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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  


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Dieses Thema hat 347 Antworten
und wurde 11.901 mal aufgerufen
 Atheismus/Agnostizismus
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Reklov Offline




Beiträge: 5.083

26.02.2016 11:59
#51 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Im Koran, wie in der Bibel, stehen üble Dinge, werden den Nichtgläubigen ewige Höllenstrafen angedroht und ein eifersüchtiger, egomanischer Gott wacht über allem. Wer so etwas glaubt, kann einfach nicht NUR friedlich, zahm und freundlich sein. Meine Erfahrungen mit Religiösen lauten, dass diese die Maske schnell fallen lassen, stellt man ihren Glauben in Frage. Dann kommt ziemlich bald die Aussage: »Du wirst deine Strafe bekommen.«

Jürgen,

... also ich weiß ja nicht, mit welchen Religiösen Du Deine Erfahrungen gesammelt hast, aber eines scheint schon mal sicher: Sie haben die Botschaft der Bibel, besonders des Neuen Testaments, weder historisch, noch psychologisch oder philosophisch richtig einordnen können.
Der "strafende Gott" ist ein Relikt aus dem antiken Judentum (Altes Testament!), welches ja wiederum zuvor in die grausamen heidnischen Opferkulte über Jahrhunderte eingebunden gewesen waren.

Im Neuen Testament wird durch Jesus ein neues Gottesverständnis vorgestellt. Damit handelte sich der Mann aus Nazareth aber auch den tödlichen Hass der damaligen jüd. Priester-Clique ein, denn diese setzte auf Unterdrückung und Gängelung durch die Gesetze der Thora - bis hinein ins kleinste Detail eines jeden Privatlebens.

Ein "strafender Gott" sollte für moderne Christen kein Thema sein, denn bereits das Gleichnis vom "verlorenen Schaf" (NT) deutet an, dass keiner auf Dauer verloren ist und keiner tiefer fallen kann, als in Gottes Hand.
Entsprechende Konsequenzen, als Lebenslektionen für bestimmte Vergehen, holen uns aber meistens schon zu Lebzeiten ein und das nicht nur durch den langen Arm der Strafvollzugsbehörden.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.451

26.02.2016 12:07
#52  Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Reklov
Epikurs Brief zeugt aber von heidnischem Denken, denn in der Vorstellungswelt der antiken Griechen landeten die Toten, nachdem sie vom Fährmann Charon über den Fluss Styx gerudert worden waren, auf ewig in der sog. Schattenwelt des Hades! In den Olymp der Götter kamen nur besondere Menschen oder Halbgötter. Somit war der Tod für Epikur natürlich ein "schauerliches Übel".-

Die Griechen dachten nicht alle gleich. Platon und Aristoteles sind grundverschieden. Demokrit war Materialist. Und Epikur Hedonist.

Zitat
Ein "strafender Gott" sollte für moderne Christen kein Thema sein,

Gläubige, die von der Bibel original ausgehen, müssen aber von einem strafenden Gott ausgehen "Feuerofen", Feuersee", "Heulen und Zähneklappern"). Und einem strafenden Jesus, der "gekommen ist, um das Schwert zu bringen".

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 5.083

26.02.2016 12:27
#53 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Was ist Religion? Ein Weltbild, das keinen Widerspruch duldet - in verschiedener Schärfe - je nach Bekenntnisgruppe. Kennst du einen Atheismus, der keinen Widerspruch duldet? Ich nicht!

Gysi,

... die atheistische Duldung von Andersdenkenden kannst Du doch allein schon in Deinem Forum täglich erfahren!

Widersprüche mussten alle Religionen, besonders nach der "Aufklärung", auf sich nehmen. - Das hängt damit zusammen, dass jedes Dogma den Kreis des Ur-Grundes mit seinen Gedanken nicht einmal berühren kann. Der Verdienst der Religionen ist und bleibt aber, dass sie das "Göttliche" immerhin thematisieren. In unzureichende Menschensprache gekleidet, kann jedes Dogma sprachphilosophisch natürlich leicht zum Wackeln gebracht werden.
Das ist aber gar nicht negativ zu sehen, denn so bleibt das große Thema unter den Menschen sprachlich (nicht nur in diesem Forum) lebendig und erinnert uns daran, dass bereits das Alte Testament dem Begriff LOGOS einen außerodentlich weiten Bedeutungsspielraum gab, indem es die einzelnen Schöpfungsakte allein durch das Wort "Es werde..." (nach der Art eines Magiers) in Gang kommen ließ.
Dies ist jedoch höchst modern, denn auch heute noch wird jeder kreative Akt zunächst durch Gedanken, welche sich über innere Wortbilder im Menschen äußern, angestoßen.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.451

26.02.2016 12:40
#54  Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Reklov
dass jedes Dogma den Kreis des Ur-Grundes mit seinen Gedanken nicht einmal berühren kann.

Ach, ich schon. Finde ich.

Zitat
Der Verdienst der Religionen ist und bleibt aber, dass sie das "Göttliche" immerhin thematisieren.

Das Göttliche ich aber nicht zwingend die Realität! Der "Urgrund" muss nicht "Gott" sein.

Zitat
dass bereits das Alte Testament dem Begriff LOGOS einen außerodentlich weiten Bedeutungsspielraum gab,

Ja, das hatten die von den Alten Griechen.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

Reklov Offline




Beiträge: 5.083

26.02.2016 12:58
#55 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Die Griechen dachten nicht alle gleich. Platon und Aristoteles sind grundverschieden. Demokrit war Materialist. Und Epikur Hedonist.

Gysi,

... die Denkweise dieser 4 ist mir bekannt. Sie steht aber wohl nicht für die damalige mehrheitliche religiöse Vorstellung der Griechen?

Zitat
Gläubige, die von der Bibel original ausgehen, müssen aber von einem strafenden Gott ausgehen "Feuerofen", Feuersee", "Heulen und Zähneklappern"). Und einem strafenden Jesus, der "gekommen ist, um das Schwert zu bringen".

Jesus kann nur interpretiert werden, da er uns ja keine einzige Zeile hinterlassen hat. Von den Evangelisten wird er auch als jemand beschrieben, der gekommen ist, um die Familien zu entzweien. Damit soll aber lediglich angedeutet werden, dass, wer sich zu Jesus bekennt, sich als "neuer Judenchrist" nun nicht mehr dem strengen Diktat der jüd. Religionstradition unterwerfen darf. Dass dieses aber schon damals gesellschaftliche Ächtung und Ausschluss aus der jüd. Gemeinde bedeutete, braucht keinem groß erklärt zu werden, der sich in der Geschichte dieses Volkes etwas auskennt.

Zitat
Gläubige, die von der Bibel original ausgehen, müssen aber von einem strafenden Gott ausgehen "Feuerofen", Feuersee", "Heulen und Zähneklappern"). Und einem strafenden Jesus, der "gekommen ist, um das Schwert zu bringen".

Die Wildheit der antiken Völker konnte wahrscheinlich nur über grobe Drohbilder seitens der Priesterkasten im Zaum gehalten werden? - Die Bibel muss mit entprechenden Vorkenntnissen gelesen und entsprechend verstanden oder gedeutet werden - eben anders als ein Unterhaltungsroman! Aber - auch hier ist es, wie beim Lesen von Belletristik, denn manche Romane werden nur mit bestimmter Vorbildung verstanden, können also sonst beim Leser keinerlei Genuss aufkommen lassen.

Der "Feuerofen" ist ein reales Schreckensgebilde, welches die Juden nicht nur während ihrer babylon. Gafangenschaften kennen gelernt haben, denn im damals weit verbreiteten Baal-Kult warf man über lange Zeit lebende Menschenopfer in den zu einem feurigen Götterrachen geformten Feuerofen. Ein Historiker schrieb, dass die damaligen heidnischen Baal-Tempel eine grausig blutige Stätte des religiösen Priester-Wahnsinns gewesen sein müssen.

Gruß von Reklov

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

26.02.2016 14:46
#56 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Bei allem Verständnis für das Anliegen der Atheisten, ihr Weltbild als besonders menschlich darzustellen,
muss doch gesagt werden, dass die schlimmsten Strafen der Bibel für Abweichler ins Jenseits verlagert wurden, in eine Gegend also,
wo der Mensch ja eh schon tot ist.
Diese Möglichkeit hatte der glühende Atheist Lenin natürlich nicht und so musste er die Strafen für Abweichler
im Diesseits vornehmen, an lebenden Menschen.
Er bestimmte, dass sie entweder Abzeichen an ihrer Kleidung tragen mussten, die sie als Gegner des Sozialismus kennzeichnete,
oder dass man sie in Lager sperren müsse, die später als Gulag bezeichnet wurden, oder dass sie einfach erschossen wurden.

(Nachzulesen in der Broschüre "Die große Initiative von W.I. Lenin)

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

26.02.2016 14:52
#57 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Für das Seelenheil im Jenseits hat die Kirche aber im Diesseits gefoltert und gemordet was das Zeug hielt!
Und nachweisbar ist, dass besonders religiöse Menschen vehement für die Todesstrafe eintreten.
Warum eigentlich?

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Wenn du es nicht wagst, den Sinnen zu trauen, stürzen die Pfeiler des Lebens ein.
De nihilo nihil. Aus Nichts wird nichts.
Zu soviel Unheil hat schon die Religion die Menschen verleitet.
(Lukrez)

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

26.02.2016 15:02
#58 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Lukrez im Beitrag #57
Für das Seelenheil im Jenseits hat die Kirche aber im Diesseits gefoltert und gemordet was das Zeug hielt!
Und nachweisbar ist, dass besonders religiöse Menschen vehement für die Todesstrafe eintreten.
Warum eigentlich?
Zitat von Lukrez im Beitrag #57
Für das Seelenheil im Jenseits hat die Kirche aber im Diesseits gefoltert und gemordet was das Zeug hielt!
Und nachweisbar ist, dass besonders religiöse Menschen vehement für die Todesstrafe eintreten.
Warum eigentlich?


Natürlich Lukrez, wie es scheint, gehört alle Abartigkeit zum Menschsein dazu, ganz gleich welchem Weltbild man huldigt.

Reklov Offline




Beiträge: 5.083

26.02.2016 16:29
#59 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Ach, ich schon. Finde ich.

Gysi,

dann beschreibe doch mal bitte, mit was oder wie denn dieser unbekannte Kreis des Ur-Grundes, von dem uns ja nicht nur ein immenser Zeitraum trennt, berührt werden sollte?! Darauf bin ich nun gespannt!

Zitat
Das Göttliche ich aber nicht zwingend die Realität! Der "Urgrund" muss nicht "Gott" sein.

Dass "Gott" lediglich eine Wortformel für das Unbekannte ist, habe ich hier ja schon mehrmals betont - ungeachtet, was sich die einzelnen Religionen so darunter "ausmalen", wie z.B. den Gott an der Decke der Sixtinischen Kapelle, den damals Michelangelo (im Auftrag der Kirche!) so naiv als Fresco eines "älteren Herren im Nachthemd" dort gemalt hatte.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.451

26.02.2016 16:38
#60  Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Reklov
Gysi, dann beschreibe doch mal bitte, mit was oder wie denn dieser unbekannte Kreis des Ur-Grundes, von dem uns ja nicht nur ein immenser Zeitraum trennt, berührt werden sollte?! Darauf bin ich nun gespannt!

Das dachte ich mir, dass die Nachfrage kommt... Du hast doch mein Kapitel: Die Ewigkeit gibt es ohne Gott! gelesen. Das mit der nullten Dimension, dem zeit- und raumlosen Zustand. Dass der keine Ursachen mehr haben muss. Die Erklärung des "Urgrundes". Er ist nicht Gott! Und die nüchterne Ableitung erkennst du deshalb nicht an...

Zitat
Dass "Gott" lediglich eine Wortformel für das Unbekannte ist, habe ich hier ja schon mehrmals betont -

Und ich habe mehrmals betont, dass "das Unbekannte" das Unbekannte ist - und NICHT GOTT!

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Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

26.02.2016 16:43
#61 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
dann beschreibe doch mal bitte, mit was oder wie denn dieser unbekannte Kreis des Ur-Grundes, von dem uns ja nicht nur ein immenser Zeitraum trennt, berührt werden sollte?! Darauf bin ich nun gespannt!


Der Urgrund ist in allem und somit auch nicht zeitlich von uns getrennt.
Urgrund und Urknall haben vollkommen verschiedene Bedeutung.
Gott kann nicht der Urgrund sein, da auch Gott nur ein weiterer Bestandteil des Urgrundes sein könnte.
Den Urgrund selbst als Gott zu definieren würde uns wieder hin zum unhaltbaren Pantheismus führen.

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(Lukrez)

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

26.02.2016 17:07
#62 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Lukrez im Beitrag #61

Zitat
dann beschreibe doch mal bitte, mit was oder wie denn dieser unbekannte Kreis des Ur-Grundes, von dem uns ja nicht nur ein immenser Zeitraum trennt, berührt werden sollte?! Darauf bin ich nun gespannt!

Der Urgrund ist in allem und somit auch nicht zeitlich von uns getrennt.
Urgrund und Urknall haben vollkommen verschiedene Bedeutung.
Gott kann nicht der Urgrund sein, da auch Gott nur ein weiterer Bestandteil des Urgrundes sein könnte.
Den Urgrund selbst als Gott zu definieren würde uns wieder hin zum unhaltbaren Pantheismus führen.



Der Urgrund, bei Plotin einfach das EINE, bei Meister Eckhart die Gottheit hinter dem Gott.
Wir können unsere konventionelle Vorstellung vom Gewahrsein auf das EINE nicht anwenden, denn unser relatives
Gewahrsein funktioniert als Bewusstsein von Etwas. Das Eine hat keinerlei Attribute, es ist einfach urinnerstes Gewahrsein.
Das Eine ist zu einfach, zu endgültig und zu elementar um einen Zustand der Existenz auszudrücken oder eine Eigenschaft auszudrücken
obwohl alle Eigenschaften vom EINEN ausgehen.
Plotin schreibt... eben durch das EINE sind alle Wesen Wesen.
Das EINE ist nicht Gott, da Gott bereits eine Fragmentierung ist, so Plotin.

Lukrez Offline




Beiträge: 5.551

26.02.2016 17:11
#63 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Das EINE ist nicht Gott, da Gott bereits eine Fragmentierung ist, so Plotin.


Genau das wollte ich auch ausdrücken.
Gott kann niemals der Urgrund sein.

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(Lukrez)

Reklov Offline




Beiträge: 5.083

26.02.2016 17:16
#64 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Gott kann nicht der Urgrund sein, da auch Gott nur ein weiterer Bestandteil des Urgrundes sein könnte.
Den Urgrund selbst als Gott zu definieren würde uns wieder hin zum unhaltbaren Pantheismus führen.

Lukrez,

... ich nehme an, Du meinst den physikalisch/chem. Ur-Grund. (?) Wenn Du aber die Wortformel "Gott" verwendest, so ist Dir ja auch bekannt, dass diese als "unbedingt" gedacht wird.
Mit Pantheismus hat dies herzlich wenig zu tun, denn dieser sah/sieht in allen Naturerscheinungen das "Göttliche".

Dieses kleine Gedicht trägt das Thema sprachlich recht gut vor:

>> Die erste Ursache von allem ist weder Sein noch Leben;
denn sie ist es ja gewesen, die Sein und Leben erst erschaffen.

Die erste Ursache ist auch nicht Begriff oder Vernunft;
denn sie ist es ja gewesen, die Begriffe und Vernunft erst erschaffen.

Die erste Ursache ist auch nicht an einem bestimmten Ort zu finden,
weder an einem Ort im Raum, noch an einem Ort in Gedanken;
denn jeder Ort ist ja nur ein Geschöpf.

Nichts in dieser Welt ist die erste Ursache;
denn alles in dieser Welt ist ja von ihr erschaffen.
Und dennoch ist sie keineswegs ohne Macht:
Denn sie hat doch alles erschaffen, alles ins Sein gerufen, was ist.
Und Schöpfung, Ruf ins Sein, braucht eine Macht,
damit auch wirklich etwas entsteht.

Und dennoch ist die erste Ursache auch keine Macht,
denn sie ist es ja gewesen, die die Macht erst erschaffen hat. <<

Gruß von Reklov

Reisender Offline



Beiträge: 4.058

26.02.2016 17:49
#65 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Für Plotin ist die weltliche Existenz unser gedachter Ort, weil wir im Grunde genommen genau so wenig in Raum und Zeit
situiert sind wie das EINE.
Wir sind essentiell nichts anderes als das EINE, das sich in die Erfahrung ergießt.
Plotin lehrt, dass das EINE von selbst und ewig als verschiedene Seinsebenen überquillt, ein metaphysischer Prozess,
dabei ist das physische Universum die am meisten eingeschränkte Emanation.

Reklov Offline




Beiträge: 5.083

27.02.2016 00:49
#66 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Und ich habe mehrmals betont, dass "das Unbekannte" das Unbekannte ist - und NICHT GOTT!

Gysi,

... im Grunde das Gleiche, aber ich denke, Du bekommst die von den Religionen angebotenen "Götterbilder" nicht so recht aus Deinem Denken heraus.
Als Paulus seinerzeit nach Athen kam, sah er viele Säulen auf dem Marktplatz, auf denen Götter dargestellt waren. Auf einer Säule aber stand keine Figur, jedoch hatte man auf die Säule "DEM UNBEKANNTEN GOTT" eingemeiselt. Die Athener belehrten Paulus, dass man dies getan habe, damit die noch unbekannten Götter nicht verärgert werden. Paulus ergriff die Gelegenheit und erzählte den Athenern von diesem unbekannten Gott der neuen Judenchristen.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.451

27.02.2016 09:21
#67 Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Reklov
... im Grunde das Gleiche, aber ich denke, Du bekommst die von den Religionen angebotenen "Götterbilder" nicht so recht aus Deinem Denken heraus.

Ich kenne nichts anderes. Und "Gott" als die logische Ableitung der Deisten. Also "areligiös". Und deine Gleichsetzung mit dem "Unbekannten". Die ist jedoch UNLOGISCH! =>

Die "unbekannten Schriftsteller" sind unbekannt, aber Schriftsteller.
Die "unbekannten Frauen" sind unbekannt, aber Frauen - das weiß man schon mal.
Der "unbekannte Gott" ist unbekannt. Aber er hat die Eigenschaft eines Gottes! Und von diesem Unbekannten, das die Eigenschaft eines Gottes hat, weißt du eben ebenso wie wir anderen nichts! Von dem unbekanntem "Urgrund" wissen wir, dass es der unbekannte Urgrund ist. Gott ist nicht = der Urgrund = das Unbekannte! Das ist nicht zwingend! Und die Gottesdefinition haben wir aus den Religionen, woher denn sonst?

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Direktkontakt Offline



Beiträge: 842

27.02.2016 09:29
#68 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Reklov im Beitrag #66

Zitat
Und ich habe mehrmals betont, dass "das Unbekannte" das Unbekannte ist - und NICHT GOTT!
Gysi,

... im Grunde das Gleiche, aber ich denke, Du bekommst die von den Religionen angebotenen "Götterbilder" nicht so recht aus Deinem Denken heraus.
Als Paulus seinerzeit nach Athen kam, sah er viele Säulen auf dem Marktplatz, auf denen Götter dargestellt waren. Auf einer Säule aber stand keine Figur, jedoch hatte man auf die Säule "DEM UNBEKANNTEN GOTT" eingemeiselt. Die Athener belehrten Paulus, dass man dies getan habe, damit die noch unbekannten Götter nicht verärgert werden. Paulus ergriff die Gelegenheit und erzählte den Athenern von diesem unbekannten Gott der neuen Judenchristen.

Gruß von Reklov



...und nachdem die Athener eine Säule mit dem Kruzifix aufstellt hatten, kam ein anderer Typ, der aus dem gleichen Holz wie Paulus geschnitzt war, und erzählte etwas von einem "garantiert realen" oder "tatsächlich existierenden" Gott der Pygmäen aus der Kalahari.

Reklov Offline




Beiträge: 5.083

27.02.2016 10:36
#69 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Der "unbekannte Gott" ist unbekannt. Aber er hat die Eigenschaft eines Gottes! Und von diesem Unbekannten, das die Eigenschaft eines Gottes hat, weißt du eben ebenso wie wir anderen nichts! Von dem unbekanntem "Urgrund" wissen wir, dass es der unbekannte Urgrund ist. Gott ist nicht = der Urgrund = das Unbekannte! Das ist nicht zwingend! Und die Gottesdefinition haben wir aus den Religionen, woher denn sonst?

Gysi,

... von welchen Eigenschaften eines unbekannten Gottes willst Du hier reden? Etwa von den Vorstellungen abrahamitischer Religionen? - Das Wort "Ur-Grund" deutet selbstverständlich auch auf die unbedingte letzte Ursache hin, welche keine andere mehr hinter sich weiß! - Dies sollte aber schon so aufgenommen werden können, sonst ergibt sich eine sprachliche Haarspalterei, die zu nichts führt. Man sollte sich bei einem Gespräch über den Begriff "Gott" zumindest darauf einigen können, dass wir hier über ein Wesen sprechen, hinter dem nichts Größeres mehr gedacht werden kann!

Dass wir davon alle nichts wissen, außer, dass wir einige seiner unzähligen Aspekte, z.B. Materie, Raum und Zeit, erfahren dürfen, ist richtig.
Die Gottesdefinitionen der Religionen sind nun mal sehr dürftig. Wie sollte dies aber auch anders sein, betrachtet man ihre Entstehungsgeschichte verbunden mit dem damaligen Erkenntnisstand.
Heute können die "Leerstellen", welche sich noch reichlich innerhalb dieses Themenblocks finden lassen, lediglich als Aufgabe oder Ansporn betrachtet werden, das Rätsel des Seins und Daseins weiter zu bearbeiten - natürlich auch mit wissenschaftlichen Methoden und den daraus resultierenden Einsichten.

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 5.083

27.02.2016 10:51
#70 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
...und nachdem die Athener eine Säule mit dem Kruzifix aufstellt hatten, kam ein anderer Typ, der aus dem gleichen Holz wie Paulus geschnitzt war, und erzählte etwas von einem "garantiert realen" oder "tatsächlich existierenden" Gott der Pygmäen aus der Kalahari.

Direktkontakt,

... jede Epoche illustriert sich andere Gottesbilder. Die Pygmäen zeichneten sich das Bild, welches ihnen möglich war. - Der Islam verbietet z.B. jede bildliche Gottesdarstellung, ist also, zumindest in diesem Punkt, die "modernste" Religion.-

Was für ein Bild wohnt in Dir? Eine Stellungnahme zu Deinem Dasein müsste ja eigentlich auch in Dir wohnen? Siehst Du Deinen Körper als ein rein chem./biologisches Atom-Gebilde an und Deinen Geist, der ja in Dir wohnt, als etwas, dass nur wegen Deinem Gehirn existiert? Siehst Du Dich als Produkt von vielen "Zufälligkeiten", welche aus dem bewusstlosen
"Tanz der Atome" entstanden ist?

Gruß von Reklov

Reklov Offline




Beiträge: 5.083

27.02.2016 11:12
#71 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Für das Seelenheil im Jenseits hat die Kirche aber im Diesseits gefoltert und gemordet was das Zeug hielt!
Und nachweisbar ist, dass besonders religiöse Menschen vehement für die Todesstrafe eintreten.
Warum eigentlich?

Lukrez,

... die Kriminalgeschichte der Kirche ist mir bestens bekannt. - Die Kirche sah sich stets als Kämpfer für "ihre Sache" und setzte dabei auch die Gewaltmittel ein, welche sie von den weltlichen Machthabern abgeschaut hatte. Man könnte nun zynisch bemerken, dass ihr der Erfolg recht gibt, wären damit nicht unzählige menschenverachtende Gräueltaten verbunden.
Ob besonders religiöse Menschen für die Todesstrafe eintreten, vermag ich nicht zu beurteilen. Wäre dem so, könnte es damit zusammenhängen, dass man jenseits des Todes an eine andere, neue Bewusstseinszone glaubt und meint, dass der Schwerverbrecher dort besser aufgehoben sei, zumindest die hiesige Gesellschaft an ihm die alttestamentarische Vergeltung ausüben sollte: >Auge um Auge...<
Mir persönlich wird jedoch ein viel zu großes mediales Augenmerk auf den/die Täter gelegt, der leidende Opferkreis wird weniger beachtet, wenn nicht ausgeklammert, denn unsere Gesellschaft scheint vom Bösen fasziniert!? - Dies spiegelt sich auch in den unzähligen realen blutigen Gewaltorgien, in Dokumentationen, in Spielfilmen und in der Literatur wider.

Gruß von Reklov

Gysi Offline

Atheist


Beiträge: 17.451

27.02.2016 13:54
#72 Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Reklov
Man sollte sich bei einem Gespräch über den Begriff "Gott" zumindest darauf einigen können, dass wir hier über ein Wesen sprechen, hinter dem nichts Größeres mehr gedacht werden kann!

Ich spreche von einem zeit- und raumlosen Zustand, der aus unserer von uns wahrnehmbaren Existenz logisch abgeleitet werden kann.

Deine Gleichung: das Unbekannte = Gott ist nicht logisch!
Deine Gleichung: der Urgrund = Gott ebenso nicht!
Was du da vorzunehmen gedenkst, ist semantische Willkür!
Was ich mit "zeit- und raumlosen Zustand" definiere, ist für dich = Gott, = ein "Wesen".
Du wirfst mir ein Festhalten an eine abrahamitische Gottesvorstellung vor.
Aber es bist du, der nicht davon lassen kann, eben diesen Gott nicht in das Reich der menschlichen Irrtümer zu entlassen! Auch für dich ist "Gott" nicht nur eine Worthülse, die man mit Urgrund oder dem Unbekannten füllen kann, nein es ist exakt dieser "abrahamitische Gott", den du meinst! An den glaubst du. Darum kannst du den Begriff "Gott" auch nicht aufgeben. Das lässt deine Ehrfurcht, deine Angst vor diesem "Gott" nicht zu.

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"Ich bin vom Glauben zum Wissen konvertiert!" (Hamed Abdel-Samad)

SOL demiurg Offline




Beiträge: 734

27.02.2016 15:30
#73 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von Gysi im Beitrag #72
Ich spreche von einem zeit- und raumlosen Zustand, der aus unserer von uns wahrnehmbaren Existenz logisch abgeleitet werden kann.

Logik WIKI: (von altgriechisch λογικὴ τέχνη logiké téchnē ‚denkende Kunst‘, ‚Vorgehensweise‘) versteht man die Lehre des vernünftigen Schlussfolgerns. In der Logik wird die Struktur von Argumenten im Hinblick auf ihre Gültigkeit untersucht, unabhängig vom Inhalt der Aussagen.

Gott, den Urgrund, die Logik zu verstehen, das Dahinter überhaupt (be)greifen zu können, bedarf es hierzu etwas, was all das "einschließt"! Man kann nicht behaupten das Gott "nur" zeit- und raumlose Logik ist und dahinter nichts mehr existiert. Wenn jemand meint, das die abrahamitische Gottesvorstellung in Büchern festgehalten werden kann, gelehrt werden kann, dann gehört auch genau das aufgeschriebene Gelehrte und Gelesene zu "Gott"! Anders ausgedrückt "ist" das alles Gott, ist alles "URGRUND"...ein Licht, eine Reaktion, eine Logik "am Anfang", aus dem "ALLES" entstand!
Warum eine "Benennungsform" in den V(F)ordergrund stellen, wenn es doch keine Vorne gibt, keine allgemeingültige Aussage über "den Anfang"?

Zitat von Gysi im Beitrag #72

Du wirfst mir ein Festhalten an eine abrahamitische Gottesvorstellung vor.
Aber es bist du, der nicht davon lassen kann, eben diesen Gott nicht in das Reich der menschlichen Irrtümer zu entlassen!

Dreht doch mal um...Gysi, du hälst ebenso "fest" an deinen Glauben, wie Reklov an den Urgrund. Wo ist der Unterschied? Wer "weiß" mehr? Wer hat Recht, oder wem sollte Recht über dieses Wissen zugesprochen werden?

Perquestavolta Offline



Beiträge: 4.374

27.02.2016 18:00
#74 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat von SOL demiurg im Beitrag #73
Zitat von Gysi im Beitrag #72
Ich spreche von einem zeit- und raumlosen Zustand, der aus unserer von uns wahrnehmbaren Existenz logisch abgeleitet werden kann.

Logik WIKI: (von altgriechisch λογικὴ τέχνη logiké téchnē ‚denkende Kunst‘, ‚Vorgehensweise‘) versteht man die Lehre des vernünftigen Schlussfolgerns. In der Logik wird die Struktur von Argumenten im Hinblick auf ihre Gültigkeit untersucht, unabhängig vom Inhalt der Aussagen.
Das nennt man nicht Logik, sondern Sophismus. Wurde schon im Altertum, als Irrweg der Logik und manipulative Rechthaberei entlarvt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sophismus_%28Rhetorik%29

Wer glaubt der muss auch zweifeln können.
Wer im Glauben nicht zweifelt, ist entweder ein Kind oder ein Idiot.






Reklov Offline




Beiträge: 5.083

28.02.2016 11:12
#75 RE: Ein Plädoyer für den Atheismus Antworten

Zitat
Deine Gleichung: das Unbekannte = Gott ist nicht logisch!

Gysi,

... welche der von mir hier schon mehrmals aufgeführten Logik-Zweige meinst Du denn hierbei?

Zitat
Deine Gleichung: der Urgrund = Gott ebenso nicht!

Siehe auf meinen ersten Satz!

Zitat
Was du da vorzunehmen gedenkst, ist semantische Willkür!

Dies ist keinesfalls verwerflich, denn uns steht als Denkwerkzeug lediglich unsere Sprache zur Verfügung. Dass dieses unzureichende Mittel dem "großen Thema" jedoch nie gerecht werden kann, ist Dir ja wohl auch schon aufgefallen, denn davon "lebt" ja schließlich Dein Forum!

Zitat
Was ich mit "zeit- und raumlosen Zustand" definiere, ist für dich = Gott, = ein "Wesen".

Zeit und Raum werden als Aspekte des "Göttlichen" betrachtet. Du darfst Dir aber gerne eigene "Vorstellungen" in den Vordergrund stellen. Wo also ist das Problem?

Zitat
Aber es bist du, der nicht davon lassen kann, eben diesen Gott nicht in das Reich der menschlichen Irrtümer zu entlassen! Auch für dich ist "Gott" nicht nur eine Worthülse, die man mit Urgrund oder dem Unbekannten füllen kann, nein es ist exakt dieser "abrahamitische Gott", den du meinst! An den glaubst du. Darum kannst du den Begriff "Gott" auch nicht aufgeben. Das lässt deine Ehrfurcht, deine Angst vor diesem "Gott" nicht zu.

Ich schreibe ja nun schon eine Weile meine Beiträge und habe stets betont, dass ich schon früh aus der Kirche ausgetreten bin, weil ich die abrahamitischen Gottesvorstellungen (AT) als menschliche Denkart der Antike betrachte - mehr nicht. Dein diesbezüglicher Satz ist also nicht nur unnötig, sondern in dem Zusammenhang, auch unsinnig! (Was soll das?)
Übrigens: Wer sich mit Gott anfreundet, (Dir konnte das im Leben aus mir unbekannten Gründen offensichtlich nicht gelingen!?) hat weder Ehrfurcht, noch Angst, sondern gewinnt einen Helfer, dem man seine Wege anvertrauen kann und darf. - Ich merke aber deutlich, dass (nicht nur Dir!) solch eine positive spirituelle Lebenserfahrung gänzlich fehlt. - Erfahrung ist aber nun mal durch nichts zu ersetzen!

Gruß von Reklov

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"Ich bin völlig anderer Meinung als Sie. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass Sie sie sagen dürfen!" (Voltaire)

"Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" (Immanuel Kant)

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=> "Die Ewigkeit gibt es ohne Gott!"

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