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Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 1.220 mal aufgerufen
 Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!
Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

22.09.2014 15:51
Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Wo fängt die Geisteskrankheit an und wo ist man nur verschroben?

http://de.wikipedia.org/wiki/Schizotypis...itsst%C3%B6rung

Mal schauen ob eine Diskussion daraus wir.
Finde das passt ganz gut in den neuen Bereich.

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Nichts ist wahr, alles ist erlaubt! Die Realität ist das, was du daraus machst!

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.218

22.09.2014 18:45
#2 Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Es passt, durchaus. Denn das Geschehen unseres Erlebens spielt sich zwischen den Polen des Idividualismus und des Gemeinschaftslebens ab. Und darum geht es in dem "selbstbestinnten Menschen".

Bist du einzelgängerisch, weil du etwas suchst - oder weil du vor etwas flüchtest?

In dem verlinkten Text geht es um reale Wahrnehmung und Wahrnehmungsverzerrung. Was ist verzerrt wahrgenommen? Nicht so einfach zu beantworten. Ich habe in meinem Text den Begriff der "Entfremdung". Was ist "entfremdet"? Ein guter Gradmesser ist das Glücklichsein. Fühlst du dich (bleibend) scheiße, bist du von irgendwas "entfremdet".

Was ist "Wahrnehmungverzerrung"? Ist der wahrnehmungsverzerrende Wahrnehmer glücklich? Ich glaube nicht.... Realwahrnehmung macht glücklich. Bedürfnisbefriedigung. Entfaltung deines Seins.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

22.09.2014 21:35
#3 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Im Grunde war es Zufall. Eine Konversation und eine zu geringe Menge an "Arbeit" auf der Arbeit.

Ich habe zum Spaß "ich lege keinen Wert auf Zwischenmenschliche Beziehungen" (was nur zum Teil stimmt)
gegooglet und der Link war die erste Seite. Wobei ich mittlerweile finde das dieser Link besser passt ...

http://de.wikipedia.org/wiki/Schizoide_P...itsst%C3%B6rung

So oder so finde ich es befremdlich, da es schon eine Art Selbstrelextion ist, was ich hier schreiben will.

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Menschen und habe auch keine Abneigung gegen Beziehungen.
Ich habe Familie, (keine eigene, aber halt Anverwandte) und einige Bekannte, den Begriff Freund würde ich nur
sehr zurückhaltend verwenden. Ich gehe Arbeiten und das kostet mich auch keine Überwindung oder so, weil ich dabei
Menschen begennen muss.

Ich hasse aber Menschenmengen und habe keine Probleme allein zu sein. Lieber allein als in schlechter Gesellschaft.

Ich finde aber schon, dass ich anscheinend weniger Wert auf sowas lege als andere Menschen die ich kenne.
Bin ich krank, verschroben, traumatisiert, weil das so ist? Oder ist das mein Charakter?

Zitat
Die schizoide Persönlichkeitsstörung (griechisch: schizein = abspalten; nicht zu verwechseln mit der schizotypischen Persönlichkeitsstörung) zeichnet sich aus durch einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Phantastereien, einzelgängerisches Verhalten und eine in sich gekehrte Zurückhaltung. Die Betroffenen verfügen nur über ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu zeigen.



Vieles davon trifft auf mich zu, ich empfinde das aber nicht als Mangel. Wobei die Phantastereien ja alles Mögliche sein können.
Ein Mensch mit viel Phantasie ist ja nicht geistesgestört. Zudem gibt es in der Gesellschaft sehr viele Menschen, denen es ähnlich geht.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind oft unbestädnig wie der Mensch selbst und kommen mir daher oft oberflächlich und platt vor.
Bin ich, und viele andrer einfach so, oder sind wir geistskrank? Sind das nicht einfach unterschiedliche Charakterzüge?
Kommt diese Distanz immer von Ablehnung, oder Ängsten und man merkt es selber nicht? Ich weiß es nicht, ich glaube bei mir nicht.

Kann man extrovertierten Menschen nicht auch nachsagen, das sie aufmerksamkeitsbedürftig sind und Minderwertigkeitskomplexe haben?
Also das Sie keine selbstbestimmten Menschen sind, wo wir wieder beim Thema wären.

Sowohl das eine als auch das andere Extrem können krankhaft sein, das will ich nicht aussliessen, aber wo fängt das an?

1. Hat man einen Minderwertigkeitskomplex und ist ein gesichtsloses Herdentier, oder einfach nur gerne unter Leuten.
2. Wann ist man einfach nur still und zurückgezogen, oder ist schizoid?

Solche Gedanken kommen einem auf der Arbeit wann man nix zu tun hat.

Ich finde beide Charaktere haben ihre Existensberechtigung, ohne geisteskrank oder dumm und oberflächlich zu sein.
Ich sehe nur immer wieder das einsame, oder zurückgezogene Menschen fast stigmatisiert werden, und man vergisst,
das es auch Leute geben kann, die daran nichts schlimmes finden und nicht krank sind, oder sind sie es zwangsläufig,
weil der Mensch ein soziales Tier ist? Dann bitteschön bin ich halt krank wenn ich alleine glücklicher bin
als unter einem Haufen Menschen.

Bitte nicht als Verteidigung oder Hilferuf missverstehen. Es soll eine Diskussionanregung zu der komplexen Psyche des Menschen sein!

PS:

Zitat
Es wird von weniger als einem Prozent Betroffener in der Bevölkerung ausgegangen, das heißt, dass die Störung im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsstörungen relativ selten ist



Auch das passt dann ja nicht. Gestört sind dann nur 1%, aber grob passt das Verhalten, meiner bescheidenen Meinung nach auf viel mehr Menschen.
Is ja auch ein gesellschaftliches Phänomen, das immer mehr Leute in der Masse der vorhandenen Menge vereinsamen. Wo fängt dann die Störung an?

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Vitoria Offline



Beiträge: 59

23.09.2014 01:09
#4 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Eine Psychotherapeutin hat mir mal gesagt, dass eine sogenannte Persönlichkeitsstörung im Grunde erst dann als krankhaft anzusehen ist, wenn der Betroffene darunter leidet. Im Fall des Schizoiden heißt das also, wenn er z.B. unter Einsamkeit leidet. Tun die meisten aber anscheinend nicht - zumindest nicht so weit, dass sie zum Psychotherapeuten gehen. Gerade zu ihm gehen sie eher nicht, weil sie dort ihr Innerstes offenbaren müssten, was für sie eine wahre Tortur wäre. Deshalb kann man auch getrost die Zahl von 1 Prozent Betroffener vergessen. Es sind mit Sicherheit viel mehr.

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

23.09.2014 08:28
#5 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Zitat
Gerade zu ihm gehen sie eher nicht, weil sie dort ihr Innerstes offenbaren müssten, was für sie eine wahre Tortur wäre. Deshalb kann man auch getrost die Zahl von 1 Prozent Betroffener vergessen. Es sind mit Sicherheit viel mehr



Ich finde einfach das es eine Unterscheid macht krankhaft zu sein oder einfach nur verschlossen und selbstbestimmt,
Kraft aus sich selbst heraus beziehend.

Allein wie du das schon wieder scheibst. Das es eine "Tortur" wäre. Hat man keine Berechtigung mehr auf
Privatsphäre und geheime Gefühle? Ist jeder der nicht sein Innerstes vor jedem beliebigem Fremden ausschüttet
ein schizoider Spinner. Ich muss nicht verrückt sein um einem Psychiater nicht meine Gefühle offenbaren zu wollen,
nur damit er mir einen Stempel aufdrucken kann.

Sicher, für Leute die wirklich diese Störung haben ist das eine Tortur. Aber es gibt so viele Menschen,
die das aus anderen Gründen auch mehr als unangenehm empfinden würden, das du mind. 20 % der Gesellschaft
als schizoid abstempeln würdest.

Man darf hier nicht nur schwarz/weiß sehen, das ist das Problem.

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Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.218

23.09.2014 08:49
#6 Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Zitat von Alinardus
Ich finde beide Charaktere haben ihre Existensberechtigung, ohne geisteskrank oder dumm und oberflächlich zu sein.
Ich sehe nur immer wieder das einsame, oder zurückgezogene Menschen fast stigmatisiert werden, und man vergisst,
das es auch Leute geben kann, die daran nichts schlimmes finden und nicht krank sind, oder sind sie es zwangsläufig,
weil der Mensch ein soziales Tier ist?

Wow. Was du das schreibst, ist affengut! Alles!

Zitat
Wo fängt dann die Störung an?

Da, wo sich der Gestörte scheiße fühlt! Da, wo die Störung ein Leben versagt, das besser gewesen wäre. Aber die Grenzen sind fließend. Das soll die Schäden nicht entwerten. Entschmerzen - oder wie ich das ausdrücken sollte.

Aber was du da zu der Selbstbehauptung eines Individualisten gegen die Forderung seiner Umwelt, bitteschön "normal" zu sein, das ist klasse! Die Menschen sollen nicht dauernd fordern, sondern schauen, was und warum so gelaufen ist. DANN können sie weiterreden. Der Aufsatz "Sozialverhalten" aus dem "selbstbestimmten Menschen" wäre was für dich! (Ist etwas länger, aber schön in kleine Sätze zergliedert.)

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

23.09.2014 10:33
#7 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Danke für das Lob Gysi.

Ein weiteres Argument dafür, das ich nicht krank bin , da solche Leute keine empathischen Fähigkeiten oder Menschenkenntnis haben sollen.
Ich schreibe mir eigentlich durch meine etwas zurückgezogene Haltung und auch durch meine Beobachtungs- und Aufmerksamkeitsfähigkeiten eine
recht gute Menschenkenntnis zu. Habe ich über diesen Typ Mensch auch schon in verschiedenen Zusammenhängen gelesen.

Zitat
Aber was du da zu der Selbstbehauptung eines Individualisten gegen die Forderung seiner Umwelt, bitteschön "normal" zu sein, das ist klasse! Die Menschen sollen nicht dauernd fordern, sondern schauen, was und warum so gelaufen ist.



Ja genau darum geht es. Sich nicht zwingen und dränge zu lassen, weil man meint so sein zu müssen,
wie die anderen es wollen. Man ist deshalb nicht krank. Gegen seinen eigenen Typ ankämpfen macht auch nicht glücklich.


Wenn man will und nicht kann, wie es bei einer tatsächlichen solchen Störung sicher ist, oder bei
anderen Menschen, die einfach ohne diese Störung ausgeschlossen und unbeliebt sind führt das sicher
zu Unwohlsein. Diese Typen sind dann einsam und unglücklich, müssen aber dennoch keine psychische
Störung haben. Auch das ist interessant. Die bekommen dan wahrscheinlich einfach Depris.

Die Frage ist theoretisch, empfindet der Introvertierte seine Abgeschiedenheit als Mangel? Ist sie ggf. unfreiwillig?
Oder Empfindet er unnötigerweise den Druck der Gesellschaft als Belastung, weil diese ihm einredet, er müsste anders sein,
obwohl er so ganz gut alleine klar kommt?

Dazu gibt es ein Sprichwort. "Einzelgänger fühlen sich nur in Gesellschaft einsam. Wobei man das auch wieder doppelt verstehen kann.
1. Er ist alleine glücklich und fühlt sich bei vielen Menschen einfach unwohl, weil das nicht seinem Typ entspricht.
2. Oder er ist gezwungen einsam und die Gesellschaft zeigt ihm alles was er will und nicht hat.
(3). Oder ist Punkt 1 schon so weit zurückgezogen das er den Mangel verdrängt?

Wäre schön wenn sich noch mehr beteiligen würden und ggf. persönliche Eindrücke einstreuen.
Finde das wirklich sehr interessant.

Zitat
Der Aufsatz "Sozialverhalten" aus dem "selbstbestimmten Menschen" wäre was für dich! (Ist etwas länger, aber schön in kleine Sätze zergliedert.)



Werde mal reinschauen.

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Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

23.09.2014 10:40
#8 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Zitat
Der Aufsatz "Sozialverhalten" aus dem "selbstbestimmten Menschen"



Ich finde unter Beitrag VI nur die Unterpunkte ...

- Liebe und Wissen
- Glück
- Liebe
- Der Glaube an die Wissenschaft


... und nicht die wie im Inhaltsverzeichnis.

VI.
- Liebe und Wissen
- Glück
- Liebe
- Gefühle
- Vorbilder
- Sozialverhalten
- Anerkennung und Erkenntnis
- Erkenntnis vs. Eigenliebe
- Wahrheit
- Der Glaube an die Wissenschaft


Was meinst du also?

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Vitoria Offline



Beiträge: 59

23.09.2014 11:41
#9 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

@Alinardus:

Zitat von Alinardus im Beitrag #5

Zitat
Gerade zu ihm gehen sie eher nicht, weil sie dort ihr Innerstes offenbaren müssten, was für sie eine wahre Tortur wäre. Deshalb kann man auch getrost die Zahl von 1 Prozent Betroffener vergessen. Es sind mit Sicherheit viel mehr


Allein wie du das schon wieder scheibst. Das es eine "Tortur" wäre. Hat man keine Berechtigung mehr auf
Privatsphäre und geheime Gefühle? Ist jeder der nicht sein Innerstes vor jedem beliebigem Fremden ausschüttet
ein schizoider Spinner. Ich muss nicht verrückt sein um einem Psychiater nicht meine Gefühle offenbaren zu wollen,
nur damit er mir einen Stempel aufdrucken kann.

Sicher, für Leute die wirklich diese Störung haben ist das eine Tortur.
Man darf hier nicht nur schwarz/weiß sehen, das ist das Problem.



Tut mir leid, dass Du mich offenbar nicht leiden kannst und meinst, mir meine Aussagen um die Ohren hauen zu müssen: "Allein, wie du das schon wieder schreibst. Das es eine "Tortur" wäre." Aber kurz darunter kommt dann: "Sicher, für Leute die wirklich diese Störung haben, ist das eine Tortur." Ja, was denn nun? Ich sprach doch von Schizoiden, und das sind ja wohl Leute, die wirklich diese Störung haben - oder hast Du eine andere Definition?

Um die Sache abzukürzen: Ich bin selbst schizoid, und ich habe nicht mit einer, sondern mit meiner Psychotherapeutin darüber gesprochen, wann eine Störung als krankhaft anzusehen ist und wann nicht. Und ich weiß verdammt genau, wie man sich fühlt, wenn man über sich selbst sprechen soll.

@Gysi:

Zitat
Zitat: Wo fängt dann die Störung an?

Da, wo sich der Gestörte scheiße fühlt! Da, wo die Störung ein Leben versagt, das besser gewesen wäre. Aber die Grenzen sind fließend.



Stimmt alles haargenau. Gut gesagt.

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

23.09.2014 12:59
#10 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Zitat
Tut mir leid, dass Du mich offenbar nicht leiden kannst und meinst, mir meine Aussagen um die Ohren hauen zu müssen: "Allein, wie du das schon wieder schreibst. Das es eine "Tortur" wäre." Aber kurz darunter kommt dann: "Sicher, für Leute die wirklich diese Störung haben, ist das eine Tortur." Ja, was denn nun? Ich sprach doch von Schizoiden, und das sind ja wohl Leute, die wirklich diese Störung haben - oder hast Du eine andere Definition?



Syr Vitoria das hast du dann missverstanden. Und unsere letzte etwas härtere Diskussion habe ich schon vergessen gehabt.
Bitte denke nicht das ich nachtragend wäre.

In meinen Zitaten oben meine ich einmal die Tortur im Bezug auf die Menschen die von der Gesellschaft fälschlicher Weise
als krank, also schizoid abgestempelt werden (das Gefühl habe ich bei mir manchmal) und einmal auf die Leute die es tatsächlich sind.
Tut mir leid wenn das in dem Betrag nicht so recht durchgekommen ist.

Zitat
Um die Sache abzukürzen: Ich bin selbst schizoid, und ich habe nicht mit einer, sondern mit meiner Psychotherapeutin darüber gesprochen, wann eine Störung als krankhaft anzusehen ist und wann nicht. Und ich weiß verdammt genau, wie man sich fühlt, wenn man über sich selbst sprechen soll.



Deine Aussage ist dann absolut okay. Wie gesagt ich habe den Begriff sozusagen weitgreifend verwendet.
Das es für dich dann ein Tortur ist über dich selber zu sprechen, kann ich mir denken, obwohl ich es wohl nicht
ganz nachvollziehen kann. Das kann man nur wenn man das selber durchmacht.

Aber mir war es wichtig den Umkehrschluss zu widerlegen. Alle Menschen die schizoid sind
haben Probleme über sich selber zu sprechen, aber nicht alle Menschen, die nicht gerne über sich
selber sprechen sind dadurch automatisch schizoid!

Wenn du es quasi aus erste Hand weißt würde ich dich gerne was fragen.

Ist es eher so das der Mensch sich zurückzieht, oder ausgeschlossen wird und
dann diese "Neurose" entwickelt, oder kommt diese zuerst und er zieht sich dann zurück?
Oder kann beides sein?

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Vitoria Offline



Beiträge: 59

23.09.2014 14:20
#11 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Alinardus: Ok, Schwamm drüber.

Zitat von Alinardus

Das es für dich dann ein Tortur ist über dich selber zu sprechen, kann ich mir denken, obwohl ich es wohl nicht
ganz nachvollziehen kann. Das kann man nur wenn man das selber durchmacht.



Es ist absolut fürchterlich. Übrigens auch für den armen Therapeuten, der nach einiger Zeit nicht mehr recht weiß, wie er den Panzer seines Gegenübers durchbrechen soll. Meine Therapeutin hatte mir mehrmals angeboten, zu jemand anderem zu gehen. Das wäre mir aber noch schrecklicher gewesen, mich gewissermaßen vor einem komplett Fremden zu entblößen. Zu ihr hatte ich wenigstens ein wenig Vertrauen gefasst.

Zitat von Alinardus

Ist es eher so das der Mensch sich zurückzieht, oder ausgeschlossen wird und
dann diese "Neurose" entwickelt, oder kommt diese zuerst und er zieht sich dann zurück?
Oder kann beides sein?



Ich kann nur von mir sprechen, aber ich glaube, diese Entwicklung entspricht mehr oder weniger der üblichen: Es fängt damit an, dass man als Säugling/Kleinkind aufgrund äußerer Umstände kein Urvertrauen aufbauen kann (z.B. mangelnde Zuwendung, mehrfacher Bezugspersonenwechsel). Das lässt sich m.W. auch nicht mehr nachholen. Nachfolgender ständiger Ortswechsel mit ständig wechselnden Sozialpartnern sind auch alles andere als hilfreich, weil man keine Gelegenheit hat, dauerhafte Bindungen aufzubauen. Kommt mangelndes Selbstbewusstsein hinzu (wovon man aufgrund der frühen Bezugspersonenwechsel ausgehen kann, weil der vom Kind als Verstoßenwerden erlebt wird), dann ist jedes enttäuschende Erlebnis eine mittlere bis größere Katastrophe, das Vertrauen in die Mitmenschen nimmt ab und man reagiert mit innerem Rückzug, um weitere Enttäuschungen zu vermeiden. Dieser Zustand war bei mir im Alter von 11/12 Jahren erreicht. Ob ich deswegen ausgeschlossen wurde, vermag ich nicht zu sagen, denn ich legte auf Einschluss ohnehin wenig Wert. Ich galt nicht als krank, sondern nur als etwas verschlossen und ausgemachte Leseratte (ein Buch kann einem schließlich nichts tun, sondern gibt einem hingegen viel). Ich habe aber auch mit anderen die Freizeit verbracht, allerdings nach einem ganz großen Bruch (Auswanderung mit 13 Jahren) mit einer Ausnahme keine Freundschaften mehr geschlossen.

Zur Neurose, also zur Unerträglichkeit, wuchs sich das Ganze erst ziemlich spät im Leben aus. Das alles ist nämlich keine besonders gute Grundlage für ein gedeihliches Zusammenleben mit einem Ehepartner. Manche - vielleicht auch viele? - Schizoide scheinen das, vielleicht instinktiv, zu wissen: Sie heiraten nicht.

Schizoidie gilt übrigens als unheilbar. Aber man kann lernen, ihre Auswirkungen abzumildern durch den bewussten Aufbau von Selbstbewusstsein und Sozialkontakten und durch die Strategie, kleine menschliche Enttäuschungen als genau solche zu verstehen: kleine Enttäuschungen, an denen man u.U. sogar selbst auch nicht ganz unschuldig ist, und nicht etwa Katastrophen. Das führt zu einem viel freierem Umgang mit anderen Menschen, die sich dann auch wohler dabei fühlen, macht einen ausgeglichener und lässt einen im Gegensatz zum früheren Zustand das Leben richtig genießen.

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 16.218

23.09.2014 14:41
#12 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Zitat von Alinardus
- Liebe und Wissen
- Glück
- Liebe
- Der Glaube an die Wissenschaft

... und nicht die wie im Inhaltsverzeichnis.

Hier im RF habe ich doch nur einen Teil vom "selbstbestimmten Menschen" drin! Der komplette Text ist im www.der-selbstbestimmte-mensch.xobor.de.

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Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

23.09.2014 14:46
#13 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Erst mal vielen Dank für deine offenen Worte darüber das finde ich klasse.

Zitat
Kommt mangelndes Selbstbewusstsein hinzu (wovon man aufgrund der frühen Bezugspersonenwechsel ausgehen kann, weil der vom Kind als Verstoßenwerden erlebt wird), dann ist jedes enttäuschende Erlebnis eine mittlere bis größere Katastrophe, das Vertrauen in die Mitmenschen nimmt ab und man reagiert mit innerem Rückzug, um weitere Enttäuschungen zu vermeiden.



Ja das kann man verstehen und ein klein wenig mag ich mich darin wiederfinden. Aber vor allem bei den Enttäuschungen, die man
vermeiden will, frage ich mich oft, merkt man das selber? Redet man sich nur ein "ach ich brauch keinen" weil man Angst hat zurückgewiesen zu werden.

Kann sein, kann nicht sein. Sicher von Fall zu Fall unterschiedlich.

@ Gysi

achso, danke. Schauen nachher mal rein.

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Vitoria Offline



Beiträge: 59

23.09.2014 18:49
#14 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Zitat von Alinardus im Beitrag #13
Erst mal vielen Dank für deine offenen Worte darüber das finde ich klasse.


Danke und gern geschehen. Ging aber nur, weil sich das hier anonym abspielt. ;)

Zitat
Aber vor allem bei den Enttäuschungen, die man vermeiden will, frage ich mich oft, merkt man das selber? Redet man sich nur ein "ach ich brauch keinen" weil man Angst hat zurückgewiesen zu werden.

Kann sein, kann nicht sein. Sicher von Fall zu Fall unterschiedlich.



Sicher. Vieles, wahrscheinlich das meiste, spielt sich ja auch unbewusst ab. Ein Motiv für den Rückzug kann übrigens - das habe ich vergessen zu erwähnen - eine Verlustangst sein, die sich wiederum aus frühkindlichen Trennungserlebnissen speist. An die kann man sich natürlich nicht erinnern, aber sie wirken nach. Oder die Erfahrung ist - in einem späteren Alter - so traumatisch, dass das Gedächtnis sie auslöscht. (Bei mir die Einschulung: Die Bezugspersonen der letzten dreieinhalb Jahre, nämlich die Großeltern, und außerdem das gesamte übrige soziale Umfeld in der damaligen Ostzone durch Umzug in die Westzone weg.) Auch ein solches Erlebnis hat seine Auswirkungen.

Alinardus Offline

Antichrist


Beiträge: 3.787

23.09.2014 21:14
#15 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Zitat
Danke und gern geschehen. Ging aber nur, weil sich das hier anonym abspielt. ;)



Kann ich verstehen, gilt aber für mich genauso.

Zitat
Sicher. Vieles, wahrscheinlich das meiste, spielt sich ja auch unbewusst ab. Ein Motiv für den Rückzug kann übrigens - das habe ich vergessen zu erwähnen - eine Verlustangst sein, die sich wiederum aus frühkindlichen Trennungserlebnissen speist. An die kann man sich natürlich nicht erinnern, aber sie wirken nach. Oder die Erfahrung ist - in einem späteren Alter - so traumatisch, dass das Gedächtnis sie auslöscht. (Bei mir die Einschulung: Die Bezugspersonen der letzten dreieinhalb Jahre, nämlich die Großeltern, und außerdem das gesamte übrige soziale Umfeld in der damaligen Ostzone durch Umzug in die Westzone weg.) Auch ein solches Erlebnis hat seine Auswirkungen.



Es ist in der Tat so. Ich bin kein Determinist. Aber ich bin immer wieder beeindruckt, oft erschrocken, wie starkt Menschen beeinflusst werden,
von Dingen die sich in einer sehr frühen Zeit abspielen, an die wir uns nicht erinnern und die in einem Alter stattfinden, in dem wir als Individuum
noch nicht, aber auch garnicht in der Lage sind das zu steuern oder zu kontrollieren, oder überhaupt zu merken.

Gene, und der Zustand oder das Verhalten unserer Mutter während der Schwangerschaft prägen uns körperlich so,
das man das mit keiner Fittnes oder schlechtem Lebenswandel jemals vollständig wird überwinden können.
Also positiv wie negativ. (Der 90 Jähriger Rauchen und Kinder mit Krebs oder anderen schweren Krankheiten sind Beispiele.
(Das Geburtsgewicht z.B. [Ernährung der Mutter] ist anscheinen entscheident dafür, ob man anfällig für Diabetes ist, lt. neuen Studiden)

Und so auch die Psyche. Was du in der Kindheit erlebst und was man dir mitgibt, positiv wie negativ prägt dich,
ohne das du es weiß oder merkts, geschweigeden beeinflussen kannst.

"Jeder ist seines Glückes Schmied" stimmt wirklich oft nur bedingt, was etwas ernüchternd ist.

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Philosophierender Kommunist Offline




Beiträge: 539

12.06.2015 13:01
#16 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Ich bin Einzelgänger und aus Überzeugung, um mit dem Bösen (und Menschen können wirklich sehr böse sein), das von mir kommt, nicht andere bewusst oder unbewusst zu verletzen und nicht von dem Bösen, was von anderen Menschen kommt, verletzt zu werden. Es ist echt so, wie Schopenhauer es in seiner Parabel "Die Stachelschweine" beschrieben hat. Man muss nur die richtige Entfernung finden. Und das ist eine Kunst. Leider ist der Mensch abhängig von sozialen Kontakten und somit ist er einem ewigen Hin und Her zwischen Bedürfnis nach Nähe und dem ewigen Abgestoßensein von menschlichen Eigenschaften anderer Menschen betroffen. Natürlich verletzt man auch mit seinen eigenen Stacheln andere Menschen, aber diese eigenen Stacheln will keiner wahrnehmen und sieht man nicht gerne, ist ja auch nur allzu menschlich. Schuld sind immer die anderen. Auch so zu denken ist nur all zu menschlich. Wobei das Kriterium, wann man sich verletzt fühlt, und wann nicht, bei jedem Menschen unterschiedlich ist. Es gibt Menschen, die wirklich extrem empfindlich sind. UNd ich denke, dass sie es wirklich sind und mit denen man sehr behutsam umgehen muss.
Für alle, die die Parabel nicht kennen: http://gutenberg.spiegel.de/buch/arthur-...parabeln-4997/1
Der Mensch hält sein Alleinsein nicht aus, was ihn dazu zwingt (!), soziale Nähe und Kontakte zu suchen, die er aber widerum auch nicht aushält, auf Grund all der abstoßenden Eigenschaften anderer Menschen. Und somit ist er einem ewigen Hin und Her unterworfen, bis er die richtige Entfernung, wo es am erträglichsten ist. Ich benutze bewusst das Wort "erträglich" und nicht angenehm. Oder eben Selbstmord begeht. =P Um aus diesem Dilemma einen Ausweg zu finden.
Ich persönlich wäre jedoch beleidigt, wenn mich jemand als geisteskrank abstempelt. Nur weil ich gerne alleine bin, um diesem Dilemma zu entkommen.
Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.
Einfach nur eine geniale Parabel.

Jagmurder Offline



Beiträge: 4

12.01.2018 12:56
#17 RE: Einzelgänger = geisteskrank ? antworten

Das ist wirklich sehr viel Stoff der einen zum Nachdenken bringt! :) Gefällt mir wirklich gut!
Ich kann sagen, das ich der gleichen Meinung wie Alinardus bin. Du beschreibst meine Gedanken ziemlich passend zu den Verwandten oder den Menschen im Umfeld (Arbeit, Freizeit, Verein, usw.)

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

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