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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 39 Antworten
und wurde 1.664 mal aufgerufen
 Islam
Seiten 1 | 2
Drummer Offline



Beiträge: 2

20.09.2011 11:39
Islam & Heavy Metal Antworten

Hallo,
ich bin Drehbuchautor und neu in diesem Forum. Ich suche Infos zu den Themen Islam & Heavy Metal. Ich suche Menschen, die aktiv Ihre Religion leben und Heavy Metal mögen, selbst Musiker oder zumindest begeisterte Fans sind. Ich möchte wissen ob und wie der Islam und Heavy Metal vereinbar sind.
Bei meinem Stoff geht es unter anderem um eine fiktive Heavy Metal Band, die sich aus Atheisten, Christen und Moslems zusammensetzt, und die mit ihren Songs "die Welt" verbessern will.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

20.09.2011 15:28
#2  Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Drummer
Bei meinem Stoff geht es unter anderem um eine fiktive Heavy Metal Band, die sich aus Atheisten, Christen und Moslems zusammensetzt, und die mit ihren Songs "die Welt" verbessern will.

Eine Philosophie also, die den einheitlichen Kern der Christen, Moslems und Atheisten findet. Keine schlechte Idee. Aber ich glaube, dass der einheitliche Kern im Menschsein dieser verschiedentlich geprägten Musiker liegen wird. Und nicht in der Religion. Religion trennt. Menschsein bindet.

Ich erinnere mich an die Lordi 2006 und ihrem Song "Hardrock Halleluja!", mit dem sie den ESC gewonnen hatten. Die ließen (nach dem Text) die Dämonen mit den Engeln Gottes gemeinsam tanzen. Die sprengten religiöse Grundsätze. Und das werden deine Heavy-Metal-Musiker wohl auch tun müssen...

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Drummer Offline



Beiträge: 2

20.09.2011 15:39
#3 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Natürlich sind und bleiben die Musiker Indivitualisten, die aber dennoch durch ihre Religion geprägt sind. Meine Frage ist aber erstmal, wie lässt sich Islam & Heavy Metal vereinen? Wie lebt ein gläubiger Muslim, der eine "westlich" geprägte Musik liebt. Eine interessante Doku dazu gibt es hier:
http://www.heavymetalinbaghdad.com/home.html

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

20.09.2011 15:53
#4 Islam & Heavy Metal Antworten

Da müssen Moslems wohl die Antworten zu geben. Es gibt ja verschiedene muslimische Strömungen - konservative, für die schon die normale Popmusik vom Teufel ist - und progressivere, die es - wie die Christen auch - verstehen, moderne Kunst für ihre Missionierung einzubinden.

Deine Drehbuchidee finde ich super. Aber das Ergebnis der Musiker muss die Desillusionierung sein. Und eine Entscheidung für die Menschlichkeit. Und gegen die Religionen. Zumindest gegen die Traditionen dieser.

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FSMQueen of damned Offline

Pasta-Farina


Beiträge: 3.326

20.09.2011 19:56
#5 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat
Deine Drehbuchidee finde ich super. Aber das Ergebnis der Musiker muss die Desillusionierung sein. Und eine Entscheidung für die Menschlichkeit. Und gegen die Religionen. Zumindest gegen die Traditionen dieser.

Dem stimme ich zu! Bin gespannt, ob sich ein paar Forumsmuslime in diesem Thread melden und wünsche dir viel Erfolg, Drummer!

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kadesch Offline



Beiträge: 2.705

29.09.2011 15:27
#6 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Gerade bei muslimen kann man ja diese ständige Gratwanderung beobachten.
Auf der einen Seite hassen viele den westlichen Lebensstil, schaätzen aber auch
die kulturellen und technologischen Leistungen des Westens.
Ein islamist kann also durchaus einen Mercedes fahren, oder TV sehen. oder

Glaube ist Aberglaube

Wu Offline




Beiträge: 417

29.09.2011 16:51
#7 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Es gibt ja zumindest Heavy Metal-Musik aus muslimischen Ländern. Narjanaham aus Bahrain z.B. (Und selbst nichtmuslimische wie Master musicians of Bukakke sind letztens in Burka oder Burkaähnlichen Gewändern aufgetreten ;-) )

Die Frage ist für mich eher: will Metal die Welt verbessern?

Gysis Entscheidung für Menschlichkeit und gegen die Religionen klingt aber genauso gruslig.

http://tao-forum.de/

pilgarlic Offline




Beiträge: 77

29.09.2011 16:56
#8 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Wu
Die Frage ist für mich eher: will Metal die Welt verbessern?


Der Anspruch besteht bestimmt auch gar nicht.

Zitat von Wu
Gysis Entscheidung für Menschlichkeit und gegen die Religionen klingt aber genauso gruslig.


Immer noch besser wie anders rum.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

29.09.2011 19:53
#9 Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Wu
Gysis Entscheidung für Menschlichkeit und gegen die Religionen klingt aber genauso gruslig.

Glaubst du denn, dass die Einheit der Religionen eine Einheit demokratischer und souverän denkender und handelnder Menschen herstellen könnte?

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Wu Offline




Beiträge: 417

30.09.2011 20:29
#10 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Eine Einheit aller Religionen wird es nicht geben, nicht einmal die Einheit einer einzelnen Religion. Sieh dir doch mal an, wie zerstritten die verschiedenen christlichen Richtungen untereinander sind, genauso siehts beim Islam und im Buddhismus auch aus.
Ich denk es geht immer mehr um eine viel größere Vielschichtigkeit, also eher in Richtung Patchworkreligionen als in Richtung eines geeinten wie auch immer (wenns auch immer wieder versucht wird - siehe Bahai - so entsteht doch nur wieder was neues, was niemand und nichts vereint)
Aber Menschlichkeit ist für mich eine Fortführung religiöser Ansätze im Dienste eines Humanismus. Und er führt sicher genauso zu Gewalt wie Nächstenliebe zu Kreuzzügen geführt hat. Ich mißtrau beidem.
Aber am meisten mißtrau ich Weltverbesserungsvorstellungen. Sie glauben, das man das hier verbessern müsste. Und dann wird ein verschlimmbessern daraus.

Ach ja, was Metal aus islamischen Ländern angeht, viel mir Taarma noch ein, sie (oder besser er) kommen aus dem Grenzgebiet zwischen Afganistan und Pakistan. Sie sind so schön depressiv. Schwelg.
Obwohl ich eigentlich mit Metal nich viel anfangen kann.

http://tao-forum.de/

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

01.10.2011 09:15
#11 Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Wu
Eine Einheit aller Religionen wird es nicht geben, nicht einmal die Einheit einer einzelnen Religion. (...) => Ich denk es geht immer mehr um eine viel größere Vielschichtigkeit, also eher in Richtung Patchworkreligionen als in Richtung eines geeinten wie auch immer (wenns auch immer wieder versucht wird - siehe Bahai - so entsteht doch nur wieder was neues, was niemand und nichts vereint)

Also was Neues. Die Original-Religionen packen die Einheit nicht, das sagst du auch. Wie soll denn die Patchwork-Zusammensetzung aussehen? Was für Bedürfnisse soll die denn bedienen? Wer kann das sagen, wenn nicht der... Mensch? Nicht Gott - der Mensch!

Was soll die Menschen leiten, wenn nicht die Wahrhaftigkeit? Was bringt uns zur Wahrhaftigkeit, wenn nicht der Erkenntnispfad? => Der Pfad der Rede und Gegenrede, der These und Antithese, des Glaubens und des ZWEIFELS! Die Religionen verteufeln den Zweifel. Also können die auch nicht wahrhaftig sein.

Wahr ist auch, dass wir durch die wissenschaftlich orientierte Philosophie (den Religionen gegenüber) dazugewonnen haben. (Durch die Erkenntnistheorie.) Was hindert uns daran, diesen Reichtum des Erkenntniszuwachses zu nutzen?

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pilgarlic Offline




Beiträge: 77

01.10.2011 09:38
#12 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Gysi
Die Religionen verteufeln den Zweifel. Also können die auch nicht wahrhaftig sein.


Pauschal gesehen, mag das so scheinen, die theistischen Ansprüche erlauben keinen Zweifel. Aber Rede und Gegenrede gibt es auf religiösen Gebiet durchaus, deshalb ja die ganzen Patchworksachen, Zergliederungen, Streitigkeiten.
Es scheint eine tiefe Sehnsucht nach religiösen Erfahrungen zu geben, manche Psychologen meinen, das ist dem Menschen mitgegeben. Und ich möchte anzweifeln, das Religiöse generell nicht wahrhaftig und zweifelnd sein können bzw. erkenntnisresistent sind. Das ist in seiner Eingrenzung schon wieder fast diskriminierend.

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Wu Offline




Beiträge: 417

01.10.2011 10:21
#13 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Da ich grad nicht viel Zeit hab nur mal einen Artikel über religiösen Zweifel, der Bezug nimmt auf Nishitani, einer der wichtigsten Vertreter der Kyoto-Schule, einer wichtigen Philosophierichtung im Japan des 20. Jahrhunderts:

Zitat
Keiji Nishitani hat (in seinem Buch Was ist Religion?) darauf hingewiesen, dass jene Ich-Losigkeit als Resultat des sog. „Großen Zweifels“ (in der Zen-Buddhistischen Zweifels-Übung) erreicht werden kann. Im Großen Zweifel wird das Descartessche Zweifeln radikalisiert. Der Große Zweifel betrifft Descartes´ durch Zweifeln erreichte vermeintlich unbezweifelbare Ich. Das Descartessche Ich, auf das ich im methodischen Zweifel treffe als das unbezweifelbare ego cogito ist ein „an sich selbst haftendes Selbst“, schreibt Nishitani (S. 59) Wenn das Ich-denke aus derselben Position des Ich-denke aus anvisiert wird, hat dies zur Folge, dass die Wahrheit des Ich-denke ihren Evidenzcharakter verliert. Das ego weiß, was seinen Seinsgrund betrifft, dann nicht mehr ein noch aus.

Wir müssen das Ich-denke also von einer anderen, fundamentaleren Ebene als der des Selbstbewusstseins her denken, allerdings nicht im Sinne von Objektivieren, sondern als ein Zu-sich-Kommen des Selbst. „Das Ich-denke ursprünglich denken, ist in diesem Sinne ein existentielles Denken. Dieses ursprüngliche Denken selbst und das fundamentale Sein des Selbst sind dasselbe.“ (S. 60) - Die Religion ist dann für Nishitani „eine existentielle Aufdeckung der Problematik, die in der alltäglichen Seinsweise des Selbst enthalten ist.

Im Vorhof der Religion tritt immer der Zweifel auf, der Zweifel an der eigenen Existenz wie der aller anderen und aller Dinge angesichts von Endlichkeit, Tod und Verlust geliebter anderer. Wir können uns dann des Todes und des Nichts in uns selbst bewusst werden. Das ist nicht Selbstbewusstsein, sondern Durchbrechung der Ebene von Bewusstsein und Selbstbewusstsein. Unser Selbst wird realiter selbst zum Zweifel. Es wird selbst die Realisation des Großen Zweifels, der in sich Realität ist. Dieser Zweifel heißt samadhi (Erleuchtung, geistige Sammlung). „Er ist nichts anderes als die Form, in der das Nichts (nihilum), oder der Tod, sich uns vom Grund unseres Seins her vergegenwärtigt und somit unvermittelt erkannt wird - erkannt als Realität. Hier wird das Nichts, oder der Tod, geistig, indem es durch seine eigene Realisation (im Sinne von Verwirklichung) uns geistig werden lässt.“ (S. 67)

Nishitani zitiert eine volkstümliche Zen-Rede, eine Predigt von Takusui, die den Großen Zweifel hervorhebt: „Der Weg der Einübung ist der folgende: Du musst Zweifel aufkommen lassen an dem Subjekt in dir, das alle Stimmen hört. ... Immer und immer wieder musst du zutiefst zweifeln und dich fragen, welches das Subjekt des Hörens sein könnte. ... Aber wie sehr du auch weiter zweifelst, es wird dir unmöglich sein das hörende Subjekt kennen zu lernen. Dann musst du gerade dort, wo es sich nicht feststellen lässt, noch tiefer eindringen. Zweifle inbrünstig in einem Zustand der Einfalt und sieh weder vor dich noch hinter dich, nicht nach rechts, nicht nach links, werde ganz und gar wie ein Toter, so dass du noch nicht einmal bemerkst, dass du selber anwesend bist. Wenn dieser Weg immer inständiger beschritten wird, wirst du einen Zustand völliger Abwesenheit und Leere erreichen. Selbst dann musst du den großen Zweifel: Welches ist das Subjekt, das hört aufrichten und weiterzweifeln, indem du die ganze Zeit ganz und gar wie ein Toter bist. Und danach, wenn du nicht mehr weißt, dass du ganz und gar wie ein Toter bist, dir nicht mehr der Prozedur des Großen Zweifels bewusst und selber durch und durch zu einer großen Zweifelsmasse geworden bist, da wird urplötzlich ein Augenblick kommen, in dem du in eine Art Transzendenz, genannt die Große Erleuchtung, gelangst, als erwachtest du von einem großen Traum oder als wärest du, der ganz und gar Tote, wieder lebendig.“ (S. 66 f)

„In diesem Augenblick ist das Selbst zugleich das Nichts des Selbst“, fügt Nishitani hinzu, „und mit diesem Nichts tut sich die Ebene auf, auf der sich auf dem großen Zweifel eine völlige Umkehr ereignen kann. In ihr wird die Existenzweise überwunden, in der das Ich die treibende Kraft ist. Himmel und Erde werden neu. Was sich ergibt, ist die wahre Realität des Selbst und aller Dinge, d.h. diese Realität ist genau deren Anwesenheit als das, was sie sind, jedes in seiner Soheit. ... Diese Erleuchtung wird im Buddhismus die Große Weisheit genannt, eine Weisheit, die nichts anderes als ein Aspekt unserer religiösen Existenz selbst ist.“ (S. 68).



Quelle: http://www.guenter-schulte.de/materialie...eligion_04.html

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

01.10.2011 18:31
#14  Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Pilgarlic
Und ich möchte anzweifeln, das Religiöse generell nicht wahrhaftig und zweifelnd sein können bzw. erkenntnisresistent sind. Das ist in seiner Eingrenzung schon wieder fast diskriminierend.

Soll ich besser meine Klappe halten? Ich sage, was auch Karl Popper sagt! Und selbst wenn es nicht auf Poppers Mist gewachen wäre: Ich sage, was ich für richtig halte! Wer meine ehrliche Meinung als diskriminierend wertet, diskriminiert die Meinungsfreiheit!

Das alte Problem der Gläubigen: Sie sind zu empfindlich! Sie sind so empfindlich, dass sie es bevorzugen, die Meinungsfreiheit (der anderen) niederzutrampeln! Überleg dir lieber mal, warum du so derart empfindlich bist. Weil du in dir deine eigene Unwahrhaftigkeit fühlst! Und der Gläubige will die Ungläubigen dazu anleiten, sie diese Erkenntnis nicht haben zu lassen! Denk mal darüber nach.

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pilgarlic Offline




Beiträge: 77

01.10.2011 19:04
#15 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Gysi
Soll ich besser meine Klappe halten?


Natürlich....nicht.
Keine Ahnung, warum du so gereizt reagierst.

Zitat
Wer meine ehrliche Meinung als diskriminierend wertet, diskriminiert die Meinungsfreiheit!


Das sollten wir ins Grundgesetz schreiben. (Außerdem widerspricht sich der Satz in sich).

Zitat
Das alte Problem der Gläubigen: Sie sind zu empfindlich!


Das alte Problem der Atheisten: sie projezieren permanent ihr eigenes Wunschdenken auf den vermeindlichen "Gegner".

Zitat
Sie sind so empfindlich, dass sie es bevorzugen, die Meinungsfreiheit (der anderen) niederzutrampeln! Überleg dir lieber mal, warum du so derart empfindlich bist. Weil du in dir deine eigene Unwahrhaftigkeit fühlst! Und der Gläubige will die Ungläubigen dazu anleiten, sie diese Erkenntnis nicht haben zu lassen! Denk mal darüber nach.


Manchmal erahne ich, warum dieses Forum den Bach runter ging.

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Wu Offline




Beiträge: 417

01.10.2011 19:35
#16 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Hier mal noch ein zitat von einem der wichtigen Theologen des Mittelalters, Pierre Abaillard: ""Durch Zweifeln kommen wir nämlich zur Untersuchung; in der Untersuchung erfassen wir die Wahrheit."

Insgesamt gesehen denk ich, das Leben (egal ob religiöses oder areligiöses) immer ein Gleichgewicht braucht von Zweifel und Vertrauen. Oder wie es Wiitgenstein sagte: "Zweifeln hat nur Sinn, wenn man an gewissen Dingen nicht zweifelt."
Aber sicher kann man gewisse grundlagen eines Weltbildes anzweifeln, in Frage stellen, überprüfen. Das wäre für das ein theistisches vielleicht Gott, für ein atheistische vielleicht das Erkenntnisvermögen und dessen sinn. Oder die Existenz eines Ichs oder eines freien willen.
Ich glaub, das aber auch ein theistischer Glaube das Spannungsfeld zwischen Zweifel und Vertrauen braucht.

Ich hab so den eindruck, das auch Atheisten oft davor zurückschrecken ihre Grundlagen infrage zu stellen. Es aber von den Theisten verlangen.

Zur Frage:Was bringen Patchworkreligionen. Meiner meinung nach sollten Religionen nix bringen. Religion sollten zweckfrei sein, wie es die hiesige Uni-Religionsphilosophin Gerl-Falkovitz mal ausdrückte. oder wie es ein Zenmeister ausdrückte: Wenigstens Zazen (die Praxis des Zen) solltest du umsonst tun. Auch im Taoismus gibt es das Lob der Nutzlosigkeit. Religion sollte eben das sein, was über Nutzen hinausreicht oder eben die Kehre, oder christlich gesagt die Umkehr, das umwenden, weg vom Zweck, hin zum Sein. Weg von dee Erkenntnis des Einzelnen (das ist das Gebiet der Wissenschaft), hin zur Einheit, zur Synthese. Das ist aber freilich ein Schritt, der oft die Vergöttlichung der Rationalität in Frage stellt. Bzw. (ein gutes beispiel wäre der buddh. Meister und Philosoph Nagarjuna, der Rationalität dazu benutzt, um ihre grenzen aufzuzeigen. Hat nicht auch Kant, wenn auch auf andere Weise, ähnliches getan?) Was letztlich die Erkenntnis nicht negiert, nur aufzeigt, das sie nur etwas begrenztes ist.

Ich denke auch das Erkenntnis immer nur Teile erkennen kann (Es ist der versuch Muster zu erstellen um aus der Vergangenheit Schlüsse auf die Zukunft stellen zu können). In der Religion gibt es zum Teil die Tendenz, sich in Richtung Einheit zu entspannen.Das Netzwerk des Lebens zu sein anstatt einen teil des Netzwerkes zu erkennen und von diesen Punkt aus das Netzwerk zu beeinflussen.
Erkenntnis ist auch so etwas, was Sloterdijk als selbstgebärerische Überdehnung bezeichnet, der Versuch, das hier alles in den Griff, ins be-greifen zu kriegen, die Kehre ist dann deren Zurücknahme dieser Überdehnung der ewigen "Selbstanstrengung-die-wir-sind".
"Weil die Moderne prozessual nichts anderes ist als Sein-zur-Bewegung, Bewegung zur Bewegung in sich steigernder Selbstintensivierungsschleifen, ist unser Überleben an eine Selbstrücknahme der kinetischen Flutwelle "in uns" geknüpft." (Sloterdijk - Eurotaoismus - Zur Kritik der politischen Kinetik S. 200).

Oder ganz religiös:
"Wer Wissen anstrebt, gewinnt Tag für Tag;
Wer das Tao sucht, verliert Tag für Tag." (Laotse)

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Wu Offline




Beiträge: 417

01.10.2011 19:47
#17 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Einen anderen, aber durchaus bedenkenswerten Ansatz zum Zweifel findet man bei Ramana Maharshi (einen Guru des letzten Jahrhunderts):

Zitat
Alle Zweifel verschwinden, wenn der Zweifelnde und seine Quelle gefunden sind. Es nützt nichts, einen Zweifel nach dem anderen zu beseitigen. Haben wir einen besiegt, taucht schon der nächste auf, und die Zweifel nehmen kein Ende. Wenn man aber die Quelle des Zweifelnden sucht, findet man, daß er gar nicht existiert, und dann sind alle Zweifel verschwunden.


(Ramana Maharshi, Sei, was du bist!)

Es ist schon ein untersuchender Ansatz, er sucht nur in einer anderen Richtung als die Wissenschaft.

Ansonsten @ Gysi:

Warum solltest du nicht deine Meinung sagen? Aber warum sollten wir ihr nicht widersprechen? ;-)

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

01.10.2011 20:06
#18  Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Wu
Warum solltest du nicht deine Meinung sagen? Aber warum sollten wir ihr nicht widersprechen? ;-)

Das war eine rhetorische Frage. Meine Ausffassung ist von Pilgarlic als "diskriminierend" abgetan worden. Diskriminierung ist nicht erlaubt. Also ist meine Meinung (nach seiner Meinung) nicht erlaubt.

Mit dieser Keule kommen Religiöse gerne. Und ich halte es für respektlos und undialogisch, derart vorzugehen.

Zitat
Manchmal erahne ich, warum dieses Forum den Bach runter ging.

Ach, nichts erahnst du. Das Forum ist zudem nicht untergegangen und wird nicht untergehen. Wenn ein Administrator als mein Nachfolger gefunden wird. Das Forum blüht. ICH höre auf! Das ist alles.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

02.10.2011 07:51
#19  Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Wu
ja auch sagen. Ich denke, es ist problematisch, über Millionen von Menschen zu urteilen.

Ich urteile über die Religionen. Ich halte Gott für irreal. Die Menschen halte ich nicht für irreal - sie sind da!

Zitat
Mal so rein pragmatisch finde ich, ihr solltet euch drauf einigen, ob es hier oder im neuen FSMQueenofdamned-Forum weitergehen soll. Ich denk, eine Halbierung der Leute oder ein paralleles Schreiben ist auf Dauer wenig sinnvoll.

Guter Vorschlag! Ich bringe sie in die Forums-Fortsetzungs-Diskussion in die persönliche Abteilung nach unten.

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Wu Offline




Beiträge: 417

01.10.2011 20:58
#20 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Gysi

Zitat von Wu
Warum solltest du nicht deine Meinung sagen? Aber warum sollten wir ihr nicht widersprechen? ;-)

Das war eine rhetorische Frage. Meine Ausffassung ist von Pilgarlic als "diskriminierend" abgetan worden. Diskriminierung ist nicht erlaubt. Also ist meine Meinung (nach seiner Meinung) nicht erlaubt.

Mit dieser Keule kommen Religiöse gerne. Und ich halte es für respektlos und undialogisch, derart vorzugehen.




Nunja, das könnte man aber über eine so große Verallgemeinerung wie: "Die Religionen verteufeln den Zweifel. Also können die auch nicht wahrhaftig sein." ja auch sagen. Ich denke, es ist problematisch, über Millionen von Menschen zu urteilen. (Obwohl ich das auch gern tu, da ja eins meiner Lieblingszitate: "90% von allem ist Mist" is). Große Verallgemeinerungen gehn oft am eigentlichen Kern vorbei. Meiner Meinung nach gibt es sowohl wahrhaftige Theisten wie auch Atheisten. (es war aber nicht von diskriminierend, sondern von fast diskriminierend die Rede ). Wer da dünnhäutiger ist, möcht ich nicht beurteilen. Manchmal können aber so pauschale Aussagen sicher Ausgangspunkt für eine Diskussion sein, aber man kann sich auch um ein wenig mehr Differenzierung bemühen.

Zitat von Gysi

Zitat
Manchmal erahne ich, warum dieses Forum den Bach runter ging.

Ach, nichts erahnst du. Das Forum ist zudem nicht untergegangen und wird nicht untergehen. Wenn ein Administrator als mein Nachfolger gefunden wird. Das Forum blüht. ICH höre auf! Das ist alles.




Mal so rein pragmatisch finde ich, ihr solltet euch drauf einigen, ob es hier oder im neuen FSMQueenofdamned-Forum weitergehen soll. Ich denk, eine Halbierung der Leute oder ein paralleles Schreiben ist auf Dauer wenig sinnvoll.

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pilgarlic Offline




Beiträge: 77

02.10.2011 09:16
#21 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Gysi
Mit dieser Keule kommen Religiöse gerne. Und ich halte es für respektlos und undialogisch, derart vorzugehen.


Die gegenseitigen Schuldzuweisungen bringen ja gar nichts, klar. Aber die Reaktion verräht größere Dünnhäutigkeit.
Zumal verweigerter Respekt von den Religiösen zumeist eingefordert wird, Atheisten schienen mir da immer härter im Nehmen.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

02.10.2011 09:37
#22  Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Pilgarlic
Zumal verweigerter Respekt von den Religiösen zumeist eingefordert wird, Atheisten schienen mir da immer härter im Nehmen.

Richtig. Atheisten kann man kritisieren, ohne dass sie sich in ihrem "religiösen Empfinden" verletzt fühlen. Sie können damit leben, dass ein Gläubiger z.B. die ET bestreitet und ggf. verhöhnt. Umgekehrt tun sich die Gläubigen mit der bekennenden Anders- oder Ungläubigkeit schwer...

Empfindlich reagiere ich jedoch auf jeglichen Angriff auf die Meinungsfreiheit. Die müssen wir uns letztendlich - in Bezug auf das Thema Religion - auch erst erkämpfen.

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Wu Offline




Beiträge: 417

03.10.2011 12:31
#23 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Vielleicht wär es sinnvoller, auf eine argumentative Ebene zurück zu kommen. Ich hab ja darauf hingewiesen, das Religionen durchaus auch Ansätze haben, die den Zweifel zu schätzen wissen. Aber eben nicht als alleinigen Ratgeber. Zum anderen seh ich auch nicht, das alle religiösen nicht wahrhaftig leben.

Ansonsten find ich diese Betonung, das man als Atheist seine Meinungsfreiheit erst erkämpfen muss, interessant, weil ich es in der DDR eher anders herum erlebt hab.

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pilgarlic Offline




Beiträge: 77

03.10.2011 14:19
#24 RE: Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Wu
Ansonsten find ich diese Betonung, das man als Atheist seine Meinungsfreiheit erst erkämpfen muss, interessant, weil ich es in der DDR eher anders herum erlebt hab.

Ick och.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 18.879

03.10.2011 14:36
#25 Islam & Heavy Metal Antworten

Zitat von Wu
Ansonsten find ich diese Betonung, das man als Atheist seine Meinungsfreiheit erst erkämpfen muss, interessant, weil ich es in der DDR eher anders herum erlebt hab.

Ich hoffe, dass du nach 21 Jahren paradiesischen Kapitalismus nicht immer noch der Auffassung bist, nun im vereinigten Deutschland in einer Idealgesellschaft zu leben...
Ich habe gesagt => in Bezug auf das Thema Religion. Es ist nicht nett, meine Aussagen zu verfälschen.

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