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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 706 mal aufgerufen
 Judentum
the swot ( Gast )
Beiträge:

25.02.2006 21:31
Missionieren antworten

Für Jüdische Allgemeine 16.08.2005
von Rabbiner Baruch Rabinowitz, Wuppertal
„Ein Übertritt zum jüdischen Glauben ist äußerst schwierig, wenn überhaupt möglich“, so die Aussage eines Rabbiners. Das ist eine allgemeine Behauptung, die leider viel mit der Realität zu tun hat. Man muss oft unzählige Kurse besuchen und sich einer nahezu psychischen Tortur unterziehen bevor man als ein „Ger Zedek“ anerkannt und in einer Gemeinde aufgenommen wird. Das Thema „Konversion“ ist nicht neu und wurde im Laufe der Jahrtausende sorgfältig und offen in der Tora und in den rabbinischen Schriften behandelt. Das Judentum ist (fast) immer offen für die Menschen gewesen, die mit den Juden ein gemeinsames Schicksal teilen wollten. Die Tendenz potentielle Konvertiten abzuweisen, stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die Konversion von Christen konnte sehr leicht eine neue Verfolgungswelle auslösen. S. Luria hat schon vor der Aufnahme von Konvertiten gewarnt und die rabbinischen Konzile von Litauen und Moravia haben sogar mit Bann und Strafen gedroht. Dies war ein politischer und sozial erzwungener Ausnahmezustand. Eine solche Haltung widerspricht aber den grundlegenden Werten des jüdischen Glaubens wie sie uns von Anfang an überliefert worden sind. 3. Mosebuch, 19 ,verweist darauf: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt…, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst…“ Der Talmud, (Jew.47), erweitert dies: „Die Weisen haben gelehrt: Wenn ein Proselyt kommt zu konvertieren, sagen wir ihm: warum willst du das tun? Ist dir nicht bewusst, dass das Volk Israel verfolgt und vertrieben wird und immer leidet? Wenn er antwortet: „Ich weis und bin immer noch unwürdig“, akzeptieren wir ihn sofort und unterrichten ihn über die leichten und über die schweren Gebote…über die Strafen für die Sünden und über die Belohnungen für die Gebote…“ Obwohl die Proselyten aus Überzeugung vorgezogen wurden, weist uns eine weitere Stelle (Jew. 24b) darauf hin, dass die Proselyten auch für den Zweck der Heirat oder zur Erlangung wirtschaftlicher Vorteile konvertieren durften.. Trotzt unterschiedlicher Auffassungen wurden rituelle Richtlinien dafür festgesetzt (Jew. 46-47b; Jad IB 13:7; Schab. 137b; usw). Ein Übertritt verlangt eine Beschneidung (für die Männer), ein rituelles Tauchbad in einer koscheren Mikweh und ein Beit Din, das aus drei Gelehrten besteht, die den Übertritt bezeugen. Danach ist der Konvertit wie Israel, kann sogar eine Tochter eines Cohen (Priester) heiraten und ist verpflichtet, alle Gebote der Tora zu erfüllen. „Ein und dasselbe Gesetz gelte für den Einheimischen und den Fremdling“.
Das 20. Jahrhundert ist durch die Veränderungen in den sozialen Verhältnissen, durch Verfolgungen und die Schoa gekennzeichnet. Eine ganze Generation von Menschen hat ihre jüdische Identität verloren und konnte ihren Kindern in der zweiten und dritten Generation nur Bruchstücke des Judentums und des Jüdischseins hinterlassen. Auch heute noch bezahlen die Enkelkinder einen sehr hohen Preis für die Entscheidungen, die ihre Vorfahren gezwungenermaßen oder auch freiwillig getroffen haben. Es ist unsere Pflicht den Menschen zu helfen, die heute an die Gemeinden herantreten und an die Tür des Rabbinats klopfen und um Aufnahme bitten. Die Halacha steht dem nicht im Wege, nur Unflexibilität, Mangel an gutem Willen und oft geringes Wissen vom jüdischen Gesetz. Obwohl alle Kandidaten gleich behandelt werden müssen, sollten wir den Menschen eine besondere Unterstützung anbieten, die aus ethnisch zerrissenen Verhältnissen stammen und ihre volle jüdische Identität wieder aufzubauen versuchen. Als jüdisches Volk tragen wir eine gemeinsame Verantwortung, nicht nur für die Helden, sondern auch für die Menschen, die aus der ewigen Kette des jüdischen Volkes herausgefallen sind. Ihnen zu helfen, ihren Platz im Volk Israels wieder zu finden und ihre jüdische Identität wieder zu erlangen, ist unsere Aufgabe. Auch die Menschen, die ihre jüdischen Gefährten treu begleitet haben und jetzt bereit sind den Glauben Israels mit ihnen zu teilen, sollten von uns respektiert und nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Jüdische Geschichte hat uns anhand von vielen Beispielen gezeigt, dass die Konvertiten zum großen Segen für ganz Israel geworden sind. Die Kabbalah lehrt, dass die Konvertiten eine „Neschamat Israel“, eine jüdische Seele, haben. Diejenigen, die solche Menschen respektlos behandeln, verstoßen nicht nur gegen menschliche Werte, sondern auch gegen die Kerngebote des Judentums. Der schwere Weg ins Judentum ist weder biblisch noch halachisch begründet. Die Halacha ist offen und flexibel für die Menschen, die ihre Zuflucht unter den Fittichen des Gottes Israels suchen und ernsthaft am Schicksal Israels teilhaben wollen. Unsere Pflicht ist es, solche Menschen zu unterrichten und zu unterstützen. Der Übertritt muss immer noch mit starkem Engagement und gründlichem Studium verbunden sein. Und wenn der Prozess nicht leicht ist, verlangt die Zeit von uns, ihn nicht schwerer, sondern menschlicher zu gestalten. Tausende von Menschen, die zur Rückkehr bereit sind, warten darauf, zu sehen, ob die jüdische Gemeinschaft den Mut, die Weisheit und die Empfindlichkeit besitzt, die unsere Vorfahren zu allen Zeiten gezeigt haben. Wir wissen, dass wir ihnen das bemerkenswerte Überleben unserer Tradition verdanken; die Zeit wird zeigen, ob wir würdige Nachfolger sind.

Mit diesem Beitrag aus der "Jüdischen Allgemeinen" möchte ich nur verdeutlichen, dass das Nichtmissionieren innerhalb des Judentums nicht unumstritten ist.Ich selber finde es aber gut, dass wir nicht missionieren
SOLIDARITÄT MIT ISRAEL!

Joshua ( Gast )
Beiträge:

25.02.2006 22:01
#2 RE: Missionieren antworten

Swot schrieb
________________________________________________________________
...Ich selber finde es aber gut, dass wir nicht missionieren.
________________________________________________________________

Durch Missionierung wird nicht in die Nationalität der Missioneren aufgenommen.

Missionierung heißt, wenn du über Gott redest. Über unser Schöpfer. ( Egal, wenn Seine Evolutionmehanismen die Menschen Mendelsche Regel oder anders nennen).

the swot ( Gast )
Beiträge:

25.02.2006 22:05
#3 RE: Missionieren antworten

mit Missionieren meine ich "bekehren"......
SOLIDARITÄT MIT ISRAEL!

Joshua ( Gast )
Beiträge:

25.02.2006 22:23
#4 RE: Missionieren antworten

Bekehren??? Kein Mensch in der Lage anderen zu bekehren. Nur der Mensch sich selbst zur Gott bekehrt.

Aber wann????

Wenn er über Gott hört. Genug hört. (Parallele: Genug trinkt. Genug Wärme bekommt. Er soll eine Mutter haben. Die Gemeinde.)

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 5.475

27.02.2006 20:21
#5 RE: Missionieren antworten

In Antwort auf:
Bekehren??? Kein Mensch in der Lage anderen zu bekehren. Nur der Mensch sich selbst zur Gott bekehrt.

Geniale Essenz! Wenn das alle mal erkennen würden, wäre dem Hass schon genügend Abbruch getan...Die eigens gefundene Erkenntnis ist durch nichts und niemandem außer dem inhaber selbst zu beeinflussen.
----------------------------------
In Memory of Soul-Society

De nihilo nihil (lukrez)

Joshua ( Gast )
Beiträge:

27.02.2006 22:42
#6 RE: Missionieren antworten

...Die eigens gefundene Erkenntnis ist durch nichts...

Kein Mensch ist in der Lage durch eigens gefundene Erkenntnisse zu Gott kommen. Nur durch Wort Gottes. Und wer Gottes Wort weiter leitet? Ich glaube es ist keine schwere Frage.

SnookerRI Offline

Soul-Societist


Beiträge: 5.475

27.02.2006 23:41
#7 RE: Missionieren antworten

In Antwort auf:
Kein Mensch ist in der Lage durch eigens gefundene Erkenntnisse zu Gott kommen. Nur durch Wort Gottes. Und wer Gottes Wort weiter leitet? Ich glaube es ist keine schwere Frage.

Doch, joshua, genau das ist der Punkt! Ein Wort kann noch so klar sein, wenn ein Mensch es nicht anerkennen will, so wird es ihm nicht weiterhelfen. Der Mensch muss anerkennen, dass gefasste erkenntisse immer dem Zweifel und der korrektur ausgesetzt sein müssen! Anders ist Erkenntis nunmal nicht zu greifen. Warum wohl gibt es derart unterschiedliche meinungen zur bioblischen Wahrheit?
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In Memory of Soul-Society

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freily ( Gast )
Beiträge:

28.02.2006 11:00
#8 RE: Missionieren antworten

Hallo the swot,

ja sicher. Ich kenne die Meinungen mittlerweile die so kursieren. Aber ich schreibe nur über Dinge die ich mittlerweile selber gelehrt bekam oder deren Erkenntnis mir einfach gegeben wurde, was ich dem EWIGEN G*TT Israels zuschreibe.

Ich vertrete die Ansicht, wenn dieser wunderbare HaSchem seine Gebote und deren Wirkungen so offen darlegt und dabei Menschen seinem WORT zuführt, die wie ich völlig isoliert in der "Landschaft" sitzen, dann hat dies doch eine höhere Bedeutung, als die Meinung von uns Menschen?

Ich will keinen Bekehren, das könnte ich garnicht, denn bekehren durch meine Worte, wäre ein Überreden da mitzumachen, wo das Herz des Überredeten garnicht dabei ist, dass wäre für mich missionieren.

Wenn ich also nur meine Ansicht äußere oder Auslegungen kommentiere und darauf reift in einem Selbst, sich G*TT zu nähern, dann kann dies doch nur geschehen, wenn der Segen des EWIGEN darauf ruht.
Aber dann habe ich niemanden überredet, sondern dann wächst der schriftliche Samen G*TTes aufgrund der Hingabe zu IHM in den Herzen dessen, der die Erkenntnis bekam, darüber nachzudenken und auch dann zu handeln in die richtige Richtung.

Über Themen zu diskutieren ist für mich kein Missionieren, denn ich biete weder Taufe noch Messen an, sondern ich verweise auf das geschriebene Wort und lasse jeden selber entscheiden, wie er das für sich selber umsetzt.

Im übrigen möchte ich Dich bitten, mir auf meine eMail zuschreiben, dann gebe ich Dir einen Link zu einer jüdischen Group, die ich hier nicht nennen will.

MfG.

freily®©

freily ( Gast )
Beiträge:

28.02.2006 11:10
#9 RE: Missionieren antworten

Hallo Joschua,

In Antwort auf:
Kein Mensch ist in der Lage durch eigens gefundene Erkenntnisse zu Gott kommen. Nur durch Wort Gottes. Und wer Gottes Wort weiter leitet? Ich glaube es ist keine schwere Frage.

Richtig erkannt, die Erkenntnis bekommt man nur von G*TT, nur darf man dabei nicht dem Fehler erliegen, ER setze Dich auf eine Schiene, die automatisch zu IHM führt.
Nein, ER läßt dich auch ab und zu den Irrtum begehen, damit Du später umsomehr gefestigt wirst in der wahren Lehre, denn die Anfeidungen werden mit dem näherkommendem Ziel immer mehr.
Es gibt viele Wege die nach Rom führen, sagt ein Sprichwort, aber in der Erweiterung dessen möchte ich sagen, aber tausenfach mehr Wege, die zu G*TT führen.

Nur den richtigen Weg beschreiten wollen, unterliegt deinem Willen.

MfG.


freily®©

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