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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 414 mal aufgerufen
 Christentum
Ahriman Offline



Beiträge: 1.493

29.09.2010 11:34
Ein Interview Antworten

"Frau Dingelsberger-Meisenbleich, es ist außerdordentlich liebenswürdig von Ihnen, daß Sie sich zu diesem Gespräch bereit erklärt haben. Unsere Leser werden das sehr zu schätzen wissen."
"Aber ich bitte Sie! Ich weiß doch meinerseits das Bramsberger Intelligenz-Blatt zu schätzen! Jede Woche habe ich meine Anzeige darin."
"Ja, darum bin ich ja nun auch hier. Sie haben ein sehr ungewöhnliches Gewerbe, Gnädige Frau. Sie sind Gesundbeterin? Kann man das so bezeichnen?"
"Warum nicht, das Wort trifft doch sehr gut, was ich tue."
"Sie sprechen Bittgebete um Gesundheit für Menschen, die Sie damit beauftragen und Sie dafür bezahlen?"
"Richtig, das sagt es genau."
"Ist das eine anstrengende Tätigkeit?"
"Ja, gewiß. Es ist anstrengend, den ganzen Tag zu beten. Sehen Sie, in meinen Anfangszeiten kam ich ja mit zwanzig bis dreißig Vaterunsern pro Tag aus. Das verteilt sich gut, etwa fünfzehn nach dem Frühstück, dann vor dem Mittagessen wieder zehn, und schließlich am Nachmittag der Rest. Aber als allmählich weitere Klienten hinzukamen, wurde es doch etwas mühsam. Besonders nach dem Mittagessen ist keine gute Zeit für Gebete, ich schlief zu leicht dabei ein. Dann wußte ich nicht, wieviel ich schon erledigt hatte und mußte wieder ganz von vorn anfangen. Sie werden verstehen, daß gerade bei diesem Geschäft Redlichkeit und Genauigkeit zwingend sind."
"Oh ja, Gnädige Frau, das leuchtet mir ein."
"Ich engagierte damals ein nettes junges Mädchen, eine brave Katholikin und ließ sie einen Teil der anfallenden Bittgebete sprechen. Vor allem im Rosenkranzgebet war sie sehr gut trainiert, sie machte das ganz ausgezeichnet. Ich habe ihr diese Arbeit später im Akkord gegeben, sie kam dann sehr bald auf gut acht Euro in der Stunde. Inzwischen habe ich noch weitere drei Beterinnen und einen Beter angestellt."
"Wie bewerkstelligen Sie da die Abrechnung, Gnädige Frau?"
"Ich gebrauche Computer mit Spracherkennungssoftware. Der Rechner vergleicht die gesprochenen Gebete mit den gespeicherten Mustergebeten und registriert sie zuverlässig. Das sorgt gleichzeitig und ganz nebenbei für eine hochwertige Arbeit, ein Herunterleiern des Vaterunsers oder des Ave Maria wird von der Maschine nicht erkannt, sie gibt dann eine Fehlermeldung aus."
"Haben Sie viel Arbeit, Gnädige Frau?"
"Oh ja, ich bin zur Zeit dabei, noch weitere vier Arbeitsstellen zu schaffen. Dabei werde ich die erforderlichen Gebete in Heimarbeit vergeben, so ein PC braucht ja nicht viel Platz. Ich kann das über das Internet überwachen, die Aufträge an die Beter übermitteln und den Bestand an geleisteten Gebeten jederzeit abrufen."
"Werden die Gebete explizit für jeden Kunden gesprochen?"
"Aber ja doch, bei mir gibt es keine Massenabfertigung. Wir fügen in das Vaterunser eine zusätzliche Bitte ein, gleich nach der Bitte um das tägliche Brot. Nehmen wir an, der Klient heiße Achim Müller, so würde die zusätzliche Zeile dann lauten: »und gib Heilung dem Achim Müller für sein entzündetes Bein«. Beim Ave Maria wird die Bitte an den Schluß angehängt: »und bitte für den Achim Müller um Heilung für sein entzündetes Bein«."
"Ist das theologisch gesehen zulässig, Gnädige Frau?"
"Oh ja! Ich habe das mit seiner Eminenz dem Bischof Heberding eingehend besprochen. Er hat keine Einwände dagegen. Ich hatte den Vorschlag geäußert, daß eine kleine Lizenzgebühr pro Gebet an die Kirche dem ganzen Unternehmen eine gewisse Weihe geben dürfte. Seine Eminenz zeigte sich sehr aufgeschlossen und begrüßte das. Das wird inzwischen vom überwachenden Computer abgerechnet und automatisch jeden Monat an die Kasse der Diözese überwiesen."
"Das ist wirklich sehr praktisch. Sagen Sie, arbeiten Sie nur für Katholiken?"
"Aber nein. Gott ist doch für alle Menschen da. Seine Eminenz bewertet es durchaus posistiv, auch für Nichtkatholiken zu beten. Natürlich gibt es für Lutheraner keine Rosenkranzgebete, da gebrauche ich ausschließlich das Vaterunser."
"Sehr interessant. Da haben Sie sicher eine gute Auftragslage?"
"Ja, so ist es. Ich habe auch inzwischen eine Anfrage an den Heiligen Vater zu Rom gerichtet, ob wohl der Einsatz von tibetanischen Gebetsmühlen theologisch zulässig sein könnte. Etwa wenn die Geräte gegen eine entsprechende Gebühr von einem Bischof geweiht würden."
"Und was hat der Papst dazu gesagt?"
"Die Antwort steht noch aus. Sie wissen ja, so schnell geht sowas nicht in Rom, das muß weidlich überlegt und geprüft werden."
"Wie ist das, Gnädige Frau, erreichen Sie ihre Klienten auch über größere Entfernungen?"
"Aber gewiß doch, Gott ist überall! Heikel wird es nur, wenn ein Klient es verabsäumt, mit mir in Verbindung zu bleiben. Ich hatte den Fall eines Schreiners, der bei der Arbeit an der Kreissäge den linken Zeigefinger verloren hatte. Der Mann hatte mir einen Dauerauftrag erteilt, dann aber vergessen, diesen rechtzeitig zu kündigen. Jetzt hat er an seiner linken Hand sechs Finger."
"Wie steht denn die Schulmedizin zu Ihnen, Gnädige Frau? Und die Pharmazeutiker?"
"Die Mediziner lehnen meine Erfolge freilich ab, in deren Kreisen spricht mal allgemein von einem Placebo-Effekt. Ebenso ist die pharmazeutische Industrie mir keinesfalls wohlgesinnt. Bei den Apothekern werden sich die Ansichten aber bald zu meinen Gunsten wandeln."
"Wie das?"
"Ich werde sehr bald mit homöopathischen Gebetstropfen auf den Markt kommen. Ich habe einen Wassertank installieren lassen, in dem ein kräftiger Unterwasser-Lautsprecher eingebaut ist. Eine meiner Beterinnen wird damit das Wasser bebeten. Wasser hat ein Gedächtnis, so lehrte es uns der unsterbliche Professor Hahnemann. Darum kann es auch leicht Gebete aufnehmen. Ich habe einen erfahrenen Homöopathen eingestellt, der aus diesen Wasser nach bewährter Art die Gebetsmedizin dann potenzieren wird. Eine ganze Anzahl Apotheker, mit denen ich vertrauliche Vorabgespräche führte, zeigten sich durchgängig sehr interessiert, diese Medikamente zu vermarkten."
"Haben Sie schon erwogen, auf veterinärmedizinischem Gebiet tätig zu werden, Gnädige Frau?"
"Aber das tue ich doch schon! Meine Klienten sind allesamt Ochsen und Ziegen, Puten und Esel!"
"Frau Dingelsberger-Meisenbleich, das Bramsberger Intelligenz-Blatt dankt Ihnen für dieses aufschlußreiche Gespräch!"

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Glaubst du noch oder denkst du schon?

William Offline

´s Anti-Christ-Birne


Beiträge: 451

29.09.2010 17:46
#2 RE: Ein Interview Antworten

Ist das eine Satire? Selbstgeschrieben? Dann ist es eine gute und treffende Satire.

********
Amicalement, William

Ich supporte http://dialog2punkt0.xobor.de

Eulenspiegel Offline

Atheist

Beiträge: 1.634

29.09.2010 20:17
#3 RE: Ein Interview Antworten

Ein kleiner Tipp an Frau Dingelsberger-Meisenbleich:
Wenn man schon Computer einsetzt, dann kann man diese auch gleich die Gebete vorlesen lassen.
Da gibt´s schon ganz brauchbare Programme und die sind mit Sicherheit kostengünstiger als
die menschlichen Gebetsmühlen.

Grüsse
Till

 Sprung  
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