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Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 584 Antworten
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 Philosophie und Wissenschaft
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Reklov Offline




Beiträge: 3.946

17.05.2018 16:26
#551 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Und Jesus war nicht Sigmund Freud...

Gysi,

... die Botschaft Jesu berührt mich schon mehr, als die Zeilen von S.Freud. - Beachtlich finde ich aber auch die buddhistische Empfehlung: >> Nichts belachen (auslachen), nichts beweinen, nichts verachten. <<

Wer auch die Kunst des Nebensichstehens praktiziert, wird von Gemütswallungen nicht so sehr berührt, wie jemand, der sich von weltlichen Angelegenheiten/Dingen völlig knebeln lässt und deswegen deren Ketten nicht mehr zu sprengen weiß.

Zitat
Du redest ganz schön verschmalzt (in deinem allgemeinen Duktus der Von-sich-selbst-Eingenommenheit und Arroganz) und irgendwie... liebesunerfahren. Also (damit keine Missverständnisse aufkommen...) => realgefühlsunerfahren.

Ich kenne natürlich sowohl Hass, wie auch Liebe! Heute amüsiere ich mich aber gerne über jede damalige Torheit meiner jungen Jahre. Da mir jedoch durch meine Leidenschaften kein großer Schaden entstanden ist, kann ich auch, von einer komfortablen Position aus, darüber lächeln. - Ich weiß aber auch, dass es (bereits in meinem Bekanntenkreis) Lebensläufe gibt, die an Hass oder Liebe zerbrachen - vielleicht auch, weil sie die symbiotische Beziehung von Liebe und Hass nicht unter ihre geistige Kontrolle, unter Einsicht und Nachsicht bringen konnten. (?)

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.575

17.05.2018 17:41
#552 Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat von Reklov
Beachtlich finde ich aber auch die buddhistische Empfehlung: >> Nichts belachen (auslachen), nichts beweinen, nichts verachten. <<

Schöne Verhaltensrichtlinien. Ich sehe sie als ANGEDACHTE Verhaltensrichtlinien, und sie müssen aber vertieft werden, um brauchbar zu sein. Hältst DU dich an diese Richtlinien? Kann man das? Soll man das? Immer? Hältst du dich an Jesus' Gebot der Nächstenliebe? Kann man auf Befehl lieben? Kann man Islamisten lieben? Oder Nazis? Oder den Pitbull vom Nachbarn Ede Kasulske?

Man kann sich "auf Befehl" zurücknehmen und sich auf die Umstände besinnen, denen der unterliegt, den man kritisiert oder gar im Affekt hasst. Man kann seine Gefühle steuern, zum Vorteil der Einsicht. Und mit einem guten Ergebnis: "To know her ist to love her!" (Phil Spector)

Aber Gefühle haben einen Lebensanspruch, und man darf sie nicht unterdrücken, ohne Schaden am ganzen Gefühls- und biologischen System zu verursachen. Auch der HASS hat seine Existzenzberechtigung. Frustrationsgefühle, die standhaft nicht berücksichtigt werden, können sich zu Hass entwickeln. Dieser Hass ist dann der Anzeiger dafür, dass da jemand in Ignoranz oder Ahnungslosigkeit was verdaddelt hat... Hass kann auf DICH weisen und dich zur Verantwortung rufen. Ich appelliere auf jeden Fall dafür, den Hass zu schätzen!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 3.946

18.05.2018 12:27
#553 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Hältst DU dich an diese Richtlinien? Kann man das? Soll man das? Immer? Hältst du dich an Jesus' Gebot der Nächstenliebe? Kann man auf Befehl lieben? Kann man Islamisten lieben?

Gysi,

... Nächstenliebe bedeutet z.B., sich auch mit jemandem auseinanderzusetzen, ihn mit seinen Möglichkeiten so zu nehmen, wie er nun mal nur sein kann. Die versch. Wesensarten der Liebe (bis hin zur Natur- und Tierliebe) haben alle ihre eigenen Räume, in denen sie besucht und angewendet werden können. - Ich versuche zumindest, niemanden zu hassen - und das ist schon mal die halbe Miete. Einen verblendeten Islamisten kann man zumindest wegen seiner vergifteten Interpretation der Koran-Zeilen bemitleiden (Jesus: "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun"). Solches könnte zumindest als ein Nebenzweig der Liebe verstanden/betrachtet werden.

Zitat
Man kann seine Gefühle steuern, zum Vorteil der Einsicht. Und mit einem guten Ergebnis: "To know her ist to love her!" (Phil Spector)

Zustimmung! - Den genannten Song gibt es, als seltenes Ton-Dokument, auch von den Beatles:

https://www.youtube.com/watch?v=YEoR-oNs4ow

Im Radio habe ich den Song schon ewig nicht mehr gehört, so dass ihn wohl kaum einer aus der jüngeren Generation kennen wird.

Zitat
Hass kann auf DICH weisen und dich zur Verantwortung rufen. Ich appelliere auf jeden Fall dafür, den Hass zu schätzen!

JA, - so kann man auch den Hass unter Kontrolle bekommen.

>> Wie wäre das nun, wenn Gott den Menschen so geschaffen hätte, dass er keine eigene Entscheidung treffen, sondern nur automatisch Gottes Willen tun könnte, wie ein Schloss, dass unwillkürlich dem richtigen Schlüssel gehorcht? Oder wie ein Verkaufsautomat, das beim richtigen Geldbetrag einen Riegel Schokolade liefert. Wenn der Mensch so beschaffen wäre, dass er Liebe gäbe, wenn Gott nur auf den richtigen Knopf drückte, wäre das dann tatsächlich Liebe? Um der Liebe sicher zu sein, muss Gott uns einen freien Willen zum Lieben oder Nichtlieben (Hass) geben. Sonst könnten wir sie nie aus freier Entscheidung erwidern. Und Gott wäre dann tatsächlich der Diktator, als den ihn viele betrachten und von dem sie meinen, er würde auch in unseren Tagen brutale Gewalt ausüben. <<

Als Gott die Welt erschuf, wollte er damit das Allerbeste. Gerade darum musste er ihren Bewohnern echte Freiheit garantieren und das tat er auch. Somit war jeder imstande, echte Liebe zu üben: Mit Liebe umworben zu werden und um Liebe zu werben - oder diese abzulehnen. Schon allein die Tatsache, dass es in der Welt das Böse gibt, zeigt, dass sie von einem allmächtigen Gott geschaffen wurde. Denn nur so kann das Gute wirklich gut und die Liebe nichts anderes als Liebe sein. Liebe ist eben nicht einfach «eine versteckte Form des Egoismus», wie es manchmal heisst. Noch einmal: Das Vorhandensein des Bösen in der Welt liefert kein Argument gegen einen Gott, der echte Liebe ist, sondern ganz im Gegenteil: Gerade weil er Liebe ist, lässt er auch das Böse zu, damit wir uns frei für seine Liebe entscheiden können.

Viele werden sich an dieser Stelle fragen, warum denn Gott überhaupt den Menschen und die Welt erschuf. Er muss doch das Chaos vorausgesehen haben, das dieser freie Wille anrichten würde. Wäre es da nicht besser gewesen, dies alles gar nicht erst passieren zu lassen? Dieselben Fragen stellen sich im Grunde genommen in unserem eigenen Leben, zum Beispiel in der Ehe. Bei der Trauung wissen wir, dass wir einmal den Schmerz der Trennung durch den Tod erleben werden. Und doch nehmen wir all diesen Kummer und das Herzeleid auf uns. Wir wissen, dass der Schmerz kommen wird, aber wir glauben dennoch, dass die Freude und die Bereicherung, die diese neue Gemeinschaft in unser Leben bringt, besser ist als überhaupt keine Liebe.

Trotz allem wagte Gott also seine Schöpfung. Er muss davon überzeugt gewesen sein, dass die Wärme der Liebe die Bitterkeit des Leidens immer noch weit übertreffen wird. Auch nur ein Tag Liebe ist unendlich viel mehr als überhaupt keine Liebe; und wo Leben ist, entsteht Gelegenheit zur Liebe. <<
(Internet-Auszug über das sog. "Böse" - oder die Absonderung von "Gott". Sünde=Absonderung vom Guten)


Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.575

18.05.2018 13:27
#554  Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat von Reklov
Nächstenliebe bedeutet z.B., sich auch mit jemandem auseinanderzusetzen, ihn mit seinen Möglichkeiten so zu nehmen, wie er nun mal nur sein kann.

JA!! Und an dem Schreihals Onkel Dagobert siehst du, wie man die Nächstenliebe auch praktiziert! Eine praktizierte Kommunikation ist oft besser als gar keine!

Zitat
Den genannten Song gibt es, als seltenes Ton-Dokument, auch von den Beatles:

Ja, der Song heißt "To know HIM ist to love HIM!" Sorry, Phil. Bei den Beatles heißt er "To know HER..." Von denen habe ich den auch das erste Mal gehört. Das Sonore in der Stimme Johns brach da schon so richtig durch. Hammer! Das Original von den "Teddy Bears" ist nicht so gut...

Zitat
Als Gott die Welt erschuf, wollte er damit das Allerbeste. (...)

Was für ein Geseiere... Entschuldigung. Du wandelst auf Descartes' Spuren. Aber dein Hero de Spinoza hatte ihm doch so gut gekontert (für die damalige Zeit). Der war da (vor 400 Jahren!) schon weiter als du jetzt. Entwickelst du dich zurück?

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 3.946

19.05.2018 14:00
#555 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Du wandelst auf Descartes' Spuren. Aber dein Hero de Spinoza hatte ihm doch so gut gekontert (für die damalige Zeit). Der war da (vor 400 Jahren!) schon weiter als du jetzt. Entwickelst du dich zurück?

Gysi,

... jeder Denker brachte/bringt seine Weltsicht zu Papier. Man sollte diese nicht wertend gegenüber stellen, denn sie können nur Mosaiksteine des Ganzen sein. Es ist, wie bei einer Perlenkette: Die einzelnen Perlen ergeben/ergänzen die ganze Kette. Heute funkeln noch manche der Perlen, welche antike Denker in die Kette eingefädelt haben - und - es werden ja immer wieder neue hinzugefügt. -
Vergiss also Deine kleinkarierten Vergleiche und Unterteilungen von Gedankenmodellen aus bestimmten Zeiträumen. Spinozas Perlen funkeln auf ihre Weise und Descartes fügte diejenigen in die "Kettenschnur" ein, welche er am Grund des Meeres finden konnte. Der Kenner darf die Gedankenperlen schon durchdenken und auch unterscheiden, sollte sie aber nicht bewerten wollen, denn die "Kette" liegt ja noch lange nicht fertig aufgereiht zur endgültigen Bewertung vor uns!

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.575

19.05.2018 14:57
#556  Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat von Reklov
Vergiss also Deine kleinkarierten Vergleiche und Unterteilungen von Gedankenmodellen aus bestimmten Zeiträumen. Spinozas Perlen funkeln auf ihre Weise und Descartes fügte diejenigen in die "Kettenschnur" ein, welche er am Grund des Meeres finden konnte.

"Kleinkariert" bist DU, wenn du die Philosophen nicht in ihre Geschichte einreihst und nicht abhängig machst von dem damaligen Stand der Philosophie! Sondern nur "Perlen" rauspickst, die dir genehm sind...

Zitat
Der Kenner darf die Gedankenperlen schon durchdenken und auch unterscheiden, sollte sie aber nicht bewerten wollen, denn die "Kette" liegt ja noch lange nicht fertig aufgereiht zur endgültigen Bewertung vor uns!

Du bist kein "Kenner", wenn du die Geschichte negierst! Die schafft erst die Ketten. Die du aber so offenbar nicht haben willst!

Die "endgültige Bewertung". Aha. Wer führt die denn aus? Gott? Du? Ich kann mir vorstellen, dass das Ende der Philosophie eine solche "endgültige Bewertung" ermöglichen wird. Das kann da sein, wenn alle Sparten der Philosophie vollständig in die anderen Wissenschaftszweige eingehen werden: Ethik in die Soziologie. Gottglaube wird von der Psychologie abgedeckt, wenn sie als Persönlichkeitsspaltung erkannt werden sollte. Metaphysik kommt in die Märchensparte von Grimm und Co. Aber du meinst ja, zur "endgültigen Bewertung" stünde die Religion an. DIE wird deutlich früher ihren Geist aufgeben als die Philosophie...

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 619

05.07.2018 15:14
#557 Kurze Erleuchtung durch Georges Bernanos antworten

Eine kurze Erleuchtung (lat. lucidum intervallum) nenne ich, wenn ich das leider nicht anhaltende, aber erhebende Gefühl habe, etwas völlig durchschaut zu haben. Wie kam es dazu?

Diese Woche im Buch-Antiquariat öffnete ich aufs Geratewohl das im Regal "Religion" stehende Buch "Tagebuch eines Landpfarrers" (1936) des französischen Schriftstellers Georges Bernanos (1888 bis 1948). Ich las die Stelle, wo sich der junge, vereinsamte Landpfarrer darüber beklagt, dass er nicht mehr beten könne, dass er den Kontakt zu Gott verloren habe. Ich nehme das Buch nicht und erspare mir eine unnütze Lektüre, denke ich (für Katholiken mag diese Buch und andere von Georges Bernanos durchaus anregend sein.

Das Buch hat mich aber doch zum Denken angeregt, indem ich nach Bernanos recherchierte (s. Am Schluss).
Für mich ist, wie schon oft ausgeführt, "Gott" ein innerpersönliches, psychisches Gebilde. Alle gedanklichen Vorgänge sind nach Max Scheler (s. vorigen Post über ihn) psychische Vorgänge. Nur insoweit existiert "Gott", und zwar im jeweiligen Menschen; Gott, genauer gesagt das Gottesbild ist gewissermassen ein Teil seiner Person. Das ist meine Meinung: "Gott" und Religion sind Menschenwerk, wie die ganze Kultur, wie auch Feuerbach geschrieben hat.

Und die Person nimmt ihre Vorstellungen von Gott nicht aus sich selber, sondern von verschiedensten Quellen: Eltern, Religionsunterricht, Geschichten, Romane, Filme etc. Gott ist also ein mimetisches Konzept (Girard), das heisst durch Nachahmung entstanden. Es gibt also keine angeborene Vorstellung von Gott; und diese ist in jedem Menschen verschieden und von seinem Charakter abhängig. Es ist daher nutzlos Reklov von seiner spinozistisch angehauchten Gottes-Vorstellung mit naturwissenschaftlichen Argumenten, angereichert mit Häme, abzubringen.

Nebst dem oft beobachteten Wohlfühl-Gott oder Trost-Gott (oder Trost-Jesus), gibt es oft den quälenden Gott. Der junge Landpfarrer, war eifrig bemüht, der bäuerlichen Bevölkerung Gott näher zu bringen, wurde aber abgelehnt und hinter seinem Rücken verlacht. Vereinsamt und verzweifelt, ernährte er sich nur noch von Brot, Wein und Früchten. Schliesslich starb er an spät erkanntem Magenkrebs. Die Bauchschmerzen sah er als Strafe Gottes an. Das ist eine gewaltige Selbstüberschätung: Er persönlich, wird vom einzigen, allmächtigen Hoch-Gott gequält für irgendwelche (eingebildeten) Sünden. Da er leidet, muss er ja gesündigt haben, so die Logik. Über den christlichen Sünden-Begriff habe ich auch schon Abhandlungen gepostet. Das ist bei gründlicherem Nachdenken absurd. Da waren die Römer (die ja Heiden waren) viel praktischer. Für jeden Lebensbereich gab es einen Gott oder eine Göttin. Wenn es z.B. in der Liebe nicht klappte, betete man zu Venus und opferte ihr. "Do ut des" (ich gebe, damit du gibst), so die einfache Logik.

Viele (psychisch) kranke und verzweifelte Menschen wenden sich Gott zu, weil sie von dort Hilfe erwarten, meist nutzlos. Die psychiatrischen Krankenhäuser sind voll von Menschen mit einem religiösen Tic. Im realen oder öffentlichen Leben hat Gott keine Bedeutung, ausser bei einem Begräbnis nach Natur- oder sonstigen Katastrophen (Terroranschlag, Flugzeugabsturz).

Die (christliche) Religion hat also die Funktion einer Stütze (Krücke) oder Lebenshilfe. Bei bedeutungsvollen Stationen des Lebens wird gerne der kirchliche Ritualdienst in Anspruch genommen: Bei Geburt/Taufe, Konfirmation/Firmung, Heirat und Begräbnis. Gegen diese Tradition ist auch nichts einzuwenden, hat aber mit dem "Glauben an Gott" an sich nichts zu tun, was ja die "Jugendweihe" in der offiziell atheistischen DDR zeigt. Es handelt sich um einen feierlichen, quasireligiösen Akt. Auch Ostern (Frühlingsfest) und Weihnacht (Wintersonnenwende) hat mit dem "Glauben" per se nichts zu tun. Man beschenkt sich und die Kinder. Kritiker meinen, der Katholizismus, insbesondere die 7 Sakramente, sei reines Heidentum (es gibt darüber einen youtube Film). Da sage ich nur: so what? Ich bin eigentlich sowieso für ein fröhliches Heidentum. Auch das Singen der Nationalhymne an der Fussball-WM ist quasi-religiös, und das rauschhaft-kollektive "Fanen" während des Matches ist ein dionysiches Fest. Bei den Griechen und Römern gehörten zu Götter-Feierlichkeiten immer auch sportliche Wettkämpfe. Es gab auch schon damals Krawalle zwischen den Fans der roten und blauen Wagen-Lenker. Es gibt in dem Sinn nichts Neues. Aber zurück zum Thema:

Der verzweifelte Glaube an einen unerreichbaren Gott ist eine unnütze Selbstquälerei, entstanden aus einer seelischen Not (z.B. Depression mit Schuldgefühlen). Dadurch soll das Leiden verständlich gemacht und gelindert werden. Statt einer Befreiung vom Leiden gibt es nur eine Verstärkung. Es mag sein, dass in einzelnen Fällen, der Glaube an Gott bei einem seelischen Leiden (scheinbar) geholfen hat.
Berühmte Beispiele sind Blaise Pascal und Sören Kierkegaard. Übrigens litt Bernanos, der französische Dostojewski, zuweilen an stark quälenden Ängsten. Die psychischen Leiden bestimmter Schriftsteller sollte genauer untersucht werden.


Zu Bernanos siehe man unter wikipedia. Vom "Landpfarrer" gibt es einen erfolgreichen Film von Robert Bresson (1950). Es ist ein düsterer Film über eine zerquälte einsame Figur, der Scorsese zum Film "Taxi Driver" inspiriert habe. Überdies gibt es einen neuen Film "First Reformed" vom gleichen Drehbuchautor (Paul Schrader) über einen zerrissenen Priester (Ethan Hawk), der an Magenkrebs erkrankt.

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RELIGION IST HEILBAR! - Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.225

05.07.2018 18:28
#558 RE: Kurze Erleuchtung durch Georges Bernanos antworten

Zitat von seneca im Beitrag #557


Und die Person nimmt ihre Vorstellungen von Gott nicht aus sich selber, sondern von verschiedensten Quellen: Eltern, Religionsunterricht, Geschichten, Romane, Filme etc. Gott ist also ein mimetisches Konzept (Girard), das heisst durch Nachahmung entstanden. Es gibt also keine angeborene Vorstellung von Gott; und diese ist in jedem Menschen verschieden und von seinem Charakter abhängig. Es ist daher nutzlos Reklov von seiner spinozistisch angehauchten Gottes-Vorstellung mit naturwissenschaftlichen Argumenten, angereichert mit Häme, abzubringen.


Es geht nicht darum Reklov von seiner mimetischen Gottesvorstellung abbringen zu wollen, sondern darum, ihn zu überzeugen, dass dieser sein unbegreiflicher und unerfassbarer Ur-Grund-Gottesgedanken mit UNS und WIR überhaupt nichts zu tun hat.

Reklov ist auf keiner der umgänglicheren Dialogebenen davon abzubringen, dass auch WIR und UNS diesen seinen unbegreiflichen und unerfassbaren Urgrund-Gott nicht einfach negieren könnten oder gar dürfen. Auch die nachvollziehbarsten Begründungen, ganz ohne Häme oder Missachtung der persönlichen Respektdistanz, dass er hierzu die Dinge und Zusammenhänge eindeutig falsch sieht und dass sein Hauptargument, weil denn die Naturwissenschaften auch UNS und WIR keine befriedigenden Antworten liefern können, sei es bedingunglos einzusehen, dass Gott von daher nicht negiert werden darf, haben diesbezüglich zu keinem bisschen Einsicht, sondern ihn auch ermutigt, noch weiter aus haltlos aus dem Fenster zu lehnen.

In soweit wäre dann ja alles geklärt und vor allem auch die gegensätzlich Position. Nur aber ist Reklov auch restlos davon überzeugt dass die atheistische Sicht der Dinge eine überaus minderwertig-materialistische ist und dabei selbst weder mit rhetorischer Häme, noch noch weniger nachvollziehbare Arroganz spart. Zudem scheint er auch nicht einsehen zu wollen, dass das Forum auch keine Plattform zur Verbreitung "ernsthaftiger Glaubens-Anschauungen" ist" die von daher nicht atheistisch zerlegt werden dürfen.

Häme ist die Antwort auf jene Form von Stolz, welcher sich auf keinerlei irgendwelchen nachweisbaren Leistungen gründet. Seneca. Das gilt auch andersherum für Leistungen, denen jeglicher ethischer Grundsatz oder wenigstens ein Minimum an Menschlichkeit fehlt.

Gott ist seit jeher eine bequeme Rechtfertigungsgrundlage für Unverhältnismäßigkeit und auch unmenschliche Selbstbezogenheit. Da die Widerlegung Gottes ziemlich schwierig ist und weil man dabei auch nicht umhinkommt, die ganze Psychologie "hinter dem" Gottglauben zu erforschen, gibt es natürlich eine Menge Leute, die alles dafür tun, dass ihnen diese äußerst bequeme Rechtgertigunsgrundlage ja nicht entmystifiziert wird.

Wenn Reklov dazu fähig wäre einfach zu sagen: Ich glaube an einen Gott. Dieser Glaube ist mir wichtig, weil ich durch diesen Glauben einen Sinn in meinem Leben erkenne..und ich respektiere aber, dass andere Menschen ihren Lebenssinn in etwas ganz anderem sehen, dann wäre das mit der Häme erledigt. Seneca.

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Humor ist die wahrscheinlich die allerbeste Strategie, hinter das Wesen der Dinge und ihrer Zusammenhänge zu schauen

Reklov Offline




Beiträge: 3.946

05.07.2018 19:44
#559 RE: Kurze Erleuchtung durch Georges Bernanos antworten

Zitat
Es geht nicht darum Reklov von seiner mimetischen Gottesvorstellung abbringen zu wollen, sondern darum, ihn zu überzeugen, dass dieser sein unbegreiflicher und unerfassbarer Ur-Grund-Gottesgedanken mit UNS und WIR überhaupt nichts zu tun hat.

Perquestavolta,

... also das war mir schon klar, und zwar lange, bevor ich Deine Ansichten zu diesem Thema lesen konnte.

Zitat
Zudem scheint er auch nicht einsehen zu wollen, dass das Forum auch keine Plattform zur Verbreitung "ernsthaftiger Glaubens-Anschauungen" ist" die von daher nicht atheistisch zerlegt werden dürfen.

Alles darf zerlegt werden, nur sollte dann der "Zerleger" auch Gegenargumente schlucken können, ohne, wie Du es gerne machst, Andersdenkende als "A---löcher" zu bezeichnen, was ja auf Deine fehlende Kindererziehung zurückzuführen sein könnte?

Zitat
Da die Widerlegung Gottes ziemlich schwierig ist und weil man dabei auch nicht umhinkommt, die ganze Psychologie "hinter dem" Gottglauben zu erforschen, gibt es natürlich eine Menge Leute, die alles dafür tun, dass ihnen diese äußerst bequeme Rechtgertigunsgrundlage ja nicht entmystifiziert wird.

Da mag ja was dran sein - nur - im atheistischen Lager findet man ähnliche Gemüter!

Zitat
Wenn Reklov dazu fähig wäre einfach zu sagen: Ich glaube an einen Gott. Dieser Glaube ist mir wichtig, weil ich durch diesen Glauben einen Sinn in meinem Leben erkenne..und ich respektiere aber, dass andere Menschen ihren Lebenssinn in etwas ganz anderem sehen, dann wäre das mit der Häme erledigt.

Ich schrieb ja schon öfter unter meine Beiträge: "Jeder, wie er mag und kann." - Das kann auch niemandem entgangen sein? Ich mag solches aber nicht, wie ein Leierkastenmann, nun ständig wiederholen.

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 3.946

05.07.2018 19:59
#560 RE: Kurze Erleuchtung durch Georges Bernanos antworten

Zitat
Der verzweifelte Glaube an einen unerreichbaren Gott ist eine unnütze Selbstquälerei, entstanden aus einer seelischen Not (z.B. Depression mit Schuldgefühlen). Dadurch soll das Leiden verständlich gemacht und gelindert werden. Statt einer Befreiung vom Leiden gibt es nur eine Verstärkung. Es mag sein, dass in einzelnen Fällen, der Glaube an Gott bei einem seelischen Leiden (scheinbar) geholfen hat.
Berühmte Beispiele sind Blaise Pascal und Sören Kierkegaard. Übrigens litt Bernanos, der französische Dostojewski, zuweilen an stark quälenden Ängsten. Die psychischen Leiden bestimmter Schriftsteller sollte genauer untersucht werden.

seneca,

... nun, was Deinen interessanten Zeilen noch fehlt, wäre ein Hinweis auf glückliche (nicht depressive!) Gläubige, die nicht seelisch leiden, auch keine >Zuflucht< suchen, den Gottesgedanken auch nicht als "Wahn" ansehen, wie z.B. der engl. Evolutionsbiologe R. Dawkins. Immerhin sagte dieser in eine TV-Talkshow, auf die Frage, was er denn, sollte er vor dem Himmelsthron stehen, als Rechtfertigung für seine Zeilen sagen will: "Not enough informations - not enough informations." Dabei lächelte der höfliche Brite verschmitzt. Klar - so kann man sich auch diplomatisch äußern, obwohl dies doch erstaunlich ehrlich/bescheiden klang/rüber kam.
Dawkins Aussage könnte so manchen Krakeler zum leiseren Ton bewegen, wenn über die schwierige Gottesfrage "gerungen" wird!

Gruß von Reklov

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.225

05.07.2018 21:14
#561 RE: Kurze Erleuchtung durch Georges Bernanos antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #559

Zitat
Es geht nicht darum Reklov von seiner mimetischen Gottesvorstellung abbringen zu wollen, sondern darum, ihn zu überzeugen, dass dieser sein unbegreiflicher und unerfassbarer Ur-Grund-Gottesgedanken mit UNS und WIR überhaupt nichts zu tun hat.


... also das war mir schon klar, und zwar lange, bevor ich Deine Ansichten zu diesem Thema lesen konnte.



Das Bevor und Danach ist bei dir immer die selbe trübe Brühe, Reklov.


Zitat von Reklov im Beitrag #559

Alles darf zerlegt werden, nur sollte dann der "Zerleger" auch Gegenargumente schlucken können, ohne, wie Du es gerne machst, Andersdenkende als "A---löcher" zu bezeichnen, was ja auf Deine fehlende Kindererziehung zurückzuführen sein könnte?


Wenn ich dich ein "A...loch" schimpfen würde, Reklov, könntest du froh darüber sein. Aber du bist noch nicht mal ein "A...loch", weil bei dir überhaupt keine Erziehung stattgefunden hat.

Zitat von Reklov im Beitrag #559

Ich schrieb ja schon öfter unter meine Beiträge: "Jeder, wie er mag und kann." - Das kann auch niemandem entgangen sein? Ich mag solches aber nicht, wie ein Leierkastenmann, nun ständig wiederholen.


Hast du auch in der nähe des Beitrags geschrieben, in dem du schon immer nicht verstehen konntest, warum Menschen die an keinen Gott glauben überhaupt alt werden wollen, Reklov.

Und auch hier schreibst du wieder: "jeder wie er kann". Nur ist damit aber auch offensichtlich, dass du selber kein Könner bist.

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Humor ist die wahrscheinlich die allerbeste Strategie, hinter das Wesen der Dinge und ihrer Zusammenhänge zu schauen

Reklov Offline




Beiträge: 3.946

06.07.2018 13:37
#562 RE: Kurze Erleuchtung durch Georges Bernanos antworten

Zitat
Hast du auch in der nähe des Beitrags geschrieben, in dem du schon immer nicht verstehen konntest, warum Menschen die an keinen Gott glauben überhaupt alt werden wollen, Reklov.

Perquestavolta,

... zu diesem meinem Gedankengang stehe ich, denn das trostlose Dahinvegitieren in Altersheimbetten würde nur Sinn machen, wenn die Seele dabei noch "Lektionen" lernt, die sie nach dem Ableben weiter bringen kann. -
Wenn wir jedoch nach unserem Ableben, wie Du meinst, nur ein "Fraß für die Würmer" werden, war unser ganzer Energieaufwand, mit all den schönen (auch weniger schönen) Erlebnissen/Lektionen regelrecht vergebens (im Deutschen sagen wir: >Für die Katze<), hätte also nur unseren kurzfristigen "Daseinsillusionen" gedient. Auch das Weitergeben unserer Gene machte dann wenig Sinn, selbst wenn solches noch unzählige Generationen hervorbrächte, denn auch sie unterlägen lediglich der "Illusion des Daseins" - im besten Falle bis zum Erlöschen unserer Sonne.

Deswegen haben die Religionen auch immer noch erheblichen Erfolg, denn sie spannen zumindest eine gedankliche Brücke zum Jenseits. Dem Atheisten bleibt nur der Trost, seine Gene an seine Kinder (wenn er denn welche hat) weitergegeben zu haben. Sich selber sieht er nach seinem Tod nur im Erdreich vermodern, ohne seinen "Geistkörper" in seine Denkwege mit einzubinden.

Der menschiche "Geist" lässt sich aber nicht gänzlich untersuchen und es gibt bis heute auch keine Apparatur, welche die geheimsten Gedanken des Einzelnen, ohne dessen Willen, in verstehbare Bilder umsetzen kann. Hier zeigen sich auch die Grenzbereiche für Psychologen und Psychiater.

Zitat
Und auch hier schreibst du wieder: "jeder wie er kann". Nur ist damit aber auch offensichtlich, dass du selber kein Könner bist.

Wieder hast Du Entscheidendes ausgelassen, denn ich schrieb: >Jeder, wie er mag und kann.<
Aus der Verhaltensforschung ist hinlänglich bekannt, dass man zwar Menschen zu allen möglichen Tätigkeiten überreden oder antreiben kann - nur eines kann man dabei nicht erreichen - dass sie dies auch "gerne" machen! Deswegen ist mir das Wort "mag" sehr wichtig und darf von Dir nicht einfach unterschlagen werden! Wenn Du also (in Deiner simplen Art) mir ein Nichtkönnen unterschieben möchtest, bemühe Dich doch zunächst mal, korrekt zu zitieren.

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 3.946

06.07.2018 13:48
#563 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Ethik in die Soziologie. Gottglaube wird von der Psychologie abgedeckt, wenn sie als Persönlichkeitsspaltung erkannt werden sollte. Metaphysik kommt in die Märchensparte von Grimm und Co. Aber du meinst ja, zur "endgültigen Bewertung" stünde die Religion an. DIE wird deutlich früher ihren Geist aufgeben als die Philosophie...

Gysi,

... erst schreibst Du vorsichtig "... erkannt werden sollte", dann aber, wenn es zur Religion kommt, wagst Du ein Urteil, indem Du der Religion ein früheres Ende voraussagst, als der Philosophie.
Jeder "Kenner" wird darüber nur schmunzeln, weiß man doch, dass sich beide Denkarten verknüpfen. Ein Denker, der unter seinesgleichen etwas gelten will, kann sich nicht am Gottesthema vorbei mogeln, indem er dazu schweigt, es einfach elegant ausklammert - und - keine Religion, die ernst genommen werden will, darf sich einer philosophischen Betrachtung entziehen.

In der "Märchensparte" könnte also auch durchaus noch mancher Naturwissenschaftler oder ein vorlauter Atheist landen. -
In unserer Zeitschleife können/sollten noch keine verbindlichen Voraussagen über die Entwicklung verschiedenster Denkwege (auch über das Schicksal der gesamten Menschheit) gemacht werden.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.575

06.07.2018 18:43
#564  Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat von Reklov
Jeder "Kenner" wird darüber nur schmunzeln, weiß man doch, dass sich beide Denkarten verknüpfen. Ein Denker, der unter seinesgleichen etwas gelten will, kann sich nicht am Gottesthema vorbei mogeln, indem er dazu schweigt,

Kommt drauf an, was er thematisiert: Ethik, Politik, Kapital, Erkenntnisprozesse, Welt- und Selbsterkenntnis. Und Selbstverwirklichung. Sonst noch was? Ach ja: die Gottesfrage. Für einen "Kenner" wie dich ist die natürlich die einzige und ausschlaggebende in der Philosophie...

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.225

08.07.2018 21:06
#565 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #562
[quote]Hast du auch in der nähe des Beitrags geschrieben, in dem du schon immer nicht verstehen konntest, warum Menschen die an keinen Gott glauben überhaupt alt werden wollen, Reklov.
Perquestavolta,

... zu diesem meinem Gedankengang stehe ich, denn das trostlose Dahinvegitieren in Altersheimbetten würde nur Sinn machen, wenn die Seele dabei noch "Lektionen" lernt, die sie nach dem Ableben weiter bringen kann.

Die Dummheit und perverse Ignoranz die da in deinen Gedankengängen steckt, ist schon bemerkenswert, Reklov "Lektionen die einem nach dem Ableben weiterbringen sollen" sind also der Sinn von trostlosen Altersheimen? Und es ist dir auch nicht aufgefallen, dass die vegetierende Trostlosigkeit die in Altersheimen oft umgeht, zwischen gläubigeren und weniger gläubigen Insassen keinerlei Unterschied macht.
Und das alles, damit man im Alter noch "Lektionen" lernt die einem nach dem Ableben "weiterbringen" sollen. Oder umgekehrt, dass man ohne diese Lektionen nach dem Ableben überhaupt nicht weiter kommen würde.

Solche strohdummen Projektionen nennst du auch noch "ernst zu nehmende Gegenargumente".




Zitat von Reklov im Beitrag #562

Wenn wir jedoch nach unserem Ableben, wie Du meinst, nur ein "Fraß für die Würmer" werden, war unser ganzer Energieaufwand, mit all den schönen (auch weniger schönen) Erlebnissen/Lektionen regelrecht vergebens
Ach so? Meine ich das?

Hab ich dir dazu nicht schon mehrmals (m)eine ganz andere Sicht der Dinge aufgezeichnet? Leben als regenerativen Prozess, in dem die unsere eigenen wichtigen Lektionen die wir im laufe des Lebens so machen, ins Kollektivbewusstsein vor allem jener Menschengruppen übergehen, mit der wir während unseres Daseins am engsten in Beziehung standen.

Hab ich dir nicht auch mehrmals ausführlichst erklärt, warum die "Rekompostierung der (Sonnen)-Energie" die das Leben am Laufen hält, der alles entscheidender Faktor ist, damit diese ganzen unsere Erfahrungen (unser Geist) in der nächsten Reinkarnation unseres "Genoms" überhaupt noch weiterleben und damit also auch unser Geist in ein Kolektivbewusstsein übergehen kann, dessen Speichersubstrat biologische Prozesse sind, die allein von der Strahlung-Energie unseres Zentralgestirns aufrecht erhalten werden?

Aber das alles hast du immer als wertlosen Unsinn abgetan, weil darin die abnorm dümmliche Selbst und -IChbezogeneheit von "Deinem einer Einen", nur die Rolle einer vorübergehenden und bedeutungslosen Erscheinung (Emergenz) spielen würde.

Übrigens hab ich inzwischen auch mal ernsthaft nachgeforscht, ob hinter deinem "Geist und deiner Gesinnung", die nach meiner Erkenntnistheorie auch keine andere Ursache und keinen anderen Hintergrund haben kann, als gegenseitige Beeinflussung innerhalb irgendwelchen menschlicher oder oft auch weniger menschlichen Beziehungsstrukturen, nicht vielleicht doch auch ein gen-eralogischer oder gar epi-genetischer Zusammenhang bestehen könnte.

Und ich bin da tatsächlich fündig geworden.. nicht zuletzt auch dank deiner eigenen "Kreativität"
Schau mal was ich hierzu gefunden habe: https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Rosenberg


Zitat von Reklov im Beitrag #562

(im Deutschen sagen wir: >Für die Katze<), hätte also nur unseren kurzfristigen "Daseinsillusionen" gedient.
Ich hatte da auch nie an etwas anderes gedacht,für was der Gottesgedanke sonst noch gut sein könnte. Zumal er ja andersherum auch noch wichtige Erkenntnisprozesse behindert und somit entscheidend dazu beiträgt, dass
sich unser Planet immer schneller in eine unwirkliche heiße Hölle verwandelt.


Zitat von Reklov im Beitrag #562

Auch das Weitergeben unserer Gene machte dann wenig Sinn, selbst wenn solches noch unzählige Generationen hervorbrächte, denn auch sie unterlägen lediglich der "Illusion des Daseins" - im besten Falle bis zum Erlöschen unserer Sonne.
Natürlich macht es keinen Sinn, unseren Genen das Weiterleben in einer dampfenden heißen Hölle zu wünschen, die mal ein recht hübscher und trotz aller Schwiergkeits-Schwankungen auch ein recht lebenswerter Planet gewesen ist. Hätten wir rechtzeitig begriffen, dass das ICH nur eine vorübergehende Erscheinung ist und das Leben selbst das Alpha und Omega von allem, hätten wir noch Milliarden Jahre Zeit gehabt, Technologien zu entwickeln, die das unabwendbare Erlöschen unserer Sonne, bei dem zuerst die ganze Erdkruste schmilzt, kein Problem mehr für uns ist, weil wir längst schon andere Lebensräume im All besiedelt hätten.

Zitat von Reklov im Beitrag #562

Deswegen haben die Religionen auch immer noch erheblichen Erfolg, denn sie spannen zumindest eine gedankliche Brücke zum Jenseits.
Sogar die Bibel selbst zeigt uns, dass das überhaupt nicht stimmt was du da zusammenschwafelst, Reklov.

Wenn es zwar auch nur sinnbildlich gemeint ist, dass die "beiden ersten Menschen" aus dem Paradies gejagt wurden, weil sie glauben wollten etwas viel Bedeutsameres und Wichtigeres sein zu könnten, wenn sie vom verbotenen Baume essen, so zeigt uns diese Geschichte doch, dass die "alte Schlange" im "Glauben" selbst steckt. Und wenn wir uns mal ernsthaft auf der Welt oder auch der in eigenen Zeitgeschichte umschauen, was uns der Gottesgedanken so alles an Idioten und Ignoranten beschert und schon immer beschert hat, welche uns weis machen machen wollen, dass die "kosmischen Ordnung" von einen göttlichen Planer erdacht worden ist, und wir uns von daher auch überhaupt keinen Sorgen bräuchten, wenn es hier auf der Erde von Jahr zu Jahr wärmer wird, weil die immer häufiger auftretenden und alles verwüstenden Witterungsanomalien überhaupt nichts mit der Zusammensetzung und den damit einhergehenden Thermosyna


Zitat von Reklov im Beitrag #562

Dem Atheisten bleibt nur der Trost, seine Gene an seine Kinder (wenn er denn welche hat) weitergegeben zu haben. Sich selber sieht er nach seinem Tod nur im Erdreich vermodern, ohne seinen "Geistkörper" in seine Denkwege mit einzubinden.
http://www.quotez.net/german/alfred_rosenberg.htm

Zitat von Reklov im Beitrag #562

Der menschiche "Geist" lässt sich aber nicht gänzlich untersuchen und es gibt bis heute auch keine Apparatur, welche die geheimsten Gedanken des Einzelnen, ohne dessen Willen, in verstehbare Bilder umsetzen kann.
Da irrst du dich gewaltig Reklov. Die geheimen Gedanken des menschliche Gehirns lassen sich auch noch auf ganz anderem Weg erschließen und dabei sind auch "Apparaturen" wie z.b. Computer und Computernetzwerke recht hilfreiche Werkzeuge. Wenn man damit umgehen kann.

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seneca Offline

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09.07.2018 14:57
#566 Wahrheit und Sein antworten

Folgender Post und die neu bearbeitete Entgegnung dazu gehört eigentlich in diesen thread

Zitat von Reklov im Beitrag Der Antichrist
Das Thema ist schwierig und sollte nicht leichtfertig mit "fantastischer Überhöhung" abgetan werden, denn wer nur die Übereinstimmung zwischen Gegenständlichkeiten des Bewusstseins als Maßstab überhaupt nimmt, kann z.B. mit philosophischen Wahrheiten die Wahrheit leugnen, indem er sagt: "Diese Wahrheiten sind keine Wahrheiten, da ihnen der objektive Maßstab und das objektive Kriterium fehlen.

Die Wahrheit von WELT und TRANSZENDENZ liegt in dem von uns unabhängigen Sein selber. - Spricht aber einer von der Wahrheit der Dinge in der Welt, so meint er die Übereinstimmung zwischen Ding und Urbild.
Spricht einer von der Wahrheit der Chiffren der Transzendenz, so meint er die Übereinstimmung zwischen gegenständlich gewordenen Symbolen und dem Sein selbst.
Spricht einer etwa mit dem alten Satz, Gott sei die Wahrheit, so vermag er diese Wahrheit mit dem Gedanken der Übereinstimmung nicht zu treffen. Diese Wahrheit wäre ohne Übereinstimmung, da sie ohne alle Gegenständlichkeit wäre.

Wer also nur an der Gegenständlichkeit klebt (wie z.B. PQV), alles andere als Gespinnst abwertet, der muss nun auch zwangsläufig, auf dieser Ebene stehend, denken, kann lediglich die uns zugängigen Erkenntnisse über Materielles berücksichtigen. Ob dies nun als "vollständig" oder "mangelhaft" betrachtet werden kann, sollte von keinem Menschen beurteilt werden, es sei denn, er wäre bei der Erschaffung der Welt selbst dabei gewesen.


Was Reklov hier schreibt, ist z.T. unverständlich, z.T. der Spur nach richtig und unausgegoren. Wieder mal zu Frage: Was ist Wahrheit? Wahrheit ist nach allgemein anerkannter Definition die Übereinstimmung zwischen Gegenstand, der auch ein Gedankending, also abstrakt, sein kann, und einer Aussage (Kant spricht von Urteil) darüber. Es ist also ein Problem der Sprache, mit all deren Unvollkommenheiten: Wir denken in Begriffen (gutes deutsches Wort, das von be-greifen kommt; im englischen heisst es concept, was von lat. con-cipere kommt, und das gleiche heisst). Sogenannte Glaubenswahrheiten sind nicht überprüfbare und meist nicht begründbare Überzeugungen, mehr nicht. Z.B. "Gott ist allmächtig", wobei sich das Attribut "allmächtig", schon aus dem (erfundenen) Begriff "Gott" ergibt, was übrigens nichts über seine Existenz aussagt.

Der Gedanke hinter den Urbildern ist folgender: Alle Dinge haben ein Ideal in einem gedachten jenseitigen Gefilde. Das ist der "Ideenhimmel" des guten alten Platon. Man denke an den Stuhl, auf dem man gerade sitzt. Was ist das transzendente Ideal eines Stuhls? Es gibt Tausende von Stuhlformen. Man kann sich die einfachste wesentliche Definition ausdenken. Das ist dann der Idealbegriff eines Stuhls. Es ist also ein je eigenes Gedankending. Oder gibt es das objektive Ideal eines Stuhls? Ich glaube nicht. Die Urbilder = Ideen gehören der res cogitans (Descartes) an, also dem Denken, an. Und das Denken ist subjektiv, auch wenn man eine gewisse objektive (transpersonale) Übereinstimmung (über gewisse Dinge) erreichen kann. Der Vollständigkeit halber: Die reale Welt der Dinge ist nach Descartes die res extensa, das ausgedehnte Ding, das Raum beansprucht. Das ist der kartesische Dualismus.

Über "Gott" erreicht man nie eine Übereinstimmung. Die Aussage "Gott ist die Wahrheit" ergibt für sich keinen Sinn. Das kann nur heissen, dass der Schreiber des Satzes überzeugt ist, dass Gott existiert. Wenn er sagt, Gott ist das Sein (wie der berühmte Theologe Paul Tillich sagte), so identifiziert er die Welt mit Gott und umgekehrt, wie es Spinoza getan hatte, aber dann ist Gott eigentlich kein personales Wesen mehr, wie Schopenhauer nachgewiesen hat. Man könnte also die Welt höchstens göttlich nennen (why not, wenn es gut tut). Das Gott-Gefühl, dass er auf die Welt projiziert nimmt der Betreffende aus der eigenen Person. Wenn dessen Persönlichkeit zerfällt, gibt es keinen Gott und keine Welt mehr, oder nur noch die engste Umgebung.

Zum Begriff Sein: "Sein" (lat. esse) ist übrigens kein Ding, sondern ein Prozess (lat. pro-cess), d.h. ein Vorgang: Das kommt m.E. von daher: Alles bewegt sich, im kleinsten die Atome, auch wenn es scheinbar in Ruhe ist. Und Bewegung (von Dingen im Raum) ist konstitutiv für die Zeit, denn Zeit an sich ist nichts. Für Heidegger ist die Zeit wesentlich für das "Sein". Das Sein ist gleichbedeutend wie "das Seiende" (seiend = partizip praesens: "das Teilhabende am Vorhanden-Sein"; vgl. präsent = anwesend, es "west"). Alle existierenden ("heraus-stehenden", also seienden) Dinge, also die Welt, das Universum, auch die einzelnen Menschen gehören zum Sein, oder haben Teil am Sein (wobei aufgepasst: Sein ist kein Accidens*). Wesen (der Begriff ist von Meister Eckart, was "seiend" bedeutet) sind z.B. die Menschen. Alle Begriffe, ob deutsch oder lateinisch, die mit dem Sein zu tun haben, lassen sich auf nichts weiteres zurück führen, als auf das Seiende. Das sagte auch Heidegger. Man mag beim Gedanken daran ein metaphysisches Gefühl haben, wie man will.

Interview mit Heidegger hier:
http://www.meier-classen.ch/interviews/heidegger.htm

*Große Bedeutung erlangte der Begriff accidens (lat. hinzutretend oder substantivert: das Hinzutretende) im Kontext der scholastischen Philosophie bei Thomas von Aquin. Bei ihm heißt es: "Accidentis esse est inesse", also Für ein Akzidenz bedeutet zu sein, an etwas zu sein. In die gleiche Richtung geht sein "Accidens non est ens sed entis", also Ein Akzidenz ist kein Seiendes, sondern ein zu etwas Seiendem gehörendes (Quelle wikipedia). Seneca: Daraus folgt umgekehrt: das Sein ist kein accidens (esse non est accidens)

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Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

Reklov Offline




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10.07.2018 14:54
#567 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Hab ich dir dazu nicht schon mehrmals (m)eine ganz andere Sicht der Dinge aufgezeichnet? Leben als regenerativen Prozess, in dem die unsere eigenen wichtigen Lektionen die wir im laufe des Lebens so machen, ins Kollektivbewusstsein vor allem jener Menschengruppen übergehen, mit der wir während unseres Daseins am engsten in Beziehung standen.

Perquestavolta,

... Deine Sicht der Dinge gilt nur für Dich - wird aber dennoch gelesen und so vermerkt, wie die meine auch!

Dein "Kollektivbewusstsein" überhöhst Du zu eifrig, was wohl daher kommt, dass Du Dich zuviel mit dem Verhalten von "Ameisen" beschäftigst!
Schaue hierzu doch besser auf die menschliche Praxis, denn hier kommen aus manchem "wohlbehüteten und geistig anspruchsvollen Familienkreis" oft die verdorbensten "Schwarzen Schafe", die sich von keinem Kollektivbewusstsein auf Ihrem kriminellem Weg beeinflussen lassen.

Zitat
Und es ist dir auch nicht aufgefallen, dass die vegetierende Trostlosigkeit die in Altersheimen oft umgeht, zwischen gläubigeren und weniger gläubigen Insassen keinerlei Unterschied macht.

Ich kann nur selbst gesehene Beispiele anführen:
Meine Mutter wurde in Würde (ohne Demenz) alt und sprach schon 1 Jahr vor ihrem Tod darüber, sich auf das Wiedersehen mit ihren verstorbenen Verwandten zu freuen.
Eine 94Jährige, die ich (zusammen mit Ihrem Sohn) mal zu einer auswärtigen Geburtstagsfeier im Altenheim abholte, war gläubig und, obwohl schon etwas vergesslich, fest davon überzeugt, ihren geliebten, bereits verstorbenen Mann, bald wiedersehen zu dürfen. Sie starb ein paar Monate danach, empfand jedoch die letzten 2 Jahre im Altersheim-Einzelzimmer nicht als trostloses Dasein. - Die Mutter meiner Frau lebt noch mit 94 J. im kleinen Appartement eines Wohnheimes und jedesmal, wenn wir sie besuchen, ist sie vergnügt, weil sie keinerlei körperliche Beschwerden hat.
Von anderen Altersheimbewohnern und deren Seelenstimmungen kann ich nichts berichten, mich nur auf "trostlose" TV-Dokus stützen.

Zitat
Natürlich macht es keinen Sinn, unseren Genen das Weiterleben in einer dampfenden heißen Hölle zu wünschen, die mal ein recht hübscher und trotz aller Schwiergkeits-Schwankungen auch ein recht lebenswerter Planet gewesen ist.

Der Mensch wird rechtzeitig reagieren "müssen", denn es sind genügend Warnstufen eingebaut: Orkane, Überschwemmungen etc., bevor es zu Deiner "dampfenden, heißen Hölle" kommt. Mit der Sonnen-Energie haben sich z.B. ja bereits gute Alternativen zur E-Gewinnung aufgetan. Andere Möglichkeiten werden noch folgen und ebenso ausgebaut werden. Man sollte also nicht nur pessimistisch nach vorne blicken - auch wenn die gewaltigen Atom-Arsenale einzelner Staaten dazu genügend Anlass geben.

Zitat
Hab ich dir nicht auch mehrmals ausführlichst erklärt, warum die "Rekompostierung der (Sonnen)-Energie" die das Leben am Laufen hält, der alles entscheidender Faktor ist, damit diese ganzen unsere Erfahrungen (unser Geist) in der nächsten Reinkarnation unseres "Genoms" überhaupt noch weiterleben und damit also auch unser Geist in ein Kolektivbewusstsein übergehen kann, dessen Speichersubstrat biologische Prozesse sind, die allein von der Strahlung-Energie unseres Zentralgestirns aufrecht erhalten werden?

Das alles ist von jedem heute in Fachbüchern nachlesbar. Jetzt müsste man nur noch sagen können, wer oder was denn ein Interesse daran haben könnte, dass Du z.B. in der Lage bist, in Deinem Lebenszeitrahmen, zu solch einer Erkenntnis zu gelangen? Genom hin - biologischer Prozess her; dies allein sind lediglich unsere Beschreibungen von Interaktionen im Leben und Dasein, wie manche von uns es, aus ihrer Sichtweise her, beschreiben und erforschen können.

Viel entscheidender für Dich "Wissenschaftsverliebten" wäre, sich auch mal Gedanken darüber zu machen, wer oder was denn überhaupt ein Interesse daran gehabt haben könnte, dass Du solches "Erkennen" erleben darfst? - Der Weg des Wissens muss ja deswegen noch nicht verlassen werden, eher aber schon die fast satanisch anmutende Weise, wie Wissen für ausbeuterische, betrügerische und nicht selten vernichtende Zwecke eingesetzt wurde/wird.

Zitat
Zumal er ja andersherum auch noch wichtige Erkenntnisprozesse behindert und somit entscheidend dazu beiträgt, dass sich unser Planet immer schneller in eine unwirkliche heiße Hölle verwandelt.

Religionen können den >Erkenntnisprozess< schon lange nicht mehr behindern. Sie hatten und haben innerhalb der Gesellschaft auch stets andere Aufgaben übernommen, denn Seelsorge ist nun mal von jeder technischen Entwicklung zu unterscheiden.

Zitat
hätten wir noch Milliarden Jahre Zeit gehabt, Technologien zu entwickeln, die das unabwendbare Erlöschen unserer Sonne, bei dem zuerst die ganze Erdkruste schmilzt, kein Problem mehr für uns ist, weil wir längst schon andere Lebensräume im All besiedelt hätten.

Noch ist der Weltuntergang ja nicht da und die benötigte Zeit für Raumausflüge nicht verronnen. Die Schwierigkeiten ergeben sich aber bereits beim Antriebsstoff für längere Raumschiffausflüge, auch bei unbekannten psychischen Problemen von Raumfahrern, die Jahre im All unterwegs sind, sein werden müssen.

Zitat
was uns der Gottesgedanken so alles an Idioten und Ignoranten beschert und schon immer beschert hat, welche uns weis machen machen wollen, dass die "kosmischen Ordnung" von einen göttlichen Planer erdacht worden ist, und wir uns von daher auch überhaupt keinen Sorgen bräuchten, wenn es hier auf der Erde von Jahr zu Jahr wärmer wird, weil die immer häufiger auftretenden und alles verwüstenden Witterungsanomalien überhaupt nichts mit der Zusammensetzung und den damit einhergehenden Thermosyna

... Chaos wird uns nur beschert werden, wenn wir die Ordnung der Natur stören, unabhängig davon, ob dies von gläubigen oder atheistischen Ignoranten an den Schalthebeln der Macht verschlafen oder geduldet wird.

Zitat
Und ich bin da tatsächlich fündig geworden.. nicht zuletzt auch dank deiner eigenen "Kreativität"
Schau mal was ich hierzu gefunden habe: https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Rosenberg

Über A.Rosenberg weiß ich (wie auch über andere Nazi-Größen) bestens bescheid und das nicht nur, weil mein Nachnahme ähnlich lautet, also noch ein "er" hinten angehängt hat. - Die Umklammerung der Welt durch das immer stärker aufkommende Finanzwesen, in dem u.a. auch jüd. Großbankiers und Freimaurer-Zirkel ihren Anteil hatten, führte zu allerlei dunklen Verschwörungstheorien. - Der Lauf der Weltgeschichte kann aber, rückwärts betrachtet, nur aufzeigen, dass sich Unrecht, egal in welcher politischen oder religiösen Verkleidung, nie hat lange oben halten können
- denn: > Wo Not ist, da naht auch Hilfe. <

Zitat
Die geheimen Gedanken des menschliche Gehirns lassen sich auch noch auf ganz anderem Weg erschließen und dabei sind auch "Apparaturen" wie z.b. Computer und Computernetzwerke recht hilfreiche Werkzeuge. Wenn man damit umgehen kann.

Dies ist nur möglich, wenn der Mensch so leichtfertig ist, und z.B. all sein Konsum-Verhalten den Computern verrät, oder gar seine Meinungen im Net öffentlich ausspricht. -
Wenn wir beide jedoch "geheime" Gedanken in uns "vergraben", bleiben sie auch nach wie vor unser persönliches Geheimnis.

Gruß von Reklov

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.225

10.07.2018 16:31
#568 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #567
Ich kann nur selbst gesehene Beispiele anführen:
Meine Mutter wurde in Würde (ohne Demenz) alt und sprach schon 1 Jahr vor ihrem Tod darüber, sich auf das Wiedersehen mit ihren verstorbenen Verwandten zu freuen.
Eine 94Jährige, die ich (zusammen mit Ihrem Sohn) mal zu einer auswärtigen Geburtstagsfeier im Altenheim abholte, war gläubig und, obwohl schon etwas vergesslich, fest davon überzeugt, ihren geliebten, bereits verstorbenen Mann, bald wiedersehen zu dürfen.



Ist schon gut Reklov, Wenn deine Mutter ohne Demenz 94 Jahre alt wurde, wie auch meine Eltern ohne Demenz fast gleich alt wurden, ganz ohne dabei in einem Altersheim zu leben ... bis wenige Tage vor ihrem Tod noch dazu in der Lage waren, sich so mehr oder weniger ganz selbstständig zu versorgen, den Haushalt in Ordnung zu halten, weiterhin sozialen Umgang mit Nachbarn zu pflegen und ihren katholischen Glauben ganz privat zu leben, dann ist das ja eine schöne Sache.

Am Begräbnisgottesdienst meines Vaters (verstorben mit fast 93 Jahren in Folge einer schweren Lungenentzündung) haben zudem an die tausend Menschen teilgenommen, darunter viele meiner Breufskollegen und auch viele meiner frühen Jugendfreude und Kinderzeitfreunde, zu denen ich schon Jahrzehnte keinen weiteren Kontakt mehr hatte, als ihnen gelegentlich mal auf der Straße zu begegnen...

dann will das doch heißen, dass meine Ameisenforschung einen überaus positiven Einfluss auch auf meine unmittelbaren Mitmenschen gehabt haben muss, Reklov. Sogar einige der Eltern meiner Kinderfreunde, welche mich damals ob meiner radikal naturalistischen und unkatholischen Frühreife als nicht sonderlich tauglichen Spielkameraden für ihre Kids einschätzten, waren anwesend. Oh ja, meine Mutter hat mir auch noch am Sterbebett Vorwürfe gemacht, dass sie nun meinetwegen in die Hölle kommen würde, weil es ihr nicht gelungen sei, mich zu einem gläubigen Menschen zu machen. Da hab ich ihr gesagt, sie könne ganz beruhigt sein, weil ja gerade ihre dahingehend oft unmenschlichen Bemühungen zu diesem Ergebnis geführt hätten und schließlich habe der Mensch doch einen freien Willen dessen Kontrolle ansonsten der Pfarrer oder anderer doofer Egozentriker von Gottes Gnaden übernimmt. Somit habe sie alles richtig gemacht und ich bin ihr sehr dankbar dafür.

Aber das Reklov sind persönlich Geschichten.. von denen man keine Verallgemeinerungen herleiten kann, die den Lebenssinn anderer entwerten. Wie in deinem Fall.

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Perquestavolta Offline



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10.07.2018 16:56
#569 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Und sag jetzt nicht, dass ich die Gläubigen dauernd abwerten würde. Weil dann hast du nämlich den Zusammenhang nicht verstanden. Es sind nicht wir Atheisten, die den Gläubigen hinterher rennen, um ihnen weis machen zu wollen, dass ihr Leben überhaupt gar keinen Sinn haben könne, wenn sie an einen Gott glauben, Reklov.
Weil aber die Gläubigen andersherum genau das immer tun und nicht davon ablassen wollen, dass auch Atheisten sich ganz in ihrem Sinne ernsthaft mit der Gottesfrage befassen müssten, sage ich ihnen gerne die Gründe, warum ich das anders sehe.

Ich hab dir ja schon X_mal gesagt, dass du doch glauben könntest was du willst. Und wenn du aber hier in einen Forum in dem es um die Position der Atheisten gegenüber den Religionen geht, insistierst, dass doch die Weltanschauung von uns Atheisten von minderwertiger oder gar wertlosester Bedeutung ist, dann forderst du es nur selbst heraus, dir das Gegenteil zu beweisen, Reklov. Weil nämlich die Weltanschauung von Gläubigen in nichts mehrwertiger ist, sondern der Menschheit sogar noch einige Probleme bereitet, die wir gar nicht haben müssen. Vielleicht gibt es ja den kleinen Unterschied zwischen "echten" und "falschen Schotten", Reklov. Nur sind sich da auch "die Schotten" untereinander überhaupt nicht einig, wer denn nun zu welcher Kategorie gehört. Also können nur die die richtigen sein, denen es egal ist, ob sie Schotten oder keine sind. Mit allen anderen braucht man gar nicht zu verhandeln. Sie sind kleingeistige, überaus egozentrische Idioten.. mehr als alles andere.

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seneca Offline

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11.07.2018 16:42
#570 Vom höchsten Gut und grössten Übel antworten

Was ist das höchste Gut, was das grösste Übel?
Diese Fragen sind wichtig für das sogenannte gute Leben, und wie der Mensch funktioniert.

Ich beziehe mich auf den römischen Staatsmann, Juristen und Philosophen Cicero, wobei ich sehr viele Details weglasse. Cicero wird als "Epigone des Griechentums", dessen Fan er ist, als selbständiger Philosoph oft gering geschätzt - völlig zu Unrecht.

Beginnen wir mit dem ersteren und halten wir uns an Epikur (341 - 271 v.u.Z). Cicero ist skeptisch gegenüber Epikur. Ein Torquatus findet dagegen, Epikur habe allein die Wahrheit gesehen, die Gemüter der Menschen von den grössten Irrtümern befreit und alle zu einem guten und glücklichen Leben gehörenden Erfordernisse gelehrt.

Epikurs Naturphilosophie, die Atomistik bringt nichts Neues gegenüber Demokrit, sondern eher eine Verschlechterung.
In der Sittenlehre [Ethik] sucht er seine Absicht ganz besonders durch das festzustellen, was die Natur selbst "genehmigt und verwirft", und dies sei die Lust und der Schmerz. Hierauf bezieht er alles; was wir erstreben bzw. wir fliehen sollen. Das erscheint ziemlich primitiv, den die Natur hat uns für eine höhere Bestimmung gebildet und geschaffen.

Von der Denklehre wisse Epikur nichts. Wenn er die Lust als das höchste Gut aufstellt, so verrät er ebenhierin wenig Scharfsinn. Die "Lustlehre" hat er von Aristippos, der sie besser begründet hat.

Cicero: Auf keinen Fall darf man verschweigen, worin man nicht übereinstimmt. Deshalb sind gegenseitige Zurückweisungen derer, die verschiedene Ansichten haben, nicht zu tadeln. Schimpfworte hingegen, Schmähungen, dann Leidenschaftlichkeit, eigensinniger Streit und Wortgezänk, dass ist bei einer Untersuchung der Philosophie unwürdig. - Guter Hinweis an gewisse Forumsteilnehmer -.

Nun zu Epikur:
Jedes lebende Wesen strebt sogleich nach seiner Geburt nach der Lust [oder Bedürfnisbefriedigung] und freut sich ihrer als des höchsten Gutes, den Schmerz hingegen verabscheut es als das höchste Übel und weist ihn soviel als möglich von sich, und dies tut es in einem noch nicht verdorbenen Zustand, wo das Urteil der Natur selbst unverfälscht ist. Dass die Lust anzustreben und der Schmerz zu vermeiden ist, bedarf es keiner philosophischen Beweisführung, den die sinnliche Empfindung sagt z.B. dass das Feuer heiss und der Honig süss ist.

Nun gibt es aber Kritiker, die nicht einverstanden sind. Man muss die Sache genauer betrachten:
Niemand verschmäht, hasst und flieht die Lust an sich, weil sie Lust ist, sondern weil es für die, die die Lust auf keine vernünftige Weise zu suchen verstehen, Schmerzen [und evtl. Verlust an Vermögen, Ehre und Gesundheit] zur Folge hat. Ebensowenig gibt es einen Menschen, der den Schmerz an sich, weil er Schmerz ist, liebt, erstrebt, und zu erringen wünscht, sondern weil zuweilen solche Umstände eintreten, dass man sich durch Mühsal [labores, Arbeit] und Schmerz irgendeine grosse Lust verschafft, z.B. einen fitten Körper durch Leibesübungen.
[Es folgen etliche Beispiele glänzender Taten ruhmvoller Männer der römischen Zeit.]

Jetzt will der Epikur-Fan das Wesen und die Beschaffenheit der Lust selbst entwickeln, damit jedes Missverständnis hinweggeräumt werde und man begreife, wie ein Lehrgebäude [des Epikur], das man für wollüstig, verzärtelt und weichlich hält in hohem Grade ernst, genügsam und streng sei.
Denn nicht nach der Lust allein streben wir, die durch die Annehmlichkeit unseres Wesens selbst in Bewegung setzt* und mit einem gewissen Wohlbehagen der Sinne empfunden wird. Wenn wir nämlich von einem Schmerz befreit werden [oder er nachlässt], so freuen wir uns schon über die Befreiung und Entledigung von aller Beschwernis.

Weil aber all das, worüber wir uns freuen, Lust ist; sowie alles, wodurch wir verletzt werden [z.B. durch böse Worte] Schmerz, so ist die Befreiung von allem Schmerz mit Recht Lust genannt worden. Denn so wie nach Stillung des Hungers und Durstes durch Speise und Trank die Beseitigung der Beschwerlichkeit [wohl eher Bedürftigkeit] selbst die Lust [voluptas, griech. hedone] zur Folge hat, so bewirkt in jedem Fall die Entfernung des Schmerzes [dolor] den Eintritt der Lust.
Daher ist Epikur der Ansicht, dass zwischen Schmerz und Lust kein Mittelzustand stattfinde, denn eben dieser Mittelzustand, der von einigen angenommen wird, der Zustand völliger Schmerzlosigkeit, sei nicht nur Lust, sondern die höchste Lust. - Also seien wir doch dankbar und zufrieden, wenn wir keine Schmerzen habe und in Ruhe irgendwo sitzen und posten können.
Denn wer fühlt [oder sich bewusst macht], auf welche Weise er [der Weise?] gestimmt sei, der muss sich notwendig im Zustand der Lust oder in dem des Schmerzes befinden; auf die Befreiung von Schmerz aber wird nach Epikurs Ansicht die höchste Lust beschränkt, so dass sich Lust in der Folge zwar sich mannigfaltig gestalten und abwechseln kann, aber keine Steigerung und Erweiterung zulässt. - Das ist etwas sonderbar und Cicero macht einen Scherz mit dem Standbild eines Mannes mit ausgestreckter Hand (den ich zwar nicht ganz verstehe)

Seneca: Wenn ich also z.B. starkes sexuelles Verlangen, also gleichsam (lat. quasi) einen Schmerz habe, und mir einen Orgasmus verschaffe, so ist die höchste Lust die Entfernung des erwähnten Schmerzes. Epikur hat also recht, weil, wie gesagt, die Lustbefriedigung = Schmerzbefreiung mannigfaltig sein kann. Ohne die Arbeit an diesem Post bzw. mit diesem Text wäre ich wohl nicht zu dieser Erkenntnis gelangt.

* Fussnote des Übersetzers Raphael Kühner: Epikur nahm zwei Arten von Lust an. Die eine (voluptas movens) besteht in Bewegung (motus, vgl. Emotion), insofern sie unsere Sinne durch [irgendeine] Annehmlichkeit (suavitas aliqua) in Bewegung setzt (movet), die andere (voluptas stans) in ruhigem Zustand, insofern sie durch die Entfernung allen Schmerzes bewirkt wird.

Quelle:
Marcus Tullius CICERO (106 - 43 vor u.Z.), Vom höchsten gut und grössten Übel (de finibus bonorum et malorum), Goldmann TB 1311

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Reklov Offline




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12.07.2018 12:16
#571 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Oh ja, meine Mutter hat mir auch noch am Sterbebett Vorwürfe gemacht, dass sie nun meinetwegen in die Hölle kommen würde, weil es ihr nicht gelungen sei, mich zu einem gläubigen Menschen zu machen.

Perquestavolta,

... meine (kath. erzogene) Mutter hielt nichts von der Kirche und Jesus war für sie nur ein guter Mensch mit großem Gottesbewusstsein. - Ich wuchs also in einer Familie auf, in der es auf relig. Gebiet überhaupt keine Gängelungen oder Vorwürfe gab.
Deine Mutter hätte besser über das Wesen des so von Menschen gedachten Gottes nachdenken sollen, dann wäre ihr auch der Unterschied von geistiger Versklavung seitens der Kirche und dem Begriff der GNADE klarer geworden. - In der Bibel waren es z.B. gerade die "in Sünde Gescheiterten", denen sich Jesus zugewandt haben soll. Sünde = (von "absondern").

Mein Vater war übrigens nicht gläubig - seine Mutter dagegen sehr! Sie betete sogar vor dem Essen.

Gruß von Reklov

Perquestavolta Offline



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14.07.2018 11:42
#572 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Also sind wir schon wieder in diesen deinen 4 einzigen Himmelsrichtungen "ICH MEIN MIR und MICH" unterwegs.

Ich hab deine Ahnengalerie durchforstet, Reklov, damit ich besser verstehen kann, wie es dazu gekommen ist, dass du keine anderen Himmelsrichtungen kennst. Und ich habe dir gesagt, dass ich fündig geworden bin.

Du hast mal geschrieben, dass du als Kind ganz und ausschließlich im evangelisch-lutherischen Glaubensgrundsatz erzogen wurdest und auch sonst noch so einiges darüber erzählt, wie "deine Eltern" sich diesbezüglich bemüht haben. Jetzt auf einmal stellt sich aber heraus, dass deine Mutter doch katholischer Herkunft war.

Ganz davon abgesehen davon, dass auch deine Namensgebenden Ahnen einen überaus verzerrten Realitätsbezug hatten, mit dem sich einige dann auch während der nationalsozialistschen/faschistischen Zeit besonders unrühmlich hervorgetan haben, fällt da vor allem und besonders auf, dass auch das ihr gut dokumentierte Interesse für die Philosophie immer den besonderen Zweck der Rechtfertigung krankhafter Selbstbezogenheit und Selbstüberschätzung verfolgte.

Deine ständigen "Wir Deutschen im Deutsch Belehrung", sind dann auch ein mehr als deutlicher Beleg dafür, wo die Wesensnatur deiner Seele ihre genetischen Wurzeln hat.

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Reklov Offline




Beiträge: 3.946

15.07.2018 12:36
#573 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Ich hab deine Ahnengalerie durchforstet, Reklov, damit ich besser verstehen kann, wie es dazu gekommen ist, dass du keine anderen Himmelsrichtungen kennst. Und ich habe dir gesagt, dass ich fündig geworden bin.

Perquestavolta,

... ich selbst kann meine Ahnengalerie, anhand von alten Fotos, nur bis zu meinem Urgroßvater verfolgen. - Der von Dir erwähnte Nazi "Rosenberg" hat mit meinem Familienstamm nun aber nicht das Geringste zu tun, denn mein Großvater (väterliche Seite) kam aus Danzig. - Das Wesen meiner beiden Großmütter konnte ich noch lange "erleben", meine Großväter starben aber schon, als ich noch im Vorschulalter war. Von "durchforsten" kann also weder bei mir, noch viel weniger bei Dir, die Rede sein, - denn alte Fotos sagen leider nicht so viel aus, wie ein persönliches Kennenlernen.

Zitat
Du hast mal geschrieben, dass du als Kind ganz und ausschließlich im evangelisch-lutherischen Glaubensgrundsatz erzogen wurdest und auch sonst noch so einiges darüber erzählt, wie "deine Eltern" sich diesbezüglich bemüht haben. Jetzt auf einmal stellt sich aber heraus, dass deine Mutter doch katholischer Herkunft war.

Das ist auch völlig korrekt, denn ich wurde ev. getauft, wenn auch (wie jedes Baby!) ohne Einwilligung, da mein Vater ebenfalls ev. war - jedenfalls auf dem Papier, denn er "glaubte" nicht! - Meine Mutter war katholisch erzogen worden, sprach mit uns Kindern (meiner Schwester und mir) aber nie über religiöse Inhalte oder Bibeltexte, sondern ließ hier und da lediglich durchblicken, dass sie ihren damaligen kath. Pfarrer gehasst habe, weil er den am Sonntag nicht in der Kirche erschienenen Kindern (Anwärter auf die "Erstkommunion") beim nächsten Unterricht eine Ohrfeige zu geben pflegte.

Zitat
Ganz davon abgesehen davon, dass auch deine Namensgebenden Ahnen einen überaus verzerrten Realitätsbezug hatten, mit dem sich einige dann auch während der nationalsozialistschen/faschistischen Zeit besonders unrühmlich hervorgetan haben, fällt da vor allem und besonders auf, dass auch das ihr gut dokumentierte Interesse für die Philosophie immer den besonderen Zweck der Rechtfertigung krankhafter Selbstbezogenheit und Selbstüberschätzung verfolgte.

Um Deinen "verzerrte Realitätsbezug" über meine Ahnen entsprechend zu begradigen, darf ich anmerken, dass mein, aus Danzig stammender jüd. Großvater (verheiratet mit einer "echten" deutschen Arierin aus Berlin) dem Tod im KZ nur deswegen entgehen konnte, weil er die höchste militär. Auszeichnung des 1. Weltkrieges vorweisen konnte. Solches hat selbst die Nazis (vor allem auch Hitler!) beeindruckt, so dass man die "Helden des 1. Weltkrieges" verschonte. Mein Großvater wurde dann, nach 3-wöchiger Haft im Gestapo-Keller, wieder nach Hause entlassen. Diese 3 Wochen harter Haft verwandelten ihn jedoch zu einem verschlossenen, schweigsamen Mann, der von "Volk und Vaterland" mehr als enttäuscht war. - Mein Vater (ein "Mischling"), durfte aber nach seinem Abi deswegen dennoch nicht studieren, war aber immerhin gut genug, dem deutschen Heer im 2. Weltkrieg als Transportflieger, auf der Route Kreta - Nordafrika, zu dienen.

Wer aber Philosophie als "Rechtfertigung krankhafter Selbstbezogenheit" benützt, hat von ihrem eigentlichen Wesen sowieso wenig begriffen, denn auch diese Geisteswissenschaft vermag die Welt lediglich auf jeweils unterschiedliche Weise zu interpretieren, aber nicht zu erklären - genau wie die Naturwissenschaften.
Vielleicht hat Dein "Realitätsbezug" nach diesen Zeilen etwas dazu gelernt?

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 3.946

15.07.2018 13:25
#574 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Und sag jetzt nicht, dass ich die Gläubigen dauernd abwerten würde. Weil dann hast du nämlich den Zusammenhang nicht verstanden. Es sind nicht wir Atheisten, die den Gläubigen hinterher rennen, um ihnen weis machen zu wollen, dass ihr Leben überhaupt gar keinen Sinn haben könne, wenn sie an einen Gott glauben, Reklov.

Perquestavolta,

... Du schienst nichts zu verstehen!? - Der "Sinn" des Lebens erstreckt sich für Gläubige nicht allein auf dieses kurze Erdenleben, sondern wird im Glauben vor allem auf die Zeit nach dem Ableben gestreckt. Der Lebenssinn ist also bei einem Gläubigen durch 2 Pole verbunden - dem Diesseits und dem Jenseits.
Nun kann natürlich ein Atheist seinen "Sinn" z.B. im Weitergeben seiner Gene sehen. Dies wäre aber nur so lange am Funktionieren, wie auch unsere Sonne brennen würde. Ansonsten ist auch hier ein Zeitlimit eingebaut und so kann damit auch keine Brücke zu dem, von Gläubigen so gedachten, Jenseits geschlagen werden. - Möglich wäre aber auch eine Vorstellung von einem, sich ewig neu formierenden Leben auf anderen Sonnensystemen, wie immer auch sich das Wort "Leben" dort darstellen mag !?!?

Zitat
Ich hab dir ja schon X_mal gesagt, dass du doch glauben könntest was du willst. Und wenn du aber hier in einen Forum in dem es um die Position der Atheisten gegenüber den Religionen geht, insistierst, dass doch die Weltanschauung von uns Atheisten von minderwertiger oder gar wertlosester Bedeutung ist, dann forderst du es nur selbst heraus, dir das Gegenteil zu beweisen, Reklov.

>Jeder, wie er mag und kann.< Bewerten oder abwerten sollte man persönliche Lebenswege überhaupt nicht. Ich kann mich aber noch gut erinnern, dass Du Deine Reihe "persönlicher" Bemerkungen hier im Forum damit begonnen hast, die Gläubigen als "Religioten" zu bezeichnen. Als dann Kritik aufkam, bist Du in eine sprachliche "Verharmlosung" geflüchtet. Ich machte Dich damals darauf aufmerksam, dass es auch "Wissensioten" gibt, die vom "Verstehen der Welt" noch sehr weit entfernt sind, allenfalls wissenschaftliche "Modelle" in ihre Argumentationskette einbauen können.

Zitat
Vielleicht gibt es ja den kleinen Unterschied zwischen "echten" und "falschen Schotten", Reklov. Nur sind sich da auch "die Schotten" untereinander überhaupt nicht einig, wer denn nun zu welcher Kategorie gehört.

Das Auseinanderhalten von "echt und falsch" ist nicht so schwer, denn man erkennt die Menschen (nicht nur die "Schotten) stets an ihren Handlungen.
Bibel: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! (1. Johannes 2,1-6)

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 3.946

15.07.2018 13:45
#575 RE: Dualismus: Die Verdoppelung der Welt antworten

Zitat
Kommt drauf an, was er thematisiert: Ethik, Politik, Kapital, Erkenntnisprozesse, Welt- und Selbsterkenntnis. Und Selbstverwirklichung.

Gysi,

... auch Deine aufgezählten Stichworte sind wichtige Themen, doch wurden sie nicht ohne Grund von I.Kant von den transzendenten Themen durch 2 Bücher getrennt:
(Kritik der reinen und der praktischen Vernunft.) Die "Kritik der reinen Vernunft" ist das erkenntnistheoretische Hauptwerk des Philosophen I.Kant, in dem er den Grundriss für seine Transzendentalphilosophie liefert. - "Kritik der praktischen Vernunft" ist der Titel des zweiten Hauptwerks Immanuel Kants.

Gruß von Reklov

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