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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 14 Antworten
und wurde 866 mal aufgerufen
 Hinduismus, Buddhismus und Taoismus
Dopamin Offline



Beiträge: 228

17.03.2013 19:53
Hinduismus/Atheismus antworten

guten abend wiedereinmal, ist länger her...

in letzter zeit habe ich mich gelegentlich mit dem hinduismus befasst und möchte einige gedanken loswerden.
einige paralellen sehe ich im hinduismus und im atheismus.

ein hindu glaubt z.b. dass sich das universum selbst stets von neuem erschafft und wieder zerstört, sind zwar enorme zeiträume, könnte ich mir als atheist aber durchaus vorstellen dass dies tatsächlich der fall ist, ich bin zwar kein physiker aber vielleicht ist unter euch einer...

dann sind die götter viel realistischer dargestellt, shiva zum beispiel ist innerhalb der hinduistischen trinität der zerstörer, ausserhalb aber sowohl zerstörer als auch schöpfer, er erschafft den kosmos und zerstört in immer wieder in seinem astral-tanz. nun das ist zwar mythologie, gefällt mir aber ganz gut als metapher.

auch andere götter verkörpern oftmals gegensätze, kali z.b. gibt das leben und nimmt es auch wieder.

die geschichten aus der hinduistischen mythologie beeindrucken mich, empfehle als lektüre...

Heureka

Wu Offline




Beiträge: 416

18.03.2013 14:58
#2 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Ein Freund, der recht viel Ahnung davon hat, meinte einmal, das es so etwas wie Hinduismus nicht gäbe. Hinduismus sei einfach der begriff für aller indischen Religionen im Industal.

Dann ist es glaub ich wirklich die Frage, auf was man sich innerhalb des Hinduismus bezieht und ob man den Mythen Wahrheitsgehalt zubilligt.
Es gibt viele Dinge, die glaube ich viele Atheisten ablehnen: Das Kastenwesen, die geringe Stellung der Frau (wenn man mal Shaktiismus ausnimmt), die negative Evolution (ein fortschreitender Verfall innerhalb der Weltzeitalter). Auch Karma und Wiedergeburt würde ich anzweifeln (allerdings bin ich kein Hardcoreatheist, eher einer, der atheistische Religionen mag).

Ich denke, daß Polytheismus aus meiner Sicht oft positivere Ansätze hat als Monotheismus, daß es eine große Pluralität gibt (Obwohl es auch bewegungen wie die Krsna-Bewegung, aber auch Teile der Leute, die Shiva verehren gibt, die ich eher als Quasimonotheismus ansehe).
Aber es gibt sehr große Unterschiede innerhalb des Hinduismus. Es gibt sexfeindliche, es gibt Sex als teil der spirituellen Praxis ansehende (Tantra), es gibt weltfeindliche und weltfreundliche, dualistische und nichtdualistische.
Zwischen einem Hare Krsna und ein Anhänger des Advaita (wie Nisargadatta oder Balsekar) liegen Welten.

Sicher gibt es Schriften des Hinduismus, die sehr inspirierend sein können. Die Upanishaden haben ja z.B. großen Einfluss auf Schopenhauer gehabt.
Und es gibt auch geschichten, die sehr interessant sind (Z.B. eine im Bhagavatam, wo Krsna meint, es sei sinnlos, die ganzen Götter zu verehren, sie sollen doch lieber ihre Tiere (Kühe) und die Erde von dem Platz, wo sie leben (das war irgendein berg) verehren. Die Essenz find ich toll - ehre das, was dich umgibt und keine Wesen weit weg, aber daraus wurde dann eine Verehrung der Kuh als fast göttliches Wesen und der berg (glaube eher ein Hügel) wird sehr verehrt.)

Auch die Lehre dreier verschiedener Gitas (Lieder) kann sehr interessant sein: die Bhagavadgita, die Aschtavakragita und die Avadhuta Gita.

Aber überall bleiben sie doch alle einem höchsten Einen verhaftet. Verglichen mit den ganzen Kreis der chinesischen religiösen und philosophischen Bewegungen kommen sie mir alle immer recht unerdig vor. Und es gibt im indischen Denken eine Tendenz (die sich ja auch im Buddhismus und Jainismus fortsetzt), in dem leben leiden zu sehn, und diese leidhaftige leben will man überwinden, die mir sehr fremd ist.

___________________________________

"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

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Dopamin Offline



Beiträge: 228

18.03.2013 21:09
#3 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Zitat
Ein Freund, der recht viel Ahnung davon hat, meinte einmal, das es so etwas wie Hinduismus nicht gäbe. Hinduismus sei einfach der begriff für aller indischen Religionen im Industal.



das ist wahr, der begriff stammt aus dem westen, habe ihn der einfachheit halber verwendet

Zitat

Dann ist es glaub ich wirklich die Frage, auf was man sich innerhalb des Hinduismus bezieht und ob man den Mythen Wahrheitsgehalt zubilligt.
Es gibt viele Dinge, die glaube ich viele Atheisten ablehnen: Das Kastenwesen, die geringe Stellung der Frau (wenn man mal Shaktiismus ausnimmt), die negative Evolution (ein fortschreitender Verfall innerhalb der Weltzeitalter). Auch Karma und Wiedergeburt würde ich anzweifeln (allerdings bin ich kein Hardcoreatheist, eher einer, der atheistische Religionen mag).



ich sehe die mythen als sinnbilder, bestimmt nicht wahrheitsgetreuer als z.b. die bibel. bei der stellung der frau gebe ich dir natürlich recht(siehe jüngste ereignisse in indien), aber ist der hinduismus dafür verantwortlich? das wäre mir neu. karma ist lediglich das ursache/wirkung prinzip, da gibt es nichts anzuzweifeln. die wiedergeburt muss ja nicht so verstanden werden, dass die seele in den nächsten körper wandert, sondern könnte auch z.b. symbol für die wiedereingliederung in den kreislauf sein, asche zu asche.

Zitat
Ich denke, daß Polytheismus aus meiner Sicht oft positivere Ansätze hat als Monotheismus, daß es eine große Pluralität gibt (Obwohl es auch bewegungen wie die Krsna-Bewegung, aber auch Teile der Leute, die Shiva verehren gibt, die ich eher als Quasimonotheismus ansehe).
Aber es gibt sehr große Unterschiede innerhalb des Hinduismus. Es gibt sexfeindliche, es gibt Sex als teil der spirituellen Praxis ansehende (Tantra), es gibt weltfeindliche und weltfreundliche, dualistische und nichtdualistische.
Zwischen einem Hare Krsna und ein Anhänger des Advaita (wie Nisargadatta oder Balsekar) liegen Welten.



das errinnert irgendwie an die abrahamischen sekten, da gibt es auch völlig unterschiedliche glaubensgemeinschaften, von liberalen muslimen bis zu erzkonservativen reformierten.

Zitat
Sicher gibt es Schriften des Hinduismus, die sehr inspirierend sein können. Die Upanishaden haben ja z.B. großen Einfluss auf Schopenhauer gehabt.
Und es gibt auch geschichten, die sehr interessant sind (Z.B. eine im Bhagavatam, wo Krsna meint, es sei sinnlos, die ganzen Götter zu verehren, sie sollen doch lieber ihre Tiere (Kühe) und die Erde von dem Platz, wo sie leben (das war irgendein berg) verehren. Die Essenz find ich toll - ehre das, was dich umgibt und keine Wesen weit weg, aber daraus wurde dann eine Verehrung der Kuh als fast göttliches Wesen und der berg (glaube eher ein Hügel) wird sehr verehrt.)



word, inspirierend trifft was ich etwa sagen wollte

Zitat
Auch die Lehre dreier verschiedener Gitas (Lieder) kann sehr interessant sein: die Bhagavadgita, die Aschtavakragita und die Avadhuta Gita.

Aber überall bleiben sie doch alle einem höchsten Einen verhaftet. Verglichen mit den ganzen Kreis der chinesischen religiösen und philosophischen Bewegungen kommen sie mir alle immer recht unerdig vor. Und es gibt im indischen Denken eine Tendenz (die sich ja auch im Buddhismus und Jainismus fortsetzt), in dem leben leiden zu sehn, und diese leidhaftige leben will man überwinden, die mir sehr fremd ist.




nun, dann hast du einfach einen gesunden DOPAMIN haushalt, gratuliere...

danke für deinen beitrag, werde mich, vorallem was die stellung der frau betrifft nochmals mit dem thema auseinandersetzen. auch besagte gitas will ich noch genauer unter die lupe nehmen. guruzh

Heureka

Wu Offline




Beiträge: 416

19.03.2013 10:19
#4 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Zitat von Dopamin im Beitrag #3

Zitat
Ein Freund, der recht viel Ahnung davon hat, meinte einmal, das es so etwas wie Hinduismus nicht gäbe. Hinduismus sei einfach der begriff für aller indischen Religionen im Industal.


das ist wahr, der begriff stammt aus dem westen, habe ihn der einfachheit halber verwendet



Ja, aber es macht da sicher Sinn sich auf Richtungen innerhalb des Hinduismus zu beziehn.

Zitat von Dopamin im Beitrag #3

Zitat

Dann ist es glaub ich wirklich die Frage, auf was man sich innerhalb des Hinduismus bezieht und ob man den Mythen Wahrheitsgehalt zubilligt.
Es gibt viele Dinge, die glaube ich viele Atheisten ablehnen: Das Kastenwesen, die geringe Stellung der Frau (wenn man mal Shaktiismus ausnimmt), die negative Evolution (ein fortschreitender Verfall innerhalb der Weltzeitalter). Auch Karma und Wiedergeburt würde ich anzweifeln (allerdings bin ich kein Hardcoreatheist, eher einer, der atheistische Religionen mag).


ich sehe die mythen als sinnbilder, bestimmt nicht wahrheitsgetreuer als z.b. die bibel. bei der stellung der frau gebe ich dir natürlich recht(siehe jüngste ereignisse in indien), aber ist der hinduismus dafür verantwortlich? das wäre mir neu. karma ist lediglich das ursache/wirkung prinzip, da gibt es nichts anzuzweifeln. die wiedergeburt muss ja nicht so verstanden werden, dass die seele in den nächsten körper wandert, sondern könnte auch z.b. symbol für die wiedereingliederung in den kreislauf sein, asche zu asche.



Zu Karma: Ich finde es seltsam, ein Prinzip aus der Physik (Ursache-Wirkung) auf Moral zu übertragen. (Und in der Quantenphysik zumindest spricht man meines Wissens nicht mehr so von Ursache-Wirkung, eher von Wahrscheinlichkeiten).
Wenn man nur ein leben annimmt sieht man außerdem, das es nicht stimmt. Es gibt Leute, die sich ethisch verhalten, denen es schlecht geht. Es gibt Leute, die die letzten A..löcher sind, aber ihnen geht es gut.
Die Idee ist, das es etwas Gutes gäbe, als eigene Kategorie, und etwas schlechtes, als eigene kategorie. Tu ich gutes, geht es mir besser (und ich steige in den Wiedergeburtsbereichen auf), Tu ich schlechtes, geht es mir schlechter (Und ich steige in den Wiedergeburtsbereichen ab).
Aber gibt es Gut und Schlecht, gut und Böse, Plus und Minus als getrenntes überhaupt? Mir ist da das chinesische Yin-Yang-Denken näher.
Da ist es eher so wie bei einem Magneten. Es gibt Plus und Minuspol, aber sie sind nicht zu trennen. Auch wenn man den Minuspol komplett abschneidet, bildet er sich wieder von neuem.
Und gutes kann sich in schlechtes verwandeln und umgekehrt. Im Faust sagt doch Mephistos: Ich bin ein teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das gute schafft. In Religionen und in moralischen Bewegungen gilt dann oft das gegenteil: Ich bin ein teil von jener kraft, die stets das Gute will, und stets das Böse schafft. Daher geht es meiner Meinung nach auch weniger darum, immer besser zu werden, ein reiner Pluspol, sondern eher in die (leere) Mitte, wo Plus und Minus ausgewogen sind.

Die andere Frage ist, inwieweit für den Hindu (ähnlich wie für den Christen) die Mythen Mythen sind oder Wahrheiten.



Zitat von Dopamin im Beitrag #3

Zitat
Ich denke, daß Polytheismus aus meiner Sicht oft positivere Ansätze hat als Monotheismus, daß es eine große Pluralität gibt (Obwohl es auch bewegungen wie die Krsna-Bewegung, aber auch Teile der Leute, die Shiva verehren gibt, die ich eher als Quasimonotheismus ansehe).
Aber es gibt sehr große Unterschiede innerhalb des Hinduismus. Es gibt sexfeindliche, es gibt Sex als teil der spirituellen Praxis ansehende (Tantra), es gibt weltfeindliche und weltfreundliche, dualistische und nichtdualistische.
Zwischen einem Hare Krsna und ein Anhänger des Advaita (wie Nisargadatta oder Balsekar) liegen Welten.


das errinnert irgendwie an die abrahamischen sekten, da gibt es auch völlig unterschiedliche glaubensgemeinschaften, von liberalen muslimen bis zu erzkonservativen reformierten.



Hinduismus ist halt kein einheitliches. Man bezieht sich ja auch zum teil auf ganz verschiedene Schriften. Das eine mal ist da ein höchster Gott, der zu verehren ist und den man dienen soll (gerade im Bhakti-Yoga sehr beliebt). Zum anderen ist da das Brahman (so ne Art Weltseele), mit der man einswerden soll. Also durchaus auch grundverschiedene Ziele.

Zitat von Dopamin im Beitrag #3


danke für deinen beitrag, werde mich, vorallem was die stellung der frau betrifft nochmals mit dem thema auseinandersetzen. auch besagte gitas will ich noch genauer unter die lupe nehmen. guruzh


„ Als junges Mädchen gehörte die Frau ihrem Vater, als Verheiratete ihrem Ehemann und als Witwe ihren Söhnen und Verwandten, denn die Frau darf niemals unabhängig sein." Gesetzbuch des Manu

Eine Wiedergeburt als Frau gilt als eine schlechtere Wiedergeburt als die Wiedergeburt als Mann.

___________________________________

"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

True Detective

Dopamin Offline



Beiträge: 228

20.03.2013 21:30
#5 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Zitat
Ja, aber es macht da sicher Sinn sich auf Richtungen innerhalb des Hinduismus zu beziehn.



Na klar, wie es im christentum auch sinn machen würde. sonst könnte ich ja sagen, dass katholische priester pädophil sind und deswegen müssen alle christen pädophil sein, haha(achtung zynismus).

Zitat
Zu Karma: Ich finde es seltsam, ein Prinzip aus der Physik (Ursache-Wirkung) auf Moral zu übertragen. (Und in der Quantenphysik zumindest spricht man meines Wissens nicht mehr so von Ursache-Wirkung, eher von Wahrscheinlichkeiten).
Wenn man nur ein leben annimmt sieht man außerdem, das es nicht stimmt. Es gibt Leute, die sich ethisch verhalten, denen es schlecht geht. Es gibt Leute, die die letzten A..löcher sind, aber ihnen geht es gut.



meine ansicht vom ursachen/wirkungsprinzip ist lediglich darauf bezogen, dass auf eine aktion eine reaktion erfolgt, ob diese passiv oder aktiv ist... im buddhismus gibt es doch die weisheit, dass ein flügelschlag eines schmetterlings in japan, die luft in peru nachhaltig verändert(oder so ähnlich). das hat nicht viel mit karma-punktekonto zu tun.

Zitat

Die Idee ist, das es etwas Gutes gäbe, als eigene Kategorie, und etwas schlechtes, als eigene kategorie. Tu ich gutes, geht es mir besser (und ich steige in den Wiedergeburtsbereichen auf), Tu ich schlechtes, geht es mir schlechter (Und ich steige in den Wiedergeburtsbereichen ab).
Aber gibt es Gut und Schlecht, gut und Böse, Plus und Minus als getrenntes überhaupt? Mir ist da das chinesische Yin-Yang-Denken näher.
Da ist es eher so wie bei einem Magneten. Es gibt Plus und Minuspol, aber sie sind nicht zu trennen. Auch wenn man den Minuspol komplett abschneidet, bildet er sich wieder von neuem.



Das finde ich auch sehr intressant, die asiaten sind uns in der denkweise einfach überlegen, sie sehen die sachen wie sie sind. wir hingegen müssen gleich gut und schlecht trennen und himmel und hölle machen. statt lediglich die polarität des menschen einzusehen.


das errinnert irgendwie an die abrahamischen sekten, da gibt es auch völlig unterschiedliche glaubensgemeinschaften, von liberalen muslimen bis zu erzkonservativen reformierten.[/quote]

Zitat
Hinduismus ist halt kein einheitliches. Man bezieht sich ja auch zum teil auf ganz verschiedene Schriften. Das eine mal ist da ein höchster Gott, der zu verehren ist und den man dienen soll (gerade im Bhakti-Yoga sehr beliebt). Zum anderen ist da das Brahman (so ne Art Weltseele), mit der man einswerden soll. Also durchaus auch grundverschiedene Ziele.



das sehe ich anders. ich denke alle hinduistischen und viele andere religionen haben ähnliche bis gleiche ziele, es geht immer um die reise des menschen, der auf der suche nach sich selbst und nach einem besseren selbst ist, dabei kämpft er gegen das böse. drachen, schlangen, teufel, dschins und was auch immer, im buddhismus ist es sogar ziemlich realistisch; der kampf geht gegen gier hass und verblendung.

Zitat

„ Als junges Mädchen gehörte die Frau ihrem Vater, als Verheiratete ihrem Ehemann und als Witwe ihren Söhnen und Verwandten, denn die Frau darf niemals unabhängig sein." Gesetzbuch des Manu

Eine Wiedergeburt als Frau gilt als eine schlechtere Wiedergeburt als die Wiedergeburt als Mann.



naja, in jedem "heiligen" buch steht auch ein haufen scheisse, auch z.b. psychoanalytiker eines formats von erich fromm stellt homosexuelle als traumatisiert dar. von der bibel oder vom koran ganz zu schweigen.

Heureka

Wu Offline




Beiträge: 416

21.03.2013 07:53
#6 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Zitat von Dopamin im Beitrag #5


Zitat
Zu Karma: Ich finde es seltsam, ein Prinzip aus der Physik (Ursache-Wirkung) auf Moral zu übertragen. (Und in der Quantenphysik zumindest spricht man meines Wissens nicht mehr so von Ursache-Wirkung, eher von Wahrscheinlichkeiten).
Wenn man nur ein leben annimmt sieht man außerdem, das es nicht stimmt. Es gibt Leute, die sich ethisch verhalten, denen es schlecht geht. Es gibt Leute, die die letzten A..löcher sind, aber ihnen geht es gut.


meine ansicht vom ursachen/wirkungsprinzip ist lediglich darauf bezogen, dass auf eine aktion eine reaktion erfolgt, ob diese passiv oder aktiv ist... im buddhismus gibt es doch die weisheit, dass ein flügelschlag eines schmetterlings in japan, die luft in peru nachhaltig verändert(oder so ähnlich). das hat nicht viel mit karma-punktekonto zu tun.



Nur hat deine Vorstellung nix mit Buddhismus zu tun. Und auch nichts mit Karma. Sie stammt von Edward N. Lorenz, meint eigentlich, daß "kleine Abweichungen langfristig ein ganzes System vollständig und unvorhersagbar verändern können."

Zitat von Dopamin im Beitrag #5

Zitat

Die Idee ist, das es etwas Gutes gäbe, als eigene Kategorie, und etwas schlechtes, als eigene kategorie. Tu ich gutes, geht es mir besser (und ich steige in den Wiedergeburtsbereichen auf), Tu ich schlechtes, geht es mir schlechter (Und ich steige in den Wiedergeburtsbereichen ab).
Aber gibt es Gut und Schlecht, gut und Böse, Plus und Minus als getrenntes überhaupt? Mir ist da das chinesische Yin-Yang-Denken näher.
Da ist es eher so wie bei einem Magneten. Es gibt Plus und Minuspol, aber sie sind nicht zu trennen. Auch wenn man den Minuspol komplett abschneidet, bildet er sich wieder von neuem.


Das finde ich auch sehr intressant, die asiaten sind uns in der denkweise einfach überlegen, sie sehen die sachen wie sie sind. wir hingegen müssen gleich gut und schlecht trennen und himmel und hölle machen. statt lediglich die polarität des menschen einzusehen.



Hinduismus und Buddhismus sind genauso dualistisch wie traditionelles westliches Denken. China hat den Vorteil eine ganz andere Form von Sprache zu haben, so daß sich auch ihr Denken in eine andere Richtung entwickelte.

Zitat von Dopamin im Beitrag #5

Zitat
Hinduismus ist halt kein einheitliches. Man bezieht sich ja auch zum teil auf ganz verschiedene Schriften. Das eine mal ist da ein höchster Gott, der zu verehren ist und den man dienen soll (gerade im Bhakti-Yoga sehr beliebt). Zum anderen ist da das Brahman (so ne Art Weltseele), mit der man einswerden soll. Also durchaus auch grundverschiedene Ziele.


das sehe ich anders. ich denke alle hinduistischen und viele andere religionen haben ähnliche bis gleiche ziele, es geht immer um die reise des menschen, der auf der suche nach sich selbst und nach einem besseren selbst ist, dabei kämpft er gegen das böse. drachen, schlangen, teufel, dschins und was auch immer, im buddhismus ist es sogar ziemlich realistisch; der kampf geht gegen gier hass und verblendung.




Es ist beim Advaita schon zu hinterfragen, ob es noch ein Kampf ist. Wenn es nur Einheit gibt, wer soll da gegen was kämpfen. Sicher hast du dann noch die Idee, daß Einheit erkannt werden muss.
Buddhismus ist da ein ziemlich unlogisches Gesamtwerk. Einerseits glaubt Buddha an den kampf gegen "gegen gier hass und verblendung." Aber anderseits glaubt er auch, daß es kein Ich, kein Selbst, keine Seele, keinen kern gibt. Als niemand, der kämpfen kann.
Im Daoismus ist Leben eher das Gegenteil von Kampf. Da ist nur ein Mitfließen mit dem natürlichen Lauf dem Lebens.

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"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

True Detective

Dopamin Offline



Beiträge: 228

21.03.2013 20:09
#7 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Nur hat deine Vorstellung nix mit Buddhismus zu tun. Und auch nichts mit Karma. Sie stammt von Edward N. Lorenz, meint eigentlich, daß "kleine Abweichungen langfristig ein ganzes System vollständig und unvorhersagbar verändern können."

ok, 1 zu 0 für dich was die herkunft ders satzes betrifft(würde mich nicht erstaunen wenn er buddhist war), trotzdem ist karma aktion/reaktion, und das ist gesetz. im buddhismus in der physik im christentum oder im fussball.

Zitat
Hinduismus und Buddhismus sind genauso dualistisch wie traditionelles westliches Denken. China hat den Vorteil eine ganz andere Form von Sprache zu haben, so daß sich auch ihr Denken in eine andere Richtung entwickelte.



also was jetzt gleich oder verschieden? zen ist nicht dualistisch, buddhismus im allgemeinen ist nicht dualistisch, im gegenteil. buddha war sogar atheist, zumindest agnostiker.
[/quote]

Es ist beim Advaita schon zu hinterfragen, ob es noch ein Kampf ist. Wenn es nur Einheit gibt, wer soll da gegen was kämpfen. Sicher hast du dann noch die Idee, daß Einheit erkannt werden muss.
Buddhismus ist da ein ziemlich unlogisches Gesamtwerk. Einerseits glaubt Buddha an den kampf gegen "gegen gier hass und verblendung." Aber anderseits glaubt er auch, daß es kein Ich, kein Selbst, keine Seele, keinen kern gibt. Als niemand, der kämpfen kann.
Im Daoismus ist Leben eher das Gegenteil von Kampf. Da ist nur ein Mitfließen mit dem natürlichen Lauf dem Lebens. [/quote]

nun, ich kenne advaita nicht, aber so wie du die beschreibst, findet der kampf gegen alles das nicht zur einheit passt statt.
ich finde das nicht unlogisch: wer an seinem ich und seinem leben (von mir aus seele oder kern) festklammert, ist verblendet oder verirrt. er sieht die vergänglichkeit nicht.

Heureka

Wu Offline




Beiträge: 416

25.03.2013 12:24
#8 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Ich hab mal der Übersichtlichkeit halber Dopamins Text eigenmächtig quotiert. Ich hoff, das ist in Ordnung.

Zitat von Dopamin im Beitrag #7

Zitat
Nur hat deine Vorstellung nix mit Buddhismus zu tun. Und auch nichts mit Karma. Sie stammt von Edward N. Lorenz, meint eigentlich, daß "kleine Abweichungen langfristig ein ganzes System vollständig und unvorhersagbar verändern können."


ok, 1 zu 0 für dich was die herkunft ders satzes betrifft(würde mich nicht erstaunen wenn er buddhist war), trotzdem ist karma aktion/reaktion, und das ist gesetz. im buddhismus in der physik im christentum oder im fussball.



Dieser Satz zeigt doch aber gerade,daß die Wirkung eine Aktion nicht bestimmbar ist. Die Idee von karma ist ja eine lineare: Ich tu etwas, und bekomme dafür das Resultat, tu ich gutes, ein gutes, tu ich schlechtes ein schlechtes (was meiner Meinung nach ein hermetisch geschlossenes System voraussetzen würde), während ich glaube, das da viele Einflüsse mein Verhalten mitbestimmen, auch dessen Wirkung (vielleicht auch der Schmetterling in China). Und ich kann nicht sagen, ob die Wirkung eine gute oder eine schlechte sein wird.
Eine weitere idee dahinter ist, das mein früheres Handeln mein späteres handeln mit beeinflusst. Aber ich denke, das ist auch zu kurz geschaut. Weil es gibt auch viele anderen Einflüsse (das chemische Gleichgewicht im Körper z.B.)
Im Daoismus gibt es die Idee des gegenseitigen Entstehens, das finde ich stimmiger. Außerdem spukt im Buddhismus (wie auch z.T. im Hinduismus) immer noch die idee herum, es gäbe Gerechtigkeit. Das ist ja die Grundidee IMHO hinter Karma und Wiedergeburt. Meiner Meinung nach ist das aber nicht so.
Auch in der Quantenphysik spricht man ja inzwischen mehr von Wahrscheinlichkeiten, als von Ursache-Wirkung. Und auch beim Fussball kannst du immer wieder genauso aufs Tor schiessen, aber ob daraus ein Tor wird, hängt doch von vielen anderen Einflüssen ab. (Aber von Fußball hab ich wirklich keine Ahnung, von Quantenphysik auch nicht viel).

Zitat von Dopamin im Beitrag #7

Zitat
Hinduismus und Buddhismus sind genauso dualistisch wie traditionelles westliches Denken. China hat den Vorteil eine ganz andere Form von Sprache zu haben, so daß sich auch ihr Denken in eine andere Richtung entwickelte.


also was jetzt gleich oder verschieden? zen ist nicht dualistisch, buddhismus im allgemeinen ist nicht dualistisch, im gegenteil. buddha war sogar atheist, zumindest agnostiker.



Buddha war dualistischer Atheist (so man das überhaupt sagen kann, das er den Glauben an Götter wirklich ablehnte). Du hast da eine genaue Trennung, was gut ist und was schlecht. Genaue Regeln (Die Silas für die Laien, fast 300 Gebote für Mönche und Nonnen, für die Nonnen aber wesentlich mehr als für die Mönche). Zen ist noch einmal ein Thema für sich. Manche sagen, daß da schon viel daoistisches und anderes chinesisches Gedankengut eingeflossen sind.

Zitat von Dopamin im Beitrag #7

Zitat
Es ist beim Advaita schon zu hinterfragen, ob es noch ein Kampf ist. Wenn es nur Einheit gibt, wer soll da gegen was kämpfen. Sicher hast du dann noch die Idee, daß Einheit erkannt werden muss.
Buddhismus ist da ein ziemlich unlogisches Gesamtwerk. Einerseits glaubt Buddha an den kampf gegen "gegen gier hass und verblendung." Aber anderseits glaubt er auch, daß es kein Ich, kein Selbst, keine Seele, keinen kern gibt. Als niemand, der kämpfen kann.
Im Daoismus ist Leben eher das Gegenteil von Kampf. Da ist nur ein Mitfließen mit dem natürlichen Lauf dem Lebens.


nun, ich kenne advaita nicht, aber so wie du die beschreibst, findet der kampf gegen alles das nicht zur einheit passt statt.
ich finde das nicht unlogisch: wer an seinem ich und seinem leben (von mir aus seele oder kern) festklammert, ist verblendet oder verirrt. er sieht die vergänglichkeit nicht.



Naja, es ist die Frage, die immer wieder im Advaita auftaucht: Wenn alles Einheit ist, kann es dann etwas geben, das nicht zur Einheit passt? Wenn ich dualistisch denke, dann ist das Einheit, in der dualistisches Denken geschieht.
Es ist sicher gut, die vergänglichkeit von allem zu sehn (obwohl ich den Begriff der Wandlung vorziehe, Vergänglichkeit hat schon wieder so einen wertenden Touch, als wäre sie etwas schlechtes. Aber es liegt doch gerade in der vergänglichkeit viel schönes. Das sich alles wandelt, heisst doch, es ist lebendig. wenn es sich nicht wandeln würde, - vielleicht können wir darüber nichts sagen, weil alles wandelt sich. Wenn das Herz jedenfalls nicht stets sich wandeln würde, sondern in einer Stellung verharren, wären wir recht schnell tot.

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Reisender Offline



Beiträge: 4.058

25.03.2013 16:24
#9 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Das höchste Prinzip ist ohne Worte.
Gäbe es aber überhaupt keine Worte, wodurch könnte es sich dann
als Prinzip offenbaren? - so lautet die Inschrift einer Buddhafigur
aus dem achten Jahrhundert.
Die Wahrheit kann man nicht diskursiv beschreiben oder gar erreichen.
Die alten vedischen Überlieferungen versuchten es mit Aphorismen
oder Versen, die man sich leicht merken konnte.
Das setzt eine lebendige Tradition voraus.
Doch diese Vertrautheit ist verloren gegangen.
So gibt es nur einen Weg zur Wahrheit, die Suche selbst.
Mehr darf man, mehr muss man nicht voraus setzen.

Wu Offline




Beiträge: 416

25.03.2013 18:05
#10 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Weißt du, woher diese Statue ist? Mich erinnert es ziemlich an den Beginn von Laotse's Taoteking:


Zitat
Ein Lauf / ein Weg dessen Richtung man weisen / zeigen / mit Worten ausdrücken kann, ist nicht der stetige (d.h. ständiger Veränderung unterworfene) Lauf (der Dinge / der Natur / der Welt).



Zum Thema Suche fällt mir ein Zitat von Osho ein

Zitat
Suchet nicht, so werdet ihr finden



und ein Geschichte von Zhuangzi:

Zitat
Der Herr der gelben Erde wandelte jenseits der Grenzen der Welt. Da kam er auf einen sehr hohen Berg und schaute auf die Erde.
Da verlor er seine dunkle Perle(Symbol für das Tao).
Er sandte Erkenntnis aus, sie zu suchen, und bekam sie nicht wieder.
Er sandte Scharfblick aus, sie zu suchen, und bekam sie nicht wieder.
Er sandte Denken aus, sie zu suchen, und bekam sie nicht wieder.
Da sandte er Selbstvergessen aus. Selbstvergessen fand sie.
‚Seltsam fürwahr’, sprach er, ‚daß Selbstvergessen sie zu finden vermocht hat’.



Aber ich denke auch nicht, daß es "die Wahrheit" gibt. Ein Weg ist meiner Meinung nach nicht zum suchen, sondern zum gehen da. Und er ist auch nicht wahr, wie ich heut schon mal irgendwo anders schrieb. Wahr ist eine geistige Zuordnung, ein Weg hingegen ist etwas, was ich mit meinem Körper beschreite. Die Suche verschleiert nur das Gehen/ das Schlendern.

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Dopamin Offline



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25.03.2013 21:54
#11 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Zitat
Dieser Satz zeigt doch aber gerade,daß die Wirkung eine Aktion nicht bestimmbar ist. Die Idee von karma ist ja eine lineare: Ich tu etwas, und bekomme dafür das Resultat, tu ich gutes, ein gutes, tu ich schlechtes ein schlechtes (was meiner Meinung nach ein hermetisch geschlossenes System voraussetzen würde), während ich glaube, das da viele Einflüsse mein Verhalten mitbestimmen, auch dessen Wirkung (vielleicht auch der Schmetterling in China). Und ich kann nicht sagen, ob die Wirkung eine gute oder eine schlechte sein wird.
Eine weitere idee dahinter ist, das mein früheres Handeln mein späteres handeln mit beeinflusst. Aber ich denke, das ist auch zu kurz geschaut. Weil es gibt auch viele anderen Einflüsse (das chemische Gleichgewicht im Körper z.B.)



Ich meine damit lediglich, dass auf eine reaktion eine reaktion geschieht, nichts von karmakonto oder wer gutes tut erfährt gutes, blöde gesagt: wenn ich das glas fallen lasse wird es unten ankommen.

Zitat

Im Daoismus gibt es die Idee des gegenseitigen Entstehens, das finde ich stimmiger. Außerdem spukt im Buddhismus (wie auch z.T. im Hinduismus) immer noch die idee herum, es gäbe Gerechtigkeit. Das ist ja die Grundidee IMHO hinter Karma und Wiedergeburt. Meiner Meinung nach ist das aber nicht so.



buddhas sagt wie ihr gier, hass und verblendung überwindet, aber nichts von gerechtigkeit.

Zitat
Buddha war dualistischer Atheist (so man das überhaupt sagen kann, das er den Glauben an Götter wirklich ablehnte). Du hast da eine genaue Trennung, was gut ist und was schlecht. Genaue Regeln (Die Silas für die Laien, fast 300 Gebote für Mönche und Nonnen, für die Nonnen aber wesentlich mehr als für die Mönche). Zen ist noch einmal ein Thema für sich. Manche sagen, daß da schon viel daoistisches und anderes chinesisches Gedankengut eingeflossen sind.



ich glaube kaum, dass buddha 300 gebote oder genaue regeln für mönche und nonnen erstellt hat. das waren nachläufer. das buddhismus zu nennen wäre etwa so wie die zeugen jehovas als repräsentative christen darzustellen.


Zitat
Naja, es ist die Frage, die immer wieder im Advaita auftaucht: Wenn alles Einheit ist, kann es dann etwas geben, das nicht zur Einheit passt? Wenn ich dualistisch denke, dann ist das Einheit, in der dualistisches Denken geschieht.



haha, hippie-denken. aber auch in so einer religion wird die tendenz zu einer besseren einheit gesucht werden, vermute ich.

Zitat
Es ist sicher gut, die vergänglichkeit von allem zu sehn (obwohl ich den Begriff der Wandlung vorziehe, Vergänglichkeit hat schon wieder so einen wertenden Touch, als wäre sie etwas schlechtes. Aber es liegt doch gerade in der vergänglichkeit viel schönes. Das sich alles wandelt, heisst doch, es ist lebendig. wenn es sich nicht wandeln würde, - vielleicht können wir darüber nichts sagen, weil alles wandelt sich. Wenn das Herz jedenfalls nicht stets sich wandeln würde, sondern in einer Stellung verharren, wären wir recht schnell tot.



gerade dass empfinde ich als problem, dass die vergänglichkeit negativ gewertet wird. wie du sagst, liegt in der vergänglichkeit auch schönes. vielleicht kennst du ernest becker, der hat ein buch über die verdrängung des todes geschrieben. denial of death. ich lese gerade eine zusammenfassung darüber, sehr interessant.

Heureka

Wu Offline




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26.03.2013 10:08
#12 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Zitat von Dopamin im Beitrag #11

Zitat
Dieser Satz zeigt doch aber gerade,daß die Wirkung eine Aktion nicht bestimmbar ist. Die Idee von karma ist ja eine lineare: Ich tu etwas, und bekomme dafür das Resultat, tu ich gutes, ein gutes, tu ich schlechtes ein schlechtes (was meiner Meinung nach ein hermetisch geschlossenes System voraussetzen würde), während ich glaube, das da viele Einflüsse mein Verhalten mitbestimmen, auch dessen Wirkung (vielleicht auch der Schmetterling in China). Und ich kann nicht sagen, ob die Wirkung eine gute oder eine schlechte sein wird.
Eine weitere idee dahinter ist, das mein früheres Handeln mein späteres handeln mit beeinflusst. Aber ich denke, das ist auch zu kurz geschaut. Weil es gibt auch viele anderen Einflüsse (das chemische Gleichgewicht im Körper z.B.)


Ich meine damit lediglich, dass auf eine reaktion eine reaktion geschieht, nichts von karmakonto oder wer gutes tut erfährt gutes, blöde gesagt: wenn ich das glas fallen lasse wird es unten ankommen.



Ja, aber Karma stülpt dem Aktion-Reaktion eine Wertung über, zerrt sie ins moralische, da liegt er IMHO falsch (Interesant ist, daß bei Buddha positives karma auch nicht zum Erwachen führt, sondern in Götterbereiche). Und Aktion-Reaktion sagt ja noch nichts über ein Ergebnis. Ob das Glas ganz bleibt oder kaputt geht hängt eben nicht nur an meinem Fallenlassen. manchmal bleibt es ganz, manchmal nicht.

Zitat von Dopamin im Beitrag #11

Zitat

Im Daoismus gibt es die Idee des gegenseitigen Entstehens, das finde ich stimmiger. Außerdem spukt im Buddhismus (wie auch z.T. im Hinduismus) immer noch die idee herum, es gäbe Gerechtigkeit. Das ist ja die Grundidee IMHO hinter Karma und Wiedergeburt. Meiner Meinung nach ist das aber nicht so.


buddhas sagt wie ihr gier, hass und verblendung überwindet, aber nichts von gerechtigkeit.



Die Essenz hinter dem karma-Gedanken ist IMHO aber gerechtigkeit. Ich bekomme die Resultate meiner Handlung. Ja, Buddha geht es um eine Technik, wie man Leiden überwinden kann. Aber da ich Leiden als natürlichen teil des Lebens sehe, ist Buddhas Ansatz aus meiner Sicht ein neurotischer. Er will das natürliche überwinden.

Zitat von Dopamin im Beitrag #11

Zitat
Buddha war dualistischer Atheist (so man das überhaupt sagen kann, das er den Glauben an Götter wirklich ablehnte). Du hast da eine genaue Trennung, was gut ist und was schlecht. Genaue Regeln (Die Silas für die Laien, fast 300 Gebote für Mönche und Nonnen, für die Nonnen aber wesentlich mehr als für die Mönche). Zen ist noch einmal ein Thema für sich. Manche sagen, daß da schon viel daoistisches und anderes chinesisches Gedankengut eingeflossen sind.


ich glaube kaum, dass buddha 300 gebote oder genaue regeln für mönche und nonnen erstellt hat. das waren nachläufer. das buddhismus zu nennen wäre etwa so wie die zeugen jehovas als repräsentative christen darzustellen.



Naja, sicher können wir überhaupt nicht wissen, was Buddha gesagt hat. Man hat seine Lehren nach seinem Tod auf einem Konzil zusammengestellt, und dann über Jahrhunderte mündlich überliefert. Aber es ist direkt nach dem Buddha entstanden und der erste Korb der Lehren Buddhas. Und es wird auch berichtet, wie Schüler des Buddhas, die sich nicht an die Regeln gehalten haben, aus dem Orden ausgeschlossen wurden. Es war also wahrscheinlich schon eine recht rigide Sekte. (Und zum Teil wurden gegen aussteiger sogar ne regelrechte Hetzkampanie gestartet - Sanghaspaltung galt als schlimmstes Vergehen und man lese sich mal das durch, was man über den Sektenspalter Devadatta so für Gerüchte im Umlauf gebracht haben. Seine Bewegung existierte aber trotzdem über 800 Jahre lang).


Zitat von Dopamin im Beitrag #11

Zitat
Naja, es ist die Frage, die immer wieder im Advaita auftaucht: Wenn alles Einheit ist, kann es dann etwas geben, das nicht zur Einheit passt? Wenn ich dualistisch denke, dann ist das Einheit, in der dualistisches Denken geschieht.


haha, hippie-denken. aber auch in so einer religion wird die tendenz zu einer besseren einheit gesucht werden, vermute ich.



Nicht unbedingt, aber es gibt sicher auch solche Ansätze. Aber wenn es nur Einheit gibt, kann es keine bessere Einheit geben. Ob es ein Hippie-Ding ist, da bin ich mir nicht sicher. Die Hippies hatten auch ihre klaren Normen. Einheit muss ja nicht dieses: Ich liebe jetzt alle und alles sein. Das beschränkt das Leben ja auch wieder auf Liebe.

Zitat von Dopamin im Beitrag #11

Zitat
Es ist sicher gut, die vergänglichkeit von allem zu sehn (obwohl ich den Begriff der Wandlung vorziehe, Vergänglichkeit hat schon wieder so einen wertenden Touch, als wäre sie etwas schlechtes. Aber es liegt doch gerade in der vergänglichkeit viel schönes. Das sich alles wandelt, heisst doch, es ist lebendig. wenn es sich nicht wandeln würde, - vielleicht können wir darüber nichts sagen, weil alles wandelt sich. Wenn das Herz jedenfalls nicht stets sich wandeln würde, sondern in einer Stellung verharren, wären wir recht schnell tot.


gerade dass empfinde ich als problem, dass die vergänglichkeit negativ gewertet wird. wie du sagst, liegt in der vergänglichkeit auch schönes. vielleicht kennst du ernest becker, der hat ein buch über die verdrängung des todes geschrieben. denial of death. ich lese gerade eine zusammenfassung darüber, sehr interessant.



Ja, aber es gibt auch eine große Fixierung auf die Wichtigkeit des Todes. Beides halte ich für Unsinn. Den Fluss der Dinge folgen, das Leben als nichts besonderes ansehen, den Tod nicht fürchten. Mehr braucht es IMHO nicht.
Wie sagte Monty Python so schön: Du kommst aus dem nichts, du gehst ins nichts, was hast du also verloren: Nichts!

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"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

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Dopamin Offline



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30.03.2013 12:58
#13 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Zitat
Ja, aber Karma stülpt dem Aktion-Reaktion eine Wertung über, zerrt sie ins moralische, da liegt er IMHO falsch (Interesant ist, daß bei Buddha positives karma auch nicht zum Erwachen führt, sondern in Götterbereiche). Und Aktion-Reaktion sagt ja noch nichts über ein Ergebnis. Ob das Glas ganz bleibt oder kaputt geht hängt eben nicht nur an meinem Fallenlassen. manchmal bleibt es ganz, manchmal nicht.



das meine ich, das ergebnis bleibt offen, aber dass ein ergebnis entstehen wird ist bei jeder aktion tatsache. wie bereits gesagt glaube ich auch nicht an ein karma konto. das positives karma in götterbereiche führt würde ich dem buddhismus und nicht buddha zuschreiben, entschuldige meine spitzfindigkeit.

Zitat

Die Essenz hinter dem karma-Gedanken ist IMHO aber gerechtigkeit. Ich bekomme die Resultate meiner Handlung. Ja, Buddha geht es um eine Technik, wie man Leiden überwinden kann. Aber da ich Leiden als natürlichen teil des Lebens sehe, ist Buddhas Ansatz aus meiner Sicht ein neurotischer. Er will das natürliche überwinden.



da hast du imho etwas falsch verstanden: buddha erkannte wie man gier, hass und verblendung überwinden kann und das dass leben letztlich leidvoll ist, resp. das leiden ist teil des lebens wie du sagst. das ein buddha/erwachter ständig glücklich durch die gegend spaziert ist irrglaube.

Zitat


Naja, sicher können wir überhaupt nicht wissen, was Buddha gesagt hat. Man hat seine Lehren nach seinem Tod auf einem Konzil zusammengestellt, und dann über Jahrhunderte mündlich überliefert. Aber es ist direkt nach dem Buddha entstanden und der erste Korb der Lehren Buddhas. Und es wird auch berichtet, wie Schüler des Buddhas, die sich nicht an die Regeln gehalten haben, aus dem Orden ausgeschlossen wurden. Es war also wahrscheinlich schon eine recht rigide Sekte. (Und zum Teil wurden gegen aussteiger sogar ne regelrechte Hetzkampanie gestartet - Sanghaspaltung galt als schlimmstes Vergehen und man lese sich mal das durch, was man über den Sektenspalter Devadatta so für Gerüchte im Umlauf gebracht haben. Seine Bewegung existierte aber trotzdem über 800 Jahre lang).



naja, der buddhismus ist wie die anderen religionen diesbezüglich. am anfang steht ein kreativer kopf der die problem seiner zeit oder generell erkennt und dann kommen die idioten, das war bei jesus und mohamed nicht anders.

Zitat
Ja, aber es gibt auch eine große Fixierung auf die Wichtigkeit des Todes. Beides halte ich für Unsinn. Den Fluss der Dinge folgen, das Leben als nichts besonderes ansehen, den Tod nicht fürchten. Mehr braucht es IMHO nicht.
Wie sagte Monty Python so sch[/i]ön: Du kommst aus dem nichts, du gehst ins nichts, was hast du also verloren: Nichts!



hahaha, eine wahnsinns weisheit, das schlägt jede religion, ich kann nicht mehr.
kann ich so stehenlassen, ausser das ich das leben (im allgemeinen) als etwas besonderes anschaue.

Heureka

Wu Offline




Beiträge: 416

31.03.2013 17:31
#14 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Zitat von Dopamin im Beitrag #13

Zitat
Ja, aber Karma stülpt dem Aktion-Reaktion eine Wertung über, zerrt sie ins moralische, da liegt er IMHO falsch (Interesant ist, daß bei Buddha positives karma auch nicht zum Erwachen führt, sondern in Götterbereiche). Und Aktion-Reaktion sagt ja noch nichts über ein Ergebnis. Ob das Glas ganz bleibt oder kaputt geht hängt eben nicht nur an meinem Fallenlassen. manchmal bleibt es ganz, manchmal nicht.


das meine ich, das ergebnis bleibt offen, aber dass ein ergebnis entstehen wird ist bei jeder aktion tatsache. wie bereits gesagt glaube ich auch nicht an ein karma konto. das positives karma in götterbereiche führt würde ich dem buddhismus und nicht buddha zuschreiben, entschuldige meine spitzfindigkeit.




Zitat
Es gibt Taten, ihr Mönche,

die in der Hölle reifen . . .
im Tierschoße reifen . . .
im Gespensterreiche reifen . . .
in der Menschenwelt reifen . . .
in der Himmelswelt reifen . . .
Dreierlei aber ist das Ergebnis der Taten: entweder bei Lebzeiten reifend oder in der nächsten Geburt, oder bei einer späteren Gelegenheit . . .« (A.VI.63).



Mehr unter http://www.palikanon.de/wtb/karma.html und http://www.palikanon.com/khuddaka/dhp/dhp2.htm#Papa . Meiner Meinung nach ist aber Buddhas Karmabegriff eine Übernahme mit leichter Modifikation des Karmabegriffs der hinduistischen tradition - um die sollte es ja eigentlich hier gehn ;-) (vor allem der upanischaden), ich weiß nicht,ob er in den veden überhaupt schon vorkam).

Zitat von Dopamin

Zitat

Die Essenz hinter dem karma-Gedanken ist IMHO aber gerechtigkeit. Ich bekomme die Resultate meiner Handlung. Ja, Buddha geht es um eine Technik, wie man Leiden überwinden kann. Aber da ich Leiden als natürlichen teil des Lebens sehe, ist Buddhas Ansatz aus meiner Sicht ein neurotischer. Er will das natürliche überwinden.



da hast du imho etwas falsch verstanden: buddha erkannte wie man gier, hass und verblendung überwinden kann und das dass leben letztlich leidvoll ist, resp. das leiden ist teil des lebens wie du sagst. das ein buddha/erwachter ständig glücklich durch die gegend spaziert ist irrglaube.




Ich bestreite aber eben das Leben letztlich leidvoll ist. Und etwas, was überwunden werden sollte/ überwunden werden kann. Ein Leben ohne Plus- und Minuspol scheint mir nicht möglich und auch nicht sinnvoll.

Zitat von Dopamin im Beitrag #13

Zitat
Naja, sicher können wir überhaupt nicht wissen, was Buddha gesagt hat. Man hat seine Lehren nach seinem Tod auf einem Konzil zusammengestellt, und dann über Jahrhunderte mündlich überliefert. Aber es ist direkt nach dem Buddha entstanden und der erste Korb der Lehren Buddhas. Und es wird auch berichtet, wie Schüler des Buddhas, die sich nicht an die Regeln gehalten haben, aus dem Orden ausgeschlossen wurden. Es war also wahrscheinlich schon eine recht rigide Sekte. (Und zum Teil wurden gegen aussteiger sogar ne regelrechte Hetzkampanie gestartet - Sanghaspaltung galt als schlimmstes Vergehen und man lese sich mal das durch, was man über den Sektenspalter Devadatta so für Gerüchte im Umlauf gebracht haben. Seine Bewegung existierte aber trotzdem über 800 Jahre lang).


naja, der buddhismus ist wie die anderen religionen diesbezüglich. am anfang steht ein kreativer kopf der die problem seiner zeit oder generell erkennt und dann kommen die idioten, das war bei jesus und mohamed nicht anders.



Das ist halt die Frage, ob Buddha nicht schon seine Bewegung stärken und die Konkurrenz schwächen wollte. Sprich, ob wir ihn nicht schon zu idealistisch uns ausmahlen.

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Wu Offline




Beiträge: 416

01.04.2013 19:15
#15 RE: Hinduismus/Atheismus antworten

Über Karma und Reinkarnation im Hinduismus:

http://www.tawasentha.com/spirituelles-w...arma-in-indien/

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