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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


Der substanzielle  Dialog 

Für (echten) Säkularismus und freie Religionskritik!

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Dieses Thema hat 104 Antworten
und wurde 3.677 mal aufgerufen
 Islamismus/Islam
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Flat ( gelöscht )
Beiträge:

03.10.2013 15:22
#26 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Blackysmart im Beitrag #24


Religionsgemeinschaften haben die Umsetzung und Verbreitung der Gemeinschaftsüberzeugung als Ziel.




Moin,

können zum Ziel haben.

Konjunktiv!

Denn nicht alle Religionsgemeinschaften sind missionarisch.



Zum Thema selbst: Ich bin bezüglich Religionsunterricht zwiegespalten.

Ich lehne konfessionellen Religionunterricht an staatlichen Schulen ab, da Schulen nicht die Aufgabe haben, für Kirchen Mitglieder zu gewinnen.

Gleichwohl befürworte ich Religionsunterricht, da Religion ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft ist und Schule die Aufgabe hat, Kinder auf diese Gesellschafft vorzubereiten. Nur sollte er Kinder nicht in eine Richtung einer Konfession beeinflussen (und auch nicht in Richtung Atheismus) sondern sie befähigen, irgendwann mal selbst eine Entscheidung zu treffen, was sie diesbezüglich wollen.


Aber bei Muslimen bin ich irgendwie doch Pragmatiker. Mir ist staatlicher Islamunterricht lieber als Koranschulen am Nachmittag in irgendwelchen Hinterhöfen.

Viele muslimische Eltern legen Wert auf Islamunterricht, überraschenderweise ist es ihnen dann aber oft egal, ob das eher fundamentalistische Koranschulen oder Unetrricht in einer staatlichen Schule ist. Ihnen ist nur wichtig, dass ihr kind dazu was lernt.

Tschüss

Jörg

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

03.10.2013 17:29
#27 Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat
Gleichwohl befürworte ich Religionsunterricht, da Religion ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft ist und Schule die Aufgabe hat, Kinder auf diese Gesellschafft vorzubereiten. Nur sollte er Kinder nicht in eine Richtung einer Konfession beeinflussen (und auch nicht in Richtung Atheismus) sondern sie befähigen, irgendwann mal selbst eine Entscheidung zu treffen, was sie diesbezüglich wollen.

Naja. Religionen sind ein Bestandteil unserer Traditionen, und wir müssen unseren Kindern nichts beibringen, was seinen Sinn schon lange überlebt hat.

Ich bin für Ethikunterricht, und man darf mit ihr erkennen, dass Ethik nicht gottgegeben ist, sondern aus den Bedingungen der menschlichen Gesellschaft erwachsen ist und weiter erwächst.
Gleichwohl sind die Religionen ein Teil unserer gesellschaftliche Realität und werden immer ein Teil der menschlichen Geschichte sein. Religionen sollten also durchaus in den Schulen gelehrt werden, aber nicht bekenntnissgebunden, sondern neutral. Die Schüler müssen die verschiedenen Angebote kennenlernen, so auch den Atheismus.
So werden die Religionen auf breitester gesellschaftlicher Basis in die Diskussion geworfen. Religionskritik wird selbstverständlich.
Damit erfahren die Religionen einen Paradigmenwechsel in der Kommunikation und die Emanzipation des Zweifelns - dem Glauben gegenüber. Als Atheist glaube ich, dass dieser Paradigmenwechsel der Anfang vom Ende aller Religionen sein wird. Der wird ihr Fegefeuer sein, das sie nicht überleben können.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Flat ( gelöscht )
Beiträge:

03.10.2013 17:45
#28 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Moin,

Religion istnicht nur ein bestandteil unserer Tradition sondern ein Bestandteil unserer gegenwärtigen Gesellschaft. Du magst die Ansucht haben, dass es sich überlebt hat, aber dennoch sind ca. 2/3 der Bevölkerung in Kirchen organisiert. Rechnet man da noch die kleinen Glaubensgemeinschaften und Freikirchen da plus die anderen Religionsgemeinschaften wie beispielsweise den Islam, dann ist das eine sehr bedeutende gesellschaftliche Relevanz.

Warum sollte Zweifel das Ende der Religionen sein? Zweifel gehört doch zum Glauben. Er kann sogar sehr zur Festigung desselben beitragen.

Ich denke, die Rolle der Religion wird sich weiter verändern. Nur ist das doch normal.Weiterhin wird die Gesellschaft die Religion beeinflussen und die Religion die Gesellschaft.

Tschüss

Jörg

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

03.10.2013 18:11
#29 Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat
Warum sollte Zweifel das Ende der Religionen sein?

Der Zweifel ist von Teufel. Wer zweifelt, hat schlechte Karten, was das große Versprechen vom ewigen Leben betrifft. Wer im Zweifel verharrt, hat Gottesstrafen schon zu Lebzeiten zu befürchten. Unter dem göttlichen Waffengerassel überlegt man sich, den Zweifel zu pflegen.

Der Zweifel ist hingegen aber DAS Instrument der Wissenschaft! SIE drängt zur Falsifikation. Der Glaube drängt zum Glauben und sonst nichts! Darum ist die Philosophie, die Ethik der Religionen - wissenschaftsfeindlich!

Sie ist zudem auch demokratiefeindlich, weil sie mit ähnlich schlimmen Drohungen gegen die Ungläubigen (also die Andersdenkenden) vorgeht.

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Flat ( gelöscht )
Beiträge:

03.10.2013 18:19
#30 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Moin,

Deine Vorstellung von Glauben sind sehr evangelikal (was ich häufig schon bei Atheisten erlebt habe).

Mit normalen Glauben hat das wenig zu tun.

Tschüss

Jörg

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

03.10.2013 18:29
#31 Islamischer Religionsunterricht antworten

Was ist denn "normaler Glaube"?

Wieso ist meine "Vorstellung vom Glauben evangelikal"? Ich glaube überhaupt nicht religiös. Ist der jüdische Glaube grundlegend anders? Ich versuche, analytisch vorzugehen, und komme so zu meinen Ergebnissen.

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Geodei ( gelöscht )
Beiträge:

03.10.2013 18:52
#32 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat im Beitrag #30
Moin,

Deine Vorstellung von Glauben sind sehr evangelikal (was ich häufig schon bei Atheisten erlebt habe).

Mit normalen Glauben hat das wenig zu tun.

Tschüss

Jörg

Atheisten sind ganz normale (konfessionslose) MENSCHEN wie alle anderen auch. Nur gehören sie zu den weltweit am meisten diskriminierten und somit auch zu den am meisten verfolgten.

Aber vielleicht hast du Fiat, auch nur eine religiöse Vorstellung von Atheisten. Es gibt Atheisten die nichts dafür können, dass sie nicht glauben können.

Flat ( gelöscht )
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03.10.2013 19:36
#33 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #31

Wieso ist meine "Vorstellung vom Glauben evangelikal"? Ich glaube überhaupt nicht religiös.


Moin,

aber Deine Vorstellung von Glauben ist evangelikal. Du unterstellt Gläubigen eine extreme Sicht, die die meisten überhaupt nicht haben.

Jeder 'normale' evangelische oder katholische Christ wird Zweifel als normal empfinden.

Im Judentum gehört Zweifel, das Infragestellen und Hinterfragen von Glaubensinhalten sogar zwingend zum Glauben.


Nur sehr extreme Gläubige glauben so, wie Du Glauben siehst.

Tschüss

Jörg

Flat ( gelöscht )
Beiträge:

03.10.2013 19:39
#34 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Geodei im Beitrag #32

Aber vielleicht hast du Fiat, auch nur eine religiöse Vorstellung von Atheisten. Es gibt Atheisten die nichts dafür können, dass sie nicht glauben können.



Moin,

in meinem Glauben ist es nahezu egal, ob jemand Atheist ist oder nicht. Es kommt auf die Handlungen an. Und da stehen Atheisten in der Regel nicht schlechter oder besser da als Gläubige.

Tschüss

Jörg

Geodei ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2013 07:17
#35 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Was heißt nahezu?
Die Kehrseite des Glaubens heißt Vorurteil. Im Islam und Christentum wird gelehrt, dass man nur dann ein guter und vollwertiger
Mensch ist, wenn man an Wunder und an eine übernatürliche Erklärung der Welt und an ein Weiterleben nach dem Tod unter paradiesischen oder höllischen Bedingungen als Grundsatz für alle anderen Glaubensinhalte glaubt.
Die Kehrseite davon ergibt sich von selbst. Der Mensch der das nicht glaubt, wird zum
suspekten Außenseiter abgeurteilt.
Zum Gesetz - und damit auch zum Rechte-losen. Und besonders auch die Katholiken sind in dieser ihrer fixen Idee ganz extremglaubig.

Flat ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2013 08:07
#36 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Moin,

zunächst mal zum 'nahezu': Auch in meinem Glauben ist das Glauben an einen monotheistischen Gott wünschenwert. Aber eben nicht zwingend und es wird auch nicht dafür geworben sondern jeden Menschen selbst überlassen. Erlösung kann eben auch ein Atheist oder Andersgläubiger erfahren. Und Glauben muss immer aus einem Menschen selbst kommen und nicht von außen.


Zum Rest: Du hast in der Theorie Recht. In der Tat setzen Christentum (auch die liberalen Richtungen) und Islam den jeweiligen Glauben als Voraussetzung für das Paradies und das gottgefällige Leben voraus. Und auch die Auswirkungen auf den normalen Alltag sind groß, in islamischen Staaten sowieso, aber selbst in den USA ist es faktisch derzeit undenkbar, dass ein Nichtchrist Präsident wird.

Aber in den meisten Staaten führt das nicht zum Rechtlosen, selbst in den islamischen Staaten meist nicht. Und bei den Katholiken auch nicht. Da schießt Du über das Ziel hinaus.

Tschüss

Jörg

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

04.10.2013 08:15
#37 Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat
Nur sehr extreme Gläubige glauben so, wie Du Glauben siehst.

Ich gehe von der Bibel aus.
Die Religionserziehung prägt die Menschen bis tief ins Unterbewusstein. Auch meine einschneidende Kindheitserfahrung ist, dass Religion und Gott große Angst machen. Und darum ging es damals doch auch: um die Disziplinierung zu Zwecken der Herrschenden. Und weil man Gott zu lieben und als Liebenden zu preisen hat, ist der unterworfene Gläubige dazu gezwungen, seinen Zweifel und die Wahrheit zu negieren! Er ist eben nicht frei, zu zweifeln! Er hat dies zu bekennen! Und sich für den Glauben zu entscheiden. Religion erzieht zur Unaufrichtigkeit! Heute ist die Religion reinster Atavismus. Aber die unnötige Angst wird noch gemacht. => Der Ungläubige kommt in den "Feuerofen" (Matth.) oder in den "Feuersee" (Offenb.)Die Drohung ist doch da! Im Koran sieht das alles noch schlimmer aus.

Das NT und der Koran betrifft die Juden nicht. Aber die 5 Bücher Mose sind doch auch die Thora, richtig? Die Kriegsberichte im Kampf des auserwählten Volkes gegen die Nichtauserwählten sind auch nicht ohne. Auch die Genesis und die Sintflut-Geschichte tragen nicht eine Ethik in sich, die mit den heutigen Menschenrechten kompatibel ist...

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Flat ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2013 11:38
#38 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Moin,

Du gehst von einer speziellen Sichtweise der Bibel aus. Du verstehst sie verbalinspiriert, also wörtlich und angeblich wahr (auch wenn Du sie natürlich nicht für wahr hältst). Deshalb meinte ich, dass Du eine evangelikale Sichtweise hast, auch wenn dieser Begriff nicht vollkommen stimmig ist.

Richtig, die 5 Bücher Mose sind die schriftliche Thora. Die christliche (und damit auch in der Regel die atheistische) Sichtweise ist, dass dieses abschließend ist und im Kern auch so gemeint, wie es dort steht.

Das Judentum kennt daneben noch die mündliche Thora, die einem Teil des Talmuds ausmacht. Das ist eine Diskussion und Interpretation der schriftlichen Thora.

Das Judentum geht nicht von einer starren Lehre aus sondern von einer entwickelnden Lehre.


Du findest in den 5 Büchern Mose Mord, angeblich gerechte Kriege, Strafen, die uns heute unmenschlich und vollkommen falsch vorkommen und vieles mehr.

Und dennoch hat sich im jüdischen auf dieser Grundlage schon vor über 2000 Jahre z.B. eine faktische Ablehnung der Todesstrafe heraus gebildet. Das wirst Du aus den Texten der 5 Bücher Mose so nicht heraus lesen können. Dazu muss man die ganze jüdische Lehre betrachten und auch ihre Entwicklung.

Das Judentum ist, entgegen der christlichen Propaganda, eine unglaublich dynamische Religion, die sich stets weiter entwickelt hat, teilweise weil sie es musste (Tempelzerstörung 70 n.d.Z.), teilweise weil sie es wollte (liberaler und konservativer Zweig im 19.Jahrhundert).


Einfach die alten Texte wörtlich nehmen und zu sagen 'so ist der jüdische Glaube', führt daher in die Irre; wird aber gern so gemacht, wenn man das Judentum schlecht aussehen lassen will.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass es das Judentum nicht gibt und wohl auch nie gab. Das Judentum geht von einem individuellen Weg aus. Deshalb ist das Selbststudium dort so wichtig.

Tschüss

Jörg

Geodei ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2013 13:32
#39 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Das Judentum hat ebenso sehr unterschiedliche Zweige wie auch das Christentum.
Die Orthodoxen bestimmen in der Regel auch über die politische und gesellschaftliche Ordnung
der Gemeinschaft oder des Staates.
Beispiel Israel. Liberale müssen sich letztendlich immer den
Fundamentalisten unterordnen. Liegt in der Natur des .
Glaubens selbst
Hierarchie der Autorität.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

04.10.2013 15:13
#40 Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat
Das Judentum kennt daneben noch die mündliche Thora, die einem Teil des Talmuds ausmacht. Das ist eine Diskussion und Interpretation der schriftlichen Thora.

Das ist im Christentum ebenso, und ebenso im Buddhismus usf. Darum gibt es auch so viele verschiedene Bekenntnisgruppen. Jeder von denen meint, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Und fast alle passen sich derzeit nach und nach der größten ethischen Entwicklungskraft auf Erden an: dem "evolutionären Humanisms", basierend auf den Menschenrechten, die 'modernen 10 Gebote', das ethische Ergebnis der eher atheistisch dominierten Aufklärung, mit dem politischen Resultat der DEMOKRATIE, mit dem spirituellen Resultat der breit und immer breiter angelegten WISSENSCHAFTEN, des wissenschaftlichen Denkens. (Und beides hat ihre Wurzeln nicht in den monotheistischen Religionen!)

Dynamik ist gut. Weil per Einsicht Änderungen anstehen. Und Dynamik in der Religion kann so weit gehen, dass sie das Wesen der Religion sprengt!

Ich hatte vor kurzem mal wieder ein Gepräch mit den Zeugen Jehovas gehabt: "Jahaaa, das mit dem 'Feuerofen', das mit der Hölle also, das ist doch nur symbolisch gemeint!" So einfach wird die Hölle abgeschafft. Weil sich die Verhaltensbedingungen durch den Humanismus verändert haben. Schön, sich von der Hölle losgesagt zu haben und man auf diese Weise aufhört, die Kinder zu peinigen! Aber Fakt ist doch, dass man mit dem selben Text, mit dem man vorher den autoritären Erziehungsterror der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts durchgewunken hatte, heute den humanistischen Zug fährt! Wie lange dauert es, bis die Figur 'Gott' als 'symbolisch' erkannt wird?

Der Papst redet heuer für Homosexuellen- und Frauenrechte. Nicht für ihre Gleichberechtigung, aber immerhin. Es sind doch die weltlichen MENSCHENRECHTE, die die Religionen vor sich her in eine immer bessere Ethik treiben - und nicht umgekehrt!

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Flat ( gelöscht )
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04.10.2013 15:19
#41 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Moin,

zunächst sind orthodoxe Juden keine Fundamentalisten. Orthodox ist schlicht die häufigste und ursprüngliche Form des Judentums (man spricht auch erst von orthodox, als sich liberales und konservatives Judentum heraus bildete). Ich glaube, Du verwechselst das mit Ultraorthodox (in Deutschland kaum vorhanden). Die meisten deutschen Juden sind orthodox. Das zeigt sich in der Struktur der 'Gottesdienste', etwas in der Art des privaten weltlichen Lebens (es wird wohl mehr Vegetarier als bundesdeutsch-durchschnittlich bei ihnen geben), aber ansonsten wirst Du einen orthodoxen Juden nicht als solchen erkennen.

Der Einfluss der religiösen Gruppen in Israel ist schwierig zu beschreiben. Derzeit ist eine rechte, eher areligiöser (ich mchte ihn nicht unbedingt atheistisch nennen, er ist so religiös wie z.B. in Deutschland die SPD) Bewegung -leider- sehr einflussreich, da diese auch eng mit der Siedlerbewegung zusammen hängt, die ja auch eher areligiös ist (ich vermute, Du hältst sie für orthodox ). Ich meine hier Jisra'el Beitenu um Avigdor Liebermann

Daneben haben auch die ultraorthodoxen an Einfluss gewonnen, wobei sich diese in mindestens 2 wesentliche Gruppierungen aufteilen. Die einen lehnen Israel ab (wobei sie aber ohne schlechtes Gewissen auf Kosten des Staates leben), die anderen meinen, es wäre das biblische Israel. Ihr -negativer- Einfluss ist eher auf gesellschaftlicher Ebene (Rolle der Frau, etc.), wobei es inzwischen reichlich Gegenwind der eher weltlicheren Israelis gibt, denen die ultraorthodoxen ziemlich auf den Keks gehen. Auch die gerichtsentscheidungen der letzten Jahre setzten den Ultraorthodoxen Schranken.

Aber das führt hier wohl alles eher vom Thema weg. Israel und die dortige Situation ist nicht religiös zu erklären. Religion spielt dort eine gewisse Rolle, aber die ist meines Erachtens kleiner als man meint.

Tschüss

Jörg

Flat ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2013 15:32
#42 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #40

Zitat von Flat
Das Judentum kennt daneben noch die mündliche Thora, die einem Teil des Talmuds ausmacht. Das ist eine Diskussion und Interpretation der schriftlichen Thora.
Das ist im Christentum ebenso, und ebenso im Buddhismus usf. (...)

Ich hatte vor kurzem mal wieder ein Gepräch mit den Zeugen Jehovas gehabt: "Jahaaa, das mit dem 'Feuerofen', das mit der Hölle also, das ist doch nur symbolisch gemeint!" So einfach wird die Hölle abgeschafft. (...)

Der Papst redet heuer für Homosexuellen- und Frauenrechte. Nicht für ihre Gleichberechtigung, aber immerhin. Es sind doch die weltlichen MENSCHENRECHTE, die die Religionen vor sich her in eine immer bessere Ethik treiben - und nicht umgekehrt!



Moin,

Im Christentum ist das differenziert. Evangelische Christen lassen nur die christliche Bibel gelten. Über die Auslegung gibts dann unterschiedliche Meinungen. Die Katholiken haben in der Tat erklärende Nebenquellen (Apokrypten, bestimmte Papstaussagen, usw.). Aber selbst bei den Katholiken ist das nicht so systemimmantent wie im Judentum.


Die Zeugen Jehovas kennen in der Tat nicht die Hölle. Wir Nichtzeugen (also Du, ich und die anderen) werden Ihnen meines Wissens nach schlicht im ewigen Leben auf Erden zu dienen haben (vielleicht ist das ja die Hölle ).

Beim Papst und den Minderheiten- und Frauenrechten hast Du derzeit Recht. Andererseits ist es erst wenige Jahrzehnte her, als die katholische Kirche im Ostblock, insbesondere in Polen, kräftig dafür mitgesorgt hat, dass dort eine Diktatur stürzt und Demokratie einzieht.

Kirche und Religion kann eben auch ein Vorreiter von Ethik sein (das frühe Judentum z.B. bei Menschenrechten und Frauenrechten), aber geschichtlich mussten in der Tat viele Freiheitsrechte gegen Kirchen erkämpft werden. Was aber auch daran lag, dass sich Staatsmacht und Religion verbunden haben. Etwas, was meines Erachtens nicht gut gehen kann.

Tschüss

Jörg

PS: Die Hölle ist übrigens eine eher neue Erfindung. Das Judentum kennt keine Hölle, die ersten Christen auch nicht

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

04.10.2013 15:54
#43 Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat
PS: Die Hölle ist übrigens eine eher neue Erfindung. Das Judentum kennt keine Hölle, die ersten Christen auch nicht

Nach dem Neuen Testament schon. Die Hölle, der "Feuerofen" ist eine Erfindung des ersten Protagonisten der Nächstenliebe - Jesus von Nazareth alias Christus himself!

Zitat
Evangelische Christen lassen nur die christliche Bibel gelten.

Wenn man die Urtexte nach Ergebnisbeliebigkeit durchkneten darf ("alles symbolisch"), ist es doch bald egal, was für Texte man als geheiligte Grundlage nimmt. Dann muss man aber ehrlicherweise auch eingestehen, dass es die INTERPRETATION ist, die Verständnis, Einsicht und die BESSERE ETHIK in sich trägt! Und nicht der vermeintliche geheiligte Götterfunke selbst...

Zitat
Kirche und Religion kann eben auch ein Vorreiter von Ethik sein

Nee. Sehe ich anders.

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Flat ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2013 16:03
#44 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Moin,

die ersten Christen hatten aber noch kein neues Testament. Der Kanon wurde erst auf dem Konzil von Nicäa festgelegt, die einzelnen Schriften sind meines Wissens ab der Zeit 70 n.d.Z. entstanden, Es gibt eben nur Schriften über Jesus, keine von ihm.


Und jedes Schriftverständnis ist immer auch Interpretation. Das zweifeln eigentlich im christlichen nur Teile der Evangelikalen an (womit wir wieder bei deinem Schriftverständnis wären .

Tschüss

Jörg

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

04.10.2013 16:18
#45 Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat
Und jedes Schriftverständnis ist immer auch Interpretation. Das zweifeln eigentlich im christlichen nur Teile der Evangelikalen an (womit wir wieder bei deinem Schriftverständnis wären

Ich glaube, viele folgen ihrer Ahnung, dass die Menschenrechte einfach die beste Ethik ist, die die Menschheit bisher hervorgebracht hat. Und je nach religiöser Prägung will man die mit ihnen harmonisieren, auf Deibel komm raus. Sie folgen einem "Buch", das tief in ihren Genen geschrieben steht, und dieses Buch ist älter, als die Thora, Talmud, Bibel, die vedischen Schriften, der Koran! Die wahren Quellen der modernen Ethik sind nicht die Urschriften der derzeit herrschenden Weltreligionen. Sie sind tief in unsere Gene geschrieben, und wir haben sie GEGEN die Religionen durchgesetzt!

Wir brauchen die Ethik. Die haben wir. Die Religionen brauchen wir nicht! Ich sehe zudem nicht, wie man mit dem Glauben an einen Gott - und dann auch noch den einer bestimmten Religion - WAHRHAFTIG sein kann.

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Flat ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2013 16:34
#46 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Moin,

wir sind hier zwar schon weit vom Thema 'islamischer Religionsunterricht' abgekommen, aber was soll's.

Glaubst Du wirklich, die Menschenrechte sind in unserem Wesen verankert?

Zunächst ist das Verständnis der Menschenrechte weltweit sehr unterschiedlich. Es gibt keine einheitlichen. Selbst das elementarste Menschenrecht, das Recht auf Leben, wird sehr unterschiedlich gesehen.

Gleichberechtigung von Frauen? Selbst in Deutschland vor 60 Jahren überhaupt nicht umgesetzt (auch heute übrigens nicht nicht ganz.

Und Gesellschaftssysteme, die areligiös waren/sind, haben sich auch nicht gerade um die menschenrechte verdient gemacht sondern oft eher das Gegenteil.


Um dem Menschen unveränderbare Rechte zuzugestehen, muss der Mensch als Individuum etwas wert sein. Diesen Menschenwert haben auch die Religionen erklärt und definiert.

Ethik muss nicht religiös begründet sein, aber sie kann es durchaus und ist es auch oft.

Tschüss

Jörg

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

04.10.2013 16:51
#47 Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat
Glaubst Du wirklich, die Menschenrechte sind in unserem Wesen verankert?

Ja!

Der "Wille zur Macht" (Nietzsche) ist eine genetische Verankerung. Allerdings haben alle Menschen diesen Willen, so wie alle Tiere und Pflanzen auch. Die einen setzen sich durch, andere nicht. Die MENSCHEN sind die, die sich unter allen Tieren am erfolgreichsten durchgesetzt haben. Und da wir Menschen unter uns alle ziemlich gleich sind, begehren wir alle untereinander das gleiche Recht.

Zitat
Und Gesellschaftssysteme, die areligiös waren/sind, haben sich auch nicht gerade um die menschenrechte verdient gemacht sondern oft eher das Gegenteil.

Das haben sie in der Tat nicht. Lag aber nicht an der fehlenden Religionsführung. Das lag an deren faschistischen, untransparenten Strukturen.

Zitat
Ethik muss nicht religiös begründet sein, aber sie kann es durchaus und ist es auch oft.

Das war mal. Die moderne Ethik der Demokratie (Toleranz den ANDERSDENKENDEN gegenüber) und der Wahrhaftigkeit, des wissenschaftlichen Denkens (ZWEIFELN bis zur Falsifikation!) hat das Wesensgerüst der Religionen gesprengt!

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Geodei ( gelöscht )
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04.10.2013 17:01
#48 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Ja, die Menschenrechte sind in unserem Wesen verankert.
Google mal nach "Spiegelneuronen".
Der Idealismus der Wertehierarchien macht des Menschen natürliches Gefühl für die Menschenrechte erst zu nichte.

Jedem Kind wird schon eingetrichtert, dass die Guten an das Ideal einer übergeordneten Autorität glauben und dafür belohnt werden und die Bösen die das nicht tun, dafür bestraft. Welches Kind wird dann noch seinen eigenen natürlichen Sozialinstinkten folgen, wenn es nur dann den gesellschaftlichen Wert hat, wenn es sich diesem Diktat fügt.

Flat ( gelöscht )
Beiträge:

04.10.2013 17:05
#49 RE: Islamischer Religionsunterricht antworten

Moin,

den Schluss von 'Wille zur Macht' zu Menschenrechten habe ich nicht verstanden.

Das sind doch eigentlich Gegensätze. (also genau das,was ich meine)


Menschenrechte sind vor allem Schutzrechte von Minderheiten (sei es zahlenmäßig und/oder kräftemäßig). Der Starke muss nicht geschützt werden.

Im Wesen des Menschen als Wille zur Macht liegt es aber, sich über andere zu erheben.


Dem haben aber Religion Gott vorgesetzt, über den sich kein Mensch erheben kann. Und eine Ethik von der Gleichheit der Menschen (Schöpfungsgeschichte, etc.).


Und immerhin, mit dem'Das war mal' erkennst Du immerhin an, dass es so zumindest mal war.

Ich denke, es ist auch heute noch in manchen Bereichen so. Wissenschaftliches denken ist an sich grenzenlos. Ethik muss diesem grenzen setzen. Wenn Ethik sich wiederum nur aus Logik und Wissenschaft speist, wird es unethisch.

Keine Wissenschaft kann definieren, wo z.B. menschliches Leben anfängt und wo es aufhört. Und wo die Grenzen der Eingriffsmöglichkeiten sein sollen. Wissenschaft kann hier Hilfe leisten und Erkenntnisse anbieten, aber die Grenze ziehen kann sie nicht.

Tschüss

Jörg

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.077

04.10.2013 17:16
#50 Islamischer Religionsunterricht antworten

Zitat von Flat
Das sind doch eigentlich Gegensätze. (also genau das,was ich meine)

ALLE Menschen haben den Willen zur Macht. Sie sind sich genetisch und in der Willensstruktur sehr gleich. Also sind alle Menschen auch gleich zu behandeln. Untereinander. Von einem Löwen kann man Toleranz und Gleichheitsbestreben nicht erwarten, wenn der in der Savanne so einem leckeren Teil gegenüber steht... Egal, ob Gazelle, Gnu oder Mensch.

Zitat
Dem haben aber Religion Gott vorgesetzt, über den sich kein Mensch erheben kann.

Stimmt! Das war die Funktion der (monotheistischen) Religion. Und darum gab es auch die 10 Gebote. Die monotheistischen Religionen sind Gesetzesreligionen. Daran sieht man doch, dass Gott nicht die Menschen gemacht hat, sondern umgekehrt!

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