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Dieses Thema hat 628 Antworten
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 Philosophie und Wissenschaft
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Reklov Offline




Beiträge: 4.128

08.07.2016 16:03
#376 RE: Das Dilemma des modernen Menschen antworten

Zitat
Falsch Reklov. Intelligente Menschen denken in Strukturbezügen und Relationen, die an keine nur "eine" Bedingung" und immer nur eine einzige Ursache gebunden sind.
Idioten können das natürlich nicht nicht nachvollziehen..

Perquestavolta,

... ach so, - Du hältst Dich also für intelligent? Entschuldige, aber das war mir so noch nicht bekannt gemacht worden!

Deine Strukturbezüge und Relationen können dennoch auf die EINE Bedingung zurück gedacht werden - ähnlich, wie ja auch unsere heutige immense Vielfalt der Tier- und Menschenformen der EINEN >Ur-Bakterie< zugesprochen wird - und zwar nicht von mir, sondern von Biologen, die ihr Fachgebiet sicher besser beherrschen, als Du oder ich. Vielleicht bist also Du der "Idiot", dem solche einfachen Einsichten nicht möglich sind. Wer andere ständig erniedrigen möchte, nur um dabei sein kleines Ego zu erhöhen, dem fallen eben seine Worte auf die eigenen Zehen zurück. (Das hältst Du aber sicher aus.)

Zitat
Aber so etwas wie "unsere Erfahrungen", die zudem schon komplett sein sollen, gibt es nicht. Idioten, die sich selber gerne als absolute Meister eines einzigen, ebenso absoluten Erkenntnisweges inszenieren, können noch nicht mal zwischen Wirklichkeit und Realität unterscheiden.

Ich meinte damit nicht die individuellen privaten Erfahrungen des Individuums, sondern die Tatsache, dass alle Wissenschaften nur Bedingungen und deren Ableitungen erkennen.
Die Wissenschaftler durchlaufen im Erkenntnisprozess einen zeitlichen Vorgang, ein psychologisches Geschehen, aber einen solchen, in dem ein zeitloser Sinn aufgefangen wird. Die Versuche, den zeitlosen Geltungssinn als wissenschaftlichen Fakt für sich zu behandeln - in formaler Logik - haben zwar ihr Recht, denn sie gewinnen formale Einsichten. Aber - sie haben Unrecht, sobald sie die Wahrheit selbst zu treffen meinen. (Vielleicht gehörst Du also zu den "Idioten", welches dies nicht einzusehen vermögen? )

Zitat
Also sind all Denkmuster, die alles auf eine einzige Ursache reduzieren "Idiotien"...

Sagt wer? Etwa der Mann aus Oberitalien? Sollte ich mich etwa dessen Meinung anschließen? Das wäre nun wirklich zuviel verlangt.

Zitat
Idioten, die sich selber gerne als absolute Meister eines einzigen, ebenso absoluten Erkenntnisweges inszenieren, können noch nicht mal zwischen Wirklichkeit und Realität unterscheiden.

Wirklichkeit hängt immer davon ab, was einer erlebt hat. Auf diese Weise schafft sich jeder seine eigene Realität!

Die Wirklichkeit oder Realität kann man von verschiedenen Standpunkten aus betrachten. So sieht auch jeder die Wirklichkeit anders, es hängt immer von der Einstellung der Person ab, was sie schon erlebt hat, was sie glaubt und vor allem, was sie fühlt. Auf diese Weise schafft sich jeder seine eigene Realität. Dies lässt sich besonders gut bei alten Menschen beobachten, wenn man ihre Lebenseinstellungen kennt. Wirklichkeit ist also immer subjektiv, eine objektive Wirklichkeit gibt es nicht. Viele Dinge halten wir für sicher, die es aber beim näheren Hinsehen gar nicht sind.
Man kann nicht einmal genau sagen, wie real die eigene subjektive Wirklichkeit ist, und so muss man sich die Frage stellen ob Alles oder zumindest ein Teil nur Illusion ist oder ob wir die Wirklichkeit nur “falsch�? wahrnehmen. Wir können auch nur vermuten, wie unsere eigene Realität aussieht.

Du lebst in Deiner Wirklichkeit - ich in der meinen. Keiner von uns ist aber deswegen ein "Idiot"!

Zitat
Wenn dem tatsächlich so wäre, dann hättest du es längst schon aufgegeben, die Welt von deinem Gottesgedanken überzeugen zu wollen.

Zeige mir eine Stelle in meinen Texten, in der ich missioniere. Ich stelle lediglich meine Meinung ins Forum. Dass Du Dich daran störst, zeigt unmissverständlich, dass Dein ehemaliger "katholischer Verein" Dir immensen Schaden zugefügt hat. Dafür kann ich aber nun am wenigsten!

Zitat
Weil es eben nur Dein eigener "Begriff" ist. Und du bildest dir ein, dass er der einzig wahre ist.

Begriffe führen stets zu den vielen Möglichkeiten des Denkens! Der Atheismus ist eine davon! -
"Einbilden" tue ich mir übrigens gar nichts, werfe auch keinem Atheisten seine "gottlose" Weltvorstellung vor, denn jeder soll es so abhandeln, wie er eben mag und kann!

Richtigkeit für absolute Gültigkeit zu halten, bedeutet aber, den Boden des Gehalts durch ausschließliche Isolierung zu verlieren und dann ins Nicht zu geraten.

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 4.128

13.07.2016 13:52
#377 RE: Basic philosophy: Idealismus und Realismus antworten

Zitat
Geht mir auch so. Gysi hat schon recht, man sollte es auf den Punkt bringen können. Sonst ist eine Verständigung und ein Austausch nicht wirklich möglich.

Alinardus,

es scheint, dass unsere, von SMS-Kurzformeln verseuchte Sprache auch nur noch solche aufzunehmen bereit ist?
Wenn die Gedanken der Philosophen in der Regel in deren Werke auf über 200 Seiten und mehr ausgebreitet werden, wie soll dann solch Komplexes auf eine Religionsforum-Kurzformel gestutzt werden können?
Man beschneidet ja z.B. auch nicht eine Symphonie von Brahms, sondern hört sich das gesamte Tonwerk an.

Dieser bequeme Wunsch, bevorzugt mit eingängigen Kurzinhalten bedient zu werden, ist auch in die Quiz-Sendungen mancher TV Sender vorgedrungen. Man prustet dort z.B. auf die Frage, wer denn die Gattin von Ludwig dem 16. gewesen war, eiligst heraus: "Marie Antoinette" - weiß aber über das Leben dieser Person dennoch recht wenig!

Nein - ich stelle mich klar vor diejenigen, welche hier im Forum ihre Gedanken und Infos auch etwas vertieft ausmalen, selbst wenn das manchen Lesemüden abschrecken mag.

Gruß von Reklov

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 628

24.08.2016 11:44
#378 Russische Philsophen: Ein paar originelle Gedanken antworten

Jedes Land, jedes Volk hat einen bestimmten Genius und seinen eigenen Zugang zur Philosophie bzw. Ausprägung derselben. Es geht hier nicht um eine Gesamtdarstellung, sondern ein Streiflicht auf die originellen Beitrag russischer Philosophen, v.a. der sogenannten Slawophilen, welche auch eine politische Richtung sind (die andere Richtung sind die "Westler"), zur Metaphysik. Viele dieser Philosophen sind ursprünglich Theologen.
Meine Stichworte, die mir einfallen, und Anmerkungen sind in eckigen Klammern.

Jewgeny Golubinsky (1834-1912, ich lasse die Vatersnamen weg) sieht die Quelle der Philosophie in der Vernunft (ratio) und ihren Ideen (etwas Ausserpersonales), und das Mittel zur Erschliessung der Ideen unter Zuhilfenahme der inneren und äusseren ERFAHRUNG. Der Verstand (intellectus) dagegen ist nur eine formelle Fähigkeit, die die Angaben der sinnlichen Eindrücke zur Einheit [in ein System] bringt.

Aber der Hauptquell aller Erkenntnis ist die OFFENBARUNG des EINEN PRINZPS(?). Die Offenbarung ist zweierlei Art: mittelbar und unmittelbar; die Philosophie darf die Grenzen der mittelbaren Offenbarung nicht überschreiten. Golubinsy zitiert Jacobi (Friedrich Heinrich, 1743 – 1812): Die Natur zeigt nur die Konsonanten; die Vokale, ohne die ihre Schriftzeichen nicht gelesen werden können, die von dem Wort [logos], das die Welt aus dem Chaos entstehen liess, finden wir im Menschen.

Golubinsky steht Kant feindselig gegenüber: Kant [der Alleszermalmer, Mendelsohn] hat alles zerstört, ohne etwas aufzubauen. Für den Slawophilen Golubinsky ist das grundlegende philosophische Problem das Verhältnis von Glaube und Wissen. Meine These (seneca) ist nun. Das, was Glaube ist, kann und muss jede/r selber definieren. Es geht mir darum, gewissermassen die Perlen aus der Erde zu grübeln. Die Herleitung von Schelling, Fichte, Hegel aus denen die russsische Philosophen geschöpft haben, lasse ich mal weg.

Iwan Kirejewsky (1806 – 1956, Begründer der "Slawophilen") stellt das abstrakt-logische Vermögen [Denkfähigkeit] dem EINHEITLICHEN DENKEN gegenüber. Die westliche Philosophie stellt, seiner Meinung nach, ein System abstrakten Denkens, ein verstandesmässiges System dar, während die östliche (russische) Philosophie auf den Grundlagen eines einheitlichen Denkens beruhen muss [wozu auch der „Glaube“ gehört]. Alle falschen Schlüsse des rationalistischen Denkens gründen sich auf seine Ansprüche auf eine höhere und vollkommene Erkenntnis der Wahrheit. „Wenn es [das Denken] seine Beschränktheit einsehen und in sich nur Mittel, wodurch 'die Wahrheit' erkannt wird, nicht aber das einzige Mittel zur Erkenntnis sehen würde, dann würde es auch seine Schlüsse als bedingt und als nur seinem beschränkten Standpunkt zugeordnet darstellen, und würde andere, höhere und wahrhaftigere Schlüsse von einer anderen, höchsten und wahrhaftigsten Art zu denken erwarten.“ Dieser höchste Quell des Wissens ist nach Meinung von K. der „Glaube“. [Damit ist meines Erachtens nicht unbedingt der religiöse Glaube gemeint]. Für die Einheitlichkeit des Verstandes ist höheres geistiges Schauen erforderlich, dass man nicht durch scheinbare Gelehrtheit erwirbt, sondern durch innere Ganzheit des Seins (was das auch heissen möge). Man muss den Verstand bis zu dem Niveau erheben, von dem aus er den Glauben verstehen kann [also nicht den Verstand reduzieren, damit man glauben kann]. K.:Der Glaube muss mit dem Verstand in Einklang sein.

Alles das ist reichlich unbestimmt, da Kirejewsky nicht klarlegt, was er unter Glaube versteht. Er neigt aber dazu, den Glauben mit dem orthodoxen gleichzusetzen.

Die Philosophie ist für Kirejewsky den Dmitri Pisarew (1840 – 1868) den russischen Don Quichotte nennt, der gemeinsame Quell und die gemeinsame Grundlage aller Wissenschaften und der Vermittler des Gedankens zwischen ihnen und dem Glauben.

Ein „rechtgläubig Glaubender“ der auf dem Weg des höheren geistigen Schauens die Ganzheit des Seins gefunden hat, sucht den wahrhaften Gottesgedanken dort, wo er auch eine ganzes und reines Leben zu finden glaubt, das ihm für die Einheitlichkeit des Verstandes bürgt. [die Theisten in diesem Forum, es sind ja wenige, sollen mal darlegen, wie sie leben]. So ist die Philosophie für K. nicht nur eine Aussöhnung zwischen Glauben und Wissen, sondern auch eine Übereinstimmung des einheitlichen Denkens mit der Praxis des Lebens.

Alles das ist sehr schön und gut, aber wie man dieses hohe Ziel erreichen kann, das zeigt K. nicht. Etwas bestimmter äussert sich Alexej Chomjakow. Auch für ihn besteht die Hauptaufgabe der Ph. In dem Ausgleich zwischen Glaube und Wissen. Er stellt wie K. das abstrakte rationalistische Erkennen dem Denken der Vernunft gegenüber. Der Fehler des rationalistischen Denkens bestehe darin, dass es die Wirklichkeit der Erkenntnis nicht umfasst: Das Erkennen enthält das „Urwesen“ (das Ding an sich?) nicht vollständig, und kann es daher um so weniger dem Wissen, wenn auch nur im Abstrakten, übergeben. Der Vernunft ist der Wille [aha: Schopenhauer!] unzugänglich, der Wille gehört dem Geist des Vergegenständlichen [Vorstellung], der Wille nimmt nie eine zu erkennende Gestalt an[?]. Der Wille, der Wirklichkeit und Wesen [das eigentliche Sein] des Menschen ist, die aber nicht vernunftgemäss erkannt werden können [das versucht aber die Metaphysik], kann durch anderer „Organe“ [z.B. die Jungsche Intuition] erkannt werden[?]. Aber DER WILLE nimmt nimmt noch eine besondere Stellung im menschlichen Geist ein, der Wille bestimmt den Unterschied zwischen dem wirklichen [an sich] und dem vorgestellten Objekt: Alles Erkennbare ist ins unserem Bewusstsein, d.h. es ist entweder eine phantastische [irreale] Vorstellung oder die wirkliche Wahrnehmung eins realen Gegenstanden [d.h. in seiner Wirkung], und in unserem Bewusstsein stellt gerade der Wille den Unterschied zwischen den phantastischen Vorstellungen [z.B. Aberglaube oder Religion] und den realen Gebilden dar. Oder, wie Chomjakow sich ausdrückt, zwischen dem, was „ich und von mir“, und dem, was „ich und nicht von mir“ ist, fest.

Ausser dem Willen, der die Erkenntnis einteilt [mit den Kantschen Kategorien] und der logischen [vernunftgemässen] Begabung oder dem Verstand, der die Beziehung [auch Unterschiede] zwischen den Objekten bestimmt und das abstrakte [allgemein gültige] Gesetz schafft, haben wir in unserer Erkenntnis ein ORGAN, das von der Wirklichkeit spricht und das Chomjaow als „Freiheit in der positiven Äusserung von Kraft“ definiert. Dieses Organ nenne Chomjakov GLAUBE [ich verstehe darunter die Grundüberzeugung des Menschen oder den Genius, wird später ausgeführt] - das unmittelbare innere Wesen [eben der Genius oder Daimon, wie Sokrates sagte. Alle grossen Philosophen sagen mehr oder weniger dasselbe, man muss nur den wahren Kern ihrer Lehren heraushören].

„Der „Glaube“ beweist weder sich selber noch seine Gesetze, er zweifelt nicht an sich, im Unausgewirkten ahnt er die Möglichkeit einer Auswirkung, und im Ausgewirkten erkennt er die Richtigkeit und Gesetzmässigkeit des Auswirkens in Bezug auf den Uranfang[?]. Er raubt der Vernunft nicht ihr Gebiet, sondern gibt ihr die Voraussetzungen [u.a. die seelische Kraft] für ihre Tätigkeit. Der Glaube ist das lebendige und unabweisbare Wissen“. So gibt der Glaube [die Grundüberzeugungen] dem Verstand einen lebendigen Inhalt, der Wille scheidet das Gebiet phantastischer Vorstellungen von dem der gegenständlichen Welt, und die Vernunft findet im Inhalt des Wissens das abstrakte Gesetz. Die einheitliche Vernunft stimmt mit den Gesetzen des Vernünftigseienden überein.

Glaube heisst hauptsächlich Entwicklung des inneren Wissens und des „geistigen Sehenkönnens“. Dem Glauben ist es gegeben, nicht nur die Ganzheit der seienden körperlichen Welt zu erkennen, sondern auch die der geistigen [logos?]. Der wahrhafte Quell des Seelenfriedens und der Erkenntnis ist die LIEBE [und der Mut, der animus und die Freude, d.h. die positive Bejahung, der amor fati etc.] Ohne Liebe [wohlwollende Offenheit] ist das Erkennen der Welt unmöglich. Der Glaube in seiner zweiten Bedeutung, d.h. in der einheitlichen Vernunft, beraubt nicht das Gebiet des Verstandes, sondern wahrt dieses durch seine Selbständigkeit und bereichert das analytische Denken mit einer unendlichen Mannigfaltigkeit von Tatsachen, die durch die INTUITION gewonnen werden [diese ist bei C.G. Jung wichtig].

Quelle:
E. von Radloff: Russische Philosophie, Ferdinand Hirt in Breslau 1925

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RELIGION IST HEILBAR! - Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).- Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer).
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 628

07.10.2016 08:55
#379 Ahtheismus-Blog über D'Holbach System der Natur wieder verfügbar antworten

Bekanntlich wurden alle Blogs bei blog.de Mitte Dezember 2015 geschlossen. So auch der motion.blog.de [motion wege dem Grundprinzip Bewegung] über die atheistische Philosophie von Baron D'Holbach (1723-1789) im "System der Natur" von 1770. Ich habe den Blog mit den kommentierten Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel copy & paste für die interessierte Fachwelt gesichert. Die Beiträge (seit 2005) sind neu bei www.blogigo.ch/holbach/ nach Durchsicht wieder verfügbar. Ich halte Holbach immer noch für aktuell. Er ist für mich ein wahrer Menschheitslehrer wie Epikur es es im Altertum war, der den Menschen die Furcht vor den Göttern nahm und einen vernünftigen Umgang mit der Natur lehrte [Von den Göttern habe wir nichts zu befürchten; von den Menschen wenig]. Er hatte einen grossen Fan im Römer Lucretius gefunden.

Holbach macht vieles klar für solche, die immer schon am Mono-Theismus zweifelten, ihre Gedanken aber nicht richtig auf die Reihe bringen konnten. So war das System der Natur von Holbach (ich lasse das adelige 'de' bei "Dolbac" zuweilen weg), für mich eine wahre Entdeckung. Er macht vieles klar über Gott, die Seele, die Willensfreiheit, das Böse etc. Das Werk ist sehr ausführlich und lehrhaft, so dass sich eine Zusammenfassung der Aussagen der einzelnen Kapitel aufdrängt. Von der Schulphilosophie wurde D'Holbach wegen seines konseuqenten Atheismus meist ignoriert oder wenn überhaupt eher herablassend behandelt. In den meisten Philosophiegeschichten wird D'Holbach nicht erwähnt. Der von mir geschätzte Schopenhauer erwäht Holbach in seinem Hauptwerk nur irgendwo am Rande, aber immerhin. Vermutlich hat er aber insgeheim viele Gedanken von Holbach übernommen, so z.B. Holbachs Kritik an Spinoza.

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Reklov Offline




Beiträge: 4.128

07.10.2016 14:33
#380 RE: Ahtheismus-Blog über D'Holbach System der Natur wieder verfügbar antworten

Zitat
Nichts ist im Verstand, was wir nicht vorher durch die Sinne, d.h. aus der materiellen Welt, erfahren haben. Es gibt keine Erkenntnis jenseits der Erfahrung (Kant).

seneca,

>> In der Philosophie Kants, die eine Synthese von Rationalismus und Empirismus bilden soll, sind strukturelle Bedingungen der erfahrbaren Welt, wie die Kategorien oder die Strukturen von Raum und Zeit, die Kant „Formen der sinnlichen Anschauung“ nennt, a priori, da sie transzendentale Bedingungen der Erfahrung überhaupt sind. Er verwendet den Ausdruck – zunächst noch im Sinn der rationalistischen Tradition – für Erkenntnisse, die auf keiner konkreten empirischen Erfahrung beruhen und daher die Form allgemeiner und notwendiger Urteile annehmen können. In Absetzung vom Rationalismus hält er aber angeborene Begriffe von Gattungen, Arten oder Individuen für unmöglich. Nicht die Strukturen der Welt selbst, sondern nur die unserer Erfahrung sind a priori. Das Erkenntnisvermögen kann a priori keine Einzelgegenstände der Welt erkennen, aber auf die in ihm selbst liegenden Voraussetzungen der Erkenntnis, die Verstandeskategorien und die Anschauungsformen zugreifen. Da dieselben Strukturen und Erkenntnisvermögen auch für die Erkenntnis a posteriori verwendet werden müssen, gelten a priori erkannte Regeln und Zusammenhänge auch für diese. Aus Kants Position folgt, dass Einzelgegenstände nur insofern erkennbar sind, als diese durch die a priori gegebenen Erkenntnisbedingungen vermittelbar sind. Wie Objekte unabhängig von dieser Vermittlung, die sog. Dinge „an sich“, beschaffen sind, ist demnach nicht erkennbar.

Eine Untersuchung, die sich auf die im Erkennen selbst liegenden Voraussetzungen und Bedingungen jeder Erkenntnis bezieht, nennt Kant transzendental. Diesen methodischen Ansatz bezeichnet er auch als Transzendentalphilosophie. Kants Theorie des a priori findet sich vor allem in seinem erkenntnistheoretischen Hauptwerk, der Kritik der reinen Vernunft und in den Prolegomena. << (Wikipedia)

Gruß von Reklov

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 628

07.10.2016 21:44
#381 Was passiert wenn du stirbst - lesenswert antworten

Ganz am Ende

Im Leben ist nur eines sicher: Der Tod. Doch was genau passiert im Körper und im Geist, wenn ein Mensch stirbt? Eine Chronik der letzten Tage.
Roland Schulz

Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber vor dem Sterben, sagt sich mancher.
Wenn es soweit ist, möchten alle schnell und schmerzlos sterben, am liebsten im Schlaf. Aber meistens ist es nicht so. Sterben fängt schon früh an, und es ist ein u.U. sehr langer und mühsamer K(r)ampf.

Meine Frage: Muss man diesen Kampf bis zum Letzten durchfechten? Oder gibt es da eine Abkürzung, wenn die Prognose "infaust", also hoffnungslos ist, und das Ende nahe bevorsteht?
Auf diese Frage gibt der Artikel von Roland Schulz keine Antwort. Er zeigt aber die einzelnen Stufen in der letzten Phase vor dem Tod auf eindrückliche Weise in der Du-Form auf mit den medizinischen Ausdrücken und der Erfahrung der Pflegenden.

http://desktop.12app.ch/articles/16482573

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seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 628

18.11.2016 20:34
#382 Die Die Wirklichkeit als persönliches subjektives Uninversum antworten

Der thread mit diesem Namen wurde geschlossen, weil perquestavolta und reklov in ein Hickhack gerieten und vom Thema davon galoppierten. Der Grundkonflikt liegt m.E. in der Geist-Philosophie. DAzu am Schluss.

Ich unterstütze das Folgende voll und ganz: Man könnte das auch unter den Titel stellen: Die Welt als Wille und Vorstellung (Schopenhauer). Der Wille ist nach Schopenhauer der in der Welt innewohnende Drang(oder Kraft oder Elan vital, Bergson etc.), der persönlich und überpersönlich ist und auch in der belebten und unbelegten Natur vorkommt. Das ist die Schopenhauersche Metaphysik. Nach ihm gibt es keine übergeordnete lenkende Kraft oder ein Ziel. Er wendet sich auch gegen die Analogie von Weltvernunft (Logos) und Menschenvernunft: Die Menschen haben eine Art Logos in sich, sonst könnten sie den Logos nich erkennen. Einen metaphysichen Logos (Stoiker) lehnt Schopenhauer ab. Das heisst aber nicht, dass es das nicht gibt! Nach Kirchhoff muss es einen logos geben, sonst könnten wir nicht kommunizieren und würde jede/r in seiner eigenen Welt leben.
Übrigens hat Schopenhauer seine Willensmetaphysik von Schelling (der verschiedene Entwicklungen durchgemacht hat) übernommen, den er als "Geist"-Philosophen ablehnt, wie Fichte ("Das Ich setzt sich selber") und sowieso Hegel ("Weltgeist"). Schopenhauer hält sich für einzigartig, was er ja auch irgendwie ist. Man sieht hier den Konflikt zwischen Geist-Philosophie und "Drang-Philsophie" ganz deutlich.
Die Vorstellung ist das je eigene persönliche Universum. Die Wahrnehmungen oder Empfindungen ("Perzeptionen") sind immer mit einem Gefühl und einem Zweckmässigkeitsgedanken verbunden.

Wenn wir Menschen von Wirklichkeit reden, dann meinen wir damit immer unsere eigene subjektive Interpretation der nur unmittelbaren Realität, die uns in ihrer in einer nur "scheinbaren" Gesamtheit durch unsere leicht zu täuschenden, weil zweckmäßig nur fokussiven Sinneswahrnehmung zugänglich ist. Unsere Wahrnehmung ist von daher stets wertend. Alles was außerhalb der wertenden Fokussierung unserer Sinne und deren Wahrnehmungsverarbeitung vor sich geht, dringt bisweilen kaum in unser Wachbewusstsein vor. Diese Brennweite unseres "Wahrnehmungswinkels" - ähnlich dem eines Kameraobjektives - hat zudem auch eine Tiefenschärfe-Begrenzung. Wir sehen und Verstehen aus der Distanz die Zusammenhänge besser, aber dafür ihre Details wesentlich schlechter und bisweilen auch überhaupt nicht. Andersherum sehen wir zwar die Bäume gut, aber den ganzen Wald nicht mehr. Quelle http://strukturwissen.de/
Es gibt keine allumfassende Wirklichkeit welche einem kausalen Ursache-Wirkungsprinzip zu Grunde liegt und für Jedermann die selbe ist.


In diesem Zusammenhang ist auch das Kantsche Ding an sich oder die Dinge an sich zu erwähnen, die wir nicht in ihrer Wirklichkeit an sich (en soi) erkennen können.
Das ist ja ein ewiges philosophisches Thema von Kant bis Sartre: wie erkennen wir die Wirklichkeit, wenn überhaupt.
Es gibt sogar solche, die soweit gehen und behaupten, es gebe keine Wirklichkeit. Wir würden diese nur konstruieren (radikaler Konstruktivismus). Aber ich halte das für übertrieben.

Nun möchte ich euch einen youtube Film empfehlen und zwar den Vortrag von Jochen Kirchhoff, der in privatem Rahmen an einem Tisch sitzt und frei und locker referiert über Schelling und Novalis - Deutsche romantische Naturphilosophie. Reklov dürfte begeister sein von Schelling.
https://www.youtube.com/watch?v=q_YNHQw9eBU
Man erfährt allerhand philosophisch Spannendes über Geist und Natur. Jede/r muss aber selber Sinn und Unsinn voneinander trennen, da wir je einzeln die Wirklichkeit interpretieren. Hier ein Zitat:
Kirchoff: Der Mensch ist in der Lage, sich über die Vernunft in die Weltvernunft einzuklinken. Daher müsse "Geist" auch in der Natur vorhanden sein.

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Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.368

21.11.2016 16:09
#383 RE: Die Die Wirklichkeit als persönliches subjektives Uninversum antworten

Die Wirklichkeit ist das persönliche Universum jedes einzelnen Lebewesens. Jedes Lebewesen lebt in seiner eigenen Wirklichkeit. Deswegen ist die "Realität" nicht das Selbe wie die Wirklichkeit und die Wirklichkeit nicht das selbe wie die Realität. Wie die Realität jeweils auf uns "wirkt", unterliegt einer umfangreichen Summe von Faktoren nach denen wir sie, die Realität, bewerten. Die Realität für sich selbst ist unparteiisch, ohne Rücksicht auf Gefühle und Emotionen. Sie kennt weder gut noch böse. Unser Streben nach emotionaler Ausgeglichenheit und einer heiteren - (sogenannten) - seelischen Zuversicht, ist die maßgebliche Kraft mit der wir unsere Wirklichkeit konstruieren und gestalten. Wolfskinder - https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfskind - beweisen, dass das menschlichen Bewusstsein nicht aus sich selbst heraus existiert, sondern ein Phänomen des Informationsflusses, in seiner intersubjektiven Wechselwirkung sozialer Beziehungen und also die Abtrennung von einer "Schwarmintelligenz". Das dem so ist, beweist auch der Umstand, dass Menschen, welche über sehr lange Zeiträume keine Sozialkontakte mit menschlichen Artgenossen haben, schwere psychische Schäden davontragen, die mitunter zu einer kompletten "Entmenschlichung" führen. Die Realität ist also unsere intersubjektive Wirklichkeit, die aber mit dem was wir als Wirklichkeit bewertennichts zu tun hat. Da diese Bewertung sogar wesentlich von unserem Hormonhaushalt abhängt. Von unserer intellektuellen und kognitiven Leistungsfähigkeit.

Einigen wir uns also drauf, das "Wirklichkeit" nicht das selbe ist wie Realität, sondern unser eigenes "Bewertungs-Unterbewusstsein".

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Nur am Glauben kannst du drehen und schrauben. bis die Wahrheit die du glauben willst, dir auch passt..

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 628

02.12.2016 19:31
#384 Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Per questa volta (sinngemäss zitiert)
Einigen wir uns darauf, dass die Wirklichkeit ist, was jede/r je für wich als wirkend erfährt, und die Realität eben objektiv (das Ding an sich) ist, wenn man so will. Meines Wissens hat nur die deutsche Sprache einen Begriff wie Wirklichkeit, neben Realität, der aus dem lateinischen kommt, weshalb die deutsche Sprache besonders geeignet sei für Philosophie, wie Sartre meinte (welche Schmeichelei).

Betrachtet man die Geschichte der sogenannten Wolfskinder, ob wirklich oder erfunden, so wird klar, dass der Mensch eben als unbeschriebene Tafel (tabula rasa) auf die Welt kommt, also keine angeborenen Ideen (z.B. von Gott) hat, wie Holbach richtig feststellte.

Der Mensch wird also gewissermassen bedroht vom Vacuum (Leere, Einsamkeit etc.) gegegen welche er ankämpfen muss. Das gehört u.a. zu seiner condition humaine. Staat von Leere sprechen gewisse Philosophen (Heidegger, Sartre) vom Nichts, was ein unverständlicher, abstrakter Begriff ist, unter dem man eben nichts vorstellen kann. So verstieg sich Heidegger zum kryptischen Satz "Das Nichts nichtet".

Vor einiger Zeit kam mir die Erkenntnis deutlich in den Sinn, welche ich hier bekannt geben will. Andere Philosophen haben wahrscheinlich Ähnliches besser gesagt. Die LEERE ist (für mich) einer der zentralen philosophischen Begriffe. Thomas von Aquin beschäftige sich mit der Frage, weshalb etwas ist und nicht vielmer nichts ist (oder so). Er beschäftigte sich bekanntlich mit Gott, mit der Bibel, aber v.a. mit Aristoteles.

Die Leere ist eigentlich das Nichts, aber ich finde den Begriff Leere verständlicher. Das Hauptwerk von Jean-Paul Sartre heisst "Das Sein und das Nichts" (L'ètre et le Néant). Es steht noch ungelesen in meinem Bücherschrank. Ich werde es demnächst lesen, wenn ich Zeit habe. Ich denke, man muss den nicht sagendenden Ausdruck Nichts durch LEERE übersetzen. Der Gegensatz zur Leere ist das Sein, womit wir bei der Ontologie wären.

Die Leere wird gefüllt mit all den Vergnügungen und Süchten. Man muss nur am Wochenende in die Ausgehmeile der Stadt gehen und kann es gut an den Menschen beobachten.

Die condition humaine (ebenfalls ein zentraler philosophischer Begriff für mich) ist, dass der Mensch ständig von der Leere bedroht ist. Er wird ungefragt in eine für ihn unbekannte Welt geworfen, die er (begrifflich) in sich aufnehmen muss. Das Wirkprinzip dazu ist der Logos, was Sprache, Sinn und vieles andere bedeutet. Deshalb ist der Mensch in der Kindheit so offen, alles ist für ihn neu, und die Jahre vergehen langsam, weil es viele Eindrücke zu verarbieten gibt (Schopenhauer). Zudem muss sich der Mensch im Leben selber er-finden, verwirklichen, zu dem was er ist oder sein soll. Das ist Existenzialismus pur, das hat aber Nietzsche schon gesagt. In der Kindheit/Jugend ist der Mensch mehr erkennend und schaffend - im Alter mehr betrachtend und reflektierend (dies nur ganz kurz aus Schopenhauer: Vom Unterschiede der Lebensalter).

Der Charakter, die Wesensart des Menschen ist nach Schopenhauer unveränderlich. Er stehe seit ca. dem 7 Jahr fest. Das habe ich immer angezweifelt bis ich bei ihm gelesen habe: Nur das Temperament verändert sich mit dem Älterwerden. Das scheint mir einleuchtend. Abgesehen davon, kann es aber Wesensveränderungen im Alter oder durch Krankheit geben (Imbezillität = Demenz).

Als (metaphysischen) Begriff möchte ich statt Gott den Daimon/Genius einführen, mit dem ich mich schon lange geistig beschäftige. Der Mensch ist nach Schopenhauer bekanntlich ein animal metaphysicum, und es kommen ihm immer solche Dinge in den Sinn, die zur Metaphysik gehören; auf persönlicher Ebene nenne ich dies Spiritualität.
Der Daimon/Genius ist der persönliche Schutz-Geist (wenn man so will) des Menschen, der ihn ein Leben lang begleitet und mit seinem Tod untergeht. Auf lateinisch heisst er Genius, womit dem Wortsinn nach ursprünglich die Zeugungskraft des Mannes gemeint ist. Das Wort Genie (Schöpfungskraft) geht auch darauf zurück. Für Sokrates ist der Daimon das Gewissen, er hält ihn von bestimmten Taten ab. Der Daimon/Genius ist aber vielmehr als das. Er ist der innere Wesenskern des Menschen, der Person, ebenso das Zentrum für Kraft und Mut. Auch Frauen haben einen Daimon/Genia. Vielleicht noch mehr als die Männer. Manchmal ist er stärker, manchmal schwächer ausgeprägt. Man könnte auch Seele (anima oder animus) sagen, aber der Begriff Seele ist m.E. vieldeutig und missverständlich da religiös besetzt. Da spukt die unsterbliche Seele hinein, was ich ablehne. Wir sind nur vorübergehend Träger eines göttlichen Funkens wenn man so will. Der grosse Irrtum, den die Theistem meines Erachtens haben, ist, dass sie ihren persönlichen Daimon/Genius mit Gott verwechseln. Gott, falls es ihn gibt, ist aber nicht erkennbar. Das Gottesbild, wir können nur von solchen sprechen, ist ein persönliches Prinzip. Alles, was wir über Gott denken oder sagen, kommt aus unserer Person, wie der grosse Atheist. Nun gibt es Schlaumeier/innen, die sagen, Gott habe ein Bedürfnis oder eine Sehnsucht nach ihm in das Herz der Menschen gepflanzt. Genausogut kann ich sagen, die Göttin Aphrodite/Venus hat ein Bedürfnis nach Liebe und Sex in mein Herz gepflanzt. Dies ist wenigstens konkret, währenddem das bei Gott abstrakt und diffus ist. Ein gedachter persönlicher Gott kann einem manches Schnippchen schlagen, weil eben eingebildet.

Nun aufgepasst, jetzt kommt wieder ein Stück von meiner persönlichen Philosophie, wobei ich nur das Sprachrohr der philosophia perennis bin, andere Philosophen haben das ähnlich oder besser schon gesagt. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Es ist schon alles mehr oder weniger klar gedacht worden, einfach in verschiedenen Zusammenhängen, denke ich.

Der Mensch wird im Wesentlichen (essenziell, d.h. im Sein) beherrscht von zwei Prinzipien, vom Logos und vom Willen oder Drang. Der Gegensatz von Logos ist nicht der Mythos, wie viele sagen, sondern eben der Drang. Über Logos habe ich schon mehrmals geschrieben. Es gibt eine ganze Logos-Lehre oder -Metaphysik (Stoiker). Logos ist die Welt- und Menschenvernunft. Zum Verständnis der Welt und des Menschen gehören die Begriffe (Sprache) und das Prinzip der Kausalität (Satz vom Grund, Schopenhauer). Die Menschen wollen alles in einem sinnvollen Zusammenhang sehen bzw. bringen.

Das andere Prinzip ist der Schopenhauersche Wille oder Drang, welchen Begriff ich besser finde, denn der Wille kann bewusst oder unbewusst sein. Er kommt in der belebten und unbelebten Natur vor. Er ist das alles beherrschende irrationale Prinzip gemäss Schopenhauer. Dem kann man zustimmen oder nicht. Ich finde es eine gute Idee (Sinnbild).

Schopenhauer ist DER Philosoph, der den Leib, den menschlichen Körper (Synonym für Leib) und insbesondere die Sexualität in der Philosophie behandelt. Für andere Philosophen ist der Mensch ein körperloses Vernunftwesen. Mit unserem Körper, den wir gleichzeitig als Subjekt und Objekt wahrnehmen, sind wir direkt mit der Welt direkt verbunden. Nur mit dem Körper via Sinne können wir die Welt wahrnehmen und begreifen. Durch den Körper und an unserem Körper können wir direkt das Schaffen und die Wirkung des schopenhauerschen Willens wahrnehmen: Die Körperfunktionen (Nahrungsaufnahme, Ausscheidung, Sexualität, Fortpflanzung) sind Objektivationen des Schopenhauerschen Willens. Das ist natürlich unwissenschaftlich, und angreifbar, eben Metaphysik.

Blickt man in die Götterwelt, so steht Apollo (das apollinische Prinzip) für Logos und Dionysos (das dionysische Prinzip), der Gott des Weines und des Rausches für den Willen bzw. Drang. Leider gibt es kein schönes griechisches Wort. Zum Drang gehört auch Aphrodie, die Göttin der Schönheit und der Geschlechtsliebe. Die körperliche Schönheit ist offenkundig ein Funktion des Sexus. Diese Götter zeigen, dass schon die sog. Alten die wesentlichen Prinzipien im Menschen erkannt haben.

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RELIGION IST HEILBAR! - Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).- Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer).
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

Reklov Offline




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02.12.2016 20:00
#385 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat
Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Es ist schon alles mehr oder weniger klar gedacht worden, einfach in verschiedenen Zusammenhängen, denke ich.

seneca,

... die wehklagende Aussage stammt vom jüd. König Salomo, der schwermütig gewesen sein soll! -

Es gibt noch sehr viel unter der Sonne zu entdecken und wir sind gerade dabei, die ersten Seiten des unbekannten kosmischen Buches aufzuschlagen! Du denkst also im Stillstand!

Gruß von Reklov

seneca Offline

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03.12.2016 13:02
#386 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

In der Nacht ist es mir der griech. Ausdruck als Pendant zum Logos eingefallen: Das andere Wirkprinzip im Menschen ist der EROS, der in einem ganz umfassenden Sinn zu verstehen ist und viel mehr bedeutet als der Sexus. Eros bedeutet Liebe und Hass als seine Umkehr, Interesse und Zuneigung zu allem Möglichen, Wissensdurst, Ästhetik, man spricht vom der Eros der Erkenntnis etc. Die energetische Komponente ist die Libido im Sinne von Jung, womit er die Lebenskraft und -freude meint. Dem zugrunde liegt der schopenhauersche Wille, das allumfassende irrationale Wirkprinzip. Der EROS steht diesem Willen näher als der Logos. Das hat auch Freud erkannt, der wie C.G. und viele andere von Schopenhauer beeinflusst wurde.

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Gysi Offline

Atheist


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03.12.2016 13:26
#387 Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Reklov
Du denkst also im Stillstand!

Für dich ist doch alles "Stillstand", was nicht zu Gott führt... Führt die Wirklichkeit nicht zu Gott, ist eben der ganze Fluss der Wirklichkeitserkenntnis Stillstand. Wenn wir Gott - mal theoretisch angenommen - erreicht haben, brauchen wir die Bewegung nicht mehr - dann ist der paradiesische Stillstand angesagt!

Du hast nicht die Wahrheit als dein Begehren. Dein Begehren ist Gott!

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SnookerRI Offline

Soul-Societist


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06.12.2016 06:52
#388 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von seneca
Die Leere wird gefüllt mit all den Vergnügungen und Süchten. Man muss nur am Wochenende in die Ausgehmeile der Stadt gehen und kann es gut an den Menschen beobachten.

Wie bewertest du diese Form der Füllung? Ist das nicht vielmehr eine Art Betäubung, um die Leere zu "vergessen"?


In Memory of Soul-Society

Wohl gibt es zwei Arten von Freunden und es sind diese: Käufliche und Unbezahlbare

Wo Wahrheit ist, ist Bescheidenheit (K.H.Deschner)

Wir wissen nur so viel, wie wir fragen (Wessel Gansfort, 1419-1489)

Reisender Offline



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06.12.2016 15:29
#389 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von SnookerRI im Beitrag #388

Zitat von seneca
Die Leere wird gefüllt mit all den Vergnügungen und Süchten. Man muss nur am Wochenende in die Ausgehmeile der Stadt gehen und kann es gut an den Menschen beobachten.
Wie bewertest du diese Form der Füllung? Ist das nicht vielmehr eine Art Betäubung, um die Leere zu "vergessen"?

Zitat von SnookerRI im Beitrag #388

Zitat von seneca
Die Leere wird gefüllt mit all den Vergnügungen und Süchten. Man muss nur am Wochenende in die Ausgehmeile der Stadt gehen und kann es gut an den Menschen beobachten.
Wie bewertest du diese Form der Füllung? Ist das nicht vielmehr eine Art Betäubung, um die Leere zu "vergessen"?



Diese Füllung bezeichnet man zu Recht als Unterhaltung, als UNTER-HALTUNG, als Halt von unten.
Wenn der längere Zeit ausbleibt, folgt der Fall nach unten, ins Bodenlose der Verzweiflung am Sinnlosen und am unvermeidlichen
Nichts des Todes. Alle Hochkulturen erkannten, nicht Brot allein braucht der Mensch, sondern Brot und Spiele, damit keine Zeit bleibt,
über das unergründliche des Seins nachzudenken.

SnookerRI Offline

Soul-Societist


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07.12.2016 06:45
#390 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Reisender
Alle Hochkulturen erkannten, nicht Brot allein braucht der Mensch, sondern Brot und Spiele, damit keine Zeit bleibt,
über das unergründliche des Seins nachzudenken.



Wahrscheinlich käme das schon eher einer Füllung der Leere gleich, vorausgesetzt die Schlussfolgerungen daraus führen nicht wieder ins Sinnlose.


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Gysi Offline

Atheist


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07.12.2016 09:02
#391  Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Reisender
Alle Hochkulturen erkannten, nicht Brot allein braucht der Mensch, sondern Brot und Spiele, damit keine Zeit bleibt,
über das unergründliche des Seins nachzudenken.

Naja. Wenn man "morgens Fischer und abends Philosoph" ist (Marx), bleiben ja immer noch ein paar Minuten Platz für den Werder-Fan, oder?

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Reklov Offline




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07.12.2016 11:39
#392 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat
Naja. Wenn man "morgens Fischer und abends Philosoph" ist (Marx), bleiben ja immer noch ein paar Minuten Platz für den Werder-Fan, oder?

Gysi,

... K.Marx war Ökonom und Wirtschaftsphilosoph, den die schreiende Ungerechtigkeit der "Gründerzeit" und die einhergehende Ausbeutung der Arbeiterklasse geradezu hervorbringen musste. - Zu transzendenten Themen äußerte er sich (meiner Meinung nach!) nicht sehr förderlich - und - wer heute Werder-Fan ist, hatte in den letzten Jahren sowieso wenig zu lachen.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


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07.12.2016 12:10
#393  Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Reklov
... K.Marx war Ökonom und Wirtschaftsphilosoph,

Marx war Philosoph. Kein Ökonom. Damit hatte er sich "nur" autodidaktisch beschäftigt.

Zitat
Zu transzendenten Themen äußerte er sich (meiner Meinung nach!) nicht sehr förderlich

Die Aussage, "Religion (sei) Opium fürs Volk", war durchaus erkenntnisfördernd! Interessiert dich wirklich ausschließlich nur die Transzendenz?

Zitat
wer heute Werder-Fan ist, hatte in den letzten Jahren sowieso wenig zu lachen.

Na und? Drehen wir eben die Tabelle, und schon sieht die Lage besser aus... Außerdem können wir uns immer noch brüsten, die Nummer 1 im Norden zu sein.

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Lukrez Offline




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07.12.2016 20:43
#394 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Fehlposting.
Habe es passend verschoben!

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Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.368

07.12.2016 21:32
#395 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Reisender im Beitrag #389
Alle Hochkulturen erkannten, nicht Brot allein braucht der Mensch, sondern Brot und Spiele, damit keine Zeit bleibt,
über das unergründliche des Seins nachzudenken.


Jetzt mal ganz im ernst, Reisender...

Was bringt es denn, über etwas Unergründliches nachzudenken? Etwas was nicht ergründlich ist, bleibt auch bei allem Nachdenken immer nur das Selbe.

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Nur am Glauben kannst du drehen und schrauben. bis die Wahrheit die du glauben willst, dir auch passt..

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 628

12.12.2016 12:21
#396 Der Mythos, die Mythen - Darstellung meiner Philosophie antworten

In meiner Metaphysik habe ich den Logos und den Eros als wirkmächtige Prinzipien im Menschen behandelt. Wichtig ist auch der Mythos, womit vereinfachend religiöse Vorstellungen gemeint sind, der als Gegensatz zum Logos angesehen wird. Diese Vorstellungen sind aber verkürzt und verkennen die Bedeutung des Mythos.

Mythos und Mythisierung ist bildintensive Sinngebung des sonst Sinnlosen. Das ist bedeutsamen für den Menschen als auch für eine Gesellschaft oder ein Land. „Ohne Mythus geht jede Cultur einer gesunden schöpferischen Naturkraft verlustig.“ (Nietsche; ich stütze mich bei meinem Text auf das sehr empfehlenswerte Buch von Rüdiger Safranski: Nietzsche - Biographie seines Denkens).

Der mythenlose Mensch der Gegenwart ist für Nietzsche ein Entwurzelter. Er sucht Halt beim Besitz, beim Konsum, bei Technik und Wissenschaft und im Archiv der Geschichte (Historismus).

Nietzsche wendet sich vom Mythos ab, weil er nicht mehr im religiösen Sinn glauben kann [Gott ist tot], andererseits der [kalten] rationalen Vernunft nicht zutraut, dem Leben Orientierung [und Kraft] geben zu können.

Was die mythenbildende Potenz des Bewusstseins stets aufs neue herausfordert, ist die Gleichgültigkeit der Welt. Man wehrt sich gegen die Vorstellung einer Welt, in der man nicht das Gefühl haben kann, irgendwie „gemeint“ zu sein. Der Mensch, der [durch den Logos], erkennt, möchte erkannt sein, nicht nur vom anderen Menschen, sondern von einem sinngesättigten Kosmos. Der Mensch, selbst der Natur zugehörig, ist durch sein Bewusstsein in Distanz zu ihr gerückt, und erwartet, dass dem eigenen Bewusstsein etwas Bewusstseinsähnliches draussen in der Natur [oder im Himmel] entspricht. Er möchte mit seinem Bewusstsein nicht allein bleiben. Er möchte, dass die Natur ihm antwortet. Mythen sind Versuche, mit der Natur [oder Welt] ins Gespräch zu kommen. In ihnen spricht sich etwas aus, und wenn es auch für Nietzsche der Schopenhauersche, unbewusste Wille ist. Nietzsche wollte das mit dem Werk von Wagner tun, wurde dann aber enttäuscht. Safranski erklärt das sehr gut, ist aber hier nicht Thema.

Bei den Mythen geht es aber nicht nur um die Natur, sondern die Menschen und ihre Geschichte/n. Nietzsche ging es um und die Entdeckung des Mythischen als einer Lebensmacht, die dem Sein die Fülle des Festlichen zurückgibt. Die wirkungsvollste Art, eine sinngesättigte Zone inmitten der Gleichgültigkeit der Natur [Welt] zu schaffen, ist die Kultur. Sie erlaubt, die Nichtgleichgültigkeit in der Begegnung mit Menschen zu erleben, in der Solidarität, im Vertrauen, aber auch in den Regeln und Institutionen, welche die sinnhaften Bezüge zwischen den Menschen organisieren. Kultur [wozu Politik, Recht, Religion, Sport Fussball etc. gehören, nicht nur bildende Kunst und Musik] ist die permanent gewordene Anstrengung, die Gleichgültigkeit der Welt wenigstens in einem inneren Bezirks wirkungsvoll zu überwinden.

Der wirkmächtigste Mythos von Deutschland bzw. im deutschen Volk (um diesen belasteten Begriff zu nennen) ist ein negativer, der ins Positive umgewendet wurde: Der Antinazismus, die gewonnene freiheitlich demokratische Grundordnung aus der totalen Zerstörung (Stunde Null, Trümmerfrauen, Wirtschaftswunder etc.) die Abkehr von der schlimmen Vergangenheit, die regiert wurde von einem bösen Dämon namens Hitler. Dieser Mythos hat den Deutschen nicht nur die politische Korrektheit in all ihren Formen sondern auch ca. 1 Million sogenannter Flüchtlinge, sprich Migranten beschert.

Ein wirkmächtiger Mythos für die Schweiz bzw. die Schweizer ist u.a. der Gotthard als Berg und Alpenübergang, als Wiege der Schweiz. Dazu gehören eine ganze Reihe von Bildern, Geschichten und Assoziationen, die ich in der Grundschule und auch sonst erfuhr oder indoktriniert wurde: Urschweiz, sprich Gründung der Eidgenossenschaft (Wilhelm Tell), Schlachtensiege der Eidgenossen, alter und neuer Eisenbahntunnel als technische Meisterleistungen; Verbindung zwischen Deutschland und Italien, die man wenn nötig kappen konnte; geistige Landesverteidigung, Alpenfestung (Reduit) etc. Man kann diese Mythen oder den Mythenkomplex als spiessig und lächerlich dekonstruieren, sie sind aber immer noch mehr oder wenig unterschwellig wirksam.

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Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

Reklov Offline




Beiträge: 4.128

12.12.2016 16:30
#397 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat
Marx war Philosoph. Kein Ökonom. Damit hatte er sich "nur" autodidaktisch beschäftigt.

Marx’ ökonomische Hauptwerke: Als erste systematische Darstellung der marxschen ökonomischen Grundgedanken erschien 1859 Zur Kritik der politischen Ökonomie, das ursprünglich als erstes Heft zur Fortsetzung bestimmt war. Doch Marx war mit der Detailausführung des Gesamtplans noch nicht zufrieden, und so begann er seine Arbeit von neuem. Erst 1867 erschien der erste der drei Bände seines Hauptwerks Das Kapital. (Internet)
Frage: Was war Marx denn Deiner Ansicht nach?

Zitat
Die Aussage, "Religion (sei) Opium fürs Volk", war durchaus erkenntnisfördernd! Interessiert dich wirklich ausschließlich nur die Transzendenz?

Solch eine Aussage ist genauso wenig erkenntnisfördernd, wie die damalige Ansicht mancher 60er Jahre-Spießer, Rock-Musik sei "Teufelszeug"!
Mich interessiert übrigens nicht nur die Transzendenz. Dies müsste aber an sich aus meinen versch. Beiträgen hervorgegangen sein.(?)

Gruß von Reklov

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.368

14.12.2016 19:41
#398 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #397

Zitat
Marx war Philosoph. Kein Ökonom. Damit hatte er sich "nur" autodidaktisch beschäftigt.
Marx’ ökonomische Hauptwerke: Als erste systematische Darstellung der marxschen ökonomischen Grundgedanken erschien 1859 Zur Kritik der politischen Ökonomie, das ursprünglich als erstes Heft zur Fortsetzung bestimmt war. Doch Marx war mit der Detailausführung des Gesamtplans noch nicht zufrieden, und so begann er seine Arbeit von neuem. Erst 1867 erschien der erste der drei Bände seines Hauptwerks Das Kapital. (Internet)
Frage: Was war Marx denn Deiner Ansicht nach?

Zitat
Die Aussage, "Religion (sei) Opium fürs Volk", war durchaus erkenntnisfördernd! Interessiert dich wirklich ausschließlich nur die Transzendenz?

Solch eine Aussage ist genauso wenig erkenntnisfördernd, wie die damalige Ansicht mancher 60er Jahre-Spießer, Rock-Musik sei "Teufelszeug"!
Mich interessiert übrigens nicht nur die Transzendenz. Dies müsste aber an sich aus meinen versch. Beiträgen hervorgegangen sein.(?)


Ich lach mich schief, Reklov..


Jetzt erklär doch mal was du unter Transzendenz verstehen willst? Kann Transzendenz irgend eine allgemeine Erkenntnis fördern? Und ist diese Erkenntnis eher dafür geeignet, Gedankenkontrolle über Dumme und Halblustige zu erlangen?

Wenn die letzten 70 Jahre deines Lebens so erfolgreich und glücklich verlaufen sind, wie du immer angibst, müsstest DU doch bei aller Transzendenz auch mal zur Erkenntnis gelangen, dass du selber derjenige bist, der am öftesten und am häufigsten mit altem Schulwissen prahlt.

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Nur am Glauben kannst du drehen und schrauben. bis die Wahrheit die du glauben willst, dir auch passt..

Reklov Offline




Beiträge: 4.128

15.12.2016 19:39
#399 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat
Ich lach mich schief, Reklov..


Jetzt erklär doch mal was du unter Transzendenz verstehen willst? Kann Transzendenz irgend eine allgemeine Erkenntnis fördern? Und ist diese Erkenntnis eher dafür geeignet, Gedankenkontrolle über Dumme und Halblustige zu erlangen?

Perquestavolta,

... Lachen ist auch das Merkmal von Kindern und Narren! (Bist Du einer?)

Transzendenz ist keine Naturwissenschaft und da gibt es auch nichts zu messen, zu addieren oder zu katalogisieren! (Leute, wie Dich, macht das natürlich ratlos und ungeduldig, im schlechtesten Falle sogar gehässig!)

Das Gottesthema entzieht sich der direkten Anschauung und einer damit verbundenen Vorstellung! (Warum glaubst Du wohl, war ich schon früh allen Dogmen gegenüber äußerst skeptisch und bin bereits als junger Mann aus der Kirche ausgetreten ?!?)
Der "Eine Gott" entzieht sich der Denkbarkeit; gedacht würde ER/ES ein Endliches unter anderem Endlichen! ER/ES entzieht sich der Vorstellung und Anschauung, denn durch sie würde ER/ES ein Sinnliches! ER/ES ist der für Gedanke und Anschauung leer werdende Punkt der Transzendenz, der Bezugspunkt von allem, was ist, der Träger, das Ziel, der Ursprung.
So bleibt ER/ES fern und ungreifbar, so fern, dass ER/ES unerreichbar scheint, so ungreifbar, dass ER/ES zu nichts verschwindet.
Versucht man von IHM zu sprechen, so sagt man, was ER/ES eben nicht ist, aber in diesem Negativsein ist ER/ES das Positivste, an das viele sich hinzugeben ohne Einschränkung bereit sind!

Die Frage ist, wie dieser ferne "Gott" in der Welt zum Sprechen kommt, - wie ER/ES zum nahen Gott wird, ja für den Frommen zum Allernächsten, Allgegenwärtigen. Es geschieht im Medium gleichnishafter Anschauung und Gedanken, in dem die Wirklichkeit bezwingend da sein kann.

Wem solche Gedankenwege zu holperig sind, der mag ja auf der breiten Straße der gesicherten Erkenntnisse gehen. Da ist er sicher besser aufgehoben.

Die falsche Antizipation des Einen Gottes in Vorstellung, Gedanke und rationaler Konsequenz der zerstörenden Tat geschieht:

1.) Wenn der Eine nicht schlechthin das Eine ist, sondern eine partikulare Persönlichkeit verpasst bekommt (eifrig, zornig, väterlich, liebend etc.).

2.) Wenn der Eine nicht über jede Einheit von Zahl, jede Kategorie von Einheit hinaus, transzendierend das Geheimnis des Einen ist, das fühlbar wird im Existieren, in der aufgabe, im geschicktlichen Ergreifen, im Denken der Welt, in der Vernunft. -

3.) Wenn die Vielfachheit der transzendenten Sprache in der Welt ausgeschlossen wird, entwertet, ausgehöhlt, wenn der Reichtum der Möglichkeiten des Menschseins und der Weltoffenbarung zum Erlöschen gebracht wird.

4.) Wenn die falsche Meinung verbreitet wird: Für uns endliche Wesen sei das Eine unmittelbar als allgemeines zugänglich; es sei gewusst als Prinzip der Deduktion von Richtigkeit und als Ursprung von Gesetzen.

(Das Thema ist aber viel zu umfangreich, um in diesem Rahmen genügend ausgeschöpft werden zu können.)

Gruß von Reklov

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.368

15.12.2016 21:19
#400 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #399

Zitat
Ich lach mich schief, Reklov..


Jetzt erklär doch mal was du unter Transzendenz verstehen willst? Kann Transzendenz irgend eine allgemeine Erkenntnis fördern? Und ist diese Erkenntnis eher dafür geeignet, Gedankenkontrolle über Dumme und Halblustige zu erlangen?
Perquestavolta,

... Lachen ist auch das Merkmal von Kindern und Narren! (Bist Du einer?)

Lachen ist gesund, Reklov. Wer nicht lachen kann, der nimmst sich selbst nur viel zu ernst. (Deswegen lassen wir deine persönlichen Anspielungen einfach mal beiseite)


Zitat von Reklov im Beitrag #399

Transzendenz ist keine Naturwissenschaft und da gibt es auch nichts zu messen, zu addieren oder zu katalogisieren!
Ich hätte mir jetzt aber eine konkrete und unmissverständliche Antwort erwartet, Reklov! Was Transzendenz nicht ist, kann ich mir auch selbst zusammenreimen.

Du weist also gar nicht was Transzendenz ist.



Die Naturwissenschaft sagt: Transzendenz ist das selbe wie "Saufen und Drogenmissbrauch"..


Nur mit dem kleinen Unterschied, dass dabei körpereigene Opiate im Spiel sind. Diese körpereigenen Opiate lösen euphorische Befindlichkeitszustände aus und können genauso genauso süchtig machen wie "chemische", von außen zugeführte Drogen, da sie genau an den selben Rezeptoren im Hirn ansetzen wie diese. https://de.wikipedia.org/wiki/Endorphine.

Diese körpereigenen Opiate haben evolutionsgeschichtlich eine wichtige Bedeutung, da sie das Leben "schmerzerträglicher" machen und unseren Vorfahren auch das Leben unter harten Umweltbedingugen welche keine Rücksicht und kein Mitleid kennen, um vieles erträglicher machten, da sie neben dem Schmerz, auch den Realitätssinn betäuben.

Damit ist aus naturwissenschaftliche Sicht eindeutig geklärt, was Gläubige mit Transzendenz meinen. Transzendenz ist die Trübung des Realitätssinnes.

Zitat von Reklov im Beitrag #399

(Leute, wie Dich, macht das natürlich ratlos und ungeduldig, im schlechtesten Falle sogar gehässig!)



Ich habe DICH gefragt, was DU mit "Transzendenz" meinst und darunter verstehst, Reklov...... Aber du weist offensichtlich gar nicht was das ist, deswegen musst du jetzt MICH rhetorisch polemisieren... um damit was zu erzielen?


Zitat von Reklov im Beitrag #399

Das Gottesthema entzieht sich der direkten Anschauung und einer damit verbundenen Vorstellung!
"Das Gottesthema" ist eine Selbsttäuschungsstrategie, die körpereigene Opiate freisetzt, Reklov. Das Gottesthema als Selbsttäuschungsstrategie, setzt körpereigene Opiate frei, welche euphorische Bewusstseinstrübungen auslösen. Das ist naturwissenschaftlich bewiesen. Das Gottesthema wird von den Gläubischen genau gleich be-argumentiert, wie von Drogensüchtigen ihre Drogensucht. Natürlich gibt es auch unter den Konsumenten harter Drogen alle möglichen Gradationsunterschiede. Solche die sich nur gelegentlich betäuben und solche, die Nachts zweimal aufstehen, um zu beten.

Das ist Transzendenz.

Zitat von Reklov im Beitrag #399

(Warum glaubst Du wohl, war ich schon früh allen Dogmen gegenüber äußerst skeptisch und bin bereits als junger Mann aus der Kirche ausgetreten ?!?)

Weil du ein pathologischer Narzisst bist, der sich selbst als Gläubiger, Pastor, Bischof und Papst seiner eigenen Gottesidee bejubeln will. Menschen die in der "Kirche" sind, sind selbst oft die größten Zweifler an den dogmatischen Glaubensauslegungen der "Obrigkeit". Man kann ein guter katholischer Atheist sein, wenn man die Mythen der Glaubenslehre
als richtungsweisende Ideale tradiert, denen sowieso nie jemand gerecht werden kann.. die aber insgesamt das Gemeinschaftswesen in der Gruppe/Sippe/Gemeinde durchaus
um einiges sozialer machen.


Zitat von Reklov im Beitrag #399

Der "Eine Gott" entzieht sich der Denkbarkeit; gedacht würde ER/ES ein Endliches unter anderem Endlichen!



Das Gefasle kennen wir bereits..und die unsinnige Logik die sich darin verbirgt, verstehen wir auch.

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dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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