sie sind wie Engel im Himmel.“
Es gab viele Fragen darüber, wie die Gesellschaft diesen Punkt interpretierte. Zu dieser Zeit war ich mit Nachforschungen für das Verkündiger-Buch beschäftigt, aber ich hatte die Idee, nachzusehen, wie oft diese Schriftstellen seit 1879 in der Literatur behandelt worden waren. Dann schlug ich Harry Peloyan vor, ihm die Ergebnisse meiner Nachforschungen zu überlassen. Er meinte, das sei eine großartige Idee. Als ich fertig war, hatte ich einen etwa 5 cm hohen Stapel einzelner Blätter. Ich fasste auch zusammen, was ich herausgefunden hatte, und gab ihm alles. Harry und Colin Quackenbush sprachen darüber und schrieben einen Brief mit ihrem Beitrag an die Leitende Körperschaft. Etwa sechs Monate später erhielten sie einen Brief von der Leitenden Körperschaft, in dem es hieß, dass sie wegen der mehrdeutigen Beschaffenheit von Jesu Worten ab jetzt aufhören würden, diese Schriftstellen zu behandeln


Ich hielt vor einigen Jahren eine Biblische Betrachtung zu genau diesem Thema und ich las die damalige Antwort der Gesellschaft zu diesem Text vor. Die Reaktion danach hat mich ziemlich überrascht. Zahlreiche Brüder sprachen mich an, wie ich nur solch einen Bibeltext behandeln könne. Man muss dazu sagen, dass dieser Text unserem Verständnis vom Paradies und ewigem Leben widerspricht, weil den Vollzeitdienern - also denjenigen die ihr Leben voll und ganz in den Predigtdienst stellen - gesagt wird, sie können auch im Paradies Kinder haben und diese "böse" Zeit lieber jetzt fürs Predigen nutzen. Und dieser besagte Text sagt - und so auch die aktuelle Erklärung der Gesellschaft - dass man womöglich im Paradies keine Kinder haben wird, da sie "sein werden wie Engel". Der Widerhal hat mich überrascht. Ich las 1) die Bibel und 2) die Erklärung des treuen Sklavens vor, aber der Widerstand der mir entgegen gebracht wurde, war enorm. Es gab keinerlei Konsequenzen, aber im persönlichen Gespräch wurde mir mehrfach gesagt, wie ich nur so einen Text behandeln könne.

Auch das zeigt, wie die Denkweise eines Zeugen Jehovas ist. Es kann nicht sein, was nicht sein kann. Man möchte an das Paradies glauben, läßt aber Fakten, selbst biblische, außen vor.

Nun weiter, wie in der Schreibabteilung gearbeitet wurde:

Zitat
Das Lehrkomitee, das viele Eingaben von der Dienst- und Schreibabteilung erhält, spielt eine wichtige Rolle bei Entscheidungen der Leitenden Körperschaft in Bezug darauf, aus welchen Themen Bücher, Broschüren und Kongressvorträge werden. Verschiedene Leute in diesen Abteilungen sind daran beteiligt, der Leitenden Körperschaft organisatorische Probleme u. a. mitzuteilen.
Einmal wurde der Gesellschaft von außerhalb des Bethels ein Manuskript über Jesu Leben gegeben. Mir wurde erzählt, dass daraus das Buch Jesu Leben und Wirken wurde. Soweit ich weiß, war der ursprüngliche Autor keiner der Gesalbten.
Die leitenden Autoren (von denen keiner behauptet, gesalbt zu sein) lasen jeden Morgen die wesentlichen Zeitungen von New York und machten ein Häkchen an Artikel, die aufbewahrt werden sollen. Barbara Adams und eine andere Frau schnitten die markierten Artikel aus, und sie wurden in einem großen Schrank aufbewahrt, der „Quellenkartei“ genannt wurde. Die Autoren achteten auf weltliche Themen, die mit den Tagen immer wichtiger wurden, und schließlich landete das Thema im Erwachet! – natürlich vom Standpunkt der Bibel aus betrachtet. Ich hörte Zeugen Jehovas, die ich durch die Schreibabteilung führte, oft sagen, dass die Artikel wirklich aktuell waren und dass Jehovas Heiliger Geist dafür verantwortlich wäre. Sie sagten: „Schon bevor ein Thema groß wird, wird die Angelegenheit in den Zeitschriften behandelt.“ Ich würde ihnen antworten, nein, informierte Wachtturmschreiber waren verantwortlichen.


Das Interview geht über 11 Seiten. Es ist interessant einen Einblick zu erhalten, zumal man merkt, dass sowohl die beiden Brüder aus der Schreibabteilung, als auch Ray Franz, keinerlei böse Absichten hatten, jedoch trotzdem unter die Räder der Organisation kamen.

Abschluss:
Jetzt mag jemand sagen, warum ich als ehemaliger Zeuge Jehovas so wehement dagegen vorgehe. Immerhin mache ich mir doch, im christlichen Sinne, der Abtrünnigkeit schuldig. Nun, ich denke es ist grundsätzlich egal, aus welcher Quelle die Informationen stammen. Es geht um die Wahrheit und um die Ehrlichkeit und das Selbstverständnis mit dem Zeugen Jehovas andere ihre Religion erklären. Wenn jedoch die eigene Geschichte verklärt, bzw. soweit geändert wir, dass kein Zeuge Jehovas wirklich weiß was damals passiert ist, dann gilt es diese Wahrheit auch jetzt noch zu veröffentlichen. Wahrheit bleibt Wahrheit! Ich möchte anderen helfen, nicht dieser Illusion zu verfallen, geschweige denn sein Leben für diese Organisation zu opfern, denn das einzige was wir wirklich haben ist unsere kurze Lebenszeit. Wie erschütternd muss es sein, wenn man erst im hohen Alter zu dieser Erkenntnis kommt und es dann womöglich zu spät ist.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

11.01.2010 11:50
#2 RE: Die Geschichte der Zeugen Jehovas - und weiteres Wissenswertes... Antworten

Mensch, MennoKlamotto, Tonnenposts sind hier verpönt.

Aber deiner hier ist so Klasse, den hab ich gleich mal verlinkt.

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

11.01.2010 11:57
#3 RE: Die Geschichte der Zeugen Jehovas - und weiteres Wissenswertes... Antworten

Zitat
Mensch, MennoKlamotto, Tonnenposts sind hier verpönt.


Ich geb mein Bestes, damit dieser Thread nicht auf der Müllhalde landet

Zitat
Aber deiner hier ist so Klasse, den hab ich gleich mal verlinkt.


Wo?

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

11.01.2010 16:04
#4 RE: Die Geschichte der Zeugen Jehovas - und weiteres Wissenswertes... Antworten

Im internen Forum der gbs. Ebenso deine Fragensammlung an Gläubige.

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

12.01.2010 10:06
#5 "Freiwillige" Spenden Antworten

Freiwillige Spenden:

Zeugen Jehovas sehen ihr Werk als von freiwilligen Spenden finanziert. Genau das wird auch jedem, der an der Türe fragt, gesagt. Nicht ohne stolz, denn immerhin werden Millionen Bücher, Zeitschriften und Traktate gedruckt und das alles auf Spendenbasis. Beeindruckend möchte man meinen. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an die Zeit, als die Literatur für einen geringen Preis an den "Mann" gebracht wurde. Ich habe diese Zeit selber nicht erlebt, aber ich habe darüber Gespräche während meiner aktiven Zeit geführt. Ein älterer Bruder, der diese Zeit miterlebte, meinte, dass dadurch die Wertschätzung für die Literatur höher geachtet wird, wenn man einen geringen Preis dafür verlangt. Nach dem Motto: Was nix kostet, ist auch nichts. Auch dieses Argument wurde den Brüdern in der Pionierdienstschule vermittelt, damit man nicht den Eindruck eines reisenden Verkäufers bekommt.

Das Selbstverständnis der Zeugen Jehovas stützt sich heute auf Matthäus 10:8 "Kostenfrei habt ihr empfangen, kostenfrei gebt".

Interessant ist nur, dass die Umstellung von Bezahl-Literatur hin zu kostenfreier Literatur nicht aus einem edlen Beweggrund heraus geschah - geschweige denn der oben zitierte Bibeltext dabei eine Rolle spielte - sondern der Staat dafür verantwortlich war.

Zitat
Innerhalb eines Monats nach Swaggarts Prozeßniederlage änderte die Gesellschaft ihre Vorgehensweise und gab die Literatur jetzt umsonst ab, was das Steuerproblem löste. Das ersparte der Gesellschaft eine Menge Geld. Es wäre nichts daran verkehrt gewesen, allein aus finanziellen Erwägungen solch eine Entscheidung zu treffen; warum also sagte man uns nicht den wahren Grund für diese Änderung? Warum machte man uns glauben, es geschähe aus anderen Gründen?


(Original Schreiben im Anhang)

Zitat
Man sagt uns, wir sollten den Leuten, bei denen wir vorsprechen, sagen, dies "weltweite Predigtwerk" werde vollständig von freiwilligen Spenden getragen. Warum sagt Ihr uns, wir sollten dies tun, wenn es nicht "weltweit" "einzig" auf diese Weise getragen wird? Warum weiß der Durchschnittszeuge nichts davon, daß es nur in den Ländern "von Spenden" getragen wird, wo "Beiträge" oder Verkäufe von gemeinnützigen Gesellschaften der Steuer unterliegen? Warum wird in den meisten Ländern, die keine solche Steuer erheben, wo die Menschen aber so arm sind, daß eine Bezahlung zu einer finanziellen Last für sie wird, von den Menschen ein Beitrag erhoben, wenn sie Literatur haben wollen? (Atlanta Journal, 3. März 1990)



Es wird also der Eindruck erweckt, das weltweite Werk würde auf Spendenbasis basieren. Fragt doch mal einen Zeugen Jehovas, ob er dies wüsste. Es mutet schon perfide an, dass dahinter viel mehr steuerliche Aspekte stehen und dem Glaubensbruder der Eindruck erweckt wird, dass dahinter eine liebevolle Vorkehrung steckt.

Zitat
- Anfang der 80er Jahre setzt der Bundesstaat Kalifornien die Jimmy Swaggart Ministries davon in Kenntnis, daß für seit 1974 verkaufte religiöse Bücher und Bänder Steuern zu zahlen sind. Swaggart zahlt schließlich US-$ 183.000,00, klagt aber auf Rückzahlung. Der Fall geht bis zum höchsten Bundesgericht, dem U.S. Supreme Court.
- Im Februar 1989 U.S. entscheidet der Supreme Court, es sei ungesetzlich, wenn in Texas (und 14 weiteren Bundesstaaten) religiöse Bücher von der Umsatzsteuer ausgenommen seien. Einige Staaten hatten diesen Verkauf schon immer besteuert.
- Im Sommer 1989 verbreitet die Wachtturm-Gesellschaft (im folgenden WTG genannt) auf US-Kongressen kostenlos" Bücher. Die Zeugen werden angewiesen, Spenden in entsprechende Kästen einzuwerfen, um so die Kosten zu decken.
- Am 22. Juni 1989 sendet die WTG im Fall Jimmy Swaggart einen amicus curiae-Schriftsatz (Stellungnahme Außenstehender nach angelsächsischem Recht) an den U.S. Supreme Court. Auch der Nationale Rat der Kirchen und die Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein reichen solche Schriftsätze ein.
- Am 17. Januar 1990 entscheidet der U.S. Supreme Court gegen die Jimmy Swaggart Ministries; die Umsatzsteuer ist zu zahlen.
- Am 9. Februar 1990 schickt die WTG einen Brief an die Versammlungen und kündigt an, die Literatur werde in den Königreichssälen nicht mehr verkauft und es werde bei der Abgabe von Haus zu Haus auch kein Preis mehr genannt.
- Am 25. Februar 1990 wird der Brief der WTG vom 9. Februar in den gesamten Vereinigten Staaten in den Sonntagszusammenkünften vorgelesen.
1. März 1990: Ab jetzt wird kein Preis mehr bei der Literaturabgabe genannt.
- Der Watchtower vom 15. März 1990 und Awake! vom 22. März - noch vorher gedruckt - nennen immer noch 25 cents (U.S.) pro Ausgabe" und $ 5,00 (U.S.) pro Jahr". Im Watchtower vom 1. April 1990 wird kein Preis mehr genannt.
11. März 1990. In den Königreichssälen in den gesamten USA wird angekündigt, daß die Verpflegung auf den Kongressen der ZJ kostenlos, auf Spendenbasis, ausgeteilt wird.



Die Abfolge zeigt somit eindeutig, dass nicht die Liebe zum Nächsten dafür verantwortlich ist - so wie es die meisten Zeugen Jehovas glauben - sondern es letztendlich um die Einsparung von Steuern ging.

1) Der letzte, fett makierte, Satz ist übrigens auch so eine Sache in der die Gesellschaft unehrlich war. Die Argumentation für die Abschaffung einer solchen Verpflegung war auch hier nicht ein edler, sondern das die Einnahmen versteuert werden müssen. Den Brüdern wurde gesagt, dass die freiwilligen Helfer in der Pause besser ihre Zeit zum verschnaufen nutzen sollen, anstatt für die Essensausgabe eingeteilt zu sein. Diese freiwilligen Helfer sollen mehr Anteil am Programm haben. So wurde, und wird es bis heute, als "Wahrheit" verkauft. So etwas nennt man Verdrehung der Tatsachen und das durch eine Organisation, die von sich behauptet Gottes Mitteilungskanal zu sein.

2) Interessant ist auch, dass jedes Jahr über 61 Millionen Dollar für reisende Aufseher und Sonderpioniere (also von der Gesellschaft bezahlte Pioniere) ausgegeben wird. (Quelle der jährlicher WT). Bei ca. 7 Millionen potentiellen Spendern eine enorme Summe. Aber auch hier ist die Gesellschaft, auf Nachfrage, bereit zuzugeben, wie die Kosten gedeckt werden. Bei einem Besuch des Deutschlandzweigs in Selters/Taunus fragte ich die Dame, die uns herumführte, ob denn auch mit dem Geld gearbeitet werden würde. Sie schaute mich zwar erstaunt an, gab dies aber zu. Versammlungen die auf ihrem Konto überschüssiges Geld haben, können dies jetzt "kostenlos" in Selters "parken". Die Zinsen und das was mit dem Geld erwirtschaftet wird, fließt der Gesellschaft zu. Auch das ist an sich nicht verwerflich, aber offen wird darüber auch nicht gesprochen, es bekommt eben schon einen faden Beigeschmack.

3) Das die Gesellschaft ihre Meinung zu bargeldlosem Spenden geändert hat, ist auch verwunderlich. Vor Jahren stand in der Literatur, dass die Kirchen in Ihren Banken Kartenterminals installiert haben und wie verwerflich das doch sei. Es folgte eine Hasstirade auf die geldgierigen Kirchen. 10 Jahre später erinnert man sich nicht mehr an diese Aussage und bietet bargeldlose Spenden, mittels EC- und Kreditkarte, landesweit bei jeder größeren Veranstaltung an. Ob dies an der Finanzkrise der letzten Jahre lag und die Gesellschaft zu hohe Verluste an den Börsen zu verkraften hatte sei dahingestellt. Dies entzieht sich meiner Kenntnis, aber es gibt Belege für die wirtschaftlichen Tätigkeiten der Gesellschaft an den amerikanischen Börsen.

4) Interessant ist auch, dass Brüder in ärmeren Ländern Afrikas für den Bau einer Anbetungsstätte einen Kredit aufnehmen müssen. Man könnte doch meinen, dass solchen Brüdern die Anbetungsstätten durch Spenden aus wohlhabenden Ländern finanziert werden - jedoch weit gefehlt. Jetzt fragt bitte nicht, wer später Eigentümer des jeweiligen Gebäudes ist, was die Brüder durch eigene Mittel finanzieren....

5) Ein weiterer "Meilenstein" wo die Liebe der Brüder keine Grenzen kannte, war das Oderhochwasser vor einigen Jahren im Osten Deutschlands. Einige Tage später erhielt jede Versammlung einen Spendenaufruf für diese Brüder die ihr Haus und Hof verloren haben und die Säle die durch das Hochwaser zerstört worden waren. Eine Woche später wurde darum gebeten nicht weiter zu spenden, weil genug Geld eingegangen wäre. Beeindruckt möchte man meinen, dass innerhalb einer Woche so viel Geld zusammenkam. Interessant dagegen, dass ein örtliches Finanzamt prüfen wollte, ob diese Spenden wirklich zweckgebunden waren und die Gesellschaft sich somit recht schnell entschied, nicht weiter nach Spenden zu fragen. So erhielt auch der zweite Brief den Hinweis, dass überschüssige Spenden dem weltweiten Werk zugeführt werden. Mal davon abgesehen, das in Deutschland doch jeder Königreichssaal über eine Gebäudeversichung verfügt und die allermeisten Wohneigentümer ebenfalls über eine entsprechende Versicherung verfügen mutet es selbstsam an, diese Katastrophe zum Spendensammeln zu nutzen.

6) Ein weiteres Beispiel für die unredlichkeit der Gesellschaft findet sich in den Vorgehen in Frankreich. Dort wird seit einigen Jahren der Eindruck erweckt, Zeugen Jehovas würden dort diskrimiert bzw. benachteiligt. Inzwischen ist sogar die Europäische Komission für Menschenrechte eingeschaltet worden. Man könnte meinen "Hola, was passiert denn da?" Nun genau genommen geht es auch hier letztendlich um den steuerlichen Aspekt. Der Staat verweigert den Zeugen Jehovas die Steuerfreiheit für ihre Literatur.
Stellungnahme der Gesellschaft: http://www.jw-media.org/fra/20041004rpt.htm

Zitat
Vermutlich liegen die Hintergründe für den Erwachet-Artikel in den rechtlichen Schwierigkeiten, welche die WTG gegenwärtig in einigen Ländern Europas hat. Frankreich wird ausdrücklich genannt. Doch scheinen Objektivität und Ehrlichkeit auch nicht die Stärke der WTG zu sein. In einem kleinen Kasten auf S.13 von Erwachet wird gesagt: ‘Religion bedroht’.
Dann wird von Unterdrückung gesprochen und von ungerechter Steuerlast sowie von der Absicht, die Tätigkeit von JZ in Frankreich zu lähmen.

Dem unbefangenen Leser wird ein erschreckendes Bild vermittelt; dabei geht es in Wirklichkeit nur um das Zahlen von Steuern nach einem auf rechtlichem Wege erlassenen Gesetz. Ist ein Bürger schon bedroht, weil er Steuern zahlen muss? Ist deshalb schon seine Freiheit in Gefahr? Man mag über die Höhe von Steuern verschiedener Meinung sein; dem Zahlungspflichtigen sind Steuern schon immer zu hoch gewesen - aber wo wäre hier die Freiheit der Meinungsäußerung und der Anbetung von JZ bedroht, wo würden sie gleichsam aus der Sozialgesellschaft ausgeschlossen, wie es innerhalb der Organisation von JZ auf Anordnung der WTG geschieht? Alle Zeugen wurden von ihrer Organisation stets gerühmt, treue Staatsbürger zu sein, weil sie pünktlich ihre Steuern zahlten; wie steht es aber mit der WTG? Dabei bleibt es ihr ja unbenommen, mögliche rechtliche Schritte zu unternehmen. Den Staat jedoch der Unterdrückung oder Bedrohung der Religion anzuklagen, scheint mir mit christlicher Ehrlichkeit nichts mehr zu tun zu haben.



Ein sehr wichtiges Zitat an dieser Stelle:

Zitat
Die WTG fordert für sich - mit dem Ziel der Gleichbehandlung (was die Steuern anbelangt) mit den großen Kirchen, ohne jedoch vermutlich zu beabsichtigen, auch deren Pflichten zu übernehmen -, Freiheit und Toleranz; sie ist aber nicht bereit, ihren eigenen Gläubigen in ihren eigenen Reihen diese zu gewähren



Fazit:
Als Zeuge Jehovas weiß man soetwas nicht. Und selbst wenn man sowas erfährt, und mit anderen Glaubensbrüdern darüber spricht, hätte auch hier eine Zurechtweisung im Raum gestanden. Solche Informationen lassen nämlich Zweifel am "Treuen Sklaven" aufkommen, daher werden solche Informationen auch garnicht verbreitet. Wer soetwas also weiß, dem kann man ohne Umschweife nachweisen, dass er sich mit "Abtrünnigen"-Literatur beschäftigt hat. In der eigenen Literatur findet man solche Informationen nämlich nicht. Es wird interessant sein zu erfahren, in welchen Ländern heute noch Literatur verkauft wird.
Die Gesellschaft streut also eindeutig Sand in die Augen der eigenen Mitglieder und hält Sie uninformiert, denn mehr Offenheit würde auch zu mehr - vielleicht sogar zu kritischen - Fragen führen, die die Gesellschaft nicht beantworten kann bzw. will.

Ich stelle mir die Frage, warum jemand, der solche Kenntnisse hat, weiterhin Zeuge Jehovas bleiben kann. Ich denke das liegt daran, dass der gerne zitierte Satz aus Johannes 6:67 einen in den Sinn kommt:
Daher sagte Jesus zu den Zwölfen: „Ihr wollt doch nicht etwa auch weggehen?“ 68 Simon Petrus antwortete ihm: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens
Er sprach hier nicht von einer Organisation, sondern die Zwölfe meinten IHN, also Jesus. Zeugen Jehovas adaptieren diesen Text auf den treuen Sklaven und die Organisation, wohlwissend, dass der Sinn ursprünglich ein ganz anderer war. So wird jedenfalls die Angst geschürt, das man keinerlei Alternative hat, selbst wenn man Fehler und Lügen der Gesellschaft aufarbeitet. Man glaubt, dass es keine Alternative zu dieser Organisation gibt. Diese Angst rührt einfach daher, dass man keine andere Religionsgemeinschaft so gut kennt, wie die eigene. Außerdem hat man u.U. Jahrzehntelang die Vorzüge der eigenen Religion gehört und ist garnicht mehr empfänglich für andere "Strömungen" und Religionen. Diese entstammen ja dem Teufel... und so weiter und so fort. Man muss erstmal den Teufelskreis aus Angst und Verlust der Gemeinschaft durchbrechen, bevor man bereit ist wirklich klar zu denken. Wie lautet die Signatur eines Users? "Die Realität ist nichts für Weicheier" und mit diesem Satz möchte ich die Abhandlung abschließen.

Quelle:










---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

12.01.2010 14:31
#6 Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas Antworten

Thema: Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas

Als ich das erste Mal davon las, konnte ich es garnicht glauben. Als aktiver Zeuge Jehovas hörte man ab und an von solchen Dingen, aber man hielt es für Geschwätz und bösen Unterstellungen seitens der Kirchen, die ja selbst in ihren Reihen mit Kindesmissbrauch zu kämpfen haben.

Wie sehen die Fakten aus?

Theokratische Vorgehensweise
Das Rechtskomitee besteht in der Regel aus 2 oder 3 Ältesten. Seite 108 sagt:

Zitat
Das Rechtskomitee
Anderen schweren Missetaten müssen die Ältesten ihre
besondere Aufmerksamkeit schenken; sie müssen feststellen,
was zu tun ist, um einem reuevollen Missetäter zu
helfen und die geistige Gesundheit aller in der Versammlung
zu schützen...
Für die Missetat muß es entweder zwei Zeugen geben,
oder es muß ein Geständnis vorliegen.



Seite 94:

Zitat
Opfer sexuellen Mißbrauchs müssen außerordentlich
rücksichtsvoll und gütig behandelt werden. Älteste sollten
stets alles tun, was vernünftigerweise möglich ist,
um Kinder vor weiterem Mißbrauch zu schützen; folgt
den diesbezüglichen Anweisungen der Gesellschaft


Seite 118:

Zitat
Dem Beschuldigten den Zeugen allein gegenübertreten zu
lassen, mag allerdings nicht in jedem Fall ratsam sein.
Zum Beispiel:
Wenn der Zeuge selbst an der Missetat beteiligt ist, etwa
bei Fällen von Hurerei oder Ehebruch.
Wenn der Zeuge das Opfer des Missetäters ist, etwa bei
Fällen von Inzest oder Vergewaltigung.


Auszug aus dem Buch "Gebt acht auf die ganze Herde" - Ratgeber/Anleitungen für Älteste

Die Anweisungen sind also klar. Die Ältesten sollen also einfühlsam mit dem Opfer umgehen. Das Problem liegt jedoch an der Regelung, die ich fett makiert habe. Bei einer Vergewaltigung steht Aussage gegen Aussage. D.h. das Opfer kann auf "normalem" Weg nicht beweisen, vergewaltigt worden zu sein. Jetzt tritt ein zweites Problem zutage. Ein Bruder soll nicht gegen einen Bruder vor Gericht ziehen.

Weitere Zitate aus dem Buch "Gebt acht auf die ganze Herde":

Zitat
Wenn der Betreffende sich dennoch als Zeuge Jehovas
ausgibt und bereit ist, mit dem Rechtskomitee zusammenzukommen,
sollte auf die übliche Weise verfahren werden.
Muß jedoch mit einem Gerichtsverfahren oder etwas
dergleichen gerechnet werden, dann ist es am besten, zuerst
den Rat der Gesellschaft einzuholen
(w87 1.9. S.14).


Der Wachtturm, der als Quelle zitiert wird, ist übrigens auch ganz interessant. Dort geht es darum, dass wenn ZJ als Arzt, Wirtschatsprüfer und Anwalt arbeiten sich genau überlegen müssen ob sie ihre Schweigepflicht einhalten, weil ja Gottes Gesetz höher ist als das der Menschen. Beispielsweise wenn man durch seine Tätigkeit von einer "Mißetat" wie einer Abtreibung erfährt.

Zitat
Manchmal wird ein treuer Diener Gottes aus Überzeugung, gestützt auf seine Kenntnisse des Wortes Gottes, die Schweigepflicht wegen der höherrangigen Forderungen des göttlichen Gesetzes teilweise oder ganz brechen. Das erfordert Mut und Urteilskraft. Das Ziel würde nicht darin bestehen, die Privatsphäre eines anderen auszuspionieren, sondern dem Irrenden zu helfen und die Christenversammlung rein zu erhalten. Über geringe Verfehlungen, die eine Folge der Sündhaftigkeit sind, sollte man hinwegsehen.

Zitat Ende

Zurück zum Thema.
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,198436,00.html

Zitat
Im Jahr 2000 war Bowen zugetragen worden, einer seiner Mit-Ältesten in der Gemeinde habe ein Kind mehrfach sexuell missbraucht. Der Vorsitzende des zuständigen Komitees innerhalb der örtlichen Zeugengemeinschaft habe beschlossen, den Fall unter Verschluss zu halten. Bowen wandte sich an einen übergeordneten Aufseher, der laut Bowen ebenso den Mantel des Schweigens über den Fall breiten wollte.

Als der Mann aus Kentucky schließlich die Zentrale der "Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft" im New Yorker Stadtteil Brooklyn informierte, sei der beschuldigte Älteste zwar stillschweigend seines Amts enthoben worden, Bowen allerdings wurde angewiesen, "es in Gottes Hand zu lassen" und den Fall nicht bei der Polizei anzuzeigen.
Um den Druck auf die Wachtturm-Verantwortlichen "im Interesse der Herde" zu erhöhen, hat Bowen eine Homepage http://www.silentlambs.org gegründet, auf der bisher mehr als tausend Zeugen Jehovas von sexuellen Übergriffen berichten. "Die Lämmer waren zu lange ruhig", sagt Bowen. Nun haben sie einen Ort, wo sexuell Missbrauchte ihren Fall schildern und sich an Anwälte wenden können.
...
So müssten die Geschändeten unter entwürdigenden Umständen im Beisein des Beschuldigten, der Eltern und von drei Ältesten detailliert schildern, wie sie vergewaltigt wurden. Der Fall werde - anstatt es polizeilichen Untersuchungen zu überlassen - ad acta gelegt, sobald der Beschuldigte die Tat leugne und es dem Opfer nicht gelinge, mindestens einen Zeugen zu benennen - was im Falle eines sexuellen Vergehens oft nicht möglich sei


Und genau da liegt erneut das Problem. Die theokratischen, göttlichen Anweisungen werden höher erachtet als das Recht auf eine faire Verhandlung.

Exemplarisch für viele Fälle habe ich mal einen ausgesucht, der von silentlabs.org stammt und ins Deutsche übersetzt wurde:

Zitat
http://www.sektenausstieg.net/sekten/silentlambs/1470.html



Die Gesellschaft kann in den USA dem Thema nicht weiter tatenlos zusehen, so dass sie sich selbst dazu äußerte:
http://www.jw-media.org/aboutjw/article23.htm

Zitat
If during that meeting the accused still denies the charges and there are no others who can substantiate them, the elders cannot take action within the congregation at that time. Why not? As a Bible-based organization, we must adhere to what the Scriptures say, namely, “No single witness should rise up against a man respecting any error or any sin . . . At the mouth of two witnesses or at the mouth of three witnesses the matter should stand good.” (Deuteronomy 19:15) Jesus reaffirmed this principle as recorded at Matthew 18:15-17. However, if two persons are witnesses to separate incidents of the same kind of wrongdoing, their testimony may be deemed sufficient to take action.


Es kommt noch besser....

Zitat
We do not believe that our system is perfect. No human organization is perfect. But we do believe that we have a strong, Bible-based policy on child abuse. Anyone in a responsible position who is guilty of child abuse would be removed from his responsibilities without hesitation.


Unverständlich, warum die Organisation nicht bereit ist ihre Richtlinien dahingehend abzuändern. Immerhin ist Sie eine von Gott geleitete Organisation, zwar menschlich - das ist richtig - aber nicht göttlich! Sie war doch sonst so schnell bereit andere Dinge über Bord zu werfen oder Texte weniger Gewicht zu verleihen, wenn es der eigenen Idee gefiel. Gerade bei so schwerwiegenden Problemen wie Kindesmissbrauch gehört eine null Toleranz Richtlinie angewandt. Das bedeutet nicht, dass solche Täter zwangsweise Ausgeschlossen werden, sondern, dass Sie für Ihre Handlung bestraft werden. Das würde wirkliche Reue zeigen.

Das die Gesellschaft in diesem Zuge sogar soweit Geld Schweigegeld zu zahlen, damit es nicht zu einer Verhandlung kommt ist da nur die Spitze des Eisberges:

Zitat
http://www.sektenausstieg.net/index.php?view=article&catid=107%3Aprozesse&id=1700&option=com_content&Itemid=81



Auch wenn man den Hintergrund berücksichtigt, das in den USA ein anderes Rechtssystem besteht und bei Strafzahlungen zig Millionen anfallen mutet es doch seltsam an, dass offiziell nie darüber gesprochen wurde. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Ältesten im letzten Jahr. Während einer Zusammenkunft meldete er sich und gab zu einem Thema (warum die Kirchen alle böse sind [sinngemäß]) einen Kommentar, in dem er verlautbaren ließ, dass es bei Zeugen Jehovas solche Fälle ja garnicht gebe, in denen Kindesmissbrauch vertuscht wird. Das mag für die Ortsversammlung sicher gelten, soweit ich darüber in Kenntnis war. Interessant war das am schwarzen Brett im Vorraum ein Brief der Gesellschaft hing, der darauf hinwies, dass bei solchen Fällen von sexuellen Missbrauch die Gesellschaft zu informieren sei. Ich zeigte ihm das und meinte daraufhin, dass die Gesellschaft das bestimmt nicht ohne Grund schreiben würde. Er meinte daraufhin nur, dass es sich wohl um eine Vorsichtsmaßnahme handeln kann. Wenn man wirklich glaubt, dass es in der eigenen Religion solche Fälle nicht gibt, dann ist das an Verblendung nicht zu überbieten. Es geht mir nicht darum alle ZJ an den Pranger zu stellen.

Nicht jeder ZJ ist ein Kinderschänder das möchte ich auf jeden Fall vestanden wissen. Aber die Gefahr, dass in solchen Fällen - wenn das eigene Kind betroffen ist - eine Ältestenschaft mit Konsequenzen droht, wenn Eltern rechtliche Schritte gegen den Täter einleiten, ist jedenfalls denkbar und nicht von der Hand zu weisen. Ich erinnere mich noch an eine Situation, da verlangten die Ältesten ein unterschriebens Stück Papier, in der man zugab, das man Ehebruch begangen hat. Es wörtlich zu sagen, genügte nicht. Nein, man musste es auf einem Stück Papier schreiben und persönlich unterschreiben. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die Organisation nach innen abgeschottet ist und wie das eigene Recht vor dem "weltlichen" Recht gesehen wird, wie aus dem verlinkten Dokument der Presseabteilung der Zeugen Jehovas selbst hervorgeht.

Ein abschließnder Link soll nochmal einige Fakten zusammenfassen:
http://www.silentlambs.org/answers_de/index_de.htm

Fazit:
Die Gesellschaft ist nicht besser als jede andere Kirche dieser Welt. Sie ist genauso bemüht ihre Regeln als Maßstab anzulegen, auch wenn das bedeutet das Täter Straffrei bleiben. Es ist und bleibt ein Unding, dass ein Vergewaltigungsopfer mehrere Zeugen benötigt, damit ein Täter nach ZJ-Richtlinie bestraft, also ausgeschlossen wird.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

Stan ( gelöscht )
Beiträge:

12.01.2010 15:14
#7 RE: "Freiwillige" Spenden Antworten

Ich habe das Gefühl du willst dir ein mögliches Comeback bei den Vollverstrahlten selbst verbauen,Menno?!

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

12.01.2010 15:21
#8 RE: "Freiwillige" Spenden Antworten

Mit so einer Erkenntnis kann man doch nicht mehr allen ernstes von einer "freien" Entscheidung sprechen. Solch ein Wissen vorzuenthalten ist nicht entschuldbar. Mit dem Wissen möchte ich wirklich nie wieder zu den Zeugen Jehovas zurückgehen, auch wenn ich einige Menschen doch sehr stark vermisse. Für mich ist es kein Problem zwischen Glauben und dem Menschen zu unterscheiden!

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

20.01.2010 20:09
#9 RE: "Freiwillige" Spenden Antworten

Zweierlei Maß:

Mit zweierlei Maß zu messen ist eine Sache die bei Zeugen Jehovas sehr ausgeprägt ist. Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen.
Person A: Hat 5 Jahre die Bibel studiert, kennt alle Lehren, ging predigen, war nach außen hin als ZJ erkennbar, hat sich noch NICHT taufen lassen - handelt gegen die Lehre.
Person B: Hat 5 Jahre die Bibel studiert, kennt alle Lehren, ging predigen, war nach außen hin als ZJ erkennbar, hat sich taufen lassen - handelt gegen die Lehre und wird ausgeschlossen.

Person A wird gegrüßt, wird angerufen, wird nett gefragt ob sie nicht auf einen Kaffee vorbeikommen will, Freunde wollen weiter Kontakt.
Person B wird nicht gegrüßt, ignoriert und keine Sau interessiert sich für einen, nichtmal die Freunde die persönlich angemailt wurden.

Person A und B handeln exakt gegen die Lehre der ZJ und das absolut offensichtlich!

Ist das normal?

Ich vermute, dass in den Köpfen der ZJ Person A immer noch ein potentieller Christ werden könnte. Aber verurteilt einen die Bibel nicht dann schon, wenn man etwas weiß und es doch nicht tut? Das ist echt eine Heuchelei die mich rasend macht.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

21.01.2010 15:19
#10 RE: "Freiwillige" Spenden Antworten

Bei meiner Recherche bin ich auf einen Artikel gestoßen (Quelle: http://www.sektenausstieg.net/sekten/leb...n-sprechen.html ) den ich für sehr lesenswert halte, denn er zeigt einerseits die Vorteile dieser Organisation anzugehören und andererseits die Punkte, die ihn letztendlich dazu führten, der Organisation der ZJ den Rücken zu kehren. Viele Pro´s spiegeln auch meine Erfahrung wieder, gerade der Versuch als liberaler Christ innerhalb der Organisation zu existieren...

Here we go..

Zu Beginn die Punkte, die mich veranlaßten, trotz so mancher Kritikpunkte bei der Organisation zu bleiben und dort meinen Teil zu tun:


• Vertrautheit mit der Organisation der Zeugen Jehovas von Kindheit an sowie Idealismus
(Durch den aktiven Glauben, deutlich gemacht durch das ehrenamtliche Predigtwerk, hatte ich die Gelegenheit, Menschen zu helfen, wieder über Gott, die Zukunft, den Sinn des Lebens und über die persönliche Lebensqualität nachzudenken und Änderungen vorzunehmen. Die Feststellung, daß das Predigtwerk die Lebensqualität vieler verbessert hat, wirkte anspornend, mein Hauptaugenmerk weiterhin darauf zu richten. Weiterhin bestand die für mich horizonterweiternde Möglichkeit, tatsächlich die verschiedensten Menschen und deren Ansichten kennenzulernen.)

• Vorhandensein eines lokalen Gemeinschaftsgefühls in Verbindung mit weltweiter Verbundenheit (nationale und internationale Kontakte unter anderem durch Kongresse) sowie die Möglichkeit, innerhalb einer familiären Gemeinschaft Liebe und Wärme zu geben und auch zu empfangen.

• Befriedigung des Bedürfnisses nach Religiosität beziehungsweise Spiritualität auf der biblischen Grundlage einer vorstellbaren Zukunftshoffnung und einer Sinnfindung in der Gegenwart

• Nüchternheit, Disziplin und Ordnung im Ablauf der Zusammenkünfte und auf Kongressen (keine Verehrung von Bildern oder anderer heiliger Gegenstände, außer dem Mustergebet keine formalen Gebete, keine besonderen Kleidungsstücke oder Plätze für Personen in verantwortlichen Stellungen), Freiwilligkeit und Anonymität der Spenden, biblische Belegbarkeit der Lehren der Zeugen Jehovas und keine Überbewertung sozialer Schichten, der Nationalität, Rassenzugehörigkeit, akademischer Grade oder einer Karrierelaufbahn

• Trotz so mancher Kritikpunkte gab es meiner Meinung nach vergleichsweise tatsächlich "Schlimmeres" als die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und die negativen Erfahrungen sowie Gegenargumente von Ex-Zeugen betrachtete ich allesamt als Einzelfälle. Kritik aus der "Welt" bewertete ich mit großer Distanz, da diese Personen von ganz anderen Prämissen ausgingen und damit keine entsprechend fundierten Aussagen machen konnten. Was hatte beispielsweise weltliche Demokratie denn schon mit Theokratie zu tun?!

• Weiterhin hatte ich, wie viele andere kritischere Zeugen auch, die Hoffnung und das Gottvertrauen, daß dringend notwendige Änderungen schon zur rechten Zeit eingeleitet werden würden und zwar nicht von außen, sondern von innen.

• Meine persönliche Aufgabe sah ich darin, eine liberalere Einstellung geltend zu machen, der hierarchischen Struktur sowie den starken fundamentalistischen Tendenzen innerhalb der Organisation mildernd entgegen zu treten, ohne dabei andere "zum Straucheln" zu bringen und an Ort und Stelle denjenigen zu helfen, die unter dem rigiden System litten. Eine große Stütze war mir dabei nach meiner Heirat mein Mann, welcher sein Amt als Ältester entsprechend zu nutzen wußte. Gemeinsam zogen wir in ein "Hilfe-Not-Gebiet" und zusammen mit anderen liberal eingestellten Zeugen war es unser Ziel, die Organisation gemäß unseren Möglichkeiten zu reformieren.

• Letztendlich gilt es auch, die begründete Angst vor der starken Belastung zu erwähnen, die bei einer Distanzierung von der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas unweigerlich auf den einzelnen zukommt. In diesem Falle gilt es, mit dem Verlust fertig werden, alles, auch das Vertraute und Geliebte, für immer verloren zu haben und gleichzeitig ein komplett neues Leben aufbauen zu müssen.In dem Glauben der Zeugen Jehovas aufgewachsen, war für mich ein annähernd adäquates "Leben in der Welt" einfach nicht vorstellbar. So tief war ich darin verwurzelt.

Hier die Punkte, die dazu führten, daß ich mich nach 27-jähriger Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas schließlich endgültig von dieser
Organisation distanzierte:


• Anspruch der Zeugen Jehovas, auf Erden die einzig "wahre Religion" zu sein, welche trotz Unvollkommenheit allein des Segens Gottes und seiner Leitung sicher sein kann. Außerhalb dieser Gemeinschaft sei der Mensch ohne Gottes Schutz der Willkür Satans ausgeliefert und "auf dem breiten Weg in die Vernichtung durch Gott".

• Behauptung der Zeugen Jehovas, daß Gebet und Meditation unbedingt mit der "einzig wahren" Religionsgemeinschaft verbunden sein müßte, um überhaupt von Gott wahrgenommen zu werden. Auch spirituelles und persönliches Wachstum soll einzig und allein von der Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas abhängen. Die leitende Körperschaft bezeichnet sich ungerechtfertigterweise als "Kanal Gottes" und mißbraucht ihre Macht, indem sie entsprechenden Gehorsam fordert, wodurch der Naivität bei Gläubigen Vorschub geleistet wird.

• Beim (geänderten) Taufgelübde gibt sich der Täufling nicht allein Gott hin, sondern muß auch die Organisation der Zeugen Jehovas als einzig wahren Kanal Gottes anerkennen und diesem Gehorsam geloben.

• Zwang zur Freiwilligkeit
(Es wird jedem Zeugen Jehovas unmißverständlich klar gemacht, was von ihm erwartet wird und welche Konsequenzen Zuwiderhandlungen genau haben. Fast parallel dazu erfährt dieser aber, daß er diese oder jene Entscheidung bitte schön "freiwillig" und gemäß "seinem Gewissen" zu entscheiden hat. Das ist reiner Hohn!)

• Zweierlei Maß in bezug auf politische Neutralität

• Pharisäertum (siehe Jesu Worte in Matthäus 23... Besser kann man es nicht ausdrücken!)

• Unterminierung der Rolle Jesu Christi und damit auch seiner Lehre von Barmherzigkeit, Güte, Liebe und Toleranz

• Auf Dauer zu begrenztes und einseitiges Angebot an "geistiger Nahrung"
(Einem Neuling mag das Glaubensmodell der Zeugen Jehovas zu Beginn sehr umfassend erscheinen. Für jemanden wie mich, die in diesem Glauben aufgewachsen ist, ist alles irgendwann nur noch Wiederholung. Da es getauften Zeugen offiziell untersagt ist, glaubensmäßig "vorauszueilen", sind die vielen Zusammenkünfte dann nicht mehr sehr gewinnbringend. Selbst beim sogenannten persönlichen Studium sind die Grenzen des "Forschens in den Schriften" eng gesteckt. Dieses Studium soll dazu dienen, die Bibelinterpretationen der WTG zu vertiefen. Eigens zu diesem Zweck wurden von der Organisation der Zeugen Jehovas Nachschlagewerke gefertigt, die ihre Sicht der Dinge selbst bei so einem "tiefen Studium der Bibel" bestätigen. Auf keinen Fall soll das persönliche Studium oder gar hinzugezogene "weltliche" Literatur dazu dienen, die Bibel anders zu interpretieren, konträre Schlüsse zu ziehen oder die Organisation der WTG zu kritisieren. Das wäre "gefährliches unabhängiges Denken".)

• Extremes Endzeitdenken
(Dieses Endzeitdenken bewirkt, daß Menschen alles daran setzen, die verbleibende "Zeit des Endes" in der Weise zu nutzen, um schließlich von Gott gerettet zu werden und sich mit ständiger Wachsamkeit bemühen, "das Ziel" im Auge zu behalten. Nicht wenige leiden unter typischen Managerkrankheiten. Manchmal kamen mir diese Menschen wie Lasttiere vor, denen, um sie in Bewegung zu halten, ständig eine verlockende Möhre vor die Nase gehalten wird, aber ohne sie jemals zu bekommen. Für Ruhe, Geduld, Gelassenheit, Hobbys, Ausgelassenheit, höhere Bildung, Selbstfindung und ähnliches bleibt da wenig bis keine Zeit. Nur Zeugen Jehovas, die eindeutig ernsthaft erkrankt sind oder eben ein hohes Alter haben, werden weniger unter Druck gesetzt. Aber diese sind in der Regel nicht mehr in der Lage, sich außer um ihre Krankheit um die schönen Dinge des Lebens zu kümmern.)

• Überbetonte Darstellung eines strafenden Gottes

• Überbewertung des Predigdienstes
(Alternative, gleichwertige christliche Tätigkeiten {zum Beispiel im sozialen Bereich} werden nicht angeboten beziehungsweise nicht als gleichwertig anerkannt. Personen, die, aus welchen Gründen auch immer, zu wenig in den Predigdienst gehen, wird deutlich gesagt, daß sie auf diese Weise im biblischen Sinne "Blutschuld" auf sich laden und so wird entsprechender Druck auf das bei aktiven Zeugen sowieso schon recht empfindliche Gewissen ausgeübt. Das Ergebnis ist mangelhafte bis ungenügende "Bestandspflege" innerhalb der Versammlungen.)

• Fleiß- und Glaubenskontrolle durch den persönlichen und nicht anonymen monatlichen Predigdienstberichtzettel

• Zweiklassengesellschaft
(einmal bestehend aus einer kleinen, zahlenmäßig kontrollierten Minderheit, die sich von Gott direkt berufen fühlt, nach dem Tode eine königliche Regentschaft im Himmel {als "Braut Christi"} zu übernehmen und der Mehrheit, die hofft, in baldiger Zukunft unter paradiesischen Verhältnissen unter dieser Regierung ewig auf der Erde leben zu dürfen. In der Gegenwart fühlt sich diese Minderheit als "leitende Körperschaft" und "treuer verständiger Sklave Gottes" für den Glauben der Mehrheit der Zeugen Jehovas sowie für die Bekehrung der Ungläubigen verantwortlich und von Gott persönlich dazu angeleitet. Wobei die "leitende Körperschaft" dabei den eigentlichen Machtfaktor darstellt.)

• Ausschluß (Gemeinschaftsentzug) von ungetauften Verkündigern

• Veränderung historischer Daten, um eigene Endzeitrechnungen zu belegen (z.B. das Jahr 607 v.Chr., um das Jahr 1914 n.Chr. belegen zu können)

• Fundamentalistische Interpretation der Bibel. Die symbolische und buchstäbliche Deutung biblischer Aussagen ist logisch oft nicht nachvollziehbar (z.B. die buchstäbliche Interpretation der in der Offenbarung erwähnten 144.000)

• Mißbrauch oder Überbetonung biblischer Aussagen, um die eigene Lehre zu untermauern (z.B. Gehorsam und eine demütige Haltung gegenüber einer angeblich 'einzig wahren' Organisation)

• Ausschluß für Handlungen, die einer deutlichen biblischen Belegbarkeit entbehren

• Engstirnige und wechselhafte Interpretation von biblischen Prophezeiungen und anderen Aussagen, die den Gläubigen als anzunehmendes "neues Licht" verkauft werden (temporärer Dogmatismus)

• Überzogene Einstellung zur Aufnahme von Blut in Verbindung mit der durchorganisierten Kontrolle der Gläubigen, ob diese dem Verbot, Blut in sich aufzunehmen, auch Folge leisten

• Aalglatte Argumentationsweisen
(Es ist schwer, gegenüber einem rhetorisch geschulten Zeugen Jehovas Gegenargumente plausibel zu machen. Biblische Aussagen und Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen oder in einem gar nicht vorhandenen Zusammenhang zitiert, um die Richtigkeit der Aussagen der Zeugen Jehovas zu belegen. Kritikwürdige Situationen in der Welt und bei anderen religiösen Gemeinschaften werden in übertriebener Weise herausgestellt, um die so viel besseren Verhältnisse in der kleinen Gruppe der Zeugen Jehovas anzupreisen. Kritikwürdige Verhältnisse bei den Zeugen Jehovas dagegen werden als ganz natürliche menschliche Schwäche oder Ausnahme interpretiert. Systematisch werden Menschen auf ihre innersten Unsicherheiten gestoßen, um ihnen dann die Sicherheit der allein wahren Religion der Zeugen Jehovas anzubieten.)

• Extreme Konformitätszwänge und moralische Erpressung bis hin zu Drohungen, damit der geforderten Norm entsprochen wird sowie Unbarmherzigkeit und Härte sobald innerhalb der Versammlung kritische Fragen anklingen
(Strafmaßnahmen: Ausschluß, öffentliche Zurechtweisung, Gekennzeichnetsein, Gottes Schutz- und Segensentzug oder eine Vernichtung durch ihn etc.)

• Bedingungsliebe
(Die Liebe Jehovas zum Menschen ist davon abhängig, ob sich der einzelne auch genügend für die Organisation der WTG einsetzt und deren wechselhafte Bibelinterpretationen entsprechend loyal vertritt. Für Zuwendung wird der hohe Preis der eigenen Freiheit gefordert. Liebe wird pervertiert, indem sie zugeteilt oder verweigert wird, um zu kontrollieren und Macht auszuüben.)

• Pauschale Leistungszwänge
(Unter der Prämisse, daß der Mensch im Grunde sehr faul und träge sei, wird angenommen, daß dieser ständig Ermahnungen, Ansporn, Kontrolle und 'Ermunterung' benötige, um sich für das "ewige Leben" zu qualifizieren. Religion sollte meiner Meinung nach aber gerade ein Ort der Annahme, des Friedens und der Ruhe sein und keine Art von Hochleistungssport. Das Leben birgt doch so schon Probleme genug.)

• Insgesamt zu negative Grundeinstellung zum Menschen als sündigem Geschöpf, das die Anerkennung Gottes weder geschenkt bekommt, noch diese trotz äußerster Anstrengungen letztendlich wirklich verdienen kann

• Zwang zum Glücklichsein, Hang zum Perfektionismus und ein sektiererisches Verständnis von Loyalität, um den Namen Jehovas nicht zu beschmutzen, Satan Lügen zu strafen und vor der "Welt" durch christliches Verhalten ein gutes Zeugnis für den "einzig wahren Glauben" abzulegen
(Der ständige Konflikt zwischen den überhöhten Anforderungen bei den Zeugen und der persönlichen Realisierbarkeit läßt nicht wenige Zeugen Jehovas eine Art von Doppelleben führen. Andere, und das sind gemäß meiner Erfahrung nicht wenige, ertragen die ständige Überforderung nicht mehr, so daß sie heimlich zu dem Allround-Tröster Alkohol greifen und/oder unter schweren Depressionen leiden).

• Ungenügende Entfaltungsmöglichkeiten innerhalb und erst recht außerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas

• Neigung, "Satan und seine Dämonen" für Mißstände verantwortlich zu machen, die definitiv in der Verantwortlichkeit des einzelnen liegen

• Unwürdige bis menschenverachtende Behandlung von Ausgeschlossenen, die einer entsprechenden biblischen Grundlage entbehrt

• Ungenügender Handlungsspielraum für Personen in verantwortungsvollen Positionen (viele Pflichten aber kaum Rechte), geschweige denn für "normale Verkündiger"

• Isolierung vom normalen weltlichen Geschehen
(Engere Kontakte außerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas sind unerwünscht und in Schule und Beruf, sind sie auf ein Mindestmaß zu beschränken. Der Kontakt zu Andersdenkenden im Predigdienst erfolgt offiziell nur zum Zwecke der Bekehrung)

• Diskriminierungen aufgrund des Geschlechtes
(Bei den Zeugen steht die Frau nicht gleichwertig neben dem Mann, sondern gilt als seine Gehilfin, welche prinzipiell männlicher Führung bedarf. Der Mann hat bei den Zeugen grundsätzlich Vorrang vor der Frau. Er sollte die Frau, wenn sie sich schön artig fügt, in ihrer untergeordneten Rolle aber möglichst liebevoll behandeln. Bei dem "Grundsatz von der Leitung durch ein Haupt" handelt es sich um eine spezielle Bibelinterpretation der Organisation der Zeugen Jehovas, die sich bis in die privatesten Bereiche hineinzieht. Wenn es tatsächlich eine grundsätzliche, männliche Überlegenheit gäbe, wäre eine solche Rollenverteilung verständlich. Dagegen spricht aber definitiv die Realität. Mann und Frau ergänzen sich zwar wunderbar, aber keiner ist dem anderen grundsätzlich überlegen. Vielen Frauen und Männern bei den Zeugen Jehovas kommt diese hierarchisch patriarchalische Regelung aus den verschiedensten Gründen durchaus gelegen, so daß sie gar nicht auf die Idee kommen zu opponieren und/oder die Unterdrückung der Frau geradezu forcieren. Andere, und zwar nicht nur Frauen, leiden unter diesem starr festgelegten Rollenverständnis. Echte Partnerschaft und wirkliches Erwachsenwerden sind unter diesen Bedingungen eben nicht möglich.)

• Ablehnung 'zeitaufwendiger' Hobbys oder aller allzu regelmäßiger sportlicher Tätigkeiten (religiöse Pflichten, insbesondere der Predigdienst, haben grundsätzlich Vorrang)

• Mangelhaftes Engagement für Kinder und Jugendliche in den Versammlungen (insbesondere Tätigkeiten betreffend, die über den Predigdienst hinausgehen)

• Kinder von Zeugen Jehovas müssen schon von frühester Kindheit an wie Zeugen Jehovas leben (Predigdienst sowie Auftreten in der Schule), obwohl sie nicht getauft sind.

• Ablehnung höherer Bildung
(Dies gilt hauptsächlich für Kinder, die im Glauben der Zeugen Jehovas aufwachsen und für die Lebensphase nach der Taufe. Ansonsten wird es natürlich gern gesehen, wenn sich Akademiker bekehren lassen. Das dient dem allgemeinen Ansehen der Zeugen Jehovas. In Anbetracht der Endzeit soll es für Zeugen Jehovas wichtiger sein, die verbleibende Zeit dem Predigtwerk zu widmen. Außerdem "verleitet" höhere Bildung zu kritischem Denken, welches innerhalb der Organisation als "Rebellion gegen Jehova" angesehen und entsprechend geahndet wird.)

• Verängstigung der Kinder von Zeugen Jehovas zu erzieherischen Zwecken (Bedrohung durch Satan und seine Dämonen, dem Kommen der "Großen Drangsal" und der Vernichtung durch Gott in Harmagedon)

• Obwohl Kindesmißhandlung in der WTG-Literatur verurteilt wird, sind die Grenzen körperlicher Züchtigung, sprich elterlicher Gewalt, zu weit gesteckt. Die "Rute der Zucht" ist laut Bibel dabei ein wirksames Mittel. Auf der biblischen Grundlage, daß "Torheit an das Herz eines jeden Kindes geknüpft sei", wird weniger normgerechten Kindern kontinuierlich der Wille und nicht selten auch das Rückrad gebrochen. Verantwortungsbewußte Zeugen-Eltern handeln gemäß ihrem Verständnis von Liebe auf diese Weise, weil sie ihre Kinder vor einer Vernichtung in Harmagedon bewahren und mit diesen gemeinsam in das "Neue System" gelangen möchten. Selbstverständlich gibt es Eltern, die sich im Alltagsleben weniger streng an die Ratschläge der WTG bezüglich Kindererziehung halten, so daß deren Kinder ungezwungener aufwachsen als Kinder von linientreueren Zeugen. Es gilt dabei aber darauf hinzuweisen, daß diese in nicht unerhebliche Schwierigkeiten geraten, sobald die zuständigen Stellen innerhalb der Versammlung auf irgendeine Weise von dem nicht konformen Verhalten erfahren.

• Feststellung, daß nicht wenige Zeugen aufgrund der rigiden Glaubensstruktur, der sie unterworfen sind, seelisch und körperlich erkranken oder von sich selbst entfremdet leben. Letztere wirken nicht selten wie aufgezogene mechanische Puppen oder freundlich lächelnde Marionetten. In ihrem sicherlich aufrichtigen Bemühen, "auf dem Weg der Wahrheit zu wandeln", ist ihnen in keiner Weise bewußt, auf welche Weise das organisierte System der WTG eine ständige Bewußtseinskontrolle durchgeführt und sie zunehmend instrumentalisiert.

• Indem Jehovas Zeugen Schuldgefühle, Angst und Furcht, Scham, die ständige Sorge um die Annahme Gottes und die eigene Errettung in Harmagedon, die Minderwertigkeit des sündigen Menschen, Unterwürfigkeit, Selbstverleugnung, Ausharren und Gehorsam fördern und fordern, unterdrücken ja verteufeln sie alle Bemühungen, die ein tatsächlich persönliches Verhältnis zu Gott, echte Eigenverantwortung, selbständiges Denken und Handeln, Geltendmachen der eigenen Stärke, ein gesundes Verhältnis zwischen Selbst- und Nächstenliebe, Selbstverwirklichung und -vertrauen, partnerschaftliche Gleichbewertung beider Geschlechter sowie ein wirklich tolerantes Miteinander betreffen.

• Feststellung, daß sich aufgrund der hierarchischen Struktur und der Machtinteressen einer klerikalen Minderheit innerhalb der Organisation so gut wie nichts bewegen läßt, auch wenn dies noch so sanft und vorsichtig geschehen mag. Überängstlich auf den "Frieden in der Versammlung" bedacht, werden kritische Gedanken schnell als bedrohlich empfunden, mit gefährlichem Sektierertum in Verbindung gebracht und dementsprechend behandelt. Als Frau besteht, wenn überhaupt sowieso nur die Möglichkeit, so indirekt wie nur irgend möglich zu agieren.

• Feststellung, daß es nicht möglich ist, sich aus den aktiven Wirkungsbereichen bei den Zeugen Jehovas an den passiveren Rand der Organisation zurückzuziehen und ansonsten zu schweigen, um nicht alles zu verlieren. Im Gegensatz zu den Landeskirchen ist dieser tolerante Randbereich eben nicht gerade breit.

• Da alle aktiven Zeugen Jehovas durch den Predigdienst öffentliche Repräsentanten der Organisation der Zeugen Jehovas sind, entstehen bei nicht genügender Konformität unausweichlich Konflikte. Es gibt einen Punkt, an dem Toleranz, Akzeptanz, Anpassung und, wie es Jehovas Zeugen ausdrücken, ein sogenanntes "Warten auf Jehova" in Heuchelei übergeht und man beginnt, fruchtlos "gegen Windmühlen zu kämpfen", wenn nicht gravierende Änderungen im Leben vorgenommen werden. An diesem Punkt war ich angelangt. Wie konnte ich da weiterhin im allgemeinen Pionierdienst stehen, Menschen die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas wärmstens empfehlen oder gar weiter planen, in den Missionardienst zu gehen?!

• Die meisten Kritikpunkte für sich allein betrachtet wären kein Grund gewesen, der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas und damit auch allem bisher Vertrauten und Geliebten den Rücken zu kehren. Gleichgültig welcher Organisation man auch angehören oder mit welchen Menschen man eine Beziehung eingehen mag, so gehören Fehler und Schwächen ganz natürlich dazu. Institutionen haben eben ihre eigene Dynamik. Es wäre unrealistisch und unvernünftig, von unvollkommenen Menschen eine vollkommene Organisation zu erwarten.
Es war aber die Summe der Kritikpunkte und deren Komplexität in Zusammenhang mit der eigenen Natur, die schließlich ausschlaggebend für den Rückzug waren.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

09.02.2010 19:04
#11 Wusstet ihr schon... Antworten

Wusstet ihr schon...

... das die allermeisten Zeugen Jehovas nicht "Gesundheit" sagen, wenn jemand nießt?
Erklären kann einem das eigentlich niemand, aber es soll wohl etwas mit irgendeinem heidnischen Brauch zu tun haben, den Zeugen Jehovas nicht machen. Ich habe mich nie weiter dafür interessiert und aus Höfflichkeitsgründen auf der Arbeit nie darauf verzichtet, aber innerhalb einer ZJ-Gruppe wird einem keiner Danken, wenn man Gesundheit gesagt hat.

... das die allermeisten Zeugen Jehovas nicht "anstoßen" und "Prost" sagen wenn sie ihr Glas erheben?
Wer kennt bitte schön den Hintergrund dieser Sitte? Die allermeisten kennen ihn nicht, was Zeugen Jehovas nicht davon abhält, darauf zu verzichten. In der Rubrik "Fragen von Lesern" hieß es:
In der Bibel werden Trinksprüche nicht erwähnt. Warum vermeiden es Jehovas Zeugen dennoch, Trinksprüche auszubringen oder zu erwidern?
Im WT vom Februar 2007 wurden folgende Argumente genannt:
„Der Brauch, den Lebenden ‚Gesundheit‘ zuzutrinken, ist höchstwahrscheinlich auf den alten religiösen Ritus, den Göttern und den Toten zuzutrinken, zurückzuführen. Die Griechen und Römer gossen ihren Göttern bei Mahlzeiten Trankopfer aus, und bei feierlichen Trinkgelagen tranken sie ihnen und den Toten zu.

weiter heißt es
Viele, die heute einen Trinkspruch ausbringen oder erwidern, beabsichtigen wohl nicht, damit eine Gottheit um Antwort oder Segen zu bitten; sie können aber auch nicht erklären, warum sie ihre Weingläser in die Höhe heben. Dennoch brauchen sich wahre Christen nicht gezwungen fühlen, die Gesten von Personen nachzuahmen, die die Angelegenheit nicht durchdacht haben.


weiter
. Dennoch haben Christen gute Gründe, weder Trinksprüche auszubringen noch zu erwidern. Diese haben einen religiösen Hintergrund und können selbst heute noch als eine an den „Himmel“ oder an eine übermenschliche Gewalt gerichtete Bitte um Hilfe verstanden werden


Diese Abhandlung ist ein schönes Beispiel dafür, dass nicht automatisch gesagt wird, dass es verboten ist, aber die Art und Weise, wie der Artikel geschrieben ist, läßt eindeutig erkennen, dass Christen angeblich 'gute Gründe' hätten, darauf zu verzichten. So werden aus nicht vorhanden Problemen, Probleme erzeugt, damit man sich auch weiterhin als abnormal und von der Welt getrennt verstanden weiß.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

Bruder Spaghettus ( gelöscht )
Beiträge:

10.02.2010 09:26
#12 Annotationen zu den Zeugen Jehovas Antworten

Annotationen zu den Zeugen Jehovas

Milton G. Henschel und Bertrand Russell

http://www.manfred-gebhard.de/HenschelRussell.htm

Prädikat: sehr lesenswert

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

16.02.2010 14:47
#13 Neverending Story... Antworten

Wurde früher gepredigt um die Menschen zu retten geht es demnächst, wenn man einer Quelle trauen kann, nur noch darum, Gott zu preisen. Jetzt mag ein Außenstehender sagen, warum ist das so wichtig? Ganz einfach. Damit wird der Predigtdienst eine Never-Ending-Story. Es ist nun nicht mehr nötig Menschen zu retten - höchstens nettes Beiwerk - sondern viel mehr geht es jetzt darum tätig zu sein für Gott. Wann das Ende kommt ist dann egal. Jeglicher Zweifel den viele Brüder auch zu meiner aktiven Zeit noch äußerten, dass es niemals möglich sei alle Menschen mit der guten Botschaft zu erreichen, wird damit ausgeräumt. Wie ich finde ein beachtlicher und nicht dummer Schachzug, damit die Schäfchen niemals aufwachen...

Hier das Zitat:

Zitat
Comments by member of the Governing Body

After the Saturday session of the International DC in Myanmar , there was a meeting with a member of the Governing body where Bethelites and others were invited to attend. In view of the theme of the convention, his opening question was most appropriate:

He opened with this question: True or false - the purpose of our preaching is to save people from Armageddon? Answer is false. While it is desirable that people respond and get saved, the main purpose, most important is found at Hebrews 13:15 "Through him let us always offer to God a sacrifice of praise, that is, the fruit of lips which make public declaration to his name." So, our main focus in preaching should be on praising God. This is more important than saving people, as Jehovah is more important than humans.
When many are unresponsive in the ministry, some publishers discouraged and lose their joy. They lose sight of the bigger picture, which is everything must revolve around Jehovah and his will. Our preaching "success" is not dependant on "results".

He then went on to quote Isaiah 43:10 "YOU are my witnesses," is the utterance of Jehovah, . . .

(Isaiah 43:21) 21 the people whom I have formed for myself, that they should recount the praise of me.

(Colossians 3:23) Whatever YOU are doing, work at it whole-souled as to Jehovah, and not to men. Or we could say, not primarily for men!

Of course, there are other valid reasons to preach, that is to teach others the truth. And there is increase, worldwide there was a 3% increase. The US increase was even higher. About 5,000 are being baptized every weekend. In Mexico 7 or 8 new Kingdom halls are dedicated every weekend. In other parts of the world the growth is slower.

There are 1,652 Languages in India , not dialects, but languages, the most of any country in the world. 80% of India has NEVER been preached to. (We can add, and may never be preached to)

There are about 1 billion Muslims in the world, most of which have never been preached to. We are still banned in Egypt and most of the Gulf States . We only have a few ex-pats in those countries. He estimated ? of the world's population has heard the Good News.


---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

25.02.2010 12:08
#14 Das Jahr 607 - von entscheidender Bedeutung! Antworten

Quelle: http://svhelden.gmxhome.de/svh/reload.htm?607_587.htm
(Man kann es einfach nicht besser auf den Punkt bringen)

Jehovas Zeugen glauben, dass Jerusalem im Jahr 607 v. Chr. zerstört wurde, obwohl weltliche Historiker übereinstimmend das Jahr 587 v. Chr. angeben. Tatsächlich gibt es für das Jahr 587 mehrere Beweislinien, die über jeden Zweifel erhaben sind. Carl Olof Jonsson, ein ehemaliger Zeuge Jehovas, erstellte eine umfangreiche Abhandlung zu diesem Thema und schicke sie zunächst an die Wachtturm-Gesellschaft; diese hatte jedoch kein Interesse an geschichtlichen Tatsachen, sondern daran, dass C. O. Jonsson seine Erkenntnisse für sich behielt. Schließlich wurde er aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas ausgeschlossen; später publizierte er seine Abhandlung in dem Buch "Die Zeiten der Nationen näher betrachtet".

Für Jehovas Zeugen wäre es jedoch eine Katastrophe, zuzugeben, dass 607 nicht richtig ist. An diesem Datum hängt nämlich die Vorhersage über 1914; die Ereignisse in Verbindung mit diesem Jahr sind die wesentliche Stütze für die Autorität ihres Führungszirkels. 1914 habe Jesus seine Königsmacht angetreten und den Teufel aus dem Himmel geworfen, weswegen der Erste Weltkrieg ausgebrochen sei. 1918 wäre angeblich Jesus auf die Erde bekommen, um seine Diener zu besehen, und hätte die Gruppe der Bibelforscher, die heute als Jehovas Zeugen bekannt sind, für treu befunden und über seine Interessen auf der Erde gesetzt, ihnen also Autorität über alle Christen gegeben. Die Trompetenstöße aus der Offenbarung werden auf Kongresse in den 1920er Jahren angewandt. All das wäre hinfällig, würde man zugeben, dass Jerusalem im Jahr 587 zerstört wurde.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass man alle Anstrengungen unternimmt, die Ausführungen von C. O. Johnsson zu widerlegen. Natürlich würde man das nicht offiziell tun, denn sonst würde man zugeben, dass man sich mit dem Buch beschäftigt hat - und das darf man als Zeuge Jehovas eigentlich gar nicht; es ist "Literatur von Abtrünnigen", von der man die Finger zu lassen hat. Es gibt allerdings die Internetseite jehovahsjudgment.co.uk, auf der man versucht, das Jahr 587 als unbiblisch darzustellen und so tut, als ob nur 607 mit der Bibel übereinstimmen würde. Auf dieser Seite findet sich keinerlei Impressum oder sonstiger Hinweis auf den Betreiber; die Domäne ist auf eine britische Privatperson namens Al Taylor registriert.


Tatsächlich werden auf dieser Seite die gleichen Argumentationsmethoden gebraucht wie in den Zeitschriften der Wachtturm-Gesellschaft:

- Es werden Behauptungen widerlegt, die gar niemand aufstellt

- Statt des eigentlichen Bibeltextes wird dessen Wachtturm-Auslegung als Maßstab verwendet

- Es werden Schlußfolgerungen gezogen, die in keiner logischen Beziehung zu den Argumenten stehen

Die folgende Abhandlung behandelt alle Kapitel der genannten Internetseite und zeigt ihre Argumentationsfehler auf.
http://svhelden.gmxhome.de/svh/reload.htm?607_587.htm

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

Stan ( gelöscht )
Beiträge:

25.02.2010 12:23
#15 RE: Das Jahr 607 - von entscheidender Bedeutung! Antworten

Respekt...da liegen die Zeugen ja NUR 20 Jahre daneben. Eine derartige Trefferquote ist man von denen ja eigentlich nicht gewohnt.

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

25.02.2010 12:24
#16 Die Gesalbten ... Antworten

Das Kuriosenkabinett geht weiter:

Seit 1914 müssten die Gesalbten jedes Jahr abnehmen. Blöd nur, das man Zahlen nicht wegdiskutieren kann.



Hier eine weitere Grafik, wie es eigentlich aussehen müsste:



Usprünglich müsste diese Zahl zurückgehen, steigt aber komischerweise. Der WT sagt dazu nur:

Der Wachtturm, 15.08.1996, Seite 31

Zitat
Wir haben berechtigten Grund zu der Annahme, daß die Zahl der Gesalbten weiterhin zurückgehen wird.



Der Wachtturm, 15.08.1997, Seite 15

Zitat
Die Zahl der wahren gesalbten Söhne Gottes, die noch auf der Erde leben, ist ziemlich klein geworden. ... Die meisten, die sich zu den Gesalbten zählen, sind im Alter fortgeschritten. Läßt das nicht ebenfalls darauf schließen, daß das Ende nahe bevorsteht?



Der Wachtturm, 15.10.1995, Seite 26

Zitat
Die Zahl der gesalbten Christen, die noch auf der Erde sind, nimmt zwar stetig ab.



Zitat von Der Wachtturm, 01.07.1995, Seite 21

Zitat
Während die „Zeit des Endes“ fortschreitet, nimmt die Zahl der Gesalbten im „Land“ des Volkes Gottes immer mehr ab (Daniel 12:9; Offenbarung 12:17).



Der Wachtturm, 15.01.2000, Seite 12

Zitat
Wir wollen daher sechs Beweisführungen betrachten, die zeigen, daß wir in den letzten Tagen der gottlosen Welt leben.
...
Sechstens nimmt die Zahl der wahren gesalbten Jünger Christi ab.



"Im Laufe der Jahrzehnte hat die Zahl der Gesalbten abgenommen"
( Der Wachtturm, 15. Februar 2009, S. 28 )

Wie ZJ das jetzt eklären, ist mir schleierhaft. Vermutlich wird demnächst ein WT Artikel erscheinen, in dem darauf hingewiesen wird, das man seine Befähigung nochmal überdenken muss. Dann wird die Zahl vermutlich wieder unter 10.000 sinken. Ein interessanter Aspekt könnte ebenfalls eine Rolle spielen. Als ZJ glaubt man ja, dass Gott alle Menschen liebt. Erst seit einigen Jahrzehnten ist das Predigtwerk in Afrika und Asien aktiv, so dass auch dort Gesalbte gefunden werden "müssten", denn Gott wird ja nicht die weiß Ethnie bevorzugen. Das mag nur eine Idee sein.

Wie man als aktiver ZJ weiterhin der Gesellschaft alles abnehmen kann, ist nur mit der absoluten blinden Gehorsams-Brille zu ertragen.

Apropo Zahlen:
Es gibt monatlich einen Königreichsdienst (Faltblättchen) den nur aktive ZJ bekommen. Seit einigen Monaten soll wohl nicht mehr der Monatsbericht abgedruckt worden sein, der die Aktivität innerhalb Deutschlands dokumentiert. Ich müsste zuhause nochmal schauen. Mein letzter Königreichsdienst ist von Mitte 2009.

Dazu habe ich noch folgende Info gefunden:

Zitat
Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen wurde mir zugetragen, dass das Zweigbüro in Selters vor kurzem einen Brief an alle Dienstkomitees der Versammlungen geschickt hat. Ich habe hier beim ersten Suchen noch nichts dazu gefunden und erlaube mir deshalb mal ein neues Thema aufzumachen.

In diesem Brief wird auf die wohl katastrophale Lage im Land eingegangen. Die Zahl der Unregelmäßigen oder gar Untätigen ist anscheinend in den letzten Monaten (Jahren?) stark angestiegen. Die Dienstkomitees werden angeblich gebeten, einen Fragebogen zur Situation in der Versammlung auszufüllen. Es wird in dem Brief ausdrücklich betont, dass es "nicht um Zahlen" gehen würde, sondern wohl eher darum, die Ursachen für diese Entwicklung herauszufinden.

Mein Informant war über den Brief sehr erstaunt, da ich ihm vor einigen Monaten gesagt hatte, dass der Wegfall der Monatsberichte im Königreichsdienst wohl handfeste Gründe haben wird. Die Statistik wird so grottenschlecht sein, dass die nicht einmal mehr mit viel Kosmetik vorzeigbar ist. Dass jetzt dazu gewissermaßen die offizielle Bestätigung kam, hat ihn wohl schwer getroffen, so dass er nun wieder das Gespräch suchte.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

25.02.2010 12:28
#17 Stans kommentar Antworten

Zitat
Respekt...da liegen die Zeugen ja NUR 20 Jahre daneben. Eine derartige Trefferquote ist man von denen ja eigentlich nicht gewohnt.



Viel interessanter finde ich, dass ein nicht bekannter Autor die Lehren der Gesellschaft verteidigt. Wer, außer die Gesellschaft hätte daran Interesse? Vermutlich geht die Angst rum, weil das Internet nun mal die Wahrheit schlussendlich ans Licht bringt. Irgedwann kommt jeder Zeuge Jehovas mit diesen Informationen in Berührung. Besser noch: Die Allgemeinheit lernt diese Fakten kennen und kann ZJ aktiv damit in Berührung bringen. Wäre doch interessant zu erfahren wie die Haus zu Haus Dienst eher den Zeugen selbst nützt der Wahrheit näher zu kommen. Je uninformierter die Leute, je weniger Widerstand bekommt ein Zeuge geboten und je größer die Wahrscheinlichkeit, dass man auf die Argumentationsweise hereinfällt. Dafür gilt es die Leute zu schützen!

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

Stan ( gelöscht )
Beiträge:

25.02.2010 12:33
#18 RE: Stans kommentar Antworten

Vor ein paar Monaten gabe es doch dieses Treffen der Zeugen..ich glaub in München?!

Und da stellte sich einer deren Häuptlinge vor die TV Kameras und erklärte allen Ernstes,das die Finanzkrise und die Schweinegrippe so etwas wie Vorboten des nahen Untergangs seien.
Vor allem die Schweinegrippe hat ja mehr als gehalten,was uns von ihr versprochen wurde.

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

25.02.2010 12:39
#19 RE: Stans kommentar Antworten

Ich kann ihnen das nicht mal verüben. Man greift halt jeden Strohhalm den man kriegen kann. Wenn du voll überzeugt bist, dann greift irgendwann der Verstand ein und ruft "Halt!". Manche wollen das aber nicht und klammern sich an jedes Horrorszenario was einem vor die Füße läuft. Die werden auch in 100 Jahren weiterpredigen, dass das Ende kommt, wenn sie sich bis dahin nicht selbst demontiert haben. Siehe dazu die Zahlen die ich gepostet habe. Irgendwann wird jeder aufwachen müssen.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

maleachi 89 ( gelöscht )
Beiträge:

25.02.2010 13:00
#20 RE: Stans kommentar Antworten

Was meinst du als Insider, Menno, wie wird die Taktik der Wachturmgesellschaft aussehen, die eventuell verfolgt wird, um das Glaubensgebäude der Zeugen aufrecht zu erhalten, außer dass man jeden Schnupfen der Welt als Untergangsszenario darstellt? So eine Organisation kann ja auch nicht von ganz dummen Leuten, allein was logistische Fragen betrifft, geführt werden.

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

25.02.2010 13:27
#21 Diskussion Antworten

Zitat
Was meinst du als Insider, Menno, wie wird die Taktik der Wachturmgesellschaft aussehen, die eventuell verfolgt wird, um das Glaubensgebäude der Zeugen aufrecht zu erhalten, außer dass man jeden Schnupfen der Welt als Untergangsszenario darstellt? So eine Organisation kann ja auch nicht von ganz dummen Leuten, allein was logistische Fragen betrifft, geführt werden.


Je mehr du dich mit Internas beschäftigst, je mehr bekommst du den Eindruck, dass nur ganz wenige alles überblicken. Dazu gehört ohne Frage z.B. die leitende Körperschaft, denn Sie überblickt die Probleme in den jeweiligen Ländern. Ich habe bereits zweimal (oder war es öfter) Führungsmitglieder auf einem Kongress hören dürfen. Das waren Rhetoriker vorm Herrn. Ihre Wortwahl, ihre gestig, ihr Charme - der konnte Menschen mitreißen. Der hätte auch dich mitgerissen, da bin ich sicher. Aber von solchen Lichtpunkten abgesehen wird es darauf hinauslaufen, dass das Ende immer weiter propagiert wird. Wenn die Gesellschaft das aufgibt kommt das ihrem Tod gleich, denn darauf hoffen doch alle Zeugen Jehovas. Ständig soll man sich vor Augen führen, dass bald das Paradies - die Belohnung - kommt und Gott alle Sünder vernichtet. Viele sind einfach sehr hörig. Sie sind nicht dumm, geschweige denn das alle einen geringen Intellekt hätten. Das nicht. Ich glaube jedoch, dass Sie glauben wollen. Die Mechanismen und Verdrehungen der Gesellschaft sind seit Jahrzehnten immer die gleichen. Dazu gehören Halbwahrheiten und Lügen. Genau das, was sie Ausgeschlossenen immer unterstellt. Ich konnte mir bis vor einigen Monaten ein Leben ohne diese Organisation nichtmal im Ansatz vorstellen. Du bist so dermaßen integriert (andere nennen es indoktriniert) das du permant den "Blick fest auf den Preis" gerichtet hälst.
Ich bin selber gespannt und beobachte. Wie weiter oben schon zitiert, gibt es ja diesen April wieder "neues" Licht was die Generationenlehre anbelangt. Ich bin gespannt wie sie diese weiter aufrechterhalten wird.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

25.02.2010 14:39
#22 Die wahre Denkweise offenbart... Antworten

... erst jetzt habe ich es wirklich verstanden, was sie mit dem Artikel sagen wollte!

Königreichsdienst September 2007

Zitat
Billigt es „der treue und verständige Sklave“, wenn sich Zeugen Jehovas eigenständig zusammentun, um biblische Themen zu untersuchen und zu debattieren? (Mat. 24:45, 47).

Nein. Dennoch haben sich in verschiedenen Teilen der Welt einige, die mit unserer Organisation verbunden sind, zusammengetan, um eigenständig biblische Themen zu untersuchen. Einige beschäftigen sich gemeinsam mit anderen eingehend mit dem biblischen Hebräisch und Griechisch, um die Genauigkeit der Neuen-Welt-Übersetzung zu untersuchen. Andere erforschen wissenschaftliche Themen, die mit der Bibel zu tun haben. Damit Ansichten ausgetauscht und debattiert werden können, wurden Websites und Chatrooms eingerichtet. Es wurden auch Tagungen abgehalten und Veröffentlichungen hergestellt, um Studienergebnisse publik zu machen und um unsere Zusammenkünfte und unsere Literatur zu ergänzen.
Gottes Volk erhält in den Versammlungszusammenkünften und auf Kongressen sowie durch die Veröffentlichungen der Organisation Jehovas überall auf der Welt reichlich biblische Schulung und Ermunterung. Jehova sorgt dafür, dass alle seine Diener unter der Leitung seines Geistes und gestützt auf sein Wort der Wahrheit das bekommen, was sie benötigen, damit sie „in demselben Sinn und in demselben Gedankengang fest vereint“ sind und „im Glauben befestigt“ bleiben (1. Kor. 1:10; Kol. 2:6, 7).

Wir sind zweifellos für alle geistigen Gaben Jehovas in den heutigen letzten Tagen dankbar. Daher billigt der „treue und verständige Sklave“ keinerlei Literatur, keine Websites und keine Treffen, die nicht unter seiner Leitung hergestellt oder organisiert werden (Mat. 24:45-47).
Es ist lobenswert, wenn jemand mehr lernen möchte, um die Verbreitung der guten Botschaft zu fördern. Doch persönliche Bestrebungen sollten nicht von dem ablenken, wofür Jesus Christus heute durch seine Versammlung auf der Erde sorgt. Der Apostel Paulus warnte im ersten Jahrhundert davor, sich mit kraft- und zeitraubenden Themen wie „Geschlechtsregistern“ abzugeben, „die zu nichts führen, sondern eher Fragen zur Nachforschung hervorrufen, als etwas von Gott darzureichen, was mit Glauben in Verbindung ist“ (1. Tim. 1:3-7). Als Christen sollten wir „törichte Streitfragen und Geschlechtsregister und Zank und Streitigkeiten wegen des GESETZES [meiden], denn sie sind nutzlos und nichtig“ (Tit. 3:9).
Wer sich noch eingehender mit der Bibel beschäftigen möchte, könnte sich mit den Büchern Einsichten über die Heilige Schrift oder Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich befassen oder mit anderen unserer Veröffentlichungen, die die Prophezeiungen der Bibelbücher Daniel, Jesaja und Offenbarung behandeln. Sie enthalten für das Bibelstudium und zum Nachdenken mehr als genug Stoff, durch den wir ‘in aller Weisheit und in geistigem Verständnis mit der genauen Erkenntnis seines [Gottes] Willens erfüllt werden, damit wir Jehovas würdig wandeln, um ihm völlig zu gefallen, während wir fortfahren, in jedem guten Werk Frucht zu tragen und an der genauen Erkenntnis Gottes zuzunehmen’ (Kol. 1:9, 10).


Quelle: September-Königreichsdienst 2007

Hier offenbart sich der Geist der Gesellschaft. Studieren und Denken ja - aber immer nur im Einklang mit der Gesellschaft. Jeder aktive wird jetzt behaupten, dass sich das nur auf das Treffen mit anderen bezieht. Aber hier wird doch ganz deutlich, dass man doch bitte schön immer schön am Fressnapf der Organisation stehen sollte.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

26.02.2010 23:00
#23 Ergänzung zu Raymond Franz Antworten

Ich habe bereits einiges zu diesem Mann und zu seinem Buch "Der Gewissenskonflikt" geschrieben. Ich kann nur jedem empfehlen dieses Buch zu lesen. Selbst für diejenigen, die nicht an Gott glauben und nur sehen wollen, wie eine Organisation ein Bild nach außen verkauft, das so garnicht existiert ist erstaunlich! Ich habe noch kein besseres Buch gelesen das den Glauben der Zeugen Jehovas so gut erklärt.

Es wird zum Beispiel klar, dass die leitende Körperschaft in der Form bis in die 70er Jahre garnicht existierte. Der Präsident der Gesellschaft gab vor, was Lehrmeinung war. Das Gremium der leitenden Körperschaft, woran also alle ZJ fest glaubten, war nur ein Schatteninstrument. Das "gemeine Volk" sollte glauben, dass es einen treuen Sklaven gab.

Interessant ist auch die Tatsache, dass im Geschichtseigenen Buch Tatsachen um die inneren Machtkämpfe vollständig verdreht dargestellt werden. Man kann da schon das Wort Lüge in den Mund nehmen. Raymond Franz belegt seine Erfahrungen, die er innerhalb der leitenden Körperschaft gemacht hat, anhand von Protkollen, Briefen und Artikel die innerhalb der Literatur erschienen sind.

Raymond Franz zeigt auch auf erstaunliche Weise, dass es für das Jahr 607 v.u.Z. keinerlei Beleg gab. Er war damals dafür zuständig ein Buch zu schreiben in der er das Jahr belegen wollte. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse widersprachen der Theorie von 607. Er schrieb
"Obwohl wir also manche Grundsätze besser einzuschätzen wussten, war am Hilfe-Buch trotzdem vielfach ein deutliches Bemühen erkennbar, den Lehren der Gesellschaft treu zu bleiben"
Das war ein Punkt an dem ihm sein Gewissen plagte, als er merkte, dass er Dinge vertrat die der Gesellschaft entsprachen, nicht aber der Bibel.

Soviel für heute.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

27.02.2010 18:39
#24 RE: Ergänzung zu Raymond Franz Antworten

Weiteres zum Buch "Der Gewissenskonflikt":

In den 1960er Jahren waren die Glaubensbrüder in Malawi einer extremen Verfolgungswelle ausgesetzt, weil sie keine Parteikarten kauften. IN Malawi herrscht zu der Zeit ein Ein-Parteien-System, so dass diese Karte lediglich benötigt wurde um damit zum Ausdruck zu bringen, das man Staatstreu wäre. Die leitende Körperschaft verurteile den Kauf dieser Parteikarte zutiefst, weil man damit ein Teil des Systems Satans sei. Zahlreiche Brüder wurden daraufhin umgebracht, tausende Glaubensschwestern vergewaltigt, meist mehrfach von verschiedensten Tätern, weil sie dem Staat gegenüber keine Karte vorweisen konten. Diese Informationen sind in den offiziellen Publikationen abrufbar.

Erschreckend an der Sache war, das Raymond Franz zur gleichen Zeit eine Reise nach Mexiko machte und erfuhr, dass dort die Brüder den Wehrdienst umgehen konnte, indem sie einen Beamten bestachen, der ihnen dann einen Wehrdienstpass ausstellte. Dieser Pass musste regelmäßig abgestempelt werden, damit die jungen Männer nach außen hin "beweisen" konnten, dass Sie den Wehrdienst bereits besucht hatten. Dieser Wehrdienstpass war auch Grundlage um überhaupt als Mann einen Reisepass zu erhalten um das Land zu verlassen (z.B. für einen Kongress in den USA). Der Wehrdienstpass war auch eine Bestätigung, dass man damit den Reservisten des Landes Mexiko angehörte. Als Raymond Franz bei seinem Besuch in MExiko davon efuhr, fragte er den dortigen Zweig, wer das angeordnet hatte. Man legte ihm den Schriftverkehr vor aus dem folgendes hervorging:
Der Zweig in Mexiko schrieb im Jahre 1960 einen Brief an Brooklyn mit der Bitte um Prüfung, ob sich diese Männer richtig verhielten, ob es also zulässig war Beamten zu bestehen um den Wehrdienst zu entgehen. Das Antwortschreiben kam vom Präsidenten höchstpersönlich (Exkurs: Wie bereits geschrieben, gab es die leitende Körperschaft zu der Zeit offiziell nicht. Es gab kein Gremium welche solche Entscheidungen traf, sondern der Präsident entschied jede Lehre/Korrektur einer Lehre; Die leitende Körperschaft übernahm nur ein Schattendasein). Aus diesem Schreiben ging hervor, dass die Vorgehensweise der Brüder eine Gewissensentscheidung sei, denn die "Geldleistung" die man einem Beamten erbrachte, floss nicht in den Militärapparat, sondern der Beamte bereicherte sich. Die WTG nahm ausführlich Stellung und gab eine Zustimmung für die Handlung.

4 Jahre nach diesem Brief brach dann die Verfolgung in Malawi aus und die Sichtweise der "leitenden Körperschaft" war immer noch die, dass die Brüder in Malawi keine Parteienkarte kaufen dürfte. Im gleichen Jahr schrieb der Zweig in Mexiko erneut einen Brief und fragte, ob die Regelung für sie in Mexiko immer noch gelte. (Man musss dazu sagen, das diese Zweige von solchen Länderspezifiischen Regelungen nichts wussten- bis heute). Der Präsident antwortete erneut und schrieb, dass es dem Gewissen der Brüder in Mexiko überlassen sei und Brookyln nicht das Gewissen der Brüder sei! Zur gleichen Zeit mussten Brüder in westlichen Ländern, in dem es neben dem Wehrdienst auch den Zivildienst gab mit dem Ausschluss rechnen, wenn Sie sich aus Gewissensentscheidungen für den Zivildienst entschieden.

Diese Tatsache muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Man akzeptierte, dass Männer in Mexiko eine Zugehörigkeit zum Militär illegal erwarben um den Wehrdienst zum umgehen und gleichzeitig überließ man die Glaubensbrüder in Malawi mit der Tatsache, dass der Erwerb eine Parteienkarte zum Ausschluss führte, weswegen sie keiner erwarb und nur dadurch (!) extreme Verfolgung ausbrach wodurch tausende Vergewaltigt und ermordert wurden.
Welche Doppelmoral diese Leitung an den Tag legte.

Mit diesen Information reiste Ray Franz zurück nach Brooklyn und konfrontierte die leitende Körperschaft. Es heißt in dem Buch: "Wiewohl bereits die dritte und vierte Welle der Gewalt über die Zeugen in Malwai hereingebrochen waren (1972 und 1975), zeigte sich keiner berstürzt darüber, dass die dort angewandten Maßstäbe denen in Mexiko völlig entgegengesetzt waren. Die meisten konnten anscheinend akzeptieren, dass man in Mexiko so verfuhr, während sie zugleich verlangten, für Menschen anderswo habe ein völliganderer Maßstab zu gelten" Es änderte nichts. Der Fall wurde zu den Akten gelegt, weil Uneinigkeit darüber entstand, wie vorzugehen sei.

Im Jahre 1978 gab es bereits eine Abstimmung über den Zivildienst, ob dieser dem Gewissen der Glaubensbrüder überlassen bleibe und nicht wie bisher mit dem Ausschluss sanktioniert wird. Es gab zwar eine Mehrheit, aber die benötigte Zwei-Drittel-Mehrheit kam im zweiten Anlauf nicht zustande. Im ersten Anlauf kam diese Zustande, jedoch bekam ein Mitglied Zweifel und in der zweiten Abstimmung sprach er sich dagegen aus. Erst im Jahre 1993 wurde diese Regelung geändert und die Gewissensentscheidung der Brüder akzeptiert. Sie mussten nun mehr nicht mit dem Ausschluss rechnen. Bis dahin sind weltweit Tausende junge Männer ins Gefängnis gegangen, in manchen Ländern sogar für mehr als 10 Jahre, weil sie sowohl Wehr- als auch Zivildienst ablehnten.

Man versteht zurecht, das Raymond Franz fundamentale Zweifel wuchsen, über die Dinge die er innerhalb der leitenden Körperschaft - man darf nicht vergessen, der Leitungskanal Gottes auf Erden - erfuhr und während seiner 9-Jährigen Zeit erlebte.

Eine weitere Sache erfuhr Ray Franz während eines weiteren Aufenthalts in Mexiko. Bedingt durch die Geschichte wurde religiöses Eigentum automatisch dem Statt zugeordnet. Die Gesellschaft entschied sich dafür, Zeugen Jehovas nicht als Religions- sondern als kultureller Verein einzutragen. Das führte dazu, dass in den Versammlungen weder Gebetet noch gesunden wurde. Beim Tür zu Tür Predigtdienst wurde auf die Bibel verzichtet, weil das ja den Eindruck erweckte, dass es doch ein religiöses Werk war. Er schreibt "Diese Doppelzüngigkeit rührte nicht etwa daher, dass man in einem totalitären System lebte, in dem die Freiheit der Religionsausübung mit harten Maßnahmen unterdrückt wurde. Man wollte vor allem damit die Einschränkung umgehen, die der Staat den Religionsgemeinschaften in Bezug auf die Verfügung über ihr Eigentum an Immobilien auferlegt hatte". Interessant ist dabei, dass dagegen in den USA um jedes kleine Recht vor Gericht gestritten wurde. Es ging dabei um das Recht Lautsprecherwagen oder Predigtdienstfeldzüge ohne polizeiliche Erlaubnis durchführen zu dürfen. Um all diese nicht elementaren Dinge wurde gestritten, während ein elementarer Teil der Anbetung - das Gebet - in Mexiko 46 Jahre lang (bis 1989) verzichtet wurde. Die Organisation war bereit zu sagen, dass ihr Werk nicht religiös sei, sie verzichtete auf das Gebet und das Singen in den Zusammenkünften (die dort Freundschaftskreise hießen). Sie verzichteten auf die Taufe (hieß auch anders) während überall auf der Welt genau das Gegenteil der Fall war. Warum? Nur wegen der freien Verfügung ihrer Immobilien. Mexiko hatte nichts gegen eine religiöse Vereinigung, es ging lediglich um die freie Verfügung über die Immobilien.

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

MennoKlamotto Offline

Agnostischer Atheist


Beiträge: 1.325

01.03.2010 07:35
#25 Steuerpflicht Antworten

Hier noch ein Link zum Thema Steuerpflicht und welche Probleme die Gesellschaft damit hatte:

http://www.servat.unibe.ch/law/dfr/bv019129.html

(Gilt hier nur als weiterer Beleg).

---------------------------------------------

Intelligent Design hat ganz ein anderes Problem: Es gibt sich als Wissenschaft, will aber gar kein Wissen schaffen - die wollen überhaupt nichts herausfinden. Weil sie ja eh schon die Antwort kennen. Ihre Antwort ist immer: Gott. Wer glaubt, die Antwort schon zu kennen, macht keine Wissenschaft - er macht Propaganda."

Seiten 1 | 2
 Sprung  
________________________________________

"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

________________________________________

=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

... Platz für Verlinkungsaustausche ...

VORSICHT! Vertrauensunwürdige Werbung!

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor
Datenschutz