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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 45 Antworten
und wurde 1.823 mal aufgerufen
 Philosophie und Wissenschaft
Seiten 1 | 2
Schimandel Offline



Beiträge: 27

17.02.2014 11:58
Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Hallo liebe Community,

schon seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage, ob der Mensch im allgemeinen stets egoistisch handelt, oder ob es doch so etwas wie Selbstlosigkeit gibt. Den Egoisten definiere ich als einen Menschen, welcher stets nur zu seinem Vorteil/Nutzen handelt. Und ich denke, dass absolut jeder Mensch ein solcher egoistischer Mensch ist.

Der angeborene Überlebensinstinkt ist die eine Maxime, nach der wir schlussendlich unser Handeln richten. Das heißt, der Wille zu (über-)leben ist der einzige innere Antrieb von jedem von uns. Deshalb handeln wir auch ganz grob gefasst alle gleich. Wir alle essen, schlafen, verdienen Geld usw., weil es eben für uns von Vorteil ist/unser Überleben sichert.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, stelle ich die These auf: Niemals hat ein Mensch jemals bewusst eine Tat ausgeführt, die für ihn selbst in keinerlei Weise nützlich war. Oder kurz gesagt: Der Mensch handelt stets zu seinen Gunsten.

Und das, ob er nun will, oder nicht. Dazu ein einfaches Beispiel: Ich bin im Besitz eines schmackhaften Apfels und mein Freund fragt, ob er ihn essen dürfte. Entweder ich esse meinen Apfel selber, dann habe ich eine kurze Zeit lang einen Genussmoment und bin für die nächsten Stunden satt. Oder ich gebe meinem Freund den Apfel und erhalte dafür Dank, Anerkennung, ein gutes Gewissen und eventuell auch die Sicherheit, in nächster Zeit einen guten Freund zu haben. Daraus folgt: Ich kann IMMER einen Nutzen nur für mich selbst daraus ziehen, was schließlich auch den Beweggrund darstellt. Außerdem entscheide ich mich automatisch stets für den, für mich, nützlichsten Weg.

In beiden Fällen wäre ich also ein "Egoist". Nun kommt mir aber der Gedanke, dass wenn ich in jedem Fall ein Egoist bin, ich niemals kein Egoist (-> Altruist) sein kann, was dazu führt, dass sich der Begriff "Egoist" auflöst (so wie es ohne Dunkelheit keine Helligkeit gäbe). Also ist doch kein Mensch ein Egoist?

Das ist mein Standpunkt zu diesem Thema. Ich würde gerne wissen, wie ihr dazu steht. Stimmt ihr mir zu, oder rede ich in euren Augen nur Blödsinn?

Mit freundlichen Grüßen Schimandel

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

17.02.2014 12:37
#2 Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Der Mensch ist ein Individuum und ein Gemeinschaftswesen. Er ist erzogen und geprägt durch sein soziales Umfeld und lebt auch ständig durch sein aktuelles. Auch wenn er alleine lebt. Schon der, der täglich Zeitung liest, ist einv Teil der Community.

Klar ist der Mensch ein Egoist. Aber da er seiner Community bedarf, wird er den Deibel tun, sie gegen sich zu hetzen.

Manche tun es aber doch. Die einen, weil sie mit psychischen Störungen nicht klarkommen,

andere jedoch, weil sie die Community verbessern wollen!

Man gibt sich teilweise hin. Weil man ein Teil vom Ganzen ist.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Schimandel Offline



Beiträge: 27

19.02.2014 20:42
#3 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Nun, ich meine nicht die Art von Egoist, die sich aufgrund von Narzismus und Menschenhass von der Gesellschaft isoliert, falls solche Menschen überhaupt gibt. Ich spreche viel mehr vom Egoisten in unserem Unterbewusstsein. Wie ich schon sagte, handelt der egoistische Mensch stets nur zu seinem Nutzen, doch das muss nicht unbedingt gegen den Menschen als Gemeinschaftswesen sprechen. Ich sehe hier deshalb keinen Widerspruch, weil die Tat des Involvierens in die Gesellschaft schließlich auch nur dem eigenen Vorteil dienen soll, weshalb es auch egoistisch ist. Oder wer ist schon gern ein Außenseiter? Ich glaube, wir haben nur Freunde, weil sie "uns etwas bringen", denn Spaß und Freude (die man mit Freunden erlebt) tragen ja maßgebend zur inneren Befriedigung bei. Und hier wären wir dann wieder beim eigenen Nutzen.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

20.02.2014 08:08
#4  Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Wer intelligent was für sich tut, tut auch was für andere. Wir sind Individuen und Gemeinschaftswesen. In uns ist genetisch Empathie angelegt. Wir lieben. Weil wir andere an uns binden wollen. Auch, weil wir selber anerkannt sein wollen.

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Schimandel Offline



Beiträge: 27

27.02.2014 18:24
#5 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Meine Rede! Das eigene Streben nach Glück, Zufriedenheit, Selbsterfüllung etc. geht oftmals Hand in Hand mit dem Gemeinde-wohl. Zum Beispiel: Ich verhalte mich still während der Theatervorstellung. Das ist nicht nur für die Angehörigen im Theater schön, auch ich habe davon den Vorteil nicht rausgeschmissen zu werden. Würde man rücksichtsloses Verhalten im Theater nicht ahnden, so würde ich vermutlich auch einfach das tun, wonach mir gerade ist.
Verstehst du, jeder Mensch tut, abhängig von der Situation, immer das, was wirklich nur für ihn selbst das Beste ist.
Und nun frage ich nochmals: Ist der Mensch ein Egoist? Ja oder nein?

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

27.02.2014 18:56
#6  Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Er ist beides - ein Individuum und ein "zoon politikon" (Aristoteles, Marx).

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Schimandel Offline



Beiträge: 27

27.02.2014 19:21
#7 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Inwiefern ist ein Individuum ein Egoist und ein "zoon politikon" nicht?

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

27.02.2014 19:50
#8 Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Ich verstehe deine Frage nicht. Nicht als Antwort auf meine Antwort. Ein Gemeinschaftswesen ist auch ein Individuum, und ein Individuum ist auch ein Gemeinschaftswesen. Beides! Warum sprichst du? Warum schreibst du? Weil du ein Gemeinschaftswesen bist. Aber du hast natürlich egoistische Triebe. Doch auch den Trieb zur Liebe, zum Hass - du stellst dich zu denen Mitmenschen in Position. Das willst du, das brauchst du. Und die Gemeinschaft bringt dir per Erziehung bei, dein Verhalten mit ihr zu harmonisieren. Wenn du wütend bist auf die Gemeinschaft, hat sie irgendwas an deinen individuellen Bedürfnissen nicht berücksichtigt. Ein ewiger Prozess.

Du kannst dein Individuelles nicht vom Gemeinschaftlichen trennen. Geht nicht.

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Wu Offline




Beiträge: 416

28.02.2014 09:42
#9 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Erstmal müsste man klären, was das sein soll: Das Ich.
Es scheint mir nichts einheitliches zu sein.

Einmal gibt es den Körper und die körperliche Ebene. Dann die Emotionen. Dann Geist, Denken etc. (Wobei für mich das wesentliche Ich-Element der Körper ist, weil ohne ihn gibt es weder Emotionen noch Bewusstsein, anderseits kann der Körper auch ohne Ich-Vorstellung zurecht kommen)
Es gibt Handlungen, die wir als egoistisch - bewusst ichbezogen ansehen, die aber Körper oder Geist oder Emotionen schädigen.

Des weiteren ist der Mensch viel stärker Egozentrisch (aufs Ich bezogen, aber unbewusst)als Egoistisch (Aufs Ich bezogen, aber bewusst).
Aus meiner Sicht gibt es aber noch eine weitere Ebene. Ich habe den Eindruck, das viele Dinge einfach geschehen, und erst danach emotional und geistig ergriffen werden. Die Handlung also ein Geschehen ist, die Intention aber oft erst danach dazugedichtet wird. (Alle wichtigen Tätigkeiten im Körper laufen eh ohne das Bewusstsein ab. Und das ist auch gut so. Wenn das Herz nur schlagen würde, wenn wir daran denken würden, wären wir schon längst tot).

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"I think human consciousness is a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself, we are creatures that should not exist by natural law."

True Detective

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

28.02.2014 12:44
#10 Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Aber vielleicht meinst du das, Schmandel: Es gibt hässliche üble Egoisten, und andere sind es nicht.
Und es gibt Ultra-Altruisten, die scheinbar nur das Wohl der anderen im Auge haben. Mutter Teresa und sowas. Aber die hatte esgewiss auf den Sonderplatz im Himmel abgesehen. Auf die Aufmehrsamkeit Gottes, un der Respekt der Mitmenschen war sie sich ja schon auf Erden gewiss. Das Ego ist da also mit dabei.

Aber der egoistische Stinkstiefel. Ich glaube, der ist ein dummer Egiost. Der zahlt für seinen Egoismus einen hohen Preis: Kritik, Ablehnung, Feinde. Der egoistische Stinkstiefel rechnet falsch.

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Schimandel Offline



Beiträge: 27

28.02.2014 18:26
#11 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Zitat
Mutter Teresa und sowas. Aber die hatte esgewiss auf den Sonderplatz im Himmel abgesehen. Auf die Aufmehrsamkeit Gottes, un der Respekt der Mitmenschen war sie sich ja schon auf Erden gewiss. Das Ego ist da also mit dabei.



Ja, genau das meine ich. So sehr man sich auch bemüht altruistisch zu handeln, es ist rein philosophisch vollkommen unmöglich nicht egoistisch zu handeln. Weshalb für mich die Bedeutung des Begriffs "Egoist" so wie wir sie benutzen verloren geht. Damit meine ich, nicht nur der Stinkstiefel, als vermeintlich typisches Beispiel ist einen Egoisten, nein, jeder Mensch ist zu jeder Zeit ein Egoist, ob man nun will oder nicht. Ich weis ich wiederhole mich mit dieser Aussage, aber bildet diese Auffassung von Egoismus nicht eine völlig neue Denkweise? Wenn man selbst den nettesten und hilfsbereitesten Menschen in seinem Umfeld ins Gesicht sagen kann: Du bist ein Egoist! Schließlich bist du zu uns nur so freundlich, damit du dir ein aufpoliertes Gewissen verschaffen kannst und damit wir dich als Teil der sozialen Gruppe sehen! ;)
-> Altruismus ist nichts als eine Illusion

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

28.02.2014 18:41
#12 Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Zitat von Schimandel
Altruismus ist nichts als eine Illusion

Absolut. Altruismus, der es versteckt auf Himmelsplätze oder sowas absieht, macht sogar krank. Der Altruist darf ja seinen Egoismus nicht zugeben und lügt seinen Mitmenschen und sich selbst einen in die Tasche. Kann man ja permanent nur mit einen schlechten Gewissen herumlaufen. Dafür brauchen sie ihre täglichen Bitt- und Schleim- und "Ach-bitte-verzeih-ich-bin-ja-so-ein-elender-Wurm!"-Gebete. Den täglichen Schuss Religio gegen die eigenen Lügen.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Schimandel Offline



Beiträge: 27

28.02.2014 19:03
#13 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Zitat
Ich verstehe deine Frage nicht. Nicht als Antwort auf meine Antwort.



Also nochmal: Ich fragte ob der Mensch im Allgemeinen ein Egoist sei, ja oder nein. Du hast stattdessen mit folgendem geantwortet: Er ist beides - ein Individuum und ein "zoon politikon" (Aristoteles, Marx).
Ich interpretierte deine Antwort als Antwort auf eine Ja-Nein-Frage: Ja (, der Mensch ist ein Egoist), denn er ist ein Individuum und nein (, der Mensch ist kein Egoist), da er auch ein zoon politikon (Gemeinschaftswesen) ist. Also beides.
Und nun wollte ich noch genauer wissen, inwiefern du diese These evtl. belegen kannst. Alles klar? ;)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

28.02.2014 19:09
#14 Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Was gibt es da zu belegen? Du bist in eine Familie geboren worden,, in den Kindergarten und dann in die Schule gekommen, du arbeitest (vielleicht), du kaufst deine Klamotten bei Karstadt, du futterst beim Bäcker deine Brötchen. Wir sprechen, wir schreiben, wir sehen fern. Wir sind jeden Tag Gemeinschaftswesen. Auch wenn wir alleine sind. Wir haben die Gemeinschaftserfahrung in uns, sie prägt uns, und nur durch sie (die Gemeinschaft) leben wir!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Schimandel Offline



Beiträge: 27

28.02.2014 20:36
#15 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Das meinte ich jetzt gar nicht. Ach...wie soll ich dir das jetzt möglichst unkompliziert erklären?
Lies dir einfach noch mal meine Antwort von 19:03 durch. Im vorletzten Satz meinte ich mit "These" deine Aussage: "Er ist beides - ein Individuum und ein "zoon politikon" (Aristoteles, Marx)." aber im Bezug auf den Egoismus des Menschen. Du solltest eigentlich meine Interpretation deiner Aussage, die da wäre: "Ja (, der Mensch ist ein Egoist), denn er ist ein Individuum und nein (, der Mensch ist kein Egoist), da er auch ein zoon politikon (Gemeinschaftswesen) ist. Also beides. begründen, weil ich dachte, dass du das gemeint hast.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

01.03.2014 08:22
#16 Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Ich weiß nicht, was du sonst noch wissen willst. Ich verstehe dich nicht.

Ja, der Mensch ist egoistisch, denn er will seinen Vorteil.
Er will aber auch den Vorteil seiner Gemeinschaft, weil ihm das selber gut tut.
Warum tut ihm das gut? Weil er ein Gemeinschaftswesen ist!!

Wenn er bewusst, politisch gegen die Gemeinschaft agiert, wird er die Änderung dieser wollen.
Wenn er unbewusst, störrisch, gegen sie agiert, will er auf seine persönliche Unzufriedenheit hinweisen, und er bittet indirekt um Hilfe, die abzustellen.
Wenn er durch Abwertung anderer sich seine persönliche Aufwertung verspricht, ist er einfach nur dumm.

Das wird immer noch nicht die Antwort sein, die du haben willst.

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Blackysmart Offline




Beiträge: 1.922

01.03.2014 09:41
#17 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Zitat von Schimandel im Beitrag #13
Also nochmal: Ich fragte ob der Mensch im Allgemeinen ein Egoist sei, ja oder nein


Der Mensch ist in erster Linie ein Egoist. Richard Dawkins hat das auch mit seiner These des "egoistischen Gens" näher erläutert.

Wir können jedoch nicht ohne andere Menschen überleben. Wir brauchen Gemeinschaft und haben soziale Bedürfnisse, ohne die wir unglücklich und depressiv würden. Daher ist unser Sozialverhalten im Grunde auch reiner Egoismus. Wenn wir anderen Gutes tun, geht es uns ebenfalls gut dabei. Der Evolution haben wir es zu verdanken, dass wir die Dinge gut finden, die uns UND unseren genetisch nahestehenden Gruppenmitgliedern Vorteile bringen. Der einzelne ist dabei weniger wichtig. Es geht um Weitergabe derjenigen Gene, die die egoistischen Individuen dazu bringen, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Daher hat Gysi mit seinem ja und nein vollkommen Recht. Wir sind Egoisten, aber ohne den Erfolg unserer sozialen Gemeinschaft wären wir erst gar nicht in der Lage, egoistisch zu sein.

Schimandel Offline



Beiträge: 27

01.03.2014 18:19
#18 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Zitat
Wir können jedoch nicht ohne andere Menschen überleben. Wir brauchen Gemeinschaft und haben soziale Bedürfnisse, ohne die wir unglücklich und depressiv würden. Daher ist unser Sozialverhalten im Grunde auch reiner Egoismus. Wenn wir anderen Gutes tun, geht es uns ebenfalls gut dabei.


Zitat
Daher hat Gysi mit seinem ja und nein vollkommen Recht.


Ich verstehe nicht, wie du nur diese beiden Sätze in einen Text verwenden kannst, ohne das sich dabei ein Widerspruch ergibt! Im ersten dieser Zitate hast du wunderbar erklärt, dass wir die Gemeinschaft brauchen um glücklich zu werden, unsere sozialen Bedürfnisse zu stillen und im Grunde um unser Überleben zu sichern. Genau deshalb bin ich ein Gemeinschaftswesen. Springt euch der Egoismus dabei gar nicht ins Auge? Es ist tatsächlich der pure Egoismus, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Warum? Weil man sich nur in einer Gemeinschaft aufhält, um sich selbst glücklich zu machen, um seinen eigenen (persönlichen) Bedürfnissen nachzugehen und im Grunde um sein eigenes Überleben zu sichern und nicht etwa das eines anderen, es sei denn, man hat davon einen eigenen Vorteil. Worauf ich hinaus will ist, ich sehe im Gemeinschaftswesen des Menschen (im Gegensatz zu euch) absolut keinen Widerspruch zum Egoismus des Egoismus. Ganz im Gegenteil: Es ist durch und durch egoistisch, etwas für die Gemeinde zu tun.
Ich denke, nun wird für euch klar sein, aus welcher Perspektive ich die Lage sehe. :)

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

01.03.2014 18:41
#19 Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Zitat von Schimandel
Springt euch der Egoismus dabei gar nicht ins Auge?

Blackysmart hat nichts anderes behauptet, und ich auch nicht! Was ist mit der Liebe? Was ist mit der Mutterliebe? Die gibt sich für den anderen her! Das gibt es also auch. Warum ist das so? Können wir in dem Fall trotzdem von Egoismus reden? Ja, können wir. Denn wir sind emotional einander verschränkt! GEMEINSCHAFTSwesen!

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Nina4 Offline



Beiträge: 6

07.05.2014 11:01
#20 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Der Mehrteil der Menschen ist Egoistisch. Natürlich. Es gibt aber viele Leute die einem helfen und gleichzeitig an sich denken ohne den anderen Schaden tun zu wollen.

Lebe und denke nicht an Morgen.

Blackysmart Offline




Beiträge: 1.922

08.05.2014 06:40
#21 RE: Ist der Mensch ein Egoist? Antworten

Zitat von Schimandel im Beitrag #18
. Springt euch der Egoismus dabei gar nicht ins Auge? Es ist tatsächlich der pure Egoismus, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Warum? Weil man sich nur in einer Gemeinschaft aufhält, um sich selbst glücklich zu machen, um seinen eigenen (persönlichen) Bedürfnissen nachzugehen und im Grunde um sein eigenes Überleben zu sichern und nicht etwa das eines anderen, es sei denn, man hat davon einen eigenen Vorteil.


Einem totalen Egoisten wären andere scheissegal. Eltern würden jedoch sogar ihr eigenes Leben opfern, um das Leben ihrer Kinder zu retten. Daher ist purer Egoismus nicht überlebensfähig, es bedarf in einer Sozialgemeinschaft immer einen Teil selbstloses Verhalten, sonst gäbe es diese Gemeinschaft nicht. Ohne Sozialgemeinschaft wäre der Mensch sicherlich nicht da, wo er heute ist.

Zitat von Schimandel im Beitrag #18
. Ich denke, nun wird für euch klar sein, aus welcher Perspektive ich die Lage sehe. :)


Ich weiß was Du meinst. Selbstloses Verhalten mag etwas für die Gemeinschaft bringen, aber für das einzelne Individuum außer ein kurzzeitig gutes Gefühl wenig. Daher sehe ich darin schon einen Unterschied, den man differenzieren sollte. Im Prinzip hast Du aber recht. Ich sah einmal einen Bericht über einen Mann, der wegen einer Gehirnoperation alle seine Gefühle verloren hat. Dieser sagte selbst, es würde ihn nur die Erinnerung an seine Gefühle davon abhalten, ein Massenmörder zu werden. Wenn diese guten Gefühle wegfallen, würden wir wohl am liebsten alle unbequemen Menschen "beseitigen" wollen.

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 669

30.03.2015 18:20
#22 Das ungeheure Verbrechen des Andreas Lubitz Antworten

Nach bisherigen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass Lubitz nach Aussperrung des Captain am helllichten Tag allein im Cockpit den im anvertrauten Airbus absichtlich gegen einen Berg gelenkt und den Tod von 149 Mitmenschen billigend in Kauf genommen hat, und zwar aus purem Egoismus heraus. Man hat Lubitz etwas vorschnell das Etikett psychisch krank angeklebt, was er wohl war, aber dies erklärt wenig bis nichts. Trotzdem bleibt nichts als spekulieren.

Was ist das für ein Mensch, der so was tut und alle Rufe ignoriert? Mit der impulsiven Einleitung des extremen Sinkflugs auf 30 m hatte er einen point of no return überschritten; das hätte er wohl dem Captain nicht erklären können, die Scham wäre zu gross gewesen. Tomaten-Andi hätte sich als Psycho-Andi geoutet. Also verriegelte er die Tür. Wie hat er es geschafft, Klopfen, Rufe und Schreie zu übertönen? Vielleicht mit dem Kopfhörer. Vielleicht hat er sich gedopt wie Breivik. Die Gerichtsmediziner werden es herausfinden.

Ein Spezialist schätzt Andreas Lubitz als einen «extrem selbstbezogenen Menschen» ein. Vermutlich (sicher) sei er depressiv gewesen, naheliegend seien auch narzisstische oder zwanghafte Züge. «Lubitz musste im Falle einer psychischen Erkrankung um seine Karriere bangen. Das war eine tiefe Bedrohung seiner Identität. Auf dem letzten Flug von Barcelona nach Düsseldorf, in diesen letzten Minuten allein im Cockpit, ging es Lubitz wohl nur noch um sich und um die Legende des erfolgreichen jungen Piloten, die er nicht mehr aufrecht erhalten konnte: Er war dem Job nicht gewachsen. Es ist zu vermuten, dass Lubitz so auf sich selbst reduziert gewesen sei, dass er den Blick fürs Ganze verloren und kein Mitgefühl für die 149 Menschen empfunden habe. Ich denke das auch: Es handelt sich um einen sog. Mitnahme-Suizid, bei dem sich eine existenzielle Verzweiflung wegen der ganzen Überforderung mit größenwahnsinnigen Rache- und Weltuntergangsszenarien mischt, und zwar hat er das geliebte Flugzeug in die totale Selbstvernichtung mitgenommen, nicht die 149 Mitmenschen an Bord, mit denen er keine Beziehung hatte. Er hat deren Tod egoistisch als „Kollateralschaden“ in Kauf genommen, egal ob es 50 oder 250 waren, Männer, Frauen, Kinder, alte Leute.

Andere Fachleute meinen, es können Zwangsgedanken gewesen sein, wenn man z.B. am Spitalbett des schwer kranken Vaters sitzt und die Maschinen abstellen möchte. Solche gehen schnell vorbei. Auch Depressionen oder Müdigkeit [oder Medikamente] können die Abwehr von solchen Gedanken schwächen. Hier steht also nicht die Selbsttötung im Vordergrund, sondern die extreme Tat. Wie ein Abgrund, der einen magisch anzuziehen scheint, kann ein Zwangsgedanke übermächtig werden. Lubitz hat aber seine Tat wohl geplant, vielmals angedacht, bis die absehbare Gelegenheit kam. Planung gehört ja zum Pilotenhandwerk.

Seine Tat war ein extremer Vertrauensmissbrauch gegen die Fluggäste und ein Verstoss gegen das Ehrgefühl, den Korpsgeist und die Kameradschaft unter den Piloten. Diese erhalten eine strenge Ausbildung und sind zu recht stolz darauf. Im Vordergrund der Ausbildung steht das technische Handwerk der guten und sicheren Flugzeugführung im Dienste der Fluggäste. Lubitz, der ja Flugkapitän werden wollte, hat sich in extremer Weise gegen all das gekehrt. Nicht zuletzt hat er schweren Gram und Schande über seine Eltern gebracht.

Möglich ist zudem, dass Lubitz sich auf einem fanatischen Egotrip befand. Hier spielen die Macht, das Gefühl, Herr über Leben und Tod zu sein, etwas Monströses, Aussergewöhnliches zu vollbringen oder in die Geschichte einzugehen, eine entscheidende Rolle (man wird meinen Namen nicht vergessen). Vermutlich ist es bei Lubitz' Motivation eine Mischung von all dem. Es ist ungeheuerlich, was da in der Luftfahrt passiert ist. Währenddem Lubitz mit seinen Dämonen Frieden machte und ruhig atmend dem gewählten Ende entgegen sah, schrien die Passagiere hinter ihm um ihr Leben. Aus philosophischer Sicht kommt man nicht herum, die Tat von Lubitz als böse zu benennen: Lubitz ist eine verdammt miese Ratte, ein ganz übler Verbrecher und nicht ein armer Psycho. Er hat sein psychisches Leiden über die Lebenshoffnungen vieler Menschen gestellt. Man stelle sich diese vor, wenn man im einem vollbesetzten Zug oder Tram sitzt. Er hat sich so verdammt wichtig genommen, dabei ist oder war er nur ein Scheisskerl, aber nun immerhin berühmt.

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RELIGION IST HEILBAR! (Buch von J. Hochstrasser, Ex-Priester)
Denken ist eine Anstrengung; Glauben ein Komfort (Ludwig Marcuse).
Das Leben ist eine mißliche Sache; ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken (Schopenhauer). - Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde (Nietzsche, Zarathustra).

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.328

30.03.2015 18:37
#23 Das ungeheure Verbrechen des Andreas Lubitz Antworten

Zitat von Seneca
Möglich ist zudem, dass Lubitz sich auf einem fanatischen Egotrip befand.

Klar Egotrip. Und das etwas überspannt. Seine Ex sagte, dass er mal ganz groß rauskommen wollte. Er gierte nach Anerkennung. Weiß der Fuchs, wo und wann und wie der zuwenig davon bekam. Weiß der Fuchs, was ihn psychisch krank machte. Aber eins ist klar; Die künftigen Piloten müssen nicht nur körperlich fit sein. Sie müssen auch auf psychische Unversehrtheit geprüft werden. Und auf Sozialkompetenz und psychische Belastbarkeit. Das hatte Germanwings bisher offenbar versäumt.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

30.03.2015 21:52
#24 RE: Das ungeheure Verbrechen des Andreas Lubitz Antworten

Andreas Lubitz beging keine Selbstmord.
Andreas Lubitz führte den totalen Krieg gegen alle und sein eigener Tod war dabei lediglich ein Nebenffekt.

Das war keine nihilistische Tat, sondern eine Tat der totalen Selbstüberhöhung.
Einfach mal Gott spielen...

Sein wohl letzter Gedanke:
Nun gehe ich gleich als einer der größten Massenmörder in die Geschichte ein und werde damit unsterblich.

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Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

seneca Offline

religiöser Atheist


Beiträge: 669

01.04.2015 18:07
#25 RE: Das ungeheure Verbrechen des Andreas Lubitz Antworten

Kaum jemand sagt klar im Net, dass die Tat von Andreas in erster Linie ein Verbrechen war und wenn auch ein ungeheures. Wegen der Dimension und Art der Ausführung ist man irgendwie sprachlos und kann es nicht einordnen. Wenn jemand unter Alkohol- oder Drogeneinfluss plus Kränkung ein Tötungsdelikt begeht, hat man keine grossen Schwierigkeiten, das einzuordnen. Der Täter oder die Täterin ist und bleibt, vielleicht mit mildernden Umständen, ein Mörder.

Je grösser das Verbrechen, je weniger das Verstehen darüber. Nebst den diversen Psychodiagnosen (Schlagzeile: die postume Psychoanalyse von Andreas Lubitz hat begonnen - und jeder kann sich daran beteiligen) werden abstruse Verschwörungs-Theorien vorgebracht. So stehe hinter der Tat von Lubitz CIA, welche durch mind control ihn dazu gebracht habe, sich einzuschliessen und das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie solche science fiction gehen soll. Oder ein anderer behauptete, Lubitz sei zum Islam übergetreten. Um einen Terrorakt zu begehen - und Lubitz' Tat war objektiv gesehen ein Terrorakt - muss man nicht Islamist sein. Wahrscheinlich hatte Lubitz überhaupt nichts mit Religion am Hut, obwohl seine Mutter Organistin gewesen sein soll, und mit Philosophie schon gar nicht. Denn sonst hätte er nachgedacht, was da in ihm abläuft. Psychisch und sonstige Kranke und Leidende suchen oft Hilfe in der Religion und finden da manchmal hilfreiche Antworten. Aber da muss man Zugang haben zum religiösen Denken. Auch die Gesellschaft sucht in der Not Hilfe bei der Religion, um das Ungeheuerliche zu verstehen, das eigentlich nicht verstehbar ist. Es findet ein Gedenkgottesdienst für die Absturzopfer statt. Vielleicht bringt es etwas Trost.

Lukrez schrieb:
Andreas Lubitz beging keinen Selbstmord.
Das war keine nihilistische Tat, sondern eine Tat der totalen Selbstüberhöhung.
Einfach mal Gott spielen...
Sein wohl letzter Gedanke:
Nun gehe ich gleich als einer der größten Massenmörder in die Geschichte ein und werde damit unsterblich.


Doch, es war eine nihilistische Tat, er hat sich und das Flugzeug ausgelöscht und die Menschen darin. Das ist wie wenn ein unglücklicher Liebhaber die treulose Geliebte tötet. Die treulose Geliebte war das Flugzeug. Die Passagiere sind "Kollateralschaden". Das ist meine Meinung. Die leidenden Angehörigen sollen am Leid von Lubitz mit-leiden.

Ausserdem wollte Lubitz noch einen drauf setzen, berühmt werden durch eine ungeheurliche Tat, nebst dem, dass er seinem psychischen Leiden (Zusammenbruch der Identität als Pilot) ein Ende bereiten wollte.
Eine Depression geht bei allen Geisteskrankheiten irgendwie einher, entweder ist es die Ursache, dass der Depressive Erklärungen (Schuldgefühle) für seine Depression sucht oder es ist die Folge anderer Leiden oder Kränkungen. Irgendwann mal hat Lubitz beschlossen, den Stecker zu ziehen.
Er hat sich ja verstellt, als er den Flug mit dem Käptn besprochen und noch gescherzt hat. In einem solchen Moment beobachtet man sich praktisch von aussen. Das ist sicher jedem schon passiert, wenn etwas Schlimmes oder Peinliches im Hintergrund ist. Bei der Besprechung der Landung wurde er einsilig, lakonisch, wie der Staatsanwalt sagte. Da kam ihm in den Sinn, dass es möglicherweise, wahrscheinlich keine Landung gibt. Es war also keine zwangshafte Kurzschlusshandlung, sondern er hatte den Plan im Kopf, etwas Aussergewöhnliches. Heroisches zu tun.

Der Heroismus, das Heroische ist nach Ernest Becker "The Denial of Death" (1974) der Antrieb des Menschen, der Mut zur Lebensbewältigung, der Ziele vorgibt, der hilft, die latent im Hintergrund lauernde Tatsache des unausweichlichen Todes entgegen zu treten, zu verdrängen. Dieses Heroische, das Lubitz dazu geführt hat, sich für die Fliegerei im Club zu ineressieren und zu betätigen, Pilot zu werden, ist umgekippt ins Verkehrte, zu deutsch Perverse. Dies, als er realisieren musste, dass er es nicht schaffte, ein normales Leben und Berufsleben zu führen. Also hat er sich eines Tages entschlossen, dem Tod nicht mehr auszuweichen - unser ganzes Verhalten besteht darin, den Gefahren auszuweichen - sondern ihn zu suchen. Der Tod kommt ja eh irgendeinmal unvermeidlich, aber für die meisten ist das sehr abstrakt, für die Jungen sowieso. Er hat sich also zu seiner Todestat entschlossen, wofür es doch einigen Mut braucht, vermutlich war er noch stolz darauf, es allen gezeigt zu haben. Paradoxerweise hat er sich dadurch irgendwie unsterblich gemacht, indem sich die Welt für sehr lange Zeit an ihn erinnern wird.

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RELIGION IST HEILBAR! (Buch von J. Hochstrasser, Ex-Priester)
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