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Dieses Thema hat 632 Antworten
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 Philosophie und Wissenschaft
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seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 630

20.11.2017 15:42
#426 Osiris-Antinoos: Ein römischer Kaiser gründet eine Religion antworten

In der von mir erwähnten Osiris-Ausstellung im Rietberg Museum in Zürich sah ich auch eine Statuette (ca. 50 cm hoch) eines Jünglings, mit Namen Antinoos (lat. Antinous), der quasi als Osiris-Wiederkunft oder Repräsentant verehrt wurde. Pikantes Detail: Es handelt sich um den Lover des schwulen Kaisers Hadrian, was entsprechende Kreise und andere (so auch mich) fasziniert (planetromeo.com: the magnificent love story of Hadrian and Antinous, a Roman who made his lover a god. Es gibt auch Romane etc. Mir geht es um die merkwürdige Religionsgeschichte des Osiris Antinoos. Siehe die Site
http://www.antinous.eu/antinous_de_god.htm
für Bildnisse, Statuen google: Osiris Antinoos

Der römische Kaiser Hadrian verliebte sich in den sehr schönen griechischen Jüngling, Antinoos, den er auf seinen Reisen, Empfängen etc. mitnahm, was für die grosse Liebe oder Wertschätzung spricht. Mit der Homosexualität (von Kaisern) haben weder Griechen noch Römer ein Problem; aber man zeigt das nicht so offen.
Bei einer Schifffahrt auf dem Nil 130 n.Chr. fällt Antinoos ins Wasser und ertrinkt, kann aber geborgen und bestattet werden, letztlich wahrscheinlich in Rom (extra muros). Die Umstände des Todes sind nicht bekannt. War es ein Unfall, Mord an dem kaiserlichen Günstling, oder Selbstmord (Flucht vor den sexuellen Annäherung des Gott-Kaisers) oder Selbst-Opferung, um angeblich die Lebenszeit des Kaisers zu erhöhen.

Hadrian war nach dem Verlust seines über alles geliebten Antinoos sehr traurig. Aufgrund des tragischen Todes von Antinoos war dessen Vergöttlichung quasi eine natürliche Folge. Gemäss ägyptischer Vorstellung wird jeder Verstorbene zu Osiris. Ähnlich, und zwar bewusst, wie Alexander der Grosse mit Alexandria (Serapis) gründete Hadrian aus einer nahe dem Unfallort gelegenen Siedlung die Stadt Antinoopolis, wo er streng nach ägyptischer Tradition den Osiris-Antinoos Kult mit allem Drum und Dran einsetze mit Tempeln, Priestern, Opferungen, und Sportspielen (Antinoea) zu Ehren des Stadtgottes. Das ist im sog. Antinoos-Obelisken, wo das beschrieben ist, dass Hadrian. Die Antinoos Mysterien sind innerhalb und ausserhalb Ägyptens bezeugt.

Die Antinoos-Theologie ist die letzte ägyptische Theologie. Sie beweise die schöpferische Kraft der altägyptischen Hochreligion sowie die Macht ihrer Priesterschaft bis ins 2. Jahrhundert. Grundlegende Quelle ist der besagte Antinoos Obelisk in Rom, ursprünglich ca. 18 m hoch. Nach der offiziellen Version hat Hadrian als Pharao, der er auch war mit Erlaubnis der höchsten Gottheit (deren Namen mir im Moment nicht geläufig ist) den Antinoos-Kult eingeführt, der eine gewisse Verbreitung bis nach Rom erfuhr, sich aber nicht so lange halten konnte.
Quelle (bei google books): Die Orientalischen Religionen im Römerreich: (OrRR),
herausgegeben von Maarten Jozef Vermaseren

Zusammenfassend ergeben sich aus der Gleichsetzung des Antinoos mit dem ägyptischen Gott Osiris folgende Hauptmerkmale für die neu geschaffene Gottheit: Osiris-Antinoos fungiert aufgrund seines eigenen (tragischen) Schicksals als chtonische bzw. Unterwelts-Gottheit, die den Anhängern ein Weiterleben nach dem Tod verheisst, wenn man dessen Mysterien durchlaufen hat. Hiermit verbunden ist die Funktion als Fruchtbarkeits- und Getreidegott, der im Rahmen der zyklischen Wiederkunft der Jahreszeiten, d.h. in Ägypten der Nilschwemme und Trockenheit Wohlstand und Überleben auch im Diesseits sichert. Weiter besitzt der neue Gott auch Eigenschaften eines Zivilisators (Zivilisationsbringers) , und schliesslich ist teilweise eine Annäherung an die Rolle des Pharaos feststellbar. Letztere Funktion entsprechen im Übrigen auch die grosse statutarische Darstellung des Antinoos in der typischen Pharao-Pose. Es gibt eine solche Statue in den Vatikan-Museen (google: Osiris Antinoos).
Quelle (bei google books): Religion und Erinnerung: die Religionspolitik Kaiser Hadrians und ihre Rezeption in der antiken Literatur, von Peter Kuhlmann

Zum Schluss scheint mir wichtig zu erwähnen: Der Osiris-Antinoos Kult zeigt, dass man eine Religion nicht von sich aus neu erfinden oder entwickeln kann, sondern immer auf bestimmten vorbestehenden Grundlagen, Vorstellungen aufbaut. Das gilt für den Islam ebenso wie für das Christentum.

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RELIGION IST HEILBAR! - Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).- Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer).
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

Reklov Offline




Beiträge: 4.179

21.11.2017 13:14
#427 RE: Osiris-Antinoos: Ein römischer Kaiser gründet eine Religion antworten

Zitat
Zum Schluss scheint mir wichtig zu erwähnen: Der Osiris-Antinoos Kult zeigt, dass man eine Religion nicht von sich aus neu erfinden oder entwickeln kann, sondern immer auf bestimmten vorbestehenden Grundlagen, Vorstellungen aufbaut. Das gilt für den Islam ebenso wie für das Christentum.

Seneca,

... einige Religionswissenschaftler behaupten, dass z.B. Moses, während seiner Erziehung am Hofe des Pharaos, von den damaligen Priestern viel über den Monotheismus erfahren und angenommen habe.
Die Geschichte der Menschheit ist sowohl eine Geschichte der Religionen, wie auch eine Geschichte des menschlichen Geistes, der sich in zeitgemäßen, wechselnden "Wort-Bildern" über das WOHER des Seins und Daseins in vermutender oder in dogmatischer Sprache ausgedrückt hat.

Seit der "Aufklärung" ist man vom wissenschaftlichen Denken "berauscht", vergisst aber dabei nur zu leicht, dass das WOHER von den Wissenschaften nicht untersucht werden kann, weil uns einfach zu große Zeiträume vom Anbeginn des Daseins trennen. Vom Sein will ich hier noch gar nicht sprechen! -
Die archäologischen "Spuren der Menschheit" verschwinden z.B. bereits bei der Jahresmarke 10 000 v. Chr. mehr und mehr, hinterlassen uns nur noch einzelne Artefakte, kein wirkliches Gesamtblild.
Ob aber die Erdenbewohner in 10 000 Jahren sich ein besseres Bild von unserem Heute machen werden können, bleibt als Frage zunächst auch offen?

Gruß von Reklov

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.373

04.12.2017 20:46
#428 RE: Osiris-Antinoos: Ein römischer Kaiser gründet eine Religion antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #427

Zitat
Zum Schluss scheint mir wichtig zu erwähnen: Der Osiris-Antinoos Kult zeigt, dass man eine Religion nicht von sich aus neu erfinden oder entwickeln kann, sondern immer auf bestimmten vorbestehenden Grundlagen, Vorstellungen aufbaut. Das gilt für den Islam ebenso wie für das Christentum.
Seneca,

... einige Religionswissenschaftler behaupten, dass z.B. Moses, während seiner Erziehung am Hofe des Pharaos, von den damaligen Priestern viel über den Monotheismus erfahren und angenommen habe.



Historiker und andere empirisch arbeitende Wissenschaftler behaupten, dass es diesen biblischen "Moses" gar nie gegeben hat, Reklov. Was hältst du davon?

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Nur am Glauben kannst du drehen und schrauben. bis die Wahrheit die du glauben willst, dir auch passt..

Arturos Offline



Beiträge: 291

04.12.2017 23:20
#429 RE: Osiris-Antinoos: Ein römischer Kaiser gründet eine Religion antworten

Tja, manche Menschen verwechseln die Bibel mit einem Geschichtsbuch..

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 630

08.12.2017 16:45
#430 Schopenhauer über Jesus antworten

Vielleicht als erster der europäischen Geistesgeschichte spricht Schopenhauer völlig distanziert, ohne apologetische, aufklärerische oder polemische Geste von Jesus. In dem ihm eigenen Subjektivismus verzichtet er auf jede exegetische Bemühung um den Religionsstifter, sondern unterwirft dessen Existenz völlig den Kategorien, di er in seinem Hauptwerk "die Welt als Wille und Vorstellung" entwickelt.
Gerade aber aus dieser ungewohnten, befremdlichen Perspektive ergibt sich eine interessante Sicht auf Jesus, meint Sonderfeld (s. Quelle unten).
Schopenhauer interessiert v.a. die Haltung Jesu dem Dasein gegenüber, als Moralist und Persönlichkeit, die eine Stellungnahme zum Ganzen des Lebens abgibt und einen Weg zum Heil weist, nimmt er ihn ernst.
Das in der Schau des Lebens wahrnehmbare metaphysische Letztprinizp [oder eher Erstprinizip] ist für Schopenhauer die allen Erscheinungen zugrundeliegende blinde Daseinskraft, das STREBEN, der DRANG in die Verwirklichung, die Welt als WILLE. Dieser Seinsdrang, der allem Seienden zugrunde lingt und sich z.B. in den Trieben des Leibes manifestiert, ist ziellos (ohne Endzweck) und bewusstlos, aber von ungeheurer Dynamik, nie zur Ruhe kommend und daher [neben Lust] Leiden verursachend.
Die menschlichen Individuen interpretieren ihr Wollen paradoxerweise als Ausdruck ihrer Freiheit. In Wahrheit ist ihr Eigenwille Ausdruck des ontologisch [seinsmässig] vorgelagerten Dranges, der ihren Bestrebungen zugrunde liegt. Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung sind in dieser Perspektive nur In-Dienst-genommen-Werden durch den blinden Willen. Diese Entstehung der menschlichen Individualität stellt geradezu die explosionsartige Potenzierung der Wirkkraft des absoluten Willens [d.h. des Urdrangs] dar. Die Autonomie der Individuen ist nur scheinbar, in Wahrheit steht die noch nicht durch die Erkenntnis aufgerüttelte Individualität unter dem Daseinsgesetz des Urdranges. Allein in der Kunst, im moralischen und spirituellen Verzicht auf das Streben nach Durchsetzung der eigenen Existenz und in der Daseinserkenntnis kann sich das Individuum davon emanzipieren, blosse Erscheinung des unbewussten Willens zu sein.
Der [ihm eigene] Pessimismus Schopenhauers gründet nicht nur in seinem individuellen Charakter, sondern in der [seiner] philosophischen Systematik. Dem Willen wohnt die Dynamik inne, in seiner Drangkraft immer neue und höherer Daseinsformen hervorzubringen, wodurch aber korrelativ (entsprechend) gesetzmässig auch das Leiden zunimmt. Je höher ein Wesen sich entwickelt, umso mehr nimmt die Leidensmöglichkeit und -wirklichkeit [und die Ansprüche]zu. Es ist daher kein Zufall, wenn die höchsten Individuen am meisten leiden müssen [irgendwie arrogant und sonderbar: Je du leidest, je höher bist als Individuum]. Eine so verfasste Wirklichkeit kann (muss) nach Schopenhauer nur verneint werden. Erst durch die Befreiung des Geistes und der Seele von der Herrschaft des Willens, durch die Überwindung des Strebecharakters des Lebens, durch den spirituellen Verzicht auf die eigene Individualität als Träger der anonymen Willensdynamik (das erkenne ich aber nicht so), kann Erlösung geschehen.
Die Überwindung des "principiums individuationis", wie Schopenhauer sie darstellt, kann durchaus als Charakterisierung der Daseinsweise Jesu Christi gelesen werden. Sie enthebt viele seiner Aussagen einer moralischen Verkürzung und macht sie als weisheitliche Aussagen, die auf eine der condition humaine [menschliche Daseins-Bedingung, hier der Drangunterworfenheit] gegenüber souveräne Daseinshaltung zielen, zugänglich. ...
Ob Jesus wirklich so ein Pessimist war, kann bezweifelt werden.
Übrigens: Das principium individuationis (Prinzip der Unteilbarkeit) gilt es nicht zu überwinden, sondern je persönlich auszubilden. Das ist nach C.G. Jung die Aufgabe des Menschen oder nach Nietzsche: „Werde der du bist!“.

Quelle: "Jesus bei den Philosophen: Blicke von aussen bei Kant, Hegel, Nietzsche …"
von Ulrich Sonderfeld (bei google books)




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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.667

08.12.2017 16:54
#431  Schopenhauer über Jesus antworten

Zitat von Seneca
Die menschlichen Individuen interpretieren ihr Wollen paradoxerweise als Ausdruck ihrer Freiheit. In Wahrheit ist ihr Eigenwille Ausdruck des ontologisch [seinsmässig] vorgelagerten Dranges, der ihren Bestrebungen zugrunde liegt. Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung sind in dieser Perspektive nur In-Dienst-genommen-Werden durch den blinden Willen. Diese Entstehung der menschlichen Individualität stellt geradezu die explosionsartige Potenzierung der Wirkkraft des absoluten Willens [d.h. des Urdrangs] dar.

Oh, Mann! Diese Philosophen... kann man einfacher ausdrücken: Das da oben z.B.: Der Wille ist nicht frei. Du tust das, was dein Körper will! Dann fühlst du dich gut und befriedigt. Das verwechselst du mit "Freiheit". Versteht man doch besser so, oder?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 630

14.12.2017 16:47
#432 Philosophische Methodenlehre antworten

Philosop eshie ist in erster Linie eine besondere Methode des Denkens. Die Inhalte können verschieden sein. Man sollte sich aber zuerst über die Begrifflichkeit klar werden. Man unterscheidet verschiedene Aspekte.*

Ontologie (Lehre vom Sein bzw. Seienden)
Die Welt besteht aus Dingen (Sachen, Substanzen) z.B. Berge, Pflanzen, Menschen usw.), die durch verschiedene Eigenschaften, z.B. Farben, Formen, Fähigkeiten bestimmt sind und durch mannigfaltige Relation miteinander verbunden sind.

Der allgemeine philosophische Name (Begriff) für alles, was ist oder sein kann, ist Seiendes, also Dinge, wie [ihre] Eigenschaften und [ihre] Relationen (Beziehungen).

In allem Seienden gibt es zwei Aspekte oder Momente: das, WAS es ist - also sein Wesen, seine Washeit [die Quiditas der Scholastik], sein So-Sein, seine ESSENZ -, und das Moment, welches darin besteht, DASS das [gedachte] Seiende [tatsächlich] ist - sein DASEIN, seine EXISTENZ*.

Das muss man sich vor Augen führen, wenn von Gott die Rede [Theo-Logie] ist. Aus seinem gedachten Wesen (Eigenschaften) folgen nicht automatisch seine Existenz. Eine solcher logischer Fehlschluss ist eine petitio principii (Erbitten bzw. Erschleichen des ersten Satzes): Gott ist allmächtig, allgütig etc., also existiert er. Dies wird oft nicht einmal behauptet, sondern stillschweigend vorausgesetzt, wenn von Gott die Rede ist. Es bleibt trotzdem eine petitio principii.

Quelle: I.M. Bochenski, Denkmethoden, Dalp TB 1954
Der Autor war Prof. an der (kath.) Uni Freiburg/Fribourg (CH)

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Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.373

14.12.2017 18:17
#433 RE: Philosophische Methodenlehre antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #431

Zitat von Seneca
Die menschlichen Individuen interpretieren ihr Wollen paradoxerweise als Ausdruck ihrer Freiheit. In Wahrheit ist ihr Eigenwille Ausdruck des ontologisch [seinsmässig] vorgelagerten Dranges, der ihren Bestrebungen zugrunde liegt. Selbsterhaltung und Selbstverwirklichung sind in dieser Perspektive nur In-Dienst-genommen-Werden durch den blinden Willen. Diese Entstehung der menschlichen Individualität stellt geradezu die explosionsartige Potenzierung der Wirkkraft des absoluten Willens [d.h. des Urdrangs] dar.
Oh, Mann! Diese Philosophen... kann man einfacher ausdrücken: Das da oben z.B.: Der Wille ist nicht frei. Du tust das, was dein Körper will! Dann fühlst du dich gut und befriedigt. Das verwechselst du mit "Freiheit". Versteht man doch besser so, oder?



Ja.. ich denke auch, dass wenn Jesus jemals wieder kommen sollte, dann kommt er bestimmt aus einem Wellnessclub...Er war nämlich ein Genussmensch, der sich auch mit teuersten Salben einreiben ließ und dabei kein schlechtes Gewissen zeigte, obwohl vom Erlös bestimmt ein paar Arme hätten gerettet werden können. Auch unter extremsten Bedingungen bevorzugte er Delikatessen als Nahrung. Heuschrecken in der Wüste..obwohl die da gar nicht vorkommen und also von weit her geholt werden mussten.

Er hat auch stets nur den besten Wein gesoffen.. (..siehe Weinwunder auf der Hochzeit zu Kanaan. Die hatten sogar schon mehrere Tage durch gezecht, aber Jesus tat alles, für seine gute Public Relation).... Und wenn man so schaut, was heutzutage Wunderheiler verdienen..https://motherboard.vice.com/de/article/...sund-machen-555, dann war Jesus alles andere als ein Moralist.

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Reklov Offline




Beiträge: 4.179

15.12.2017 14:05
#434 RE: Osiris-Antinoos: Ein römischer Kaiser gründet eine Religion antworten

Zitat
Historiker und andere empirisch arbeitende Wissenschaftler behaupten, dass es diesen biblischen "Moses" gar nie gegeben hat, Reklov. Was hältst du davon?

Perquestavolta,

... das ist mir bekannt - aber - es gibt ja auch Stimmen, die behaupten Jesus habe nie gelebt. -

Auch Stilunterschiede werden herangezogen, um nachzuweisen, dass der Pentateuch von mehreren Autoren geschrieben wurde. - K. A. Kitchen schreibt jedoch in seinem Buch Alter Orient und Altes Testament: „Die stilistischen Kriterien und der angenommene Modus der Komposition sind illusorisch.“ Weiter erklärt er: „Größere Stilabweichungen kommen in alten Texten, deren literarische Einheit über jeden Zweifel erhaben ist, . . . allgemein vor“.

Das Argument, die verschiedenen Namen und Titel für Gott seien ein Beweis für mehrere Autoren, ist besonders schwach. Man braucht nur eine kurze Passage des ersten Buches Mose zu betrachten, wo Gott als „der Höchste“ bezeichnet wird, als derjenige, „der Himmel und Erde hervorgebracht hat“, als „Souveräner Herr Jehova“, „Gott des Sehens“, „Gott, der Allmächtige“, „Gott“, ‘wahrer Gott’ und „Richter der ganzen Erde“ (1. Mose 14:18, 19; 15:2; 16:13; 17:1, 3, 18; 18:25). War hier an jeder Stelle ein anderer Autor am Werk? Und wie steht es mit 1. Mose 28:13, wo sowohl „Elohim“ (Gott) als auch „Jehova“ vorkommt. Haben an diesem einen Vers zwei Schreiber gearbeitet?

Wie wenig stichhaltig eine solche Argumentation ist, zeigt auch ein Blick in einen zeitgenössischen Text. In einem neueren Buch über den Zweiten Weltkrieg wird der damalige deutsche Reichskanzler auf wenigen Seiten sowohl „Führer“ als auch „Adolf Hitler“ oder einfach nur „Hitler“ genannt. Würde es wohl jemand wagen, das als Beweis für drei verschiedene Autoren zu werten?

Trotz alledem verbreiten sich Varianten von Wellhausens Theorien nach wie vor. Darunter ist zum Beispiel eine Theorie von zwei Gelehrten, die sich mit dem Autor J befassten. Die beiden bestreiten nicht nur, dass es sich dabei um Moses handelte, sondern vermuten sogar, dass „J eine Frau war“. (Quelle Internet)

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 4.179

15.12.2017 14:35
#435 RE: Philosophische Methodenlehre antworten

Zitat
Er war nämlich ein Genussmensch, der sich auch mit teuersten Salben einreiben ließ und dabei kein schlechtes Gewissen zeigte, obwohl vom Erlös bestimmt ein paar Arme hätten gerettet werden können.

Perquestavolta,

... das Einreiben des Haares mit teurem Öl war ein antikes Statussymbol der Reichen und Mächtigen. Die "Geschichte dieser Szene" sollte wohl mehr das symbolisieren, was dem Mann aus Nazareth zugesprochen wurde: Das Königtum über die ganze Welt und nicht nur über die Erde.

Zitat
Auch unter extremsten Bedingungen bevorzugte er Delikatessen als Nahrung. Heuschrecken in der Wüste..obwohl die da gar nicht vorkommen und also von weit her geholt werden mussten.

Wanderheuschrecken leben normalerweise in den sehr heißen Trockengebieten Afrikas, Australiens, Amerikas und in Teilen Asiens. Also bitte, erst kundig machen und dann schreiben. (Das sage ich Dir, weil Du ja gerne anderen usern oberflächliche Unkenntnis vorzuwerfen pflegst.)

Zitat
Er hat auch stets nur den besten Wein gesoffen.. (..siehe Weinwunder auf der Hochzeit zu Kanaan.)

Der nachgefüllte Wein, über dessen Qualität Du hier und heute nun aber auch rein gar nichts aussagen kannst, mag während der Hochzeit zu Kanaan u.U. gar kein "Qualitätswein" gewesen sein!?!? - Ein Historiker schrieb dazu, dass es sich hier durchaus um mit Wasser verdünnten Wein gehandelt haben könnte. Er vermutete, dass man also Wasser in die nicht völlig leeren Weinschläuche nachgefüllt haben könnte und somit eine Art WEINSCHORLE (z.B. 60% Wasser und 40% Wein) hervor"zauberte". In leicht angeheitertem Zustand, während einer langen Hochzeitsfeier, fiel das wohl auch nicht mehr groß auf.

Zitat
dann war Jesus alles andere als ein Moralist.

Was auch immer er war - durch ihn kam eine völlig neue Sicht auf den Begriff "Gott", auch die Idee der Barmherzigkeit und der Gnade, in unsere Welt. - Was aber ist durch Dich in die Welt gekommen und wer wird von Dir nach 2000 Jahren noch reden?

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 4.179

15.12.2017 14:53
#436 RE: Schopenhauer über Jesus antworten

Zitat
Oh, Mann! Diese Philosophen... kann man einfacher ausdrücken: Das da oben z.B.: Der Wille ist nicht frei. Du tust das, was dein Körper will! Dann fühlst du dich gut und befriedigt. Das verwechselst du mit "Freiheit". Versteht man doch besser so, oder?

Gyso,

... man könnte hierzu auch erwidern: "... oh Mann, diese im Lesen philosophischer Texte ungeübten Leser!" - Sprache hat auch etwas mit Sprachkunst zu tun. Es ist nun mal auch der Sprachstil, der den Autor auszeichnet und hervorhebt. - Ähnlich ist es in der Musik: Nur wegen der vielen "Laien" wird man sich hüten, in den Kompositionen der großen Meister die komplizierten Notenfolgen zu vereinfachen, nur damit sie jedermann auf der Straße locker nachpfeifen kann.
Pfusche also besser nicht im "Originalton" von anderen herum, denn Dir würde das ja auch nicht behagen.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.667

15.12.2017 15:10
#437  Schopenhauer über Jesus antworten

Zitat von Reklov
Pfusche also besser nicht im "Originalton" von anderen herum, denn Dir würde das ja auch nicht behagen.

Mein Ziel ist es, verstanden zu werden und zu verstehen! Wenn Großdenker sich von der Volksbasis entfernt haben (oder schon immer waren), schlägt das u.a. in einer entsprechend gehobenen Sprache nieder. Unter den katholischen Klerikern war es lange Zeit so, dass sie lieber unter sich blieben, indem sie sich lateinisch verständigten. Als I. Kant seine "Kritik der reinen Vernunft" herausgab, wurde er von etlichen Kollegen wegen seiner "schweren Verständlichkeit" kritisiert. Er verteidigte sich mit dem Hinweis, dass das eben auch starker Tobak sei... Aber seine "Kritik der praktischen Vernunft" war dann deutlich verdaulicher formuliert... Fazit: Ein wenig mehr Kommunikation mit der potenziellen Leserschaft kann nie schaden. Und auch der Großdenker ist nicht unkritisierbar. Er ist ein Mensch, der ggf. seinen eigenen Eitelkeitsaffekten und Wahrnehmungsbeschränkungen erliegt, wie du und ich auch! "Come together!" "A million heads are better than one!" (John Lennon) Der Dialog ist eben eine bessere Kommunikationsform als die Predigt!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 4.179

18.12.2017 13:06
#438 RE: Schopenhauer über Jesus antworten

Zitat
Mein Ziel ist es, verstanden zu werden und zu verstehen!

Gysi,

das ist zu akzeptieren, ähnelt aber den Zielen von Schlagerproduzenten, die "Verständliches" auf Tonträger pressen, um damit die Geldbeutel von möglichst viele Kunden anzusprechen. Das daraus resultierende Musik-Ergebnis ist ja von jedem Verständigen zu "hören". - Ein Philosoph hat aber andere Ziele und Aufgaben. In manchen Fällen muss und darf er die Grenzen der Sprache berühren, um u.a. auch die Grenzen menschlichen Denkens in Worten bewusst zu machen. - E.Kants "Praktische Kritik der Vernunft" beschäftigt sich auch mehr mit dem Alltäglichen des Menschenlebens und benützt deswegen auch eine "zugänglichere" Ausdrucksweise.

Zitat
Unter den katholischen Klerikern war es lange Zeit so, dass sie lieber unter sich blieben, indem sie sich lateinisch verständigten.

Ich weiß, aber in diesem Fall wurde die lat. Sprache bewusst als Abgrenzung zum ungebildeten Volk (in der Mehrzahl Analphabeten!) und vor allem als Tarnung von relig. Scheinwissen benutzt. Hat aber nicht lange funktioniert, denn mit der Einführung der Schulpflicht entwickelte sich eine Bürgerschaft, die nun auch "logisch" dagegen halten konnte.

Zitat
Der Dialog ist eben eine bessere Kommunikationsform als die Predigt!

Kommt aber immer darauf an, wer sich mit wem unterhält. - Leider bleiben die üblichen Dialoge gerne in Urlaubsschilderungen, der Arbeitswelt, der Familie, dem Austausch von Rezepten, TV, Kino, Sport, Hobby (etc.) hängen.

Ich konnte z.B. aus manchem kleinen Fachbuch weit mehr herausziehen, als aus vielen belanglosen Dialogen, wie sie der Alltag meistens so hergibt/anbietet. Besonders bedenklich ist die schleichende Verarmung der Sprache, seit über die unzähligen Smartphones nur noch Wort-Telegramme mit meist belanglosen Bilder verschickt werden. Nicht selten verschicken z.B. manche einen Schnappschuss ihres Restaurant-Gedecks und schreiben dazu: "Wir sind gerade beim Griechen - lecker!" Jetzt zur Weihnachtszeit sind Bilder von leuchtenden Weihnachtsbäumen in Wohnzimmern die Lieblingsmotive, welche oft, sogar ohne jedes Wort, verschickt werden.

Zitat
"A million heads are better than one!"

Kommt immer darauf an, mit welchem Bewusstsein diese Köpfe-Million ausgestattet ist!? - Wie heißt es doch so makaber: >> Leute, esst mehr Scheiße, denn millionen Fliegen können nicht irren. <<

Manche Predigt, wie z.B. die kurze >Bergpredigt< des Neuen Testaments, hat weitaus mehr Inhalt anzubieten, als eine "Stammtischrunde" in einem Jahr an "sinnvollen" Wortgebilden zusammenbringen kann.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.667

18.12.2017 15:32
#439  Gelehrtenschwurbelei antworten

Zitat von Reklov
das ist zu akzeptieren, ähnelt aber den Zielen von Schlagerproduzenten, die "Verständliches" auf Tonträger pressen, um damit die Geldbeutel von möglichst viele Kunden anzusprechen.

Naja. Die Masse ist also doof, und die Elite (der man selber sich selbstverständlich als zugehörig wähnt...) hat die Schlauen, die Guten, die Fähigen... Besonders demokratisch ist dieser Dünkel aber nicht...

Zitat
Ein Philosoph hat aber andere Ziele und Aufgaben. In manchen Fällen muss und darf er die Grenzen der Sprache berühren, um u.a. auch die Grenzen menschlichen Denkens in Worten bewusst zu machen.

Neues Denken erfordert oft neue Worte. Aber bei allem geht es um die VERMITTLUNG zwischen den potenziellen Lesern und dem Autoren. Ich sehe dabei, dass sich viele darum bemühen, lieber in ihrer Community zu bleiben. Wie damals der katholische Klerus auch. Und da kommt mir oft die Ahnung hoch, dass sie das tun, um vor dem Pleb ein wenig ihre Dürftigkeit zu verstecken - oder um sich gehörig aufzublasen. Man ist eben ein Philosoph! Und das ist doch was... Etlichen Philosophen schien (und scheint) die gängigere Sprache schwerer als die Gelehrtenschwurbelei zu fallen... Wir brauchen keine Entfremdung zwischen Hochgeist und Pleb. Eine AUFHEBUNG dieser stünde der menschlichen GEMEINSCHAFT besser zu Gesicht...

Die Menschen schaffen sich gerne Götter und Halbgötter. Die denken und schaffen alles für dich. Da kann man seinem eigenen Verstand ja ruhig vom Nichtstun den wohlverdienten Urlaub gönnen... Aber sich diese Götter und Halbgötter zu schaffen, ist den Menschen selten gut bekommen...

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seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 630

18.12.2017 17:43
#440 Jesus liess sich von reichen Frauen aushalten antworten

Zitat: Evangelium Lukas 8.3:
Und es begab sich darnach, daß er reiste durch Städte und Dörfer und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die zwölf mit ihm, Lukas 8.1. 12521.) und Johanna, das Weib Chusas, des Pflegers des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihm Handreichung taten von ihrer Habe (Lukas 8.3).

Was so unverdächtigt und verschämt daherkommt (Handreichungen von ihrer Habe) ist nichts anderes als die Tatsache, dass sich Jesus (und sein Gefolge) von reichen Frauen aushalten liess (und vielleicht mit ihnen ins Bett gingen).

Siehe das Buch von Hans Conrad Zander (ehem. Mönch und studierter Theologe): “Warum ich Jesus nicht leiden kann

Als Exeget hat Zander sorgfältig gearbeitet. An einer Stelle sieht seine Verachtung genauer hin als der Respekt von Theologenkommissionen: »Das Ungeheuerliche mittendrin bei Lukas« (67) gibt er so wieder: »... und noch viele [namentlich genannte] andere Frauen, die mit ihrem Vermögen für ihn sorgten« (8,3). Einheitsübersetzung wie griechisches NT entscheiden sich, mit vielen alten Handschriften, hier für den Plural: Mit ihrem Vermögen dienten die Frauen ihnen (Jesus und den Jüngern), während andere Handschriften ihm haben. Nach den Regeln der exegetischen Kunst scheint ihm aber die anstößigere, d.h. vermutlich echte Lesart; hätte es ursprünglich ihnen geheißen, wäre kein Antrieb zur Korrektur dagewesen (von Jürgen Kuhlmann, http://www.stereo-denken.de/zander.htm)

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seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 630

30.12.2017 23:15
#441 "Gott" als Strukturtheorie? antworten

Habe den Post 2233 von Reklov im thread “Hat 'Gott' ein Bewusstsein” genauer angesehen und möchte meinen Kommentar dazu abgeben:

Es ist keinesfalls unsinnig, "Gott" als WIRKGRÖßE im Rahmen einer neuen Strukturtheorie in der Welt der Physik neu anzudenken, natürlich in vollkommen anderer Sprachform, als es die alten Religionsbücher vermochten.
- Dazu seneca: Alles, was wirkt, kommt aus der materiellen Welt, die als vorbestehend anzunehmen ist. Das muss man sich mal klar werden; und es ist klar, wenn man Holbachs System der Natur gelesen hat. Man kann eine übernatürliche/immaterielle Ursache allenfalls nur ganz am Anfang annehmen. Jeder ist frei, das zu tun, aber das ist esoterische Spekulation, für die es keine überzeugenden Beweise gibt, und damit völlig unwissenschaftlich. Das Wort Physik (vereinfacht Lehre von der Materie und ihrer Wirkungsweise) ist hier fehl am Platz. Daran ändert nichts, dass gewisse Physiker grosse Esoteriker sind, z.B. Max Planck. Wenn er spekuliert, macht er dies nicht als Physiker sondern als animal metaphysicum, was ja die Menschen nach Schopenhauer sind.

Für mich offenbart "Gott" die unverfälschte Matrix - das Urwort, - womit alle Wirkgrößen des Universums auf einige quantisierte Elementarstrukturen zurückgeführt werden können. Zentrale Fragen der physikalischen Grundlagenforschung können dadurch beantwortet werden, wie z.B. die Herkunft und die eigenschaften der dunklen Energie, der dunklen Materie und der Gravitation. In einem Kosmos der kontinuierlichen Schöpfung und Evolution, von dem wir erst einen Bruchteil erkannt haben, erweist sich für mich das Wort "Gott" als Quelle aller Energie und allen Seins.
Seneca: Wenn wir eine wie auch immer geartete Matrix (z.B. die Zahlenreihe im gleichnamigen Film) annehmen, nehmen wir eine (geistige) Parallelwelt neben der realen, wirklichen Welt an. Das ist kruder Dualismus. Was heisst quantisiert? Gemeint ist wohl quantifiziert, d.h. Menge, sprich messen und wägen. Das ist Wissenschaft. Aber “Gott” ist eine Scheinerklärung. Gott in der Wissenschaft wurde seit Bacon (Bacco de Verulam) aus der Wissenschaft verabschiedet.

Als "Gott" stelle ich mir einen Ozean vor, aus dem Bewusstsein, Energie, Liebe und Information hervorgeht und aus dem alle raumzeitlichen und zeitlosen Strukturen und die darin enthaltenen Energien entstehen.
Seneca: Der Ozean, aus dem alles fliesst. Das ist die (schöne) Emanationslehre von Plotin (205-270): Alles fliesst von oben herab aus dem höchsten Einen (summum unum) bis ins letzte Detail. Plotin verwendet wenigstens nicht den höchst problematischen Begriff “Gott” (was man nicht begreifen kann), bei dem man sich unwillkürlich fast immer ein männliches Wesen, eine Art Vatergestalt vorstellt. Plotin zeigt auch: Alles ist schon gedacht worden, viel besser und stimmiger, in Anbetracht des damaligen beschränkten Wissens.

Daraus [aus “Gott”] kann einer auch ein tieferes Verständnis der Lebensprozesse in biologischen Organismen, der Evolution des Lebens, der Natur der Psyche und des Bewusstseins des Menschen, der Struktur der menschlichen Seele und des Geistes sowie des verhältnisses des Menschen zu Gott gewonnen werden.
- Seneca: Mit dem göttlichen Funken, der in jedem Menschen vorhanden sein soll, kann man ein wohliges Gefühl erzeugen. Mit der Einführung des Un-Begriffes “Gott” ist keine Erkenntnis gewonnen.

[Im folgenden Abschnitt Kommentar in eckigen Klammern]
Die bisher nur in Religionen und Weisheitslehren beschriebenen unterschiedlichen Daseinsbereiche, wie Diesseits und Jenseits, sowie der Himmel, mit all ihren spezifischen Eigenheiten können nun als Partialstrukturen mit physikalischer Evidenz [= Beweis, grosses FRAGEZEICHEN] beschrieben werden. Essenzielle Aussagen der Religionen und Weisheitslehren könnten - wenn sich einer nicht davor scheut - mit den Ergebnissen der modernen Physik zu einem neuen einheitlichen Ganzen verschmelzen [das ist nur als esoterische Spekulation möglich]. Bei allem Forschen und Deuten geht es ja um die Fragen: Woher kommen wir und was ist der Sinn der menschlichen Existenz [das kann nur jede/r für sich - zeitweise - beantworten]. Dogmatische Religionen vermochten dies bisher nicht zufriedenstellend zu beantworten [das ist klar, weil immer ein gewisses Opfer des Verstandes, ein sacrificium intellectus, nötig war]. Schließlich beginnt man zu ahnen, dass der Mensch in seiner gegenwärtigen physisch sterblichen Form erst einen Teil seines Entwicklungspotentials ausgeschöpft und verwirklicht hat. [Das mit dem unausgeschöpften Potential ist Propaganda und erinnert an Scientology: Man muss sich nur clearen und dann funktionierts mit dem Potential].

Der bereits in der Antike vermutete Aufbau der Materie aus Teilchen wurde durch die moderne Physik des 20. Jahrhunderts bestätigt. Die Physiker entdeckten, dass alle in der Natur vorkommenden Kräfte auf wenige Wechselwirkungen zwischen Elementarteilchen zurückgeführt werden können.
- Seneca: Das sind, einfach gesprochen, die Gesetze von Anziehung und Abstossung, Vermischung und Trennung der Atome (s. D’Holbach, System der Natur). Die Atomisten (vorsokratische Naturphilosophen) des Altertums verstanden sich v.a. als Materialisten und folglich Atheisten. Jede Erscheinung, jede Empfindung wird durch Atome = Materieteile hervorgerufen. Die Materie (der “Mutter”-Stoff) hat die immanente Potentialität, alle Erscheinungen hervorzubringen. Statt von Materie kann man auch von Natur (griech. Physis) sprechen. Die Wissenschaft kann nur beschreiben, messen und wägen, was ist und wie es funktioniert. Sie will aber auch nicht mehr, ausser gewisse Physiker, die sich in die Metaphysik verirren. Weshalb etwas ist, und weshalb es gerade so ist, das kann nur die Metaphysik versuchen zu erklären, aber die ist eben unwissenschaftlich. Aber dann soll man sagen, was es ist, nämlich Spekulation.

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RELIGION IST HEILBAR! - Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).- Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer).
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

SOL demiurg Offline




Beiträge: 733

31.12.2017 14:27
#442 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Warum ist die spirituelle Form der Erkenntnis unwichtig?

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.373

31.12.2017 14:46
#443 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von SOL demiurg im Beitrag #442
Warum ist die spirituelle Form der Erkenntnis unwichtig?


Weil die WICHTigkeit immer nur höchst persönlicher Natur ist. Was für dich spirtuell wichtig ist, stößt bei manch anderem halt auf Ablehnung. Und es gibt dafür erstaunlich logische Erklärungen aus der Psychiatrie, der Sozialwissenschaft, der Hirnforschung und der Wissenschaftsphilosophie.

Der Begriff "Spirituell" ist zudem auch auf jede geistige Arbeit anwendbar, ohne dass der Arbeiter deswegen an übernatürliche Geister glauben muss.

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Nur am Glauben kannst du drehen und schrauben. bis die Wahrheit die du glauben willst, dir auch passt..

SOL demiurg Offline




Beiträge: 733

31.12.2017 15:15
#444 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Perquestavolta im Beitrag #443
Zitat von SOL demiurg im Beitrag #442
Warum ist die spirituelle Form der Erkenntnis unwichtig?


Weil die WICHTigkeit immer nur höchst persönlicher Natur ist.

Wie "wichtig" ist dir diese Aussage?

Reklov Offline




Beiträge: 4.179

31.12.2017 15:19
#445 RE: Gelehrtenschwurbelei antworten

Zitat
Naja. Die Masse ist also doof, und die Elite (der man selber sich selbstverständlich als zugehörig wähnt...) hat die Schlauen, die Guten, die Fähigen... Besonders demokratisch ist dieser Dünkel aber nicht...

Gysi,

... keinesfalls ist die Masse "doof", - aber, als ich mal in Österreich die akribisch ausgeführte techn. Hand-Zeichnung einer Radaufhängung (mit Zahlen und Formeln) von F. Porsche sah, wusste ich, dass so etwas eben nicht jeder anfertigen, geschweige denn tief verstehen kann. - Bei den handschriftlichen Noten-Entwürfen großer Komponisten entsteht bei mir ein ähnliches Gefühl. - Herausragende Leistungen werden oft von Einzelnen vollbracht und die Masse profitiert davon. Die Schlauen sind aber nicht immer auch die Guten. Das solltest Du im Kopf schon noch trennen können.

Zitat
Man ist eben ein Philosoph! Und das ist doch was... Etlichen Philosophen schien (und scheint) die gängigere Sprache schwerer als die Gelehrtenschwurbelei zu fallen... Wir brauchen keine Entfremdung zwischen Hochgeist und Pleb. Eine AUFHEBUNG dieser stünde der menschlichen GEMEINSCHAFT besser zu Gesicht...

Da denke ich anders. - Gelehrsamkeit ist oft nur über ein Fachstudium zu erreichen. Der Laie kann hier nun mal, so gerne er es auch möchte, nicht auf allen Stufen mitreden, sondern lediglich die Ergebnisse der Gelehrsamkeit bewundern oder von ihnen seinen Nutzen beziehen. Anders gesagt: Die Masse stuert zwar ein Auto, aber eines zu bauen, erfordert nun mal ein besonderes Spezialistentum. - So wird sich die philosophische Sprache auch stets vom Sprachstil der "Volksweisheiten" unterscheiden, denn sie versucht, ganz andere "Schwingungen" in unser Bewusstsein zu übertragen, muss auch die unterschiedlichsten Aspekte eines Themas detaillierter ausleuchten, als es der Volksmund vermag.

Man braucht z.B. nur auf die "Volksmusik" zu hören, dann weiß man, dass ihre einfach strukturierten Liederformen (meistens nur 3-4 Akkorde) zwar eine gesellige Stimmung verbreiten, oft auch recht nett klingen, aber mit den Werken der großen "Meister" eben nicht mithalten können.

Zitat
Die Menschen schaffen sich gerne Götter und Halbgötter. Die denken und schaffen alles für dich. Da kann man seinem eigenen Verstand ja ruhig vom Nichtstun den wohlverdienten Urlaub gönnen.

Wieso denn das? - Solches verlangt ja keiner von Dir. Im Gegenteil - solche "Vorgaben" sind lediglich als Aufforderung zu einer weiterführenden Kritik zu verwenden - und zwar zu einer, die das Bewusstsein der anderen förderlich voranbringen kann. Mit Negationen allein ist aber auch noch nichts erreicht - denn man kann damit lediglich in der "Meckerecke" landen.

Zitat
Aber sich diese Götter und Halbgötter zu schaffen, ist den Menschen selten gut bekommen...

Wer Götter oder Halbgötter "schafft", rührt an einer sehr empfindlichen Stelle unseres Denkens - nämlich dem Versuch, der WAHRHEIT näher zu kommen.

Hierzu will ich nur Stichworte anführen, welche dieses "streitbare" Thema vertiefen und auf diese Weise ganze Bibliotheken füllen:


Wahrsein - die Frage, was Wahrheit ist.

Die Bewegung des Suchens als Wahrheit in der Zeit.

Die Aufgabe der philosophischen Logik.

Wissenschaftliche Wahrheit.

Der mehrfache Ursprung der Wahrheit.

Erhellung der Wahrheit in den Weisen des Sinns von Wahrsein.

Wahrheit als Offenbarwerden.

Denken, Bewusstsein überhaupt als Wahrheit der Welt.

Wahrheit in der Transzendenz.

Wahrheit ist Liebe.

Wahrheit ist Gott.

Substanz der Wahrheit.

Wahrheit und Falschheit - die Grenzfrage.

Wille zur Wahrheit.

Gefahr der Wahrheit.

Pathos der Wahrheit.

Einheit der Wahrheit.

Wahrheit im Durchbruch.

Wahrheit gegen Wahrheit.

Bindung der Wahrheit an Kommunikation.

Scheitern jeder Gestalt der Wahrheit in der Welt.

Liebe als Ursprung des Erblickens von Wahrheit.



Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 4.179

31.12.2017 15:40
#446 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat
Der Begriff "Spirituell" ist zudem auch auf jede geistige Arbeit anwendbar, ohne dass der Arbeiter deswegen an übernatürliche Geister glauben muss.

Perquestavolta,

... es kann keine "übernatürlichen" Geister geben - höchstens in das Sein eingebundene Wesen, die unsere begrenzten Sinnesorgane eben nicht erfassen können.
Ein Hund kann z.B. Frequenzen hören, die uns nicht zugänglich sind.

"Spirituell" kann keinesfalls auf "jede geistige Arbeit" angewendet werden. - Ich war während meines Berufslebens auch mal durch die Konstruktionsabteilung einer großen süddeutschen Waffenschmiede geführt worden. Dort saßen Techniker und Ingenieure, die sich den ganzen Tag "geistig" nur mit Verbesserungen von Pistolen, Maschinengewehren, Bordkanonen (etc.) beschäftigten. - Man merkt an Deiner Bemerkung, dass Du (noch) zu stumpf bist, um zu erfassen, was denn eigentlich im Wort "spirituell" an-und mitklingt.

Gruß von Reklov

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.373

31.12.2017 16:44
#447 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von SOL demiurg im Beitrag #444
Zitat von Perquestavolta im Beitrag #443
Zitat von SOL demiurg im Beitrag #442
Warum ist die spirituelle Form der Erkenntnis unwichtig?


Weil die WICHTigkeit immer nur höchst persönlicher Natur ist.

Wie "wichtig" ist dir diese Aussage?


Ich empfehle dir dieses Büchlein https://www.piper.de/uploads/import/prod...rodukt-7908.jpg vom deutschen Gegenwarts-Philosopen Michael Schmidt Salomon durch zu lesen, dann kannst du dir selbst eine genau Vorstellung davon machen.

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Nur am Glauben kannst du drehen und schrauben. bis die Wahrheit die du glauben willst, dir auch passt..

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.373

31.12.2017 17:25
#448 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #446

Zitat
Der Begriff "Spirituell" ist zudem auch auf jede geistige Arbeit anwendbar, ohne dass der Arbeiter deswegen an übernatürliche Geister glauben muss.
Perquestavolta,

... es kann keine "übernatürlichen" Geister geben - höchstens in das Sein eingebundene Wesen, die unsere begrenzten Sinnesorgane eben nicht erfassen können.
Ein Hund kann z.B. Frequenzen hören, die uns nicht zugänglich sind.

Wir können Ultraschall und Infraschall sehr gut hörbar machen. Es handelt sich auch hierbei nur um mechanische Schwingungen, die über ein Übertragunsgsmedium wie Luft oder Wasser an mechanische Resonanzrezeptoren übertragen werden und von diesen in elektrische Reize umgewandelt werden, welche im Gehirn die Simulation eines Klang-Schall-Erlebenisses hervorrufen. Hätten unsere Ohren einige Resonanz-Härchen mehr, die jeweils ein paar Zehntel Millimeter kürzer wären als unsere jetzigen kürzesten, könnten wir auch mühelos Ultraschall wahrnehmen.. wie auch andersherum Infraschall, wenn wir noch ein paar Resonanz-Reszeptoren mehr im Ohr hätten, die um ein paar Zehntel länger wären, als unseres derzeit längsten. Für uns in unserer Überlebensnische ist es viel vorteilhafter das gesamte Frequenzspektrum der menschlichen Stimme besonders gut wahrzunehmen. Das ermöglicht es uns, bei der Futtersuche das Erfahrungswissen anderer Artgenossen nutzen zu können, ohne dabei selber besondere Risiken einzugehen... Und für alle die es noch nicht wussten... Vögel können sogar Magnetfelder "sehen"...


Zitat von Reklov im Beitrag #446

"Spirituell" kann keinesfalls auf "jede geistige Arbeit" angewendet werden.
_Das kannst und darfst du für dich selber halten wie du willst und meinst.

Besonders spirituelle "Vollpfosten" die meinen, dass der Begriff Spiritualität nur mit den ihren "eigenen höheren göttlichen Bewusstseinszuständen" in Verbindung gebracht werden Könnte/dürfte/müsste und bei welchen es sich bei genauerem hinschauen aber dann doch um nichts anderes, als pathologischen Wahnzuständen, narzisstischen Selbstüberschätzungskrämpfen und auffälligen Entwicklungsstörungen des Realitätssinnes handelt.... benutzen gar nicht so selten auch selber Waffen und Sprengstoff. um damit die Welt von Ungläubigen zu reinigen...


Zitat von Reklov im Beitrag #446

Ich war während meines Berufslebens auch mal durch die Konstruktionsabteilung einer großen süddeutschen Waffenschmiede geführt worden. Dort saßen Techniker und Ingenieure, die sich den ganzen Tag "geistig" nur mit Verbesserungen von Pistolen, Maschinengewehren, Bordkanonen (etc.) beschäftigten.


Tja.. solange Menschen die gegenseitige WERTschätzung davon abhängig machen, ob man an einen Gott glaubt, ein Russe, oder eine Ukrainer ist.. Ob man ein Palästinenser oder Israeli ist, ein Moslem oder ein Ungläubiger.... und so lang es Menschen gibt die nicht verstehen können, warum jemand überhaupt alt werden will, der nicht an das Weiterleben des ICH-Bewusstsein über den eigenen Tod hinaus glaubt.. brauchen wir auch Waffen.... um uns vor der schier unerschöpflich nachwachsenden doofen Seite der Spiritualität einigermaßen verteidigen zu können. Es ist besser hochausgereifte Verteidigungswerkzeuge zur Verfügung zu haben, mit denen man geziehlt nur die "Bösewichte" erwischt, aber möglichst keine Unschuldigen trifft.


Demokratie ist ein gesunder Mischwald, Reklov. und keine selbstlose Monokultur. Trotzdem gibts nichts Besseres.

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Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.373

31.12.2017 19:30
#449 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Ich persönlich bin Überzeugt, dass die Überbewertung fixer Vorstellungen, die über das scheinbar Begreifliche hinausgehen, nichts mit echter und gesunder Spiritualität mehr zu tun hat.. Der Glaube, dass hinter allem was ist, eine allmächtige Wesesensnatur und höhere Ordnung stecken muss und unser persönliches Schicksal vom Wohlwollen dieser Macht abhängt, die sich durch unser Verhalten beeinflussen lässt, mehr oder weniger barmherzig zu zeigen, hängt ganz bestimmt mit keiner besonders großartigen "geistigen Leistung" zusammen.

WIR wissen nicht.. ist kein akzeptabler Rechtfertigungsgrund dafür, auf Projektionen ins Unbekannte einen Absolutheitsanspruch stellen zu dürfen, deren absolute Gültigkeit dann damit als für alle erwiesen gilt, weil eine direkte Widerlegung nicht möglich ist. Für die persönliche Glückseeligkeit soll und kann ja jeder seine übernatürlichen Mutmaßungen haben dürfen und felsenfest daran glauben.
Aber es schaut so aus, als ob diese Glücksseeligkeit über die (vermeintliche) Erkenntnis der absoluten einen Wahrheit nicht ohne äußere Zustimmung auskommt. Dem könnte man auch noch mit Nachsicht und Verständnis entgegentreten. Aber die Erkenner der einen absoluten Wahrheit werden dann leider all zu oft äußerst aggressiv und reagieren überaus gehässig bis bösartigst, wenn der Allgültikeitsanspruch ihrer vermeintlichen Erkenntnis über das Unbekannte zu Recht kritisch hinterfragt oder gar angezweifelt wird..und um so mehr man sie, mit den logischen Widersprüchen ihres Erkenntnis-Wahns konfrontiert....
Die primitiven Instinkte, welche sich dann hinter all der göttlichsten Selbsteinschätzung immer zeigen, sind dann auch nicht unbedingt ein Beleg dafür, dass die Spiritualität der Gottlosen immer die falscheste ist.. und man könnte sogar zur Überzeugung gelangen, dass es weit mehr geistige Leistung und Reife braucht, sich von den Göttern im allgemeinen und und auch von speziellen Gottesvorstellungen im relativen los zu lösen, als ständig nach neuen Gottesbeweisen zu suchen..

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Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.373

31.12.2017 19:49
#450 RE: Die Leere und die Wirklichkeit - Darstellung meiner Philosophie antworten

Es tut schrecklich weh, das erste mal wirklich an Gott zu zweifeln und die Leere die sich einem damit auftut, wenn man plötzlich erkennt, dass der Zufall und zufällige Koinzidenzen die einzig schöpferischen Kräfte im Universum sind, ist kaum zu beschreiben... Aber die Erkenntnis die einem dadurch zu Teil wird, gerade eben, weil da auf einmal viel Platz zur Verfügung steht.. welcher vorher von Ungewissheit ausgefüllt war und die man ständig mit Selbstüberredung zum Schweigen bringe musste... ist unvorstellbar. Wir leben in einer Welt der schier unbegrenzten Wahrscheinlichkeiten und nur durch ihren ständigen Wandel. Die vielen Möglichkeiten immer wieder Neues zu entdecken, werden uns nie ausgehen..

Ich brauche keine Gewissheiten, die ich mir ständig einreden muss, sondern feste Orientierungs- und Anhaltspunkte an denen ich mich sicher orientieren kann..
Ich brauche keine Orientierungspunkte von denen ich mir einbilden muss, dass sie schön sind und dass ihre Schönheit eine höher kosmische Ordnung beweisen... Was ich als schön empfinde, was ich als gut empfinde, was ich als schwierig empfinde.. es ist nur mein Empfinden und ich kann gar nicht ausdrücken, wie froh ich darüber bin.

Jetzt kennt ihr "meine Philosophie"...

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Nur am Glauben kannst du drehen und schrauben. bis die Wahrheit die du glauben willst, dir auch passt..

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dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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