Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 870 Antworten
und wurde 32.749 mal aufgerufen
 Atheismus/Agnostizismus
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | ... 35
Reisender Offline



Beiträge: 4.058

29.10.2012 16:06
#51 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Blackysmart im Beitrag #50
Zitat von Reisender im Beitrag #39
Das ist eindeutig falsch, Atheismus war die verordnete Staatsreligion in der SU.


Das ist Lächerlich. Die Ablehnung von Religion kann selbst keine Religion sein.

"In Russland kam es nach der Oktoberrevolution zu einer radikalen Trennung von Staat und Kirche. Der Rat der Volkskommissare verfasste unter Lenin am 5. Februar 1918 ein Dekret Über die Trennung der Kirche vom Staat und der Schule von der Kirche."
http://de.wikipedia.org/wiki/Trennung_von_Kirche_und_Staat

In Deutschland haben wir seit 1919 keine Staatskirchen mehr (Weimarer Nationalversammlung), sondern eine verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat. Würdest Du mir zustimmen, dass Deutschland keine atheistische Staatsreligion hat, sondern die Staatsweltanschauung "soziale Marktwirtschaft mit demokratischer Grundordnung?

Wenn Du das tust, muß Du für Russland das gleiche gelten lassen. Russland hatte die (russisch-orthodoxe) Staatsreligion im Jahr 1918, ein Jahr vor Deutschland, abgeschafft. Als politische Staatsweltanschauung galt der Marxismus-Leninismus.


Du vergleichst die demokratische Grundordnung und ihre Gesetze mit kommunistischer
Vernichtungsstrategie? Das ist doch absurd.
Wieviel Geistliche wurden in Deutschland ermordet nach der verfassungsmäßigen Trennung
von Staat und Kirche, wieviel Kirchen wurden zu Schweineställen?
Die Argumentation empfinde ich als haarsträubend.

Blackysmart Offline




Beiträge: 1.922

29.10.2012 16:24
#52 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Reisender im Beitrag #51
Du vergleichst die demokratische Grundordnung und ihre Gesetze mit kommunistischer Vernichtungsstrategie? Das ist doch absurd.
Wieviel Geistliche wurden in Deutschland ermordet nach der verfassungsmäßigen Trennung von Staat und Kirche, wieviel Kirchen wurden zu Schweineställen?
Die Argumentation empfinde ich als haarsträubend.


Es gibt keine "kommunistische Vernichtungsstrategie". Was bitte soll das sein?

Ich habe die Weltanschauung des Staates verglichen. Marxismus-Leninismus contra soz. Marktwirtschaft mit Demokratie
Beide Staaten haben 1918/1919 die Staatsreligion abgeschafft. Beide Staaten haben KEINEN Atheismus zur Staatsreligion erklärt.

Das Problem in Russland war, das die Staatsform sich zu einer Diktatur entwickelte, was der Grundidee des Sozialismus und Kommunismus widerspricht (Klassenkampf des Proletariats).
Der Marxismus-Leninismus:
- Der dialektische und der historische Materialismus bilden die philosophische Grundlage des Marxismus-Leninismus. Sie werden als praktische Anleitung im Aufbau des Sozialismus oder Kommunismus verstanden.
- Die politische Ökonomie untersucht die Beziehungen der Menschen in Produktion und Gesellschaft. Marx hingegen sprach stets von einer Kritik der politischen Ökonomie.
- Der wissenschaftliche Sozialismus oder wissenschaftliche Kommunismus (in Abgrenzung zur Sozialdemokratie) wird als „Wissenschaft vom Klassenkampf des Proletariats und der Errichtung der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft“ definiert. Bei Stalin war noch von der „Lehre vom Klassenkampf und Sozialismus“ die Rede.

In der Grundidee des Marxismus-Leninismus spielt Religion keine Rolle. Es ist ein politisches und wirtschaftliches Gedankengerüst. Die sich entwickelnde Diktatur hatte aber ein Problem mit rivalisierenden Machtstrukturen, die die ehemalige russisch-orthodoxe Staatskirche noch inne hatte. Diese wurde dann nicht aufgrund des Marxismus-Leninismus bekämpft, sondern zum Sichern der diktatorischen Machtansprüche.

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

29.10.2012 16:58
#53 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

W.I. Lenin, Sozialismus und Religion, 1905.
Erstmals erschienen in: Nowaja Shisn, Nr.28, 3. Dezember 1905.
W.I. Lenin, Sochineniia (Werke), Moskau 1941, Bd.10, S.70-75.
Übersetzung nach: W.I. Lenin, Über die Religion: eine Auswahl, Berlin 1981, S.39-44.

Für die Partei des sozialistischen Proletariats ist die Religion keine Privatsache. Unsere Partei ist ein Bund klassenbewusster, fortgeschrittener Kämpfer für die Befreiung der Arbeiterklasse. Ein solcher Bund kann und darf sich nicht gleichgültig verhalten zu Unaufgeklärtheit, zu Unwissenheit oder zu Dunkelmännertum in Form von religiösem Glauben.
Wenn dem so ist, warum erklären wir in unserem Programm nicht, dass wir Atheisten sind? Warum verwehren wir es Christen und Gottesgläubigen nicht, in unsere Partei einzutreten?

Die Antwort auf diese Frage soll einen sehr wichtigen Unterschied zwischen der bürgerlich-demokratischen und der sozialdemokratischen Fragestellung hinsichtlich der Religion klarmachen.

Unserem ganzen Programm liegt eine wissenschaftliche, und zwar die materialistische Weltanschauung zugrunde. Die Erläuterung unseres Programms schließt daher notwendigerweise auch die Klarlegung der wahren historischen und ökonomischen Quellen des religiösen Nebels ein. Unsere Propaganda schließt notwendigerweise auch die Propaganda des Atheismus ein;Doch wir dürfen uns dabei auf keinen Fall dazu verleiten lassen, die religiöse Frage abstrakt, idealistisch, „von Vernunft wegen“, außerhalb des Klassenkampfes zu stellen, wie das radikale Demokraten aus der Bourgeoisie häufig tun. Es wäre unsinnig, zu glauben, man könne in einer Gesellschaft, die auf schrankenloser Unterdrückung und Verrohung der Arbeitermassen aufgebaut ist, die religiösen Vorurteile auf rein propagandistischem Wege zerstreuen.

Das ist der Grund, warum wir in unserem Programm von unserem Atheismus nicht sprechen und nicht sprechen dürfen; das ist der Grund, warum wir den Proletariern, die noch diese oder jene Überreste der alten Vorurteile bewahrt haben, die Annäherung an unsere Partei nicht verwehren und nicht verwehren dürfen. Die wissenschaftliche Weltanschauung werden wir immer propagieren, und die Inkonsequenz irgendwelcher „Christen“ müssen wir bekämpfen.

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

29.10.2012 17:11
#54 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Die kommunistische Utopie ist schon recht alt, sie geht im Priziep bis auf Platon zurück.
Karl Marx nun machte aus dieser Utopie eine Wissenschaft, den wissenschaftlichen Kommunismus
eben. Er tat das, indem er den Kommunismus philosophisch begründete, nämlich mit den dialektischen
Materialismus, den wir hier nicht näher zu untersuchen brauchen.
Materialismus heißt aber Atheismus.
Der Atheismus ist dem wissenschaftlichen Kommunismus inhäret und nicht davon zu trennen.
Über diese Wirklichkeit werde ich nicht weiter diskutieren.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.599

29.10.2012 17:21
#55 Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Reisender
Der Atheismus ist dem wissenschaftlichen Kommunismus inhäret und nicht davon zu trennen.

Nee, das sehe ich nicht so. Die Menschheit drängt zur Selbstbestimmung und zur Wahrhaftigkeit. Aber beides kann man nicht von oben diktieren. Man kann das Glück nicht befehlen.

Der Atheismus ist doch für den "wissenschaftlichen" Kommunismus nicht zwingend notwendig!
Ich bin mit dem Begriff des "wissenschaftlichen Kommunismus" überigens überhaupt nicht einverstanden. Kommt aus der Moskauer Schule, nicht von Kalle himself. Die Menschheit drängt zur Selbstbestimmung, das wissen wir. Mehr nicht.

Sie drängt auch zur Wahrhaftigkeit. Und die Atheisten werden den Atheismus nun mal als Wahrheit erkennen. Aber Atheismus und Kommunismus (Wirtschaft unter der Selbstbestimmung der Völker) sind nun mal zwei verschiedene Dinge. Das sollte man bitte so sehen.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Michael1 Offline



Beiträge: 840

29.10.2012 18:48
#56 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat

"Ein marxistisches System erkennt man daran, daß es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert". Alexander Issajewitsch Solschenizyn


"Menschen, die diesen ganzen Unfug widerlegen und die Dinge so darstellen, wie sie tatsächlich sind, gelten in den Augen der Marxisten als rechtsextrem. Man kann die Wahrheit nicht aussprechen, ohne von Ihnen verdächtigt zu werden, man plädiere für die Gaskammern." M. M. B.

--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Michael1 Offline



Beiträge: 840

29.10.2012 18:51
#57 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.599

29.10.2012 18:56
#58  Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Michael1
"Menschen, die diesen ganzen Unfug widerlegen und die Dinge so darstellen, wie sie tatsächlich sind, gelten in den Augen der Marxisten als rechtsextrem. Man kann die Wahrheit nicht aussprechen, ohne von Ihnen verdächtigt zu werden, man plädiere für die Gaskammern." M. M. B.

Ich plädiere schon mal nicht dafür, die Kritiker des Marxismus in irgend einer Form mundtot zu machen. Auch wenn sie bar aller Materiekenntnis sind und bodenlosen Unsinn reden. Ich kenne auch keine, die das tun wollen.

Und du, lieber Michael1, versteigst dich in immer dreistere Propaganda-Rhetorik. Auf sowas kommt man eben, wenn man keine Argumente (mehr) hat, aber nicht bereit dazu ist, seine Meinung in Richtung Wahrheit zu korrigieren.

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Michael1 Offline



Beiträge: 840

29.10.2012 19:13
#59 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

http://www.dober.de/religionskritik/marx1.html
Marx über Religion!

Zitat
Für Deutschland ist die Kritik der Religion im Wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.
Die profane Existenz des Irrtums ist kompromittiert, nachdem seine himmlische oratio pro aris et focis widerlegt ist. Der Mensch, der in der phantastischen Wirklichkeit des Himmels, wo er einen Übermenschen suchte, nur den Widerschein seiner selbst gefunden hat, wird nicht mehr geneigt sein, nur den Schein seiner selbst nur den Unmenschen zu finden, wo er seine wahre Wirklichkeit sucht und suchen muss.

Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d'honneur ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.


--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Michael1 Offline



Beiträge: 840

29.10.2012 19:23
#60 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat
Pro2-EngelsReligion-179„Nun ist alle Religion nichts andres als die phantastische Widerspiegelung, in den Köpfen der Menschen, derjenigen äußern Mächte, die ihr alltägliches Dasein beherrschen, eine Widerspiegelung, in der die irdischen Mächte die Form von überirdischen annehmen.“ Friedrich Engels (1820-1895), deutscher Sozialist und Schriftsteller
(Anti-Dühring, Karl Marx, Friedrich Engels, Werke, Berlin 1956ff, Bd. 20, S. 294f. Zit. nach Walther Müller-Jentsch, FRIEDRICH ENGELS in Karlheinz Deschner (Hg.), Das Christentum im Urteil seiner Gegner, Verlag Max Huber 1986, S. 316)



Kritik:

Zitat
Es gibt heute kaum noch atheistische Wissenschaftler, die bestreiten, dass Jesus Christus eine historische Person ist, dass er also auf der Erde gelebt hat.
Von Beginn seines Wirkens traf er auf Anhänger seiner Lehre aber auch auf Gegner. Es waren die Vertreter der geistlichen Aristokratie Israels, der Pharisäer und Sadduzäer, die ihn bekämpften und schließlich der römischen Besatzungsmacht auslieferten, die ihn tötete.
Jesus war Gott und Mensch zugleich. Er war der einzige Mensch, der nie gesündigt hat. Er war also auf der Erde der Vertreter des Guten. Dann waren diejenigen, die diesen unschuldigen Jesus folterten und grausam töteten, die Ausführenden des Bösen.
Wir haben also zwei Kräfte kennengelernt, die zu Lebzeiten einer historischen Persönlichkeit gewirkt haben: Jesus als Gottes Sohn auf Erden, den Vertreter der guten Macht, und Satan, den Vertreter des Bösen, der Menschen dazu anstiftete, einen Unschuldigen zu töten.
Was Engels die Religion nennt, nenne ich in diesem Fall den Glauben. Jesus als Vertreter einer überirdischen Macht brauchte also erst gar nicht von Menschen erfunden zu werden, weil er nachweislich auf der Erde gelebt hat. Damit wäre der erste Teil der Behauptung von Engels schon einmal widerlegt.
An diesem Beispiel aus einer geschichtlichen Epoche der Menschheit sehen wir also, dass Menschen im Einflussbereich Gottes oder des Satans stehen, dass sie vor die Wahl gestellt werden, den Willen einer dieser beiden überirdischen Mächte auszuführen, dass sie die Worte Jesu und der Pharisäer reflektieren und dadurch schließlich zu einem Entschluss und zu einer Tat kommen. Riefen die einfachen Leute Jesus noch „Hosianna“ zu, als er auf einem Esel in Jerusalem einzog, so schrieen sie wenige Tage später „Kreuzige ihn!“.
Wir sehen an diesem Beispiel, wie die Menschen von den Aufforderungen der durchaus realen überirdischen Mächte förmlich hin- und hergerissen werden, bis eine dieser Mächte schließlich in den Herzen dieser Menschen siegt, sodass sie ganz bewusst zur Tat schreiten.
Es gibt im Falle des christlichen Glaubens also keine phantastischen Figuren – es gibt reale personenbegabte Wesen wie Gott und Teufel – und diese überirdischen Protagonisten spiegeln nicht das alltägliche Dasein der Menschen wieder, sondern die Vorstellungen und Handlungen sind von den Äußerungen dieser überirdischen Wesen geprägt, spiegeln diese wider. Damit ist auch der zweite Teil der Behauptung von Engels widerlegt.
Sind wir uns dessen bewusst, wie Gott und sein Widersacher täglich zu uns sprechen, egal auf welche Weise auch immer? Sind wir uns dessen bewusst, dass wir durch unser Verhalten auf Schritt und Tritt die Wünsche des einen oder anderen erfüllen?


http://www.atheist-kontra-gott.de/engels...tml?&no_cache=1

--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.599

29.10.2012 19:42
#61 Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Marx war ein Atheist, das ist mir bekannt, Michael. Was willst du uns denn damit jetzt sagen?

Ich sagte, dass ihr (Reisender, du) Kommunismus mit Atheismus durcheinanderschmeißt. Aber es sind zwei verschiedene Dinge, die jeder für sich bestehen!

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

29.10.2012 19:51
#62 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Natürlich ist es möglich, das ein Mensch aufgrund Mangels an Glauben und einer evtl. Strafe oder
Belohnung ein "böser" Mensch wird. Es kann aber auch sein, das Menschen glaube in Gottes Nahmen
töten zu dürfen.

Zudem fällt es mir auch schwer im Atheismus eine dem Christentum vergleichbare Ideologie zu sehen.
Schon garnicht in der Vergangenheit. Allenfalls der so genannte "neue Athesimus".

Ach übrigens. Wenn man die Kirche und deren Verbrechen auffüht, hat man immer Ausflüchte parat,
um es der menschlichen Schwäche anzulasten, wobei die Heiligkeit der Kirche keinerlei Schaden nimmt.
Von der anderen Seite aus, ist man aber leicht bereit völlig unzusammenhängende Ereignisse zusammen
zu stopfen und daraus die "Verbrechen des Atheismus" zu machen. Das finde ich schon verwunderlich.

_______________________________________________
Nichts ist wahr, alles ist erlaubt! Die Realität ist das, was du daraus machst!

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

30.10.2012 08:40
#63 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #61
Marx war ein Atheist, das ist mir bekannt, Michael. Was willst du uns denn damit jetzt sagen?

Ich sagte, dass ihr (Reisender, du) Kommunismus mit Atheismus durcheinanderschmeißt. Aber es sind zwei verschiedene Dinge, die jeder für sich bestehen!


Das ist natürlich richtig, A. ist umfassender und kommt in allen politischen Ideologien vor.
Tatsache ist aber nun mal, daß die Grundlage des Wissenschaftlichen Kommunismus, in der DDR
als Marxismus Leninismus bezeichnet, der Dialektische Materialismus ist, und der ist nun mal
Atheistisch. Wenn aber etwas Systhemimanent ist, kann es keine Privatsache mehr sein, das hat Lenin
doch ganz klar und eindeutig gesagt, und die systhematische physische Vernichtung der orthodoxen
Geistlichkeit ist geschichtliche Tatsache.
Das Atheismus zwangsläufig zu Gewalt führt, wie Michael es hier darstellt, ist natürlich
der gleiche Unsinn wie die Behauptung mancher Atheisten, daß Religion die Gewalt in die Gesellschaft
bringt. Solche Argumente sind albern und sollen nur das eigene Weltbild aufwerten.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.599

30.10.2012 09:08
#64 Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Reisender
Tatsache ist aber nun mal, daß die Grundlage des Wissenschaftlichen Kommunismus, in der DDR als Marxismus Leninismus bezeichnet, der Dialektische Materialismus ist, und der ist nun mal Atheistisch. Wenn aber etwas Systhemimanent ist, kann es keine Privatsache mehr sein, das hat Lenin doch ganz klar und eindeutig gesagt, und die systhematische physische Vernichtung der orthodoxen Geistlichkeit ist geschichtliche Tatsache.


- Die orthodoxe Geistlichkeit ist nicht "vernichtet", sie ist in den Untergrund getrieben worden. Die Religion hatte die Staatsführung nicht vernichten können.

- Es ist wüst propagandistisch - und grundfalsch - den real existent gewesenen Stalinismus mit der Realvision des marxistischen Kommunismus gleichzusetzen! Die Moskauer Schule ist nicht die marxistische. Und auf Marx kommt es auch nicht an. Wo der Müll geschrieben oder zuviel ausgelassen hat, da hat er Müll geschrieben, und das soll ja auch gesagt werden! Ich bete ihn nicht an! Aber was hier gegen ihn aufgefahren wird, muss gekontert werden. Denn ihr fahrt ja auch gegen eine große Hoffnungsvision auf. Und gegen den Atheismus. Mit reichlich unargumentativer, propagandistischer Verneblungsstrategie. Das kann man so einfach nicht stehen lassen!
Es kommt auf die Selbstbestimmung und das Erkenntnisbestreben der Menschen aller Völker an. Und dahin gehen wir!

- Es ist Unsinn, dem Atheismus all die stalinistischen Gräueltaten anzukleben! Immer und immer wieder! Ohne Lehrerfolg, ohne Einsicht, ohne Einsichtswille, ohne Korrektur. Was soll das??

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Klimsch Offline




Beiträge: 1.122

30.10.2012 09:16
#65 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #61
Marx war ein Atheist, das ist mir bekannt, Michael. Was willst du uns denn damit jetzt sagen?

Ich sagte, dass ihr (Reisender, du) Kommunismus mit Atheismus durcheinanderschmeißt. Aber es sind zwei verschiedene Dinge, die jeder für sich bestehen!

Korrekt. Selbst in den Reihen der Kirchgänger, der Kirchenmitglieder gibt es Ungläubige. Sie trauen sich nur nicht, das offen zu gestehen.

Die Christen verwenden dieses Scheinargument doch nur als neue iedeologische Waffe gegen den Unglauben, der immer, zu jeder Zeit und auf ewig ihr erster Feind war und ist. Unglaube ist die eigentliche Gefahr, ist Satan, den man endlich mal wieder in Worte, in einen Begriff kleiden kann. Und da bietet sich natürlich der Kommunismus mit seinem naturwissenschaftlichen Materialismus an.

Ohne Satan, ohne solche Feinde wie die Atheisten wäre es ja auch langweilig, nicht?
Einmal sind es die Ungläubigen, dann die Ketzer, die Juden waren's auch lang genug, neuerdings die Moslems, und immer wieder die Ungläubigen, die ihren Fantasievorstellungen nun einmal nicht folgen wollen.
Ohne die Feinde wär die Christenheit eine sich selbst geißelnde, die Augen gen Himnmel gewandte und ständig vor sich hin betende Gemeinde.
Auch Mohammed hatte gegen die Kritiker zu kämpfen, die ihn und seinen neuen religiösen Fanatismus angriffen, lächerlich machten oder schlicht nicht folgen wollten.

Es gilt manchmal dann eben auch der Grundsatz, den Goethe im Erlkönig formuliert hat:
"Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
Und wenn man nun keine Gewalt mehr anwenden darf, dann ist es eben die ständige Hetze gegen Anders- und Ungläubige.

Der haltlose Vorwurf und die ständige Hetze gegen den ach so verbrecherischen Kommunismus wurde von der Kirche, vom Papst doch hauptsächlich deshalb geschürt, weil der Kommunismus auch den reichen Vatikan enteignet und alle hochbezahlten Schmarotzer in den langen Kaftanen, die keiner wirklich braucht, entmachtet und sie ihrer schönen Posten enthoben hätte. Hauptsächlich deshalb unterstützte der Vatikan auch Mussolini, und eben nicht die Kommunisten, die in Italien an die Macht zu kommen drohten. Hauptsächlich deshalb hat der Vatikan auch beste Beziehungen lieber zur Mafia als zum kommunistischen Lager. Schließlich droht die Mafia nicht mit der Enteignung der Kirche und des Vatikans.

Die ewigen Hetzer (auch Reisender und Michael1) gegen den Atheismus sind das Ergebnis nicht zuletzt der vom Vatikan, vom Papst persönlich und in der Folge von allen Predigern aller Länder geschürten Hetze. Hier vergessen sie ganz schnell auch ihr christliches Gebot "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Aber das gilt ja bekanntermaßen nur für Leute mit derselben Gesinnung...

Stalin ließ sich übrigens von Zeit zu Zeit von einem orthodoxen Mönch beraten. Außerdem hatte er eine christliche Erziehung von seiten seiner Mutter genossen. Vielleicht war sie ihm ja auch zu christlich, zu religiös gewesen. Auch hatte er in die Ausbildung zu einem Priester hineingerochen und sich offenbar desinteressiert an sowas dann abgewendet und sich den Bolschewiki angeschlossen.

_______________________________________________________________
 
„Die Kunst weise zu sein ist die Kunst zu wissen, was man übersehen hat.“ (William James)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.599

30.10.2012 09:32
#66 Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Atheismus ist im bösen Stalinismus involviert. Und wer heute noch links denkt, ist böse, denkt falsch.
Und die Menschenrechte, die Demokratie und alles Gute haben ihre Existenz dem Christentum zu verdanken! So eine Denkart - das ist doch ein starkes Stück! Realvergiftende Propaganda auf der einen Seite, geschichtsverfälschende Autorisierungen auf der anderen. "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!" Ah, ja...

PS.: "Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden!" (O-Ton Jesus Christ)

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Blackysmart Offline




Beiträge: 1.922

30.10.2012 10:28
#67 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Reisender im Beitrag #63
Tatsache ist aber nun mal, daß die Grundlage des Wissenschaftlichen Kommunismus, in der DDR
als Marxismus Leninismus bezeichnet, der Dialektische Materialismus ist, und der ist nun mal Atheistisch. Wenn aber etwas Systhemimanent ist, kann es keine Privatsache mehr sein, das hat Lenin doch ganz klar und eindeutig gesagt, und die systhematische physische Vernichtung der orthodoxen Geistlichkeit ist geschichtliche Tatsache.


Der dialektische Materialismus wurde von Marxs und Engels begründet. Marx bezeichnete die Religion einmal als "Opium des Volkes". Er wollte nicht das Opium verbieten, aber die "Dealer" zurückdrängen.

"In seiner Kritik des Gothaer Programms der deutschen Sozialdemokratie (1875) erklärt Marx, dass die private Freiheit des
Glaubens und der religiösen Praxis einzig als Ablehnung staatlicher Einmischung definiert werden sollte. Er formulierte das
Prinzip folgendermaßen: >>Jeder muss seine religiöse wie seine leibliche Notdurft verrichten können, ohne dass die Polizei ihre Nase hineinsteckt<< Gleichzeitig bemerkte er jedoch: Aber die Arbeiterpartei musste doch bei dieser Gelegenheit ihr Bwusstsein darüber aussprechen, dass die bürgerliche >>Gewissensfreiheit<< nichts ist, außer der Duldung aller möglichen Sorten religiöser Gewissensfreiheit, und dass sie [die Partei] vielmehr die Gewissen vom religiösen Spuk zu befreien strebt."
http://www.islinke.de/pdf/achcar.pdf

Eine private Religiösität hätte "die Partei" sicherlich nicht gestört. Marx wollte den Machteinfluß der Kirchen auf die Menschen stoppen, er wollte ihnen ihre Religion aber nicht verbieten. Seine Ideologie hatte keinen Atheismus als Grundbedingung, sondern er wollte Einschränkung der kirchlichen Macht. Der König zum Priester: Halte Du sie dumm, ich halte sie arm."

Gewalt gegen die Kirchen gab es erst nach dem russischen Bürgerkrieg. Die Kirchen schlugen sich im Bürgerkrieg auf die gegnerische Seite (Konservative, Demokraten, gemäßigte Sozialisten, Nationalisten und der Weißen Armee) und haben sich massiv gegen die "gottlose Bedrohung" einsetzte.

Ob Revolutionen gerechtfertigt sind, darüber lässt sich streiten. Auch ob Gewalt in diesen Revolutionen legitim ist, will ich nicht beurteilen. Wenn es der Bevölkerung wie damals im russischen Winter 1916/1917 so dreckig geht, dass sie als einzigen Ausweg aus der Unterdrückung eine gewalttätige Revolution beginnen und dann gegen alle ihre Gegner gewalttätig vorgehen, wer will ihnen das verdenken? Die Rolle der Kirche war jedoch immer das Geklüngel mit den Machthabern.

Papst Leo XIII. (1885): „Die uneingeschränkte Freiheit des Denkens und die öffentliche Bekanntmachung der Gedanken eines Menschen gehören nicht zu den Rechten der Bürger“. Papst Benedikt XVI. sprach sich gegen ein britisches Gesetz zur Gleichstellung aller Menschen (Anti-Diskriminierungsgesetz von Frauen und Homosexuellen am Arbeitsplatz) aus. In einer Ansprache an katholische Bischöfe aus England und Wales sagte der Papst am Montag den 1. Februar 2010, dass Teile der britischen Gesetzgebung zur Gleichstellung "gegen das Naturgesetz" verstoße.

Ist es nicht richtig, solches Gedankengut zurückzudrängen. Die Mittel der Sowjets waren allerdings falsch.

Michael1 Offline



Beiträge: 840

30.10.2012 11:07
#68 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Für Gysi und Konsorten!

Zitat

Atheismus
Kritik der Religion heißt nicht Atheismus, sondern Wissenschaft.
Atheismus ist die Kritik des Himmels. Nötig ist aber die Kritik der Erde und über das Verstehen der Erde ihre Beherrschung.
Der Atheismus ist „kritische Religion, ... letzte Stufe des Theismus, ... negative Anerkennung Gottes.“ K. Marx, F. Engels, Die heilige Familie, MEW 2, 116.
„Für Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik. ... Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde...“ K. Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. MEW 1, 378 - 379.
„Erst die wirkliche Erkenntnis der Naturkräfte vertreibt die Götter oder den Gott aus einer Position nach der anderen ... Dieser Prozess jetzt so weit, dass er theoretisch als abgeschlossen angesehen werden kann.“ F. Engels, Materialien zum Anti-Dühring, MEW 20, 582f.
„Atheist zu sein, ist heutzutage glücklicherweise keine Kunst mehr. Der Atheismus ist so ziemlich selbstverständlich bei den europäischen Arbeiterparteien, obwohl er in gewissen Ländern oft genug beschaffen sein mag wie der jenes spanischen Anarchisten, der sich dahin erklärte: an Gott zu glauben, das sei gegen allen Sozialismus, aber an die Jungfrau Maria, das sei ganz was anderes, an die müsse ein ordentlicher Sozialist natürlich glauben.


Von den deutschen sozialdemokratischen Arbeitern kann man sogar sagen, dass der Atheismus bei ihnen sich schon überlebt hat; dies rein negative Wort hat auf sie keine Anwendung mehr, indem sie nicht mehr in einem theoretischen, sondern nur noch in einem praktischen Gegensatz zum Gottesglauben stehen: Sie sind mit Gott einfach fertig, sie leben und denken in der wirklichen Welt und sind daher Materialisten. ...


Aber das kann unseren Anarchisten nicht passen. Um zu beweisen, dass sie die Allerradikalsten sind, wird Gott, wie 1793, durch Dekret abgeschafft:
’- In der Kommune ist kein Platz für den Pfaffen; jede religiöse Kundgebung, jede religiöse Organisation muss verboten werden.’
Und diese Forderung, die Leute per Befehl von oben in Atheisten zu verwandeln, ist unterzeichnet von zwei Mitgliedern der Kommune, die doch wahrlich Gelegenheit genug hatten, zu erfahren, dass erstens man ungeheuer viel auf dem Papier befehlen kann, ohne dass es darum ausgeführt zu werden braucht, und zweitens, dass Verfolgungen das beste Mittel sind, missliebige Überzeugungen zu befördern!
Soviel ist sicher: Der einzige Dienst, den man Gott heutzutage noch tun kann, ist der, den Atheismus zum zwangsmäßigen Glaubensartikel zu erklären....“ F. Engels, 1874, MEW 18, 531 - 532.
„Die Technologie enthüllt das aktive Verhalten der Menschen zur Natur, den unmittelbaren Produktionsprozess seines Lebens, damit auch seiner gesellschaftlichen Lebensverhältnisse und der ihnen entquellenden geistigen Vorstellungen.“ K. Marx, Kapital I, 393, Anm. 89.
„Der religiöse Widerschein der wirklichen Welt kann überhaupt nur verschwinden, sobald die Verhältnisse des praktischen Werktagslebens den Menschen tagtäglich durchsichtig vernünftige Beziehungen zueinander und zur Natur darstellen.
Die Gestalt des gesellschaftlichen Lebensprozesses, d.h. des materiellen Produktionsprozesses, streift nur ihren mystischen Nebelschleier ab, sobald sie als Produkt frei vergesellschafteter Menschen unter deren bewusster planmäßiger Kontrolle steht.“ K. Marx, Kapital I, 94.

Wal Buchenberg, 4.7.2001



Zitat
Von den deutschen sozialdemokratischen Arbeitern kann man sogar sagen, dass der Atheismus bei ihnen sich schon überlebt hat; dies rein negative Wort hat auf sie keine Anwendung mehr, indem sie nicht mehr in einem theoretischen, sondern nur noch in einem praktischen Gegensatz zum Gottesglauben stehen: Sie sind mit Gott einfach fertig, sie leben und denken in der wirklichen Welt und sind daher Materialisten. ...


Wann werdet ihr endlich begreifen, dass alle Kommunisten Atheisten sind?
Andersrum ist es nicht verwendbar, weil alle Atheisten per se keine Kommunisten sind!

Zitat
Es ist bezeichnend, dass Denker wie Karl Marx (1883) und Sigmund Freud (+ 1939) ihre Kritik am Theismus nicht gegen das Judentum oder gegen die anderen großen Weltreligionen richten, sondern gegen das Christentum und da wiederum vor allem gegen das Christentum katholischer Provenienz .Im Atheismus wird nicht nur die Möglichkeit geleugnet, dass Gott sich offenbaren kann, sondern hier wird ihm schlechthin seine Existenz abgesprochen. Konsequent wird dann das Welthafte als das einzig Wirkliche angesehen. Dabei müssen wir im Blick behalten, dass der gegenwärtige Atheismus sich nicht nur als Negation des Daseins Gottes versteht, sondern positiv als echte Möglichkeit für ein menschliches Dasein, wenn nicht gar als Notwendigkeit. Er votiert für den Atheismus gerade um des Menschen willen. Er erstrebt eine Humanität ohne Gott. Univ. Prof. Dr. Theol. Joseph Schumacher


Warum wohl?
Max Horkheimer im Spiegel-Gescpräch:

Zitat
Spiegel: Woher wissen die denkenden Menschen, was gut ist?
Horkheimer: Ich habe geschrieben, dass Politik welche nicht Theologie oder Metaphysik, damit natürlich auch Moral, in sich bewahrt, letzten Endes Geschäft bleibt.
Spiegel: Gute, moralische Politik sei also, meinen sie, nicht ohne Theologie möglich?
Horkheimer: Zumindest nicht ohne Gedanken an ein Transzendentes.
Spiegel: Was meinen sie damit?
Horkheimer:.................Erst einmal möchte ich über die Kritik der Theologie sprechen, die Positivisten also, und deutlich machen, dass sich aus der POsition des Positivismus keine moralische POlitik ableiten lässt. Wissenschaftlich betrachtet, ist Hass bei aller sozialfunktionellen Differenz nicht schlechter als Liebe. Es gibt keine wissenschaftliche Begründung, warum ich nicht hassen soll, wenn ich mir dadurch in der Gesellschaft keine Nachteile zuziehe. Alles, was mit Moral zusammenhängt, geht logisch letzten Endes auf Theologie, jedenfalls nicht auf säkulare Gründe zurück, wie sehr man sich auch bemühen mag die Theologie behutsam zu fassen.
Spiegel: Also auf Gott?
Horkheimer: Zumindest-darin gehe ich mit Kant und Schopenhauer einig- weiß ich, dass die Welt Erscheinung ist. Wie wir sie kennen ist sie nicht absolut, sondern Ordnungsprodukt unserer intellektuellen Funktionen. Jedenfalls ist sie nicht das Letzte.
Spiegel: Und was ist das Letzte?
Horkheimer: Religion lehrt, dass es einen allmächtigen und allgütigen Gott gibt. Ein kaum glaubhaftes Dogma angesichts des Grauens, das seit Jahrtausenden auf dieser Erde herrscht.
Spiegel: UND?
Horkheimer: Ich würde sagen, man solle Theologie erneuern. Es ist keine Gewissheit, dass es einen allmächtigen Gott gibt. Ja, wir können es nicht einmal glauben angesichts dieser Welt und ihres Grauens.
Spiegel: Was bleibt dann?
Horkheimer: Die Sensucht!
Spiegel: Wonach?
Horkheimer: Sensucht danach, dass es bei dem Unrecht, durch das die Welt gekenzeichnet ist, nicht bleiben soll. Dass das Unrecht nicht das letzte Wort sein möge. Diese SEnsucht gehört zum wirklich denkenden Menschen.
Spiegel: Also eine neue Religion?
Horkheimer: Nein, wir können nicht eine neue REligion gründen. Mögen die alten Konfessionen weiter existieren und wirken in dem Eingeständnis, dass sie eine Sensúcht ausdrücken und nicht ein Dogma.
Spiegel: Glauben Sie, dass eine solche Sensucht ausreicht, um moralisches Handeln zu ermöglichen, zumal auf einem Feld wie dem der Politik? Vor sechs Jahren haben Sie in einem Aufsatz für ihren Freund Adorno geschrieben: "Einen unbedingten Sinn zu retten ohne Gott, ist eitel". Das führt zu der Frage: Wenn es keinen Gott gäbe, und wenn es infolgedessen keinen unbedingten Lebenssinn gäbe-worauf sollte sich dann der Moralist in der Politik berufen können?
Horkheimer: Au Gott berufen? Das können wir nicht. Zumindest ist das meine Auffassung: Wir können nicht behaupten, es gäbe einen guten und allmächtigen Gott. Aber Sie haben ganz recht, dann kann man sich also auch nicht auf Gott berufen. Man kann nur handeln mit dem inneren Antrieb, möge es so sein...
Spiegel: Möge es so sein, dass es einen guten Gott gibt?
Horkheimer: Adorno und ich-wer von uns beiden es zuerst formuliert hat, weiß ich heute nicht mehr -auf jeden Fall haben wir beide nicht mehr von Gott, sondern von der "sensucht nach dem Anderen" gesprochen.
Spiegel: Diese Behutsamkeit im Umgang mit Gottes Namen ist-wie häufig festgestellt-jüdisches Erbe.
Horkheimer: Ja. Und zwar auch in der Weise, dass diese Behutsamkeit in unsere Gesellschaftstheorie, die wir die Kritische nannten, eingegangen ist. Du sollst Dir kein Bild von Gott machen, heißt es in der Bibel. Du kannst nicht darstellen, was das absolute Gute ist. Der fromme Jude versucht, das Wort Gott nach Möglichkeit zu vermeiden, ja er schreibt es nicht aus, sondern macht ein Apostroph. So nennt auch die Kritische Theorie das Absolute vorsichtig "das Andere". Was mich bewegt, ist die theologische Idee angewandt auf eine vernünftige Theorie der Gesellschaft. (Der Spiegel, Nr.1/ 1970)


Horkheimer traut sich nicht, genau wie Jaspers, Gott Gott zu nennen!
Das sollte den Atheisten zu denken geben, ist meine bescheidene Meinung!

--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Michael1 Offline



Beiträge: 840

30.10.2012 11:18
#69 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Eine bescheidene Frage an Atheisten: Warum pflantzen sich die meisten Tier- und Pflantzenarten sexuell fort? Wie kamm Sex in die Welt?
Und die andere: Warum gibt es Chiralität in der Welt, und warum die L-Form im Leben vorherrschend ist?
Wie ist das möglich, wenn beide Formen die gleichen Chancen haben?
Und noch eine: Wie entsteht Kohlenstoff?
Danke!

--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Michael1 Offline



Beiträge: 840

30.10.2012 11:31
#70 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat Blackysmart:

Zitat


Papst Leo XIII. (1885): „Die uneingeschränkte Freiheit des Denkens und die öffentliche Bekanntmachung der Gedanken eines Menschen gehören nicht zu den Rechten der Bürger“. Papst Benedikt XVI. sprach sich gegen ein britisches Gesetz zur Gleichstellung aller Menschen (Anti-Diskriminierungsgesetz von Frauen und Homosexuellen am Arbeitsplatz) aus. In einer Ansprache an katholische Bischöfe aus England und Wales sagte der Papst am Montag den 1. Februar 2010, dass Teile der britischen Gesetzgebung zur Gleichstellung "gegen das Naturgesetz" verstoße.

Ist es nicht richtig, solches Gedankengut zurückzudrängen. Die Mittel der Sowjets waren allerdings falsch.


Wer kommunistisch-atheistische Verbrechen schützt, er macht sich schuldig!
Was ist Demokratie? Für mich ist die Demokratie Diktatur der Mehrheit. Schau dir die Gesetzgebung in GB-. Es verbietet den König Heiret mit einer Katholikin!
Warum verbietet die deutsche Gesetzgebung die Nazigedanken? Wo kommen wir hin, wenn die Verbrecher ihre Meinung frei lehren können?

--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.599

30.10.2012 12:34
#71 Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Michael1
Für Gysi und Konsorten!

Danke für die Mühe! Die Texte sind mir größtenteils bekannt. Ich gehe mit ihnen größtenteils konform. Aber wieso bringst du die? Bist du jetzt endlich auf dem richtigen Pfad?

_____________________________________________
"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

30.10.2012 12:45
#72 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Michael1 im Beitrag #69
Eine bescheidene Frage an Atheisten: Warum pflantzen sich die meisten Tier- und Pflantzenarten sexuell fort? Wie kamm Sex in die Welt?
Und die andere: Warum gibt es Chiralität in der Welt, und warum die L-Form im Leben vorherrschend ist?
Wie ist das möglich, wenn beide Formen die gleichen Chancen haben?
Und noch eine: Wie entsteht Kohlenstoff?
Danke!


Zusammenfassend lautet die Frage:
Warum gibt es überhaupt Irgendetwas?

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

30.10.2012 12:52
#73 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat von Blackysmart im Beitrag #67
Zitat von Reisender im Beitrag #63
Tatsache ist aber nun mal, daß die Grundlage des Wissenschaftlichen Kommunismus, in der DDR
als Marxismus Leninismus bezeichnet, der Dialektische Materialismus ist, und der ist nun mal Atheistisch. Wenn aber etwas Systhemimanent ist, kann es keine Privatsache mehr sein, das hat Lenin doch ganz klar und eindeutig gesagt, und die systhematische physische Vernichtung der orthodoxen Geistlichkeit ist geschichtliche Tatsache.


Der dialektische Materialismus wurde von Marxs und Engels begründet. Marx bezeichnete die Religion einmal als "Opium des Volkes". Er wollte nicht das Opium verbieten, aber die "Dealer" zurückdrängen.

"In seiner Kritik des Gothaer Programms der deutschen Sozialdemokratie (1875) erklärt Marx, dass die private Freiheit des
Glaubens und der religiösen Praxis einzig als Ablehnung staatlicher Einmischung definiert werden sollte. Er formulierte das
Prinzip folgendermaßen: &gt;&gt;Jeder muss seine religiöse wie seine leibliche Notdurft verrichten können, ohne dass die Polizei ihre Nase hineinsteckt&lt;&lt; Gleichzeitig bemerkte er jedoch: Aber die Arbeiterpartei musste doch bei dieser Gelegenheit ihr Bwusstsein darüber aussprechen, dass die bürgerliche &gt;&gt;Gewissensfreiheit&lt;&lt; nichts ist, außer der Duldung aller möglichen Sorten religiöser Gewissensfreiheit, und dass sie [die Partei] vielmehr die Gewissen vom religiösen Spuk zu befreien strebt."
http://www.islinke.de/pdf/achcar.pdf

Eine private Religiösität hätte "die Partei" sicherlich nicht gestört. Marx wollte den Machteinfluß der Kirchen auf die Menschen stoppen, er wollte ihnen ihre Religion aber nicht verbieten. Seine Ideologie hatte keinen Atheismus als Grundbedingung, sondern er wollte Einschränkung der kirchlichen Macht. Der König zum Priester: Halte Du sie dumm, ich halte sie arm."

Gewalt gegen die Kirchen gab es erst nach dem russischen Bürgerkrieg. Die Kirchen schlugen sich im Bürgerkrieg auf die gegnerische Seite (Konservative, Demokraten, gemäßigte Sozialisten, Nationalisten und der Weißen Armee) und haben sich massiv gegen die "gottlose Bedrohung" einsetzte.

Ob Revolutionen gerechtfertigt sind, darüber lässt sich streiten. Auch ob Gewalt in diesen Revolutionen legitim ist, will ich nicht beurteilen. Wenn es der Bevölkerung wie damals im russischen Winter 1916/1917 so dreckig geht, dass sie als einzigen Ausweg aus der Unterdrückung eine gewalttätige Revolution beginnen und dann gegen alle ihre Gegner gewalttätig vorgehen, wer will ihnen das verdenken? Die Rolle der Kirche war jedoch immer das Geklüngel mit den Machthabern.

Papst Leo XIII. (1885): „Die uneingeschränkte Freiheit des Denkens und die öffentliche Bekanntmachung der Gedanken eines Menschen gehören nicht zu den Rechten der Bürger“. Papst Benedikt XVI. sprach sich gegen ein britisches Gesetz zur Gleichstellung aller Menschen (Anti-Diskriminierungsgesetz von Frauen und Homosexuellen am Arbeitsplatz) aus. In einer Ansprache an katholische Bischöfe aus England und Wales sagte der Papst am Montag den 1. Februar 2010, dass Teile der britischen Gesetzgebung zur Gleichstellung "gegen das Naturgesetz" verstoße.

Ist es nicht richtig, solches Gedankengut zurückzudrängen. Die Mittel der Sowjets waren allerdings falsch.


Ein sachlicher Beitrag, und er zeigt, wie komlex das Thema doch ist.
Vielleicht kann man verallgemeinert sagen;
weder Theismus noch Atheismus tragen die Gewalt in sich.
Sie verführen oder ermuntern aber zu Gewalt, wenn sie für eine politische
Ideologie instrumentalisiert werden.

Michael1 Offline



Beiträge: 840

30.10.2012 14:44
#74 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat Gysi:

Zitat

Danke für die Mühe! Die Texte sind mir größtenteils bekannt. Ich gehe mit ihnen größtenteils konform. Aber wieso bringst du die? Bist du jetzt endlich auf dem richtigen Pfad?


Wie ist es dann möglich, dass du so viel Unverständliches schreibst, wenn dir die Texte schon bekannt waren?
Ohne Gott kannst du nichts erklären!
Meine Fragen oben warten auf deine luzide Antwort!
Danke, GYSI!

--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Michael1 Offline



Beiträge: 840

30.10.2012 14:50
#75 RE: Atheismus ist ein hoffnungs-loser Glaube........... Antworten

Zitat Reisender:

Zitat


Zusammenfassend lautet die Frage:
Warum gibt es überhaupt Irgendetwas?


Hi Reisender!
So ungefähr könnte man es nennen!
Eine sehr interessante Situation: Keiner von den Atheisten versucht die Fragen zu beantworten!

--------------------------------------------------
Fide, sed qui, vide!

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | ... 35
 Sprung  
________________________________________

"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

________________________________________

=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

... Platz für Verlinkungsaustausche ...

VORSICHT! Vertrauensunwürdige Werbung!

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor
Datenschutz