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Religionsforum
Atheismus vs. Religionen  

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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 298 mal aufgerufen
 Christentum
Wolfmann ( gelöscht )
Beiträge:

21.03.2016 09:06
Christentum und Flüchtlinge antworten

Trotz vieler euphorischer Willkommensweisen letztes Jahr und auch einer Vielzahl lokaler Unterstützungen seitens der Christen aus ihren Gemeinden heraus, aber das Gesamtbild für Deutschland und noch mehr für das christliche Europa insgesamt ist ein anderes. Die momentante Politik einer Ablehnung und Abschottung von Flüchtlingen sowie eines schmutzigen Deals mit der Türkei (unter dem Grundtenor von "lassen wir die Türken sich die Hände schmutzig machen, dafür schauen wir weg und bezahlen")resultiert aus einer Ablehung der eigenen sog. christlichen Werte (im Islam sieht es übrigens nicht viel anders aus, wenn man sich vor Augen führt das die reichen Golfstaaten fast überhaupt keine "Glaubensbrüder" aufnehmen).
Ist Religion nur eine Dienstleistung mit Vorbehalt (die "Kosten" müssen im Rahmen bleiben), ostentativer Selbstdarstellung (der "gläubige" Mensch der sich Gottes Gunst erwirbt) und einem Vesricherungscharakter ("ewige Leben") für das "ich" (Kirchen)Steuern bezahle), sog. "Gottesdienste" besuche (hier wird der Dienstleistungsbegriff schon implizit) und schöne Lieder singe?
Man übersehe meinen Sarkasmus an dieser Stelle.

Reklov Offline




Beiträge: 3.338

21.03.2016 11:08
#2 RE: Christentum und Flüchtlinge antworten

Zitat
Ist Religion nur eine Dienstleistung mit Vorbehalt (die "Kosten" müssen im Rahmen bleiben), ostentativer Selbstdarstellung (der "gläubige" Mensch der sich Gottes Gunst erwirbt) und einem Vesricherungscharakter ("ewige Leben") für das "ich" (Kirchen)Steuern bezahle), sog. "Gottesdienste" besuche (hier wird der Dienstleistungsbegriff schon implizit) und schöne Lieder singe?

Wolfmann,

... wer, wie ich, schon früh aus der Kirche austrat, kümmern diese Dinge recht wenig. Kirchensteuer habe ich auf diese Art sicher auch gespart. Dies war jedoch nicht der Hauptgrund, sondern der gedankliche Ansatz des christl. Dogmas bei seiner Annäherung an das schwierige "Gottesthema". - Die vielschichtigen Fragen, welche hierzu auftauchen, wurden bis heute nicht "sauber" geklärt! (Ist wohl aber auch zu viel verlangt?)

Gruß von Reklov

Wolfmann ( gelöscht )
Beiträge:

21.03.2016 13:40
#3 RE: Christentum und Flüchtlinge antworten

Zitat
das schwierige "Gottesthema"



Die Frage nach "Gott" als Transpersonalitätsmoment dürfte auch immer eine Frage an "mich" selbst sein (vielleicht wegen des "Geworfenseins in dieses Leben mit Todesfolge") und damit einerseits auf entwicklungspsychologische Zusammenhänge verwiesen (Erziehung, Kulturrahmen, Sozialisation, Aversionen, genetische Dispositionen usw.) und diese Frage ist andererseits immer auch mit den Aspekt eines "Glaubens" verbunden - deshalb meine Frage hier im Form "Was ist Glaube?"

Dazu noch einige Sätze von Erich Fromm: "In der Anbetung Gottes sucht er mit dem Teil seiner selbst in Berührung zu kommen, den er durch die Projektion verloren hat. Nachdem er Gott alles, was sein war, gegeben hat, betet er zu ihm, er möge ihm etwas von dem zurückgeben, was ihm ursprünglich zu eigen war. (.....) Er ist in ein schmerzliches Dilemma geraten. Je mehr er Gott preist, desto leerer wird er. Je leerer er wird, desto sündiger fühlt er sich. Je sündiger er sich fühlt, desto mehr preist er seinen Gott. - und desto weniger ist er imstande,
zu sich selbst zurückzufinden.
" (Fromm,Psychoanalyse und Religion,S. 49,50)

Reklov Offline




Beiträge: 3.338

21.03.2016 18:08
#4 RE: Christentum und Flüchtlinge antworten

Zitat
Dazu noch einige Sätze von Erich Fromm: "In der Anbetung Gottes sucht er mit dem Teil seiner selbst in Berührung zu kommen, den er durch die Projektion verloren hat. Nachdem er Gott alles, was sein war, gegeben hat, betet er zu ihm, er möge ihm etwas von dem zurückgeben, was ihm ursprünglich zu eigen war. (.....) Er ist in ein schmerzliches Dilemma geraten. Je mehr er Gott preist, desto leerer wird er. Je leerer er wird, desto sündiger fühlt er sich. Je sündiger er sich fühlt, desto mehr preist er seinen Gott. - und desto weniger ist er imstande,
zu sich selbst zurückzufinden." (Fromm,Psychoanalyse und Religion,S. 49,50)

Wolfmann,

... ich kenne die Bücher von E. Fromm. - Meiner Meinung nach ist es schon mal falsch, dass einer meint, "Gott" alles geben zu müssen, denn wir sind uns hier auf Erden "geschenkt" worden, um Freiheiten auszuprobieren und deren Konsequenzen zu erfahren. Wie sollten wir uns sonst auch entwickeln können? Das "Verlassen des Gartens EDEN" war also unbedingt nötig! - Betrachtet man "Gott" (eine Wort-Chiffre für das Unbekannte) jedoch als den "besten Freund", braucht man sich weder leer, noch sündig zu fühlen. Wer sich selbst sucht, stößt dabei stets auf "Gott", denn das Erforschen der Materie allein, bietet uns keinerlei Antworten auf die transzendenten Fragen zu unserem Dasein hier auf Erden! (Mit chem. und physikal. Formeln allein, ist dabei wenig zu erreichen.)

Gruß von Reklov

Wolfmann ( gelöscht )
Beiträge:

21.03.2016 18:58
#5 RE: Christentum und Flüchtlinge antworten

Die Einträge von Fromm sind nur eine Einspieglung von Sichten, aber in einem gebe ich Fromm recht: wenn wir uns einer wie auch immer vom eigenen Selbsterfahren (so wie der Einzelne die Welt erlebt, erfährt und interpretiert - um es einmal phänomenlogisch zu verfassen) geleiteten Position einer solchen Transpersonalität nähern stellt sich die Frage des Warum.
Warum wir brauchen wir diese Wirklichkeitkonstruktion - solange diese "Näherung" auf privatem Zugang bleibt dürfte es eine für den Einzelnen "reiche" Erfahrung werden, aber wird dieses Herangehen über vorgeschriebenen Institutionen (Religionen) begangen wird es zum "Leeren" und der Einzelne konformitiert sich, wird zu einer Konformität von Lehren, Normen, Traditionen, Regelwerken usw. - das kann passen (v.a. bei Identitätsschwächen), aber es kann auch den Einzelnen gleichsam entpersonalisieren.
Und, es bleibt immer ein Realitätskonstrukt, das mit der realen Wirklichkeit nicht viel zu tun hat, wie es Hesse einmal schrieb: "Wir Denker suchen uns Gott zu nähern, indem wir die Welt von ihm abziehen“. Mit der realen Welt wird ein solcher Gott zum Schuldigen - außer wir "entleeren" uns vom eigenen Denken und lassen uns in eine Gehäuse eines "Gruppenbewusstsein" stecken, was natürlich bequemer ist, denn hier beginnt der "Raum" von Glauben, Ritualen/Symbolen und Gemeinschaft - ein sehr heller Raum, ein zu heller Raum, wo Zweifel, Skepsis und eigenes Nachdenken stören. Aber das trifft nicht nur auf Religionsgemeinschaften zu, sondern jede Art von enggeistigen Kollektiven, Gemeinschaften und Bewegungen - und seien es nur solche die von konstruierten und konditionierten Feindbildern zusammengehalten werden.

Direktkontakt Offline



Beiträge: 842

21.03.2016 19:26
#6 RE: Christentum und Flüchtlinge antworten

Den Ausführungen von Wolfmann kann man teilweise zustimmen. Zwischen den Zeilen sehe ich hier beim Schüler von Siegmund Freud die Zentralisierung der Persönlichkeit, die Konzentration auf das Ich (Es?) und die Selbsterfahrung.

Das Subjekt ist immer der Beobachter seiner Umwelt. Zwangsläufig entwickelt sich so ein "geozentrisches" Weltbild. Der Mittelpunkt allen Seins ist der eigene "Bauch".
Der gedankliche Austausch und die Reflexion sind mit einer Unvollkommenheit behaftet, weil das Gegenüber ebenso wie man selbst nicht aus seiner Haut heraus kann.

Vollständige Übereinstimmung mit anderen "Intelligenzen" oder ein restloses Verständnis des Anderen oder Fremden ist nicht möglich.

Da ist jeder eine Insel für sich im weiten Universum!

Reklov Offline




Beiträge: 3.338

24.03.2016 14:28
#7 RE: Christentum und Flüchtlinge antworten

Zitat
Die Frage nach "Gott" als Transpersonalitätsmoment dürfte auch immer eine Frage an "mich" selbst sein (vielleicht wegen des "Geworfenseins in dieses Leben mit Todesfolge") und damit einerseits auf entwicklungspsychologische Zusammenhänge verwiesen (Erziehung, Kulturrahmen, Sozialisation, Aversionen, genetische Dispositionen usw.) und diese Frage ist andererseits immer auch mit den Aspekt eines "Glaubens" verbunden - deshalb meine Frage hier im Form "Was ist Glaube?"

Wolfmann,

... "Glaube" hat viele Kammern, in denen er wohnt. Angefangen vom Glauben, die eigene Mannschaft gewinnt das nächste Fußballspiel, über den Glauben an Magie, bis hin zu transzendenten Überlegungen, ja Überzeugungen.
Von Verkehrungen solcher Irrläufer des Glaubens, die man leider auch in religiösen Bereichen findet, kann einen erst die Klarheit disziplinierten Wissens befreien. Diese wird von einer Unbedingtheit der Existenz getragen.

Besonders die Philosophie ist hier aufgefordert, raumschaffendes Denken vorzubereiten:
Das erste ist die selbständige Entfaltung und kritische Begründung der Wissenschaften. Erst mit Ihnen wird klar, was wir wissen und was wir nicht wissen können, was Wissen ist, in welchen Grenzen wir es besitzen und in welchen Richtungen es prinzipiell möglich ist. Der restliche Bereich muss bis dahin dem Glauben überlassen werden.
Die Entwicklung eines wissenschaftlichen Fundaments hat aber immer die Tendenz, sich auf jedem Standpunkt gegen die als erledigt angesehene Metaphysik zu verabsolutieren.
Dagegen begründet die philosophische Besinnung erstens den eigenen Ursprung von Idee und Existenz, zweitens die Einsicht, dass jede gegenständliche Wahrheitserfassung ihre spezifischen Voraussetzungen hat, die jede für sich unfähig sind, das Dasein überhaupt in seinem Gehalte restlos zu umspannen.
Es ist wesentlich, dass der Mensch durch diese Voraussetzungen seiner Wahrheitsforschung sich nicht in diese Voraussetzungen selbst verfangen lassen will. Denn diese zeigen immer nur eine je einzelne gegenständliche Weltperspektive, nie die Welt!

Gruß von Reklov

Perquestavolta Offline



Beiträge: 2.774

24.03.2016 17:00
#8 RE: Christentum und Flüchtlinge antworten

Zitat von Wolfmann im Beitrag #3

Die Frage nach "Gott" als Transpersonalitätsmoment dürfte auch immer eine Frage an "mich" selbst sein (vielleicht wegen des "Geworfenseins in dieses Leben mit Todesfolge") und damit einerseits auf entwicklungspsychologische Zusammenhänge verwiesen (Erziehung, Kulturrahmen, Sozialisation, Aversionen, genetische Dispositionen usw.) und diese Frage ist andererseits immer auch mit den Aspekt eines "Glaubens" verbunden - deshalb meine Frage hier im Form "Was ist Glaube?"




Glaube als solches und im Sinne einer religiösen Überzeugung, ist die eitelste Schwachstelle des Menschen, auf welcher Psychopathen, narzisstische Wichte der Selbstbeweihräucherungsüberheblichkeit und halblustige Trittbrettfahrer immer ihren eigenen Senf und Salat anbauen.

Der Glaube ist Gott. Wer den "Größeren" und "Wahreren" hatte, wurde früher mal als Begatter bevorzugt...

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Ich habe nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine davon ab, dass man an einen Gott/höheres Ideal glaubt.

Wolfmann ( gelöscht )
Beiträge:

24.03.2016 18:12
#9 RE: Christentum und Flüchtlinge antworten

Auch wenn Moderator Gisbert alsbald wieder wegen der vielen Fremdwörter affektiv re-agieren wird – aber ich stehe mit einem Bein sowieso schon „draußen“: Glaube ist das, was man erstens nach kategorischer Zuweisung beschreiben will: neural als ein Gesamtfaktor in einem reentranten Prozessgeschehen, psychisch als Zustandswert verschiedenster psychischer Faktoren (kognitiver, affektiver, konativer, assertiver, commissiver usf.), kulturell als retentiver Gehalt, philosophisch als Axiom, soziologisch als Korrespondenz- Interferenz- und Interdependenzasepkt, religiös als (i.S. z.B. der Bibel) Vertrauensmoment (Hebr.11:1) letztlich als starke religiöse Proposition, ökonomisch als möglicher Wertschöpfungsfaktor, evolutionsbiologisch als ein möglicher Sprandel – als Entwicklungs“produkt“; etymologisch als etwas das protentiv erwartet, erhofft und „begehrt“ wird (von leubh )und was weiß ich nicht alles noch.
Zum zweiten ist Glaube ein individuell- subjektives Phänomen des Erlebens, Erfahrens und Deutens - ein Identitäts- und Selbstinhalt - hat jetzt nichts mit Freud zu tun.

Aus meiner Sicht eines Konstruktivisten heraus ist Glaube (wie auch „Gott“) eine Realitätskonstruktion, eine „erfundene Wirklichkeit“ (Watzlawick) als neuronaler Netzwerkaufbau in einem Konnektom mit einer psychischen, soziokulturellen und „emischen“ Übersetzung oder wie es Robert Anton Wilson einmal formulierte: "Jedes Nervensystem erzeugt ein bedeutendes Kunstwerk [Abbild], das es gewöhnlich für die reale Wirklichkeit hält und nach außen projiziert." (Wilson, Inquisition, S. S.254)

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