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Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 500 mal aufgerufen
 Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!
Gysi Online

Atheist


Beiträge: 17.453

21.08.2014 09:09
Mensch und Gesellschaft IV Antworten

Determinismus



Vergangenheit und Jetzt

Alle Erscheinungsformen des zeit-raum-relevanten Seins sind determiniert. D.h., alles kann man begründen, alles ist ableitbar, die Determinanten haben Determinanten, und so ist jegliche Regung unserer Leben auf Kausallinien bis tief außerhalb unserer Subjektwahrnehmung zurückzuverfolgen.
Das bedeutet nichts anders, als dass wir nichts als hochkomplizierte Programme und Biomaschinen sind. Und dass unsere "Entscheidungsfreiheit" nur eine Subjektivwahrnehmung des engen Fensters des Bewusstseins ist.


Wir wollen an einem Beispiel veranschaulichen, wie weit diese Überlegung zu verfolgen ist:

Du bist hungrig. Du schmierst dir jetzt eine Schnitte Brot. Butter kommt drauf und Käse. Dir schmeckt´s, und du hast das unbedingte Gefühl von Freiheit. Denn du tust etwas, was dir gut tut.

Aber du bedienst lediglich das Naturbedürfnis nach Energiezufuhr, das dir als Hunger angezeigt wird. Weil du ein von der Natur diktiertes Bedürfnis befriedigst, belohnt sie dich mit Genussempfindung und Sattsein, einem guten Gefühl. Das Leben erteilt dir eine Streicheleinheit. Du hast etwas getan, was du tun solltest. Nur, das was du tun solltest, das wolltest du letztlich auch. Weil es dir gut tat. Es tat dir aber nicht gut, weil du es in Freiheit tatest, es tat dir gut, weil es das Richtige war.

Sicher hättest du doch ebenso gut ein Wurstbrötchen schmieren oder draußen eine Pita Gyros kaufen können. Du hättest auch Kohldampf schieben und joggen können. Du könntest sicher tausend andere Dinge tun. Wäre das nicht die breite Spanne der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten, von denen du eine frei entscheiden kannst?

Das Feld der Freiheit ist gewiss eingeengt durch die Triebe, die befriedigt werden müssen.
Sie ist eingegrenzt durch die ganze Konsistenz unserer natürlichen Beschaffenheit, wie z.B. durch unserer Körperkraft, dem Bewegungsbedürfnis, Beschäftigungsbedürfnis, der Liebe, der Durchsetzungsfähigkeit zur Befriedigung usf.
Und durch die Beschaffenheit der äußeren Natur.
Zudem durch die menschlichen Verpflichtungen, die sich aus unseren sozialen Beziehungen ergeben, wie die Arbeit z.B. und das Einkaufen für den Konsum.
Habe ich wichtige Dinge vergessen? Möglich, gewiss.

Aber kann ich mich nicht innerhalb dieser Grenzen so bewegen wie ich will?
Kann ich die Triebe nicht in einer Form befriedigen, die ich bestimme?

Sicher diktiert die Natur mit seinen Anzeigen des Gutfühlens und Schlechtfühlens in mir, dass manche Dinge, die ich wohl in Freiheit entscheiden kann, aber lieber sein zu lassen habe: Ein fauler Apfel schmeckt nicht gut. Igitt! Und ich beuge mich den Grenzanzeigen der Natur.
Aber diese Grenze könnte ich überschreiten, wenn ich wollte. Und auch, wenn ich das nicht will, habe ich Entscheidungsfreiraum genug: Ich werde mich doch wohl zwischen einem Käse- oder Wurstbrötchen entscheiden können, und die Allmutter Natur wird mich für jeden dieser Genüsse mit Wohlgefühl belohnen!

An den konkreten Ausformungen einer Handlung ist der Determinismus in der Tat nicht so leicht zu erklären.
Du entscheidest dich für das Wurstbrötchen, nehmen wir mal an.
Was hat dich dazu bewegt, dich für das Wurstbrötchen zu entscheiden?
Du standest vor der Aufgabe, dich jetzt zu entscheiden.
Dir werden Bilder und/oder Impulse hochgekommen sein. Dein Unterbewusstsein wird dir einen ganzen Satz von Begründungen hochgeschossen haben.
Deine Entscheidung ist durch das Un(ter)bewusste determiniert, vielleicht aber auch durch bewusste Wahrnehmungen der Außenwelt: Du hattest heute Vormittag ein sehr ansprechendes Mädchen gesehen, das gerade ein Wurstbrötchen aß. Nur dass dieses Erlebnis den Impuls auslöste, auch ein Wurstbrötchen zu essen, das ist dir vielleicht nicht bewusst.

So laufen aber alle Entscheidungsprozesse ab: Zum kleinen Teil bewusst, zum großen Teil unbewusst.

Und wenn es dir doch voll bewusst war, dich für das Wurstbrötchen entschieden zu haben, weil das Mädchen es ebenfalls aß?
Dann hat das Mädchen dir eben bewusstseinsregistriert den Kopf verdreht. Es war auf jeden Fall deine Libido, die dich so handeln ließ!

Es lässt sich alles vom Außen und/oder vom übermächtigen Innen erklären. Das im Außen begründet ist.
Unsere Ichs werden gelenkt, die Freiheit die wir wahrnehmen, ist eine Illusion.
Wenn wir eine lustbringende Entscheidung unter vielen Entscheidungsmöglichkeiten treffen, dann ist damit angezeigt, das wir das getan haben, was als Direktive in uns angelegt ist. Handlungen gegen diese Direktiven bringen ein schlechtes Gefühl.

Trainieren wir die Intuition, um ihr zuverlässig folgen zu können. Ist ja auch nicht so einfach, die verschiedenen Triebstränge wie Überlebenstrieb, Esstrieb, Sexualtrieb, Forschungstrieb, Anerkennungstrieb und all die anderen Triebe in sich so zu harmonisieren, dass sie dir das Geschenk machen, umfassend glücklich zu sein. Dazu gibt es derart mächtig eingeimpfte kulturbedingte Verhaltenskomplexe, die die Naturtriebe überdecken, so dass sie zu neurotischen Verhaltensstörungen kommen können. Umso wichtiger, auf die harmonische Entfaltung der natürlichen Triebe und ihre Befriedigung zu achten.

Natürlich schadet es nicht, statt einem Wurst- ein Käsebrötchen zu essen. Es schadet überhaupt nicht, das zu tun, was man (wirklich) will. Nur ist dieses Tun kein Produkt einer freien Entscheidung.

Möglich, dass in einem Entscheidungsbildungsprozess im Unterbewusstsein wie im Bewusstsein gute und schlechte Argumente miteinander machmal so sehr gleichwertig konkurrieren, dass eine Entscheidung zwischen zwei Handlungen tatsächlich der Freiheit des Ichs, also dem Zufall, obliegt. Freiheit kann nur würfeln.
Dann ist die Handlung eben durch den Zufall marginal mit-determiniert.
Aber immer gilt der Satz der Determination aller Dinge und ihrer Bezüge.

Aber ist nicht wenigstens die Freiheit gegeben, Dinge gegen die Naturdirektiven zu tun, wenngleich der Preis ein schlechtes Ergehen ist? Wenngleich es also unvernünftig ist, die Freiheit zu wählen?
Auch die "falsche" Handlung ist determiniert. Eine Testidee, die aus den äußeren Bedingungen deines Forschungstriebes, deiner Unzufriedenheit, deiner Langeweile und was weiß ich geboren ist. Fakt ist: Auch diese Handlung wäre motiviert!

Die objektive Freiheit gibt es nicht.

Freiheit ist die Bewegung des Zufalls, der aus dem Chaos heraus die Ordnung noch sucht.
Selbst das Chaos untersteht, mit dem Gesetz des Zufalls, einer Ordnung.
Leben ist ein festgelegtes System tiefer Ordnung.
Freiheit ist amorph.
Freiheit ist Unwissen.
Freiheit ist nichts.



Zukunft

Alles ist letztlich von "Außen" bestimmt.
Die subjektiv empfundene Entscheidungsfreiheit ist eine Illusion.

Alles ist kausal genau erklärbar. Nur überfordert es unseren Verstand, das konkret nachzuvollziehen.

Wenn das stimmt, dann müsste auch die Zukunft bis in die Details schon heute (realtheoretisch) nachzuvollziehen sein. Nur mit unseren paar Gehirnlappen, unseren bescheidenen Datenbänken und unserem Kommunikationsnetz geht das natürlich nicht.

Wir müssten all die Determinierungen unserer Dinge und Handlungen bis in die kleinsten Reflexe glasklar einsehen können bis in das 1000ste Glied der Kausalkette hinein. Wir müssten zudem all die Kausalketten der Ereignisse und kleinsten Ereignisse, die von außen unser Leben kreuzen bis in das 1000ste Glied hinein erkennen. Unmöglich, kaum vorstellbar - allenfalls in dieser Abstraktion.

D.h., die Zukunft ist "fotografierbar", obwohl es sie noch gar nicht gibt.
D.h., wir, die in der Zeitschiene immer in einem Heute Verhafteten, müssen es so sehen, dass es sie noch gar nicht gibt.

Ein aus der Zeitschiene Entbundener - das ist jetzt eine sehr theoretische Vorstellung - mit der Fähigkeit, uns wahr zu nehmen, sähe die (zeit-raum-relevante) Existenz möglicherweise wie eine Filmrolle, und er nähme das, was für uns das Heute ist, als die Sequenz wahr, die gerade auf der Projektionsfläche zu sehen ist.

Dieser Film ist ein Film, der schon x-, eigentlich unendlich mal, abgespielt worden ist.


Es ist also das viel zitierte "Buch des Lebens", gibt es also ein schon fertig geschriebenes "Buch der Existenz"?
Ist die Zukunft nicht nur schon fest gelegt, sondern schon da, irgendwo in der 8. Dimension?


Das alles bedeutet nicht weniger, als dass Vorsehung möglich ist!
"Alles ist vorbestimmt!" lautet ein geflügeltes Wort.

Vorsehung ist theoretisch insofern möglich, als dass die Zukunft in der Gegenwart mehr oder weniger ein bereits anschaubares Objekt ist. Es ist eine Sache der Informationen und Informationsmenge, die ja - mit fast unendlich anderen Informationen, die Basis für das Zukunftgeschehen ist. Leute mit einer besonderen Begabung für zukunftsgeschehensrelevante Informationsbündelung mögen ein besonderes Geschick für Vorhersagen haben, die dann auch eintreffen - wenn sie clever genug sind, die Vorhersage möglichst abstrakt zu halten.

Die Zukunft ist schon festgeschrieben in irgendeiner Dimension, die wir nicht einsehen können. Sie
ist festgeschrieben in der unendlichen Anzahl der Universen (siehe: „Die Unendlichkeit alles Endlichen“). Aber die Daten des Heute bilden nicht nur eine Zukunft: Denn: Manche Glieder aus der Vernetzung der langen Determinationsketten können das Ergebnis einer reinen Zufallsentscheidung sein. Diese Zufälle schaffen auch verschiedene Zukunftsbilder und nicht nur ein einziges. Verzweigt in andere Universen, und die Summe (der sich vervielfältigenden Folgewirkungen) der Zufallsblasen in der ganzen determinierten Vernetzung wird letztendlich sehr verschiedene Geschehnisse produzieren.

So gesehen ist Zukunft eben doch nicht exakt zu bestimmen. Andereseits aber doch, wenn wir von einer Existenz unendlich vieler Universen ausgehen, die unendlich viele Duplikate und auch alle verschiedenen Abweichungen produzieren, die die Naturgesetze zulassen.


Wir mit unseren vier Dimensionen sehen nicht viel.
Die Vergangenheit ist vergangen, wir halten sie für nicht mehr existent.
Die Zukunft ist zukünftig, wir halten sie für noch nicht existet.
Und das Heute? Das Heute ist nur ein nulldimensionaler Punkt. Also nichts.
Nichts ist? Aber uns ist aus dem Punkt des Nichts die ganze Fülle und Realität unseres Lebens gewiss... An den Parametern unserer Wahrnehmung merken wir doch, dass mit denen irgendwas nicht stimmt.



Quantenphysik

Die in der Quantenphysik ausgemachten Zeitgleichheiten und Duplizitäten von Dingen und Ereignissen widersprechen dem Determinismus im Raum-Zeit-Geschehen nicht. Die Quantenphysik weist auf Dimensionen und Seinszustände, die wir noch nicht kennen. Die Quantenphysik selber gehört auch dazu. Wir registrieren ihre Phänomene. Aber ihr Wesen kennen wir noch nicht.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Sirianna Offline

Privatgelehrte


Beiträge: 110

30.01.2015 17:13
#2 RE: Mensch und Gesellschaft IV Antworten

Zitat von Gysi
Es ist also das viel zitierte "Buch des Lebens", gibt es also ein schon fertig geschriebenes "Buch der Existenz"?
Ist die Zukunft nicht nur schon fest gelegt, sondern schon da, irgendwo in der 8. Dimension?


Wie kommst du jetzt gerade auf die 8. Dimension?
bin schon froh, wenn ich mir einen 4-dimensionalen Würfel vorstellen kann, habe mehrere Zeichnungen davon
gemacht, also die 2 dimensionale Darstellung eines 4 dimensionalen Würfels, habe ich an der Wand hängen,
das Betrachten selbigens soll die neuronalen Verknüpfungen vermehren, hm
auf die Idee kam ich nach der Lektüre von "Flatland" http://de.wikipedia.org/wiki/Flatland

auf jeden Fall hilfreich um überhaupt mal mit dem Konzept der Muliti-Dimensionalität in anregende Berührung zu kommen.

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pro juventute ad astra

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 17.453

30.01.2015 17:37
#3 Mensch und Gesellschaft IV Antworten

Weiß ich nicht. Vielleicht ist es ja schon die 5. Ich habe keine Ahnung. Wenn wir die vier Dimensionen - die Zeit sehe ich also als die 4. Dimension - auf die nächsthöheren Dimensionen extrapolieren, dann müssen es doch Dimensionen sein, die die niedrigeren in sich involvieren.

Das ist ein Gedankenspiel von einem, der von Physik weing Ahnung hat.

Steven Hawking schrieb mal, dass es 11 Dimensionen in unserem Universum geben müsste, um die Quantenphysik mit der Relativitätstheorie zu harmonisieren.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Sirianna Offline

Privatgelehrte


Beiträge: 110

30.01.2015 17:50
#4 RE: Mensch und Gesellschaft IV Antworten

hm, ok
was anderes, Suche jetzt schon seit einer Weile - Die Unendlichkeit alles Endlichen - auf dem du dich in einem der Texte hier beziehtst
und suche auch eine Suchfunktion,

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pro juventute ad astra

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 17.453

30.01.2015 18:07
#5 Mensch und Gesellschaft IV Antworten

Das ist der letzte Kapitel: Die Ewigkeit gibt's ohne Gott!

Wenn du die Verlinkung im Fußfeld nimmst, bekommst du auf jeden Fall den letzten Stand. Aber zu dem Thema habe ich die letzte Zeit nichts Wesentliches dazugeschrieben.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Glaubensqualle ( gelöscht )
Beiträge:

31.01.2015 01:06
#6 RE: Mensch und Gesellschaft IV Antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #5
Das ist der letzte Kapitel: Die Ewigkeit gibt's ohne Gott!.
.. Frage : ... was bitte ist denn die Ewigkeit ...

Gysi Online

Atheist


Beiträge: 17.453

31.01.2015 10:15
#7  Mensch und Gesellschaft IV Antworten

Zitat von Glaubensqualle
.. Frage : ... was bitte ist denn die Ewigkeit ...

Ein Zustand ohne Anfang und ohne Ende.

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

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=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

... Platz für Verlinkungsaustausche ...

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