Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

Der substanzielle  Dialog
 
"Je suis Charlie!"
Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!


Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 628 Antworten
und wurde 91.885 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Seiten 1 | ... 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26
Reklov Offline




Beiträge: 4.128

04.09.2018 11:44
#626 RE: "Summe" der philosophischen Gotteserkenntnis sprich Gottesspekulation antworten

Zitat
Damit würden wir heute noch "unter den Bäumen nach Höhlen suchen" und uns vor bösen Geistern fürchten, die uns krank machen".

Perquestavolta,

... das ist richtig. Heute heißen unsere "bösen, krankmachenden Geister", die wir zurecht fürchten sollten: ATOMRAKETE, ATOMABFÄLLE, UMWELTVERSCHMUTZUNG, KLIMAERWÄRMUNG, AUSBEUTUNG, UNGERECHTIGKEIT, DEKADENZ, KORRUPTION, KRIMINALITÄT, HUNGER/ELEND nicht nur in der 3. Welt ... etc.

Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, wir säßen noch heute auf Bäumen oder in Höhlen?

Gruß von Reklov

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 628

04.09.2018 16:58
#627 Der Beweis der Nichtexistenz Gottes in der indischen Samkhya-Philsophie antworten

Die Samkhya-Philosophie oder eher Samkhya-Metaphysik ist sehr komplex (s. Wikipedia). Ich gebe hier nur eine kurze Zusammenfassung. Die indische oder hinduistische Philosophie hat sehr verschiedene Zweige entwickelt, der Samkhya ist nur einer davon. Es gibt also keine einheitliche Lehre, keine "Offenbarung". Auch die christliche "Philosophie" hat verschiedene Quellen, ist also nicht aus einem Guss. Ebenso ist der Koran nicht plötzlich vom Himmel in den Kopf von Mohammed gefallen.

Die Samkhya-Metaphysik gilt - obwohl dualistisch - als atheistisch, weil sie einen ewigen und einzigen Weltenherren (Ishvara) als den gemeinsamen Urgrund von prakriti (ewige unbewusste Kraftsubstanz oder auch m.E. der schopenhauersche Wille) und purusha (Geistmonaden oder "Seelen") ablehnt und als causa efficiens (wirkende Ursache) des Weltprozesses fortlässt sowie die Einheit alles Geschehens allein durch ein immanentes unpersönliches Weltgesetz aufrecht erhalten sein lässt. Damit ist der monistische Überbau [der Höchstgott] und vieles andere weggefallen.

Die früheren Samkhya-Systeme (die Metaphysik ist also nicht einheitlich) haben ausser der Ur-Natur prakriti und den Einzelseeln purusha noch andere Manifestationen des göttlichen "Urwesens" [nicht i.S.v. Person sondern als blosses Sein] angenommen, die unabhängig neben den genannten Entitäten stehen, wie die Zeit, die Notwendigkeit (svabhava), das Karma, den Veda usw. diese werden alle auf die prakriti zurückgeführt, so dass alles, was wirksam ist, auf zwei, und nur auf zwei Weltprinzipien zurückgeht.

Dieser Atheismus [Ablehnung eines Weltenherrschers] wird in der Karika (hl. Schrift des Samkhya) nicht begründet. Die Kommentatoren geben eine Reihe von Gründen gegen die Annahme des Daseins eines Weltregierers an. So führen Mathara und Gaudapada (zu Karika 61) aus, dass ein "Gott" im System keinen Platz haben könne, da es nur zwei Arten von Geistwesen gebe: erlöste, die von der scheinbaren Verbindung mit der Urnatur frei [also ausserhalb dieser] sind; und gebundene, welche [notwendig] den Gunas (Konstituenten, nach Glasenapp) verhaftet sind.

EXKURS: Was sind die drei Gunas oder Konstituenten [vgl. lat. constituere hinstellen, -setzen, -legen, aufstellen] statt Konstituenten oder Substanzen könnte man m.E. Prinzipien sagen:
- die Substanzen des Lichten [Hellen, Klaren], Freudigen (sattva) - dem Gott Vishnu zugeordnet;
- des Beweglichen, Anregenden, Leidenschaftlichen (rajas) - dem Gott Brahma zugeordnet;
- des Dunklen, Schweren, Hemmenden (tamas) - dem Gott Shiva zugeordnet;
Hier noch eine meines Erachtens gute Definition in English
The three gunas, according to the Indian worldview of Samkhya, that have always been and continue to be present in all things and beings in the world. These three gunas are called: sattva (goodness, constructive, harmonious), rajas (passion, active, confused), and tamas (darkness, destructive, chaotic.

Beweise bzw. Begründungen für die Nichtexistenz eines einzigen Höchst-Gottes
[Beweis, vgl. lat. demonstratio = Aufzeigung]

Ist Gott eine erlöste Seele [Geistwesen], so kann er die Welt nicht schaffen [nicht geschaffen haben] oder regieren [leiten], da ihm die [Sinnes-]Organe des Denkens, Wollens usw. sowie alle Motive [Willen] für die Weltschöpfung und Weltlenkung fehlen und es auch undenkbar wäre, dass die guna-haften Wesen usw. von etwas guna-Freiem ihren Ursprung haben.

Der grösste Atheist der Philosophie-Geschichte, der deutsch-französische Baron Dietrich "Tyri" D'Holbach (1723-1789) sagte sinngemäss dasselbe (Système de la nature): Wesen/Subjekte, die Zorn, Liebe, Hass etc. empfinden, müssen erstens Sinnesorgane haben und sind zweitens notwendig in der Welt, wo sie sich orientieren müssen (dafür sind Sinne da). Sie sind nicht überweltlich, sondern organisch gebaute Wesen also Lebewesen. Der Samkhya zeigt, dass indischen Philosophen sind schon viel früher darauf gekommen, dass ein überweltliches Höchst-Wesen nicht existieren kann. Die Inder haben btw unser höchst praktisches dezimales Zahlensystem erfunden, nicht die Araber. Diese habe es uns überliefert. Ich wundere mich, wie die Römer mit ihren Zahlen rechneten.

Ist Gott selbst aber eine gebundene Seele, so ist er den Gunas und dem Samsara [Kreislauf von Werden und Vergehen] unterworfen und könnte weder ewig noch noch allwissend noch vollkommen sein. Vacaspatimishra (zu Karika 57) macht geltend, dass ein ewiger, vollkommener Gott weder aus Egoismus die Welt ins Dasein gerufen haben könne, da ihm [als Vollkommener] nichts fehlt, noch aus Güte, weil er sonst ja der Urheber der Leiden [also böse] in der Welt wäre.

Die Entstehung der Welt [Gott als "Schöpfer"] und die Vergeltung aller guten und bösen Taten [Gott als Richter] lässt sich deshalb besser durch Annahme einer der prakriti immanenten natürlichen Gesetzmässigkeit erklären, als durch die Hypothese von einem persönlichen Weltenherrn, der über der prakriti und den Geistmonaden (purusha) steht.

Exkurs: Die unbeantwortbare Frage, wie und wodurch bzw. durch wen die Welt oder der Kosmos entstanden ist, lässt die Samkhya-Philosophie offen und lebt gut damit. Warum sich also wegen dieser Frage abplagen, wie es die Erste-Ursache-Junkies in diesem Forum tun. Auch der originale Seneca kritisiert das Sinnen nach der ersten Ursache als unnütz (werde das Zitat noch nachliefern).

Die Ablehnung des Glaubens an einen ewigen über- oder vorweltlichen Weltenherrn bedingt nach indischer Auffassung nicht die Negierung der Existenz der zahlreichen Gottheiten, welche in den (übrigen) heiligen Schriften erwähnt und in den Tempeln verehrt werden. Diese Götter sind vielmehr nur "gewordene Herren", d.h. erhabene Wesenheiten, die aufgrund ihres Karma zeitweilig eine bevorzugte und einflussreiche Stellung im Weltgefüge inne haben.

Der Atheismus des Samkhya ist kein "Rationalismus" im westlichen Verstand; er leugnet nicht die Wirksamkeit göttlicher Wesen in der Welt, sondern behauptet nur, dass es keinen ewigen Weltregierer gibt, und dass auch Brahma, Vishnu, Shiva usw. "nur" Geistmonaden sind die dem ewigen Weltgesetz [vgl. logos] unterliegen.

Ebenso wie der Jainismus, der Buddhismus und der spätere Vishnuismus hat der klassische Samkhya stehts die Tieropfer als grausam und zwecklos bekämpft. Ein Gelehrter zitiert den ironischen Vers: "Wenn man den Himmel durch Opfer erreicht, bei welchen man Tiere tötet und blutigen Schmutz hervorruft, wodurch kommt man dann in die Hölle?"

Exkurs: Die Moslems töten beim "Opferfest" eine Unmenge Hammeln und sogar Kamele (eines wird sogar von einem Autofahrer am Strick auf der Strasse geführt, s. youtube), so viele Arme gibt es gar nicht, um all das an einem Tag gemetzgete Fleisch zu essen. Die Christen haben das heidnisch-römische Abschlachten von Ochsen überwunden und feiern nur noch das Opfer von Jesus durch symbolisch kannibalisches Bluttrinken (Wein) und Fleischessen (Brot) beim Abendmahl.
Die Grausamkeit und Primitivität des Tieropferns hat der Islam also (noch) nicht überwunden. Es scheint mir immer wieder nötig, auf die konkreten Inhalte der islamischen Religion hinzuweisen und nicht immer nur gutmenschenhaft und leisetreterisch die Religionsfreiheit hochleben zu lassen.

Quelle:
Helmut von Glasenapp: Die Philosophie der Inder - Eine Einführung in ihre Geschichte und ihre Lehren
Alfred Kröner (Bd. 195), 1949

__________________________________________________
RELIGION IST HEILBAR! - Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).- Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer).
Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde
(Nietzsche, Zarathustra).

Perquestavolta Offline



Beiträge: 3.368

04.09.2018 18:30
#628 RE: "Summe" der philosophischen Gotteserkenntnis sprich Gottesspekulation antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #625

Zitat
So langsam magst du hier abdanken, Reklov.
Perquestavolta,

... wieso - etwa Dir zuliebe? Geht Dir schon die Luft aus?
Außer bereits vorgekautem und bekanntem Wissen, bringst Du hier ja wenig Kreatives zustande und mit Negierungen der Transzendenz ist es allein nun auch nicht getan.




Und dabei hat Robert Openheimer, der Chefwissenschaftler bei der Entwicklung der ersten Atombombe, auch noch Philosophie studiert und war ein besonders spiritueller Mensch.

Bezüglich Transzebdebz... da reden wir noch immer von einem Körper-drogeninduzierten Unsinn. Hätte Oppenehmer sich nicht diesem realtätsvernebelnden Schwachsinn hingegeben, dann hätten wir heute keine Atombomben.

Obwohl uns diese Atombomben in den letzten 74 Jahren so manchen konventionellen Weltkrieg erspart haben.. Mit mit mehreren Zigmillionen Opfern pro Durchgang.

-----
Nur am Glauben kannst du drehen und schrauben. bis die Wahrheit die du glauben willst, dir auch passt..

Reklov Offline




Beiträge: 4.128

04.09.2018 22:19
#629 RE: "Summe" der philosophischen Gotteserkenntnis sprich Gottesspekulation antworten

Zitat
Hätte Oppenehmer sich nicht diesem realtätsvernebelnden Schwachsinn hingegeben, dann hätten wir heute keine Atombomben.

Perquestavolta,

... Oppenheimer war in erster Linie Chemiker und Physiker. - Außerdem belegte er Fächer wie Griechisch, Architektur, Kunst und Literatur. Dass er auch Anhänger der "Bhagavad Gita“, einer zentralen heiligen Schrift des Hinduismus war, macht ihn noch nicht zum astreinen Esoteriker. Der Mann soll ja auch in Krisen geraten sein, die eine psychologische Behandlung nötig machten.

Zwar ersparte uns die atomare Abschreckung bisher einen 3. Weltkrieg, aber es ist, wie man bei uns zu sagen pfelgt, "noch nicht aller Tage Abend".

Gruß von Reklov

Seiten 1 | ... 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26
 Sprung  
________________________________________

"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

________________________________________

=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

... Platz für Verlinkungsaustausche ...

VORSICHT! Vertrauensunwürdige Werbung!

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor